Ausgabe 
21.9.1897
 
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Eokales und Provinzielles.

feilung zu:

Gießen, Dienstag, den 21. September

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

1897.

kazeilung.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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* Gießen, 20. Sept.(Stadttheater.) us dem Theaterbureau geht uns folgende Mit⸗ Die Abonnementsliste wird lunmehr in Zirkulation gesetzt und der Beachtung

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ber Theaterfreunde bestens empfohlen. Es ge⸗

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langen Dutzedbillets(Serie 1) für Sperr⸗ it, 1. und 2. Parquett zur Ausgabe, welche u beliebiger Anzahl verwendet werden önnen und in den ersten 25 Abonnementsvor⸗ kellungen zu benutzen sind. Es wird ausdrück⸗ Ich darauf hingewiesen, daß auch bei Abonne⸗ Rnentsvorstellungen mit erhöhten Preisen Gastspielen usw.) den Inhabern von Dutzend⸗ gilets eine Preisermäßigung eingeräumt wird.

* Gießen, 20. September. Der Lahn⸗ halsängerbund hielt gestern imWiener of den alle zwei Jahre wiederkehrenden Sängertag ab. Es wurde beschlossen, daß sas nächste Sängerfest in Marburg ab⸗ gehalten werden soll. Sodaun wurden die Chor⸗

lieder gewählt, welche gelegentlich dieses Festes ö gesungen werden sollen. Ein weiterer Beschlrß Ang dahin, daß diejenigen Mitglieder, welche Jahre dem Lahnthalsängerbund angehören, ine Auszeichnung in Gestalt eines Diploms

Gießen, 20. September. Heute Morgen ckeignete sich in der Scheune des Oekonomen ebe ein bedauerlicher Unglücksfall. Der Ruecht war mit dem Einfahren von Stroh be⸗ schäftigt und kam unter die Räder des Wagens, Wodurch ihm ein Bein vollständig zerquetscht Fürde. Der Unglückliche wurde in die Klinik gebracht.

Gießen, 20. September.(Ertappter Fahrraddieb. Vor einiger Zeit wurde einem heftigen Gastwirt ein noch neues Fahrrad

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utag, den

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ils Gäste eingefunden. 2

cht vertreten. Außerdem hatten

Elternhaus, wie sie sagte,

aus seinem verschlossenen Hofe entwendet. An⸗ sungs glaubte man, daß die Freunde des Be⸗ sohlenen sich einen Scherz erlaubt und das Rad bersteckt hätten. Nunmehr hat sich herausgestellt, daß der bereits wegen Diebstahl eines Fahrrades bestrafte Zeichner Friedrich Wagner von hier das Rad entwendete und ee nach Frank⸗ surt a. M. brachte. Auch in Frankfurt a. M. sahl Wagner ein Fahrrad und befindet sich jetzt dortselbst in Untersuchungshaft. Gießen, 20. September. Wegen Unter⸗ schlagung von Kundengeldern wurde heute Hormittag der Haus bursche eines hiesigen Häckers in Haft genommen. f e. Lich, 20. September.(Kreisfeuer⸗ vehrtag.) Unter dem Vorsitz des Herrn Re⸗ derungsrat Wallau⸗Gießen fand gestern in ler Restauraton Stein der Kreisfeuer⸗ vehrtag für den diesseitigen Bezirk des sreises Gießen statt. Die Feststellung der Prä⸗ enzliste ergab die Anwesenheit der Komman⸗ zanten von 37 Wehren. Nur 2 Orte waren sich eine Anzahl e aus der Umgegend, die hiesige Freiwillige Feuerwehr in Untforn vollzählig, Es lieferte dies den

