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Entree 20 Pfg. er Vorstand.
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Gießen, Sonntag, den 21. Februar
1897.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
Adeszeikung.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: 4 Kreuzplatz Nr. 4.*
Lofales und Provinzielles.
* Gießen, 20. Febr. An Eltern und Vormünder. Bekanntlich hat sich im Buch⸗ druckgewerbe nahezu die Gesamtheit der Prinzi⸗ pale und Gehilfen vereint und erstere sich verpflichtet, für die Folge nur solchen Gehilfen Anstellung in ihren, also gerade in den besseren Geschäften zu geben, die in einer Druckerei ge⸗ lernt, dessen Inhaber: 1. den deutschen Buch⸗ druckertarif beim Tarifamt der deutschen Buch⸗ drucker durch eine schriftliche Erklärung arerkannt hat und 2. die Lehrlingszahl der im deutschen Buchdruckertarif aufgestellten Lehrlingsskala ein⸗ hält. Für Eltern oder Vormünder entsteht nun die Pflicht, falls sie Knaben dem Buchdrucker⸗ beruf zuführen wollen, sich unter allen Umständen zu bergewissern, daß der Lehrprinzipal auch wirklich den deutschen Buchdrucker— 1 anerkannt hat. Das sollten Eltern und Vormünder beachten, namentlich mit Rück⸗ icht auf den nahenden Ostertermin, wo die der Schule entwachsenen Knaben den Berufen zu— Fiat werden. Die eingesetzte Tarifbehörde im
uchdruckgewerbe wird streng darauf achten, daß diese Schutzmaßnahme gegen unlautere Konkurrenz und Lehrlingszucht straff gehandhabt wird, und ermahnt deshalb Eltern und Vormünder ein⸗ dringlichst zur Vorsicht bei Anmeldung der Lehr⸗ linge zum Buchdruckerberuf. Sicherste Auskunft über sämtliche Gießener und auswärtige Firmen erteilt kostenlos und bereitwilligst der Vorsitzende des Bezirks⸗Vereins Gießen, Verband der deutschen Buchdrucker, Herr G. Gemmecker, Gießen, Westanlage 44.
Gießen, 20. Februar. Im Dienste des Militarismus. Das großh. hess. Be⸗ e J in Darmstadt hat dem„Rad⸗ ahrerverein Darmstadt“ zum Depeschen⸗ dienst im Mobil machungsfalle ver⸗ pflichtet.
Gießen, 20. Februar. Blutvergif⸗ tung durch eine Stahlfeder. Vor etwa 5 Jahren wurde das damals Sjährige Söhnchen eines Arbeiters in Seligenstadt von einem Schulknaben mit einer Stahlfeder in das rechte Unterbein gestochen. Nur mit großer Mühe konnte damals der verletzte Knabe von Blulver⸗
gerettet werden. Inzwischen aber
* Mang kränkelte das Kind fortwährend und gestern
mußte der Junge nach Frankfurt verbracht werden, wo eine schwere Operation des verletzten Beines stattfinden soll. Der bedauerliche Vor⸗ fall mag die mutwillige Jugend zur Vorsicht beim Gebrauche der Schreibfedern mahnen.
8 Gießen, 20. Februar. Ortskranken— kassen und Zahnplomben. Aus Berlin wird berichtet:„„Nach einer Entscheidung des hiesigen Landgerichts 1 haben die Ortskranken⸗ kassen u. s. w. für ihre Mitglieder die Kosten der Zahnplomben zu tragen. Das Plombieren kranker Zähne fällt unter den gehe der ärzt⸗ lichen Behandlung. Daß den hiesigen Kranken- lassen beis ihrer bedeutenden Mitgliederzahl bei —.————
Erscheint täglich mit Ausnahme Prris der Ant 10
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der großen Verbreitung von erhebliche Kosten entstehen, ist allerdings nicht zu verkennen. Dies kann aber ihre gesetzliche Leistungspflicht nicht beseitigen. Selbstverständlich wird bei dem Plombieren der Zähne nur das billigste Füllungsmaterial zu verwenden sein, denn es hat nicht im Sinne des Gesetzes gelegen, den Gemeinden und Krankenkassen kostspfelige und unerschwingliche Leistungen aufzuerlegen. Ein Anspruch auf eine Goldplombe z. B., deren Wert. die Kosten der zu leistenden ärztlichen Thätigkeit erheblich überschreiten würde, besteht für die Versicherten jedenfalls nicht.
