Ausgabe 
25.6.1897
 
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keine Schuld zu treffen, da es ihm unmöglich war, die Situation von seinem Posten aus, den er wegen der Signalapparate auch nicht verlassen konnte, zu übersehen, wovon sich Berichterstatter persönlich überzeugt hat. 5

* Darmstadt, 23. Juni. Herr Privatier Ellenberger von hier, der in Klingenberg Sommerwohnung besitzt, fuhr vorgestern mit seiner 14 jährigen Tochter mit Veloziped von Obernburg aus in der Richtung nach Aschaffen⸗ burg. Zwischen Wörth und Obernburg fuhr beim Fischerschen Steinbruch ein mit Steinen beladener Wagen quer über die Staatsstraße. Während es Herrn Ellenberger gelang, dem Wagen auszuweichen, wurde die Tochter von einem Hinterrade niedergeworfen und über⸗ fahren. Der Tod des unglücklichen Mädchens trat sofort ein. Die Leiche wurde zunächst nach dem GasthofeZur Sonne in Obernburg ver⸗ bracht und dann nach Darmstadt übergeführt.

Vermischtes.

Zum Ableben des Pfarrers Kneipp. In Wörishofen hat man am 21. Juni, früh 9 Uhr, den Pfarrer Kneipp zu Grabe gebracht. Der ganze Ort hatte Trauer angelegt; schwarze Flaggen wehten von Masten und Häusern. Die Beerdigung des Pfarrers Kneipp verlief unter Regen, das Element, welches Kneipp für das heilkräftigste im Leben hielt, hat ihm auf seinem letzten Weg das Geleite gegeben. Den Zug er⸗ öffnete das Kreuz, dem die Schuljugend, die Mädchen größtenteils in weißen Kleidern mit schwarzen Schärpen, folgten. Ihr schlossen sich an die sämtlichen Vereine, der Ordens⸗ und Weltklerus Wörishofens im Chorrock, gefolgt vom Offiziator mit Assistenz. Dem Wagen folgten die Träger der Ordensinsignien, die Verwandten des Ver⸗ storbenen, höhere Beamte und Herrschaften, dieKneipp⸗ Aerzte, die Gemeinde- und Kirchenverwaltung, die Wöris⸗ hofener Beamtenschaft, Deputationen der Kneipp⸗Vereine, Deputationen der Kurgäste, der Zentralkneipp⸗ und der Kurverein Wörishofen. Eine Unzahl von Kränzen wurde am Grabe niedergelegt, darunter von den Kneippvereinen Berlin, Dänemark und dem Naturheilverein Wien. Erz⸗ herzog Josef von Oesterreich sandte den Hofarzt Coltelli, der Bischof von Augsburg den Generalvikar Henle als Stellvertreter. Die Leichenrede hielt Dechant Hold von Mathies, die Hauptrede des Zentralkneipp⸗Vereins Pfarrer Schuster von Mindelheim. Es schlossen sich an die Be⸗ erdigung mehrfache Trauergottesdienste. Was die Zukunft von Wörishofen anlangt, so sehen ihr die dortigen Badeärzte mit großer Zuversicht entgegen. Kneipps Erb- schaft soll der Prior der Barmherzigen Brüder, Frater

Reille, antreten. Er ist ein verständiger und beliebter Mann. Der Wörishofener Arzt Dr. Baumgarten hat derAugsburger Abd.⸗Ztg. zufolge erklärt:Kneipp machte schon früher den barmherzigen Brüdern eine Schenkung, bestehend in dem Kinderasyl und dem alten Kurhaus. Dabei bleibt es. Nach seinem Tode sollen sie noch die Einkünfte mehrerer Bücher und die Malzkaffee⸗ quote erhalten. Das Verhältnis zwischen den Aerzten und den Brüdern stellte Kneipp dahin fest: Die Aerzte sollen vorangehen, die Brüder sie stützen. Die öffentlichen Sprechstunden soll vormittags Baumgarten, nachmittags Mahr mit Beihilfe des Priors abhalten, die Vorträge ausschließlich Baumgarten. Kneipp gab diesen Willen am 12. April durch ein Schriftstück kund, das drei Unter⸗ schriften trägt. Baumgartens Grundsatz ist: Anwendung der Naturgesetze auf den kranken Körper; mit Kneipps Sache hat die Soutane nichts zu thun, was auch die Ausicht Kneipps gewesen sei. Kneipps Erbe darf nicht geschäftlich ausgebeutet werden, sonst bekommen wir Aachener Zustände.

