Ausgabe 
18.11.1897
 
Einzelbild herunterladen

von den Oberregierungsräten 34,4 gegen 65,6, bei den Landräten sind 52,8 pCt. adelig gegen⸗ über 47,2 pCt. bürgerlich, von den Regierungs- präsidenten sogar 76,5 gegen 23,5 pCt. Und, was man sich diesen Zahlen gegenüber immer wieder schwarz auf weiß vor Augen stellen muß: auf der Grundfläche dieser ganzen hierarchischen Py⸗ ramide haben wir bei den Studenten der Rechts- wissenschaft, aus denen alle diese Kategorien (mit Ausnahme der Landräte, die zum Teil aus unstudierten Gutsbesitzern, ehemaligen Offizieren und dergleichen bestehen) hervorgehen, nur 5,8 p Ct. Adlige gegenüber 94,2 pCt. Bürgerlichen gefunden! Da ist es doch eigentlich eine Be⸗ leidigung für den gesunden Menschen⸗ verstand, wenn man diesen Zahlenmißverhält⸗ nissen gegenüber von ßonservativer Seite imme. noch die Behauptung ruhig anhören soll, daß bei Besetzung dieser politisch wichtigsten, ange⸗ nehmen und vielbegehrten Stellungen eine auf fallende, unberechtigte Bevorzugung des Adels nicht vorliege!

Lokales und Propinzielles. * Gießen, 17. Nov. Zigeunerkonzert. Am nächsten Freitag, abends 8 Uhr, findet im Gießener Festsaal(Café Leib) ein Konzert des bekannten österreichisch-ungarischen Damen⸗ und Herrenorchesters Rakoczi statt. Die Mit⸗ glieder dieses Orchesters, unter denen sich mehrere Geigen⸗ und Cymbalvirtuosen befinden, sind tüch⸗ tige Künstler auf ihren Instrumenten, welche ihr Programm, auf dem nur berühmte Ton⸗ künstler ihres Heimatlandes stehen, in gediegener und wirkungsvoller Weise durchführen. Auch Solo- und Chorgesänge gelangen zum Vortrage. Eine weitere Bereicherung des Programms bildet die Aufführung von National- und Charakter⸗ tänzen. Besonders interessant ist die Vorführung des Serpentintanzes mit verschiedenen Ver⸗ wandlungen und wundervollen Lichteffekten. Gießen, 17. Nov. Die hier bestens be⸗ kannten Schliersee'r feierten dieser Tage große Erfolge in Mainz.

* Gießen, 17. Nov. Die Eintragung von Warenzeichen auf Grund des Gesetzes vom 12. Mai 1894 haben nachstehende Gießener Firmen in der Zeit vom 1. Juli bis 30. Sep⸗ tember vornehmen lassen: 1. Karl Emmelius für Zigarren Nr. 25 949; 2. derselbe für den gleichen Artikel Nr. 26291; 3. Georg Philipp Gail für Kau⸗, Rauch- und Schnupftabak, Zigarren und Cigaretten Nr. 25545; 4. Koch u. Eichenauer⸗ Gießen für Korsetts Nr. 25635.

* Gießen, 17. Nov. Mit Beginn der nächsten Woche wi d endlich der neue Güter- bahnhof dem Verkehr übergeben und damit die neue Straße zu demselben eröffnet.

* Gießen, 17. Nov. Nachdem die Bauten für die Stationen Gießen und Heuchelheim der Bieberthalbahn rüstig voranschreiten, ist man am Abendstern und bei Bieber eifrig be müht, dem Streckenbau zu fördern. Zirka 60 Arbeiter sind seit acht Tagen beschäftigt, das Schienengeleise zwischen Abendstern und Windhof zu legen, auf denen dann durch zwei Lokomo tiven und die nötigen Wagen, welche ebenfalls fh Station Abendstern für diese Arbeit bereit stehen, die Erdarbeiten von der Staatsstraße nach Heuchelheim zu besorgt werden. Das günstige Wetter kommt diesem Bahnbau sehr zu gut.

