Tageszelt. g. 88 Pfg.
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Gießen, Donnerstag,
den 19. August
1897.
Poftztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
Ausgabe
ische Landeszeilun
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion:
. Kreuzplatz Nr. 4.=
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 18. August. Ueber die Frage: Darf der Grundbesitzer fremde Hühner löten, die auf sein Land übergetreten sind? liegt ein Oberlandesgerichts⸗Erkenntnis vor. In bemselben wird der Grundsatz aufgestellt, daß der Eigentümer— Mieter und Pächter sind ihm gleichzustellen— auf seinem Grund und Boden ein fremdes schädliches Tier dann zu töten be⸗ kechtigt ist, wenn ihm nach Lage des Falles nicht wohl zugemutet werden kann, andere Mittel zum Schutz seines Eigentums gegen das Tier in An⸗ wendung zu bringen. In dem zur Entscheidung sehenden Fall war der angeklagte Grundbesttzer, der wiederholt übergetretene Hühner, nachdem er sie vergeblich zu verscheuchen gesucht, erschossen hatte, wegen Sachbeschädigung verur⸗ leilt worden, weil er den ihm bekannten Eigentümer der Hühner nicht vorher ge⸗ warnt hatte. Hätte er dies gethan, oder wäre ihm der Hühnerhalter nicht bekannt und licht mit Leichtigkeit zu ermitteln gewesen, so wäre seine Handlungsweise als berechtigte Selbsthilfe anzusehen gewesen und er wäre freigesprochen worden.
Gießen, 18. August. Sind Gast⸗ und Schankwirte für den Lärmethrer Gäste bekantwortlich? Mit dieser Frage hat sich leuerdings das preußische Kammergericht end⸗ gültig beschäftigt. Zwei Wirte, deren Gäste bis
Ihr nachts gekegelk resp. in nächtlicher Stunde
hel offenen Fenstern laut gesungen und dadurch die Ruhe der Anwohner gestört hatten, waren begen ruhestörenden Lärms angeklagt und in helden gerichtlichen Instanzen verurteilt worden, weil stie den Lärm ihrer Gäste nicht verhindert atten. Auf die von den Verurteilten eingelegte ebiston hat nun das Kammergericht entsprechend der Verteidigung entschieden, daß man die Gäste
felbst und nicht den Wirt für ihr Treiben ver⸗
antwortlich machen müsse. Ein grober Unfug könne nur durch positives Handeln und nicht durch bloße Unterlassungen begangen werden.
Lege man dem Wirt einmal die Verpflichtung zur Verhinderung einer Störung der öffentlichen Ordnung auf, so müsse man ihn auch überall
da bestrafen, wo er es unterlassen habe, einen Gast von der Begehung einer gegen die öffent⸗
iche Ordnung gerichteten strafbaren Handlung abzuhalten. Die angeklagten beiden Wirte wurden danach vom Kammergericht freigesprochen.
* Gießen, 18. Aug. Nachdem die Kirschen⸗ eit beendet, hat eine weitere Periode ihren fang genommen. Birnen, Pflaumen usw. sind
eben der willkommenste Gast, besonders bei unserer Jugend. Daß das Obstessen an und für si gesund ist, ist wohl richtig, aber man beachtet biel zu wenig das Sprichwort:„Allzuviel ist nel In gegenwärtiger Zeit hört man
biel von kranken Kindern und klagen dieselben meist über innerliches Weh. Die Schuld führt man vielfach auf das übermäßige Essen von Obst zurück. Doch das Gefährlichste bei dieser
ch] herunter.
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Preis der Auzeigen: 10 Pfg.
Genuß des Obstes Wasser; natürlich können dann die nachteiligen Folgen nicht ausbleiben. Deshalb habe man auf die Jugend zur jetzigen Zeit so viel wie möglich ein wachsames Auge und gebe den Kindern die nötigste Belehrung darüber.
* Gießen, 18. August. Der städtische Friedhof bleibt, nach einer im heutigen Inse⸗ ratenteil veröffentlichten Bekanntmachung in der Zeit vom 16. August bis 15. Oktober von morgens 6 bis abends 8 Uhr geöffnet. Die auf dem Friedhof Verweilenden werden eine Viertelstunde vorher auf den Thorschluß auf⸗ merksam gemacht.
