Ausgabe 
3.5.1848
 
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ten Zeit im Café des Alpes(dem Ort der Ver⸗ sammlung) etwa 24 Personen, deren größern Theil ich der Mundart nach für Schweizer halten mußte. Unter den wenigen Deutschen waren die Herren Vogt, Vater und Sohn(Emil). Eine Stunde nach der festgesetzten Zeit erschienen, nach meiner Schätzung, 50 60 Handwerksgesellen. Diese hatten einige Tage früher ihre Versammlung zu dem besagten Zweck gehalten; sie waren entschlossen, für eine deutsche Republik mit den Waffen zu ziehen. Ich habe dies nicht nur in jener Versammlung von Ein⸗ zelnen gehört, ich hörte es zu Oefterem aus dem Munde des Präsidenten des Gesellenvereins, welcher bei meinem Schwager in Bern arbeitete. Ich sprach demselben öfter gegen gedachtes Vorhaben, nicht als Monarchist, sondern weil der besonnene Repu⸗ blikaner jetzt keine Republik wollen darf(meine An⸗ sicht hierüber ist die gestern von Herrn Ricker ver⸗ tretene). Es war aber nicht mehr der Augenblick, meinen Worten Eingang zu verschaffen. Die Seeger'sche Einladung zur Versammlung sagte: wir müßten uns rüstenum auf den Ruf einer Regie⸗

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rung, einer deutschen Regierung bereit zu sein. Ein Jahr früher hatte er in seiner Inauguralrede die Hoffnung ausgesprochen, von der neugebornen Ber⸗ nerregierung und der Schweiz werde Deutschlands Heil mit Waffen dahin getragen werden.(Ich habe dies in einem Zeitungsartikel über seine Antrittsrede hervorgehoben; es ist nicht abgeläugnet worden). Ich ging an die von Seeger berufene Versammlung, um ihn zu entschiedener Sprache zu bringen, weil sein Aufruf nach zwei Seiten gedeutet werden konnte. Ich hatte nicht nöthig zu sprechen; Seeger erklärte, es sei nicht wahr, daß man für Republik marschiren wolle; dann aber sagte er in einem Nachtrag zu seiner Rede verblümt, es sei ihm ein Schloß vor's Maul gelegt.(Nemlich die Justiz⸗ und Polizei⸗ direction der Regierung, von welcher er früher das Heil Deutschlands erwartet(hatte, hatte ihn gleich nach Erscheinen seines Aufrufs polizeilich aus der Stadt weisen wollen; sein Verein wurde auch so⸗ gleich nach seiner Gründung vom Regier ungsrath

aufgehoben).(Schluß folgt.)

Intelligenzblatt.

33) Um Mißverständnisse zu vermeiden, sieht sich der Ausschuß des vaterländischen, constitutionell⸗demo⸗ kratischen Vereins zu der Erklärung veranlaßt, daß er zu dem bei Herrn Brühl erscheinenden Blatteder deutsche Michel in keinerlei Beziehung steht, und daß alle von dem Vereine, als solchem, ausgehenden Erklärungen ꝛc. im Gießer Wochenblatte mit der

Unterschrist des Vorsitzers und Schriftführers versehen erscheinen werden. Gießen den 1. Mai 1848. Der Ausschuß des vaterländischen, consti⸗ tutionell⸗demokratischen Vereins dahier. Der Vorsitzer: Dr. Credner. vdt. Dr. Eckstein, Schristführer.

Aufruf!

34) Die ausgedienten Soldaten in Gießen haben sich aus freier Entschließung in der

Art vereinigt, daß sie für sich eine

Compagnie zur Handhabung und Aufrechthaltung der ge⸗

setzlichen Ordnung bilden wollen und fordern in Folge dessen alle in den nächstliegenden Ort⸗

schaften sich befindlichen alten Kameraden auf,

sich an unserem Vereine zu betheiligen. Jeden

Sonntag wird exereirt, bei welcher Gelegenheit jedesmal über unsere Angelegenheiten bera⸗

then wird. 5 Haben wir uns constituirt, Wir wollen nicht in die Rechte feste Stütze an uns haben.

so wählen wir unsern Hauptmann und die übrigen Führer. der Volksbewaffnung eingreifen, nein! diese soll eine

Major Peppler, den ihr alle kennt, wird uns in unserem Vorhaben unterstützen, und

nächsten Sonntag zum erstenmal unserer

Exercierübung beiwohnen.

Wer sich also anschließen will, unterschreibe seinen Namen und folge unserer Erercierein⸗

ladung, weiche jeden Sonntag Nachmittags von 3 bis 5 Uhr stattfindet.

platz ist vor dem Prinz Carl. Im Namen sämmtlicher Theilnehmer: W. Schwalb, Dachdeckermeister.

David Eckensperger, Maurer.

Adolph Heimreich.

Der Aufstellungs⸗

Moses Rothenberger. Schneider Selzer.

Heinrich Faulstich.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J.