Ausgabe 
21.11.1897
 
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Polsewate.

5 5 jestellten Preisen

Gießen, Sonntag, den 21. November

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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deszeilung.

Ausgabe Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 20. Nov. Die gestern von uns ingekündigte General⸗Versammlung der 1 gen Orts⸗Krankenkasse findet nicht am

1, sondern erst am 28. November statt.

* Gießen, 20. Nov. Aus der in der letzten

Sitzung den Stadtverordneten vorgelegten Ueber⸗ icht über die Einnahmen und Ausgaben ber Armenkasse Gießen pro 1896/97, welche In der Einnahme 101 181,13, in der Ausgabe 101 037,58% aufweist, dürften nachfolgende ahlen allgemeines Interesse haben: Geldunter⸗ kütungen und sonstige Gaben 31 583,49. (4983,49% mehr wie im Vorjahr), Anschaffung für Schulbedürfnisse 603,79 4. beche waren 800%), ärztliche Behandlung und Arzneien 13 943,65 4(1043,65% mehr wie verans lagt), Begräbniskosten 594,10, Kosten des städtischen Hopi 9258,82(766,88% weniger wie beranschlagt), Kosten für Verpflegung armer

tungen für die Armenpflege 2023,22, Unter⸗

digen Gemeinden 19 117,46 KA.

willkommen.

Gießen, 20. Nov. Vorgestern Nachmittag hielt der Gastwirte⸗Verein für Gießen und Umgegend eine Generalversammlung ab, in welcher sehr lebhaft über die Angelegenheit der Sterbe⸗Unterstützungskasse des Bundes deut⸗ scher Gastwirte debattiert wurde. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Mitglieder des Vereins, welche Angehörige dieser Sterbekasse sind, zu er⸗ suchen, die Beiträge für die Kasse vor⸗ läufig weiter zu leisten, dagegen dieselben zu bitten, keinerlei Erklärung, wie es von der Kasse berlangt werde, abzugeben. Eine aus sieben n d bestehende Kommission soll mit dem Vorstand des Vereins gemeinsam Material von ähnlichen Sterbekassen behufs Gründung Liner solchen auf Gegenseitigkeit für die Provinz Ober⸗ hessen mit dem Sitze in Gießen einfordern, die Grundlagen einer solchen Einrichtung beraten und dahingehende Vorschläge in einer im De⸗ zember einzuberufenden Generalversammlung vor

4 in! Dorf⸗Gill, Treis⸗Münzeberg,

Vor

g scheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Das Abonnement sewögt durch die Post bezogen: für die Ausgabe Gießen 1,90 resp. 2.30 Mt. Preis a der Anzeigen: 10 Pfg. für die öspaltige Petitzeile.

Redaktion und Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Hessen. In den Monaten Juli und August sind im Großherzogtum insgesamt 3491 Todes⸗ fälle vorgekommen. Auf den Kreis Gießen kommen davon 226. An Lungenschwindsucht sowie Tuber⸗ kulose anderer Organe, Lungenentzündung und sonstige Erkrankungen der Atmungsorgane kamen insgesamt 718 Sterbefälle vor. Krankheiten starben von den 226 Personen im Durch gewaltsamen Tod lle und Selbstmord) gingen im Groß⸗ in den beiden genannten Monaten 126 Personen durch Tod ab, Gießen entfielen 18 solcher Todesfälle. * Gießen, gericht zu Butzba den 38 Jahre alten, stand gegen

An denselben

Kreise Gießen 56. (Unglücksfä

auf den Kreis

Das Schöf ch hatte im Oktober d. Is. wegen Diebstahls, Wider⸗ tͤgewalt, verbotenen Glück⸗ Körperverletzung vorbestraften Kauf⸗ Wern aus Elberfeld,

manns Emil ängnis bestraft.