* Gießen, 18. August.(Besitzwechsel.) Das Gasthaus„Zur Stadt Marburg“ (Ecke der Marburgerstraße und des Wiesecker⸗ wegs) ging für den Preis von 32 000 J. in den Besitz des seitherigen Pächters, Herrn Restau⸗ rateur Berg, über.
* Gießen, 18. August. Der gestrige Kuh⸗ markt hatte einen Auftrieb von etwa 900 Stück, darunter 250 Kälber und Rinder. Es war wieder einmal nach langer Zeit ein echter Gießener Markt, auf dem alle Qualitäten zu finden und auch abzusetzen waren. Trotzdem wenig fremde Käufer zur Stelle waren, ging der Handel doch gleich von Anfang an flott und hielt während der Dauer des Marktes auch an. Der Handel in Fettvieh, welches in guter Gattung aufge⸗ trieben war, ging, allerdings nur für den lokalen Bedarf, sehr flott. Die Preise für Milchkühe hielten sich auf gleicher Höhe wie beim letzten Markt, Fettvieh war am Markt eine Kleinigkeit billiger, wie die Metzger sonst kaufen. Es wurden gehandelt: Kühe, frischmelkend und tragend, 1. Qualität 450— 500&&.(einzelne, sehr schwere Stücke noch höher), 2. Qualität 350— 400 4, 3. Qualität 250300 4. Fette Rinder wurden verkauft 1. Qualität mit 56—58 4, 2. Qual. mit 50—52, Kälber 1. Qual. 56—58 ,, 2. Qualität 50—52. pro Zentner Schlacht⸗ gewicht.— Der neue Viehmarktplatz hat sich bei dem gestrigen trockenen Wetter sehr gut bewährt, wie es bei nassem Wetter aussehen wird, bleibt abzuwarten.
* Gießen, 18. Aug.(Eine Papageien⸗ Jagd.) Heute war einer am Seltersweg woh⸗ nenden Dame ein grüner Zwergpapagei entflogen, der es sich auf einem der höchsten Bäume in der Plockstraße bequem machte. Das possierliche Tier schwätzte zur Belustigung der lieben Straßen⸗ jugend, die sich selbstverständlich unter dem Baum in großer Menge eingefunden hatte, frisch drauf los.„Wo ist denn mein Pedro“,„Guter Pedro“, „Spitzbub“, Aeppelratt“, so tönte es vom Baum Ein Konditorlehrling kletterte nach oben, um den sehr wertvollen Ausreißer wieder einzufangen, aber vergeblich. Der Papagei flog von dannen, nahm seinen Weg über den Selters⸗ weg bis in die Mitte der Mäusburg, wo ihn Metzgermeister Malkomestus einfing und seiner Eigentümerin, die das wertvolle Tier nicht aus den Augen gelassen hatte, einhändigte. Zur Strafe für seine Ausreißerei wurden dem Pedro
Sache ist, die Kinder trinken direkt nach dem
Eine reiche Partie.
Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten).
(Fortsetzung.)
V. Die Familie Puhlmann saß beim Kaffetisch in
der Wohnstube, als die Flurglocke ertönte. „Röschen, kiek mal nach“, sagte die Mutter Röschen ging hinaus und öffnete, förmlich zurück, als sie eines sichtig wurde. Und noch Gesicht, als sie den jungen Herrn wieder erkannte den sie neulich auf dem Kirchhof getroffen hatte Erst als der Offizier zur Seite auf Warns hagen blickte, bemerkte Röschen auch diesen. „Guten Tag, liebes Kind.
