Ausgabe 
21.10.1897
 
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leuchteten Hausfluren.

Nr. 247

Hessische

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen, Donnerstag, den 21. Oktober

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Gießen.

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Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

5 Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 20. Okt. Ludwig Gußmann zu Kirchberg, Dekanat Gießen, ist die evangelische Pfarrstelle daselbst und am 16. Oktober dem Pfarrer Valentin Zatzmannn zu Altenschlirf die evangelische Pfarrstelle zu Schornsheim, Dekan. Oppenheim, übertragen worden.

* Gießen, 20. Oktober. Der Vorstand des Ortsgewerbevereins Darmstadt fordert seine Mitglieder zum Beitritt in eine von ihm zu begründende Sterbekasse auf. Die Ein⸗ lichtung derselben ist in der Weise gedacht, daß jeweils beim Tode eines Mitgliedes von den anderen Mitgliedern ein fester Betrag, etwa von 1 erhoben und nach einem kleinen Abzug für die Ansammlung eines Reservefonds und die Rosten der Verwaltung für die Hinterbliebenen abgeführt wird; bei Auszahlung eines Sterbe⸗ geldes von 500. würde von dem Einzelnen boraussichtlich ein Betrag von 68. pro Jahr zu leisten sein. Es soll angestrebt werden, möglichst alle im Großherzogtum Hes⸗ sen bestehenden Ortsgewerbevereine zur Beteiligung an der Sterbekasse heranzuziehen.

* Gießen, 20. Okt. Muß die Miete ge⸗ bracht oder geholt werden? Darauf giebt folgender Vorfall Aufschluß: Ein Hausbesitzer in München hatte seinen Mieter auf Exmission und Zahlung der Miete verklagt, weil ihm der⸗ selbe die Miete rückständig war. Der Beklagte hingegen hatte dem Kläger die Miete zum Ab⸗ holen in seiner Wohnung angeboten, was aber der Kläger ablehnte. Das Amtsgericht hatte den Kläger abgewiesen mit der Begründung, daß der Kläger verpflichtet sei, sich die Miete ab⸗ zuholen, wenn der Mieter sie nicht freiwillig überbringe. Dieser Auffassung hat sich das Berufungsgericht in seiner Entscheidung ange schlossen.

* Gießen, 20. Oktober. Wer in größeren Städten verkehrte, der kennt die glänzend er⸗ a Wie unheimlich finster sind dagegen in unserer Stadt die Flur⸗ und Treppengänge. Entweder brennt vielfach ein sehr Mangelhaftes Lämpchen, welches nur einen kümmerlichen Schein wirft, oder die Be⸗ leuchtung fehlt ganz. Diese finsteren Pläne der Hausbesitzer verdienen entschiedenen Tadel und dies umsomehr, indem die dunklen Häuser für Brief⸗ und Zeitungsträger, sowie für jeden Passanten sehr gefährlich find. Zunächst ist unter allen Umständen der Hausherr zur Be⸗ leuchtung gesetzlich verpflichtet und haftbar, wenn eine fahrlässige Körperverletzung herbei⸗ geführt wird. Da aber einige Rippenbrüche durchaus nicht zu den Annehmlichkeiten gehören,

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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so sollte die Polizeibehörde in dieser offenbar

sehr wichtigen Angelegenheit die Hauseigentümer

unserer Stadt ernstlich veranlassen, ihr Licht all⸗ seitig und besser leuchten zu lassen.

Gießen, 20. Okt. Die große neuerbaute Halle am Philosophenwald, deren Ein⸗

weihung demnächst stattfinden soll, wird mit

Dem Pfarrverwalter

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Espaltige Petitzeile.

Acetylengas erleuchtet werden. Es wird in Gießen der erste größere Raum sein, welcher mit dem neuen Licht erhellt wird.

Gießen, 20. Oktober. Ein verheirateter Bremser aus Kassel stürzte in Niederwöll⸗ stadt von dem nach Frankfurt fahrenden Per⸗ sonenzug, wobei ihm die Räder des Packwagens über die linke Hand gingen und ihm diese ab⸗ fuhren. Der Verunglückte wurde nach Nieder wöllstadt in ein Krankenhnus gebracht.