* Gießen, 17. Nov. Vor der Straf⸗ kammer stand gestern der 15 Jahre alte Peter Kraußgrill aus Niederweisel wegen eines Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einem 12jährigen Mädchen. Der Angeklagte machte einen recht knabenhaften Eindruck, seine That erwies sich nur als ein Versuch, der aber bestraft werden mußte. Der Gerichtshof faßte die Sache recht milde auf und sprach eine 14. tägige Gefängnisstrafe aus. Härter wurde der 19 Jahre alte Karl Spaar von Bad Nau heim, der ebenfalls wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit sich zu verantworten hatte, bestraft. Dessen Sache wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Die Strafkammer

billigte dem Angeklagten zwar ebenfalls mil⸗

dernde Umstände zu, erkannte aber auf 1 Jahr Gefängnis.

* Gießen, 17. November. Im Frankfurter Lehrerverein hielt der Lehrer Herr Fr. Schöne wald aus Gelnhausen einen Vortrag über eine von ihm erfundene Rechenmaschine. Der Redner suchte zu beweisen, daß dem Kind mit Zuhilfenahme dieses Apparates die Arithmethik viel leichter als durch die bisherigen Methoden beigebracht werden könne. Er zeigte die angeb⸗ lichen Vorteile, fand aber, wie die Debatte ergab, bei seinen Frankfurter Kollegen wenig Entgegen⸗ kommen. Nur ein Einziger erblickte einen Vorzug gegenüber derrussischen Rechenmaschine, wäh rend die Anderen aus mancherlei Gründen das neue Unterrichtsmittel durchaus verwarfen. Man wendete ein, daß der neue Apparat an das Ab straktionsvermögen des Kindes zu große Anforde⸗ rungen stelle, tadelte die Farbenanwendung, hob den schädlichen Einfluß auf die Augen wegen der Vertikalstellung der Stäbe hervor, usw. Merk⸗ würdig war es allerdings, daß der Redner mit dem Apparat, den er selber erfunden hat, nicht allzu vertraut war und nicht rasch genug operierte; er erklärte das damit, daß er an den Mittel⸗ klassen unterrichte, sein Kollege an der Unterklasse verstehe die Sache weit besser und habe schon recht gute Resultate erzielt.

* Gießen, 17. Nov. Hat ein Restaurateur für die Garderobe seiner Gäste zu haften? Diese wichtige Rechtsfrage ist vor dem Berliner Land ericht J zu einer Entscheidung gebracht worden.

m August 1896 besuchte der Bankier D. aus Insterburg das in der Friedrichstraße belegene

RestaurantZum Rüdesheimer. Er übergab dort einem Angestellten neben anderen Garde robenstücken seinen kostbaren Spazierstock zum Aufbewahren. Als D. nach einer Stunde das Lokal verlassen wollte, war der Spazierstock ver schwunden und ein anderer an seiner Stelle zurückgeblieben. Da der Eigentümer des Rüdesheimer sich weigerte, für den abhanden gekommenen Stock Ersatz zu leisten, erhob D. Klage, die vom Amtsgericht abgewiesen wurde. Gegen diese Entscheidung legte der Kläger Be⸗ rufung ein, die zur Folge hatte, daß das Land⸗ gericht unter Aufhebung des amtsgerichtlichen Urteils den beklagten Restauratenr zum Wert⸗ ersatze verurteilte. Das Landgericht billigte die Auffassung, daß ein Verwahrungsvertrag vor liege, und daß die Haftung daraus folge, daß Beklagter durch seine Anlage der Garderobe den Kläger jedenfalls zu der von ihm gewählten Art der Aufbewahrung der Garderobe schuldhafter Weise veranlaßt habe.

W. Rodheim a. d. B., 17. Nov. Von einem Unfall wurde gestern Nachmittag der Steinhauer Anton Flach in dem bei Bieber gelegenen Steinbruch betroffen. Beim Umwälzen eines schweren Steines rutschte der Hebel ab, wodurch der junge Mann einen komplizierten Beinbruch erlitt. Der Verunglückte wurde sofort in die Klinik nach Gießen überführt.

* Butzbach, 15. Nov. Am 12. ds. Mts. starb der hier wohnhafte Superintendent i. P. Heinrich Usener, geboren am 29. März 1811 zu Altenkirchen, Kreis Wetzlar. Der Verblichene stand eine Reihe von Jahren als Pfarrer in der Gemeinde Oberkleen und wurde heute Vormittag 11 Uhr unter dem Geläute der Glocken hiesiger Stadtkirche behufs Bestattung auf dem Ober⸗ kleener Friedhofe dorthin übergeführt, wo auch seine beiden verstorbenen Frauen ruhen. Voriges Jahr wählte er unsere Stadt zu seinem Aufent⸗ halt und war in weiteren Kreisen eine beliebte Persönlichkeit. Möge ihm die Erde leicht sein!

