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Nr. 145
Gießen, Donnerstag, den 24. Juni
1897.
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Poftztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
uudeszeikung
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 23. Juni. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger gewert wehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Lauterbach Karl Möller und Karl Volkmar.
* Gießen, 23. Juni. Die Gerichts— ferien beginnen am 15. Juli und endigen am 15. September. Während derselben werden nur Mahn⸗, Zwangsvollstreckungs-, Konkurs⸗ und Feriensachen(nämlich: Straf⸗, Arrest⸗, Meß⸗ und Markt-, Wechsel⸗ und Bausachen und Streitigkeiten zwischen Vermietern und Mietern), sowie die auf Antrag wegen besonderer Be— schleunigung als Feriensachen erklärten Sachen bearbeitet.
* Gießen, 23. Juni. Trotz des pekuniären Mißerfolges, den unsere Gärtner bei der vor⸗ jährigen Gartenbau⸗Ausstellung zu ver⸗ zeichnen hatten, werden dieselben in diesem Herbst wieder ihre Leistungen, dieses Mal jedoch auf einem Spezialgebiet vorführen. Man beabsichtigt nämlich eine Ausstellung von Chrysanthemum zu veranstalten, da Gießen in dieser Blumengattung außergewöhnliches zu leisten vermag.
Gießen, 23. Juni. Das gestrige Konzert der Mitglieder des Stadtheaters in Hamburg (Konzertgesellschaft„Rheinpolo“) in Steins Garten war bedauerlicher Weise nur mäßig be⸗ sucht. Die Künstlerschaar in ihrer schmücken Merländertracht ließ sich jedoch hierdurch nicht ewa beeinflußen in ihren brillanten Gesangs⸗ lelsungen. Das Programm, welches aus Männer⸗, Damen und gemischten Chor bestand, war sehr abwechslungsreich und wurde von Nummer zu Nummer enthusiastisch applaudiert. Immer wieder veranlaßte der Beifall die Sänger⸗ schar Einlagen zum besten zu geben, sodaß sich das Konzert bis gegen/ 12 uhr hinzog. Wir erfahren, daß die aus 20 Personen bestehende Sängerschaar am Montag kommender Woche heabsichtigt, hier ein zweites Konzert zu geben. Freunden vollendet künstlerischen Gesanges soll damit Gelegenheit geboten werden, das Ver⸗ säumte nachzuholen und dieses Konzert, da das gestrige zu wenig angekündigt war, zu be⸗
suchen. * Gießen, 23. Juni. An dem vom 20. bis 22. d. Mts. stattgehabten Verbandsschießen
des Gaues Hessen⸗Nassau zu Weilburg beteiligten sich auch ae Gießener Schützen. Der Schlossermeister Karl Wiegand erhielt für den besten Schuß,(175 Meter, Stand⸗Festscheibe) den Ehrenpreis des Großherzogs von Luxemburg, bestehend in einem kunstvollen Schreibtisch.
* Gießen, 23. Juni. Der gestrige Kuh⸗ markt war von fremden Käufern sehr stark be⸗ sucht. Es herrschte schon bei Beginn des Narktes große Kauflust, sodaß sich das Geschäft
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Fetertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
den Auftrieb gingen die Preise gegen den letzten Markt in die Höhe. Der Markt 555 schon um 11 Uhr geräumt. Der Auftrieb bestand aus etwa 550 Stück Rindvieh, darunter etwa 150 Rinder und Kälber. Es wurden gehandelt Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität 350—400, 2. Qualität 275—325, ge⸗ ringere Ware, die wenig am Markt war, wurde nach Wert bezahlt. chlachtvieh war wenig vorhanden, fette Rinder kosteten 52—58 l, schwere Kälber 58 60, leichtere Ware 52 bis 56 4 pro 100 Pfund Schlachtgewicht.