Beweis, daß man in unserer Provinz dem Feuerlöschwesen ein reges Interesse bewahrt und der Vervollkommnung desselben mit männlichem Ernste entgegenstrebt. Zur Tagesordnung er⸗ hielt zunächst Herr Kreisfeuerwehrinspektor Loos⸗ Gießen das Wort zu einem Vortrage überdie Aufgaben und Pflichten der Feuerwehren, insonder heit der Kommandanten. Aus den Ausführungen des Redners, die auch für den Nichtfeuerwehrmann interessant und lehrreich waren, dürften sich die anwesenden Fachleute manches zu Notiz ge⸗ nommen haben. An den Vortrag schloß sich eine kleine Diskussion, an der sich hauptsächlich Herr Reg.⸗Rat Wallau, sowie der Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr Lollar, Herr Feller (der zugleich das Amt eines Vorsitzenden für den Kreis⸗Feuerwehr⸗Verband begleitet), beteiligten. Ersterer hielt die technische Ausbildung der Mannschaften als vornehmste Pflicht der Kom⸗ mandanken. Herr Feller äußerte sich in gleichem Sinne und empfahl außerdem noch das Studium geeigneter Lehrbücher. Hieran schloß sich ein Vortrag des Hauptmanns der Gießener Freiwil⸗ ligen Feuerwehr, Herrn Gail, überBau- und Konstruktion der Feuerspritze. Redner gab zu⸗ nächst einen geschichtlichen Rückblick über die Ent⸗ stehung der Feuerspritze und demonstrierte an einem gläsernen Spritzenmodell die Zusammen⸗ sebn und Handhabung der modernen Spritzen. Als weiterer Punkt der Tagesordnung wurde über die Frage verhandelt:Sind Führerkurse im Kreise Gießen einzurichten? Der Referent, Herr Feller⸗Lollar, tritt uicht für die Ein⸗ führung dieser Kurse ein, hält dagegen(wie schon bemerkt) die Anschaffung geeigneter Lehr⸗ mittel am Platze, durch deren Studium sich die Kommandanten befähigen können, in fachwissen⸗ schaftlichen Vorträgen ihre Kenntnisse auf die Mannschaften zu übertragen. Der Vorsitzende bemerkt dazu, daß seinerseits zur Anschaffung dieser Hand- und Lehrbücher die nötigen Schritte gethan würden. Herr Feller empfiehlt ferner das Abonnement auf 115 11 1 1 zeitung. Kommandant Bernhardt⸗ klein⸗ linden kommt dann auf die Kreisfeuerwehr-⸗Lösch⸗ ordnung zu sprechen. Redner glaubte in den 88 13, 15 und 21, die Allarmierung betreffend, einen Widerspruch entdeckt zu haben, der sich jedoch nur als eine Verwechselung der Begriffe Feuer⸗ löschverbandsbezirk(diejenigen Wehren, welche bei einem ausbrechenden Brande ohne weiteres zu allarmieren sind) und Brand⸗ hilfsverband(diejenigen Wehren, welche außerhalb des Feuerlöschverbandsbezirks wohnen und nur in Fällen dringender Gefahr zu allar⸗ mieren sind) herausstellte. Interessanter ge staltete sich die Debatte wegen elner Interpella⸗ tion des Kommandanten Schmidt⸗ Garbenteich. Interpellant wünschte darüber Auskunft, wer uach einem Brande den Teufen für 95 7775 äumnis, die durch die öschung der no

. Trümmer entstehe, eine Ver⸗ gütung zu zahlen habe. Es seien ihm Fälle bekannt, in denen Tagelöhner zu dieser Arbeit verwendet worden seien, die aber keinerlei Ent⸗ schädigung erhalten hatten. Der Vorsitzende

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Nuzeigen: 10 fg. für die öspaltige Petltzelle,

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

bemerkte dazu, daß aus der Kreiskasse für eine der⸗ artige Leistung nichts vergütet werden könnte. Es sei Pflicht eines jeden Eingesessenen, so lange an der Brandstelle zu verbleiben, bis eine Ge⸗ fahr nicht mehr zu befürchten wäre. Der Be⸗ griff Ablöschen liege aber solange vor, als die Gefahr noch nicht beseitigt sei. In der eigenen Gemeinde könne eine Ortsfeuerwehr nichts ver⸗ langen, daher der Name Pflichtfeuerwehr. Letztere sei ein Gegenstück zur allgemeinen Wehr⸗ pflicht. Der Feuerwehrmann thue so diese Pflicht nicht allein für die Allgemeinheit, sondern auch für sich selbst. Dr. Heuser⸗Gießen findet einen gewissen Widerspruch darin, daß man Jemand zu etwas verpflichtet, wodurch er sich event. schädigen könne, ihm aber das Recht auf eine Entschädigung nicht einräumt. Komman⸗ dant Feller⸗Lollar ist der Meinung, daß ein einsichtsvoller Bürgermeister den Feuerwehr⸗ leuten nach dieser Richtung hin gerecht werden könnte. Der Vorsitzende hat nichts dagegen, wenn die Gemeinde eine Vergütung leisten wolle, von Seiten des Kreises sei eine solche nicht zu er⸗ warten. Damit war die Tagesordnung erledigt. Nach verschiedenen Hochs auf Kaiser, Großherzog und den Vorsitzenden des Feuerwehrtages löste sich die Versammlung auf, um dem Brandangriff beizuwohnen, den die hiesige Feuerwehr zu Ehren des Tages vorgesehen hatte. Die Exerzitien ver⸗ liefen zur allgemeinen Befriedigung. Nach Be⸗ endigung derselben versammelten sich nochmals die hiesigen Feuerwehrleute im Sitzungssaal mit ihren Gästen zu einem gemütlichenDämmer⸗ schoppen.