* Bad Nauheim, 16. Nov. Die Bau⸗ thätigkeit hat hier über alles Erwarten großen Umfang angenommen. Von kundiger Seite wird mitgeteilt, daß gegen 50 Häuser und gegen 120 Fremdenzimmer mit der nächst⸗ jährigen Saison neu in Gebrauch genommen werden könnten; es geht dies sicher über das Bedürfnis hinaus. Die Erwerbs- und Mietpreise haben nachgerade eine Höhe erreicht, daß das Mietgeschäft kaum mehr rentabel er⸗ scheint. Sowohl Bad Nauheim wie Friedberg wollen Schlachthäuser erbauen. Es ist nun der gewiß nicht von der Hand zu weisende Vorschlag gemacht worden, etwa in der Mitte beider Städte ein gemeinsames Schlachthaus errichten.

* Friedberg, 16. Nov. In der Nähe des hiesigen Bahnhofs wurde vor wenigen Tagen ein Arbeiter von zwei Individuen überfallen und ihm die Uhr entrissen. Der Polizei gelang es, die Beiden einzuholen und zu verhaften. Die Uhr jedoch hatte der eine Räuber während der Verfolgung weggeworfen. Der Handkoffer, den der Andere trug, war in der Herberge zur Heimat gestoh en. Am Tage nach der Verneh⸗ mung durch den Untersuchungsrichter fand man einen der Verhafteten in dem Haftlokal erhängt vor. Als nun bei der Ortsbehörde des angeb lichen Heimatsorts des Toten telegraphisch an⸗ gefragt wurde, ob die Angehörigen auf den Leich⸗ nam reflektierten, stellte sipy heraus, daß der Mann falsche Papiere bei sich führte; denn die Antwort lautete, es müsse jedenfalls ein Irr tum vorliegen, da die Person fraglichen Namens sich noch wohl und munter befinde. Die Leiche 1 75 hierauf der Anatomie in Gießen über geben.

* Schotten, 15. Nov. Zu gunsten der von dem schweren Brandunglück betroffenen Be⸗ wohner des Dorfes Michelbach plant der Schottener Turn- und Gesangverein für den nächsten Sonntag ein Wohlthätigkeitsvor stellung. Hoffentlich bringt rege Teilnahme einen günstigen Erfolg. Sehr wohlthuend be⸗ rührt die Opferwilligkeit der umliegenden Ort⸗ schaften, besonders Schottens, dessen Einwohner das Vieh der Abgebrannten teilweise bei sich eingestellt haben und füttern.

* Darmstadt, 16. Nov. Der Kammersänger Bär beabsichtigt eine Gesangsschule höheren Stiles hier zu gründen, die allen Anforderungen des Kunstgesanges gerecht werden, sowie dem besseren Dilettantismus Gelegenheit zur Vervoll⸗ kommnung bieten will. Das Unternehmen ist um so freudiger zu begrüßen, als Herr Bär stets zu den bevorzugtesten Sängern zählt und durch eifriges Studium und vorzügliche Schulung imstande war, den echten Kunstgesang zu Gehör zu bringen und dadurch schon fördernd in der Gesangswelt zu wirken.

* Darmstadt, 16. Nov. Wie ein Bericht⸗ erstatter desBerl. Tagebl. von hier meldet, wird Staatsminister Finger noch vor Ablauf dieses Jahres, seines hohen Alters wegen, in den Ruhestand treten. Zu seinem Nachfolger soll Kreisrat Haas-Offenbach a. M., der jetzige Präsident der zweiten Kammer, in Aussicht ge nommen sein. Weitere bedeutende Personalver änderungen sollen bevorstehen, über die jedoch bis jetzt noch nichts Bestimmtes mitgeteilt wer den könne.

* Darmstadt, 16. Nov. Große Verstim⸗ mung hat in den betreffenden Beamtenkreisen ein Erlaß der Direktion der Main-Neckar⸗Bahn hervorgerufen, demzufolge esmit Rücksicht auf die Geschäftslage geboten erscheint, die seither bestandene Uebung, wonach der Samstag Nach⸗ mittag in der Regel als dienstfrei behandelt wurde, aufzuheben. Es handelt sich dabei nur um die Beamten des inneren Dienstes.