Schwerer Sturm im Kanal. Ein heftiger Sturm hat in der Nacht von Freitag zum Samstag und am folgenden Vormittag im Aermelkanal geherrscht. Aus Brüssel meldet man, daß der Orkan großen Schaden in sämtlichen Seebädern, Ostende, Blankenberghe und Heyst verursachte, wo viele Villas zum Teil zerstört wurden. Ein Samstag Morgen aus Dover einfahrender Post⸗ dampfer wurde auf den Ostender Damm geschleudert, konnte jedoch den Hafen erreichen, nachdem er eines der Räder verloren hatte. Ueberall sind die Deiche stark be⸗ schädigt, die Seebadkabinen vollständig durch Wellenschlag zermalmt. In Blankenberghe wurden neun, in Heyst vierzehn Fischerboote mit dem ganzen Fischergerät voll⸗ ständig zertrümmert. Auch in der Umgegend von Brügge wütete der Organ; er zerstörte Treibhäuser und Gärten und riß alte Bäume längs der Kanäle und Straßen um. Die Verluste sind überall bedeutend. Samstag Nach⸗ mittag legte sich plötzlich der Sturm. In Scheveningen wurde die zur Ausfuhr bereite Heringsflotte zu großem Teil vernichtet. Viele Bäume wurden entwurzelt. Die königliche YachtViktoria und Albert mit der Kaiserin Friedrich an Bord verließ 5 Uhr früh Vlissingen, kehrte aber bald zurück, um das Abflauen des Sturmes abzu⸗ warten. Dagegen übernahmen trotz des Sturmes der König von Sachsen, Prinz Albrecht von Preußen am Samstag die Ueberfahrt. Die Postdampfer aus Vlissingen und Ostende kamen in den englischen Hafenpläzen mit 4 bezw. 2 Stunden Verspätung an. Vor Vlissingen wurde vom PostschiffRegentin ein Offizier ins Meer geschleudert, wo er versank. Weitere Menschenver⸗ luste sind bisher nicht bekannt. Viel Vieh und Feldfrucht wurde vernichtet. In Rotterdam und Dortrecht ging auch viel Ware verloren.

Der Mädchenmord in Philippopel. Noch mehr erbauliche Dinge werden über das Vorleben

des Kapitäns Detschko Boitschew, des Mörders der Anna Simon bekannt. Er ist der Sohn eines Straßen⸗ räubers, der im Gefängnis zu Konstantinopel gestorben ist. Der Anführer der Räuberbande, welcher der Vater des Kapitän Boitschew angehörte, war An gewisser Dabri, und derselben Bande gehörte auch Vasil Gaidardziata an, der Vater des Hofgendarmen aus dem fürstlichen Palais in Philippopel, Bogdan Vasilew, der bei der Ermordung der Anna Simon der Gehilfe Boitschews gewesen war. Halbnackt und barfüßig kam der Kapitän nach Sofia, wo er bei einem Wirte als Kellnerbursche in Dienst trat. Da soll ihm denn Jemand geraten haben, er möge beim Fürsten Alexander ein Bittgesuch einreichen, damit ihn dieser auf seine Kosten die Schule besuchen lasse. Fürst Alexander schickte den Jungen nach Philippopel ins Gym⸗ nasium, wo er ihn mit monatlich 40 Fr. unterstützte. Später trat Voitschew in die Junkerschule. Als Junker gehörte er zu der Eskorte, die den Fürsten Alexander nach seiner Entthronung nach Reni geleitete. Bei dieser Ge⸗ legenheit benahm sich Boitschew geradezu empörend gegen den Fürsten, seinen Wohlthäter. Als ihm nämlich Fürst Alexander in Erinnerung brachte, was er ihm verdanke, gab ihm Boitschew einen Schlag ins Gesicht und rief: Schweig, elender Schwabe! Und dieser Herr wurde unter dem Fürsten Ferdinand Adjutant und Leib⸗ gardekapitän.

Neueste Telegramme.

Hd. Wiesbaden, 24. Juni. Bis 12 Uhr nachts lag das Wahlergebnis aus 97 Orten vor. Hiernach erhielten Winter⸗ meyer 13587, von Fugger 3767 Stimmen. Die Wahl Wintermeyers ist gesichert.

Hd. Berlin, 24. Juni. Im Reichstage fanden gestern Besprechungen von Vertretern der Land wirtschaft darüber statt, ob wegen der Frage der Durchführung des Börsen⸗ gesetzes eine parlamentarische Aktion angezeigt erscheine. Man kam zu keinem be⸗ stimmten Entschluß. Eine Interpellation dürfte deshalb unterbleiben.

