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pfieder in seine Kiste einpackt.
der Kellner hatte längst abgedeckt, die Sonne schaute pätnachmittagig um die Ecke; der Dichter las noch
Anzudringen.
Nr. 146
Gießen, Freitag, den 25. Juni
1897.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Hessische
Ausgabe Gießen.
undeszeitung
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
2 Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 24. Juni. In den Ruhestand ersetzt wurde der Gefangenaufseher an dem bandeszuchthause Marienschloß Heinrich Heu— müller auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom Juli 1897 an.
* Gießen, 24. Juni. Der Gastwirts⸗ herein von Gießen und Umgegend hat den Nestaurateur Jackowsky, welcher seinen Wohnsitz jach Hamburg verlegt, in Berücksichtigung der Jerdienste, die sich derselbe durch sein Wirken im Vorstand des Vereins erworben, zu seinem Ehrenmitglied ernannt.
* Gießen, 24. Juni. Der Verband der echner in den Landgemeinden des Groß— serzogtums hält nächsten Sonntag im Lokale Zum Storchen“ in Frankfurt eine Hauptver⸗ ammlung ab, auf welcher über die seitherigen Schritte, betreffend die Fürsorgfrage, berichtet perden wird, nachdem nun in den einzelnen streisverbänden die einschlägigen Fragen erörtert worden sind; auch wird Berichterstattung über Privatverstcherung von Verbandswegen erfolgen.
Gießen, 24. Juni. Bei den Erdarbeiten um Erweiterungsbau des Hauptpost⸗ 8 ist man auf Quarzfelsen ge⸗ loßen. Nachdem in der vergangenen Woche schon erhebliche Sprengungen vorgenommen wurden, wird mit diesen heute Nachmittag gegen Uhr fortgefahren. Die durch die Arbeiten intstandene Vertiefung präsentiert sich fast wie ein Steinbruch.
Gießen, 24. Juni. Vom Gießener Markt. Das Angebot war auf dem gestrigen strämermarkt bedeutend größer als die Nach⸗ tage. Das ist schlimm für die Händler. Was sützt es dem modernsten Grünberger Stiwwel, wenn er nicht gekauft wird, und das„schönste“ Taschenmesser A 10 Pfennig verfehlt vorläufig seinen Beruf, wenn es der Budenbesitzer abends Eifrig gelutscht wurden von der ganz kleinen Jugend die unver⸗ leichlichen Suckselstangen. Auch das Karoussell burde fleißig benutzt, teilweise von Kindern bis u 35 und 40 Jahren. Eine Menagerie war deshalb nicht am Platz, wie uns zuverlässig bersichert wird, weil diejenige, die jüngst hier gastierte, nur von Nationalliberalen besucht Furde, die bei den Reptilien Studien über das kriechen, Drehen und Wenden machen wollten. Da aber in diesem Fach die Handvoll Gießener Nationalliberale jetzt viel mehr von ihrer preu⸗ Aschen Landtagsfraktion lernen können, so wollen die Menageriebesitzer vorläufig dieser Fraktion leine Konkurrenz machen. Großartiges wurde auf dem Gebiet der Mordgeschichte geboten. Der weltberühmte siebenfache Mord an einer unschuldigen Familie“ wurde lach allen Regeln der Mordgeschichtenkunst in langvollen Tönen nach der Melodie„Du kennst mein langes Herz noch nicht“ gesungen. Eine andere Morithat, nämlich:„Schreckliches 1—— ů— ww.—
Ereignis, welches sich in einem einzel— stehenden Forsthaus im Wald bei Lyon in Frankreich ereignet hat“, wurde ebenso schön vorgetragen, und zwar nach der Melodie: „Wir halten fest und treu zusammen, hipp— hipp— hurra, ich und ma Fraa“. Es ist von Markt zu Markt ersichtlicher, daß dieselben an Bedeutung mehr und mehr verlieren. Wir sehen hier eine Einrichtung aus der sogenannten guten alten Zeit“ von der Bildfläche ver⸗ schwinden, die jetzt in der Zeit der Eisenbahnen und des Telegraphen entbehrlich geworden ist. Mit dem Markt allerdings verschwindet auch ein gut Stückchen Romantik, für die unserer Zeit das Verständnis fehlt.