3 Gießen, 20. Febr. Den ersten Früh— lingsboten in Gestalt eines Schmetter⸗ lings(Zitronenfalter), den er am Rande des Stadtwaldes gestern Mittag gefangen, hat uns einer unserer Leser abgeliefert. f
5 Gießen, 20. Febr. In der kommenden Woche findet in der Kunst⸗Ausstellu ng ein Gemälde-Wechsel statt. Es kommen u. a. zur Neuausstellung eine Reihe Bern hard Mannfeldscher Pastelle und Radierungen.
Grünberg, 19. Februar. Gestern Nach⸗ mittag verunglückte in der hiesigen Molkerei ein junger Mann von 17 Jahren beim Drehen der sogenannten Quarkmühle. Der linke Daumen wurde fast abgequetscht.
„ Bad Nauheim, 19. Februar. Eine wichtige Prinziplenfrage sollte am Montag zur Entscheidung kommen. Der hiesige Ge⸗ meinderat hat ein für allemal für Gelände, das in eine neu anzulegende Straße fällt, einen festen Preis von drei Mark für einen Quadratmeter festgesetzt, einerlei was der Eigentümer des angrenzenden Bauplatzes selbst dafür angelegt hat. Ein Hauseigentümer hat nun 15 Mk. für den Quadratmeter verlangt und blieb trotz längeren Verhandlungen auf diesem Preise bestehen. Es kam zum gesetzlichen Enteignungsverfahren und blieben auch hier die Interessenten auf ihren Ansätzen bestehen. Sollte auch der Provinzialausschuß, an welchem die Sache im Instanzenzuge erwächst, keine gütige Verstäudigung erzielen, so wird das dann einzurufende Civilgericht die Sache zur endgil⸗ tigen Entscheidung bringen.
Nidda, 18. Februar. Der Pferdever— sicherungsverein für Nidda und Um⸗ gegend, der sich eines immer größeren Zuwachses erfreut, hielt am Sonntag seine diesjährige Generalversammlung im Gasthaus„Zur Traube“ hier ab. Zunächst wurde die Rechnung abge⸗ hört und ergab sich eine Einnahme von 5969 4 55&, eine Ausgabe von 5505& 07&. Es wurden an Schäden ausgezahlt 2970 4 an 10 Pferdebesitzer. Der Verein hatte Ende 1896: 322 Mitglieder mit 588 versicherten Pferden im Werte von 307130 4, Ende 1895 waren es 306 Mitglieder mit 568 Pferden im Werte von 300 730, mithin ist eine Zunahme von 16 Mitgliedern mit 20 Pferden eingetreten. Das Vereinsvermögen beträgt(in bar und angelegten
Zahnkrankheiten
Geldern) 13 996 1 55; Ende 1895 waren
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der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
für die Fspaltige Beiltzeile
Expedition:
* 2 Kreuzplatz Nr. 4.
es 13661 A4 23, mithin eine Zunahme von 335. 32 H. Es wurde noch einstimmig be⸗ schlossen, daß bei versicherten Pferden, die an Milzbrand verenden, mit Rücksicht auf das neue Gesetz, betreffend die Entschädigung für an Milzbrand und Rauschbrand gefallene Tiere, keinerlei Entschädigung aus der Vereinskasse ge⸗ leistet wird.(D. Z.)
* Offenbach; 19. Febr. Mit dem 1. April wird das hier garnisonierende 4. Bataillon des 4. großh. Inf.⸗Regts.(Prinz Carl) Nr. 118 von hier an seinen künftigen Garnisonsort Worms übersiedeln und an dessen Stelle das erste Bataillon des neu zu bildenden In— fanterie-Regiments Nr. 167 mit dem Stab und der Regimentsmusik hier seinen Einzug halten. Aus diesem Anlaß hat die Stadtverordneten— versammlung in ihrer letzten geheimen Sitzung beschlossen, für das scheidende Bataillon eine entsprechende Abschiedsfeier zu veranstalten, und soll hierzu ein Betrag von 2500 Mark be— willigt worden sein. Die Feier wird in einem Abschiedsessen für die Offtziere und in Bewirtung der Maunschaften bestehen. Der Rest des be⸗ willigten Betrags wird der Jubiläumsstiftung des Regiments überwiesen werden.
Mainz, 19. Februar. Ein junger Mann, der in einem hiesigen Bankgeschäft auf einen von ihm gefälschten Wechsel 600 l erhoben hatte, wurde verhaftet.
