Ausgabe 
24.4.1897
 
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Fürst Chimay als Vormund der minderjährigen Kinder anrief.

Soldaten⸗ und Generals ⸗Portionen. Der Kommandierende des 16. Armeekorps, Graf v. Häseler, ist zwarhöllisch scharf, wie seine Soldaten sagen,und gönnt uns nicht viel Ruhe, aber er sorgt auch für uns. Hunderte von Anekdoten, aus denen seine Fürsorge für den gemeinen Mann hervorgeht, sind in Metz in Aller Munde und meistens auch durch die Zeitungen gelaufen. Die neueste ist lautDess. Ztg. folgende: Als am Morgen der Vorfeier des Geburtstages Kaiser Wilhelms J. das ganze Korps morgens um Uhr nach Gravelotte ausrückte, erschien Graf v. Häseler früh in der Kaserne des Regiments, das als Spitze bestimmt war. Als er sah, daß die Mannschaften sich in den Kantinen noch Wurst, Käse und dergleichen kauften, ging auch er zu dem Wirt und ließ sich für 10 3 Leberwurst und für 10 Lothringer Landkäse geben. Beides wurde ihm fein ein⸗ gewickelt überreicht. Er ließ nun eine Anzahl Soldaten, die auch für 10% Wurst und Käse gekauft hatten, an⸗ treten und zeigte ihnen seine beiden Portionen mit der Frage, ob sie auch so viel bekommen hätten.Nein, Excellenz, war die Antwort,nur halb so viel, was sich aach durch Vergleich bestätigte. Schon am andern Tage erschien ein Befehl an den Kantinenwirt, daß er für zehn Pfennig 80 Gramm Leberwurst und 150 Gramm Lothringer Käse zu verabreichen habe. Genau so viel hatten seine beiden Stücke gewogen.

Humoristische Ankündigungen.

Aus dem Gemeinde⸗Anzeiger der Stadt Bern seligen Angedenkens.

Erstes großes Brillantfeuerwerk unter persönlicher

Die Fuhre Lehm kostet bei mir Fr. wobei der Fuhrmann auch schon mit drin liegt.

Die berühmte amerikanische Haaressenz, welche allen Haarleidenden radikal und schnell ein Ende macht usw.

Heute wurde am hiesigen Käfigturm der schwarze Kasten, worin künftighin die Verlobten, welche zur Ehe übergehen wollen, in gesetzmäßiger Weise aufgehangen werden müssen, gestohlen.

Der Verkauf meiner seligen Frau platz hat seinen ungestörten Fortgang.

Neueste Telegramme. Hd. Rom, 23. April. Als König

3,25,

auf dem Bären⸗

Humbert gestern Nachmittag 2, Uhr

zum Derby ⸗Rennen fuhr, drängte sich ein Mensch mit einer Bittschrift an den Wagen, hielt aber unter der Bittschrift einen Dolch verborgen. Er stieß den⸗ selben gegen die Brust des Königs, der Stoß verfehlte sein Ziel und ging ins Wagenkissen. Der Mordgeselle ist ein Schmiedegehilfe aus Artena, Provinz Rom, namens Pictro Acciarito. Der⸗ selbe wurde verhaftet; er soll irrsinnig sein. Der König wurde bei der Rückkehr in die Stadt von einer ungeheuren Menschenmenge euthusiastisch begrüßt. Abends war die Stadt illuminiert. (Bereits durch Extrablätter gemeldet. D. Red.)

Hd. Rom, 23. April. Zu dem Attentat auf den König wird weiter gemeldet. Der Attentäter ist 24 Jahre alt und von kleiner Gestalt, derselbe hat schon gestern in einem Osteria geäußert, morgen werde er

jemand umbringen, wovon die ganze Welt sprechen werde. Der Attentäter, ein arbeitsloser Schlosser. genoß bisher einen guten Leumund. Die Behörden nehmen deßhalb an, daß er die That in einem Wahnsinnsanfall hat. Als Motiv gibt der Thäter Hunger an. Das Attentat wurde dadurch vereitelt, daß der König den Dolchstoß mit dem rechten Arme abwehrte, sodaß die Klinge in das Wagenkissen fuhr und dieses völlig durchbohrte. Der König wohnte dem Rennen gleichmüthig bis zu Ende bei und äußerte zu seiner Umgebung: Wenn man König ist, muß man solche Dinge mit in Kauf nehmen. Die Königin kam auf dem Rennplatz erst nach dem Könige an und hatte von dem Vorgefallenen keine Ahnung. Der König ging der Königin entgegen, faßte sie bei der Hand und berichtete kurz das Geschehene. Die Königin wurde zuerst leichenblaß, faßte sich aber bald und umarmte den Gemahl stürmisch. Der Rückweg des Königspaares glich einem Triumphzuge. Abends fanden vor dem Quirinal stürmische Ovationen einer ungeheuren Menschenmenge für das Königspaar statt, welches sich wiederholt auf dem Balkon zeigte und dankte. Von Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Joseph, der Königin Viktoria, dem Zaren, der Königin von Spanien, dem Präsidenten Faure trafen be⸗ reits herzliche Glückwunschtelegramme ein.

