Ausgabe 
6.12.1848
 
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(Beiblatt.)

J 38.

Für welche Staatsform soll ich mich ent scheiden? (Fortsetzung.)

Es fragt sich daher am Ende blos, ob die Ver

suchung zum Mißbrauch der Gewalt gegen die Volks freiheit großer set für das ererbte oder für das ge

wählte Oberhaupt. Die ererbte Krone ist auf Lebenszeit demselben Haupte bestimmt; der Fürst soll Fürst sein, bis ihn der König der Könige vom Throne ruft. Nur dann läuft er Gefahr sein Erbtheil zu verlieren, wenn er gegen den Volkswillen sich auflehnt und das Staatsgesetz offenbar verletzt. Ihn warnt vor Treu bruch zugleich mit dem Gewissen die Stimme der Klugheit und der Rath der Geschichte. Das gewählte Oberhaupt aber muß nach einigen Jahren die ihm übertragene Würde und Gewalt zurückgeben; und seine Wiedererwählung ist zweifelhaft. Hängt ihm das Herz mehr an der Macht, als an der Pflicht, so wird ihm das Gesetz, das dem Volke die Freiheit sichert, ein Dorn im Auge sein; und ein solcher Präfident wird seinen Einfluß benutzen, um sich eine Partei zu schaffen, durch welche seine Wiedererwählung verbürgt wird. Den Schw ea

chen wird er einschüchtern, den Starken niederhalten, den Ehrgeizigen erheben, den Feilen erkaufen, den Ergebenen be⸗

günstigen, den Leichtgläubigen verblenden und so den Volkswillen verfälschen, bis die Bedeutung des Wahlrechts vereitelt ist. Vielleicht begünstigt ihn das Glück so, daß er selbst wagt, sich über das Gesetz zu erheben und nitht mehr nach dem Rechte des Volks zu fragen. Oft genug hat das Oberhaupt in Republiken die ihm übertragene Macht zur un um⸗ schränkten Herrschaft ausgedehnt(Despotie); oft genug ist die oberste Gewalt in densel ben das dauernde Besitzthum weniger reichen und mächtigen Familien geworden (Aristokratie). Daß die Freiheit des Volkes in Erb reichen gesichert sein kann, das zeigt ja England und Belgien; daß sie aber auch in Republiken Gefahr läuft, davon weiß die Geschichte viel, viel zu erzählen. Von dieser Seite betrachtet, scheint der Wahl die Erb lichkeit vorzuziehen zu sein.

Um die Wahl für eine so wichtige Stelle im Staate zu Stande zu bringen, werden sich Parteien bilden; und ungleich umfassender und heftiger wird der Wahl- kampf sein, als die kleinen Bewegungen, welche wir bisher gesehen haben. Das ganze Land wird von Aufregung ergriffen werden, und dies so oft, als eine Neuwahl nöthig ist. Wer soll aber den Brand der Leidenschaften wünschen? Dann sollen

Mittwoch den 6. December Dr. ͤÜ.. K mr

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1818.

wieder die Massen aufgewühlt und in's Feld gerufen werden, dann soll wieder, wer übermüthig genug ist und Nichts zu verlieren hat, Rednerbühnen auf⸗ gerichtet finden, von wo er mit schimmernden Worten den Irrthum verbreiten und die Gemüther erhitzen kann? Dann soll wieder die Ruhe aus den Städten, das Vertrauen aus dem Herzen, das Leben von den Handelsplätzen und aus den Werkstätten entschwinden und der Verdienstlosig keit und Nahrungssorge das Feld räumen? In solche Zustände mein Vaterland zu versetzen, dazu kann ich meine Hand nicht darbieten. Das deutsche Volk wird niemals Freude an solchen Bewegungen finden lernen,

in denen die Sittlichkeit gefährdet, und die zarte Stimme des Gemüths verhöhnt wird. Die Be dürfnisse seines Herzens und der Ruhm seiner

Ehrlichkeit, Friedlichkeit und Treue stehen ihm höher, als das politische Treiben und Kämpfen, das den Mann hinaus auf den Marktplatz drängt, wenn er sein Tagewerk geendet hat, das ihn zwingt, während er lebt, Gattin und Kinder verwaisen, und die Stätte des traulichen Familienlebens veröden zu lassen, das ihm die Ruhe zur Pflege der Wissenschaft und zur Uebung der schönen Künste verkümmert, das alle die zarten Bande lockert, welche das Herz zum Himmel heben. Nein! zu solcher Schöpfung kann ich die Hand nicht bieten.

(Forts. folgt.)

(Eingesandt.) Die Adresse, welche der Bürger verein zu Friedberg unterm 16. v. M. an Herrn Präsidenten v. Gagern abgesandt hat, theilen wir nachstehend mit:

Als Du vom Jubel des ganzen Deutschlands be grüßt am 19. Mai dieses denkwürdigsten Jahres deut scher Geschichte, den dir fast einstimmig übertragenen Vorsitz der deutschen National-Versammlung einnahmst, gelobtest Du feierlich vor dem ganzen deutschen Volke, daß seine Interessen Dir über Alles gehen, daß sie die Richtschnur Deines Betragens sein würden, so lange ein Blutstropfen in Deinen Adern rinne; und Du gelobtest ferner, als das gewählte Organ der Ver sammlung die Beobachtung der höchsten Unpartheilichkeit!

Treulich hast Du seither dieses Gelöbniß erfüllt, Du hast gezeigt, daß Du ein rechter deutscher Mann bist, der sein Vaterland liebt über Alles; aber auch der rechte Steuermann, der trotz Sturm und Wogen drang das Schiff mit starker Hand durch die Brandung zu führen versteht, unverrückt dem Ziele zusteuernd, das Dir schon in dem Traum der Jugend vorschwebte, für welches Du als Jüngling und Mann mit gleicher