Ausgabe 
21.11.1897
 
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Der Betrogene verlangte nun, um sein krankes Herz zu heilen, eine Entschädigungssumme von 25 000 Dollars. Die Jury entschied zu Gunsten des Klägers und verur tellte die junge Frau dazu, ihrem einstigen Verlobten 2000 Dollars Reugeld zu zahlen.

Konstantinopel im Schnee. Aus Kon⸗ stantinopel macht man unterm Datum des 12. November derN. Fr. Pr. folgende Mitteilungen, die noch mehr als ein bloß meteorologisches Interesse beanspruchen: Vorgestern, Mittwoch, begann es ein wenig zu schneien; selten genug, daß wir das hier zu so früher Jahreszeit erleben. Man tröstete sich: das hört bald auf. Aber es hörte nicht auf und schneite fort und fort und schneit noch heute. Alles ruft, seit Menschengedenken wäre solcher Frost, solcher Schnee in Konstantinopel nicht dagewesen. Infolge dieses Schneefalles, mußte der Verkehr in der Stadt fast eingestellt werden, die Häuser verschlossen sich vor dem kalten Elend, nur Hunger und Not wanderten durch die Gassen, sonst war alles wie ausgestorben. Auf solches Wetter ist man hier nicht vorbereitet, man hat noch nicht einmal seinen Ofen oder den landesüblichen Mangal, den offenen Kohlenherd, angeschafft und plötz⸗ lich kommt daher der Schneesturm, und es fehlt an Wärme und Licht, an Brot, Kleider und Schuhen. Die Kohle ist unerschwinglich teuer, Holz gar nicht zu bekom⸗ men und das Geld, das Geld fehlt vor allem. Die Zeitungen mogen offiziell verkünden, daßGeld im Ueber⸗ fluß vorhanden, daßnächstens wieder ein Monatsgehalt den Beamten(und wer ist hier nicht Beamter?) ausge⸗ zahlt werden solle wahr ist das aber nicht. Giebt es dafür ein krasseres Belspiel als die plötzliche Rückkehr des Botschafters in Berlin, Ghalib Bey? Er kam zurück, weil er nicht mehr die Schande der Schulden, weil er nicht mehr den Hunger ertragen konnte. Erst hatte er aus Mangel an Kostgeld den dritten Sekre⸗ tär heimgeschickt, dann den zweiten. Dann bat er tele graphisch, man möge wenigstens seine seit Januar nicht bezahlten Depeschenspesen und die Wohnungsmiete be⸗ gleichen. Aber er bekam keine Antwort, und da zog er einfach ab. In dem Briefe eines andern Botschafters heißt es:Wagen und Pferde habe ich verkauft. Wir leben fast von trockenem Brot, und bald werden wir auch das nicht mehr geliehen bekommen! Und ein dritter meldet lakonisch dem Minister:Ich bin zu Ende. Ich könnte mir nicht einmal ein Paar Handschuhe an⸗ schaffen, wenn ich irgendwo erscheinen müßte!

Frauen als Rechtsauwälte. Man schreibt auß Helsingfors: Die Frauenfrage nimmt in Rußland jetzt insofern ein besonderes Interesse in Anspruch, als es sich darum handelt, den Frauen die Befugnis zur An⸗ waltschaft einzuräumen. Die Masorität in der besonderen Kommisston, welche damit beauftragt worden ist, die gel⸗ tenden Rechtsstatuten zu revidieren, hat sich zu Gunsten der Frauen ausgesprochen. Auch hier in Finnland ist die Frage brennend geworden, ob es nach den bestehenden Gesetzen Frauen gestattet werden könne, vor den Gerichten als Anwaltgehilfen aufzutreten. In der Praxis geschieht die selt langem fast täglich und bisher wurde von keiner Seite aus dagegen protestiert. Unlängst indessen fand eine streltende Partei sich veranlaßt, gegen das Erscheinen eines weiblichen Anwaltgehilfen der gegnerischen Partei Einspruch zu erheben, und der Richter sah sich genötigt, diesen Pro⸗ test gutzuheißen. denn im betreffenden Gesetzpara⸗ graphen steht, daßdiejenigen, welche für andere plädieren wollen, ehrliche Männer sein sollen. Der abgewiesene weibliche Anwaltgehilfe hat sich natürlich mit der Ent⸗ scheldung des Richters nicht begnügt und die Angelegen⸗ heit vor den Senat gebracht. Wie verlautet, gehen die Meinungen der Senatoren auseinander; die einen halten am Buchstaben des Gesetzes fest, während die übrigen, die Mehrzahl, eine mehr zeitgemäße Auslegung des Gesetzes befürworten. Sie machen mit Recht darauf aufmerksam, das Gesetz verlange auch, daß testamentarlsche Zeugen Männer seien; indessen interpretiere man in der Gerichts⸗ praxis schon seit langemMänner alsPersonen und gegen weibliche testamentarische Zeugen werde von seiten der Gerichte kein Protest mehr erhoben.