S. Gießen, 23. Juni. Ein„Afrikaner“ A 1a Peters usw. im kleinen stand gestern vor dem hiesigen Schöffengericht. Der Unter— offtzier Gustav Schröder aus Erfurt ist bei der deutschen Schutztruppe in Diensten und einmal mit Festung vorbestraft. Am 19. Januar dieses Jahres war Schröder nach hier beurlaubt. Am Bahnhof traf er einen hiesigen Unteroffizier, mit dem sich der Angeklagte bekannt machte. Beide machten einen Spaziergang nach der Grünbergerstraße. In der Gartenstraße rannte Schröder den Studenten Hermann Walter ab— sichtlich an, was sich dieser höflich verbat. Ohne weiteres drückte Schröder dann den Studenten wider ein Gartenspalier und setzte ihm sein Seitengewehr auf die Brust mit den Worten: „Schuft, ich stech dich nieder!“ Glücklicherweise riß der andere Unteroffizier den Angeklagten sofort von Walter, sonst hätte dieser in seinem Rausch(vielleicht Tropenkoller!) zugestochen. Der Student war über diesen Vorgang so aufgeregt, daß er in einen krankhaften Zustand geriet. Der Angeklagte, der von der Hauptverhandlung ent⸗ bunden ist, wird in eine Gefängnisstrafe von vier Wochen verurteilt.
* Aus Oberhessen, 22. Juni. Ein Land⸗ wirt zu G. machte kürzlich, wie der„D. Ztg.“ berichtet wird, die wenig erfreuliche Wahrnehmung, daß sich ein Unberufener mit ihm in den Er⸗ trag seines an der Grenze der Gemarkung ge⸗ legenen Kleeackers teilte. In der Annahme, daß der Diebstahl des nachts ausgeführt worden sei und der Thäter in der folgenden Nacht wiederkommen würde, begab sich der Besitzer mit einem Begleiter in die Nähe des fragl. Ackers, um hier, hinter einem Kornfeld verborgen, wo— möglich den Dieb auf der That zu ertappen. Morgens früh gegen 3 Uhr, als kaum der Tag raute, kamen auch wirklich ein„biederes Bäuer⸗ fein“ und seine Ehehälfte aus dem benachbarten Dorfe, mit Sensen bewaffnet, und bald war wieder ein hübsches Stück Klee abgemäht. Als sie kaum diese Arbeit beendet hatten, war auch schon eine Tochter des saubern Ehepaares mit dem Wagen eingetroffen, welch letzterer bald bis oben hin beladen war. Da— als eben die Heimfahrt angetreten werden sollte, tauchten ganz unerwartet der Besitzer und sein Begleiter auf, und— wohl oder übel mußten sich die Diebe
die Sache zur Anzeige gebracht, sodaß der„billige“ Klee schließlich doch teuer zu stehen kommen wird. — Wie uns mitgeteilt wird, wurde vor einigen Wochen ein Bewohner desselben Dorfes wegen eines in der Gemarkung G. begangenen Klee⸗ diebstahls zur Anzeige gebracht.
* Bad Nauheim, 20. Juni. Herr Pfarrer Wissig hat das bekanntlich äußerst glänzend verlaufene Sprudelfest dahier geschildert und seine Ansprache am Sprudel und seine beim Dankgottesdienst Aa Predigt drucken lassen. Der Ertrag der Broschüre ist, so weit er reicht, zur Beschaffung von Kanzel, Altar und Tauf— stein in der projektierten„Dankeskirche“ be— stimmt. Die Baukosten sind auf 120 000 l. angeschlagen.
* Bad Nauheim, 22. Juni. Durch Ver⸗ mittlung des Badekommissars Oberst v. Hof— mann steht auf der hiesigen Eisenbahnstation ein bequem mit Sophas ausgestatteter Eisenbahn⸗ wagen nebst Begleitung zum Transport für kranke Kurgäste bereit. Ein weiterer solcher Wagen, der das Einbringen eines vollständigen Bettes ermöglicht, kann von Frankfurt aus hier⸗ her berufen werden.
* Aus dem Kreise Alsfeld, 22. Juni. „Ein solches Wetter gehört in die Zeitungen“, sagte uns jemand, und wir pflichten ihm gerne bei. Sommers Anfang und dabei— wie gestern der Fall— den ganzen Tag über das Feuer in den Zimmeröfen, das ist nach der vorausgegangenen afrikanischen Hitze ein Tempe— ratursturz, wie er in der That zu den meteoro— logischen Seltenheiten gehört. Der Heuernte kommt der Wetterwechsel mit seinen vielen Nieder⸗ schlägen keinesfalls zu statten, wohl aber dem gleichfalls zeitigen Setzen der Hackpflanzen. Ueber⸗ haupt war Regen sehr vonnöten, da es nachgerade begann, wirklich trocken zu werden. Aber nur der vorübergehende Regen kann zur Zeit nutz⸗ bringend sein, während anhaltendes Regenwetter der Heuernte großen Schaden brächte.