* Bad Nauheim, 18. Sept. Im benach⸗ barten Dorheim ist am letzten Sonntag Nacht beim Spezereihändler Schmidt ein nicht unbe⸗

deutender Diebstahl durch Einsteigen verübt worden. Cigarren, Medaillons, eine goldbe⸗ schlagene Haarkette, Hemden, Taschentücher,

Unterbeinkleider und Unterjacken fielen dem noch unermittelten Diebe zum Opfer.

* Darmstadt, 18. Sept. DerDarmst. Ztg. zufolge wird der Kaiser von Rußland im nächsten Monat hier der Grundsteinlegung der auf der großh. Mathildenhöhe nach den Plänen des Petersburger Professors Benois zu erbauenden griechischen Kapelle beiwohnen.

Mainz, 18. Sept. Der städtische Rechts⸗ ausschuß beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der Simon Bladschen Erbschaft, durch die bekanntlich der Stadt Mainz über eine Viertel Million Mark zugefallen sind. Neuerdings hat ein Mädchen in Berlin unter der Vorgabe ein uneheliches Kind Blads zu sein, Anspruch auf das Vermächtnis erhoben, und der Berliner Magistrat hat beschlossen, dem Mädchen eine Abfindungssumme zu bezahlen. Der juristische Ausschuß der Sta t Mainz hat gestern das Gleiche beschlossen.

* Mainz, 19. Sept. Die Eisenbahn⸗ direktion erläßt soeben eine Bekanntmachung zur Sicherung des Eisenbahnbetriebes. Nachdem nochmals auf die Notwendigkeit der Beachtung sämtlicher für die Sicherheit erlassenen Vorschriften hingewiesen wird, führt die Direk⸗

Eine reiche Partie.

Erze von Stenglin.

23 Seltz Nachbrnd 2

(Fortsetzung.)

Zu Hause ließ sie sich nichts merken. Sie konnte nicht vergessen, was der Alte ihr gesagt battle. Er wußte freilich nicht alles. Aber wenn guch ihr Zutrauen zu Hellmuth nicht mehr so fest sein konnte wie einst, sie gehörte ja doch zu ihm, Das fühlte sie so lebhaft wie nur je, und sie liebte Ihn ja doch. Wenn auch nicht alles in der Ehe vollkommen sein würde, es gab ja gewiß manche Chen, in denen es an diesem und jenem fehlte. Er wollte sie nicht haben, aber wenn sie nun kam and nicht wieder ging? Mußte er sie da nicht Sehalten? 2 Und als dieser Gedanke sich erst einmal in ihr kesgesetzt hatte, ließ er sie nicht wieder los.

Zwel Tage darauf gegen Abend verließ sie das zu einem notwendigen

usgange. Unter dem Mantel trug sie eine Leder⸗

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asche mit einigen notwendigen Habseligkeiten und

f Geld. Eine jähe Ungeduld hatte sie er⸗ kiffen. Wochenlang hatte sie la kein Lebenszeichen, icht einmal einen Brief von ihm erhalten! Wie ö ihm gehen mochte! Ob er am Ende gar Not litt? Auch von seinen Eltern hatte er ja nichts an genommen. Er hatte sichs in den Kopf gesetzt, sich anz auf eigene Füße zu stellen. Eine fürchterliche Augst packte sie in der Bahn. Mein Gott, warum

dar sie denn nicht früher gegangen? Warum hatte

die denn überhaupt gestattet, daß er sie verließ?

