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Postztg. Nr. 3319.
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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Telephou⸗Nr. 112. Medaktion:
Kreuzplatz Nr. 4..
Hessischer Landtag.
8 f* Darmstadt, 25. März.
In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer beant⸗ wortete Staatsminister Finger die Interpellation des Abg. Reinhart betreffs Abführung der Fäkalien und Schmutzwasser vermittelst Kanälen in den Rhein seitens der Stadt Mannheim. Als im Jahre 1890 die Absicht Mannheims bekannt wurde, ist die hessische Regierung mit dem badischen Ministertum ins Benehmen getreten. Da⸗ mals wurde darauf hingewiesen, daß Worms dem Rhein das Trinkwasser entnehme und die Einführung von Fäkalien verhängnisvoll werden könne. Badischerseits wurde ge⸗ antwortet, daß Mannheim vorerst nur die Einführung von Meteorwassern 20, nicht aber der Fäkalien beabsichtige, obwohl die Kanäle auch für spätere Einführung vorgesehen seien. Nunmehr bestehe diese Absicht Mannheims. Da⸗ gegen wurde seitens der Stadt Worms und der hessischen Regierung Einspruch erhoben. Es set beabsichtigt, eine Sachverständigenkommission zur Prüfung der Sache ein⸗ zusetzen, vor welcher die Stadt Worms ihre Angelegenheit vertreten könne. Jedenfalls werde die hessische Regierung alles aufbieten, um Schädigungen hessischer Gemeinden fernzuhalten. In der nachfolgenden Besprechung verlangte Reinhart reichsgesetzliche Bestimmungen zur Vorbeugung einer Verunreinigung der Wasserläufe. Mit der sogen. Selbstreinigung der Städte habe Worms schlechte Er⸗ fahrungen gemacht. Wenig freundnachbarlich handele Mannheim; gestatte man die Einführung der Fäkalien, dann sei die Wormser Wasserleitung zwecklos, weil Wasser von dieser zu trinken ekelerregend sei. Die Behandlung der Frage sei so bedeutend, wie die Stromregulierungs⸗ frage.— Die Wahl des Abg. Brauer wurde für gültig erklärt.— Ein Vertrag mit der Stadt Kreuznach sieht den Uebergang der Saline Theodorshalle um den Preis von 1 100 000 4 per 1. April d. J. vor. Die Mehrheit des Finanzausschusses beantragt Zustimmung, die Abgg. Köhler und Ullrich dagegen Ablehnung. Finanz⸗ minister Weber befürwortete die Annahme des Vertrags, es werde damit einem langgefühlten Wunsche des Hauses entsprochen. Der Preis sei günstig. Preußen bestehe auf der Ausführung der bezüglichen Bestimmungen aus dem Friedensvertrag von 1866. Eine Verantwortung für die Ablehnung übernehme er nicht. David hält den Preis für zu niedrig. Oberfinanzrat Braun bestreitet dies und führte sachliche Gründe für den Verkauf ins Feld. Wiederholt sprachen Abg. David und Finanzminister Weber u. A.
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Lokales und Provinzielles.
