(Rhöne) in die Lateinschule. Er diente und brachte es beim Regiment zum Unteroffizier. Während seiner Dienst⸗ zeit in Besançon machte er die Bekanutschaft eines Mäd⸗ chens in Beaune, mit dem er sich verlobte. Da sie nach einiger Zeit ihr Wort zurücknahm, versuchte er sie zu er⸗ morden. Er feuerte vier Revolverschüsse auf sie ab und schoß sich dann selbst zwei Kugeln in den Kopf. Infolge⸗ dessen wurde er für dienstunfähig erklärt und in die Irrenanstalt von Dole, später in die von St. Robert (Isére) gebracht, aus der er am 1. April 1895 als ge⸗ heilt entlassen wurde. Seit jener Zeit führte er das Leben eines Landstreichers und Gaudiebs. Er zog bettelnd von Dorf zu Dorf, bot sich manchmal den Bauern als Schäfer an und diente bei ihnen eine kleine Weile als solcher. So oft er junge Mädchen oder Knaben allein auf dem Felde traf, fiel er sie an, ermordete und ver⸗ stümmelte sie in bezeichneter Weise. Den ersten Mord beging er am 20. November 1894 in einem Walde bei Draguignan(Bar). Sein Opfer war die dreizehnjährige Louise Marcel. Er ließ die Leiche mit burchschnittener fehle, verstümmelten Busen und Unterleib am Fuße eines Baumes liegen. Am 12. Mai 1895 ermordete er auf der Landstraße bei Etaules unweit von Dijon die flebzehn⸗ jährige Augustine Mortueur: am 24. August 1895 die 65 jährige Witwe Morand in einem einsamen Hause von St. Durs(Savoyen); am 26. September 1895 auf freiem Felde bei Bénonces(Ain) den sechzehnjährigen Hirtenjungen Viktor Portalier; am 29. September 1895
den vierzehnjährigen Hirtenjungen Pierre Massot⸗Pallet; am 1. September 1896 auf einem Acker bei Cusset(Allier) die jung verheiratete neunzehnjährige Frau Marie Lorut; am 1. Oktober 1896 auf einer Weide bei Varenne Saint⸗ Honorat(Haute Loire) die vierzehnjährige Kuhhirtin Rosine Rodier; endlich in der Nacht zum 19. Juni 1897 in Courzieu la Giraudière bei Lyon den vierzehnjährigen Hirtenjungen Pierre Laurient. In allen acht Fällen war die Kehle abgeschnitten und zwar einige Male mit solcher Gewalt, daß der Kopf kaum noch am Rumpfe hing, und die Leichen trugen bestimmte Verstümmelungen, die den Mord unverkennbar als Lustmord kennzeichneten. Das höchste Erstaunen muß es erwecken, daß Vacher innerhalb weniger Monate, vom Mai bis September 1895, in einem verhältnismäßig engen Umkreis allein vier Morde unter ganz gleichen Umständen begehen konnte, ohne daß dies die Behörden und die Bevölkerung besonders aufregte und ohne daß man des Mörders habhaft wurde. Vacher ist geistig gestört: Er ist ein Erotomane mit Zwangsantrieben und sagt dem Untersuchungsrichter kaltblütig:„Ich bin von Gott ausersehen, zu morden. Gott selbst bezeichnet mir die Opfer, denen ich den Hals abschneiden soll. Sie können mir nichts anhaben. Ich war in einer Irren⸗ anstalt und bin nicht zurechnungsfähig.“ Er ist hell genug, um das zu wissen, und das Bewußtsein seiner Straflosigkeit gab ihm ohne Zweifel den Mut, seine scheußlichen Morde unbedenklich zu begehen. An die Spitze seiner Briefe an die Eltern schreibt er die Formel:
ständnis nur einen Wunsch: daß sein Name, seine Ge⸗ schichte, womöglich auch sein Bildnis in die Zeitungen komme.
Aturste Telegrat lic.
Hd. Berlin, 20. Okt. Gestern Abend fanden 6 sozialdemokratische Parteiver⸗ sammlungen statt, in welchen über den Parteitag berichtet wurde. Die meisten Redner verurteiltea die beschlossene Be⸗ teiligung an den Landtagswahlen. Die Versammlungen waren stark besucht, die Debatten teilweise sehr lebhaft.
Hd. Berlin, 20. Okt. Der„Vorwärts“ widmet dem in München verstorbenen Partei⸗ genossen Grillenberger einen warm empfun⸗ denen Nachruf und veröffentlicht Beileidstele— gramme aus Kopenhagen und Paris.