(D. Ztg.)
* Mainz, 22. Juni. Zwischen der Großh. Centralstelle in Darmstadt und den Vorständen der Gewerbevereine schweben Unterhandlungen, wonach sämtliche definitiv angestellte Lehrer der Gewerbevereine durch den Staat pensioniert werden sollen, wie dies bei den Volksschullehrern der Fall ist. Es soll nur in der Uebereinkunft festgelegt werden, daß die tüch— tigen Lehrer der Gewerbevereine ohne den Willen der Gewerbevereinsvorstände nicht an andere Schulen versetzt werden können.
* Mainz, 22. Juni. Infolge von Be⸗ schwerden der Polizei gegen die Mannschaften der hier liegenden beiden Schwadronen des 13. Husaren⸗- Regiments, besonders wegen Ausschreitungen gegen Civilisten, hat das Gou— vernement einen Befehl erlassen, wonach sämt— liche Gefreite und Gemeine beider Schwadronen
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Komödie. Von Fritz Anders.
*(Fortsetzung.) Das Wetter, rief der kleine Herr, ist der Be⸗
luchtungsapparat des Welttheaters. Wie Sankt Jetrus die Lampen schiebt, so sieht es auf der 0 Beltbühne aus, hell oder grau. Das Wetter ist tr die Welt von so großer Bedeutung, wie die ene für die Bretter, die die Welt bedeuten. denken Sie sich Faust's Monolog bei rotem, statt blauem Lampenlichte. Undenkbar! Die Wirkung häre reinweg zum Teufel. Gestatten Sie, daß ich nich vorstelle, mein Name ist Springer, Aug. Springer.
Hofrat Doktor Krimper.
Springer legte die Hand auf's Herz, verbeugte ch und machte eine Miene, als wenn er sagen lollte: Wer kennte Dich nicht, die höchste litte⸗ urische Autorität des Großherzogtums.— Inte⸗
ussieren Sie sich für die Bühne, Herr Hofrat?
gte er. Der Herr Hofrat hatte sich noch nie diese Frage
N urgelegt, aber ehe er noch antworten konnte, fuhr r kleine Herr fort: Thörichte Frage! Welchen
unkenden Menschen giebt es, der sich nicht dafür iteressierte. Das Drama ist die Blüte am Himmel ar Kunst. Das Drama ist die Kunst aller Künste, dnn der Mensch ist die Krone aller Kreaturen und de That ist die Krone des Wortes. Ich habe das emal so ausgedrückt
. Der kleine Herr griff in seine unnatürlich ge—
siwollene Brusttasche und brachte einen Haufen von echriften zum Vorschein, die er auf dem Tische
sbreitete. Während er nach einem gewissen Blatte
schte, scat er der Vorlesung einige Bemerkungen er die Umstände, unter denen er das Gedicht ge⸗ die Absichten, die er damit verbunden
wieder zum Abladen bequemen. Natürlich wurde
hatte, voraus. Endlich fand er das Blatt, darauf räusperte er sich vernehmlich und las im Kulissen— tone, indem er mit seinem krummen Schreibefinger nachdrücklich auf die Handlungsreisenden wies: Ihr dort, des Schauspiels schwankende Gestalten, Ihr schreitet nicht einher auf nichtigen Brettern; Der Zeiten Bild tragt ihr in goldnen Lettern Geprägt auf eures Spieles Mantelfalten
Weiter kam das Sonett nicht, denn der Ober— kellner fuhr mit der Bratenschüssel dazwischen und machte der Verlesung ein Ende.— Es ist ein Dichter, sagte Krimper zu sich, was will er von mir? will er mich anborgen? Er ahnte nicht, daß ihm schwereres bevorstand.