m. Gießen, 26. März.(Stadttheater.) Das Lustspiel„Goldfische“ gehört wohl zu den ansprechendsten Produkten der Doppelfirma Schönthan⸗Kadelburg. Die„Handlung“ ist recht frei, aber gut erfunden. Die ziemlich lebens⸗ wahr charakterisierten Personen lassen stellenweise das Empfinden aufkommen, daß die Herren Schönthan und Kadelburg diesmal wirkliche Menschen von Fleisch und Blut auf die Bühne gebracht hätten und nicht lediglich die zu einem Lustspiel nun einmal unentbehrlichen Theater- menschen. Das will gewiß schon viel heißen. — Die Aufführung war eine gute. Besonders gefallen hat uns gestern Herr Fritzschler
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Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Thessa Klinkhammer(Josephine v. Pöchlaar) zeigte sich auch gestern wieder als die routinierte Bühnenküustlerin, der reichlich Beifall gespendet wurde. Uns irritierte etwas der stereotype Augenaufschlag der geschätzten Gastin. Fräulein Klinkhammer ist eine so fertige Künstlerin, daß sie u. E. sehr wohl auf diese Mimik verzichten könnte. Wie geschaffen für Herrn Helm war die Rolle des Pech⸗ und Glücksvogels Wolf von Pöchlaar⸗Bensberg. Herr Helm war in dieser Rolle einfach großartig. Ohne im geringsten zu übertreiben riß er das Publikum zu wahren Lachsalven hin. Selten haben wir auch Frau Helm so gut spielen sehen, als gestern Abend. Frl. Winterstein, sowie die Herren Kunert, Leuschner und Peickner trugen das ihre dazu bei, die Aufführung zu einer gelungenen zu machen.
* Gießen,
25. März.(Stadtverordneten⸗ Versammlung.) Um 3½ Uhr eröffnet Oberbürger⸗ meister Gnauth die Sitzung. Ein Gesuch des Joh. Georg Pfaff um Erlaubnis zur Vergrößerung eines be⸗ stehenden Backsteinmacherhäuschens im Neustädterfeld wird widerruflich auf 2 Jahre genehmigt.— Ein Baugesuch des Georg Appel III für die Löwengasse auf der früher Huhnschen Hofraithe verstößt in 2 Richtungen gegen die Vorschriften, erstens ist die geplante Höhe des Neubaues nicht zulässig und zweitens entspricht die Form der unbe⸗ baut, als Hof frei bleibenden Fläche nicht dem§ 16 der Allgem. Bauordnung. Die Versammlung beschließt auf Antrag der Baudeputation, das Gesuch wegen der Höhe des Gebäudes zu beanstanden, wegen des Mangels aus § 16 der Allgem. Bauordnung aber Dispens zu erteilen. — Ein Baugesuch des Joh. Kaspar Heß für die Löwen⸗ gasse wird ebenfalls wegen der Höhe beanstandet, jedoch wird wegen der bei diesem Projekt nicht vorgesehenen 2 Meter breiten Durchfahrt Dispens erteilt, wenn Gesuch⸗ steller die Möglichkeit schafft, daß der Zugang für Feuer⸗ löschgeräte von seiner Hofraithe Teufelslustgärtchens aus eingerichtet und der Stadt durch hypothekarische Sicherheit die Gewähr geleistet wird, daß für alle Zeiten der Zu⸗ stand erhalten bleibt.— Der Firma Kauffmann u. Co. wird gestattet, ihr in der Alicestraße befindliches hölzernes Lagerhaus nach dem Schiffenbergerweg zu ver⸗ legen und daran noch weitere Istöckige Lagerschuppen zu errichten, allerdings unter folgenden Bedingungen: Die Firma ist gehalten, innerhalb 3 Jahren nach der Straße zu, zur Verdeckung des höchst unschönen Schuppens ein Vorderhaus zu bauen. Nach Verlegung des Lagerhauses müssen in demselben sämtliche Treppen mit massiven Mauern umzogen, die Thüren zu diesen Treppen mit Eisen beschlagen werden. Die nach dem Nachbargrundstück (Spruck) hingekehrte Seite des Lagerhauses muß massiv (also als Brandmauer) ausgeführt sein. Feuerungsan⸗ lagen sind in dem Lagerhaus nicht zu errichten. Ebenso darf in den Räumen desselben nicht mit offenem Licht hanttert werden.— Ein Gesuch des Jakob Atzbach um Beseitigung von 3 der alten Räume vor seinem neuer⸗ bauten Hause Grünbergerstraße ruft eine lebhafte Debatte hervor. Die Baudeputation schlägt vor, wenigstens dem Gesuchsteller insoweit entgegen zu kommen, als man von den 3 vor seinem Hause stehenden großen Bäumen, den mittelsten Kastanienbaum entfernt und die beiden anderen nach Möglichkeit ausästet. Der Stadtverordnete Schmall spricht gegen die Entfernung auch nur eines Baumes aus
(Lieutenant v. Felsen), der sich seiner Rolle sehr Nite anzupassen wußte. Schade, daß der ünstler mit etwas Heiserkeit zu kämpfen hatte.