* Oberwetz(Kreis Wetzlar), 19. Febr. Ein schwerer Unglücksfall hat sich dieser Tage in einem der hiesigen Gemeinde gehörenden Stein— bruch zugetragen. Mehrere Leute waren in dem Bruche mit Steinbrechen beschäftigt als sich plötz— lich eine Masse loslöste und auf die Arbeitenden niederstürzte. Zwei der Arbeiter, die Ackerer Joh. Hellhund und Heinr. Biehl wurden von dem niederfallenden Gestein getroffen und der Erstere so schwer verletzt, daß er am anderen Morgen verstarb. Die Verletzungen Biehls sind zwar ebenfalls erheblich, doch dürfte er mit dem Leben davon kommen. Der Unglücksfall trifft die bedauernswerte Familie des verstorbenen Hellhund außerordentlich hart, um so härter, als die Familie keinerlei Ansprüche auf die Unfall⸗ versicherung oder eine sonstige Kasse besitzt. Der Verstorbene war nämlich, wie uns mitgeteilt wird, in seinem Hauptberufe Ackerer und schlug seine Familie, so gut und schlecht es eben gehen mochte, mit dem kärglichen Ertrage durch, den ihm die harte Arbeit auf meist gemietetem Pacht⸗— land einbrachte. Im Winter nahm er dann, um auch in dieser Zeit etwas Geld zu verdienen, das Brechen von Steinen in Akkord— er war also Unternehmer und Arbeiter in einer Person und deshalb nicht versichert. Dabei hinterläßt der Mann außer seiner Witwe noch 8 Kinder, von denen das jüngste kaum 2 Monate alt ist. Die Armut war schon vorher sehr groß,, das Elend wird unbeschreiblich werden, wenn nicht mildthätige Herzen und Hände Hilfe bieten. Wir
unterstützen daher den im Inseratenteil dieser
An gen om me u. Humoreske von Graf Günther Rosenhagen. (Nachdrud verboten.)
1(Fortsetzung.)
ö Aber der Herr Geheimrat ließ sich seine Be— denken nicht so leicht verjagen, er glaubte dennoch Recht zu haben mit seiner Vermutung— und er hatte auch recht.
Am Tage, bevor Alfred nach Beendigung seines Urlaubs— er war Assistenzarzt an einer großen berliner Klinit— wieder abreiste, war es zwischen den Brautleuten zu einer ernsthaften Auseinander- sitzung gekommen.
g Ellen war ein sehr kluges, aber auch ein sehr
unn derwöhntes Mädchen. Von ihren Eltern abgöttisch
liebt, deuchte es ihr selbstverständlich, daß jeter Ihrer Wünsche erfüllt wurde; was sie haben wollte, burde angeschafft und was sie nur immer begehrte, bar zur Stelle, sobald sie nur ein Wort gesagt lutte. Widerspruch, ein Nichterfülltwerden ihrer Büͤnsche kannte sie gar nicht— sie war es ge⸗ bgohnt, daß Alles ihr zu Füßen lag und that, was fte wollte.
Der Einzige, der es in neuerer Zeit wagte, ir Opposition zu machen, war derjenige, den sie en meisten auf der Welt liebte, ihr Verlobter. Alfred war von Haus aus mittellos, er bezog ein Ates Gehalt und glaubte annehmen zu können, duß er später eine gute Praxis erhielte— deunoch gelt er es aber eines Tages für notwendig, seine
Vraut in liebevollen, aber sehr ernsten Worten drauf aufmerksam zu machen, daß sie späterhin, Mun sie erst seine Frau sei, nicht mehr mit der-
selben Sorglosigkeit Geld werden ausgeben können, wie sie es jetzt thäte; sie müsse bei Zeiten daran denken, sparsamer zu werden, vor allen Dingen aber nicht mehr solchen Luxus in Toiletten treiben wie bisher.
„Du hast leider Gottes keine Ahnung von Geld und Geldeswert— nur wer sich den Mammon verdienen muß, weiß ihn zu schätzen.“ Und als sie etwas pikiert aufgelacht hatte, war er fortgefahren: „Du scheinst mir nicht zu glauben, frage Deinen Vater oder noch besser, versuche doch einmal selbst irgend etwas zu verdienen— allerdings gehe ich gleich von vorneherein jede Wette mit Dir ein, daß Du nie den Versuch machen wirst und daß, wenn Du es dennoch ersuchen solltest, alle Deine Be— mühungen vergebens sein werden.
Ihr Trotz war erwacht.