* Darmstadt, 16. Nov. An Wechsel⸗ stempelsteuer wurden im Oktober d. J. im Ober⸗Postdirektionsbezirk Darmstadt 15 519 Mark 30 Pfg. vereinnahmt, zusammen mit den Vormonaten des laufenden Etatsjahres 98 481 Mark oder 6465 Mark 50 Pfg. mehr als im entsprechenden Zeitraume von 1896/97. 5

* Nen⸗Isenburg, 16. Nor. In größter Lebens gefahr befand sich gestern Nacht die Ehefrau des hiesigen Tagelöhners Chr. Bom⸗ mersheim. Während die Frau noch bis kurz vor 12 Uhr mit Zeitungslesen beschäftigt war, wurde sie plötzlich von Krämpfen befallen, wobei der Tisch mit der auf ihm stehenden brennen⸗ den Petroleumlampe umfiel. Als die im oberen Stockwerke desselben Hauses wohnende Ehefrau des Schuhmachers Rohleder durch einen heftigen Schlag aufmerksam gemacht, in die unter ihr gelegene Wohnung eilte, fand sie die Frau Bommersheim auf dem Boden liegen, von hellen Flammen umgeben. Der Inhalt der herabge stürzten Lampe ergoß sich über die von Krämpfen Befallene, deren ganze Bekleidung sofort in Flammen loderte. Obgleich es der Herbeige⸗ eilten gelang, in kurzer Zeit die Flammen zu ersticken, trug die arme Frau doch so schwere Brandwunden an Armen und Brust davon, daß sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte.

Vermischtes.

Strenge Bestrafung eines Tierquälers. Wegen Sachbeschädigung und Tierquälerei ist vom Land⸗ gericht Guben am 5. Oktober der Arbeiter Karl Wagksch zu zwei Jahren Gefängnis, dem höchsten zulässigen Straf⸗ maß, und vier Wochen Haft verurteilt worden. Er hatte eine Stellung als Kutscher inne und ließ wiederholt seinen Aerger an einer Stute in so roher Weise aus, daß das Tier infolge der Mißhandlung getötet werden mußte. Die Revision des Angeklagten wurde am 12. d. M. vom Reichsgericht verworfen. Die Strafe dürfte manchen Fuhr⸗ leuten zur heilsamen Wirkung dienen.

Eine Improvisation imHannele. Aus Budapest meldet man: Gelegentlich der am 19. November im ungarischen Theater erfolgten ersten Auf⸗ führung von Gerhart HauptmannsHannele ereignete sich ein so komischer Zwischenfall, daß die Wirkung des ganzen Stückes hierdurch in Frage geriet. Während der tief ergreifenden Szene, da Hannele, die im Glassarge ruht, durch ein Wunder zum Leben erweckt werden soll, äußerte ein kleines, von einem dreijährigen Mädchen dar⸗ gestelltes Engerl erst mit leiser, dann dreimal mit sehr lauter, im ganzen Theater vernehmlicher Stimme einen natürlichen Wunsch, der unter gewöhnlichen Umständen nichts auf sich gehabt hätte. Im vollbesetzten Hause aber folgte auf die Aeußerung des naturalistischen Engels eine stürmische, wiederholt sich erneuernde Lachsalve, welche die Illusion vernichtete und begreiflicherweise eine Wirkung hervorrief, welche nicht beabsichtigt war.

Vierfache Exekution durch einen Geheimbund. Man schreibt aus Rom vom 11. No⸗ vember: Die sizilischen Blätter bringen jetzt Einzelheiten über einen Vorfall, der nach der ersten kurzen tele⸗ graphischen Meldung nicht recht verständlich war. Am 12. Oktober verschwand aus Palermo der Bäcker Tuttil⸗ mondo und der Wirt d'Alba. Alle Nachforschungen waren vergebens, zwölf Tage später verschwanden zwei Kutscher aus Palermo auf dieselbe geheimnisvolle Weise. Zuerst suchten die Verwandten allein, und erst nach eiuigen Tagen benachrichtigten sie die Polizei, als keine Spur zu ent⸗ decken war. Dann tröstete man sich noch einige Tage mit der Hoffnung, die Verschwundenen seien nach Amerika durchgebrannt, um sich dort ein schöneres Leben zu zimmern. Am 5. November die Familie hatte sich