Die Partnerin des Herrn Fritzschler, Fräulein Ende dieser Allee. Stadtv. Scheel ist der gleichen
der Allee, die eine Zierde der Stadt bilde. Man solle sich hüten, hier den Anfang zu machen, denn dann würden mehr Gesuche kommen und dieser Anfang bedeute das
Meinung. Stadtv. Helfrich tritt für den Antrag der Baudeputation ein. Es sei kein Haus in der Grün⸗ bergerstraße so geniert durch die Bäume, als das Atz⸗ bachsche. Auch Stadtv. Petri ist dieser Meinung. Ge⸗ wiß thue auch ihm jeder Baum, der fallen müsse, leid, aber das könne doch nichts helfen, in Rücksicht auf die Bebauung der Straße müsse man das Opfer bringen. Stadtv. Vogt weist darauf hin, daß auf der Atzbachschen Seite der Straße keine Sonne hinprelle und man wohl den einen Baum entbehren könne. Stadtv. Heyligenstädt bemerkte, daß die Nichtentfernung des Baumes den Gesuchsteller auf das Empfindlichste schädigen würde, da die oberen Räume seines neuen Hauses wegen des mangelnden Lichtes ꝛc. sich schwerlich vermieten würden. Dieselbe Ansicht teilt Stadv. Heichelheim. Bei der Abstimmung war die Mehrheit für den Antrag der Baudeputation.— Ein Gesuch des Karl Valentin an der Rodheimerstraße, einen Baum zu entfernern, der ihm die Einfahrt in seinen Hof erschwere, findet Ge⸗ nehmigung.— Die Wirtschaftskommission schlägt vor, dem Gesuch von Gustav Schulze betreffend Erteilung der Konzession zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Bleichstraße 5 stattzugeben, ferner dem Leop. Schütz die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb für das Haus Bahnhofstraße 15 zu er⸗ teilen, so lange derselbe dabei Logierwirtschaft betreibt, dagegen abzulehnen ein Gesuch um Wirtschaftserlaubnis des Friedrich Jung von Klein⸗Linden für Frankfurter⸗ straße 65 mangels eines Bedürfnisses und ebenso ein Ge⸗ such des Ludwig Weber um Exlaubnis zum Ausschank
von Branntwein für Grünbergerstraße 50. Demgemäß beschließt die Versammlung. Es folgt eine geheime Sitzung.
* Gießen, 26. März. Die Straßenmeister Wilhelm Braun zu Gießen, Heinrich Os⸗ wald zu Grünberg, Jakob Ling zu Fried⸗ berg, Peter Ritzert zu Friedberg, Johannes Stumpf zu Lauterbach, August Böcher zu Nid da, Justus Fink zu Nidda, Otto Rudlof zu Alsfeld, Wilhelm Bopp zu Grünberg werden behufs Uebertritt in den Kreisdienst nach Maßgabe des Artikels 42 des Kunststraßengesetzes vom 12. August 1896 mit Wirkung vom 1. April 1897 aus dem Staatsdienst entlassen.