Das Aeroplan, ein neues Dampf⸗Luftschiff, wurde von den beiden Franzosen V. Tatin und Charles Richet konstrulert und neulich vor der Pariser Akademie der Wissenschaften beschrieben. Die mit diesem neuen Apparate angestellten Versuche sind zwar nicht von solcher Bedeutung, daß sie einen Wendepunkt in der Technik der Luftschiffahrt bedeuten könnten, aber sie sind immerhin bemerkenzwert, iudem das Aeroplan sowohl an Gewicht als an Geschwindigkeit schon jetzt die bisherigen Dampf⸗ Luftschiffe übertrifft. Der Apparat wiegt 33 Kilo, wobei das Gewicht von 3 Liter Wasser und 600 Gramm Kohle eingerechnet find, und er legte bei dem letzten Versuche 140 Meter in gerader Linie unter der bedeutenden Ge⸗ schwindigkeit von 18 Meter in der Sekunde, also fast mit Kourierzug⸗Geschwindigkeit, zurück. Die angenommene Wasser- und Kohlenmenge würde für eine Fahrt von 5000 Meter genügen. Das Aeroplan besteht aus einem sehr leichten Rahmen von dünnem Holz, der mit Seide überzogen ist. An diesem Körper sitzen zwei feste Flügel, auf dieselbe Weise hergestellt, vou 12 Quadratmeter Ober⸗ fläche. Die Flügel sind mit dem Körper durch Stahldraht verbunden, außerdem besitzt das Fahrzeug einen Schwanz, der ebenso gebaut und befestigt ist wie die Flügel. Die kleine Dampfmaschine treibt zwei Schrauben, von denen eine auf der Vorderseite, die andere auf der Hinterseite angebracht ist und die sich in entgegengesetztem Sinne drehen. Die Erfinder berechneten die wahrscheinliche Ge⸗ schwindigkeit dieses Apparates in freier Luft auf ungefähr 18 Meter in der Sekunde, jedoch handelte es sich darum, demselben vor seinem Aufstieg in die Luft eine genügende Geschwindigkeit zu geben. Dazu wurde eine geneigte Ebene hergerichtet, 75 Meter lang und 10 Meter hoch. Das Luftschiff wird auf einen Wagen gesetzt, der auf Schienen die geneigte Ebene hinab läuft. Sobald das Ende derselben erreicht, werden die Seile, die den Apparat an den Wagen befestigen, automatisch durchgeschnitten, und dieser kann sich frei in die Luft fortbewegen. Der helkelste Punkt an diesem Versuche liegt in der Not⸗ wendigkeit, dem Apparate beim Herausfliegen in die Luft eine durchaus horizontale Richtuug zu geben, denn da derselbe eine große Oberfläche besitzt, so muß er sich bei der geringsten Neigung überschlagen. Wegen dieser großen Oberfläche, die das Aexoplan der Luft darbietet, ist es auch vorläufig nicht möglich, es in die Luft zu senden. außer bei gänzlicher Windstille. Die bisher erreichten und oben bezeichneten Erfolge stellen jedenfalls nur die allerersten Anfänge dieser Versuche vor, die deshalb einen langsamen Fortschritt nehmen, weil jede Wiederholung des Experimentes bedeutende Vorbereitungen erfordert. Es hat sich bisher noch nicht vermeiden lassen, daß das Luftschiff schließlich von der waagerechten Bewegung etwas nach oben abgelenkt und dadurch in seiner Bewegung gehemmt wurde, sodaß es sich in der Luft überschlug und zu

