Ausgabe 
6.9.1848
 
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genannt haben; allein er weiß, daß in der Naturge schichte gar oft der Name des Eutdeckers dem entdeckten Gegenstande als Epitheton beigefügt wird, und eine solche Befreundung und Verknüpfung seines Namens mit dem neu entdeckten Chamäleon wünschte er zu vermeiden.

Erwiderung auf die Erklärung der Herren Stud. Fendt und Götz in Nr. 22 u. 23 der Sprechhalle*).

Wie vorauszusehen war, haben die Hrn. Fendt und Götz unsere Aufforderung zur Begründung oder Rücknahme ihrer Beschuldigung gegen Jaup Denun ciation genannt, um die Leser im Voraus für sich einzunehmen. Wir sind indeß fest überzeugt, daß eben sowenig die urtheilsfähigen Leser unser Verfahren für denunciatorisch halten, als wir selbst uns durch diese Benennung irgend wie in unsern Handlungen bestimmen lassen werden. Wir forderten die Hrn. Fendt und Götz auf, offen und ehrlich dieselben Be schuldigungen eines Mannes schriftlich auszusprechen, welche sie hinter seinem Rücken ma ndlich ausge⸗ sprochen haben, was unzweifelhaft ihre Pflicht war, wenn sie sich nicht dem gegründeten Vervachte aus⸗ setzten wollten, daß es ihr Zweck war, diesem Manne hinter seinem Rücken die Ehre abzuschneiden. Denn nur ein Feigling greift den Gegner im Rücken an und wagt es nicht, ihm im offenem Kampfe die Stirne zu bieten. Mit allgemeinen, nichts sagenden Floskeln, wie diese Herren sie gebraucht, lassen sich wohl Unmün dige in den sogenannten Volksversammlungen abspeisen; hier aber können sie damit nicht ausreichen. Wir müssen also selbst, wahrlich zu unserm Bedauern, die Pflicht der Hrn. Fendt und Götz erfüllen, die fraglichen Beschuldigungen anzuführen ze. Wir hätten eben so gehandelt, wäre der Angeschuldigte irgend ein an⸗ derer Mann, hielten es aber in diesem Falle, wo das einem Minister in unsern Tagen unentbehrliche Ver trauen vernichtet werden sollte, für doppelte Pflicht, so zu handeln, wie wir thaten. Wenn Herr Fendt meint, wir hätten wahrscheinlich Hrn. Jaup bereits in dienstlichen Wege zu gutfindender Kenntnißnahme Mittheilung gemacht, so irrt er sehr. Wie wir von vorherein erklärten, wollen wir blos die Anklage durch den Druck festhalten, damit sie nicht mit dem Schall der Worte erlösche, auf daß Jaup, wenn er es nöthig finden sollte, die Ankläger zur Rechenschaft ziehen kann, damit die Wahrheit an den Tag komme. Die Beschuldigungen selbst betreffend, sprach zuerst Herr Fendt auch über Jaups Privatcharakter, während das Publikum einzig und allein seinen öffentlichen Charak ter vor einer öffentlichen Volksversammlung zu beleuch ten befugt ist. Was war also der Zweck, daß Hr. Fendt in jener Volksversammlung weitläufig von dem kriechenden, speichelleckerischen Wesen ) Die Handschrift zu dieser letzten Erwiderung gegen die Herren Fendt und Göß befindet sich seit Dienstag Morgen, den 29. August l. J. ununterbrochen in den Händen der Re⸗ daction, wurde aber gegen unsern ausdrücklichen Willen in der letzten Nummer der Sprechhalle nicht abgedruckt. Wir fordern die Redaction auf, uns dieses zu bezeugen, damit unsere Gegner uns nicht vorwerfen können, daß die in der letzten Nummer der Sprechhalle aus demOdenwälder ab⸗ gedruckte Erklärung Jaups auf die Beschuldigungen des

Jüngsten Tages nicht ohne Einfluß auf diese unsere Erwi⸗ widerung geblieben sei.

Jaup's sprach, der wiederholt versucht habe, sich der fürstlichen Familie zu nähern, die gnädigen Fußtritte nicht achtend, die ihm wiederholt ertheilt worden seien? Daß er sich,(man denke!) so weit erniedrigt habe, bei der Vermählung der Prinzessin Maria mit dem russischen Thronfolger einen eee entwerfen, um die Ver- wandtschaft hohen Neuvermählten nach zuweisen, vielleicht um dafür eine goldne Dose zu erhalten? Ob ser dieselbe nun wirk⸗ lich erhalten, wäre ihm unbekannt! Warum unterstellt Herr Fendt so niedrige Beweg gründe für die Handlungen eines Mannes, der in einem langen Leben unsers Wissens rein und tadellos da steht? Ist es denn ganz undenkbar, daß er einen solchen Schritt vielleicht gegen seine eigne Neigung nur aus Liebe zum Vaterlande gethan, um bei erfolg⸗ ter Annäherung dem während seines ganzen langen Lebens von ihm bekämpften Systeme Metternichs ent⸗ gegen zu arbeiten, durch dessen Macht er aus seiner einflußreichen Stellung entfernt worden war, wo⸗ durch allein er schon bei allen Freunden der Freiheit einen bedeutsamen Empfehlungsbrief besitzt. Ist es dem Herrn Fendt unbekannt, daß wir vorzüglich Herrn Jaup unsere Gemeindeordnung verdanken, die freisinniger ist, als irgend ein Lanz in Europa eine besitzt? Doch die oben erwähnten Vorwürfe sind Kleinigkeiten, wenn man vom Zwecke absieht, gegen die Beschuldigung, daß durch Herrn Jaup eine Summe von den Entschädigungsgeldern vom französischen Kriege her verschwunden sei, die er wahr- scheinlich(für den Staat) nicht zu verwen⸗ den gewußt habe.

Der andere Redner, Herr Stud. Götz aus Mainz, beschuldigte Jaup, daß er nur durch glänzende Ueberzeugungsgründe vermocht, den für unser Land so nachtheiligen Post vertrag, bei dem es Hunderttausende verliere, ab ge⸗ schlossen habe. Daß damit nichts Anderes gemeint war, als gemeine Bestechung, ist keinem der urtheilsfähigen Zuhörer im Geringsten zweifelhaft. Derselbe Redner, Herr Stud. Götz hat schon früher in einer Volksversammlung sogar Heinrich Gagern als Lügner dargestellt, indem er dessen ausdrück liche Behauptung, daß Lepel das berüchtigte Separat Protokoll, das damals ganz Deutschland und unser Hessen besonders aufregte, ohne Dienstanweisung er⸗ lassen habe, als unwahr und Spiegelfechterei darstellte.

Es bedarf gewiß nur dieser Thatsachen, um jedem Unbefangenen die Augen zu öffnen, über das Treiben und die Zwecke dieser Herrn. Es ist eine betrübende Erscheinung, solche Männer, die ihr ganzes Leben lang mit den größten Opfern der heiligen Sache der Frei heit ihre edelsten, höchsten Kräfte geweiht und sich den Dank, die Verehrung dieser und der künftigen Zeiten erworben haben, verläumdet und in den Koth gezogen zu sehen, von jungen Leuten, die sich Republikaner nennen, aber von republikanischen Tugenden auch keine Spur zu besitzen scheinen, und uns eine höchst beach⸗ tenswerthe Probe gegeben haben von dem Treiben und Wühlen, das wir in unsern Tagen in einer Republik erleben würden!

Die Angeklagten selbst aber, Gagern und Jaup werden muthig ihre erhabene Bahn wandeln, bis zu welcher solche Verläumdung nicht empor reicht. Dafür

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