Endlich war sie vor dem Hause, vierten Stockwerk ein Zimmer gemietet hatte. Es war sieben Uhr abends. Gewiß würde er doch schon zu Hause sein.

Die Wirtin öffnete. 5

Zu wem? fragte sie mißtrauisch.

Ich will zu meinem Mann. Er ist doch zu Hause?

Ihr Mann?

Herr von Jürgen. 0

7 Das ist Ihr Mann? Die Wirtin musterte Röschen von oben bis unten.

1 Herr ist noch nicht zu Hause. Er kommt immer erst nach acht. a

Nach acht erst? Wie schade! Da muß ich warten. Wollen Sie mich in sein Zimmer lassen?

Am Brummend schob die Alte ab, Röschen hinterdrein. Die Wirtin öffnete die Thür zu einem kleinen einfenstrigen Zimmer, in dem sich nur die allernötigsten Möbel befanden..

Dies ist sein Zimmer? Wie kalt es hier ist!

Ja, die Feuerung kostet Geld..

Ach heizen Sie doch schnell ein wenig ein, ja? Ich bezahl' es Ihnen gerne.

Und als die Frau zögerte, lte R Tasche hervor und gab ein Markstück hin.

ie nochmals! 8 5 5 95 A2 119 5 freundlicherem Blick ging die Wirtin

dann Feuerung zu

holte Röschen ihre Bitte!

hinaus, um erst eine Lampe, 8 ißt er denn zum Abendbrot? fragte Röschen.

wo er sich im

Na da ißt er ganz gut. Zwei Butterstullen, und dann koch' ich ihm'ne Suppe.

Die junge Frau wollte schon die Wirtin bitten, etwas Fleisch und eine Flasche Wein zu holen, doch sie ließ es, da sie nicht wußte, ob Hellmuth das nicht übel nehmen würde.

Nachdem sie geheizt, ging die Vermieterin hin⸗ aus und kam bald darauf wieder, ein großes Buch in der Hand.

Wenn sie ein bischen lesen wollen, die Gartenlaube

Und Röschen blieb allein. Erst ging sie im Zimmer umher und untersuchte alles. Es war sauber gehalten, das Bett gut gemacht, der Schrank mit den Sachen in Ordnung. Aber recht un⸗ heimlich war es Röschen doch hier.

Nachdem sie eine Weile ruhelos auf und ab⸗ gewandert, setzte sie sich und nahm das Buch, die Gartenlaube, zur Hand. Erst besah sie die Bilder, als sie damit fertig war, begann sie eine Geschichte zu lesen, die sie so fesselte, daß sie nicht merkte, wie die Zeit verging.

Plötzlich schreckte sie auf. Sie hörte schließen an der Korridorthür, dann sprechen. Sie erhob sich voller Erwartung.

Und da trat er auch schon ins Zimmer. Sie flog ihm entgegen, und beide lagen sich in den Armen.

Mein süßes, süßes Weib! sprach Hellmuth mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit.

Ich habe mich so nach Dir gesehnt! Fast wäre

ich wankend geworden. Und nun kommst Du! Du

sammenstöße und Entgleisungen, welche in jüngster Zeit vorkommen, auf die Nichtbeachtung der Signale, zum Teil auch auf ein Umstellen der Weichen unter den Fahrzeugen zurückzuführen sei. Die Direktion ermahnt ferner das Personal zur Ruhe und Besonnenheit im Betriebsdienste.

* Mainz, 19. Sept. Ueber den auf Vor⸗ schlag von einem Frankfurter Polizeibeamten bei der hiesigen Schutzmannschaft eingeführten neuen Dienst, durch welchen angeordnet wurde, daß die Schutzmannschaft ihren Nachtdienst nicht mehr zu je zwei Mann, sondern durch Allein⸗ gehen zu verrichten habe, wurde nunmehr durch die Revierkommissäre an das Polizeiamt Bericht erstattet; ein Teil der Kommissäre hat sich für und ein Teil gegen diese neue Diensteinteilung ausgesprochen. Nach den vielen in der Presse besprochenen nächtlichen Vorfällen wäre die neue Diensteinteilung vollständig zu verwerfen.

