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26.3.1897
 
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Gießen, Freitag den 26. Mürz

1897

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzelle.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 25. März. Von 22 Schülern der Real chule bestanden 21 das Examen, welches sie zum einjährig⸗freiwilligen Dienst be⸗ rechtigt. 10 Examinanden waren vom münd lichen Examen dispensiert.

Gießen, 25. März. Als Beisitzer für das Gewerbegericht fungieren im Monat April für die Arbeitgeber Fabrikant L. Heyligenstädt, für die Arbeitnehmer Johannes Schäfer.

Gießen, 25. März. Der Führer der deutschen Reformpartei im Kreise Friedberg⸗ Büdingen, der bei der letzten Reichstagswahl auch als antisemitischer Kandidat in Aussicht genommen war, Lieutenant a. D. Kaiser, ehe maliger Hofrat des Grafen v. Leiningen, ist auf Antrag des Letzteren in Hanau wegen angeblicher Unterschlagung verhaftet und nach hier in Untersuchungshaft verbracht, wie übereinstimmend eine Anzahl von Tageszeitungen berichtet.

* Gießen, 25. März. Der Vortrag, welcher gestern Abend im Café Leib auf Veranlassung des Kaufmännischen⸗ und des Ortsgewerbevereins von Dr. Pohlmeyer Berlin gehalten wurde, war von etwa 60 Personen besucht. Der Redner Wage in der von ihm bekannten meisterlichen

eise über das letzte Jahrhundert preußisch deutscher Geschichte.

* Gießen, 24. März.(Stadttheater.) Die nächste Vorstellung im hiesigen Stadttheater, zum Benefiz für den Charakterdarsteller James Kunert, findet morgen Freitag Abend statt. Zur Aufführung gelangt das Anzengrubersche Volks⸗ stückDer Pfarrer von Kirchfeld. Wir machen im Interesse des durch seine Leistung so rasch beliebt gewordenen Künstlers auf diese Vor⸗ stellung ganz besonders aufmerksam.

* Gießen, 25. März. Wie wir hören, sind die Verhandlungen zwischen dem hiesigen Theater verein und der Direktion Kruse⸗Helm zu einem für beide Teile günstigen Abschluß gelangt. Es ist dadurch die Gewähr geboten, daß unserer Stadt das Theater ständig erhalten bleibt. Wir können dies nur mit Freuden begrüßen.

* Gießen, 25. März. Einen Mordver⸗ such gegen seine in der hiesigen neuen Klinik beschäftigte Ehefrau unternahm gestern Nach⸗ mittag der in Fulda wohnende August Koch. Er feuerte auf seine Gattin, von der er getrennt lebt, mehrere Revolverschüsse ab und verletzte ste Waben doch ist Hoffnung vorhanden sie am Leben zu erhalten Der Thäter ist flüchtig. Zu der Mordaffäre in der neuen Klinik wird uns noch folgendes mitgeteilt: Der Thäter ist Kaufmann und mit der Verletzten seit einem Jahr verheiratet. Beide wohnten seither in Frankfurt, bis die Frau am 1. März die Stellung als Oberköchin in der neuen Klinik annahm, nachdem sie sich schon früher von ihrem

Ehemann getrennt hatte. Gießen gewesen, doch hat dessen Frau seine Be⸗ suche nicht mehr annehmen wollen. Sie beauf- tragte vor mehreren Tagen einen hiesigen Rechtsanwalt, ihrem Ehemann, der in Fulda Wohnung genommen, zu schreiben und

der Erhaltung ihrer Stellung sich seine Besuche verbitte. Gestern kam nun ihr Mann von Fulda

Klinik aus in das Küchengebäude der neuen Klinik ein, um seinem Opfer in dessen eine Treppe hoch gelegenen Zimmer aufzulauern. Von vier abgegebenen Schühen haben drei im Rücken und Hals getroffen. Nach vollbrachter That entfloh der Mörder auf der Straße nach Kleinlinden zu. Koch hat sich jedoch gestern Abend freiwillig der Behörde gestellt.