Pariser Sternwarte. DerKöln. Ztg. wird ge⸗ schrieben: Eins der großartigsten und wissenschaftlich wich⸗ tigsten Unternehmen, an dessen Möglichkeit man vor zwei Jahrzehnten nicht denken konnte, hat die Pariser Stern⸗ warte mit großem Erfolg in Angriff genommen: die Her⸗ stellung eines lediglich auf photographischen Aufnahmen beruhenden Mondatlas. Die erforderlichen photographischen Aufnahmen sind von den als geschickte Astronomen und Optiker rühmlichst bekannten Gebrüdern Henry von der Pariser Sternwarte ausgeführt worden und ihre Auf⸗ nahmen übertreffen an Schärfe und Detailreichtum selbst die berühmten Mondphotographien der Lick⸗Sternwarte. Die einzelnen Blätter werden durch direkte Vergrößerung der Originalklichés auf großen Platten erhalten und die Glaspositive in Heliogravüren umgewandelt. Auf diese Weise sind Karten zustande gekommen, die auch äußerlich an Prägnanz und Treue der Wiedergabe nicht übertroffen werden können. Die Vergrößerungen der photographischen Aufnahmen sind 14 bis 15fach, entsprechend einem Durch⸗ messer des Mondbildes von 2,4 bis 2,6 Metern, während die große Mondkarte von Schmidt nur einen Durchmesser von 2 Metern besitzt. Der Hauptzweck dieses photo⸗ graphischen Atlas ist, ein absolut treues Bild des Aus⸗ sehens der einzelnen Mondlandschaften bei bestimmter Be⸗ leuchtung zu geben, wie solches eine selenographische Karte mit ihrer Wiedergabe des Terrains durch Striche und Linien niemals geben kann. Sehr viele Gegenden des Mondes, vor allem die südliche Hälfte desselben, sind so gebirgig und zeigen ein so wild zerrissenes Aussehen, und außerdem ist der scheinbare Zusammenhang der einzelnen Bodenerhebungen je nach der Beleuchtung oft ein so wechselvoller, daß jedes blos zeichnerische Verfahren nur höchst un vollkommene Ergebnisse liefern kann. Hier ist die Photographie ein unersetzliches Hilfsmittel, besonders auch deshalb, weil sie einer späteren Zeit die Mittel an die Hand giebt, mit unfehlbarer Sicherheit zu entscheiden, ob und welche Veränderungen seitdem etwa auf dem Monde stattgefunden haben. Als ich vor zwanzig Jahren nahe der Mitte der Mondscheibe eine große kraterförmige Einsenkung entdeckte, die nach meinen Erfahrungen früher dort nicht vorhanden gewesen, bedurfte es geraumer Zeit und eines großen Aufwandes von Mühe, um der Be⸗ hauptung, es handele sich thatsächlich um eine Neubildung, wissenschaftlich Geltung zu verschaffen. Daß es sich aber wirklich in diesem Falle um eine Neubildung handelte, hat sich später auch dadurch erwiesen, daß eine zweite kraterförmige Vertiefung östlich neben der ersteren in den letzten Jahren sichtbar geworden ist. Hätte 1877 ein photographischer Mondatlas wie der im Erscheinen be⸗ griffene der Pariser Sternwarte vorgelegen, so wäre die Entscheidung über die Neubildung leichter gewesen. Die Herausgeber dieses Atlas sind die rühmlichst bekannten Astronomen Loewy und Puiseux, die sich damit ein neues Verdienst um die Wissenschaft erwerben.