Betrugs zu drei Monaten Gef ses Urteil legte Wern sowohl, als auch ter der Staatsbehörde Berufung ein, serer Strafkammer zur Ver⸗ 8 Schöffengericht hatte fol⸗ den der Ange⸗ für richtig auch

Geisteskranker 39, desgl. von Epileptischen und Idioten 2779,39, Ausgaben aus Stif- welche heute vor un bringung armer Kinder in Familien 6778,11,

12 orge für verwahrloste, blinde und taub⸗ hatbestand festgestelt, 1

roßen und ganzen Im August d. Is. hatte f der einen Hausiergewerbeschein für in Friedberg einen Wagen genom⸗ Tage in der Wetterau folgende einem Handel ausgeübt. Er fuhr bot den Leuten Handtücher⸗ ür 5 oder 10 Pfg. und ein Der wie ein Groß⸗ chwindelte den

umme Kinder 2412,30, Lehrgelder 125 K. klagte im g

An Kapitalzinsen flossen der Armenkasse zu 10 148,16 l, als Zuschuß aus anderen Kassen 43 758,22, Ersatz von aufgewendeten Ver⸗ pflegungsgeldern von anderen unterstützungspflich⸗

Angeklagte,

Hessen besaß, men und zehn Praktiken bei seine! von Dorf zu Dorf, stoff, das Handtuch f Bettkoller für eine Mark an. ftretende Mann, s ein Vater, bei dem er beschäftigt bor dem Konkurs, den alten Mann 5 noch unter die Erde, er wolle nun leunigst zu Geld machen und milie übers Wasser eien bereits in Hamburg; denen der Angeklagte teils mit eine rührige Geschichte die mindeste Lust, von unter reellem ten Handtücher und Bettkoller, zu klärte der schlaue Hausierer, diese n könne er nicht abgeben. eierlei Sortimentspakete auf seinem ch und zwar Stoff andtücher und ein Bettk m Selbstkostenpreis von 20. Sortiment Stoff zu drei An⸗ Handtücher nebst einen Bett⸗ stenpreis von 35. Wern der Anzugstoff sei das beste echteste und beste Ware von olches Paket habe einen reellen p. 180 A. Er brauche jedoch 8 für die Hälfte geben, er ich ein Gebot auf solch en und schlug natürlich d zwar selbst wenn ihm timent 20% geboten wur⸗ jelte er jedoch weit mehr. In ngeklagte in ihm nach⸗ in den Orten Gambach, Dauernheim

* Gießen, 20. November. Am kommenden Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet im kleinen Gesellschaftssaal des Café Leib eine Hauptversammlung des Vereins für Vogel⸗ und Geflügelzucht für Gießen und Umgebung statt. Herr Lehrer Schneider Heuchelheim wird in derselben einen Vortrag über die Geflügelzucht halten, worauf Herr Södler⸗Medergemünden einen Stamm echten Rassegeflügels vorführen und deren Merkmale erläutern wird. Freunde der Geflügel⸗ und Vogelzucht sind in dieser Versammlung herzlich

kaufmann au Leuten vor, s

eine Ware noch sch dann mit s eine Kinder s zeigten die Leute, Thränen in vortrug, nur Wert offerier

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nämlich zw 0 zu zwei Anzügen,

er behauptet, zu und ein anderes 1 Dutzend

sagte den Leuten, Offizierstuch, die

Wert von 120 res Geld und wolle es suchte den Leuten förml Warensortiment abzulock ort den Handel für das billige

Weise hat der A gewiesenen zwölf Fällen,

sein Geschäft getrieben. Der Kutscher, der ihn dabei fuhr, erklärte, der Angeklagte habe immer, wenn er in einem Ort sein Geschäft gemacht, zur eiligsten Weiterreise getrieben. In mehreren Fällen ist dem Angeklagten nachgewiesen, daß er behauptet habe, er wohne in Frankfurt, trotzd m

er seinen Wohnsitz in Elberfeld hat. Der An⸗ geklagte gesteht heute zu, daß sein Handel, den er in der Wetterau getrieben, kein reeller ge⸗ wesen. Er glaubt aber, sich trotzdem nicht straf⸗ bar gemacht zu haben, er habe nichts anderes gethan, als was seine Kollegen, die auf dem Lande veräußern, auch thun. Er habe sich nur allgemeiner Anpreisungen bedient und wenn er die Anzugstoffe mit Offiziersstoff bezeichnet, so läge darin nichts strafbares, denn dies sei nur eine Phantasiebezeichnung für die aus Kratzwolle und Baumwolle hergestellte Ware, die der Sach⸗ verständige als den größten Schund bezeichnet hat, von dem das Meter höchstens im Verkauf 2 4. 25 gelte. Wenn die Zeugen vor dem Schöffengericht behauptet haben, daß die in den Paketen enthalten gewesenen Stoffabschnitte

und erkannte auf dessen Antrag.