schon halb in das Unvermeidliche gefunden ging eine

Patrouille von Zollsoldaten in einer Entfernung von einem halben Kilometer um die Oktroizone der Stadt, als sie in der Nähe des Seehospizes durch einen pestilen⸗ zialischen Geruch überrascht wurden. Sie gingen diesem Geruche nach und kamen über die Wiesen des Gutes Lagana zu einer Felshöhe, in der sich eine, 1,26 Meter hohe und 2 Meter breite Grotte befand, die 30 Meter Länge hatte. Am hinteren Ende dieser Grotte oder Höhle, in der viele Tropfsteinbildungen auffielen, entdeckten die Oktroiwächter einen Brunnen, der den Leichengeruch ent⸗ sandte. Die Polizei wurde herbeigerufen, und diese holte aus dem Brunnen drei Leichen heraus, in denen man die Reste von drei der vier Verschwundenen rekognoszierte, trotz der schon sehr vorgeschrittenen Zersetzung, es waren die Leichen des Bäckers und der beiden Kutscher. Des Weinwirts Verbleib ist hingegen heute noch ein Rätsel. Kaum kam die Nachricht von dem grausigen Fund nach Palermo, so war auch, wie dasGiornale di Sicilia schreibt, alle Welt überzeugt, daß es sich hier um eine Strafexekution der bekannten geheimen Verbindung maffia handle, die seit Jahrhunderten in Sizilien blüht und dank ihrer großen Verbreitung in allen Gesell⸗ schaftsschichten ungestraft die größten Verbrechen begeht. Die Polizei hat nur feststellen können, daß die drei Un⸗ glücklichen erschossen wurden. Man vermutet nur, daß die Verschwundenen hinter Geheimnisse einer hochmögenden Person gekommen sind, und daß diese, um sich den Er⸗ pressungen der Mitwisser zu entziehen, die Macht des Geheimbundes benutzte, um die unbequemen Menschen zu beseitigen.

Die sibirische Eisenbahn zwingt die russische Regierung zurHumanität. Die nach Sibirien Verbannten sollen, wie einallerhöchster Erlaß anordnet, in Zukunft nicht mehr wie die wilden Tiere aneinandergekoppelt ins Exil zu Fuß wandern, sondern sie werden künftighin mit der Eisenbahn in die Verbannung geschickt. Es ist kein Zweifel, daß dadurch das Elend der Gefangenen bedeutend gemildert wird. Wer die grauenhaften Schilderungen gelesen hat, die der ameri⸗ kanische Journalist George Kennan von den Qualen der Gefangenen auf dem Transport gemacht hat, wer sich der Schilderung erinnert, die ein Gefangener von einem Kampf der aneinandergefesselten Verbannten mit hungrigen Wölfen gab, wer weiß, was für furchtbare seelische Martern die Gefangenen in den Etappengefängnissen erleiden müssen der wird die Gefangenen glücklich preisen müssen, daß all diese Marter nun abgekü nun abgekürzt werden soll. Ab⸗ gekürzt deshalb, weil ja auch die Eisenbahnfahrt über Moskau, Perm und Tomsk nicht mit Eilzü den gehen wird, weil auch diese Fahrt im günstigsten Falle einem Militär⸗Transport zu vergleichen sein wird, nur mit der Verschärfung, daß die Gefangenen an Händen und Füßen gefe felt diese Fahrt werden mitmachen müssen. Dennoch hat die Technik, durch deren Anwendung sich der Trans⸗

port billiger stellt, gerade dadurch den russtschen Staat gezwungen, mit seiner grausamsten Institution zu brechen. Die endliche Befreiung des russischen Volkes von der Knute wird erst das russische Proletariat bewirken.

Eine Fahrt durch das australische Festland auf dem Fahrrade war das vielbewunderte Meisterstück, daß der Franzose Jerome Murif vor einiger Zeit vollbrachte. Am 10. März dieses Jahres war er von Flenely bei Adelaide abgefahren und am 21. Mai kam aus Port Darwin im Nordterritorium die Draht⸗ meldung, daß er dort glücklich angelangt sei. Der kühne Radfahrer war der Linie des Ueberlandtelegraphen gefolgt und legte in der angegebenen Zeit einen Weg von 4760 Kilometer zurück meist durch öde Sandwüsten. Jetzt hat er Nachahmer gefunden. Ein unternehmender Fahr⸗ radfabrikant hat einen bekannten Radler, Mr. Coleman, verpflichtet, auf einem Zweirade, das aus seiner Fabrit hervorgegangen ist, durch den Kontinent(zur Abwechslung statt von Süden nach Norden, von Westen nach Osten) zu fahren. Infolge Genusses von verdorbenem Konserven⸗ fleisch erkrankte jedoch Coleman in der Nähe der Tele⸗ graphenlinie und durchschnitt, da er sich nicht anders zu helfen wußte, den Draht, um auf diese Weise Hilfe her⸗ beizurufen. Seinen Zweck erreichte er wohl, wird aber für die entstandenen bedeutenden Kosten von der Regierung