Der japanische Schneider. Das beweg⸗ liche, umsichtige, rastlose Volk des Reiches der aufgehenden Sonne sucht immer mehr seinen Einfluß geltend zu machen. Der englischen Konfektionsbranche ist, wie demB. L. A. aus London geschrieben wird, eine neue Konkurrenz ent⸗ standen, die, kaum zwei Jahre alt, schon beträchtlichen Umfang angenommen hat und sich gar bald auch in Berlin, Wien und Paris fühlbar machen dürfte. Kurz nach Be⸗ endigung des japanisch⸗chinesischen Krieges setzte der Reisende einer japanischen Firma Londoner Großkonfektionären aus⸗ einander, daß Japan bereisende Europäer stets besonderen Gefallen an den leicht wattierten, seidenen Schlafröcken des Landes gefunden hätten und solche neuerdings mehrfach durch private Vermittlung von Engländern aus Japan bezogen wurden. Er bot deshalb gleichzeitig eine größere Lieferung des fraglichen Artikels an. Zwei große Kon⸗ fe tionshäuser waren einverstanden. Seitdem ist der Um⸗ satz bereits so stark geworden, daß, nachdem dieser Tage ein Schiff mit tausend Schlafröcken und 600 Negligé⸗ Jaquets eingetroffen ist, die betr. Firmen umgehend die doppelte Anzahl bestellt haben. Sitz der neuen Export⸗ industrie ist Yokohama. Die Japaner, die noch vor Kurzem den Stoffen nur eine beschränkte Farbenauswahl zu geben verstanden, haben es seitdem zu einer vollendeten Meisterschaft mannigfaltiger Nüanzierung gebracht. Unter den Stücken, die ich sah, waren am hübschesten und ge⸗ schmackvollsten Türkisenblau mit cremefarbiber Fütterung, Waldgrün, dunkelrosa gefüttert, und Scharlachrot mit Changeant⸗Futter.

Eine Reise um die Welt in 34 Tagen. In der PariserRevue Scientifique wird in einer eigen⸗ artigen Weise daran erinnert, welche fabelhaften Fort⸗ schritte unsere Verkehrsmittel in dem letzten Jahrhundert und besonders in den letzten Jahrzehnten desselben ge macht haben. Es ist noch nicht nicht 25 Jahre her, daß das Werk von Jules VerneEine Reise um die Welt in 80 Tagen von allen Leuten als eine Fabel verstanden wurde. Heutzutage ist eine Reise um die Welt in 80 Tagen nicht nur keine Fabel mehr, sondern unsere Ver⸗ kehrsmittel haben diese damals erdichtete Geschwindigkeit weit übertroffen. Wenn man die neuesten Fahrpläne von Eisenbahnen und Dampfschiffen zu Rate zieht, so kann man sich folgende Weltreise zusammenstellen: Von Mar⸗ seille durch den Suezkanal über Aden, Singapore, Saigon nach Yokohama 33 Tage, von Yokohama nach San Fran⸗ zisto 14 Tage, von San Franzisko nach Newyork Tage, von Newyork nach Paris 7 Tage, von Paris nach Marseille dreiviertel Tage, macht zusammen 59 Tage. Freilich würde sich diese wohl nicht ganz in dieser Ge⸗ schwindigkeit wirklich ausführen lassen, da man noch einige Zeit für die Ein⸗ und Ausschiffung der Passagiere und des Gepäcks rechnen muß, auch muß man wohl in Poko⸗ hama zwei Tage vor Abfahrt des Parcifischen Dampfers eintreffen, um diesen nicht zu verfahren. Man kann jedoch mit ziemlicher Genauigkeit behaupten, daß man heute die 360 Längengrade des Erdumkreises in rund 60 Tagen durchmessen kann. Das ist die Gegenwart. Aber es ist schon jetzt mit Bestimmtheit auszusagen, daß in einer nahen Zukunft, sagen wir in 20 Jahren, die Weltreise bedeutend kürzer sein wird. Nach Vollendung der großen Eisenbahn durch Sibirien wird man in 12 Tagen von Paris bis zum Stillen Ozean gelangen, dann bei der heutigen Geschwindigkeit der Dampfer in 11 Tagen nach San Franzisko, in 4 Tagen nach Newyork und in 7 Tagen von dort nach Paris zurück also zusammen nur 34 Tage.