* Gießen, 24. Juni.(Viehmarkt.) Der gestrige Ochsenmarkt war so stark befahren, wie lange nicht zuvor. Aber auch die Anzahl der erschienenen fremden Handelsleute, welche einkaufen wollten, war ziemlich groß. Die Ein⸗ käufer aus dem Sieger Land und aus Westfalen zogen aber enttäuscht von dannen, ohne kaufen zu können, denn die Ware, welche sie suchten— Gangochsen schwerster Sorte— die sie auch bei früheren Märkten stets hier fanden, war um deswillen nicht aufgefahren, weil es unlohnend ist, damit bei uns noch zu Markte zu ziehen, da die Seucheverhütungs-Anordnungen verlangen, daß die von außerhalb, aus dem umliegenden preußischen Gebiet auf den Markt zu bringende Ware vorher 7 Tage im Großherzogtum seuche— frei in einem Stall gestanden haben muß. Der Auftrieb deckte zu hohen Preisen den Bedarf unserer Provinz. Bei flottem Handel, wobei der Vorrat schon um ½10 Uhr geräumt war, wurden folgende Preise erzielt: Leichtgängige, beste drei⸗ jährige Ware, die in einzelnen Paaren vorhanden war, 850, geringere Fahrochsen 7800, junge, angelernte Stiere 450—550 4 pro Paar. Fettvieh war nicht aufgetrieben.— Auf dem Schweinemarkt waren etwa 6—700 Tiere vorhanden, und zwar diesmal vorherrschend mittlere Läufer. Die Verkäufer forderten höhere Preise als beim letzten Markt und gingen auch damit nicht herunter, obschon Kauflust nur wenig vorhanden war. Das Geschäft entwickelte sich anfangs nur schleppend, doch besserte sich der Markt zum Schluß etwas. Trotzdem blieb die Ware überständig, weil es an Käufern fehlte, was wohl darin seinen Grund haben mag, daß die Landwirte augenblicklich auf dem Felde schwer abkömmlich sind. Man handelte 7 2 Wochen alte Ferkel mit 55—75., Läufer, 4—6 Monate alt, 80—95 K, ältere Läufer mit 100120. Der Markt war erst sehr spät zu Ende.
* Gießen, 24. Juni. Ist der Ver⸗ mieter, wenn er nach Abschluß des Mietver— trags die Zahlungs unfähigkeit des Mieters erfährt, berechtigt, von dem Ver⸗ trag einseitig zurückzutreten? Diese für Hausbesitzer wichtige Frage unterlag kürzlich, wie die„D. Ztg.“ meldet, der Prüfung des
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Ispaltige PWetitzeile.
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Darmstädter Landgerichts und wurde verneint. Kläger hatte Anfang März nach mündlichen
Verhandlungen, bei welchen von seinen Ver— mögensverhältnissen keine Rede war, von dem Beklagten eine Wohnung auf den 3. Juli l. Is. gemietet, erhielt aber Ende April ein Schreiben des letzteren, worin derselbe mitteilte, daß er ihm die Wohnung nicht einräumen werde. Kläger erhob deshalb Klage und beantragte, durch Urteil festzustellen, daß Beklagter schuldig sei, ihm die gemieteten Räumlichkeiten zu über⸗ lassen. Beklagter beantragte Klageabweisung, weil er erst nach Abschluß des Mietvertrages von der völligen Mittellosigkeit des Klägers, so— wie der Ableistung des Offenbarungseides seitens desselben Kenntnis erhalten habe und deshalb zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt sei. Dazu komme noch, daß ihm Kläger, um ihn zum Ab— schluß des Mietvertrages zu bewegen, seine schlechte Vermögenslage arglistig verschwiegen und hierdurch einen Irrtum in ihm erregt habe; beide Umstände berechtigten zur einseitigen Auf— lösung des Vertrags. Kläger gab zu, daß er den Offenbarungseid geleistet habe, bestritt aber seine Mittellosigkeit und die behauptete Arglist, da er nicht verpflichtet sei, unaufgefordert seine Vermögenslage auseinander zu setzen. Das