Hd. Paris, 23. April. Trotz der Kriegsnachrichtenbleiben dietürkischen Werte relativ fest. Dies wird in Börsenblättern damit erklärt, daß die Dip⸗ lomatie mit der hohen Finanz darin ein⸗ verstanden ist, daß in jedem Falle die In⸗ togorität und der Kredit der Türkei aufrecht

zu erhalten ist. Hd. Athen, 23. April. Die Türken verzweifeltem Widerstande

Nezeros, während die Station Sala ora von den Griechen erobert wurde. Ein wildes Kampfgetümmel tobte den ganzen Tag.

Hd. Konstautinopel, 23. April. Ghasi Osman Pascha, der Löwe von Plewina, reist heute an die Grenze ab, um das Ober⸗ Kommando über die Armee zu übernehmen.

Kirchliche Anzeigen. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 25. April, Quasimodogenitt. In der Friedhofskapelle: Vormittags 9 ũ Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Im Konfirmandensaal in der Neustadt. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Markusgemeinde, Pfarrer Dr. Grein. Johanneskirche. Samstag, den 24. April, nachmittags 2 Uhr, Beichte. Pfarrer Dingeldey. Sonntag, den 25. April, Quasimodogeniti. Vormittags Uhr: Pfarrer Dingeldey. Kon⸗ firmation der Kinder aus der Lukas und der Militärgemeinde. Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 2 Uhr: Kindergsttesdienst für die Johannes⸗ gemeinde, Pfarrer Dr. Naumann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Armen. Sonntag, den 2. Mai, nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden aus der Johannesgemeinde.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redak⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei in Gießen.

Kollekte für die

Abbrennung des Herrn Patzelt.

Jubiläums⸗Stipendien⸗Stiftung zu Ehren der 28jährigen Regierung des höchstseligen Großherzogs Ludwig III.

Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei Provinzen Einer, eine gleichmäßige Subvention zu den Kosten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungs⸗ anstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1897 drei Stipendien zu vergeben.

Das Stipendium kann auf drei Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Gemeinden berücksichtigt werden, welche Bei⸗ träge zu dieser Stiftung geleistet haben.

Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bildungsanstalt besuchen oder besuchen wollen, und sich um das Stipendium zu bewerben beabsichtigen, sind eingeladen, ihre Gesuche, mit den nöthigen Zeugnissen belegt, durch ihre betr. Bürgermeisterei an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz, also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmstadt, aus Rheinhessen an die Bürgermeisterei Mainz, aus Oberhessen an die Bürgermeisterei Gießen bis längstens zum 1. kgelangen zu lassen.

Darmstadt, Mainz, Gießen, den 9. April 1897. 1098

Das Curatorium:

Morneweg,. Dr. Gassner. Enauth,

Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister. Gr. Oberbürgermeister.

Die Herstellung des Ofliziellen Rennprogramms für die vom 29. bis 31. Mai d. J. stattfindenden Festlichkeiten haben wir der Firma Heinrich Hollmann Gießen übertragen, was wir Interessenten für den damit verbundenen Inseratenanhang hierdurch mitteilen. 1115

Gießen, 20. April 1897.

Der Vorstand des Curatorinm der

Rennbahn Gießen 1897

Der Vorstand derWanderer, Gießener Radfahr⸗Gesellschaft Dr. Jung, Wilh. Homberger, Vorsitzender. Vorfttzender. Bezugnehmend auf obige Mitteilung der Vorstände des Curatoriums der

Rennbahn Gießen 1897 undder Wanderer Gießener Radfahr⸗Gesellschaft empfehle ich mich zur Entgegennahme von Inseraten für das anläßlich der Er öffnung der neuen Rennbahn herzustellende offizielle Rennprogramm. Zur weiteren Entgegennahme von Inseraten ist der Vertreter der Annoncen-Expedition von Haasenstein& Vogler A. G. Herr Gustav Wohlmuth, Gießen, beauftragt.

Wilh. Kellersche Druckerei, Heinrich Hollmann.

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