Unser Sonnensystem und die Firsterne. Ueber die Geschwindigkeit, womit siey die Fixsterne auf uns zu oder von uns fort bewegen, war es nach lang- jährigen vergeblichen Versuchen auf der Greenwicher Sternwarte neuerdings auf dem Potsdamer Observatorium gelungen, durch photographische Aufnahmen der Stern⸗ spektra sehr genaue Ergebnisse zu erzielen. Von einer großen Zahl der helleren Fixsterne ist es danach bekannt geworden, um wie viel Kilometer sich diese Himmelskörper in jeder Sekunde von uns entfernen, oder um wie viel

Boden sank. Der photographische Wandatlas der

sie sich uns nähern. So ergab sich, daß der hellste Stern am Himmel, Sirius im großen Hunde, sich uns in jeder

Sekunde um 16 Kilometer nähert, und Procyon im kleinen Hunde um 9 Kilometer. Dagegen entfernt sich der hellste Stern im Stier, Aldebarun um 49 Kilometer in jeder Sekunde von uns, und die helle Kapella im Fuhrmann um 24 Kilometer in der Sekunde. Der Polarstern nähert sich uns um 26 Kilometer in jeder Sekunde, während sich der helle Stern in der nördlichen Krone, Gemma, um 32 Kilometer von uns entfernt. Die helle Spica in der Jungfrau nähert sich uns um 16 Kilometer, der hellste Stern im Adler, Atair sogar um 37 Kilometer in der Sekunde. Vor Kurzem ist es aber dem Amerikaner J. E. Keeler gelungen, diese Fortschritte in der Kenutnis der Bewegungen der Himmelskörper noch bedeutend da⸗ durch zu erweitern, daß er zum ersten Mal diese Unter⸗ suchungen mit bestem Erfolg auf jene ferne Nebelwelten ausbehnte, die man als Bildungsstätten neuer Weltkörper betrachtet. Diese schwierigen Messungen der durch die Ge⸗ schwindigkeit verschobenen Spektrallinien gegen ihre Nor⸗ mallage haben bei dem wundervollsten Gebilde am ganzen Himmel, dem berühmten Orionnebel, erkennen lassen, daß sich dies Objekt mit einer Geschwindigkeit von 18 Kilo⸗ metern in der Sekunde von uns entfernt, und zwar be⸗ trägt die Unsicherheit dieser Bestimmung nicht viel mehr als 1 Kilometer. Dies Ergebnis ist noch besonders da⸗ durch merkwürdig, daß es feststellt, der Orionnebel bewegt sich mit derselben Geschwindigkeit von uns fort, die den hellen Orionsternen im Durchschnitt zukommt. Bei mehreren anderen von Keeler gemessenen Nebelflecken sind aber noch bedeutend größere Geschwindigkeiten zu Tage getreten; so fand er bei einem eine Fortbewegung von 48 Kilometern, bei einem anderen eine Annäherung an unsern Standpunkt von 65 Kilometern in jeder Sekunde.

Das Dukatenbad. Wie dieBosnische Post berichtet, ist seit 29. Juli der Einwohner von Zolo m im Nevesinjer Bezirk, Stojan Cabrilo, spurlos verschwunden. Die Nachforschungen, die nach ihm angestellt wurden, er⸗ gaben, daß Cabrilo ein Opfer seines Aberglaubens ge⸗ worden sein dürfte. Er hatte sich schon lange darüber gekränkt, daß seine Ehe kinderlos sei und deshalb leicht den Worten eines Nachbars, Namens Marko Boskovices, Glauben geschenkt, der ihm riet, er solle in einem Wasser, in dem sich Dukaten befänden, baden, dann werde seine Frau sicher ein Kind bekommen. Cabrilo nahm that⸗ sächlich am Tage seines Verschwindens hundert Stück Dukaten zu sich und entfernte sich mit ihnen. Es tauchte nun sofort der begründete Verdacht auf, daß Boskovies dem leichtgläubigen Bauern nur deshalb riet, Dukaten mit sich zu nehmen, um sich dann derselben zu bemäch⸗ tigen. Da Jabrilo nicht mehr zurückkehrte, wurde an⸗ genommen, daß er nicht nur seine Dukaten, sondern auch sein Leben verloren habe. Diese Annahme hat nun ihre Bestätigung erhalten. Wie nämlich aus Nevesinje ge⸗ schrieben wird, haben vor einigen Tagen Gendarmen im Walde Debelaljut auf der Crvanj Planina den Leichnam Cabrilos gefunden. Derselbe wies deutliche Spuren eines gewaltsamen Todes auf, und es kann kein Zweifel mehr bestehen, daß Cabrilo ermordet worden sei. Boskovies befindet sich schon seit Wochen in Haft, leugnet aber jede Schuld.