Die Visitenkarte wird immer umfangreicher!

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nicht zu zwei resp. drei Anzügen gelangt hätten, so könne man ihm daraus keinen Vor⸗ wurf machen, denn die Schneider auf dem Land hätten es sicher dann nicht verstanden, den Stoff rationell zuzuschneiden. Der Angeklagte erklärt weiter, er habe bei dem Handel auch nur einen kleinen Gewinn erzielt, denn die Handtücher, die er mit 5 und 10 Pfg. angeboten habe, hätten einen reellen Verkaufswert von 40 Pfg., die Bettkolter aber kosteten mindestens reell 5 Mark, hierzu komme noch der Wert des Anzugsstoffes, sodaß keiner seiner Kunden die Waren über dem Wert bezahlt habe. Der Vertreter der Staats⸗ behörde plaidierte dafür, daß das Urteil des Schöffengerichts aufzuheben und der Angeklagte wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten zu verurteilen sei. Der Ange⸗ klagte habe mit großem Raffinement planmäßig die Leute in der Wetterau betrogen, er habe den Anschein eines besonders vorteilhaften Kaufs zu erwecken gewußt, habe den größten Schund als bestes Offtzierstuch angepriesen und es verstanden, die Abnehmer glänzend reinzulegen. Der Ge⸗ richtshof machte sich bei der Urteilsbegründung die Ausführungen des Staatsanwalts zu eigen

R. Langsdorf, 20. November.(Noch zwei Aemter.) Unser Bürgermeister, Reichs- und Landtagsabgeordneter Köhler hat noch z wei weitere Aemter erhalten. Er wurde gestern vor dem Amtsgericht in Lich zum Ortsgerichts⸗ Vorsteher und Standesbeamten verpflichtet.

Alsfeld, 17. Nov. Zwei aus der Straf⸗ anstalt Ziegenhain entwichene Sträflinge verübten in Wehlen bei Alsfeld einen Einbruchs⸗ diebstahl und nahmen hauptsächlich Kleidungs⸗ stücke an sich. Ihre Sträflingskleider vergruben sie auf dem Felde, wo sie zufällig von dem Be⸗ sitzer des Ackers gefunden wurden. Im nord- westlichen Vogelsberg wird zur Zeit viel Getreide aufgekauft und nach Bahnstation Mücke verladen.

lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Gr.⸗Buseck, r.-Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗ Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ülrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

* Nidda, 18. Nov. Der gestrige Markt

war allseitig recht gut besucht und der Umsatz sowohl auf dem Schweinemarkt wie auch auf dem Krämermarkt ein erfreulicher. Nur hinsicht⸗ lich des Angebots von Rindvieh merkte man den

schädigenden Einfluß der in unserer Nähe aus⸗ gebrochenen Seuche; übrigens war auch wegen der kürzlich anderwärts stattgehabten Märkte die Nachfrage sehr gering. Der Krämermarkt war nachmittags sehr belebt. Auch die einheimischen Geschäftsleute konnten mit ihrer Einnahme wohl

zufrieden sein. Vermischtes.

Europäische Eisenbahnen. Nach einer Veröffentlichung des französischen Ministeriums der öffent⸗ lichen Arbeiten über die Eisenbahnen Europas waren Ende 1896 in Europa 256 493 Kilometer Eisenbahnen in Betrieb, d. i. eine Zunahme von 5072 Kilometer oder zwei Prozent gegen Ende 1895. Die größte Zunahme wies Oesterreich⸗Ungarn auf, nämlich 1300 Kilometer, wovon 304 Kilometer auf Oesterreich und 996 Kilometer auf Ungarn entfallen. Nachher kommt Deutschland mit 935 Kilometer, wovon 624 auf Preußen kommen, dann Rußland 895 Kilometer, aber ohne die Transkaukasische Bahn(1613 Kilometer) und die Trans⸗ sibirische Bahn(3038 Kilometer), wovon die Hälfte er⸗ öffnet war. Vergleichsweise mit seinem Ländergebiet hat in Europa Belgien die meisten Eisenbahnen, 1960 per 1000 Quadrat⸗Kilometer, dann Großbritannien 1090, Deutschland und die Niederlande 880, die Schweiz 870, Frankreich 770. Die Gesamtlänge des Eisenbahnnetzes der einzelnen Länder war die folgende:

