Ausgabe 
26.2.1897
 
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Gießen, Freitag, den 26. Februar

1897.

Poflztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

sche Jandeszeit

Gießen.

Postztg. Nr. 32393 Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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8 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 25. Februar. Ein musika⸗ lischer Preiskourant. Das Gouvernement Mainz hat für Militärmusiker folgende Tarif⸗ sätze aufgestellt: Für einen Umzug per Musiker 6, zu Pferd 10., der Kapellmeister bei persönlicher Mitwirkung 15 M., der Stabstrom⸗ peter zu 30% Für Sitzungen von 7 bis 11 Uhr 4,50 4, an Sonntagen 6 4, für Sitzungen mit Ball 8. per Mann, der Kapellmeister bei persönlicher Mitwirkung 15, an Werktagen und 20, an Sonntagen. Bei Masken⸗ oder anderen Bällen von 7 Uhr ab für den Musiker 8 A und den Kapellmeister 25%, und für den Kapellmeister zu Pferd 30% Für Tafelmusik, welche 4 bis 5 Stunden in Anspruch nimmt, 5. und für den Kapellmeister 15% Für einen Fackelzug an Wochentagen 3,50 4 und an Sonn⸗ und Festtagen 5 4, für den Kapell⸗ meister 10 resp. 15% Für Tanzmusiken zu gewöhnlichen Zeiten sind 8 4, und an Kirch⸗ weihtagen 10 4 per Mann zu bezahlen.

* Gießen, 24. Februar. Zu den hier 5 bestehenden Vereinen ehemaliger Soldaten st seit gestern ein neuer hinzugekommen. Es hat sich nämlich die Kriegerkameradschaft Gießen mit vorerst 21 Mitgliedern gebildet. In den Verein aufgenommen werden nur Per⸗ sonen, die einen Feldzug mitgemacht haben.

* Gießen, 25. Febr. Der Bremser Joh. Georg Spaar von hier feierte vor einiger Zeit, ohne daß seine Kollegen und die vorgesetzte Behörde davon Kenntnis erhielten, sein 25 jäh⸗ riges Dienstjubiläum. Der Jubilar ist seit 25 Jahren ununterbrochen in Gießen sta⸗ tioniert.

K. Grünberg, 24. Febr. Um demreklame⸗ artigen Eingesandt in der hiesigen Lokalpresse entgegenzutreten und um dem unerqguicklichen Thema bezüglich demprima Mastochsen⸗ fleisch ein Ende zu bereiten, sei bemerkt, daß hierorts die Fleischpreise gegenwärtig wohl vartieren, doch hat die von verschiedenen Blättern mitgeteilte Preisreduktion von 60 auf 50 per Pfund in den beteiligten Kreisen wegen ihrer Haltlosigkeit geradezu nicht angenehm berührt. Einzelne Viehhändler hatten dieser angeblichen Preisreduktion wegen schon manche unangenehme Erfahrung machen müssen. Im Interesse des hiesigen Metzgergewerbes wäre es für die Zukunft besser, wenn unberufene Kreise mit der öffentlichen Besprechung derartiger Fragen etwas vorsichtiger zu Werke gingen. Denn hier⸗ orts hat man mit Verhältnissen zu rechnen, die einen anhaltenden vermehrten Fleischkonsum und eine etwa damit bedingte Preisreduktion illu⸗ sorisch erscheinen lassen.

* Grünberg, 23. Februar. Der hiesige Männergesangverein hielt im Laufe der vergangenen Woche seine diesjährige General⸗ 01 11 ab, worin die seitherigen Vorstands⸗ mitglieder wiedergewählt wurden. Präsident des Vereins ist Herr Kaufmann Schott, Dirigent Sah Lehrer Roth hier. Im Laufe des nächsten

ahres wird der Gesangverein sein sechzig⸗ jähriges Jubiläum feiern; er wurde näm⸗ lich im Jahre 1838 gegründet und stand lange Jahre unter der Leitung des Gründers, des

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Herrn Kantor Magel. Später übernahm dessen Sohn, der ebenfalls in unserer Stadt eine Reihe von Jahren als Lehrer wirkte und jetzt Lehrer und Organist an der Hofkirche zu Darmstadt ist, die Direktion. Verschiedener Verhältnisse halber war von einer 50 jährigen Jubelfeier ab⸗ gesehen worden, und soll dafür nun im 60. Jahre des Bestehens eine entsprechende Festlichkeit ver⸗ anstaltet werden. Der Verein bildet ein Glied desLahnthalsängerbundes. Ein Beweis dafür, welch gutes Einvernehmen stets unter den Mit⸗ gliedern des hiesigen Gesangvereins herrschte, ist die Thatsache, daß eine Anzahl von Sängern über 20 Jahre, einige sogar schon über 25 Jahre an den Gesangsübungen teilnehmen. D. 3.

