Ausgabe 
23.9.1897
 
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Nr. 223

Gießen, Donnerstag, den 23. September

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

ische Landeszeiln

Gießen.

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Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion:

* Kreuzplatz Nr. 4. 2

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 22. September. Die durch die Dekanatssynode des Dekanats Büdingen für den Rest der im Jahre 1898 ablaufenden Wahl⸗ periode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Theodor Weber zu Lißberg zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Büdingen ist die Bestätigung erteilt.

* Gießen, 21. Sept. Soeben findet in der

rovinz Hessen⸗Nassau und dem Großherzogtum en eine Revision sämtlicher Ver⸗ Iflegsstationen durch die dazu erwählten Perren Landrat Beckhaus von Hofgeismar und eisrat Dr. Breidert von Worms statt. Gestern besichtigten die Genannten die Mainzer Station Gegenwart des Vorsitzenden des dieselbe unter⸗

0 erz Mainzer Armenvereins, Herrn Geh.

merzienrat Beigeordneten Reinach; die Ein⸗ kichtungen der Station fanden dabei lobende Merkennung. Gießen, 22. Sept.(Stadttheater.) Mir erhalten aus dem Theaterbureau die Mit⸗

g, daß am 28. September zur Eröff⸗

g der Saison der für hier neue vieraktige

Aumenthal⸗Kadelburgsche Schwank Zwei Wappen zur Aufführung gelangt. Rosenkreuz und Güldenstern, welches anfänglich als Eröffnungsvorstellung bestimmt wär, wird voraussichtlich in der zweiten Woche gegeben.

* Gießen, 22. Sept. Vor der Straf⸗ kam mer hatte sich gestern in der Berufsinstanz der Eisendreher Max Schneider von hier wegen einer tollen Radfahrt, die er am Tage des ersten Radwettfahrens von Textors Terrasse herunter unternommen, zu verantworten. Er hatte dabei ein Sjähriges Mädchen überfahren und auch verletzt. Der Vater des Kindes weigerte sich in Rücksicht auf die Familie des leichtfinnigen Radlers und weil die Verletzungen seines Töchterchens sich nicht als schwere er⸗ wiesen, einen Strafantrag wegen Körperverletzung zu stellen. Das Amtsgericht hatte daher gegen Schneider nur einen Strafbefehl erlassen, wonach

der Angeklagte mit 6 Wochen Haft und 20.

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Geldstrafe zu bestrafen war. Hiergegen hatte Schneider Einspruch erhoben, war aber zu dem vorm Schöffengericht anberaumten Termin nicht erschienen, sodaß der Einspruch verworfen werden mußte. Hiergegen richtete sich die eingelegte Be⸗ kufung des Schneider, die aber von der trafkammer verworfen wurde. Der Vor⸗ der Kammer, Landgerichtsdirektor Jöckel,

gab dem Angeklagten anheim, den Gnadenweg wegen Herabminderung der Strafe zu betreten. Der Taglöhner Andreas Kern von Ober⸗ bidders helm, ein Mann von 46 Jahren, war am 29. Juni d. J. aus dem Gefängnis zu Herbstein in die Heimat zurückgekehrt. Er hatte eine Strafe wegen Beleidigung des Oberförsters offmann verbüßt und schimpfte nun aus dem nter seiner Wohnung auf den Polizeidiener und Oberförster in der 1 Weise. Der Angeklagte glaubte, den Richtern aufbinden zu können, er habe aus Freude über die wieder⸗ ewonnene Nebel seiner Frau wohl etwas zu uterzählt.

Als er aber bei Verkündung

des Urteils hörte, daß er wieder auf 2 Monate ins Gefängnis wandern solle, machte der An⸗ geklagte erst ein langes Gesicht und erklärte dann, er wolle Appellation nehmen. Gießen, 22. Sept. Für das Jahr 1898 sind die Gießener Viehmärkte wie folgt festgesetzt: 11. Januar, 1. Februar, 22. und 23. Februar, 8. und 9. März, 22. und 23. März, 5. April, 19. und 20. April, 3. und 4. Mai, 17. und 18. Mai, 8. Juni, 28. und 29. Juni, 19. und 20. Juli, 9. August, 30. und 31. August, 20. und 21. September, 11. und 12. Oktober, J. und 2. November, 22. und 23. November und 6. und 7. Dezember. Die Markttage fallen immer auf einen Dienstag und wenn ein zweitägiger Markt stattfindet, ist am Mittwoch ein Krammarkt damit verbunden.