Hd. Berlin, 20. Oktober. Zu der in der Ausführung begriffenen Besoldungsreform für die Universitätsprofessoren erklärt die„Nationalzeitung“, daß nunmehr seitens des Kultusministeriums an eine zweite Gruppe von Universitätsprofessoren die Umfrage ergangen ist, ob sie es vorziehen, das neue Gehaltssystem auf sich angewendet zu sehen, oder ob sie bei dem
Hd. London, 20. Oktober. Das Feuer in Nork⸗House, einem eine halbe Stunde von London entfernt an der Themse gelegenen Schloß des Herzogs von Orleans, welches diesem seinerzri⸗ von dem Herzog von Aumale geschenkt wurde brach im Dachstuhl aus und griff sehr schnel um sich. Eine Ausbreitung des Brandes am die unteren Stockwerke konnte nur mit große Mühe verhindert und die Löschung erst, nachdan im Dachgeschoß bedeutender Schaden angerichse⸗ war, bewirkt werden.
Hd. Petersburg, 20. Oktober. Nach der Rückkehr des Zaren sollen Veränderungen der Besetzung der Botschafterposten in London und Paris vorgenommen werden.
Privattelegramme
der Hessischen Landeszeitung
Kaiser N helm trifft Donnerstag 5 Uhr N
Darmstadt, 20. Okt. und reist abends nach Potsdam ab.
Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Nebel Gießen; Druck der E. Ottmannschen
teur: Wilhelm Sell in
Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.
auf einem Pfade bei Saint⸗Etienne de Boulogne(Ardeche)
„Gott! Recht! Pflicht!“
und er hat seit seinem Ge⸗
alten System verbleiben wollen.
———— 5 Bekanntmachung. Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, daß der städtische Friedhof in der Zeit vom 16. Oktober 1897 bis 15. März 1898 von mor- gens 8 bis abends 5 Uhr geöffnet bleibt, und daß die anf dem Friedbof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, den 18. Oktober 1897. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.
Bekanntmachung.
Die mit 1897 leihfällig gewordenen 145 Teiebviertel in den Gewannen 14, 15, 26, 30, 36, 37, 40 und 41, sowie ein Stück Land neben den neuen Kliniken sollen Freitag, den 27. d. Mis. vom Jehre 1898 ab auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.
Die Zusammenkunft ist vormittags 8/ Uhr an der Gabelung der Grünberger- und Licher⸗ straße und des nachmittags 2 Uhr an der Wolfftraße. Vormittags kommen die zwischen der Licher und Grünbergerstraße gelegenen Triebviertel und nachmittags die links der Grünbergerstraße gelegenen Triebviertel zum Ausgebot und am Schlusse das Selände neben den nenen Kliniken.
Gießen, den 18. Oktober 1897.
Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.
Verdingung von Chaussierarbeiten.
Die Herstellung der Chaussierung von Teilen des Wismarer-, Lehmkauter und Mittelwegs, sowie des Querweges Vim konsolidierten Teil des Neustädter Feldes— im Ganzen rd. 3960 am.— soll Dienstag, den 26. d. M.,
vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.
Plan, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns während der Dienststunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck find bis zum genannten Termin einzureichen.— Zuschlagsfrist 18 Tage.
Gießen, den 19. Oktober 1897.
Das Stadtbauamt. Schmandt.
Städtischer
Arbeitsnachweis
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Angebot der Arbeitnebmer.
1 Bäcker, 1 Krankenpflegerin, 1 Buchbinder 1 Maler oder Lackierer, 1 Tapezier, 1 Sattler, 1 Maschinist(geprüfter Heizer), 1 Schmied, 3 Schreiner, 1 Schneider, 2 Taglöhner, 1 Lauf⸗ frau, 1 Aushilfsköchiu, 1 Dienstmädchen für Weihnachten, 1 feineres Hausmädchen, 1 Bureau- und 2 Schreibgehülfen, 1 Bureau⸗ diener, 1 Einkassierer.
Nachfrage der Arbeitgeber.
1 Bäcker, 1 Spengler, 1 Drechsler, 1 In- stallateur, 1 Sattler, 1 Schneider für Haus- arbeit, 1 Schneider auf Werkstatt, 1 tücht. Schuhmacher, 2 Schreiner, 2 Krankenwärter, 7 Dienstmädchen für Küche⸗ und Hausarbeit.
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Hierdurch die ergebene Mitteilung, daß in der Wirtschaft
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