Ausgabe 
6.9.1848
 
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l 25.

Mittwoch den 6. September 1848.

EEC ³˙ 1A KT e Naturhistorisches.

Die Zeit großer Ereignisse und merkwürdiger Ent deckungen, in der wir leben, geht auch an der Natur geschichte nicht ganz spurlos vorüber.

Außer der muthmaßlichen Entdeckung von Ele phanten im Bereiche von Gießen, mit der besonderen Eigenschaft begabt, etwasplump mit der Wahrheit die Thüre herein zu fallen, und der vermeintlichen Entdeckung einer eignen Art Mücken, deren Stich sich mitunter sehr fühlbar macht, Entdeckungen, welche mehrere Mitglieder des hiesigen Märzvereins, (Dr. Carriere, Dr. Jul. Hillebrand, Dr. Bork, u. A.) sich zuschreiben, hat auch Einsender dieses, ein Liebhaber der naturhistorischen Wissenschaft, gleichfalls in Gießen eine besondere Species eines Chamäleons aufgefunden, und bei genauer Beobachtung dieser Krea tur erkannt, daß bei derselben seit der Pariser Februar Revolution bereits ein drei- bis viermaliger Farben- wechsel, je nach dem Stand der politischen Windfahne, stattgefunden hat. Von größtem Nutzen, zumal in gegenwärtiger Zeit, würde dieses Geschöpf für die menschliche Gesellschaft seyn, wenn es bezüglich der Politik die prohhetische Natur des Laubfrosches besäße. Leider aber verhält es sich damit ganz anders: der Farbenwechsel folgt bei demselben dem Wechsel der großen Begebenheiten jedesmal nach! Es verdient da her in practisch-politischer und socialer Beziehung keine weitere Beachtung, und es wird ihm wohl Ehre genug angethan seyn, wenn es vorläufig einfach in das natur historische System oder Fachwerk eingereicht und regel recht als dritte Species Chamaeleo politicus Gissensis benannt wird.

Natürlicher Charakter der Chamäleonen:

Semper hiat, semper tenuem, qua vescitur, Aauram Et mutat faciem, varios sumitque colores, Sic et adulator populari veseitur aura, Et solum mores imitatur principis atros. Alciati, Embl. in adulatores.

Für den der Naturgeschichte weniger Kundigen, und zugleich zur näheren Charakteristik unseres Cha⸗ mäleons fügt ein zweiter Beobachter folgende Skizze bei:

Die Chamäleonen(Iguana Chamaeleon) gehö ren zur Klasse der Amphibien und zwar zur Familie der wahren Eidechsen. Sie theilen also die wesentlichen Eigenschaften dieser Familie und Klasse; unser Chamaleon hat aber auch als eigne Species seine besonderen Merkmale. Die Amphibien leben auf dem Lande und im Wasser; auch unser Chamäleon lebt auf festem wie auf durchlöchertem Boden, und be wegt sich auch viel in wässerigem Elemente. Bei allen

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Amphibien hat die Mundhöhle eine bedeutende Weite, besonders in der Quere; auch unsere Species ist groß mäulig, und nimmt immer den Mund sehr voll! Die meisten Eidechsen sind ganz und gar stumm; unser Chamäleon kreischt und schreit, besonders da, wo viel Volk beisammen ist. Alle Eidechsen haben eine be wegliche Zunge; auch bei unserer Species ist dies der Fall, und zwar in hohem Grade, denn ihre Zunge ist fast beständig in einer saftigen, plappernden Be⸗ wegung; hie und da zeigt sie auch Haare auf der Zunge, aber erst seit den Märztagen. Der Kopf der Chamäleonen erhebt sich nach hinten in einen Höcker oder Kamm; unsere Species trägt den Kamm beson ders hoch. Der Rückgrat dieser Geschöpfe zeigt eine kielförmige Erhöhung; unser Chamäleon trägt den Kiel

in den vordern, beziehungsweise wenn es aufge richtet ist in den obern Extremitäten. Der Schweif

der Chamäleonen krümmt sich in einander wie ein Roll schwanz; unsere Species versteht das Schwänzeln eben⸗ falls. Dieselbe ist ungefähr 5 Fuß Darmstädter Maß lang, wahrend die Größe der Eidechsen überhaupt zwischen 20 Fuß und einigen Zollen wechselt. Die Chamäleonen können sich ganz und bedeutend aufblasen und ihr Colorit dabei ändern, so daß es schwer wird, ihre eigentliche Farbe zu bestimmen; alles das findet sich auch bei unserm Geschöpf, an Aufgeblasenheit und ra schem Farbenwechsel weicht es keinem andern bekannten Chamäleon. Die Eidechsen überhaupt pflegen ferner, gleich den Schlangen, ihre lebendige Beute, wie man sagt, zu bezaubern; an unserm Chamäleon hat man wenig Zaubrisches bemerkt. Die meisten Eidechsen versteht sich, die weiblichen legen Eier mit weicher oder wenig fester Schale; unser Individuum ist aber ein Männchen; gleichwohl hat es den Anschein, als ob es viel brüte; und wirklich hat es schon Eier ge legt, aber Windeier, taube Cier oder Eier wässerigen Inhalts, keine solide, es sind politische Eier. Die Amphibien, besonders die Eidechsenarten, werden auch zahm; unser Chamäleon war auch schon gezähmt, ist dann aber wieder etwas wild geworden, wird sich jedoch wohl bald wieder fügen.

In Bezug auf die Geschichte der Entdeckung dieser neuen Art von Chamäleon verdient schließlich nur noch bemerkt zu werden, daß schon lange vor den Februar ereignissen einigen hiesigen Gelehrten, übrigens Laien in der Naturgeschichte(einem Juristen und einem Philo⸗ logen, vielleicht auch Andern), das interessante Geschöpf wegen des öfteren Farbenwechsels, den es schon damals gezeigt hatte, aufgefallen und von ihnen gar manch⸗ mal in heiterer Gesellschaft besprochen worden war. Allein erst der obige Beobachter, der es neuerdings selbstständig aufgefunden, hat es förmlich in die Wissen⸗ schaft eingeführt und demselben die gebührende Stelle im Systeme angewiesen. Vielleicht würde er sich auch