* Nidda, 24. März. Um das Bad Salz⸗ hausen mehr und mehr zu heben, hat sich hier ein Kurverein für Salzhausen gebildet. Er geht zunächst vom hiesigen Ortsgewerbe verein aus und bezweckt im Einvernehmen mit hoher Staatsbehörde, mit der er bereits ins Be nehmen getreten ist, Mittel und Wege zu suchen, sowie Einrichtungen zu treffen, wodurch das Bad Salzhausen, das nunmehr durch die bald zu eröffnende Bahn Nidda Friedberg mehr in den öffentlichen Eisenbahnverkehr gezogen wird, in einer Weise zu heben, daß es mehr als seither benutzt werden kann. Die Quellen von Salz⸗ hausen sind bekanntlich sehr heilkräftig, die Um⸗ gebung sehr schön, und es dürfte selten einen Ort geben, der so wie Salzhausen im⸗ stande wäre, wirklich Ruhe Suchenden dieselbe zu bieten.

* Darmstadt, 23. März. Den Landständen ging ein Gesetzentwurf über die Organisation der Staatsschuld zu. Im Jahre 1879 wurde die Staatsschuldentilgungskasse mit der Hauptstaatskasse vereinigt, die Leitung der Ge schäfte des Staatsschuldenwesens besorgl eine Kommission(Direktor der Hauptstaatskasse, land⸗ ständisches Mitglied mit Kontrolleur). Mit Rück⸗ sicht auf die gesteigerte Geschäftslast und zur organisatorischen Durchführung der prinzipiell wichtigen Trennung der Kasse und Verwaltung sieht der neue Gesetzentwurf eine besondere Be⸗ hörde vor, die großh. Staatsschuldenverwaltung, bestehend aus einem Mitgliede des Finanzmini⸗ steriums als Vorsitzenden und einem abwechselnd von den beiden Kammern der Landstände auf sechs Jahre zu wählenden Mitgliede. In gleicher Weise, jedoch ohne Beschränkung auf Mitglieder der Ständekammer, wird der Kontrolleur ge wählt, die Kassengeschäfte und die Rechnungs stellung besorgt die Hauptstaatskasse. Aus der Begründung geht u. a. hervor, daß die im Jahre 1879 rund 46 Millionen betragende hessische

Koch ist mehrfach in

5 5 2 ihn darauf hinzuweisen, daß sie schon im Interesse

Staatsschuld, die sich durch Tilgungen vorüber⸗

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gehend bis auf ca. 39 Millionen ermäßigt hatte, zur Zeit auf etwa 60 Millionen gestiegen ist und sich durch den Ankauf der Ludwigsbahn

demnächst um 190 Millionen auf ca. 250 Mill.

erhöht.

* Darmstadt, 24. März. Handel und Industrie dahier beschloß in ihrer heutigen 44. Generalversammlung acht

0 n ka[Prozent Dividenden für das Jahr 1896 hierher und schlich sich von der pfsychiatrischen

zu verteilen. Es ergiebt dies im Ganzen 6400 000% An Tantiemen erhalten die 14 Mitglieder des Aufsichtsrats zusammen 331134 und der Vorstand 613 177 ¼ An Stelle des

aus dem Aufsichtsrat ausscheidenden Herrn Eugen van Reth in Köln wurde Herr Theodor Guillaume in Mühlheim a. Rh. neu gewählt.

* Mainz, 24. März. Im Hotel Taunus in der Bahnhofstraße tagte gestern Nachmittag eine Versammlung von Delegierten der Handwerker⸗Vereinigungen der Städte Mainz, Wiesbaden, Heidelberg, Mannheim, Worms, Darmstadt und Offenbach, um Stellung gegenüber dem neuen Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks zu nehmen. Nach mehrstündiger Beratung des Entwurfes kamen die Delegierten dahin überein, daß der⸗ selbe für das Handwerk vollständig unan⸗ nehmbar sei. Man beschloß, diese Angelegenheit einer größeren Handwerkervertretung zu unter⸗ breiten. Auf Sonntag den 2. Mai soll nach Mainz ein mittelrheinischer Handwerkertag und auf Sonntag den 9. Mai nach Karlsruhe ein südwestdeutscher Handwerkertag einberufen werden.

