Ausgabe 
23.11.1897
 
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Gießen, Dienstag, den 23. November

1897.

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Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

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Jokales und Provinzielles. Gießen, 22. Nov. Verhaftet wurde vorigen Samstag ein dahier bediensteter Hecht wegen Vergehen gegen§ 175 des Reichs⸗ lalgesetzes und eine Frau wegen verschiedener ebtahle. Entwendet wurde in einem ben am Neuenweg am vorigen Samstag von en Unbekannten aus einer Blechbüchse der trag von etwa zehn Mark.

Gießen, 22. Nov. Einen Menschen⸗ Iiflauf verursachte gestern Abend in der eten Bahnhofstraße ein betrunkener Radfahrer n auswärts, indem er die Spaziergänger be⸗ npfte und laut skandalierte. Da eine Er⸗ Ahnung zur Ruhe erfolglos blieb, mußte er ießlich arretiert und in das Haftlokal ge⸗ gafft werden. Das ging nicht so ganz glatt

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vorzüglich 1 Vier Schutzleute vermochten den äußerst 70 nuglichg iderspenstigen kaum 1 7 zähmen. Schließlich 70 Pfg. an, tte der renitente Radaubruder auf einem

arten in das Arresthaus gefahren werden.

120 Gießen, 22. Nop.(Brandstiftung.)

Hehner. I der Nacht von Samstag auf am wurde ů Iden alten Ställen in der Gasse, welche mit 146 r Marktstraße paralell läuft, Feuer angelegt.

Ul 0 5 brannten Kisten des Kaufmanns Arnold. dus erst im Entstehen begriffene Feuer wurde

dheimerttaße. In den in der Felsingschen Wirtschaft weilenden

süsten gelöscht. Ein zweites Schadeufeuer häkte ld die Löbersche Hofraite gefährden können. in Obdachloser hatte es sich in derselben Nacht einem Stall auf Stroh bequem gemacht. Als hm in Folge eines von außen am Stall an⸗ legten Brandes zu warm wurde, schlug der Hann Feuerlärm und auch hier konnte die Nach⸗ schaft gleich den Brand löschen. In der ver⸗ auigenen Nacht faßte man den schon mehrfach gen Brandstiftung in Verdacht gewesenen beißbinder Karl Keil von hier ab, als er . 1. eine Kutsche des Führwerks⸗ N Hen order dcr setzte. lerselbe ist auch gesehen worden, daß er in der Imsta, Loebersche Hofraite verlassen lt. Keil, der in Haft genommen wurde, ist rselbe Mensch, der beim Seeed fe ver⸗ sichtig war, die Schadenfeuer in der ühlgasse ud in der Bleichstraße verursacht zu haben. Heschfalls ruhte der Verdacht auf Keil, das vor gel Jahren vollständig niedergebrannte Haus Tiefenweg, dem Rentier Lot gehörig, ange⸗ leckt zu haben. Nunmehr wird dieser Verbrecher zohl für lange Zeit unschädlich gemacht werden. Gießen, 22. Nov. Gestern tagte hier im hotel Viktoria der Vorstand d rbandes der freisinnigen 0 e die Provinz Oberhessen. Die Führung zurde dem dritten oberhessischen Wahlkreis, der borstz dem Rechtsanwalt Reh⸗Alsfeld, über⸗ digen. Es wurde beschlossen, am 9. Januar lamenden Jahres zu Schotten einen Provinzial⸗ Jarteitag abzuhalten.

Gießen, 22. Nov. In vergangener Woche elt Tierarzt Seiderer in einer gut besuchten lersummlung des Vereins zur Züchtung

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bestens gesorgt. itte, empfehle ich ui a8 voll

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scheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abounement int durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mk. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.

Mittwoch bevor.

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leiner Hunderassen, welche im Vereins⸗

interessanten Vortrag über die Pflege und Auf⸗ zucht des Hundes. Dem Vortrage Wühoten auch zahlreiche Nichtmitglieder des Vereins bei. Es besteht die Absicht, derartige Vorträge öfter zu veranlassen.