„Was gilt die Wette?“
„Was Du willst.“
Da hatte sie nach einigem Zögern geantwortet: „Tod oder Leben“ und als er sie erschrocken ansah, hatte sie hinzugesetzt:„Ich fühle, daß Du Vieles an mir auszusetzen hast— Du hoffst, daß das sich später in der Ehe ändert, Du hoffst es, aber Du glaubst selbst nicht daran. Die Wette gilt, ich will versuchen, sie zu gewinnen, gelingt es mir, so werde ich die Deine, wenn nicht, so trennen wir uns noch bei Zeiten, denn ich will nicht eine Ehe eingehen mit dem Bewußtsein, eine Frau zu sein, die das Geld ihres Gatten vergeudet.“
Erschrocken war er aufgesprungen und hatte sie gebeten und angefleht, ihre Worte zurückzunehmen; er hatte sie launis d uns kindisch gescholten, ihr auseinandergesetzt, daß eine Verlobung zu ernst sei,
—.—
Nummer abgedruckten Hilferuf erklären uns gern bereit, Gaben für die so schwer heimgesuchte
Familie in Empfang zu nehmen.(W. Anz.) Vermischtes. — Der Kirchenbrand in Dresden. Ueber
den Brand der Dresdener Kreuzkirche lesen wir in Dres⸗ dener Blättern: Das Feuer in der erst im Jahre 1896 erneuerten Kirche entstand am 16. d. Mts. während einer Trauung, vermutlich infolge eines Schadens der Heizungs⸗ anlage oder an einer Esse im Dachstuhl. Den Brand auf das mit Kupfer gedeckte Dach zu beschränken, gelang trotz aller fast übermenschlichen Anstrengungen nicht. Nach dem Einsturz der beiden Deckgewölbe wütete daß Feuer im Innern der Kirche weiter. Glücklicherwelse herrschte Windstille. Der Türmer, der 25 Jahre seines Amtes gewaltet, konnte aus der Gefahr des Erstickungs⸗ todes noch gerettet werden, indem er sichz am Blitzableiter herunterließ. Auch die Feuerwehrleute, die bis zuletzt mit Todesverachtung auf dem Dachsims ausgehalten, wurden außer Gefahr gebracht. Die ganze Kreuzkirche samt. Turm brannte vollständig gaus. Das Feuer griff zunächst in den Glockenstuhl hinüber. JSeit vielen Jahren hat kein Ereignis Dresdens Bevölkerung so bewegt, wie die Vernichtung ihrer ersten protestantischen Pfarrkirche. Von Nah und Fern drängten sich die Menschen herzu, um das grausig⸗schöne Schausplel des brennenden Gotteshauses zu betrachten. Schon früher wurde die Kirche mehrmals durch Feuer und zuletzt durch Beschießung zerstört. Das jetzt in Trümmern liegende Gebäude wurde 1764—85 neu errichtet.— Wie wir einer zweiten Schilderung ent⸗ nehmen, bildete die Rettung des Turmwächters einen Augenblick der erregtesten Spannung. Auf dem Turme hatten zwei Wächter die Tagewacht. Einer begab sich kurz vor ½5 Uhr zur raucherfüllten Treppe hinab, während der Andere, auf die Sicherheit des Turmes pochend, auf seinem Posten verblieb und noch /5 Uhr durch die Viertelglocke seine Anwesenheit verkündete. Immer reicher entfalteten sich die Rauchmassen und höher schlugen die Flammen, als der Mann auch seinen Rück⸗ weg antreten wollte. Zu spät! Ein giftiger Schwaden und rußige Rauchwolken drangen eben in das Glocken⸗ haus und von da zur Türmerwohnung, diese durchbrechend und das Freie suchend. Mit atemloser Spannung ver⸗ folgte man die Bewegungen des Mannes, der auf der Turmgallerie ängstlich umherirrte. Die Feuerwehrleute hoben zwei mächtige Steigleitern zum Sims der Kirche und wollten damit dem Bedrängten zu Hilfe kommen. Da durchzuckte die Masse ein Schrei. Der Türmer schwang sich über die Brüstung der Gallerie, erfaßte den Blitzableiter und kletterte an ihm hinab, bis ihm die Feuerwehrleute beistehen und ihn in Sicherheit bringen konnten. Weiter griff das zerstörende Element um sich und vernichtete binnen wenigen Stunden das Gebälk der Kirche. Einen schaurig schönen Anblick gewährte es, wenn der Grünspan des Kupferdaches wie Baryt in grünem Feuer aufleuchtete, dann dunkelrot wurde und schließlich die Flammen hervorbrachten. Niemand ahnte, welche furchtbare Verheerung das Feuer im Innern der Kirche bereits angerichtet. Kurz vor 6 Uhr entstand, während man noch mit der Rettung der Kirchengeräte und der Kirchenbücher beschäftigt war, ein Bersten und Krachen, dann erfolgte ein tosendes Zerreißen von Mauer⸗ wänden und Gewölbeteilen, und der herrliche Bau, der Stolz der Dresdener Kirchengemeinde, war ein glühender Schutt⸗ und Trümmerhaufen, aus dem Feuersäulen und Rauchwölken zur Höhe stiegen.— Die Kreuzkirche, Dres⸗ dens erste protestantische Pfarrkirche, war im 7jährigen Kriege beim Borbardement Dresdens in Trümmer ge⸗
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—.