der Klage stattgebende Erkenntnis hat folgende Be⸗ gründung: Ein Rücktrittsrecht des Vermieters von dem Mietvertrag auf Grund nachträglicher Kenntnis von der schlechten Vermögenslage des Mieters sei im Gesetz nirgends gegeben. Die Verpflichtung des Mieters zur Zahlung und das Rücktrittsrecht des Vermieters bei Nichtzahlung sei mangels besonderer Vereinbarungen gesetzlich dahin geregelt, daß die Zahlung postnumerando zu erfolgen habe und das Rücktrittsrecht des Vermieters erst nach zweijährigem Zahlungsver— zug des Mieters eintrete. Deshalb könne von dem seitens des Beklagten behaupteten Rücktritts⸗ recht lediglich auf Grund bloßer Kenntnis von der schlechten Vermögenslage des Mieters leine Rede sein. Was die Einrede der Arglist an⸗ lange, so sei unzweifelhaft, daß alle Rechtsge⸗ schäfte, wenn beim Abschluß der eine Kontrahent durch den anderen absichtlich wider besseres Wissen in einen Irrtum versetzt worden sei, seitens des Getäuschten anfechtbar seien. Diese absichtliche Täuschung könne allerdings auch durch Verschweigen herbeigeführt werden, aber nur das Verschweigen von Thatsachen, deren Mitteilung im Geschäftsverkehr gewöhnlich und welche der andere daher erwarten dürfe, sei Betrug. Bei Abschluß von Mietverträgen sei es nicht gewöhn⸗ lich und werde vom Vermieter nicht erwartet, daß Mieter unaufgefordert und freiwillig seine Vermögensverhältnisse klar lege. Es gälte auch hier der allgemeine Grundsatz, daß jeder sich um die Verhältnisse seines Mitkontrahenten zu küm⸗ mern habe. Da Kläger unbestrittenermaßen bei Abschluß des Vertrages falsche Thatsachen nicht vorgespiegelt habe, von seinen Vermögensverhält— nissen überhaupt keine Rede war, so könne in
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Komödie.
Von Fritz Anders. (Nachbruck verboten).
(Fortsetzung.) Die Mittagsgäste hatten sich längst verlaufen,
immer. Krimper war unruhig geworden, die Pflicht gef ihn zur Stätte der Vergangenheit, aber hatte r nicht auch eine Pflicht der Gegenwart gegenüber? Durfte er sich als litterarische Autorität dem Drama Lugust Springers entziehen? So ließ er die Vor⸗ ksung über sich ergehen. Der Dichter offenbarte unzweifelhaft Talent; aber die Welt, die er zeigte, bar doch gar zu unerfreulich, und es kamen doch such gar zu bedenkliche Dinge vor. Und die Sache lahm auch gar kein Ende. Zuletzt warf der Dichter och die Frage auf und beantwortete sie aus⸗ uhrlich, ob die Episode— Szene im Wasch— guse— vor oder nach der vierten Szene des geitten Aktes einzuschalten sei. Natörlich mußte, un zu einer Entscheidung zu kommen, die Stelle och zweimal, einmal so und einmal so im Zu— emmenhange vorgelesen werden.
Endlich war die Lesung zu Ende und August Springer schlug, einen Lob erwartenden Blick auf wimper richtend, sein Manuskript zu. Krimper urgte denn auch nicht mit anerkennenden Redens⸗ 8 wozu ihn schon die Höflichkeit verpflichtete, unte jedoch nicht unterlassen, seine Verwunderung aulufprechen, wie es dem Dichter, den er so rein⸗ F. und kleinbürgerlich vor sich sitzen sah, gelungen , so in die Nachtseiten der menschlichen Natur
Der Dichter errötete.— Glauben Sie nicht, Herr Hofrat, erwiderte er, daß ich dieser Nero sei.
leicht geworden ist, diese tiefschwarzen Töne zu schreiben; aber was will man machen? Die realistische Kunst fordert es, und ohne Realismus ist an einen Erfolg nicht zu denken. Hiermit empfahl man sich unter Händeschütteln, es war beiden Beteiligten ein hoher Genuß gewesen u. s. w.
