Ausgabe 
21.9.1897
 
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daß er nie das Problem der elektrischen Beförderung besser gelöst gesehen habe.

Liebesbriefe im Hundehalsband. Der bekannte Kniff argwöhnischer Gatten, eine Reise vorzu⸗ schützen, um die flatterhafte Frau zu überraschen, erweist sich, so schreibt man aus Paris, noch immer als sehr wirkungsvoll. Der Großkaufmann M. in der Rue de Menilmontant kann das jedenfalls bezeugen. Er bemerkte seit einiger Zeit, daß seine Frau sich von einem jungen Uhrmacher Leon L. in höchst verdächtiger Weise den Hof machen ließ. Seine Nachforschungen führten zu dem Er⸗ gebniß, daß eine sehr eifrige und glühende Korrespondenz zwischen Leon L. und seiner Frau durch Vermitte⸗ lung des Hundes des jungen Don Juan geführt wurde. Der Uhrmacher steckte die Liebesbriefe an Frau B. in eine am Halsband des Hundes angebrachte Tasche, aus der sie dann die treulose Gattin, nachdem sie den Hund durch Zucker angelockt, entnahm und auf geeichem Wege antwortete. Herrn B. gelang es nach vielen Mühen, da der vierfüßigepostillon d'amour sich sehr mißtrauisch ihm gegenüber zeigte, einen dieser Briefe ab⸗ zufassen und sich so der vollen Berechtigung seines Arg⸗ wohns zu versichern. Mit unbefangener Miene kündigte er darauf seiner lieben Ehehälfte an, er habe eine wich⸗ tige Geschäftsreise anzutreten. Alles verlief darauf pro⸗ grammmäßig, wie in einem Vaudeville. Herr B. über⸗ raschte um 11 Uhr abends die beiden Liebenden in seiner Wohnung; seine Frau viel vor Schreck in Ohnmacht, während er den Liebhaber mit Stockschlägen auf die

Straße trieb, wo das Publikum ihm wegen seines kräf⸗ tigen Zuschlagens und dem Liebhaber wegen seiner Be hendigkeit im Ausreißen wahre Ovationen darbrachte. Schließlich traten zwei Schutzleute dazwischen, und brachten die beiden Kämpfer auf die Wache, von wo aus der ge⸗ hörig durchgebläute Liebhaber nach Feststellung des Sach⸗ bestands in das Hospital überführt werden mußte.

Stierfechter⸗Kariere. DenMünch. Neuest. Nachr. schreibt man aus Madrid: Währaend sich die Stierfechter im Allgemeinen aus der verwahrlosesten Straßenjugend rekrutieren, kommen doch allerlei Aus⸗ nahmen vor. Einer der bekanntesten Stierfechter, Maz⸗ zantini, der bis zu seinem 25. Lebensjahre Stations⸗ chef war, widmete sich dann der Kunst des Stiergefechtes, um es in wenigen Jahren zur Berühmtheit und zu großem Vermögen zu bringen, das ihm ermöglicht, einen fast fürstlichen Hofhalt zu führen. Der Stierfechter Lesaca, der im verflossenen Jahre getötet wurde, stand auch vor dem letzten juristischen Examen, als er zum Degen des Stierfechters griff. Jetzt tritt ein Doktor der Philosophie, Mediavilla mit Namen, in dieselbe Laufbahn, obwohl ihm in seinem Berufe eine glänzende Karriere bevorstand. Trotz seines jugendlichen Alters er soll erst 22 Jahre alt sein hat er sich vor Kurzem eine Gymnasial⸗Pro⸗ fessur erworben. Die Vorstellungen seiner Freunde, seiner früheren Lehrer und seiner Eltern, ihn von seinem Vor⸗ haben abzuhalten, waren vergeblich. Er verließ Bücher und Aula und produzierte sich am 22. August zum ersten Male in einer Arena Madrids als Stierfechter. Es

heißt, daß ihn der Ruhm des Stlerfechters mehr lockt als eine Professur.

Der Tod des Fanatikers. Aus Peters burg schreibt man derK. Z.: Wiederum, diesmal aber aus Uralsk, läuft die Meldung ein, daß sich dort Ende Juli ein Laienbruder des Nikolaiklosters, der Bauer Anton Bujanow, aus religiösem Fanatismus bis zur Brust in die Erde eingraben ließ und auf diese entsetzliche Weise den Tod fand. Durch einen anderen Bauern, der dem Bujanow auf dessen Bitte den Liebesdienst des Eingrabens geleistet hatte, kam die Sache heraus, jedoch erst sechs Tage später und jedenfalls zu spät, um den Fanatiker noch zu retten. Er war schon verschieden. In der Nähe der Leiche waren zwei Heiligenbilder mit Lämpchen und Lichter aufgestellt; desgleichen eine Wasserflasche. Daneben lagen mehrere Abendmahlsbrödchen und religtöse Bücher. Der Unglückliche soll diesen wahnsinnigen Schritt unter⸗ nommen haben, weil seiner Ansicht nach das Klosterleben ihm nicht genügend erschien, umdas Fleisch zu töten. Die Angelegenheit wurde dem Untersuchungsrichter über⸗

Marseillaise singend, durch die

a straßen. Der österreichische Abgesten

Pernerstorfer wurde polizeilich von d. Demonstration ferngehalten. Die Ankun des deutschen Kaisers blieb undiskutier Die Volksmenge zerstreute sich ruhig. Hd. Berlin, 20. Sept. Der große Pre von Berlin für Radfahrer kam gestern zu Austrag. Erster wurde Bourillon, Pet 7000 Mark; 2. Lehr 1500 Mark; 3. Are 750 Mark; 4. Käser 500 Mark; 5. Paxli 250 Mark. 9 Hd. Athen, 20. Sept. Ministerpräsideg Ralli erklärt, daß dem Schiedsvertrage noch Paragraph bezüglich der Handelsbeziehungg zur Türkei und des Eintausches der Gefangen

geben.

Wahlrecht.

Neueste Telegramme.

Hd. Budapest, 20. Sept. fand eine sozialistische Demon⸗ stration statt für das allg. Etwa 25 000 Menschen mit Fahnen und Emblemen zogen, die

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