* Mainz, 24. März. Die Stadtver⸗ ordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, eine Summe von 2090% für die Bewirtung der von hier abziehenden und nach Worms verlegten Truppenteile des 4. großh. hessischen Infant.⸗Regts.(Prinz Karl) Nr. 118 bewilligt. Die Bewirtung der Truppen findet nunmehr nach beiderseitigem Uebereinkommen Samstag den 27. März in der Stadthalle statt, und zwar um 5 Uhr nachmittags das Abschieds⸗ mahl für die Offiziere, um 7 Uhr abends für die Mannschaften. 35

* Mainz, 23. März. Zwischen den hiesigen Zimmergesellen und den Zimmermeistern find Differenzen ausgebrochen. Die Lohn⸗ kommission hatte den Meistern ein Schreiben zu⸗ gestellt, worin 10 stündige Arbeitszeit(seither 11 Stunden), Lohnerhöhung um 7 pro Stunde, Bezahlung der Ueberarbeit mit 10 und der Nacht⸗ und Sonntagsarbeit mit 15, Erhöhung, Abschaffung der Akkordarbeit und wöchentliche Lohnzahlung gefordert wurden. Die Einführung dieses Tarifs wurde für den 1. April, die Ant⸗ wort bis zum 20. März erbeten. Die Meister

Die Bank für

Punkte wurden unbeantwortet gelassen. Die Lohnkommission schrieb zurück, daß sie die ge⸗ stellten Forderungen aufrecht erhalten müsse, dagegen sei sie zu einer Besprechung erbbötig, worauf die Meister erwiderten, in diesem Falle sei eine Unterredung zwecklos. Eine öffentliche Zimmerversammlung beschloß, zum gütlichen Ausgleich der Sache die Meister nochmals um eine Zusammenkunft zu ersuchen. Der seitherige

Durchschnittslohn der Zimmergesellen beträgt 33-35 für die Stunde. Permischtes. Gegen die Denkmalswut schresbt die

Köln. Volksztg.:Die kürzlich aufgetauchten Entwürfe zur Errichtung eines steinernen Kriegs⸗Albums in Berlin dürften, nach den abfälligen Beurteilungen aus den ver⸗ schiedensten Kreisen, demnächst wohl bald hinfällig werden. Die Erörterung dieser Angelegenheit scheint jedoch inso⸗ fern nicht ganz nutzlos zu verlaufen, als hierbei ein Gegenstand von allgemeinerer Bedeutung die öffentliche Aufmerksamkeit gebührend in Anspruch zu nehmen beginnt. Es ist dieses die immer mehr sich ausdehnende Sucht, Denkmäler zu errichten, welche allmählich einen derartigen Umfang annimmt, daß namentlich diejenigen nunmehr beginnen, stutzig zu werden, welche ohne Unterlaß zur Bestreitung der erwachsenden Unkosten herangezogen werden. Die Veranstalter der zahlreichen Denkmals-Unternehmungen erhalten ja oft Anerkennung für ihre Bemühungen d Orden, Titel oder sonstige öffentliche Auszeichnunge⸗ Unter denjenigen, welche zur Aufbringung de nötigen Geldmittel herangezogen werden, befinden sich jedoch viele, die mit Unmut in die Tasche greifen, sich in einer Zwangslage befinden und oft nur zahlen, um einer ungünstigen Beurteilung zu entgehen. Hierzu gehören viele vermögenslose Beamte, Militärs, Vereine und sonstige Genossenschaften, namentlich die Kriegervereine, deren Mitglieder vielfach selbst unterstützungsbedürftig find, und unter denen sich viele Veteranen befinden, die für das öffentliche Wohl das Ihrige bereits hinlänglich gethan haben. Kürzlich ging sogar eine Nachricht durch die Zei⸗ tungen, daß in einer schlesischen Stadt von kaum 50 000 Einwohnern den Ueberschüssen der städtischen Sparkassen eine größere Summe wenn ich nicht irre, war von 40 000 4 die Rede entnommen sei, um das ge⸗ wünschte Reiterstandbild zustande zu bringen. Vergeblich habe ich bisher nach einer Widerlegung dieser offenbar unrichtigen Nachricht gesucht, da doch andererorts der Grundsatz festgehalten wird, Ueberschüsse städtischer Spar⸗ kassen nur für solche Zwecke zu verwenden, welche dem Nutzen der kleinen Leute dienen.