* Gießen, 20. Okt. Gestern hatte sich vor der Strafkammer der Landwirt und Bürger⸗ meister Johann Wilh. Schließer von Orleshausen(Kreis Büdingen) wegens Vergehens im Amt zu verantworten. Demselben wird zur Last gelegt, daß er am 15. Janaur d. J. in zwei Fällen ein Attest über einen stattgehabten Sühnetermin bescheinigt hat, daß Kläger und Beklagte gemeinsam zu gleicher Zeit anwesend gewesen und ein Vergleich nicht zustande gekom⸗ men wäre. Thatsächlich hatten die zum Termin geladenen Beklagten bei Empfang der Ladung durch den Polizeidiener, dem Bürgermeister sagen lassen, sie würden nicht kommen. Als der Kläger zum Termin erschien, machte der Bürger meister diesem davon Mitteilung, worauf jener ihm erklärte, er würde selbst, wenn Dietrich und Eckhardt gekommen sein würden, mit diesen sich nicht versöhnen. Nachdem der Kläger die Bürgermeisterei verlassen, kamen die Beklagten und erklärten, der Kläger könne ja weiter klagen, allerdings äußerte einer derselben sein Befremden, daß sein Gegner nicht beim Sühnetermin an⸗ wesend sei, worauf der Bürgermeister erklärte, der sei nicht nötig. Der Angeklagte Schließer erklärt, er habe sich bei Ausfüllung des vorge⸗ druckten Formulars des erfolglos gebliebenen Sühneversuchs nichts Böses gedacht, er gesteht je doch zu, daß in der Art, wie er dasselbe gethan, er eine falsche' Beurkundung vorgenommen. Staatsanwalt Koch, der die Anklage vertritt, beantragt den Angeklagten zu dem niedrigst zu⸗ lässigen Strafmaß von einem Monat Gefängnis zu verurteilen. Ohne Frage sei der 8 348 des Str.⸗G verletzt. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei. Derselbe sei sich fraglos bei Ausfertigung des Schriftstückes nicht bewußt ge⸗ wesen, daß es sich um eine rechtlich erhebliche Thatsache handele, wenn er in dem Attest be⸗ merkte, daß die Parteien zu gleicher Zeit bei ihm gewesen seien. Der Gerichtshof habe auch die lleberzeugung, daß der Angeklagte nicht vorsätz⸗ lich die thatsächlich falsche Beurkundung bewirkt habe. Es entschuldige ihn das im Vordruck un⸗ praktisch abgefaßte Formular, worin der Fall, daß die Parteien beide hintereinander erscheinen und ihre Erklärung abgaben(wie es im betreffen⸗ den Fall geschehen), nicht vorgesehen wer.

* Londorf, 19. Okt. Wie verlautet, beab⸗ sichtigt die Firma C. Ranft und Komp. von Grünberg hierorts eine Zigarrenfabrik zu errichten. Die Unterhandlungen bezüglich Er⸗ werbung eines Grundstücks sind im Gange. Die Verhältnisse behufs Verwirklichung dieses Pro⸗ jektes liegen sehr günstig, zumal auch hinsichtlich

. Expedition: 8 Kreuzplatz Nr. 4.

sein wird, d. h. bei entsprechender Berücksichtigung der Lohnverhältnisse usw.

* Darmstadt, 19. Okt. In nächster Zeit wird auch für unsere Stadt ein Gewerbe gericht errichtet werden. Die Wahlen der Beisitzer sind auf Ende dieses Monats von gr. Bürgermeister anberaumt worden. Für die ge⸗ samte Geschäftswelt bietet das Gewerbegericht eine Einrichtung von weittragender Bedeutung, da fortan alle Streitigkeiten zwischen Arbeit gebern und Arbeitnehmern über Arbeitsverhält⸗ nis, Arbeitsbuch und Zeugnis, über Entschä digungsansprüche, über Anrechnung der Kranken⸗ versicherungsbeiträge, sowie über Ansprüche von Arbeitern desselben Arbeitgebers aus gemeinsam übernommenen Arbeiten nur vor dem Gewerbe gericht zum Austrag kommen. Lange genug hat's gedauert, bis die Residenz sich zur Er⸗ richtung eines Instituts aufraffte, das z. B. in Gießen schon seit Jahren segensreich wirkt.