Letzte Nachrichten.

Gießen, 20. Nov. Eine elektrische venetianische Gondel bahn ist hier einge troffen, um für die nächsten Tage etwas Leben in die seitherige Eintönigkeit auf unserem städ⸗ tischen Juxplatz zu bringen. Diejenigen, die sich seither den Luxus einer Gondelfahrt auf dem Golf von Venedig noch nicht leisten konnten, werden von morgen ab Gelegenheit haben, für 10 Pfg. auf Os walds Garten zugondeln. Die Bahn, die viele Aehnlichkeit mit einer sog. Berg⸗ und Thalbahn hat, wird mittelst Dampf maschine betrieben und ist von elegantem Aeußeren.(Siehe Inseret.)

n. Krofdorf, 20. Nov. Eine häßliche Scene spielte sich gestern Nachmittag in unserem Orte ab. Ein Reitersmann aus Gießen, der einen Spazierritt nach hier unternommen, hatte anscheinend des Guten zu viel gethan. Zu Pferde sitzend, geberdete er sich wie wütend und attakierte die Straßenpassanten. Einige Leute verfolgte dieser Herr bis in die Gehöfte hinein. Man mußte flüchten, um nicht unter die Hufe des Pferdes zu kommen. Der Ortspolizei, die seinem Gebahren Einhalt gebieten wollte, drohte derwilde Reiter, er werde sie nieder- rennen. Schließlich mußte der Gensdarm ge⸗ holt werden, um dieser widerlichen Scene ein Ende zu machen.

Eingesandt. Staufenberg, 19. November.

Obwohl Staufenberg schon seit dem Jahre 1876 eine Wasserleitung besitzt, so muß doch die Anlage der Brunnen als sehr mangelhaft bezeichnet werden. Da man bis heute noch in 3 Ortsstraßen überhaupt keinen Brunnen hat, so sind die Bewohner dieser Straßen genötigt, ihren ganzen Wasserbedarf auf große Entfernungen herbeizuschaffen. Bis anfangs dieses Jahres hatten wir im ganzen Orte nur vier Brunnen. Im Laufe der letzten Jahre hat sich Staufenberg nach allen Seiten vergrößert, weshalb sich u. a. ein Teil der Bewohner dos unteren Ortsviertels genötigt sah, bei der Geme inde⸗ vertreiung wegen Anlegung eines Anschlußbrunnens nach⸗ zusuchen, da ihre Wohnungen von dem nächsten Brunnen 300350 Meter entfernt waren. Die Gemeindever⸗ tretung beschloß hierauf, einen Anschlußbrunnen im frag⸗ lichem Ortsviertel aufzustellen, jedoch wurde dieser Brunnen so aufgestellt, daß ein Teil der Bewohner ihr Wasser immer noch 100 150 Meter weit zu tragen hat. Hätte man diesen Brunnen in der Mitte der betreffen⸗ den Häuserreihe hergerichtet, dann wäre wenigstens in einem Teile unseres Ortes Abhülfe geschaffen. Wer die unebene Lage Staufenbergs kennt, der wird sich leicht denken können, mit welcher Mühe, hauptsächlich im Winter, wenn die Straßen voll Eis sind, ein großer Teil der Einwohner seinen Wasserbedarf für Menschen und Vieh von den weit auseinanderstehen⸗ den Brunnen sich herbeischaffen muß. Da sich un sere Ge⸗ meinde bekanntlich in guten finanziellen Verhältnissen be⸗ findet, so wäre es doch sehr zu wünschen, wenn Staufen⸗ berg bald in die glückliche Lage käme, in jeder Straße, bezw. in den entsprechenden Entfernungen, einen Brunnen zu besitzen. Es handelt sich doch nur um Anschluß⸗ brunnen an die bestehende Leitung und um einen ein⸗ maligen Kostenaufwand.