* Gießen, 22. Sept. Der gestrige Vieh⸗ markt hatte einen Auftrieb von 900-1000 Stück Vieh, darunter etwa der vierte Teil Kälber. Trotzdem genügend Käufer am Markt waren, Ang das Geschäft im allgemeinen flau, mit

usnahme des Handels in besseren Milchkühen, bei welchem die Verkäufer wie immer auf hohe Preise bestanden. Die Preise für Fettvieh waren weichend und machte sich der Umsatz hierin sehr schleppend. Frankfurter Händler kauften einen größeren Transport schwerer Kälber und beein⸗ flußten in dieser Qualität dadurch den Markt, während leichtere Kälber billig angeboten und gehandelt wurden. Es wurden gehandelt: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität 450500 Mark, 2. Qualität 350420, Abmelkkühe wurden zu 250280& abgegeben. Schwere Kälber kosteten 60, leichtere Ware war für 5456. pro 100 Pfund Schlachtgewicht zu haben. Fette Rinder waren nur vereinzelt am Markt. Der Auftrieb wurde diesmal nicht ganz geräumt und war der Markt sehr spät beendet.

* Gießen, 22. Sept. Wie uns mitgeteilt wird, findet am Montag, den 4. Oktober, die letzte diesjährige Feuerwehr-⸗Haupt⸗ übung statt. An derselben nehmen die beiden freiwilligen Korps, sowie die Pflichtfeuerwehr Teil. Den Schluß der Uebungen, zu denen dem Vernehmen nach eine Einladung an die städti⸗ schen Körperschaften ergangen ist, wird ein ge⸗ meinschaftlicher Brandangriff bilden.

* Gießen, 22. Sept. Ein frecher Dieb trieb am vorigen Montag hier und in Marburg sein sauberes Geschäft mit Erfolg. Nachdem er in Marburg eine goldene Uhr gestohlen, begab er sich nach hier, verkaufte dieselbe bei einem Trödler, um gleich darauf einem hiesigen Uhr⸗ macher ebenfalls eine goldene Uhr zu stehlen. Der Dieb wurde ermittelt, jedoch gelang es ihm im Dunkel der Nacht zu entweichen. In der⸗ selben Nacht begab sich der Gauner wieder nach Marburg, woselbst er am anderen Morgen einen weiteren Uhrendiebstahl auszuführen versuchte, hier wurde er jedoch abgefaßt und verhaftet. Die hier gestohlene Uhr fand sich noch bei ihm vor. Ueber die Person des Gauners ist man si bis jetzt noch nicht klar, da er sich verschiedene Namen beilegte. Derselbe dürfte sein Handwerk auch in anderen Städten mit Erfolg betrieben haben.

* Gießen, 22. Sept. Bei dem Umroden

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Fetertagen. Preis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

einer Waldparzelle in der Gemarkung Nassau, Distrikt Heidchen, hat man dieser Tage mangan⸗ haltiges Metall gefunden. Ein Unternehmer aus Wirges bei Montabaur hat sofort Mutung auf dasselbe gelegt und Arbeiter zu weiteren Aufschlußbauten und Gewinnung des Metalls angestellt. In der Nähe dieser Fundstelle sollen auch Eisensteinlager entdeckt worden sein.

* Gießen, 22. September. Wenn die Schwalben heimwärts ziehen. Die Schwalben sind in den letzten Tagen bereits in großen Scharen dem warmen Süden zugeeilt, ein bischen frühzeitig zwar, jedenfalls aber sind für sie bei der herrschenden nde die Futter⸗ verhältnisse schlecht geworden und dann können die zierlichen Luftvögel auch nur schlecht das düstere regnerische Herbstwetter vertragen. Nur wenige Tage noch und auch die letzten werden verschwunden sein.

