Ausgabe 
3.5.1848
 
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erst vorher gelernt haben mußte von seiner Freiheit

rechten und weisen Gebrauch zu machen. Gewiß, wenn wir Deutsche nur erst einmal von innen heraus in Kopf und Herz alle republikanische Eigenschaften gewonnen haben, wenn sich keine Ehrsüchtigen und Parteimacher, keine niederen Leidenschaften mehr un⸗ ter uns finden, wenn Alle moralisch gut, ehrlich und treu, einig und gemeinsinnig sind, wenn Recht und Gesetz unbedingte Achtung und alle Tugenden ihre Heimath bei uns haben, dann wird auch die Repu blik ganz von selbst und ohne Revolution und Umsturz zu uns kommen und dann wird sie auch bestehen können. Man beruft sich wohl auch auf die Schweiz und auf Nordamerika, als Beispiele guter Republiken. Als aus der Schweiz ein Freistaat wurde, waren ihre Bewohner einfache Hirten, für welche eine solche Regierungsform recht gut paßte. Im Lauf der Jahr⸗ hunderte aber gab es in der Schweiz mehr Herren und Knechte als in irgend einem Lande Europa's. Die neuere Zeit suchte das Gleichgewicht mehr her⸗ zustellen, allein man sehe doch nur die Geschichte der Cantone aus den letzten zwei Jahrzehnten näher an; um sich von dem Heil der Republik auch dort zu zu überzeugen; war denn in derselben ein Jahr lang Ruhe und Frieden? haben wir nicht in Kurzem dort ein halbes Dutzend Bürgerkriege erlebt? haben nicht die Jesuiten und ihre Helfershelfer Jahre lang die Hälfte der Schweizer in ihren Fesseln gehalten? war nicht und ist nicht noch ein ewiges Treiben und Ver⸗ folgen der Parteien, Stürmen und Stürzen der Re gierungen, Landesverweisen, Gefangensetzen, Verurtheilen der Andersgesinnten? Gewiß würde dort schon Alles längst in grauser Verwirrung zusammengestürzt seyn, wären die Verhältnisse nicht alle so kleiner Natur (Forts. folgt.)

Republik oder eonstitutionelle Monarchie? (Erster Artikel.)

Es gibt keine absolut beste Staatsform, weil in der Monarchie so wenig, als in der Republik an sich ein Hinderniß zur vollen und gleichen Erreichung der Staatszwecke enthalten ist. Der Vorzug der einen oder anderen Staatsform läßt sich daher nur nach den besonderen Verhältnissen jedes einzelnen Volks bestimmen. Nur so viel steht im Allge meinen fest, 1) daß keine Republik, ohne die er⸗ forderlichen republikanischen Tugenden der Rechtlichkeit, Gesetzmäßigkeit, der vollsten Achtung der gleichen Per sönlichkeit und des Eigenthums der Mitbürger, der Uneigennützigkeit, des Patriotismus ꝛc. ꝛc., den Grad der bürgerlichen Freiheit, Wohlfahrt und Rechts⸗

sicherheit gewähren kann, wie dieses in der Monarchie der Fall ist und dieses zwar aus dem ganz einfachen Grunde, weil in Republiken jeder Ehrgeizige nach der höchsten Gewalt strebt, weil dadurch meist Kämpfe und Parteiungen entstehen und stete Aufregungen bewirkt werden, die in Monarchie deßhalb unmöglich sind, weil hier ein bleibender Einheitspunkt gegeben ist. Ferner steht soviel fest, 2) daß deßhalb, weil den meisten Menschen jene republikanischen Tugenden fehlen, die Republiken meist bei weitem nicht die bürgerliche Freiheit und die Rechtssicherheit und Ordnung in der Wirklichkeit gewähren, wie dieses in Monarchien thatsächlich der Fall ist; Nordamerika's Freistaaten lassen die Schmach der Sclaverei noch jetzt zu, die der deutsche Bund und das monarchische England längst mit Abscheu und Strafe zurückgewiesen haben; die freie Stadt Frankfurt hat selbst in unseren Tagen den Juden nicht die politische Gleichstellung mit den Christen bewilligt, wie z. B. unser Erbgroß⸗ herzog für Hessen gethan hat; zugleich möchten wir 3) die Monarchie die natürlichere Staatsverfas⸗ sung nennen, weil sich meist die Demokratien in Aristokratien, und diese endlich in Monarchien ge schichtlich entwickelten und weil sich im Staate, wie in der Familie, weit natürlicher das Ruder in ei⸗ ner Hard, als in vielen Händen befindet. Wir finden es wenigstens nichts weniger als wün⸗ schenswerth, wenn in der Familie statt dem Fami⸗ lienhaupte, seine Ehehälfte den Pantoffel führt oder gar auch noch Söhne und Töchter dem Vater und der Mutter über's Maul fahren und jeder regieren will; wir halten dieses für eine schlechte Wirthschaft, die nur zu Zank und Streit, zur Entsittlichung, Unordnung und Verarmung der Familie führt. Ganz ähnlich ist es in Republiken, in welchen(wie gewöhnlich), jene republikanische Tugenden fehlen, wenn Statt Einem, Hunderte regieren wollen und das Staatsschiff stets auf den Wogen der Par⸗ teibewegungen hin und her geschleudert wird, und statt der wahren und vollen bürgerlichen Freiheit der Despotismus der Parteihäupter herrscht, wie eben in Frankreich und zum Theile auch schon bei uns seit einiger Zeit der Gesetzlosigkeit, wo der lang bewährte Liberalismus vieler wahren Patrioten verdächtigt und das freie Versammlungs- und As⸗ sotiationsrecht durch Drohbriefe und persönliches Ent⸗ gegentreten ꝛc. ꝛc., zu beeinträchtigen versucht wird, weil nur eine gewisse Partei herrschen will, welche die gleiche Freiheit der übrigen, welche keine Reaction, aber auch keine Anarchie, noch die Ge⸗ fahren eines Bürgerkrieges, sondern den gesetzmäßigen Fortschritt durch das deutsche Parlament wollen, gerne gewaltsam beeinträchtigen möchte! Auch kann man sich keineswegs darauf berufen, 4) daß die Republiken wohlfeiler seyen, als die