Hd. Breslau, 24. Juni. Das hie⸗ sige Gewerkschaftskartell pro⸗ testierte, wie derBreslauer General⸗ anzeiger meldet, in einer gestern Abend zahlreich besuchten Versammlung nach einem Vortrage des sozialdemokra⸗ tischen Redakteurs Bruhns gegen die geplante Vernichtung des Ver⸗ eins⸗ und Versammlungsrechts durch die Vereinsgesetznovelle. Es wurde

eine diesbezügliche Resolution be.

schlossen. Desgleichen gescha den anwesenden Fran Mädchen, nachdem Frau Geelser

über dasselbe Thema gespro

Hd. Gestemünde, 24. 5 00 155 a a i e 8 der Bauernsohn Otten aus Eifersu einen Bruder, we wollte, 1 dann sich selbst. N beirnten

Hd. Weißenfels, 24. Juni.

15 Gruben streiken bis Jett 1500 Bergleute. Einige Bergwerke muß ten geschlossen werden, da die not. wendigen Arbeitskräfte fehlen. Die Be⸗ wegung nimmt immer größere Dis mensionen an.

Hd. Budapest, 24. Juni. Die Regier trifft alle Vorbereitungen, 10 92 Gefahren eines Erntestreiks vorzu⸗ beugen. Die Regierungsarbeiten an den Flüssen Theiß und Körös wurden eingestellt, damit eine genügende Arbeiter-Reserve in Bereitschaft steht. Weiter verlautet, daß diejenigen Arbeiter, welche sich an dem Arbeiterstreik beteiligen, nicht mehr von der Regierung an den Stromregulierungs⸗ arbeiten angestellt werden.

Hd. Autwerpen, 24. Juni. An Bord elnes von New-Mork nach Hongkong segelnden Schiffez brach auf hoher See Feuer aus. Die Mannschaft muß'e das Schiff preisgeben und konnte sich nur m knapper Not selbst retten.

Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 26. Juni 1897.

Vorabend: 7,30 Uhr.

Morgens: 8,30 Uhr.

Nachmittags: 4 Uhr.

Sabbathausgang: 9,40 Uhr.

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Verdingung. Die Arbeiten und Lieferungen für den Erweiterungsbau des Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen sollen, wie nachstehend im Wesentlichen aufgeführt, Donnerstag, den 8. Juli d. J., vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.

1. Erd⸗ und Maurerarbeiten. Grabarbeit 195 ebm, Betonfundamente 112 ebm, Zement⸗Estrich und Verputz 275 qm, Bruchsteinmauerwerk 220 ebm, Backstein⸗ mauerwerk 1090 ebm, Cyklopenmauerwerk aus Lungsteinen 150 ebm, Zement⸗ Kalkputz 165 qm, Luf, Heiz- und Schornstei nröhren 400 lfde. Mtr., Rabitz⸗ wände 70 qm, Versetzen von Steinhauerarbeit 140 ebm, Verlegen von Guß⸗ und Walzeisen 35 600 kg, Fliesenbelag 160 qm, Schürmannsche Decken 1025 qm, Schlackenmehlbeton 105 ebm, Gipsdielen 100 qm.

2. Steinhauerarbeiten. Pfälzer graugrüner Sandstein 8,50 ebm, Lungsteine 13,00 ebm, Marburger(Gisselberger) Sandsteine 110,00 ebm

3. Zimmerarbeiten. Balken⸗ und Verbandhölzer aus Tannenholz 32,00 ebm, Balken⸗ lagen und Dachhölzer aus Tannenholz 2200,00 lfde. Mtr., Kastenrinne 95,00 lfde. Mtr.

4. Dachdeckerarbeiten. Haupt⸗ und Turmdach mit Langhecker Schiefer 455,00 qm, Guß⸗ eiserne Dachfenster 7 Stück, Verzinkte Schneeschutzgitter 95,00 lfde. Mtr.

5. Spenglerarbeiten. Kastenrinne 95,00 lfde. Mtr., Hängekandel 10,00 lfde. Mtr., Ab⸗ fallrohr 105,00[fde. Mtr., Schottische Rohre 13,00 lfde. Mtr., Zinkkasten 40,00 qm.

6. Schlosserarbeit mit Lieferung von Guß⸗ und Walzeisen. Bohren von Löchern für Ankerschrauben ca. 100 Stück, Anker, Klammern, Deibel ꝛc. 600 kg, Liefern 9(D. N. P.) 29 000 kg, Liefern von Gußeisen(Saulen ꝛc.) 6300 kg

7. Aulage eines Blitzableiters, einschl. Lieferung der Materialien.

3. Asphaltarbeiten ca. 55,00 qm.

Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Amtsstunden auf dem Stadtbauamt, Zimmer Nr. 6, offen. Angebote find auf vorgeschriebenem Formular verschlossen und mit entsprechender Auf⸗ schrift versehen bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 17. Juni 1897. Das Stadtbauamt. Schmandt.

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