Die Röntgenstrahlen als Beweismittel. Die Blätter berichteten unlängst von einem Veteranen aus Weißenburg, dem durch eine Beweisführung mittels Röntgenstrahlen zu einem Invalidensold verholfen wurde. Einen ähnlichen Fall erfährt derEpping. Volksb. aus

Landshausen in Baden. Ein dortiger Bürger be⸗ mühte sich seit Jahren um eine Invalidenpension, weil ihm vom letzten Feldzuge her eine Gewehrkugel im Ober⸗ schenkel steckte. Die Aerzte konnten trotz mehrfacher Unter⸗ suchung nichts von einer Kugel entdecken, und so blieben

antworteten, sie seien zu einer Lohnaufbesserung die Gesuche des Mannes erfolglos. Dieser Tage nun

von 2& pro Stunde bereit: sämtliche anderen

Dürre Blätter.

Nach dem Englischen v. John Strange Winter. Deutsch von B. T. Koner. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Dieser Vorschlag wurde natürlich von mir mit Freuden angenommen. Und wäbrend der paar Minuten, die mir zum Gespräch mit den Damen blieben, ehe der letzte Akt begann, trat die Aehn⸗ lichkeit Frl. Gordon's mit meiner Jugendgeliebten noch mehr hervor. Nur schlanker und etwas kleiner war sie. Ich hätte Hans um den Hals fallen mögen, als ich hörte, wie er sie halblaut fragte:

Ich wollte mir erlauben, morgen einen Besuch bei Ihrer Frau Mutter zu machen. Darf ich meinen Freund mitbringen?

Oh, gewiß, Mutter wird sich außerordentlich freuen, rief sie aus.

Sie ist wirklich allerliebst, die Phyllis Gordon, sagte Villiers draußen im Foyer zu mir.

Du, sprach ich, ihn scharf von der Seite ansehend,hast Du etwa

Absichten auf sie? lachte er gutmütig. alter Junge. Daran denke ich nicht.

So sagten wir einander guten Abend, und am nächsten Tag trafen wir uns, wie wir verabredet hatten, im Klub, um zusammen nach der in der Green⸗Straße gelegenen Gordon'schen Wohnung zu gehen. Freund Villiers schien dort wie zu Hause. Er nickte dem öffnenden Diener mit der gemütlichen Anrede zu:Na, Simmons, wie geht's? Worauf derselbe geschmeichelt lächelnd uns Beiden das Ge eilte vom Vorplatz nach dem Salon gab. Dann riß er die Thür auf und meldete mit lauter Stimme:

Herr Oberst Villiers! Herr Oberst Starkey!

Nein,

Was ich nun zu erzählen habe, ist fürchterlich. Aus dem Halbdunkel, welches nach heutigem Ge schmack in dem großen Zimmer herrschte, kam mir die Dame des Hauses entgegen Marian Chatter⸗ ton, meine alte Liebe! Ich war dieses Mal nicht im Zweifel, daß sie in Wirklichkeit vor mir stand. Aber die Zeit war nicht gnädig mit ihr ver⸗ fahren. Freigebig hatte sich die Zeit allerdings und das nur allzu sehr, gegen sie erwiesen. Denn Marian wog sicher gegen zwei Zentner.

Sie begrüßte mich mit wahrhaft rührender Er kennungsfreude, verleugnete auch keinen Augenblick unsere Bekanntschaft.

Ja, ja, Kind, sagte sie zu ihrer Tochter, Oberst Starkey und ich sind alte Freunde. Laß uns hier ein wenig ungestört mit einander plaudern. Du kannst unterdessen Oberst Villiers eine Tasse Thee reichen.

Während sich Haus und Phyllis an das andere Ende des Zimmers verfügten, wandte Marian sich mit der Frage zu mir:Was hat Ihnen denn das Leben gebracht?

Mehr als ich verdient habe, erwiderte ich.

Ihre glänzenden Erfolge sind mir bekannt,

sagte sie.Ich las alle Berichte über Ihre Thaten. Und als Sie das Viktoria-Kreuz erhalten hatten,

war ich stolz, daß ich einst zu Ihren Bekannten gehört habe.

Oh, das ist nicht der Rede wert gewesen, entgegnete ich mit dem Unbehagen, welches wohl jeder empfindet, der viel Aufhebens wegen einer Sache machen hört, die er im Grunde zumeist nur dem Zufall verdankt hat.

Ja, ja, ich weiß; das Viktoria-Kreuz zu be⸗ kommen, war immer das leichteste von der Welt für die, welche es haben, Charlie.