* Gießen, 26. März. Durch Verfügung Großh. Ministeriums der Justiz vom 23. März werden die Großh. Landgerichtsräte Kullmann in Gießen, Dr. Hangen in Mainz und Dr. Best in Darmstadt zu Mitgliedern der Landeskom⸗ mission ernannt, die s. Z. zur Begutachtung des Entwurfs eines Bürgerlichen Gesetzbuchs eingesetzt worden ist und jetzt auch mit der Be⸗ ratung der landesgesetzlichen Ausführungs⸗ vorschriften befaßt werden soll. Die Kom⸗ misston besteht nunmehr aus dem Vorsitzenden, Ministerialdirektor Dr. Dittmar, sowie aus folgenden Mitgliedern: Landgerichtspräfident Lippold in Mainz, Ministerialrat Pückel in Darmstadt, Landgerichtsdirektor Steinem in Mainz, Oberlandesgerichtsrat Holzapfel in Darmstadt, Geh. Oberkonsistorialrat Buchner in Darmstadt, Landgerichtsrat Kullmann in Gießen, Landgerichtsrat Dr. Hangen in Mainz und Landgerichtsrat Dr. Best in Darmstadt. Nach⸗ dem mit Rücksicht auf die durch die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs veranlaßten gesetz⸗ geberischen Arbeiten der Großh. Landgerichtsrat
Dürre Blätter.
Nach dem Englischen v. John Strange Winter.
5 Deutsch von B. T. Koner.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.) III.
Seit jenem gemütlichen Diner und Theater⸗ besuch war ich ein häufiger Gast in dem hübschen Haus der Frau Gordon. Es war thöricht, ja un⸗ verantwortlich von mir, denn ich konnte nicht im Zweifel sein, daß die verwitwete Dame meine Be⸗ suche ganz falsch deutete und allen Ernstes glaubte, daß ich ihretwegen komme, um die vor zwanzig Jahren so jäh zerrissene Liebesbande von neuem zu knüpfen. Und ich— oh, es war eine Gemein— heit, anstatt die Aermste aus ihrem Wahn zu reißen, benutzte ich immer wieder den Nachmittagszug, um von Aldershot nach London zu dampfen. Hatte ich dann ein paar Stunden im rosigen Dämmer⸗ licht des Salons der Damen Gordon verplaudert, auch wohl in Gemeinschaft mit ihnen den Abend außer dem Hause verlebt, so schwor ich mir nachher im Eisenbahnkoupee, daß dies meine letzte Reise nach der Green⸗Straße gewesen sein solle. War ich aber wieder vom Dienst frei, so verlor ich keinen Augenblick, aus der Uniform heraus zu kommen, um den Zug nach London nicht zu verpassen. Die Macht der Liebe war stärker als mein Wille, und, da es im Grunde entwürdigend für einen Mann ist, immerfort Gelübde zu thin und sie wieder zu brechen, so gab ich den inneren Kampf schließlich auf.
Alles hat seine Zeit— auch die Saison, mit deren Ende für mein Hin- und Herjagen zwischen
Aldershot und London die Veranlassung aufhörte. Frau Gordon traf Reisevorbereitungen, um zunächst nach Karlsbad zu geben, wo sie alljährlich die Kur gebrauchte— sie sei nicht so gesund, wie sie aus⸗ sehe, erklärte sie seufzend— und Phyllis rüstete sich natürlich auch, ihre Mutter zu begleiten.
Der gefürchtete Tag meines Abschiedsbesuches war da. Ich hörte von Simmons, die Damen wären zu Hause, sah jedoch im Salon nur die ältere. Nach Phyllis späbte ich vergebens.
„Ah, da sind Sie ja, Charley!“ rief mir Frau Gordon lächelnd entgegen. Sie wußten, daß wir morgen reisen, nicht wahr?“
„Ja“, sagte ich, und setzte mich, ihrer stummen Aufforderung folgend, ihr gegenüber.
„Wann und wo gedenken Sie, wieder mit uns zusammen zu treffen?“
Ich betrachtete unverwandt meine behandschuhten Fingerspitzen und sprach dann zögernd:„Das ist schwer zu bestimmen, Frau Gordon.“
„Im Herbst aber doch, wenn wir auf's Land gehen?“
„Ich fürchte, nein; so leid es mir thut“, ant⸗ wortete ich etwas beklommen.