um sie eines tollen Einfalles zwegen wieder aufzu⸗ lösen, ach, was hatte er nicht alles gesagt, um sie umzustimmen! Alles vergeblich und ihr letztes Wort war gewesen:„Ich werde Dir beweisen, daß ich nicht nur Geld auszugeben, sondern es auch zu ver⸗ dienen verstehe— und wenn nicht, so werde ich Dich rechtzeitig von einem solch teuren Luxusartikel, wie ich es bin, befreien.“
Acht Wochen waren seit dieser Aussprache ver⸗ gangen, acht lange Wochen, in denen sie auch nicht für eine Sekunde etwas anderes gedacht hätte, als: „Geld, Geld.“ Lange schon bereute sie die in der Ueber zilung gesprochenen Worte; aber Trotz und verletzte weibliche Eitelkeit hielten sie ab um Ver⸗ zeihung zu bitten.
Was hatte sie nicht alles angefangen, um Geld zu verdienen— auf welche Gedanken kommt nicht ein Weiberherz, das um den Geliebten kämpft. Und Ellen liebte ihren Verlobten mit der ganzen Glut und Leidenschaft ihres Herzens— wie sehr, das merkte sie jetzt erst, da die Gefahr drohte, ihn für immer zu verlieren.
Noch vier Wochen, daun war die Frist, die sie sich selbst gesteckt, abgelaufen. Was sollte sie an fangen und beginnen, was sie nicht schon versucht hätte! Au alle Frauenzeitungen hatte sie sich mit der Frage gewandt:„wie kann ein hübsches, ge— sundes, kluges, mufikalisches Mädchen, das das Elternhaus nicht verlassen kann um eine Stellung anzunehmen, sich Geld verdienen?“ An Autworten und guten Ratschlägen hatte es bei der Liebens— würdigteit der Redaltionen nicht gefehlt;„sticken Sie“,„fertigen Sie Prallinses“,„geben Sie Klavier
stunden“,„lesen Sie einer alten Dame vor“,
„geben Sie Sprachunterricht“, frisieren Sie in und außer dem Hause“,„werden Sie Zahnärztin“, „gründen Sie eine Kochschule, natürlich vorausge— setz', daß Sie selbst kochen können“,„fertigen Sie künstliche Blumen“,„werden Sie Telephonistin, ob gleich die Aussichten hierzu sehr gering sind“,— ach, was war ihr nicht alles geraten worden, aber nichts fand ihren Beifall, keinen der guten Rat- schläge konnte sie befolgen, weil sie vergessen hatte bei der Anfrage an die Redaktionen den Zusatz zu machen:„wie kann ich mir Geld verdienen, ohne daß die Eltern oder sonst irgend Jemand erfährt, daß ich für Geld arbeite?“
Kein Mensch durfte etwas davon wissen, kein Mensch, das ging nicht an, wenn sie nicht ihren Eltern und sich selbst die gesellschaftliche Stellung untergraben wollte. Für Geld arbeiten— wenn das Jemand erführe, man würde sie zuerst aus— lachen, daun aber allmählich den Verkehr mit ihr abbrechen,„denn mit Leuten, die für Geld arbeiten, kann man doch eigentlich nicht uuigehen!“ hörte sie im Geiste die Freundinnen sagen— und die Freun⸗ dinnen, die mußten es ja wissen, die verkehrten ja ebenso wie sie in der Gesellschaft. Ellen war ein kluges Mädchen— aber Klugheit allein reicht nicht immer aus, um sich über die Anschauungen und Sitten, in denen man erzogen ist, hinwegzusetzen. Ellen wollte arbeiten, aber nicht für Geld und sie wollte Geld verdienen, aber nicht dafür arbeiten— aus diesem Dillemma kam sie nicht heraus.
Gortsetzung folgt).
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