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dung zu einem deutschen Bund nur kaum zufammen⸗ geleimt waren, aber kein rechtes Ganze bildeten. Das deutsche Land und Volk, wenn auch von jeher aus einzelnen Stämmen bestehend, ist und bleibt aber denn doch immer ein einziges Land und Volk und will darum auch zu einer wirklichen Ein— heit verbunden seyn. Und wenn dies geschehen, wenn Deutschland eins ist, so ist auch die deutsche Freiheit sowohl gegen jeden äußeren Feind, als ge⸗ gen jede Gefahr von innen auf das Kräftigste ge— schützt. Darum sieht denn auch beinahe Jedermann mit der größten Spannung nach der Gestaltung dieser Gesammt-⸗Verfassung. Aber eben weil so viele davon sprechen und es immer Einer besser verstehen will, wie der Andere, kommen gar mancherlei und verschiedene Ansichten darüber zum Vorschein und gar Mancher weiß noch gar nicht einmal recht, was es eigentlich für eine Bewandniß mit dem deutschen Parlament hat. Viele, die immer gewohnt sind zunächst dahin zu greifen, wo sie der Schuh drückt, meinen auch wohl: Das sey die Hauptsache nicht, erst solle einmal der Bürgermeister und der Kreisrath abgesetzt, die Ge— meindeweide vertheilt, der Wald preisgegeben, der Faselochse vertauscht werden ꝛc. Aber das sind Tho⸗ ren, die nicht weiter sehen als der Wetterhahn auf dem Kirchthurm und über ihren Eigennntz das große Ganze vergessen; die nicht bedenken, daß wenn wir erst Deutschland im Ganzen frei und einig haben, alle ihre einzelnen Beschwerden sich leicht und besser, als es jetzt in der Eile möglich ist, heben lassen. Wer Verstand hat, hilft zuerst, daß das ganze Haus unter Dach komme und keilt dann erst die Maus- löcher zu. Darum sollte man jetzt einmal das Lär— men und Klagen über die einzelnen Nebenpunkte, die ein Jeder in seinem Dorf oder in seinem Städtchen gern anders haben möchte, bei Seite lassen und zu— nächst erst dafür mitwirken, daß wir sobald als möglich das deutsche Parlament und durch dasselbe eine vernünftige und gute Gesammt-Verfassung für Deutschland erhalten. Denn da Jedermann nun das Recht erhält mitzuwählen an den Männern, welche dieses Parlament bilden sollen, so sollte jetzt ein Jeder wohl prüfen und bedenken, daß auch überall solche Männer gewählt werden, welche es dahin zu bringen wissen, daß die deutsche Freiheit auf diese Weise auch wirklich recht begründet und entwickelt und auf ewige Zeiten befestigt werde.
Um aber dieses zu können, muß sich vor allen Dingen ein Jeder klar machen, was denn dieses Parlament eigentlich ist, damit er nicht da⸗ von spricht, wie der Blinde von der Farbe. Will man es recht verstehen, so muß man so wohl auf die allgemeinen Grundsätze von der Verfassung eines Staates, als auf die Geschichte von Deutsch⸗ land insbesondere sehen. Wenn die Menschen ruhig
und friedlich neben einander wohnen wollen und Jeder sein Recht und seine Freiheit, wozu ihn Gott ge— schaffen hat, genießen soll, so muß eine Anstalt da seyn, die Jedermann bei seinem Recht und seiner Freiheit handhabt und sie sowohl für Alle, als für jeden Einzelnen schützt. Diese Anstalt ist der Staat, zu welchem sich die Menschen vereinigt haben, um Freiheit und Recht aufrecht zu erhalten. Zuvörderst haben sich wohl einzelne Familien zur gemeinschaftlichen Vertheidigung verbunden, daraus sind ganze Stämme erwachsen und zusammengetreten, zuletzt hat es ein ganzes Volk gegeben, das sich dann in einen solchen Staat vereinigt hat. Der Staat muß immer einen Einheitspunkt, eine Regierung haben, und diese Regie— rung kann man, wie leicht zu begreifen, entweder einem einzelnen Menschen, einem Anführer im Krieg und Regenten im Frieden, anvertrauen, oder man kann eine Anzahl Männer zusammen erwählen, um einen Rath zu bilden, der den Staat regieret. Darauf beruht der große Unterschied zwischen Mo⸗ narchien und Republiken. Denn wenn ein Einzelner den Staat regiert, heißt er Monarch, wenn ein zusammenberufener Rath oder Senat regiert, heißt der Staat eine Republik.
Die Monarchie hat ihr Gutes und ihr Böses und die Nepublik hat ihr Gutes und ihr Böses. Wenn der einzelne Regent machen kann, was er will, so ist der Hauptzweck des Staates verfehlt, indem dann Recht und Freiheit, statt daß sie von der Regierung geschützt würden, gekränkt und beeinträchtigt werden könnten, also eine Willkührherrschaft des Regenten, eine sogenannte absolute Monarchie, oder Despotie, wie in der Türkei, wo der Sultan Jedem den Kopf abhauen lassen kann, taugt offenbar gar nichts. Aber auch eine Republik kann oft eben so schlecht ausfallen; denn wenn jeder an die Spitze der Regierung gelangen kann, so kommt es leicht dahin, daß Jeder comman— diren und Keiner gehorchen will, oder daß doch eine Partei oben hin und die andere unterdrücken will und darum hat die Erfahrung gelehrt, daß in den Republiken häufig Bürgerkrieg und Blutvergießen entsteht. In der Monarchie geht Alles von einem Punkte aus, Alles ist schneller, kräftiger, sicherer ge— ordnet, hält besser zusammen und es ist für Freiheit und Recht des Einzelnen ein besserer Schutz als in den, gar häufigen Wechselfällen unterworfenen Re⸗ publiken,
(Forts. folgt.)
Welche Aussichten bieten uns die Republiken?
Unter dieser Ueberschrift besprach jüngst ein Auf— satz dieses Blattes zwei gar böse Geister, wie er sich