Nachdem der Braten beseitigt war, legte der kleine Mann Messer und Gabeln mit Entschieden⸗ heit nieder und sagte die Mostrichbüchse scharf ins Auge fassend: Die Bühne ist der unbestechliche Lehrstuhl der Weltgeschichte, nicht allein der Ge⸗ schichte, die einst war, sondern auch der, die ist und die sein wird. Haben Sie meinen„Grafen von Flandern“ gelesen?— Der Hofrat bedauerte, dies jedenfalls vortreffliche Werk nicht zu Gesicht be— kommen zu haben.— Loben Sie es nicht zu sehr, fuhr der Dichter fort, es gehört zu meinen Jugend⸗ Arbeiten. Damals stand ich auf historisch-klassischem Boden, und ich würde diesen Standpunkt nicht ver⸗ lassen haben, wenn nicht die Jetztzeit gebieterisch den Realismus forderte. In der That, ohne Realismus geht es nicht; wer Erfolg haben will, muß diesen Faktor ins Auge fassen. Und ist es denn nicht möglich, beide Standpunkte miteinander zu versöhnen? Oder müssen nicht die Motive, die der Realismus in die Kunst eingeführt hat, das Milieu, die Nerven, die erhebliche Belastung usw. zu allen Zeiten die treibenden Potenzen gewesen
sein? Man hat es nur nicht erkannt, man hat sich eine romantische Vergangenheit konstruiert, der historische Realismus wird die Aufgabe haben, die Menschen zu zeigen, wie sie realiter waren, realistisch, ungeschminkt, psychologisch neu entdeckt. Glauben Sie mir, Herr Hofrat, dem bistorischen Realisten lösen sich die Räsel der Weltgeschichte in ungeahnter Weise. Nero! Nero ist ein Rätsel; ein Wort löst dies Rätsel: Nero war erheblich belastet, er war das letzte Glied einer degenerierten Herrscherfamilie. Das ist es, das ist der Grund für den Mord seiner Gattin, die Ehe mit Poppäa Sabina, den Brand Roms und die Christenverfolgung. Welche dramatische Aufgabe! Ich habe das Drama ge— schrieben; aber werden Sie mir es glauben? man hat es nicht aufführen wollen. Man sagte mir, für die großen Dinge vergangener Zeiten interessiere sich niemand. Wer auf die Jetztzeit Eindruck machen wolle, müßte Mietskasernen, Hintertreppen, Kommerzienräte, Tänzerinnen und Fabrikarbeiter vorführen. Gut, ich habe meinen Nero umge— arbeitet und in die Gegenwart verlegt.
In die Gegenwart verlegt?
Mit schwerem Herzen, aber ich habe es gethan. Nero ist ein Großindustrieller, das letzte Glied eines verkommenen Patriziergeschlechtes. Seine Frau ist hystorisch, er ist morphiumsüchtig. In einem Zu— stande der Apathie steckt er seine Fabrik an.— Der Herr Hofrat wollte etwas sagen, aber August Springer ließ ihn nicht zu Worte kommen.— Er⸗ lauben Sie mir Herr Hofrat, Sie werden gewiß einwenden, das sei kein zureichendes Motiv, aber Sie müssen doch zugeben, daß unsere klassischen Dramen viel zu gut motiviert sind. In Wirklich— keit geschieht vieles unmotiviert. Das ist gerade die besondere Feinheit der realistischen Dichtung, daß
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sein müssen. Urlaub wird auf die Dauer von 14 Tagen nicht erteilt.
Vermischtes.
— Ueber die Folgen eines Hundebisses berichtet die„Tils. Ztg.“: Am Gründonnerstag biß der Hund des Hrn. G. in G. das sechsjährige Töchterchen desselben und verwundete dieses im Gesicht, worauf er fortlief. Obgleich die Wunden sofort aus gewaschen wur⸗ den, beeilten sich die bekümmerten Eltern dennoch, schnell ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da das Mädchen nach Ablauf der Osterferien soweit hergestellt war, um die Schule besuchen zu können, glaubte man sich mit der Hoffnung trösten zu dürfen, daß der Fall wohl keine nach⸗ telligen Folgen mehr haben werde. Doch eines Tages bat das Mädchen, Kopfschmerzen halber von der Schule zurückbleiben zu dürfen. Dieses nur vorübergehend scheinende Unwohlsein hatte zur Folge, daß die Kleine eines Tages zusammensank und zu Bette gebracht werden mußte. Bald stellten sich auch Symptome jener vom Hundebiß herrührenden schreckenerregenden Wutanfälle ein, und die bedauernswerten Eltern haben am Krankenbette ihres schwerkämpfenden Lieblings furchtbar schmerzhafte Tage verbringen müssen, bis endlich am 23. v. Mts. der Tod dem Kampf und Jammer ein Ende machte.