Aus dem Vogelsberg, 23. Februar. Noch immer herrscht Keuchhust en. Wenn die Plage auch bei der Mehrheit der davon Be fallenen ihren Höhepunkt überschritten hat, fordert die Krankheit doch noch hie und da Opfer.(D. Z.)

* Ulfa(Kreis Schotten), 23. Februar. Die voriges Jahr hier eröffnete Molkerei hat bis heute schöne Fortschritte gemacht. Die Zahl der Genossen und das täglich verarbeitete Milch quantum ist größer geworden. Der Butterabsatz ist so stark, daß die Genossen für den eigenen Bedarf verschiedene Male keine Butter bekommen konnten, gewiß ein Beweis für die gute Qualität derselben. Trotz der verhältnismäßig geringen Butterpreise im Monat Januar hat die Genossen⸗ schaft doch einen günstigen Abschluß; der Rein⸗ gewinn beträgt 1236.

* Lindheim(Oberhessen), 23. Febr. Ein in einer hiesigen Hofraithe ausgebrochener Brand, der wegen des nahen Zusammenhangs der Ge⸗ bäude in dem betreffenden Teile unseres Dorfes leicht größere Dimensionen hätte annehmen können, ist glücklicherweise noch rechtzeitig an dem Ent⸗ stehungspunkt erstickt worden. Der Fuhrmann Berg hatte sich am Morgen früh zum Wegfahren gerüstet, das Pferd bereits geschirrt und dem⸗ selben Futter vorgegeben, wonach er, die Laterne im Stall zurücklassend, wieder in seine Woh⸗ nung gegangen war. Als kurz darauf der Sohn des Fuhrmannes den Stall betrat, stand der Stall in Flammen. Rasch band er das Pferd los, und alsdann versuchte man, das Feuer durch Aufschütten von Wasser zu löschen, was auch gelang. Das Pferd jedoch, das Berg erst vor wenigen Jahren für 600 4 erworben hatte, verendete schon am folgenden Tage infolge der erlittenen Brandwunden. Das Feuer soll durch Herabfallen der Laterne entstanden sein.

* Aus dem Kreise Büdingen, 23. Febr. Seitdem sich in den letzten Jahren mehr Aus⸗ wärtige an den Jagdverpachtungen in unserer Gegend beteiligen, werden noch nie da⸗ gewesene Preise erzielt. So wurde die Düdels heimer Jagd, deren seitheriger Preis 400.. betrug, für 1136 K und die Calbacher, die bisher für 220. verpachtet war, für 800. jährlichen Pachtpreis an eine Offenbacher Ge⸗ sellschaft abgegeben. Die Pachtsumme der Lor⸗ bacher Jagd, die im Besitz des seitherigen Pächters, des Fürsten Bruno zu Ysnburg und Büdingen blieb, wurde von 153* auf 315. gesteigert.

* Nidda, 23. Febr. Unser Turnverein

hat den Plan gefaßt, sein sehr bescheidenes Heim

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

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durch eine neue Turnhalle zu ersetzen. Zu dem Zweck veranstaltete der Verein kürzlich in Verbindung mit dem VereinFidelio eine Abendunterhaltung; dieser sollen noch mehrere folgen, deren Einnahme gedachtem Zwecke zugute kommen soll. Die Bürgerschaft bringt der Sache reges Interesse entgegen.

* Darmstadt, 24. Februar. Die Verhand⸗ lungen zwischen den Mainuferstaaten wegen der Fortführung der Mainkanalisierung von Frankfurt bis Offenbach sind nunmehr ab⸗ geschlossen und ist der in dieser Angelegenheit vereinbarte Staatsvertrag zwischen der groß herzoglich hessischen und königlich preußischen Regierung in diesen Tagen förmlich unterzeichnet worden. Sobald die Ratifikation des Vertrags erfolgt sein wird, sollen die für die Bauaus⸗ führung bestimmten Pläne in den beteiligten Gemeinden offen gelegt werden.

