Monarchien. In Frankreich beziehen die republikani⸗ schen Minister jeder achtzigtausend Fr., so gut als die Minister Louis Philipps; die Steuern aber sind gar um das Doppelte erhöht worden,— um die Wohl⸗ thaten der Republik(2) zu retten; und sechs Mo⸗ nate müssen vorausbezahlt werden; dabei hat man viele Staatswaldungen verkauft und die Staatsgläu⸗ biger Frankreichs binnen der Frist Eines einzigen Monats um nicht weniger als über 6000 Mil⸗ lionen!!, allein in 4 Sorten von Staatspapiere gebracht, alles Vertrauen und aller Handel und Ver⸗ kehr vernichtet und unsere deutschen Arbeiter in Paris so vollkommen frei— von allem Geld!— ge— macht, daß sie keinen Brief an ihre deutschen Ver⸗ wandten und Angehörigen mehr frankiren können. Würden denn, wenn Deutschland auch das Glück einer Republik aufgenöthigt werden könnte, darum die Steuern sich mindern? würde ein republikanischer Rath von mindestens 333 Mitgliedern vielleicht we⸗ niger kosten als unsere 33 deutschen Regenten? die großen Theils von ihrem Privatvermögen leben und theils, wie z. B. Lichtenstein, aus ihren Bundeslän⸗ dern keinen Kreuzer beziehen? Hängen an 333 Republikaner nicht auch wieder ihre 333 Sipp⸗ schaften, die auch versorgt seyn wollen und nicht von Luft und Wasser leben? Sind alle Republikaner Stoiker gleich Cato? Gewiß ebensowenig, als alle Constitutionellen so uneigennützig sind wie unser Ga⸗ gern und Welker! Kostet vielleicht die nichts weniger als organische Verfassung der freien Stadt Frank⸗ furt nicht wenigstens dreimal mehr, als wenn sie der Wohlthat der preußischen Städteordnung theilhaftig wäre? Aber auch einmal angenommen, einzelne Verwaltungszweige, z. B das Heerwesen, wären in manchen Republiken wohlfeiler, als sie in manchen Monarchien sind, läßt sich diese Kostspieligkeit nicht auch ebensogut in Monarchien wie in Republiken vermindern? Ist aber eine solche Verminderung darum in Wirklichkeit immer auch eine wahre Erspar— niß? Allerdings brauche ich, wenn nur ein kleines stehendes Heer besteht, auch weniger Steuer zu entrichten, weil ich dann zugleich als Nationalgardist diene? Kostet mich aber darum meine Bewaffnung Nichts? und werde ich nicht dadurch von meinen Geschäften abgehalten und es entgeht mir der Ver⸗ dienst, den ich sonst gehabt hätte? Fortsetzung folgt.)
Eine Erinnerung an die erste französische Re— publik und Rottecks Stimme darüber. (Fortsetzung.)
S. 219:„Das Konstitutionswerk ward vollendet ꝛc. Ein unverletzlicher König, als In⸗ haber der gesetzvollstreckenden Macht, verantwortliche
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Minister und beiden gegenüber die eine gesetzgebende Versammlung., eine selbstständige Justiz und Ge⸗ schworenengerichte, eine wohlorganisirte Nationalbe⸗ waffnung und neben dem die feierliche Gewährung aller kostbaren materiellen, bürgerlichen und persön⸗ lichen Rechte ꝛc.— was blieb bei solch' einer Konstitution dem Volke noch zu wünschen übrig?— Fürwahr, wer diese Verfassung schmäht, schmäht die Menschheit, als könne sie nicht er⸗ tragen, was dem Recht und der Vernunft ge⸗ mäß ist! daß aber diese Verfassung in Kurzem zu⸗ sammenstürzte und hierauf das Verderben herein⸗ brach, davon lag die Schuld nicht in ihr selbst, sondern allernächst in der Leidenschaftlichkeit der Opposition, woraus auch der äußere Krieg hervorging.“
Die Zeiten der gesetzgebenden Ver-
sammlung.
S 222:„Gleich am Anfang der Sitzung ward die üble Stimmung des gesetzgebenden Körpers in mehreren betrübenden Zeichen kund. Die Wahl war unglücklich ausgefallen durch die ränke⸗ vollen und gewaltigen Umtriebe der Jacobiner. Es gelang den Parteimännern— was sonst eher den Regierungen zu gelingen pflegt— die Wahlbeherrschung, somit die Unterdrückung der Nation. Die feilen oder unüberlegten Stimmen der Urwähler brachten meist die Faktionsmänner in die Wahleollegien und diese erkoren dann die Koryphäen ihrer Partei zu Repräsentanten der Nation. Also kam es, daß die Mehrheit der Letzten aus Enthusiasten bestand, welche nach völlig republikanischen Formen sich sehnten, unein— gedenk der großen Lehren der Ge⸗ schichten, wornach nur einfache, unverderbte Völ⸗ ker solche Formen ertragen, dagegen in Sinnengenuß und Selbstsucht versunkene dur ch sie zur wilden Pöbelherrschaft und sodann zur Tyrannei unausweichlich gelangen.“
(Fortsetzung folgt.)
Gießen, den 29. April 1848.
Herr Prof. Vogt sprach in gestriger Versamm⸗ lung im Busch'schen Garten von einer Versammlung Deutscher in Bern, die vor etwa drei Wochen zum Zweck der Bewaffnung und Waffenübung der dorti⸗ gen Deutschen gehalten wurde. Ich war in dieser Versammlung anwesend. Was Herr Vogt gestern darüber gesagt hat, ist unrichtig. Ich wollte mich darüber aussprechen; die Versammlung wurde aber geschlossen ehe ich das Wort begehrt hatte. Die Berner Ver⸗ sammlung wurde durch den als Dichter bekannten Ludwig Seeger berufen. Sein Name ließ keine zahl⸗ reiche Vereinigung erwarten Ich fand zur bestimm