* Mainz, 19. Oktober. Am 16., 17. und 18. d. M. waren als Kommissare des preußischen Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten die Herren Geh. Regierungsrat Nieschke und Geh. Baurat Wetz hier anwesend. In gemeinsamen Beratungen und örtlichen Bereisungen mit dem Eisenbahndirektions⸗Präsidenten und den Mit⸗ gliedern der Eisenbahndirektion wurden alle die⸗ jenigen Maßnahmen festgestellt, welche zunächst erforderlich sind, um den durch das Anschwellen des Verkehrs hervorgerufenen bedauerlichen Betriebsstörungen im Gebiete der früheren Hessischen Ludwigsbahn für die Folge vorzubeugen. Es handelt sich hierbei und Ver⸗ vollkommnung und Erweiterung einer größeren Zahl von Bahnhofs⸗ und Betriebsanlagen, deren Unzulänglichkeit nach den Erfahrungen der letzten Zeit erwiesen ist. Soweit es die vorgeschrittene Jahreszeit gestattet und nicht eine umfängliche spezielle Projektierung erforderlich ist, wird als⸗ bald mit den Bauten begonnen und das weitere Fortschreiten derselben mit allen zu Gebote stehenden Kräften gefördert werden. Danach ist zu erwarten, daß eine wiederholte Periode stärk sten Verkehrs die neue Verwaltung zur Aufnahme desselben besser gerüstet findet, als bisher, daß insbesondere auch die schwer empfundenen Un regelmäßigkeiten im Personenverkehr, welche nur eine Folge der Ueberfüllung der Bahnhöfe mit Güterwagen und der Ueberlastung der Strecken mit Güterzügen sind, wegfallen.

* Mainz, 19. Oktober.(Menschliches Elend.) Gestern Abend in später Stunde ersuchte der Friedhofaufseher Herr Bergmann die Polizei telephonisch, einen anscheinend dem Arbeiterstande angehörigen Mann bei ihm abzuholen, welcher den Versuch gemacht habe, Selbstmord durch Er hängen zu begehen. Die Polizei brachte den Lebensmüden, einen lange Jahre in Höchst a. M. beschäftigten und wegen Lungenkrankheit ent⸗ lassenen Fabrikarbeiter nach dessen im Hause Neuthorstraße 5 gelegenen Wohnung, wo sich ihnen, ein selbst für abgehärtete Beamte er- greifendes Bild bot. Die Wohnung war bis auf eine ärmliche Lagerstätte in einer Ecke aus⸗ geraumt und das übrige Mobiliar stand auf dem

Hofe. Auf dem improvisierten Lager wand sich eine abgezehrte Frauengestalt ohne jede Hilfe, während ein kleines Mädchen weinend neben dem Lager kauerte. Den Spuren nach zu ur⸗ teilen, sind die Tüncher schon einige Tage in dem Raum beschäftigt, um ihn für einen neuen Mieter herzurichten. Alsbald schenkte die Frau, deren Mann sich in der Verzweiflung über das traurige Geschick seiner Familie das Leben hatte nehmen wollen, einem Kinde das Leben. Durch mildthätige Menschen wurde das Nötigste an Wäsche für die Wöchnerin und ihr Kind zusam⸗ mengesteuert, jedoch ist hier noch ein reiches Feld für gute Werke offen.

Mainz, 19. Oktober. Das hiesige Organ der Sozialdemokraten, dieMainz. Volkszeitung, ist in den Besitz einer Kommandit-Gesellschaft unter der Firma Druckerei und Verlagsgesell⸗ schaft derMainzer Volkszeitung, C. Donner und Cie., übergegangen.

* Mainz, 19. Okt. In Gegenwart der Spitzen der Behörden wurde heute Vormittag 11¼ Uhr eine neue Abteilung des natur⸗ historischen Museums, die besonders Funde aus dem sogenanntenMainzer Becken enthält, im kurfürstlichen Schlosse eröffnet.

* Mainz, 19. Okt. Der Mainzer Han⸗ del nach den Vereinigten Staaten hat im 3. Quartal dieses Jahres abermals eine unerheb⸗ liche Zunahme erfahren; er repräsentiert einen Wert von 446 192 76 Dollars, gegen 392 646 71 Dollars in der gleichen Periode des Vorjahres, oder ein Mehr von 53 545 69 Dollars. Unter den 17 Städten, die zu dem Konsularbezirk Frankfurt a. M. gehören, haben nur 4 Städte: Mainz, Frankfurt, Düsseldorf und Mannheim eine Zunahme des Verkehrs erfahren, alle üb rigen Städte haben eine Abnahme desselben zu verzeichnen.