31. Dez. 31. Dez. Zunahme

Staaten 1895 1896 1896 Deutschland ee 788 935 Oesterreich⸗Ungarrn.. 30 880 32 180 1 300 Belgien 6 687 5 777 90 Dänemark 2267 2 267 Spanien 12 052 12 282 230 Frankreic cg 40 230 40 951 721 Großbritannien u. Irland 34 058 34 221 163 Griechenland 8 930 952 22 Italien 15 057 15 079 22 Niederlande 2 667 2 694 27 Luxembug 435 435 Portugal 2 340 2 340 Rumänen 2 741 2 879 138 Rußland 36 218 895 Finnland 2 394 2 394 Serben 540 540 Schweden 9 75⁵ 9 895 140 Norwegen 1772 1938 159 Schwe: 3 509 3 563 54 Türkei, Bulgarien und

Rume lien 2 254 2 430 176 Inseln Malta, Jersey und Man 110 110

251 421 256493 5 072

25,000 Dollars für ein krankes Män⸗ nerherz. Ein merkwürdiger Fall des sogenannten Bruchs des Eheversprechens beschäftigte unlängst den Ge⸗ richtshof in Auburn in dem Staate Maine in Nord⸗ amerika. Auf der Anklagebank befand sich zur Abwechs⸗ lung einmal eine Dame, und zwar die Nichte Mr. Dingleys, des Verfassers der Tarifbill. Der Kläger, ein hübscher junger Mann, sagte aus, daß Miß Dingley ihm einen regelrechten Heiratsantrag gemacht und sich auch mit ihm verlobt hätte. Ohne einen Grund anzugeben, habe sich die wankelmütige Braut nach einigen Monaten von

Der Preis, der für Weizen und Gerste gezahlt wird, ist fast um 25 pCt. höher als im Vorjahr.

ihm losgesagt und jetzt einen andern Mann geheiratet. 5 B t

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Gießen, 20. Nov. Todesfälle 5:. ˙ A

Der Handschuh.

Von Heinrich von Lautern. (Nachdruck verboten.)

Das leugne einer, daß Hans Cramer, eine wunderliche Seele ist! Statt die Saure ⸗Gurkenzeit wie die Mehrzahl der Kollegen im Hochgebirge zu derbringen und mit einem Schatze großartiger Ein⸗ drücke und einer wohlgefüllten Skizzenmappe heim⸗

mulehren, verkriecht er sich als ein simpler Sommer- frischler in einem lächerlich reizlosen deutschen Klein⸗ gebirge und schlägt sein Ferienheim gar in einen Bahnwärterhäuschen auf. Wahrhaftig in einem

Bahnwärterhäuschen!

Das war so gekommen: Er fuhr im letzten Herbst einmal zu einem Vetter nach Tannenhof. Die Bahn stieg zwei Meilen hinter der Residenz mälig in die Bergthäler hinauf. Er schaute müßig durchs Koupeefenster. Der Zug fuhr langsam, denn es galt eine starke Steigung zu überwinden. Zur Rechten, ein weniges in der Tiefe, wellte das kleine dunkle, poetische Waldflüßchen hin, um moosige Steinblöcke schäumend, und links prallte die Sonne an der Böschung auf die bloß gelegten Felsen... Eidechsen krochen darüber und die Brombeerranken standen voll saftiger Beeren. Dann lam der Wald, schöner, schattiger Laubwald, und gerate zwischen den ersten Stämmen lag in der grünen Dämmerung das Bahnwärterhäuschen. Reizend! Und die weißgestrichenen Schlagbäume, den guten Alten davor mit der roten Fahne, die

hellen Mauer, das Fähr⸗ das Dorf drüben mit der d den roten Ziegeldächern s prächtiger Obstbäume er nnen, beim Vetter nicht, die Residenz zurückgekehrt

Geisblattranken an der haus unten am Flüßchen, schlanken Turmspitze inmitten eines Kranze at es nicht vergessen ch nicht als er in

nur das Zimmerreinigen könne er übernehmen.