* Mainz, 19. Sept. Nach einem Vertrag vom 28. Februar 1873, abgeschlossen zwischen der Stadt Mainz und dem Gouvernement, be⸗ zahlt das Militär für alle oktroipflichtigen Gegenstände die gleichen Oktroigebühren wie die übrigen hiesigen Bewohner. Dafür wird all⸗ jährlich von der Stadt eine bestimmte Summe an die Militärverwaltung, als Vergütung für das bezahlte Octroi, zurückerstattet. Diesen Ver⸗ trag hat nunmehr die Militärbehörde gekündigt, und zwar angeblich deshalb, weil die hier be⸗ stehende kgl. Konservenfabrik ebenfalls Oktrot bezahle, obwohl die Fabrikate dieser Fabrik nicht in Mainz konsumiert werden.

Vermischtes.

Elektresche Droschken fahren seit kurzen in den Straßen Londons. Eine Elektrische Droschengesell⸗ schaft(London Electrical Cab Company, Limited) hat das erste Dutzend ihrer Gefährte in den Dienst ge⸗ stellt und läßt sie von richtigen Londoner Droschkenkut⸗ schern, die bisher von ihrem hohen Sitze aus Droschken⸗ pferde gelenkt haben, in den Straßen umherfahren und sie zur üblichen Droschkentaxe vom Publikum benützen. Diese neuen Droschken bieten einen sehr gefälligen Anblick, fie gewähren Raum für reichlich zwel Personen und auf dem Verdeck oben ist Platz für Gepäck. Der Kutscher hat vorn seinen Sitz auf dem Bock, lenkt den Wagen und giebt die Geschwindigkeit an, was durch zwei Griffe auf so einfache Weise geschieht, daß es nicht besonderer Erlernung bedarf. Die Droschken fahren sehr leicht und geräuschlos, weil die Räder mit pneumatischen Gummireifen eingefaßt find; auch die Maschine arbeitet geräuschlos und der unange⸗ nehme Geruch, den man stets bei Motorwagen bemerkt, die mit Oel getrieben werden, ist nicht vorhanden. Der elektrische Johnson⸗Lundell⸗Motor, der unterhalb der Droschke angebracht' ist, arbeitet mit drei Pferdekräften und mit Hilfe desselben fährt die Droschke fünfzig eng⸗ lische Meilen, ehe der Akkumulator ausgewechselt zu wer⸗ den braucht. Diese Auswechselung selbst geschieht in wenigen Minuten und die Gesellschaft läßt in verschiedenen Stadtteilen Londons Stationen errichten, wo die er⸗ schöpften Droschken wieder mit frischer Elektrizität gespeist werden können. Bei der vor wenigen Tagen abgehal⸗ tenen Probefahrt und Einweihung der elektrischen Droschken hielt der bekannte Elektriker des Londoner Generalpost⸗ amtes W. H. Preece eine Ansprache, in der er erklärte,

5 aus, daß die überwiegende Zahl der Zu

wirst mich nicht wankend machen, nein? Du wirft meine vernünftige, liebe Frau sein, wirst Du?

Röschen blickte zu Boden.Ich bin gekommen, um bei Dir zu bleiben, sagte sie leise aber bestimmt.

Sein Gesicht nahm einen sehr ernsten Ausdruck an, es kostete ihn augenscheinlich Ueberwindung, ruhig und sachlich zu sprechen.

Ich danke Dir von Herzen, sprach er.Ich wußte es, unser Lebensweg führt wieder zusammen. Aber heute noch nicht, Röschen. Verstehe mich recht. Ich habe alles überdacht. Bliebest Du bei mir, ich hätte nicht die Kraft, das zu Ende zu führen, was ich mir vorgenommen habe.

Röschen fing an zu weinen.

Mache mirs nicht schwer! sagte er mit flehendem Blick.

So standen sie sich gegenüber.

Hellmuth wollte weiter sprechen, da klopfte es. Die Wirtin brachte das Abendbrot.

Als sie hinaus war, meinte Hellmuth: Wie ist es nun aber mit Dir? Du hast noch nicht gegessen.

Ich mag nicht.

Ich bitte Dich, teile mit mir!

Um ihm gefällig zu sein, sie ein paar Bissen Brot und einige Löffel Suppe. Das übrige ver⸗ zehrte Hellmuth mit gutem Appetit, während Röschen ihm liebevoll zusah.

Als er fertig war, legte er die Hand auf die ihre.

Gortsetzung folgt.)