„Sie wollen uns also nur Adieu sagen, und weiter nichts?“ sprach sie in eigentümlich trocknem Ton.
„Ich muß Ihnen Lebewohl sagen zu meinem tiefsten Bedauern.“
„Warum bedauern Sie Gordon mit Nachdruck.
es?“ fragte Frau
forderung, mich zu erklären? Ich war so bestürzt, daß ich kein Wort der Erwiderung fand. War sie am Ende gar willens, mir kurzweg ihre Hand an⸗ zutragen? Kann man sich eine peinlichere Lage vor⸗ stellen? Es war einfach haarsträubend.
„Mein lieber Charlie“, unterbrach sie mein hartnäckiges Schweigen.„Haben Sie mir wirklich gar nichts zu sagen?“
Mit dem Mut der Verzweiflung raffte ich mich zu der Antwort auf:„Nein, Frau Gordon, ich wüßte nicht, daß ich Ihnen etwas Besonderes zu sagen hätte.“
Sie sah mich scharf an.„Aber, Charlie“, rief sie aus,„Sie sind wohl nicht recht bei Sinnen. Seit Monaten kommen Sie in mein Haus, überall haben Sie sich mit uns gezeigt, und nun, wo wir auf lange Zeit verreisen, soll alles aus und vorbei sein? Das ist allerdings stark.“
Ich stotterte etwas von der Freude des Wieder⸗ sehens und dem Vergnügen— sie aber fiel mir in's Wort:
„Alter Freund, ich verstehe Sie nicht.“
Ich muß wohl ein sehr dummes Gesicht ge⸗ macht haben, denn ihre Züge hellten sich zu einer Heiterkeit auf, die von einem herzlichen Lachen be— gleitet, sie mit einem Schlage der Marian Chatter⸗ ton ähnlich werden ließ, welche sie vor zwanzig Jahren gewesen.
„Charlie“, sprach sie, mich mit ihren lustigen Augen spöttisch anblickend,„Sie denken wohl nie, daß Sie auch einmal heiraten könnten?“
„Niemals“, antwortete ich mit einer Entschieden⸗ heit, die ihr begreiflich machen sollte, daß ich auch
Meine mühsam bewahrte Fassung drohte mich zu verlassen. Klang das nicht wie eine direkte Auf⸗
ietzt solche Gedanken nicht hatte.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
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Dr. Best bereits früher als Hilfsarbeiter in das Ministerium der Justiz berufen worden war, ist durch Verfügung des Ministeriums vom 23 März nunmehr auch der Großh. Landgerichtsrat Dr. Hangen in gleicher Eigenschaft dahin berufen worden.
* Gießen, 26. März.(Schöffengericht.) Heute Morgen wurde gegen den Schlachthaus⸗ verwalter Möhl wegen Beleidigung des Metzgers Trinkhaus verhandelt. Die Sache wurde nach Vernehmung der Belastungszeugen, welche die beleidigende Aeußerung glatt bekun⸗ deten, vertagt, um dem Beklagten Gelegenheit zu geben, Entlastungszeugen vernehmen lassen zu können.
* Gießen, 26. März. In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde u. a. der Stadtbebauungsplan für den südöstlichen Stadtteil genehmigt. Da⸗ mit ist von der Grünbergerstraße bis zum Leih⸗ gesternerweg wieder erweiterter Raum geschaffen, um neue Häuserreihen anlegen zu können. Ferner wurde das schon früher in öffentlicher Sitzung abgelehnte Baugesuch des Curt von Münchow wiederholt abgelehnt.— Durch Genehmigung von Geländeerwerb sind nunmehr alle Hinder— nisse beseitigt, welche der Regulierung und Ver⸗ breiterung der Frankfurterstraße entgegeustanden.