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Standesamtliche Nachrichten. 6 und Geburten. J bene ie

um 8. Nov. Den Schlesser Gustao Nel en Sehn, ge. Ernst Karl Emil Wilhelm. 9. Dem Glasermeistn, 1 Wese 1 fe Balthasar Bierau eine Tochter, Karoline. Dem Buch⸗ Ig fal gun,

halter Karl Friedrich Gemmecker ein Sohn. 11. 5 m Spenglermeister Christian Arnold ein Sohn. 12. 9 1 dn 1 0 Arbeiter Franz Rentmeister ein Sohn, Heinrich Karl ge

Joseph Franz. 14. Dem Hilfsweichensteller

Joseph Simmer eine Tochter, Johanna. Dem Taglöhne: ume

Wilhelm Gelzenleuchter eine Tochter, Frieda Christlane Teka 9

Dem Stabsarzt Leo Richter ein Sohn, Leo Nichd bee le 1 dun 6. Ju

Julius. 15. Dem Pfarrer August Dingeldey ein Sohn. n b. enn Dem Kaufmann Jacob Jung ein Sohn. 16. 8 17 edge ang Schreiner August Böcher ein Sohn, Otto. Dem Grave: L dagegen Eduard Michaelis eine Tochter. ö 255 an e hn nämli

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Aufgebote. n ace, zwischen Am 16. Nov. Wilhelm Maximilian Zwesch, Kamm. Pnfts gehn feger dahier, mit Wilhelmine Louise Emma Schweitzer 0 N 0 5 Weilburg. Ludwig Josef David van Engelen, Schlosser dahter, mit Dorothea Neusel zu Niederwetter. Josey Zeiler, Kellner zu Usingen, mit Lisette Antonie Sommer aße daselbst. 17. Emil Friedrich Richard Schudt, Am fre uh richter zu Homberg a. d. O., mit Wilhelmine Lina Natalle Eunsiabe, N dert Emma Weiffenbach hierselbst. 5 b. dwisch Eheschlieungen. blurzer Am 13. Nov. Dr. Ludwig Jakob Karl Hermann aße(urch Römheld, Oberarzt zu Heppenheim a. d. B., mit Pauline ee aabeperwe

Emilie Louise Bapst hierselbst. Johann Niepoth, Institus⸗ ed. wie 0 dem

Diener dahier, mit Margarethe Fuchs hierselbst. 17 in un 1 Heinrich Friedrich Ferdinand Jung, Kellner zu Aschaffen⸗ H wit burg, mit Elisabethe Becker dahier. Halktobe,, iche Sterbefälle. debe, ze

Am 13. Nov. Gustav Martin Hofmann, 70 Jahre ebulag wische alt, großh. Landgerichtsdirektor i. P. dahler. Elisabethg Alk 91 der Panz, geb. Momberger, 50 Jahre alt, Ehefrau des Dach⸗ 0 Wiesen, deckers Hermann Philipp Ludwig Panz dahier. 1 bun, ii

Anna Elisabethe Mahr, geb. Schwalb, 82 Jahre i dicherstraße, Privatin dahier. Karl Feldhaus, 54 Jahre alt, L e wichen dahier. Philipp Henß, 49 Jahre alt, Bahnarbelter dahg., a 16. Louis Kuttner, 50 Jahre alt, Handelsmann; fed, Bellersheim. 17. Eugen Levi, 7 Monate alt, Sof Kabahn v des Schirmfabrikanten Moses Levi dahier. 18. Erne⸗ Ulneg, ie, zie stine Johanna Julie Bertha Kaiser, 33 Jahre alt, Tochle dag des Prlvatmanns Wilhelm Kaiser daher. 19. Sohle Tünsuß, wis Bindewald, geb. Schmidt, 64 Jahre alt, Lehrerswine. Melange von Dreieichenhain.

1 dbenfraße, nordwe

haßt, 9 Auszug aus den Kirchenbüchern ee

2 4 1 ergasse, der evangelischen Gemeinde. N ai, wüten 9 Matthäusgemeinde. 6 Trauungen.

Am 17. November. Heinrich Friedrich Ferdinand Jung, Kellner zu Aschaffenburg, mit Elisabethe Becker zu

Gießen. Beer digte.