O. Grünberg, 21. Sept. Die diesjährige Dekanatssynode für Grünberg fand gestern Nachmittag im hiesigen Schulhause statt, nachdem derselben ein Gottesdienst vorausge⸗ gangen war. Auf der Tagesordnung stand die These:Wie hat sich die Kirche ihren Grundsätzen gemäß in 1 5 auf die Beerdigung von Selbstmördern zu ver⸗ halten? Behandelt wurde dieser Leitsatz von Pfarrer Michel⸗Nieder-Ohmen. Diese Streitfrage beschäftigt gegenwärtig die meisten Dekanatssynoden und gipfelt darin, daß die Kirche einen Unterschied machen muß zwischen solchen, die sich eigenmächtig das Leben genommen haben und solchen, die eines natürlichen Todes (oder durch Unfall) gestorben sind. Das kirch liche Begräbnis ist in allen Fällen zu versagen, wo bewußter Selbstmord vorliegt; hierzu gehören auch Duellanten. Um die Unzurechnungs⸗ fähigkeit eines Selbstmörders zu konstatieren, be⸗ darf es eines ärztlichen Gutachtens, sowie glaub⸗ würdiger Zeugen. Die Verantwortung hierfür trägt jedoch der betr. Pfarrer. Vom psycho⸗ logischen Standpunkte aus betrachtet, wird diese These immer eine Streitfrage bleiben und schwer lich gesetzlich geregelt werden, weil sich aufgrund bloß eines ärztlichen Gutachtens usw. keineswegs die Unzurechnungsfähigkeit oder Zurechnungs⸗ fähigkeit eines Selbstmörders feststellen lassen wird. Auf der Dekanatssynode zu Gießen am 7. Oktober wird derselbe Leitsatz zur Verhandlung kommen.

* Butzbach, 21. Sept. Nachdem die Ver⸗ träge bezüglich Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerkes in hiesiger Stadt zwischen der Allgemeinen Elektrizitäts⸗Aktien⸗ Gesellschaft Berlin, Filiale Frankfurt a. M., und der Stadt endgiltig abgeschlossen worden sind, wurde im Laufe voriger Woche mit den Installationsarbeiten begonnen. Die Leitung, die über die Dächer der 2 geführt wird, muß bis zum 15. November ds. Js. fertigge⸗ stellt sein.

* Darmstadt, 21. Sept. Daß das Groß⸗ herzogtum Hessen unter seinen Beamten auch einen Schiffskapitän zählt, dürfte Manchem unbekannt sein. Der neue Besoldungsgesetz⸗ entwurf für die Staatsbeamten giebt

ebition:

Leiter eines Rheinschiffs; er bezog seither als Gehalt 1760 KA und soll künftig ein solches im Höchstbetrag von 2100* erhalten. Im Gegen⸗ satz hierzu bezieht der Lenker des hessischen Staatsschiffes, Minister Finger, derzeit 10 350 Mark, welcher Gehalt nach der neuen Besoldungs⸗ ordnung auf 12 000*. steigen soll. Der Ge⸗ sandte in Berlin und Bevollmächtigte Hessens zum Bundesrat hat ein Jahresgehalt von 10 000, wozu an Repräsentationsgeldern noch 14 500, kommen. Die beabsichtigte Erhöhung des Gehalts des Präsidenten der Oberrechnungs⸗ kammer von 7850 auf 9500, erscheint unter Berücksichtigung der diesem Beamten über⸗ tragenen Funktionen in keiner Weise gerecht⸗ fertigt. Für die Stelle eines Poltzeirats in Darmstadt sind 6000 statt seither 4720 A vor⸗ gesehen, während z. B. die Kreisamtmänner, die im gleichen Range sind, nur auf einen Höchst⸗ gehalt von 5800. Anspruch haben sollen.

* Offenbach, 21. Sept. Gestern Abend gegen 8 Uhr brach in der Asphalt- und Dach⸗ pappenfabrik von Martenstein und Josseaux Feuer aus, das einen großen Umfang anzu⸗ nehmen drohte. Durch die aufgespeicherten Theer⸗ und Pechfässer hatte das Feuer reichlich Nahrung; die Gefahr war namentlich deshalb groß, weil die städtische Gasanstalt unmittelbar au das Fabrikanwesen angrenzt. Eine große Masse Roh⸗ material ist verbrannt, doch konnten die Gebäu⸗ lichkeiten gerettet werden. Infolge des herr⸗ schenden Menschengedränges geriet ein Mann unter einen schweren, nach dem Brandplatze fahrenden Wasserwagen, wodurch demselben beide Beine unterhalb der Knie geradezu abge⸗ quetscht wurden. Der Unglückliche, der kaum mit dem Leben davonkommen dürfte, wurde sofort in das städtische Krankenhaus verbracht.