Gießen, 22. Nov.(Stadttheater.) Die äußerst rührige Theaterdirektion Kruse⸗Helm hat uns schon so manche angenehme Abwechselung geboten. Eine solche steht auch für nächsten J Man hat das bekannte Cha⸗ rakterstückOnkel Bräftg vorgesehen und für die Titelrolle einen der besten Reuter⸗Dar⸗ steller, nämlich den württembergischen Hof⸗Schau⸗ spieler Emil Richard gewonnen. Ueber die Leistungen des genannten Künstlers äußert sich dieMünchener Allgemeine Zeitung wie folgt: Ziemlich spät erst ist das süddeutsche Publikum Münchens mit den gemütstiefen Werken Fritz Reuters bekannt geworden, wenigstens was deren Wirkung von der Bühne herab betrifft. Im Juni 1882 veranstaltete August Junkermann hier einen Reuter⸗Cyklus, d. h. eine Reihe von Aufführungen durch ihn für die Bühne ein⸗ gerichteter Dichtungen Reuters, in denen er selbst die Hauptrollen mit großartigem Erfolge spielte. Dieser Reuter⸗Cyklus mag damals für Manchen eine Anregung geworden sein, sich mit den Origi⸗ nalen, diesen Blüten deutschen Humors, zu be⸗ schäftigen. Trotz des großen Erfolges jener Aufführungen aber hat Junkermann München auf seinen späteren Triumphzügen fast auffallend gemieden. Erst jetzt ist wieder ein Reuter⸗Dar⸗ steller am Gärtnerplatz eingezogen, der württem⸗ bergische Hofschauspieler Emil Richard, ein noch junger Künstler er ist am 22. Juni 1857 geboren der, soweit dies nach der ersten Rolle beurteilt werden kann, hinter dem genannten berühmtesten Reuter-Darsteller gar nicht zurück⸗ steht. Herr Richard begann gestern sein Gast⸗ spiel alsOnkel Bräsig und hatte damit einen großen und verdienten Erfolg. In ihrer ganzen Originalität lernten wir diese klassische Figur Reuters allerdings auch gestern ebensowenig kennen, wie durch Junkermann, denn auch Herr Richard fand es begreiflicherweise geboten, sein Plattdeutsch, um verständlich zu bleiben, einiger⸗ maßen der Schriftsprache anzunähern. Er that dies aber sehr geschickt und ohne seinem Platt im mindesten Gewalt anzuthun. Die Erscheinung ist der Rolle sehr günstig, das Spiel natürlich, überaus lebhaft und von drastischer Komik, nicht minder verfügt der Gast über wirksame warme

Herzenstöne.

a. Gießen, 21. Nov.(Stadttheater.) u ermäßigten Preisen wurde am Samstag Abend LessingsNathan aufgeführt. Die Be⸗ sucher der Vorstellung rekrutierten sich vornehm⸗ lich aus Schülern und Schülerinnen höherer Lehranstalten. Die Aufführung war im großen und ganzen eine gute zu nennen. Die Rolle des weisen Nathan war in den Händen des Herrn Liebscher gut geborgen. So gut er kürzlich den Shakespeareschen Shyl ock darzustellen wußte, so gut gelang ihm auch gestern Abend der Lessingsche Nathan. Ganz vorzüglich war die Szene, als Nathan das Gleichnis mit den drei Ringen erzählte. Stürmischer Beifall wurde

Nedaktion und Appebition!: Kreuzplatz Nr. 4.

lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, r.-Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar,

Garbenteich, Or Buseck, Hochelheim, Kinzenbach, Kl.⸗Linden, Krofdorf, Lang Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗

Herrn Liebscher zuteil. Die Herren Fritzschler (Sultan) und Boehm(Tempelherr) waren gleichfalls bemüht, Gutes zu leisten. Die kleine Rolle des Patriarchen spielte Herr Helm. Herrn Forschs Klosterbruder war eine recht anerken⸗ nenswerte Leistung. Recht glücklich in der Auf⸗ fassung und Wiedergabe ihrer Rollen waren gestern Abend die mitwirkenden Damen. Frau Kruse spielte die Daja, Frl. Marloff die Recha. Die Schwester des Sultans spielte Frl. Würdig. Das Publikum erwies sich recht dankbar und zeichnete die Darsteller durch wieder⸗ holten Hervorruf aus. Die gestrige Auf⸗ führung des fünfaktigen SchauspielsDie Schule des Lebens oder Königstochter und Bettlerin von Ernst Raupach war nur spärlich besucht. Das Sonntagspublikum rechnet eben auf Possen. Die Verteilung der Rollen war den Angaben des Theaterzettels zu⸗ widerlaufend, da ein Teil der Mitglieder in Wetzlar gastierte. Die TitelrolleDonna Isaura, Tochter des Königs von Castilien, wurde von Fräulein Würdig recht glaubhaft wiedergegeben. Die junge Dame wurde durch Ueberreichung eines riesigen Lorbeerkranzes überrascht. Die Aufführung des Stückes gelang vorzüglich. Das Publikum spendete reichlichen Beifall. Die heutige Vorstellung wird uns mit einer bedeutenden Bühnenkraft bekannt machen, mit Fräulein Henriette Götze vom Residenztheater in Wies⸗ baden in der Titelrolle des LustspielsDie berühmte Frau.