Als am Abend der Herr Hofrat sein Zimmer verließ, um noch ein paar Schritte in die frische Luft zu gehen, traf er wieder mit dem Dichter zu sammen, der die Zeit über um das Kurhaus in engeren und weiteren Kreisen umher gezogen war. Der Dichter schloß sich dem Herrn Hofrat sogleich an und kam sogleich wieder auf sein Drama zu sprechen. Hier ist noch ein Punkt, Herr Hofrat, sagte er, über den ich gern Ihr Urteil hören möchte. Also— der Kommerzienrat siegelt sein Testament mit der vergifteten Oblate. Soll hier nun der Staatsanwalt eintreten, oder soll die Gouvernante mit den Kindern kommen und ihn beschwören? Wenn der Staatsanwalt kommt, so muß der Kom⸗ merzienrat zur Pistole greifen. Dann gehen mir zwei Szenen Seelenkampf verloren. Ich wollte ihn nämlich durch eine zu große Dosis Opium enden lassen. Aber der Direktor verlangt, daß es knalle, sonst gehe die Wirkung verloren. Dieser Direktor! was der mir für Mühe und Aerger macht. Er hat in meinem Werke herumgestrichen, daß ich es kaum noch selbst erkennen kann, er hat das uuterste zu oberst gebracht. Es ist gegen den Menschen nicht aufzukommen. Ich mag sagen, was ich will, so heitzt es: Bühnenwirkung und Publikum,
und wenn ich damit drohen wollte, daß ich mein
Ich will Ihnen sogar gestehen, daß es mir nicht—
Drama zurückziehe, so könnte ich erleben, daß er's mir giebt. Und niemand steht mir bei. Ach wenn aber ich wage es kaum, den Gedanken auszu— sprechen— wenn Sie, verehrter Herr Hofrat, sich meiner annehmen wollten! Morgen ist Arrangier-Probe, kommen Sie mit nach Bechstedt. In einer Stunde geht der Omnibus. Sie bereiten uns durch Ihre Gegenwart einen genußreichen Abend, und morgen beweisen wir diesem Direktor, daß es noch mehr Menschen auf der Welt giebt, die etwas von der Sache verstehen.
Der Herr Hofrat fühlte sich— er konnte es nicht leugnen— von dem Vorschlage angenehm berührt. Aber es war unmöglich, auf ihn einzu⸗ gehen. Die Pflicht hielt ihn zurück, er durfte sich von seiner Ruine nicht entfernen. Der Dichter entgegnete, es sei ebenso weit von Blechstedt zur Rickenburg, wie von Schlammhausen. Er legte dem Herrn Hofrat nahe, daß es sein Unternehmen fördern werde, wenn er sich in Blechstedt Freunde erwerbe, ja er verpflichtete sich, wenn seine Brand— stifter Erfolg gehabt hätten— woran ja nicht zu zweifeln war— daß er eine Aufführung der„Brand— stifter“ zum besten des Aufbaues der Rickenburg veranstalten werde. Dies gab den Ausschlag. Der Herr Hofrat sagte zu, und eine Stunde später fuhren beide Herren mit einander das Thal ab— wärts nach Blechstadt.
Während der Fahrt bot sich Gelegenheit, das Drama nochmals durchzusprechen und die Frage nochmals gründlich zu erwägen, ob die zwei Szenen Seelenkampf zu streichen seien oder nicht. Das Ergebnis war, daß nichts, aber auch gar nichts ge—
strichen werden dürfe.
N Expedition:
84 Kreuzplatz Nr. 4.
dem bloßen Schweigen des Klägers über seine Vermögenslage ein Betrug selbst dann nicht ge⸗
funden werden, wenn sie der Behauptung des Beklagten entsprochen habe.