* Mainz, 21. Sept. Der hessische Handels⸗ kammertag tritt am Donnerstag, den 28. Oktober, zu einer Sitzung in Mainz zusammen. Bei dieser Gelegenheit werden eine Reihe von wichtigen Gegenständen zur Verhandlung kommen, u. a. wird auch die hessische Steuerreform zur Beratung kommen.

* Mainz, 21. Sept. Der hier stationierte Bahnmeister Schad wurde gestern von dem 4.12 Uhr ausfahrenden Schnellzuge Frankfurt⸗ Cöln erfaßt und zu Boden geschleudert. Außer einem heftigen Stoß in die Seite quetschten ihm die Räder der Maschine vier Zehen des rechten Fußes ab. Rhein und Neckar steigen wieder stark.

* Bingen, 21. Sept. Gestern wurde das Personal der hiesigen Druckerei Peltarek wegen Lohnerhöhung vorstellig und erhielt darauf die Kündigung. Das gesamte Personal ant⸗ wortete hierauf mit der sofortigen Einstellung der Arbeit.

* Werdorf, 21. Sept.(Unfall.) Der Bergmann Meister von hier war heute Morgen auf der Grube Georgsstollen im Tagbau mit dem Fördern von Eisenstein beschäftigt, als eine Steinmasse auf ihn niederstürzte. Er wurde derart getroffen, daß er zu Wagen nach seiner hiesigen Wohnung transportiert werden mußte. Namentlich das linke Bein und

darüber näheren Aufschluß. Der Kapitän ist

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Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachbruck verboten).

(Fortsetzung.) f

Du willst Dir selbst eine Existenz gründen! Mein Sohn, ich kenne die Welt dreißig Jahre länger als Du. Es kann sein, daß es Dir ge⸗ lingt, jedenfalls brauchst Du Jahre dazu. Jeder Mensch bedarf irgend welcher Stütze, das soge⸗ nannteaus eigener Kraft darf man nicht wörtlich nehmen. Und finds keine Verwandte, so sinds Fremde, bel denen der Sterbende hie und da Hülfe und Unterstützung findet. Wer ganz ohne diese bleibt, geht auch meist zu Grunde. So siehts thatsächlich aus in der Welt. a i

Doch haben wir bei Dir mit einem eigenartigen Zustande zu thun, das haben Mama und ich uns gesagt, und danach haben wir gehandelt. Wir lommen Dir entgegen, und Du wirst aus meinem Vorschlage sehen, daß uns kein Opfer zu groß für Dich ist. Die Verpflichtung Warns hagen gegenüber it es in erster Linie, die Dich so bedrückt. Ich glaube hoffen zu dürfen, daß Du auch über alles Andere ruhiger denken wirst, wenn diese Last von Dir genommen ist. f

Ich war also bei Warnshagen. Ich habe ihm kauensee angeboten. Wenn er es mit allen Schulden übernimmt, wird immer noch ein Wert für ihn übrig bleiben, ver ihn für die hundert⸗

kleine sehr bescheidene Rente zu zahlen. Er hat sich einverstanden mit meinem Vorschlag erklärt und einen vorläufigen Vertrag mit mir abge⸗ schlosen. Die Urkunde wegen Zahlung von hunderttausend Mark Provision, unter der sich unsere Unterschriften befinden, hat er mir zurück- gegeben. Sie ist in meinem Schreibtisch verwahrt, und ich werde sie 5 Deiner Gegenwart offentlich bald verbrennen. f