* Gießen, 22. Nov. Die Kartenbriefe haben der Postverwaltung trotz der kurzen Zeit ihrer Geltung bereits eine erhebliche Einnahme an Strafporto verschafft. Da dieselben wie Briefe behandelt werden, so ist dem Absender gestattet, dem Kartenbrief eine Einlage beizu⸗ fügen, sei es in Gestalt von Anschreiben, Photo⸗ graphien, Marken oder sonstiger Art. Hierbei wird jedoch nicht beachtet, daß entsprechend dem eingedruckten Stempel im Betrage von 10 Pfg. eine Beschwerung nur bis zum Höchstgewicht für einfache Briefe zulässig ist. Jede höhere Be⸗ lastung erfordert eine Erhöhung der Frankatur durch Aufkleben einer zweiten 10 Pfg.⸗Marke. Im Publikum ist hingegen die irrtümliche Mei⸗ nung verbreitet, daß jeder Kartenbrief, belastet oder unbelastet, innerhalb des deutschen Reiches für 10 Pfg. befördert wird. Der Grund für diesen Irrtum liegt darin, daß auf die Doppel⸗ taxe für Kartenbriefe nach dem Auslande be⸗ sonders durch den Aufdruck hingewiesen ist, nicht aber auf die Ueberlastung durch Einlagen.

* Friedberg,, 20. Nov. Der Verkehr auf den neuen Bahnlinien von hier nach Hungen bezw. Nidda erweist sich fortdauernd als ein sehr reger. Die verschiedensten Stationen sind bei der Ankunft fast sämtlicher Züge so belebt, daß sich die mangelhafte oder vielfach noch ganz fehlende Beleuchtung der Verbindungs⸗ wege zwischen den Stationsgebäuden und den betreffenden Orten bei Dunkelheit schon in recht unangenehmer Weise fühlbar gemacht hat. In Wölfersheim und Södel ist man nun dem Ge⸗ danken näher getreten, ob sich nicht eine elek⸗ trische Beleuchtung der vom Bahnhofe bis

rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

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vor Wölfersheim und von da nach Södel führen⸗ den Straße, deren Gesamtlänge kaum einen Kilo⸗ meter beträgt, ohne zu große Kosten anlegen ließe, indem vielleicht eine Dynamo⸗Maschine ohne be⸗ deutende Schwierigkeiten mit dem Getriebe des Wölfersheimer Bergwerks in Verbindung gebracht und von da der Strom heruntergeleitet werden könnte.

Darmstadt, 21. Nov. Am Dienstag erfolgt die Eröffnung des Betriebs der städtischen elek⸗ trischen Straßen bahn. An eine Festfahrt vom Louiseuplatz aus wird sich ein Frühstück im Gasthof zur Traube schließen.

Darmstadt, 21. Nov. Die Zurücknahme der Vergünstigung des freien Samstagnach⸗ mittags hat 11 bei den im inneren Dienst beschäftigten Beamten der Main⸗Neckar⸗Bahn böses Blut erregt. Die Direction war der An⸗ sicht, daß es mit den Interessen der Verwaltung nicht länger vereinbar sei, dieses durch nichts ge⸗ rechtfertigte Privilegium, das lediglich in Hessen⸗ Darmstädtischen Büͤreaus usuell in Uebung ge⸗ wesen' sei, ferner zu respektiren. Man war der Ansicht, daß im Gegenteil die pünktliche Erledi⸗ gung der Geschäfte und die Befriedigung not⸗ wendiger Verkehrsinteressen eine Aufhebung der Vergünstigung unbedingt erfordere. Man it um so unbedenklicher hierin vorgegangen, als durch die Freigabe schon längst nicht mehr alle Be⸗ amten in gleicher Weise begünstigt wurden, viel⸗ mehr gerade die eifrigsten und tüchtigsten, die auch an diesem freien Nachmittag arbeiten mußten, wollten sie die ihnen obliegenden Geschäfte pünkt⸗ lich erledigen, am Samstag Nachmittag regel- mäßig arbeiteten und selbst die Aufhebung der Freigabe forderten. Der gesteigerte Verkehr be⸗ dinge außerdem stärkere Anspannung der vor⸗ handenen Arbeitskräfte und erfordere gebieterisch die volle Ausnutzung der gesetzlichen Büreau⸗ stunden, die bis jetzt durchaus nicht pünktlich innegehalten worden seien.