* Darmstadt, 23. Febr. Der gegenwärtig den Landständen vorliegende Nachtrag zum Nebenbahngesetz vom 15. November 1890 verlangt eine weitere Mehrbewilligung von 2 350 000, sodaß sich der Gesamtaufwand auf 34 500 000, erhöhen würde. An den entstehenden Mehrkosten sind die Linien Lon⸗ dorf-Lollar, Nieder-Gemünden-Nieder⸗ ofleiden, Lauterbach-Grebenhain-Crain⸗ feld in Oberhessen, Offenbach-Steinheim nebst Abzweichungen in Starkenburg und Undenheim⸗ Nierstein, und Wöllstein-Neu-Bamberg-Frei⸗ laubersheim in Rheinhessen beteiligt. Die Abgeordneten der Zentrumsfraktion haben bei der Regierung angefragt, ob dieselbe den Ent⸗ wurf für das Einführungsgesetz zum bürgerlichen Gesetzbuch nicht mit möglichster Beschleunigung vorlegen wolle, damit die Besprechung desselben in der Oeffentlichkeit eine ruhige, gründliche Be⸗ ratung durch die Stände ermögliche und dem nächst noch hinreichend Zeit zum Studium des selben verbleibt, bevor der Entwurf als Gesetz in Kraft tritt. Auch wird Auskunft gewünscht, ob die Regierung zu der Frage, ob das Notariat aufgehoben oder in ganz Hessen eingeführt werden solle, schon definitive Stellung genommen habe.

Vermischtes.

Endlich gesühnt. Ein vor 26 Jahren ver⸗ übter Mord hat in den letzten Tagen endlich seine Sühne vor den Gerichten gefunden. Am 20. November 1870 wurde in dem nahe der sächsisch-böhmischen Grenze ge⸗ legenen Forstrevier Dittersbach der gräflich Clam Gallassche Förster Malek von einigen Holzarbeitern er⸗ schossen aufgefunden. Er hatte einen Schuß aus einem mit gehacktem Blei geladenen Gewehr in den Kopf er⸗ halten. Es unterlag damals keinem Zweifel, daß er von Wilddieben getötet worden war, da er ihnen stets sehr energisch zu Leibe gegangen und ihnen sehr verhaßt war. Der Mörder konnte jedoch nicht ermittelt werden. Sechs Jahre später, im Jahre 1876, wurde gegen einen der be⸗ rüchtigsten Wildschützen der Gegend, den Weber Anton Rieger aus Hohenwald, der verdächtig geworden war, ein Verfahren wegen Ermordung des Försters Malek einge⸗ leitet. Es verlief jedoch ergebnislos und wurde nach kurzer Zeit wieder eingestellt. Erst im Dezember 1896 wurde gelegentlich der Untersuchung wegen eines anderen Mordes durch einen glücklichen Zufall auch das Dunkel, welches über die Ermordung des Försters Malek schwebte, gelichtet und der bereits genannte Weber Anton Rieger

Ihre erste Liebe.

Novelle von E. von Bischdorf. (Fortsetzung.)

Regine suchte entschlossen nach Ablenkung Hier, wo sie im Verhältnis zur häuslichen Abge schlossenheit gesellig lebte, konnte es ihr nicht schwer fallen, solche zu finden. Sie fing an, ihre Um⸗ gebung, der sie bisher wenig Beachtung geschenkt, genauer zu studieren. Da war zuerst ihre gute, kleine Freundin und Cousine, Lottchen Rechow. Warum hatte sie sich nur zu Hause gegen diese allerliebste Frau mit ihrer herzerfrischenden Fröhlich⸗ keit so ablehnend verhalten? Jetzt lauschte sie ihrem Geplauder mit Vergnügen.Mein Richard will es so,Richard denkt das auch,mein Mann kann so etwas nicht leiden, das waren Sätze, die sich wie ein roter Faden durch alle ihre Reden zogen. Ihr Gatte war die Hauptperson in ihrem Leben; sie hatte sich keine Vorwürfe über irgend eine Vernachlässigung ihrer Pflichten zu machen, die Glückliche!

Regine fühlte sich ganz klein neben ihrer schlichten Nachbarin. Ihr eigenes Ich, das ihr in ihrer Einsamkeit von so hoher Bedeutung erschienen, schrumpfte neben diesem einfachen Menschenkinde tüchtig zusammen.

Wie schön Du doch stickst, Lottchen, sagte Regine bewundernd und blickte auf die zierlichen

Finger, die behende bunte Seidenfäden durch die Leinwand zogen. Auf dem Tische vor ihr lag ein Strauß fein schattierter Stiefmütterchen und nach diesem Vorbilde erblühten unter ihren geschickten Händen die nämlichen Blutsen auf ihrer Decke. Das ist ja wunderbar naturgetreu! Ich ahnte nicht, daß Du ein solches Talent für Kunst stickerei hast!