hellen Akademiesälen

in den hohen, 1 imnisse des Freilichts ent⸗

seinen Jüngern die Gehe sagt als die Ferien kamen, zog ler Soumerfrischler. ntube, nicht einmal ein Skizzen⸗ und den kleinen Bleistift, den er der Westentasche fand, zerbrach Er wollte Ruhe, Erholung; ein Schuljunge einer einzigen, wochenlangen ssen und schlafen und sonst bummeln, rauchen und träumen. ihm dabei die Bahnstrecke mit als eine Störung erschienen ollte sich im Gegenteil ein ein schmunzelndes Schnippchen, r sich ruhelos nach dem ewinn hasten sah und er war Nichtsthun eingewiegt, ohne Titel ein stiller

Und wie ge

eine einzige Farbe buch im Ranzen, schließlich noch in er gleich im Koupee.

urwüchsigen Behagen

Glaubt ihr, daß ihren rasselnden Zügen, wäre! Bewahre! Er Schnippchen f wenn er die Men Glück und dem Gew daneben so behaglich ins ohne Zwang, ohne Rang,

ntägiger Me f e ärter schüttelte zwar an

aber da er seit lange Witwer war

uen Kopf; f J gra 1 1 0 85 allein bewohnte, verstand er sich

und das Häu

Frühpromenade machen. Züge rasseln vorüber, schwarz, von weißem Dampf umwallt, eisenschuppige Riesenschlangen eine Reihe offener Koupeefenster und flüchtig ein

paar Menschengesichter darin.

aufgeschluckt haben.

Sonnenschein, voll Blumen, Schmetterlinge, Heu⸗

schließlich dazu, dem Herrn das Oberstübchen abzu⸗ treten. Aber er müsse sich alles allein besorgen,

So entzog denn Haus Cramer aller Welt sein gefeiertes Künstlertum und seine angenehme Person und lebte nun wie ein Maulwurf in diesem grünen, sonnigen Erdenwinkel. Ach, wie hübsch hat ers getroffen! Das Aufstehen morgens ist Sache der Laune, mit behaglicher Umständlichkeit wird am offenen Fenster gefrühstückt: Schwarzbrot, Butter und Käse, grobe Wurst, derber, fetter Schinten Draußen Sonnenschein, viel Sonnnenschein, in den Aesten aus ungezählten Vogelkehlen ein unauf⸗ hörliches Zirpen und Schlagen, um das Haus unten das Gackern der Hühner, die im winzigen Gärtchen und über die blanken Schienen ihre

Kleiner und kleiner, stiller und stiller wird die eilige Schlange, bis der Wald und die Ferne sie

Dann ein Bad unten im Flüßchen und jeden Tag ein anderes Ruheplätz chen im Laub, im Gras, im Moose. Wie köstlich liegt sichs im grünen Schatten, im Munde die Zigarre, die Arme unterm Kopfe und die Beine ausgestreckt, so lang sie gewachsen sind! Draußen ist die Welt voll

duft, Wellenrauschen und Glockenklingen, und er zwischen seinen grünen Büschen hat nichts zu thun, garnichts, als ruhen, schauen und träumen. Uje Du gesegnetes Nichtsthun! Aber über Nacht kamen die Regentage, Teufel, welche Dummheit! Nun hängt die Welt voll Wolken und Nebel, zum Verzweifeln gleichmütig tropft es daraus nieder, alles trieft, alles ist naß, man muß zu Hause bleiben und oh! welche Langeweile zu Hause. Ja und die Langeweile ist Schuld daran, daß er dann auf die barocke Idee verfällt, dem Wärter ein wenig in den Dienst zu pfuschen. Wirklich steht am anderen Tage der schlanke, elegante, dunkelbärtige Mann vor der geschlossenen Schranke, stramm, kerzengrade, in den Fäusten die rote Fahne..... Und der Zug saust heran.

An einem Koupeefenster zweiter Klasse schimmert es hell, es ist eine Damm im Zugwind flattern blonde Löckchen. Der ungewöhnliche Bahn⸗ wärter muß ihr aufgefallen sein, sie wendet sich lächelnd in das Koupee zurück, und eine zweite Dame auf das Kuriosum aufmerksam zu machen. Da flattert etwas Weißes aus ihrer aufgestützten Hand uud fällt dicht vor Hans Cramer auf den Kies. Aber er darf sich nicht rühren, unverwandt behält er den vorhergleitenden Zug im Auge und sieht die beiden lächelnden und winkenden Damen immer kleiner und undeutlicher werden, bis ihm die Biegung alles entzieht.

(Bortsetzung folgt.)