* Mainz, 21. Nov. Wegen Beleidigung des Majors Wolf von: 88. Infanterieregiment stand am Freitag v. W. der Metzgermeister Isidor Lekisch, der Fleischlieferant für die hiesige Garnison ist, vor der Strafkammer des Landgerichts. Der Beschuldigte hatte Hammel⸗ fleisch geliefert, das den Bedingungen nicht ent⸗ sprochen haben soll. Wegen vertragswidriger Lieferung wurde der Meßgermeister von der Militärbehörde zu einer Geldbuße von 20 Mark perurteilt. L. schrieb darauf dem Major Wolf einen Brief, in dem er diese Bestrafung als eine Chicane bezeichnete; Major Wolf klagte und das Schöffengericht erkannte auf eine Geldstrase von 10 Mark wegen Beleidigung. In der Berufungsinstanz wurde der Beschuldigte frei⸗ gesprochen, da er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe.

* Mainz, 20. Nov. Im hiesigen Eisenbahr⸗ direktionsbezirk wurde dieser Tage zum ersten Male mit der Auszahlung der bei den preu⸗ ßischen Staatsbahnen üblichen Weihnachts remunerationen begonnen. Berücksichtigt werden sämtliche Beamte des inneren und äußeren Dienstes, die sich durch gute Führung ausgezeichnet haben. Die Höhe der einzelnen

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Der Handschuh.

Von Heinrich von Lautern. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.) Dann erst hebt er das schimmernde Ding auf. s ist ein Frauenhandschuh, einer aus schneeweißem ace, mit breiten, schwarzseidenen Raupen. Wie e Ding nach Parfüm riecht! Heliotrop nein, Rimosa. Und welch niedliches Händchen muß da sneingehören! Aha, wirklich Nummer ber soas soll er mit dem Ding? Zurückgeben? im. Wegwerfen? Eh, das wäre schade! Die peite Klasse wird schließlich auch den Verlust ver⸗ bmerzen können.. und er steckt den Handschuh Stübchen

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die in sein nue, a 1 anf. Brusttasche und tappt f eri eb 1 Oben sitzt er am ossenen Jeuster, träge, ge m Wit nkenvoll. Der Himmel trübe, die Ferne dunstig, I. e Ae Farben graugedämpft und durch die Wirrnis a.. i Blätter streicht monotan der Tropfenfall Zum Kallen en Male fühlt er sich in seinem Krähwinkel ift io isam beklommen seltsam beklommen. Ob das 105 1 f Pelter daran schuld ist, das Wetter mit 118 fg 6 wermütigen Schauern? Nein, es ist etwa Ichaclt N deres, es hat wie aus weiter Ferne an seine 07 0 10 kerle gerührt, traumhaft vlstonär, 9 dem 1 Ten ee vorhin ist es vorübergeglitten, blitzschnell eee da,. der Brustiasche blieb etwas davon zurück

15 75* der Brusttasche, wo der Hanpschuh steckt, steigt

samer des Restaurant Royal stattfand, einen . ů,

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es auf, duftig allvertraut und wehmütig packend. Es ist wie Heimweh Heimweh. ö

Und wo die blanken Schienenstränge um die Felsen biegen, wo der Blick wie durch eine weite Pforte hinausschweift in das nebelverhangene Land, dort hebt es sich greifbar aus dem Dunst: Kuppeln und Türme, Straßen und Menschen. Es wogt und wächst und tönt seise Hohe Bilder⸗ räume, lichterfüllte Ballsäle, Salonprunk, Musik, Theaterloulissen, Maskenscherze, Bockbierfeste 5 und die fidelen Freunde, und die Ballköniginnen und die kleinen hüͤbschen dreisten Modellmädchen 5 o Heimat! ewige Heimat! Ich halt' es nicht aus,

ich komme! 2 Immerfort, immerfort rauscht der Regen durch die Blätter, schwermütig langsam flattert der

Nebel auf und nieder, und im Oberstübchen des Bahnwärterhauses streichelt jemand einen weißen Frauenhandschuh und fummt ein schmachtendes Walzerpiano dazu. Trala, hm lalala, tralahmla trala äh, schrumm! Los Haus!