Zu Hause kommt dasselbe auch selten zur Geltung, sagte Lottchen lächelnd,dort sheue ich es ordentlich, mich in diese Lieblingsbeschäftigung zu versenken, weil ich darüber gar leicht Wichtigeres vergesse. Erst kommt die Arbeit, dann das Ver⸗ gnügen, das heißt für mich: das Sticken, und für letzteres bleibt dann selten Zeit übrig!

Das früher so übersehene Lottchen war also schon lange zu dieser weisen Einsicht gelangt, die Regine erst jetzt nach so bitteren Kämpfen erlangt hatte!

Lottchen, sagte sie ganz demütig bittend, würdest Du mir wohl einen großen Gefallen erweisen? 5

Aber gewiß, herzlich gerne, versetzte diese freundlich. 9

Ich möchte gerne von Dir wirtschaften lernen; ich bin so unerfahren in praktischen Dingen und fühle das schmerzlich. Darf ich zuweilen zu Dir hinüber kommen und mir bei Dir Rat holen?

Die kleine Frau horchte hoch auf

Aber natürlich, Regine! sagte sie und errötete vor Vergnügen,es wird mir die größte Ehre sein, Dir mit meinem bischen Weisheit auszu helfen.

Die stolze, kluge Regine, vor der sie immer so viel Respekt gehabt, wollte bei ihr lernen! Charlotte fühlte sich im höchsten Grade geschmeichelt.

Aber da kam Frau Constanze angetänzelt, und bald war sie mit Lottchen in eine Unterhaltung versunken über die beste Art, Wildpasteten herzu⸗ stellen. Die beiden tauschten gerne ihre hausfrau lichen Erfahrungen aus, und Regine, die diese Ge⸗ spräche sonst höchst langweilig gefunden, suchte jetzt davon zu profitieren. Das Wirtschaftliche war Constanzens starke Seite. Von ihren kleinbürger⸗ lichen Vorfahren hatte sie das Interesse dafür ererbt. In ihrem Haushalte wurde kein Groschen unnütz verthan, sie ließ es sich nicht nehmen, selbst in der Küche mit anzugreifen, so oft ihr Lothar dieses auch schon als unpassend und höchst über⸗ flüssig verboten hatte. Rezine aber machte die Er⸗ fahrung, daß kein Mensch, so unsympathisch und abgeschmackt er uns erscheinen mag, so gering ist, daß man nicht doch in irgend einer Weise lernen könnte.

Zu Hause fand sie einen Brief von Felix vor. Eine frohe Botschaft habe ich Dir heute zu melden, Reginchen, schrieb er,es ist mir mit Mutters Hülfe gelungen, Dir eine vorzügliche

als Mörder ermittelt. Anfangs suchte dieser seine That zwar zu leugnen, doch legte er bald ein umfassendes Ge⸗ ständnis ab. Wie er angab, ist er seinerzeit mit dem Förster zusammengetroffen und hat ihn sofort erschossen. Personen, welche damals dabei waren, haben, wie sie er⸗ zählten, bisher geschwiegen, weil sie den Rieger fürchteten. Die Verhandlung gegen Rieger fand dieser Tage vor dem Schwurgericht in Reichenberg statt. Das Gericht ver⸗ urteilte ihn, entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen, zum Tode.