D. Z. Lauterbach, 23. Juni. Seit dem In⸗ krafttreten des Hessisch-Preußischen Eiseubahn⸗ vertrags hat sich der Verkehr auf der Strecke Gießen— Fulda so außerordentlich vergrößert, daß kürzlich ein Fachmann sich äußerte, ent⸗ weder müsse die Bahn zweigeleisig ausgebaut oder Nachtdienst eingerichtet werden, sonst sei der Verkehr auf die Dauer nicht mehr zu bewäl⸗ tigen. Eine Illustration zu dieser Behauptung ist der heute an der Station Renzendorf statt⸗ gefundene Eisenbahnunfall, bei welchem ein Wagen 1. und 2. Klasse stark beschädigt und eine Person schwer verletzt wurde. Der Unfall ist nämlich hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß das zweigeleisige Bahnterrain bei Station Renzendorf für die jetzigen Verhältnisse zu kurz ist. Als nämlich der Schnellzug Nr. 5a die Station, wo er nicht zu halten pflegt, passieren wollte, war das vordere Geleise durch einen Güterzug besetzt, dessen hintere Wagen über die obere Weiche noch hinausreichten, der aber nicht weiter fahren konnte, da er sonst die untere Weiche, durch welche der Schnellzug passieren mußte, versperrt hätte. Der Stationsvorsteher wollte nun den Schnellzug bis zu einer mit der roten Fahne bezeichneten Stelle auf dem zweiten Geleise durch die untere Weiche ein- und dann den Güterzug durch dieselbe Weiche ausfahren lassen, um die obere Weiche für den Schnellzug freizumachen. Von seinem Standpunkt aus ist aber das Terrain sehr schwer zu übersehen, zu— mal, wenn die Vorderfront durch einen langen hochbeladenen Güterzug vollständig versperrt ist. Als er aus dem Dampf des Schnellzugs schließen zu dürfen glaubte, daß die 4 Wagen desselben die untere Weiche passiert hätten, gab er das Signal zum Umstellen der Weiche und zum Ausfahren des Güterzugs. Der Schnellzug war aber noch nicht vollständig über die Weiche hinüber, und durch das Umstellen derselben kam der letzte Wagen 3. Klasse des Schnellzugs zur Entgleisung. Dieser wurde zwar nicht beschädigt, riß aber auch den nächsten Wagen 1. und 2. Klasse aus den Schienen, sodaß dieser von der Maschine des Güterzugs erfaßt und an seinem hinteren Teil stark beschädigt wurde. Hierbei stürzte der eine Insasse des Koupees 2. Klasse, Herr Kreisarzt Dr. Weißgerber von hier auf den Bahnkörper heraus und erlitt einen Bruch des linken Arms und eine schwere Kopfwunde. Ferner wurden ihm noch einige Finger der linken Hand schwer beschädigt. Der zweite Jusasse desselben Koupees kam mit dem Schrecken davon. Daß das Unglück nicht größer wurde, ist nur dem Umstande zuzuschreiben, daß beide Züge sich nur in Anfangsgeschwindigkeit befanden, da auch der Schnellzug vor der Station, ehe ihm das Einfahrtssignal gegeben worden war, gehalten hatte. Den Stationsvorsteher scheint hiernach
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Es war schon spät abends, als der Omnibus auf dem holperigen Pflaster von Blechstedt anlangte. Natürlich hatte der Dichter den Herrn Hofrat ein⸗ geladen, bei ihm abzusteigen, aber der Herr Hofrat hatte dankend abgelehnt. Ein scharfer Beobachter hätte bemerken können, daß dies dem Dichter einige Erleichterung verursachte. Er stieg am Thore ab, um noch seine litterarischen Freunde zu benach- richtigen und versprach, sobald als möglich in den goldnen Löwen zu kommen. Der Omnibus fuhr durch die spärlich erleuchteten Straßen der Stadt weiter, machte einige unbegreifliche Winkel und segelte nach einigen bedenklichen Schwankungen in die Einfahrt des Gasthofes zum goldenen Löwen. Es blieb alles still, niemand ließ sich sehen. Der Kutscher knallte mit der Peitsche; endlich kam Franz, ein Bürschlein in kurzem Jäckchen und kurzen Höschen angebummelt. Das geringe Hand⸗ gepäck, das Krimper bei sich führte, mochte ihm nicht imponieren. Er grunzte etwas, machte die Thür zum Gastzimmer auf und verschwand.
In der Durchfahrt hatte es nach Pferdestall gerochen, im Gastzimmer roch es nach schlechten Zigarren und dem Bierschanke. Das ganze Zimmer hatte einen Anstich von Unsauberkeit, aber es sah genial aus. Es war kein gewöhnliches Gastzimmer, es war der Versammlungsort der geistigen Größen von Blechstedt. An der Wand hingen Bilder von Friedrich Haase, Emil Devrient und anderen Helden der Bühne. Auch einige vertrocknete Lorbeerkränze waren aufgehängt. Auf dem geöffneten Klavier lagen Noten, Hüte und Sonnenschirme in male⸗ rischem Durcheinander.
(Fortsetzung folgt.)