an Mama und ich uns hierzu entschlossen haben, bringe aber auch Du ein Opfer. Du kannst jetzt, da Deine Verpflichtung Warnshagen gegen⸗ über erfüllt ist, getrost die Vorteile genießen, die Deine Heirat Dir in die Hand gegeben hat. Es wird Dich nach dem Vorgegangenen eine kleine Ueberwindung kosten, aber Du mußt Dich dazu durchringen. Jede Frau bringt etwas in die Ehe mit, und es ist dies auch durchaus gerecht. Bleibe meinetwegen bei dem ergriffenen Beruf, aber er⸗ leichtere ihn Dir, indem Du Deine Frau wieder zu Dir nimmst und in den Mitgenuß ihrer Rente trittst. Nun lebe wohl, mein Sohn, handle nach reiflicher Ueberlegung so, wie Dein gesundes Ge⸗ fühl, die Liebe für Deine Eltern und für Dein junges Weib es Dir eingiebt. Dein Vater, von Jürgen. Nachschrift: Kannst Du nicht am heiligen Abend an dem Dein Beruf Dich doch jedenfalls

nicht fesselt selbst kommen und uns die Antwort bringen?

tausend entschädigt und ihm gestattet, uns eine

Als Hellmuth den Brief zu Ende gelesen hatte, begann er wieder von vorne, und so mehrmals.

Das Essen auf dem Tisch war kalt geworden.

Schnell Hellmuth einige Bissen und begab

sich wieder in die Fabrik. Unterwegs dachte er über den Brief nach. Das Opfer der Eltern rührte ihn. Er hatte es nicht gewollt! Aber eins

hatte der Vater nicht bedacht und konnte er nicht denken, weil er in diese Dinge nicht eingeweiht war: Das innere Verhältnis Röschens zu ihrem Gatten! Das wurde auch mit dieser Aufopferung Frauensees nicht wieder ausgeglichen. Noch mehr als früher, da er doch wenigstens sein Lieutenants⸗ gehalt gehabt, würde er jetzt von ihr und ihren Eltern abhängig sein, wenn er den Zuschuß Herrn Puhlmanns annehmen wollte. Er mußte also aus halten auf seinem Posten. Das war jedenfalls striktes Gebot für ihn. Und das wollte er seinen Eltern am heiligen Abend sagen.

Inzwischen war auch Röschen nicht müde ge worden, darüber nachzudenken, wie sie ihrem Manne und sich helfen könne. Allerlei Pläne tauchten in ihrem Hirn auf, sogar an seine gewaltsame Ent⸗ führung dachte sie einen Augenblick, sie mußte über sich selbst lächeln.

Mit ihrem Vater und ihrer Mutter konnte sie über all' dies nicht sprechen.

Schließlich wandte sie sich an Herrn Grüne bohm. Daß er es gut meinte, hatte sie neulich

gesehen.

Sie bat sich also eine Unterredung unter vier Augen aus und vertraute ihm alles an: Warns⸗ hageus Forderung, die Weigerung ihres Vaters, zu zahlen, ja sie sprach auch von ihrem Mißtrauen gegen ihren Mann und schilderte schließlich dessen jetzige Existenz.

Ist die Möglichkeit, gnädige Frau! rief der Alte erstaunt aus, dann mit einem triumphierenden Lächeln, setzte er hinzu:Ich habs ja gesagt, in dem Regiment steckt was Guts, und der altpreußsche Schneid is noch nich verloren gegangen!

Röschen fühlte sich ordentlich gehoben durch diese Anerkennung. Und als der alte Preuße fort⸗ fuhr, Hellmuths Handlungsweise zu loben und be⸗ merkte, daß er sich jetzt aber seine Frau regelrecht verdient hätte denn das wäre wohl das schwerste im menschlichen Leben, als junger Mensch einem geliebten weiblichen Wesen entsagen da wallte es immer heftiger auf in der Szele des jungen Weibes. Ja, sie fühlte, er hatte sich bewährt; sie war gewiß, daß er sich auch ferner bewähren würde. Warum hatte sie ihm dies nicht gesagt, als sie bei ihm war? Ach sie war sich selbst ja noch nicht klar darüber gewesen! Diese warmen Worte des alten Mannes hatten den Schleier fort⸗ gezogen, sie sah jetzt, wie es wirklich um sie und ihr Empfinden bestellt war. Ihn, den sie nie auf⸗ gehört hatte, zu lieben, durfte sie, mußte sie nun auch achten, ja bewundern!

GJortsetzung folgt.)