Eine lustige Studentenwette. Ein Leser derKöln. Volksztg, erzählt in diesem Blatte von einer lustigen Studentenwette, die in den achtziger Jahren in Straßburg ausgetragen wurde:Das römische Erbrecht mittels eines Frühschoppens hinunterspülend, saßen wir, neun Mann hoch, eines schönen Montags zwischen 12 und 1 Uhr im Luxhof, als ein uns bekannter Mediziner ins Lokal trat, sich zu uns setzte und rief:Kellner, die Speisekarte, ich habe Hunger wie ein Wolf!Aber nicht so, wie mein Muckl da, antwortete einer der An⸗ wesenden, der erst im dritten Semester stand und sich, Zum die Wirkung seines Auftretens auf Straßburger akade⸗ mischen Boden zu erhöhen, einen mächtigen Bullenbeißer angelegt hatte. Seine Mittel erlaubten ihn das.Der arme Kerl hat seit gestern Mittag nichts mehr zu fressen gekriegt, setzte er noch hinzu.Hm, meinte der Medi⸗ ziner, ein lustiges und äußerst gerissenes Herrchen, indem er uns zublinzelte,das käme noch darauf an.Oho, machte der Andere,nur nicht aufschneiden! Ein Wort gab das andere, und schließlich kam zwischen den Beiden eine Wette zu Stande, wonach der Mediziner sich verpflich⸗ tete, jetzt gleich mehr im Essen zu leisten, wie Muckl im Fressen. Die Auswahl der Gerichte durfte er selbst treffen, aber Alles, was für einen Hundemagen nicht paßte, wie Caviar und dergleichen, war ausgeschlossen. Wer verlor, mußte die gesamten Unkosten einer nachher von der ganzen Corona zu unternehmenven Spritzfahrt nach Kehl nebst Bowle dort bezahlen. Und nun gings los. Zunächst wurde Muckl seines Maulkorbes entledigt, was ihn sehr zu freuen schien. Sodann begann der Mediziner die Speisekarte bedächtig durchzulesen und bestellte ein Beef⸗ steak mit gebratenen Kartoffeln; für den Hund natürlich das Gleiche, denn so war es ausgemacht. Unterdessen war die Sache im Saale bekannt geworden; es hatteu sich noch mehr Bekannte herangeschlängelt, und es herrschte allgemeine Spannung. Daß der Medizinmann gewinnen würde, setzten wir bei seiner Schlauheit voraus; nun waren wir neugierig, wie er die Sache anfangen werde. Dem anderen gönnten wir einigen Hereinfall schon aus dem Grunde, weil er hochfahrend war. Die beiden Beef⸗ steaks kamen. Hup! Muckl war mit dem seinigen fertig, gleich darauf auch mit den Kartoffeln und leckte höchst befriedigt sein umfangreiches Maul. Der Mediziner seine Portion langsam auf und bestellte dann noch ein Beefsteak. Muckl machte wieder hup und blickte er⸗ wartungsvoll dem sich mit dem Teller entfernenden Kellner nach. Es mochte ihm wohl so vorkommen, als sb ihm irgend welcher Verdienste halber ein Festfressen gegeben werden solle. Der Student kaute auch sein zweites Beef⸗ steak ruhig zu Ende und bestellte dann zum größten Gau⸗ dium der Umstehenden kaltlächelnd zwei Stücke trockenes Schwarzbrot, wovon er das seine vergnügt aufknupperte. Muckl beroch das neue Gericht, wandte sich aber verach⸗ tungsvoll davon ab und legte sich wieder unter den Tisch. Auf das schöne Essen vorher jetzt hundsgemeines Brot, darauf zu reagieren war er weder durch gute Worte noch durch Prügel zu bewegen. Somit hatte sein Herr die Wette verloren. Das andere nachher in Kehl mit der Bowle besorgten wir gründlich.

Siebensache Bauernhochzeit in Tyrol. Das Bergdorf Kastelruth am Fuße des Schlern über dem steilen Gelände des Eisakthales war dieser Tage der Schauplatz einer großen bäuerlichen Festlichkeit, zu der auch zahlreiche Gäste aus dem Thale Gröden, ferner aus Bozen, Gries, Meran und anderen Orten herbeigekommen

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Wirtschafterin zu engagieren, nämlich Christinchens älteste Nichte. Sie war bis jetzt in Ditten be⸗ schäftigt und bringt die vortrefflichsten Zeugnisse mit; sie scheint überhaupt das getreue Ebenbild ihrer Tante zu sein.

Diese Meldung wirkte auf Regine wie eine Enttäuschung. Wieder, wie schon bei der Beauf⸗ sichtigung ihrer Kinder, schien sie mit ihrem guten Willen zu spät zu kommen.

Es ist recht einsam hier, ich sehne mich nach Dir und den Kindern, hieß es weiter. Wie nüchtern das klang! Sie selbst empfaud jetzt ein quälendes Verlangen, wieder mit Felix vereint zu sein. Sollte sie auch mit ihrer heiß erwachten Liebe zu spät kommen, sollte sie die seine ganz verscherzt haben? Das wolle Gott nicht!

Ich sehne mich nach Dir, wenn Felix das schrieb, daun meinte er es auch wirklich; über⸗ schwängliche Worte waren ja sein Fall niat; damit tröstete sie sich. Keinen seiner Briefe hatte sie so oft, mit so wechselnden Gefühlen gelesen, schwankend zwischen Furcht und Hoffnung.Es ist recht einsam hier; der Arme! Aber bald würde er ja erlöst sein; die Zeit rückte heran, in der er nach Heidelberg aufbrechen wollte. Seltsam, daß er nichts Näheres über seine Reise schrieb!

(Schluß folgt.)