1 27 und Mutter et 115 ic alleene. Komm, Olle.“ 5 un e, der Irsedri„Ach nee“, meinte Frau Puhlmann, ick muß 8 10 5 775 f blickte zu Boden mir erst'n anner't Kleed anzieh'n. Jeh Du man rin.“ um 7 05 60 115 0 les Lächele 0 So schlurfte denn Herr ee auf seinen Ab. Appen ze en beer gch Latschen zuerst allein in die gute Sk 8 wills bone„Jut'n Dag, Herr Warnshagen“, 752 Herr U a 5 5 ef ten Stube Puhlmann ließ grundsätzlich in seiner Anrede mit 2 beer ae den adliger ee das„von“ als überflüssig fort—, * 2 77 17 ie je 212 mit bunten Plüsch überzogenen Sesseln nebst Sofa„1 11 i e ee und den von Röschen selbst gehäkelten weißen„Gut 9, Woog e den Gardinen. In der Mitte ein bunt gemusterter zeichnet.“ Herr von 9
großer Teppich, an einer Längswand ein schön n Oeldruck, die
lalserliche Familie darstellend, während ein großes
poliertes Klavier und darüber ei
Bild Röschens, von einer Freundin mit lobens wertem Bestreben, aber ohne eine Spur von Aehn
prallte aber jungen Offiziers an⸗ erstaunter wurde ihr
Nun, wie siehts
lichkeit gemalt, über dem Sofa hing. Das junge Mädchen ließ die Herren allein und ging in die Wohnstube.
„Es ist Besuch gekommen, Herr von Warns⸗ hagen mit einem jungen Ulanenoffizier—“
Die kurze, gedrungene Gestalt Herrn Puhl— manns erhob sich.„Nanu?“ sagte er etwas brummig.
0„Vater, zieh' Dir die Stiebeln an“, ermahnte
seine Frau und stand auf. 9 „Stiebeln?“ Herr Puhlmann steckte die Hände in die Hosentaschen und sah seine Frau verwundert an.„Warum denn dat? Ick kann doch in meine Wohnung machen, wat ick will.“ N„Aber Vater!“ sagte nun auch Röschen. „Halt'n Rand!“ rief der Alte ärgerlich. „Dusselkopp! Wat ick zu duhn habb', datt weeß
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Bauern die Rechte. 5 „Mein junger Freund, Herr Lieutenant von Jürgen von den Garde⸗Ulanen wollte sich gerne mal
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„Friedrichsthal ansehen
Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile.
* Expedition: 57 Kreuzplatz Nr.
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zuhause die Flügel geschnitten, damit er derartige gefährliche Promenaden vorläufig wenigstens nicht mehr unternehmen kann.
* Lauterbach, 17. August. Die diesjährige Kreislehrerkonferenz fand am 12. d. M., vormittags 10 Uhr beginnend, im hiesigen Rat⸗ haussaale statt. Nach einleitendem Chorgesang begrüßte der Vorsitzende, Herr Kreisamtmann Dr. Heinrichs, die Mitglieder der großherzogl. Kreisschulkommission, sowie die versammelten Lehrer. Herr Kreisschulinspektor Andres erstattete über das Schulwesen des Kreises Bericht. Da⸗ nach hat der Kreis Lauterbach 62 Volksschulen, 1 höhere Bürgerschule zu Lauterbach und 1 Privat⸗ schule zu Schlitz. Unter den 62 Volksschulen, woran 91 Lehrer thätig sind, besinden sich 48 einklassige, 9 zweiklassige, 2 dreiklassige und 3 vierklassige. Die Zahl der Schüler beträgt 5044, 37 weniger als im vorhergehenden Schuljahr, davon 2468 Knaben und 2576 Mädchen; nach dem Religionsbekenntnis sind 4722 evang., 277 kath. und 45 isr. Die Zahl der Fortbildungs⸗ schulen betrug 56, wovon 53 einklassige, 1 zwei⸗ klassige und 2 dreiklassige waren; die Zahl der Fortbildungsschüler 813 evang., 70 kath. und 3 isr., zusammen 886. Seit der letzten Kreis⸗ konferenz fanden 29 ordentliche Schulvisitationen statt.— In den Bezirkskonferenzen des vorigen Jahres ist der biblische Geschichtsunter⸗ richt praktisch und theoretisch eingehend behandelt worden. Herr Lehrer Rinner von Lauterbach hatte die Aufgabe übernommen, die Grund⸗ gedanken dieser Einzelarbeiten in ein Ganzes zusammenzufassen und die hohe Wichtigkeit dieses Unterrichtsgegenstandes noch einmal klar zum Ausdruck zu bringen. Der Referent hat sich seiner Aufgabe mit Geschick unterzogen. In der auf den Vortrag folgenden lebhaften Diskussion traten Meinungsverschiedenheiten zutage, welche Herr Schulinspektor Andres auszugleichen ver⸗ stand, sodaß die von ihm zu dieser Arbeit auf⸗ gestellten 7 Thesen ohne wesentliche Abänderung Annahme fanden.