* Darmstadt, 25. März. Am Sonntag findet hierselbst die 4. Konferenz der Vorstände der Detaillisten-Vereine statt, wobei u. a. der Vorsitzende des Vereins Gießen, Ernst Balser, über den vom Zentral⸗Verband deutscher Kaufleute vorgeschlagenen Entwurf zu einem Gesetze, die Erhebung einer Betriebssteuer der großkapitalistischen Detailgeschäfte betreffend, referieren wird.
* Darmstadt, 25. März. Bei der zweiten Kammer der Stände sind folgende Anträge eingegangen: 1) Des Abg. Schönberger, die Kammer wolle unter Annahme der Dringlichkeit der Sache beschließen: Großh. Regierung zu er⸗ suchen, noch im Laufe des gegenwärtigen Land⸗ tages eine Gesetzesvorlage zu machen, welche die Frage der Abänderung des Viehwähr— schaftsgesetzes, soweit die Wirkungen des⸗ selben bei Anwendung auf das Schlachtvieh die Landwirtschaft ungerechtfertigt schädigen, nach folgenden grundlegenden Gesichtspunkten regelt: 1. Anerkennung der bedingten Entschädigungs⸗ pflicht des Staates für solche Vermögens⸗ schädigungen, welche unter der Wirkung der bestehenden Viehwährschafts- und gesundheits⸗ polizeilichen Bestimmungen bei dem Abschlachten von Rindvieh und Schweinen unseren hessischen Landwirten zugefügt werden. 2. Gründung einer unter staatlicher Leitung oder Mitwirkung stehenden Schlachtviehversicherungsanstalt. 3. Ein⸗ führung einer obligatorischen Vieh⸗ und Fleisch⸗ beschau zur Ueberwachung und Wahrnehmung aller staatlichen und allgemeinen Interessen, welche mit Viehzucht und Fleischgewinnung zu⸗ sammen hängen und Uebertragung der erforder⸗ lichen Funktionen auf die Viehbeschauer, bezüglich thatsächlicher Durchführung der staatlichen Ent⸗
„War es dann aber wohl recht von Ihnen“, fragte sie plötzlich sehr ernst,„daß Sie, ohne an so etwas zu denken, so viel in meinem Hause ver⸗ kehrten? Sie sind ein sehr hübscher Munn, Charlie, und Ihr Viktoria-Kreuz verleiht Ihnen außerdem den Nimbus der Tapferkeit. Was soll ich denn meiner armen Kleinen sagen, wenn—“
„Jawohl, Charles Starkey, ich rede von meinem kleinen Mädchen, in welches Sie, wenn ich mich nicht irre, verliebt sind.“
„Ich— ich bete sie an!“
„Und Sie glaubten, daß ich— in meinem Alter! Oh, Sie thörichtes Menschenkind haben die kleine Liebesgeschichte von vor zwanzig Jahren noch nicht vergessen? Ich bin ja so alt, daß ich Ihre Mutter sein— und wenn auch das nicht, so doch eine recht würdige Schwiegermutter abgeben könnte.“
Was sollle ich wohl darauf erwidern? In meiner Herzensfreude riskierte ich eine unverschämte Lüge.„Ich habe gefürchtet, daß Sie mich zu alt für sie finden würden“, sagte ich kleinlaut.
„Unsinn!“ antwortete sie. Und fast unhörbar seufzend setzte sie hinzu:„Damals, lieber Freund, waren Sie noch sehr jung, und Sie sind auch heute noch ein ziemlich junger Mann. Aber ich bin alt, oh, wie alt! Mein Leben liegt hinter mir, mir bleiben nur noch die dürren Blätter der Einnerung. Sie hielten das bischen Jugendthorheit für die Liebe? Für Sie ist die Liebe jetzt gekommen, ich lernte sie vor vielen Jahren kennen. Manchem bringt sie unverwelkliche Rosen— mir hat sie nur dürre Blätter gelassen.“