Am 15. November. Gustav Martin Hofmann, Land⸗ gerichts⸗Direktor i. P., verheiratet, 70 Jahre alt, starb am 13. November.

Am 16. November. Anna Elisabethe Mahr, geb. Schwalb, Witwe des verstorbenen Bahnwärters Philiyp

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In der Süitung des Oer e babroisse ist im Deze ani an Id arme Fam Talbungen werden a Tann. d. Mt. ent,

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6 Am 1 November. Elisabethe Panz, geb. Mom⸗ der erger, efrau des Dachdeckers Philipp Ludwig Pam,

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Am 14. November. Dem Schneider Seibert Möhl eine Tochter, Mathilde Karoline, geb. am 20. September.

Denselben. Dem Glaser Heinrich Baum eine Tochter, Anna, geboren am 21. September.

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Denselben. Dem Taglöhner Justus Wenzel ein Sohn, Wen d fer Heinrich Emil, geboren am 9. Oktober. in N fal

Beerdigte. Am 16. November. Karl Feldhaus, Tapezierer, ein Witwer, 54 Jahre alt, starb am 14. November. Denselben. Philipp Henß, Bahnarbeiter, verhelratet, 49 Jahre alt, starb am 14. November.

Neueste Telegramme.

Hd. Posen, 20. Nov. Die hiesige Polizeibehörde untersagte die für morgen angekündigte Aufführung der DramenKaspar Karlinski von Kondratrowicz und dieKonföde⸗ N

N

bund er lab, und orf Wassgenesescen in Darn lerer Mahadtichtigur Hecsen den Ja Rovem Saßhenegl. Bütger

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Gießen, Gar kugchot der fl

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Hd. Rom, 20. Nov. Bei einem in Verona e dure, stattgehabten Duell auf Säbel zwischen einem en, Feat Maler und dem Chefredakteur eines Blattes er 1 Une! hielt der letztere eine schwere Wunde. Auch der i Maler wurde verletzt.

Hd. London, 20 November.Daily Telegraph meldet aus Wien, daß dem türkischen Gesandten

seit mehreren Monaten kein Gehalt ausbezahlt eter, 4 worden sei. 0 an 177855 un Hd. London, 20. November. Eine graßee n Tah.

Feuersbrunst wütete gestern in der Citg. n de h

Etwa 300 Warenlager sowie eine Kirche sind en, I fg. niedergebrannt. Der Schaden dürfte sich auf Na ohen do 125 Millionen belaufen. 0 5 fir dez

Hd. Sosiia, 20. Nov. Im Prozeß gegen kehre die Mörder des Dichters Constantinog Ute, 2 dich wurden Minkow und Topalow zum Tode, die d Keen übrigen Schuldigen zu schwerem Kerker ver⸗ 3 80

urteilt.

Hd. Kaunea, 20. Nov. Die Einschiffun des deutschen Truppendetachements auf dieKaiserin Augusta vollzog sich gestern unter ehrenden militärischen Kundgebungen seitens der türkischen und der übrigen Truppenabteilungen. DieKaiserin Augusta wird in Suda weitere Befehle erwarten. f

Marfipresse. ö Jae Gießen, 20. November. Auf dem heutigen Wochen 3 f.

ö f

markt kostete: Butter per Pfd. 1, 1,10 Mk., Hühnereler per St. 79 Pfg., Enteneier 7 Pfg., Gänseeier 12 Pfg. Käse 49, Käsematte 3, Erbsen per Liter 20, Linsen 30 Pfg. Tauben per Paar 0,50 0,65, Hühner per St. 901.10, Hahnen 60 1,00, Enten 1,602 Mk., Gänse per Pfund 4656, Ochsenfleisch 6674, Kuh⸗ und Rindfleisch 60 bis 66, Schweinefl. 64 72, Schweinefl., gesalzenes 76, Kalbfleisch 6064 Pfg., Hammelfleisch 50 60, Kartoffeln pro 100 Kilo 4,505,00 4, Weißtraut per Stück bis 10&, Zwiebeln per Zentner 6,00 4, Milch per Liter 16 Pfg. 7

4 Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. dtedal teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. 7 1

Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 18.