ausdrückt, die Republik und die Reaktion. Die Reak⸗ nion, meint er, wäre längst zu Grabe getragen, sie hätten wir nicht mehr zu fürchten; wohl aber drohe uns ein anderes ganz absonderliches und gefährliches

Gespenst, die Republik. Gegen diese müsse sich jeder rechtschaffene Bürger wappnen, von ihr solle sich je der fühlende und denkende Mensch mit Abscheu und Entsetzen wenden. Der Einsender geht zugleich die Weltgeschichte durch, und erzählt uns aus sämmtli chen Republiken der Vorzeit wie der neuern Zeit nur von Mord, Hinrichtungen und Todschlag, scheint aber dabei allerdins mehr dem Grundsatze, der Zweck heilige die Mittel, als der vollständigen Wahrheit gehuldigt zu haben.

Sollte er wirklich nicht wissen, daß die Griechen sich in ihren Republiken eine Bildung und Gesittung angeeignet haben, die uns noch zum Muster dient, daß die Römer 4 Jahrhunderte lang in ihrer Rupublik frei und glücklich lebten, und sich fast die ganze Welt unterworfen, oder sollte ihm unbekannt seyn, daß in der Schweiz ein Bruderstamm seit mehr als 500 Jahren republikanische Verfassung hat. Ich glaube, daß er das weiß und eben so weiß, daß in Amerika seit mehr als 60 Jahren eine Republik besteht, in der die Leute, was wir von ihr hören, weit zufrie dener, freier und wohlfeiler leben, als bei uns.

Sollte er aber auch glauben, daß noch keine ganz vollkommene Republik bestanden habe, so muß er bedenken, daß wir eine ganz vollkommene Regie rung überhaupt noch nicht gefunden haben.

Wunderlich sind diese Bemühungen, die Republik herabzusetzen, bald ist sie etwas Fürchterliches, bald etwas sehr Vortreffliches, sehr Gutes aber zu gut für uns.

Ein andermal ist sie nicht auszuführen. Warum? Weil man das Alte nicht umwerfen will, wenn es auch nichts taugt, weil man es beibehalten will, so lange es geht.

Ich sage aber nein. Wenn man einmal bald baut, so soll man von Grund aus neu bauen, nicht aber Neues mit Altem zusammenflicken; denn das paßt nicht zusammen, es gibt des Umänderns und Abän derns kein Ende, und zuletzt wird doch nichts Neues und Dauerhaftes errichtet.

Ein solches Flickwerk ist die constitutionelle Mo narchie. Sie hat in England nicht verhindert, daß habgierige und verschwenderische Aristokraten das Volk beherrschen und aussaugen, daß fast ganz Irland hun gert, sie wird dann eine Revolution nicht verhindern, die weit furchtbarer, weit graͤßlicher, als in andern Staaten seyn wird. Als in Frankreich zum ersten male die constitutionelle Monarchie aufkam, konnte sich weder der Fürst mit dem Volke noch das Volk mit dem Fürsten vertragen; beständige Unruhen ent standen daher, bis die Republik siegte, die freilich

11

von innern und äußern Feinden bedrängt zuletzt gleich⸗ falls untergehen mußte.

Eine neue Constitution wurde 1815 gegeben; sie wurde nicht gehalten vom Könige und nicht vom Volke; die Julirevolution beach aus; seit 1830 wurde die Constitution erneuert; aber der neue nig Ludwig Philipp betrog sein Volk wie der alte, bis es auch ihn verjagte.

Darum taugen diese Verfassungen nichts. Wir Deutsche wollen nicht ein halbes Jahrhundert im Kriegszustande leben; wir wollen von Grund aus neu aufbauen; darum wollen wir eine Republik lie ber gleich, als nach beständigen Unruhen und Bür gerkriegen. Das darf man jetzt sagen, denn alle Fürsten, Könige, Herzoge sind jetzt nur provisorisch und das deutsche Volk entscheidet durch seine Vertre ter am 1. Mai, ob sie noch ferner bestehen sollen oder nicht, und man muß es sagen, denn das Wohl des ganzen Volkes hängt davon ab.

Der Name Republik ist verrufen, aber die Sache ist gut. In ihr regiert nicht Jeder, sondern nur die vom Volke gewählten Männer. Unser Bürger meister und Gemeinderath bilden eine Republik im Kleinen, und doch finden wir in den Gemeinden Regierung, Ordnung und Gesetzlichkeit. Dasselbe Verhältniß soll im ganzen Staate stattfinden.

Alle Völker waren anfangs republikanisch; die Deutschen schon vor Tausenden von Jahren, so wer den sie es auch jetzt seyn können.

34 Fürsten vollends mit allen ihren Prinzen, ihrem Hofstaat zu ernähren, ist für ein Volk viel zu viel. Beschränken wir auch ihre Macht, so wer den doch die meisten ihre frühere Herrschaft nie ver gessen und uns überall hemmen und hindern.

Erklärt die deutsche Nationalversammlung aber, die Fürsten sollen nicht mehr regieren, so wird unser Erbgroßherzog, wenn er es mit seinem Volke wohl meint, seine Stelle niederlegen und er wird wieder werden, was seine Voreltern waren, ein Bürger.

Die andern Fürsten werden freiwillig oder ge zwungen folgen. So können wir uns eine dauer hafte, vortreffliche Staatsverfassung erwerben, wenn wir entschieden sind, wenn wir auf die Sache sehen, wenn wir nicht den Phrasenmachern, sondern der Wahrheit folgen. a

Die Reform oder die Republik.

Ein Wort an das badische Volk und zunächst an die Bewohner des Seekreises. von Friedrich Hundeshagen, ehemals Bürger von Amerika, nun Burger vom einigen Deutschland.

In Zeiten, die so ernst, so sehr ernst sind, wie

die heutigen, ist es die Pflicht eines jeden guten