Vermischtes.

Der Massenmörder von Lyon. Die Behörden von Lyon haben die Hand auf einen jungen Mörder gelegt, gegen den gehalten selbst der ungreifbare, sagenhafteJack der Bauchaufschlitzer sanftmütig erscheint. Der Unhold bekennt sich zu acht Lustmorden, deren Einzel⸗ heiten er dem entsetzten Untersuchungsrichter kaltblütig geschildert hat. Vor etwa einem Monat wurde eine Frau in einem Gehölz bei Champis(Ardeéche⸗Departement) von einem Landstreicher angefallen, der ihr Gewalt anthun wollte. Sie schrie um Hilfe, Landleute eilten herbei, und der Strolch wurde verhaftet. Der Untersuchungsrichter fand, daß er der Beschreibung eines Steckbriefes entsprach, der hinter einem? mehrerer Morde verdächtigen Menschen erlassen war, und schickte ihn nach Lyon, von wo der Steckbrief ausgegangen war. Kurz vor der Ankunft des Zuges, der den Verdächtigen nach Lyon brachte, versuchte er zum Abteilfenster hinauszuspringen und hätte sich be⸗ stimmt getötet, wenn die ihn Begleitenden ihn nicht an Beinen gefaßt und festgehalten hätten, während sie die Notleine zogen und den Zug zum Stehen brachten. Dieser Selbstmordversuch bestätigte den Verdacht der Staats⸗ anwaltschaft gegen ihn, man setzte ihm in Lyon stark zu und nun legte er ein volles Geständnis ab. Der Mörder heißt Joseph Vacher und ist 1869 in Roybon(Isere) als Sohn wohlhabender Bauersleute geboren. Er erhielt eine gute Erziehung und ging bis zu seinem 18. Lebens⸗ jahre bei den Maristen-Vätern zu St. Genis Laval

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In Seenot.

Skizze von Hermann Rückner. (Nachdruck verboten.) N Die junge Frau mit den kindlich weichen Zügen und dem halb verschleierten, schwärmerischen Blick in den blauen Angen schritt in angenehme Betrach⸗ lungen versunken an dem Arme ihres Begleiters, Aines älteren Herrn mit eckigen Manieren, am Hafen entlang. 8 a

Es lag etwas von phantastischem Hochgefühl und von zärtlichem Stolze in dem Blicke, der hin und wieder den grauen, ausdrucksvollen Kopf, die llefgefurchten Züge und den schäbigen, schlecht sigenden Rock ihres Begleiters traf.

Es war ihr Oheim, Kapitän Kädensteg, und Edith weilte seit einigen Tagen bei ihm, um sich don den Folgen durchschwärmter Ballnächte in der Residenz zu erholen.

Ihre willig und unverhüllt zur Schau getragene Verehrung für den mürrischen, wortkargen alten Witwer galt jedoch weder dessen grauen Haaren noch seiner Eigenschaft als Onkel, sondern einzig und allein dem Umstande, daß er Seemann war, ergrauter wetterharter Seemann, d. h. gewesen War, denn der Kapitän fuhr schon seit zehn Jahren nicht mehr.

Die warmblütige junge Frau hatte seltsamer⸗

J besee eine Vorliebe für die See und für alles, was ieselbe befuhr; eine Vorliebe, die sich bereits in

srüherster Kindheit geäußert hatte und die ihr in Gestalt eines sehr lockeren Seekadetten beinah ver

hängnisvoll geworden war.

Woher Edith diese tief in ihrem innersten Wesen wurzelnde Vorliebe für die See hatte, war allen ihren Angehörigen ein Rätsel. Niemals hatte ein Mitglied ihrer Familie zu der See in irgend welchen Beziehungen gestanden.

Sie besaß neben großer Weichheit des Gemütes eine zügellose Phantasie und verlor sich gern in andauernde Träumereien.

Ihr Boudoir in Berlin zeigte einige Kopieen nach Achenbachschen Sturmgemälden und Salzmannschen Marine⸗Bildern, und den Tisch ihres Salons zierte unter anderem eine reich aus⸗ gestattete Mappe mit einer vortrefflichen Aquarell⸗ Sammlung von Seestücken, deren Vermehrung sich der durch diesen unschuldigen Sport seiner Frau belustigte Ehemann umsomehr eifrig angelegen sein ließ, als seine Mittel es ihm im reichsten Maße gestatteten.