— Das Haar und die Nerven. Ueber die Nerveneinflüsse auf das Haar wissen wir bisher wenig; daß dasselbe aber, wie die Nägel, sehr von solchen ab⸗ hängig ist, beweist ein seltener Fall aufs neue, über den die„Deutsche Medizinische Wochenschrift“ auf Grund von Mitteilungen im Aerztlichen Verein in Hamburg berichtet. Dr. Arning zeigte in diesem Verein das abgeschnittene Haar von einem Falle von Pliea neuropathica. Bis 1887 sind erst zwei Fälle dieser eigentümlichen Affektion berichtet. In beiden Fällen waren jugendliche Individuen betroffen, ein Mädchen von 17 und eine Frau von 20 Jahren, in beiden Fällen war es unter Kopfschmerzen nach einer Waschung des Haares zu einer unentwirrbaren Aufrollung desselben gekommen. Arnings Fall ist kurz folgender: Eine lebhafte in Westindien geborene junge Frau von 24 Jahren hatte im 19. Jahre einen starken Haarausfall an den Schläfen gehabt, im Anschluß an eine schwere Wochenbetterkrankung. Das Haar hatte sich recht gut wiederhergestellt, war glatt, dicht und schlicht, wenn auch kurz. Nach dem zweiten Wochenbett vor vier Monaten war eine Influenza überstanden, diesmal das Haar aber gut geblieben. Da kam es bei starker ner⸗ vöser Depression plötzlich innerhalb zwölf Tagen zu einem fast totalen Verlust des Vorderhaares, ohne nachweisbare Erkrankung der Kopfhaut. Es wurde eine Einfettung der Kopfhaut und am fünften Tage eine Waschung verordnet. Danach kam es plötzlich zu einer intensiven Kräuselung des ganzen restierenden Haares, und innerhalb weniger Stunden, ohne irgend welche erklärenden Momente, zu einer dichten Verfilzung der sämtlichen Haare des Hinter⸗ kopfes in zwei kompakten Weichselzöpfen. Da alle Ent⸗ wirrungsversuche sich als vergeblich erwiesen, mußte das Haar abgeschnitten werden. So war durch spontanen Ausfall des Vorderhaares und durch das notwendig ge⸗ wordene Entfernen des Hinterhaares die Dame in 17 Tagen vollständig kahl geworden. Merkwürdigerweise be⸗ ruhigte sich das durch den plötzlichen enormen Haaraus⸗ fall stark mitgenommene Nervensystem der Dame schnell, und am Vorderkopf sowohl wie am Hinterkopf wuchs rasch junges Haar nach. Nach zweimonatlichem Tragen einer
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sie das Uumotivierte als Motiv einführt. Sie, bitle, an Hedda Gabler.
Also— der Hofrat steckt seine Fabrik an und beschuldigt die Gouvernante seiner Kinder, die er liebt, die ihn aber zurückweist, denn sie gehört heimlich einem katholischen Orden an,— er be— schuldigt diese Gouvernante die That gethan zu haben.
Aber die Versicherungsgesellschaft will nicht zahlen. Als er nun vor dem Zusammenbruche steht, verkauft er seine Frau einem reichen Liebhaber, geht mit einer Tänzerin durch, wird ein großer Künstler und stirbt durch Selbstmord mit den Worten Neros: Quantus artifex pereo. Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen den Eingang vorlese.
Damit griff der kleine Herr in seine Brusttasche und holte ein großes Manuskript heraus, faltete es sorglich auseinander, räusperte sich mehrmals und begann: Also— der Vorhang geht auf. Man sieht ein elegantes Zimmer. Links ein Kamin, da⸗ vor eine chaise-longue auf der die Frau Kom⸗ merzienrätin liegt, einen Roman lesend. Auf dem Kamin steht eine Uhr. Der Kommerzienrat sitzt brütend im Winkel. Lange Pause. Man hört das Ticken der Uhr. Die Frau Kommerzienrätin gähntt und legt das Buch bei Seite.„Eduard, welche: Zeit ist es?“ Er antwortete nicht.„Fast vier Uhr? Ich dachte es wäre später.“ Er erhebt sich, geht mit schwankenden Schritten auf sie zu und sieht fre mit unheimlichen Blicken an.„Aber Eduard“, so gt sie,„sieh nicht so komisch aus.“—„Komis che Komisch!! ha! ha!“ er lacht grell auf. Nach einer Pause, in sich zusammensinkend:„Ji Du hast recht, mir ist auch komisch zu Mute.“— Sehen Sie, Herr Hofrat, das ist packende Wirklichdeit, das ist Stimmung, so stehen wir mitten in der. Sache.
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Cortsetzung folgt.)