Am andern Tage strebt Hans Cramer der nächsten Haltestelle zu. Wo die Landstraße der Flußwindung folgend, aus dem Thalwinkel biegt, kehrt er sich um und grüßt noch einmal zurück. a

Lebewohl, mein Sonnenheim, mein Sanssopdi, mein Idyll Du ganzes glückliches Schlender⸗ leben! Ich muß Dich lassen, der Handschuh der

vschuh ist schuld bavan. See halbes Jahr später sitzt Herr Cramer

im Atelier, in seiner Hand elne kuͤnstlerisch aus⸗

geführte Einladungskarte: DieMappe veranstaltet am 28. Februar einen Maskenball. Natürlich geht man. Aber wie? Marquis Posa Pierrot Werter Matador ahbah, alles schon dagewesen.

Er kramt in der geschnitzten Ebenholztruhe, die die Andenken und Raritäten birgt, nach Skizzen, Kostümskizzen aus der Werdezeit. Da stößt er auf einen Handschuh, einen weißen Frauenhandschuh mit schwarzseidenen Raupen.

Ah Du! Bist Du auch noch da, kleiner Störenfried?

Er hält das Ding lächelnd in der Hand, es riecht noch immer nach Mimosa. Diese duftende zarte Kleinigkeit hat ihn damals wie mit Ketten⸗ gewalt aus seinem buon retiro heraus gerissen. Wunderlicher Springball die Menschenseele! Ah jetzt eine Idee! Warte trugen nicht die Ritter der Minnezeit Frauentand und Liebes- pfänder an ihren Kleibern? Na ja, Sinn hat es in diesem Fall wenig, aber originell ist es immerhin Ritter vom weißen Handschuh, man höre! Hahaha! Und noch interessanter wird eigentlich die Geschichte, durch die Möglichkeit i wo! Das kann ja nicht sein, Teufel, aber könnte man denn nicht einmal den Zufall herausfordern, einmal dem Geschick unter die Hände laufen? Kla ppts nicht, hat man immer noch kein Bein ge⸗ brochen, die Maske behält deshalb doch ihre

Originalität. Also gut, Ritter vom weißen

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Am Abend des 28. Februar tritt ein völlig schwarz gekleideter Ritter in den Ballsaal des Hotel Bellevue. Breiter schwarzer Hut mit schwarzen wallenden Federn, schwarze Puffärmel, schwarzer Beintrikot und auf dem schwarzsammtenen Brust⸗ stück ein weißer Handschuh mit ausgestreckten Fingern. Die Handfläche ist gerade über dem Herzen angeheftet.

Er kreuzt einige Mal das bunte Gewühl der Masken und dann lehnt er abseits unter eir ler Karyatide. Das Auge hinter der schwarzen H' alb⸗ maske nimmt offenen Blicks das glänzende, fa e ben⸗ freudige Bild auf. Gerade über ihm strahlen(Slüh⸗ lichter zwischen der Stukkatur, der Scheiy! fällt breit über die dunkle Gestalt und auf deer Brust schimmert weitleuchtend der Handschu). Die Freunde kommen einer nach dem ander 4, sie er⸗ lennen ihn alle an dem grotesken Cnfall, der hinter seiner Maske steckt. So was bringt nur Cramer fertig!... Sie koramen und gehen. Und dann schwebt langsam eine Venetia me rin vorüber. Der schwarze Schatten muß ihr Nyige angezogen haben, sie wendet den Kopf und zögert. Es ist eine unvergleichliche Desdemona! Schlz ink, schmiegsam, reiches, goldblondes Gelock, don Perlenschnüren durchflochten, in der tiefroten Maske zwei große weiche Blauaugen und zwischen denn hochstehenden Venetianerkragen schimmern Nackert und Büste in echt Tizianscher Fleischespracht.

(Schluß folgt.)