Kapitän

gute

Kädensteg hatte für die bodenlose Un⸗ wissenheit seiner Nichte in nautischen Dingen, die ihre hauptsächlichsten Kenntnisse Marryat schen Ro⸗ manen und Werner'schen Marineschilderungen ver⸗ dankte, nur ein verächtliches Lächeln, ebenso wie für ihren offen zur Schau getragenen Enthustasmus.

Das etwas seltsame Paar schritt schweigend am Hafen entlang. Nur hin und wieder ließ sich der Kapitän zu einigen erklärenden Worten herab, die jedoch, abgerissen und zusammenhangslos, für den Laien eher selbst einer Erklärung bedurft hätten.

Schwerer Schooner da drüben nein, nicht

arze der andere mehr links. Schwere ene Großraa könnt' ein Kriegsschiff

Arbeitskräfte kein Mangel zu verzeichnen

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führen, Bramstenge stark vornüber gestagt führt weiß Gott Oberbramsegel... verdammt breiten Bug. Kenne die Sorte, is'n Amerikaner; schwere Seeschiffe mit 12 Mann Besatzung....

Damit zerrte er das junge Weib weiter, indem er der andächtig Zuhörenden an einem Fischerboot das praktische eines Tonnen-Racks statt der Klaue oder ähnliche, nur dem Eingeweihten vertraute Schiffseinrichtungen auseinanderzusetzen suchte.

Onkel, weißt Du, was ich möchte?

Er blickte sie nur mißtrauisch Seite an.

Und Du wirst mich nicht auslachen? ganz bestimmt nicht?

Also was möchtest Du? kam es märrisch von den Lippen des alten Herrn.

Onkel, einen Sturm, einen recht tüchtigen Seesturm, möcht ich erleben, einen Nordweststurm, der mit vollen Backen bläst! Ich werde nicht see krank, o, ich weiß es gewiß, und wenn schon, was würde es schaden? Zum Sterben ist es ja nicht

von der

gleich. Ach, und dann deuke Dir: alle stehen auf ihren Plätzen, regungslos, die Shagpfeife im Munde, im langen Oelrock und mit dem Südwester auf dem Kopfe, und der Kapitän steht ganz vorn mit dem Fernrohr und die See geht so hoch, so hoch, und rings die große, weite, schäumende Wasserfläche, die gläsernen Berge, die das stolze Schiff auf⸗ und niederschwanken lassen, daß des Mittags die Teller vom Tische rutschen und der

Stewart mit der gebratenen Hammelkeule über den

Haufen fliegt. Und droben an Deck singen die furchtlosen Matrosen:

Sei zufrieden Kapitän,

Wind und Wetter werden schön,

Laß die Flaggen lustig wehn

Hoioho Hoioho....

Und dann käm ich nach Berlin zurück, und

könnte allen erzählen, daß ich einen Sturm erlebt

hätte, einen wirklichen Sturm auf einem see gehenden Schiffe...

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Sie war stehen geblieben und blickte fast

ernstlich böse auf den alten Herrn, der ein rauhes, höhnisch klingendes Gelächter ausstieß. Onkel! Das klang so vorwurfsvoll, bittend. Da wurde der Kapitän plötzlich sehr ernst. Sein Auge blickte spähend eine Zeit lang an

der Mole hinaus. Bald hatte er gefunden, was er suchte, und hastig zog er die Verdutzte mit sich fort.

Nach wenigen Minuten befand sich das Paar einem kleineren Segelfahrzeuge gegenüber, welches am äußersten Ende der langen Mole vertaut lag.

Edith, siehst Du das Schiff? Es ist ein Lo otsenschooner. Er kam vorgestern nach fast acht⸗ tägiger Kreuztour von See zurück.

O, wie reizend! Ein Lootsenschooner. Wir dürfen doch hinaufgehen? Ein Lootsenschooner!

Sie legte den Ton auf das letzte Wort. Wie würde sich das machen, wenn sie in ihrem Freitag⸗ kränzchen in Berlin so ganz gelassen von Lootsen⸗ schoonern, ihrem Zweck und ihrer Einrichtung sprechen könnte. Gortsetzung folgt.)