Sie nannte mich beim Taufnamen, als müsse das so sein. Ich konnte mich bei ihrer zutraulichen

Art überhaupt eines peinlichen Gefühls nicht er wehren. Um das Gespräch von meiner Person ab zulenken, bemerkte ich:

Ihre Tochter sieht Ihnen sehr ähnlich.

Ja, das sagt man mir allgemein. Das heißt, sle sieht so aus, wie ich in meiner Jugend aus gesehen habe. Sie finden mich entsetzlich gealtert, nicht wahr?

Sie blickte mich fast flehend an, und ich ich hätte ja ein Barbar sein müssen, wenn ich nicht einige beruhigende Redensarten gemacht hätte. Nur ein bischen stärker sei sie geworden, setzte ich hinzu. Sie lächelte und schlug die Augen nieder da merkte ich, was für ein Tölpel ich gewesen. Doch, was half's? Die Ungeschicklichkeit war ein mal begangen, um dieselbe nicht durch eine Ver legenheitspause zu vergrößern, sagte ich:

Das Vergnügen, Sie wiederzusehen, kam mir ganz unerwartet. Ihr jetziger Name war mir nicht bekannt, ich hatte gehört, Ihr Gatte hieße Mackenzie.

Ganz richtig, aber wir mußten eines Besitz tums wegen, das uns durch Erbschaft zufiel, den Namen Gordon annehmen.

Und Herr Gordon ich hoffe er befindet sich wohl? fragte ich etwas befangen.

Oh, mein Mann ist seit vier Jahren sot. Sie sagte das, ohne die geringste Bewegung zu verraten.

Hätte sie wenigstens ein bischen geweint oder auch nur die Augen niedergeschlagen! Sie verlangte aber offenbar nicht ein Wort des Beileids von mir. Wenn sie sich über das Hinscheiden des seligen Gordon gegrämt hatte, so war ihr Gram jedenfalls längst überwunden.

Hier unterbrach sie das Gespräch durch die Frage, ob ich eine Tasse Thee wünsche, und ich war froh, von meinem Sophaplatz und den Remi

wurde er nach Heidelberg ins Krankenhaus beschieden,

niscenzen erlöst zu sein, die nur eine Mahnung an die größte Dummheit meines Lebens waren. Als wir das Zimmer darchschritten hatten und au dem kleinen Theetisch standen, wo Phyllis unsere Tassen zu füllen bereit war, erblickte ich mich zufällig neben Marian in dem hohen Spiegel, der den Pfeiler zwischen den Fenstern deckte. War's denn möglich, daß Frau Gordon nur drei Jahre mehr zählte, als ich? Allerdings sah ich für meine acht⸗ unddreißig auffallend jung aus, während sie ein Dutzend Jahre älter erschien, als sie war.

Oberst Starkey war Ihnen also kein Unbe⸗ kannter? fragte Villiers munter.

Nein, sagte sie mit einem kleinen Seufzer, während sie mit ihrer Theetaffe auf dem nächsten Sessel Platz nahm.Wir kennen uns seit langer, langer Zeit. Wir waren damals fast noch Kinder.

Wie alt man sich doch vorkommt, wenn man so weit zurückdenkt!

Als der Besuch beendet war, gab Villiers mir auf der Straße einen kleinen freundschaftlichen Rippenstoß und nannte mich einen schlauen Hund Ich hätte den Menschen verwünschen mögen, wie er Das sagte.

Am folgenden Tage erhielt ich von Frau Gordon eine Einladung zum Diner und zu gemeinschaft⸗ lichem Theaterbesuch; sie habe auch meinen Freund Villiers gebeten. Ich konnte mich nicht zu einer Absage entschließen. Die Aussicht, Phyllis Gordon wiederzusehen, war zu verlockend, obwohl ich mir sagen mußte, daß zwischen ihr und mir die Ver⸗ gangenheit, und wohl auch ein wenig die Gegen wart stand. Und als ich dann die liebliche Phyllis wiedergesehen und stundenlang in hrer Nähe ge⸗ weilt hatte, da ging ich mit dem ewußtsein fort, daß ich liebte, leidenschaftlich, aber hoffnungslos liebte. Die dürren Blätter meiner ersten, längst erstorbenen Liebe hatten mir den Weg zu meinem Herzensglück erschüttert.(Schluß folgt.)