* Bad Nauheim, 17. August. Das von Herrn Bauunternehmer Diehl erbaute Hotel am Bahnhof hat Herr Adolf Seeger von Nizza für 205 000 4 gekauft.
* Bad Nauheim, 17. August. Ueber den blutigen Vorfall, der sich in der Nacht auf Montag in Rödgen abspielte, ist folgendes Nähere mitzuteilen. Der Kesselschmied Georg Evers aus Schwetzingen, der in den letzten Sommern mehrfach bei einer Dreschmaschine in der Wetterau arbeitete, unterhielt mit einer Dienstmagd Elise Ehm in Schwalheim Be— ziehungen; Letztere trat in der letzteren Zeit einem Burschen von Schwalheim, Konrad Säckinger, näher. Zwischen beiden Neben⸗ buhlern kam es in der Krauchschen Wirtschaft in Rödgen bei der Tanzmusik zu Differenzen. Der Vater des Konrad Säckinger, Philipp Säckinger, stellte den Evers zur Rede und erhielt sofort von ihm einen Messerstich in den Unterleib. Als nun Bürgermeister Hartmann von Rödgen den Messerhelden für verhaftet er⸗
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klärte, erhielt auch er von ihm einen mit großer Wucht geführten Messerstich in den Leib; infolge des Stiches traten die Gedärme hervor. Beide Gestochene wurden noch in der Nacht per Wagen in das städtische Krankenhaus hier verbracht. Evers, der einige leichtere Verletzungen davon⸗ trug, sistierte sich noch in der Nacht im Spital in Friedberg, wo er ermittelt und verhaftet und von da hierher transportiert wurde. Wie und von wem er verletzt wurde, muß die im vollen Gang befindliche Untersuchung aufklären. Der Verhaftete behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben, womit freilich 9 9 übereinstimmt, daß er kurz vorher von einem Messerschmied in Fried⸗ berg ein Messer mit einer Vorrichtung zum Fest⸗ stellen der Klinge gekauft haben soll. Jedenfalls kann dem Bürgermeister Hartmann gegenüber von keiner Notwehr die Rede sein. Der be⸗ dauernswerte Bürgermeister ist gestern Abend infolge der erhaltenen Verletzungen gestorben. Das Befinden des Philipp Säckinger hat sich estern gegen Abend so verschlimmert, daß sein zeben in Gefahr schwebt. Die gerichtliche Sektion der Leiche des Bürgermeisters Hart⸗ mann von Rödgen wird voraussichtlich heute noch stattfinden. Hartmann hat unversehrt den ganzen französischen Krieg mitgemacht, um einem Mordbuben zum Opfer zu fallen. Er war ein ebenso gewissenhafter Gemeindebeamter, wie zärt⸗ licher Familienvater. Er betrieb mit gutem Erfolge Landwirtschaft und Bäckerei und erreichte ein Alter von 47 Jahren. Seine Frau ist schon seit 10 Jahren nervenleidend. Von den drei der Ehe entsproßten Kindern find zwei erwachsen, ein Mädchen noch schulpflichtig. Der ruchlose Thäter ist erst 22 Jahre alt und noch ledig.
* Mainz, 17. August. Am Mittwoch war hier eine öffentliche Brauerversammlung, in der auf Betreiben der Großbrauereien ein Vergnügungsverein gegründet wurde. Die organi⸗ sierten Brauer, welche die Mehrheit in der Ver⸗ sammlung bildeten, verließen unter Protest das Lokal. Am Samstag Abend wurden nunmehr sechs Brauer der Schöffenhofbrauerei plötzlich entlassen. Die organisierten Brauer be⸗ trachten dies als eine Maßregelung, weshalb gestern Abend neuerdings eine öffentliche Brauer⸗ versammlung stattfand. Es wurde nach langer Debatte eine Kommission gewählt, die bei der Direktion der Schöffenhofbrauerei um Zurück⸗ nahme der Entlassung vorstellig werden soll.
* Mainz, 17. Aug. Sämtliche Arbeiter der Fahrradfabrik von Göbel und Co. haben heute Vormittag wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Die Leute ver⸗ langten 40 Pfg. pro Stunde bei zehnstündiger Arbeitszeit, was von der Firma abgelehnt wurde.
Vermischtes.
—„Komme Frauen zart entgegen.“ Eine Anklage wegen Beleidigung von Telephonbeamten führte kürzlich den Maurermeister Wilhelm Hoffmann vor das Berliner Schöffengericht. In der Mittagsstunde des 1. April wurde zum Zwecke der Anschlußvermittelung eine Telephonistin in Anspruch genommen. Die junge
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merkte Hellmuth höflich mit einer leichten Ver⸗ beugung.
„Bitte, bitte“, sagte Herr Puhlmann und reichte auch dem jungen Offizier die Hand.„Setzen Sie sich, Herr Lieutenant. Sie ooch, Herr Warnshagen.“
Die drei Herren nahmen Platz.
Die Person seines zukünftigen Schwiegervaters machte keinen sehr angenehmen Eindruck auf Hell⸗ muth. Er fühlte sich recht ungemütlich in seiner Haut.
„Ist Landwirt, der Vater von Jürgen“, erklärte nun Warnshagen. Frauensee gehört ihm.“
„So, Frauensee. Ick bin mal durchjefahren. Na kommt denn Ihr Vater zurecht? Mit die Ritterjüter is't doch man so.“ Und dabei reckte Herr Puhlmann seinen kurzen breiten Oberkörper, wie ein Truthahn, der sich aufbläht.
Hellmuth war verletzt durch diese rücksichtslose Frage. Doch er bezwang seinen Aerger.
„Mein Vater ist ein sehr guter Landmann“, erwiderte er ausweichend.
Herr Puhlmann nickte wohlwollend, als wollte er sagen: Na ja, diese Leute müssen ja auch existieren!
Warnshagen bemerkte nun:„Der Herr Puhl⸗ mann hats verstanden. Ein kaufmännisches Genie — Terrainspekulationen—“ Absichtlich erwähnte er nichts von der früheren landwirtschaftlichen Thätigkeit des Bauern, weil er schon wußte, daß dieser sich nicht gern daran erinnern ließ.
Herrn von „Das Gut
Er hatte längst vergessen, daß die Leute ihm einfach das Geld ins Haus getragen hatten und daß seine kaufmännische Thätigkeit nur darin be⸗ standen hatte, das ihm Gebotene einzustreichen.
Warnshagen blickte sich im Zimmer um. „Wissen Sie, Herr Puhlmana, so oft ich hier bin, bewundere ich das wahrhaft künstlerische Arrange⸗ ment dieses Raumes. Nach Ihren Angaben ge⸗ macht, nicht wahr?“
„Stimmt.“
„Wirklich fürstlich. Und das da Ehr Fräulein Tochter, nicht wahr? Sprechend ähnlich.“
„'t is'n jutes Bild“, bestätigte der Bauer.
„Wird auch'n Haufen Geld gekostet haben, gute Kunstwerke sind nicht billig—“
„Nee, dat find se nich.“
„Na,— Ihnen kanns ja nicht d'rauf an⸗ kommen, Töchterlein bekommt wohl seinerzeit'n Milliönchen mit, was?“
Der Bauer lachte übers ganze Gesicht.
„Kann stimmen“, meinte er dann.
Das Gespräch wurde Hellmuth peinlich, unruhig rückte er auf seinem Sitz.
Warnshagen frug nach den Damen.
„Meine Olle zieht sich erst'n anner't Kleed an“, antwortete Puhlmann,„un meine Dochter die scheniert sich woll.... Röschen!“ rief er, komm mal rin.“
Röschen mußte nicht fern gewesen sein, denn sie erschien auf den Ruf des Vaters sofort auf der Schwelle.
(Fortsetzung folat.)
Puhlmann lächelte geschmeichelt.„Man muß
.„Sie entschuldigen, daß ich so eindringe“, be⸗
d'ruf loosen“, sagte er.