haftbar gemacht werden. Ein Gefährte Colemans, Mr. Mather, war am Barrow Creek mit seiner Maschine zu⸗ sammengebrochen und hatte sich zu Pferde in Sicher⸗ heit gebracht. Mit der beabsichtigten Reklame war es also nichts.

Payer über Andree. Die WienerN. Fr. Presse teilt eine Unterredung mit dem bekannten Nord:. polreisenden Jul. v. Payer über die Aussichten der zu Andrees Aufsuchung unternommenen Schritte mit.Vor dem nächsten Sommer, meint Payer, ist kaum eine Nach⸗ richt von Andree zu gewärtigen, nur er selbst kann solche bringen. Nicht die Brieftauben, sie haben den Ballon offenbar nicht verlassen wollen, und da sie im Sommer nichts geleistet, so werden sie im Winter noch weniger thun. Bei großer Kälte wird ihre Kraft rasch erschöpft, ihre Augen verschließen sich im Fluge durch das anhaf⸗ tende Eis, ihre Feinde sind Schneestürme, Raubmöven, Falken und die halbjährige Finsternis. Ein Dampfer wird nach Spitzbergen gehen, um nach dem Vermißten zu suchen. Dieses Schiff setzt sich der augenscheinlichsten Gefahr aus, vom Eise eingeschlossen zu werden, setl es durch schwere Schollen oder durch das Jungeis, welches nunmehr auch die Baien und Kanäle bekleidet und das sich täglich von neuem bildet. Nur um die Mittagsstunde gestattet die Dämmerung noch einigen Ausblick. Zwei Stunden nach Mittag wird es wieder dunkel, und ein Fahrzeug, das an einer Scholle festliegt, wird vom Esse eingeschlossen und besetzt. Die Ueberwinterung ist dann unausbleiblich, möglicher weise muß das Schiff im Pack⸗ eise dahintreiben. Andree zu finden, giebt es dann kein anderes Mittel als durch Schlittenreisen entlang der Külste; doch Ende November ist auch mittags nichts mehr zu sehen, und wenn das Hilfsschiff wirklich im Eise treibt, auch dieses schwer wieder zu finden, weil es inzwischen den Platz gewechselt hat. Wird jedoch ein Winterhafen er⸗ reicht, was vom Glücke abhängt, dann sind die Beschwerden relativ klein und die Chancen des Gelingens groß, voraus⸗ gesetzt, daß die zu Suchenden sich wirklich dort befinden, wo man sie vermutet. Die lange Winternacht hat für Andree bereits begonnen. Ist er noch am Leben, so hat er seine Schlittenrese eingestellt. Stürme, namentlich aber die Finsternis, zwangen ihn dazu, und er hat auf dem Lande, wahrscheinlich aber auf einer Scholle, ein Haus aus Eisstücken erbaut. Vor dem März 1898 kann er seine Reise nicht fortsetzen; zuerst bei 40 bis 50 Grad Celsius unter Null. Daß sie gelingen möge, diese Reise ohnegleichen, ist der innigste Wunsch der gesamten Menschheit.

Der Schlangenbändiger. Ein Mitarbeiter, der Indien bereist hat, erzählt derKöln. Ztg. Wünscht der Huzsor(hohe Herr) vielleicht, daß ich meine Schlangen zeige? So redete mich ein Hindu auf der Veranda meines Hauses an.Ich habe hier Cobras, Karitis, die flinke Dhamma(Peltschenschlange) und die giftigste von allen, die kleine Vingrai(Sand⸗Schlange), Eine Cobra⸗Königin zu fangen, ist mir noch nie geglückt, und die Bandport⸗Schlange kann ich nicht gebrauchen, da dieselbe nur von Bienen lebt. Bei meinem Umherzlehen könnte ich die nicht beschaffen. Auch sind diese Schlangen zu gefährlich; denn sie besitzen außer ihrem Giftzahn einen giftigen Stachel am Schwanzende, welcher tötliche Stiche verursachen kann. Auf meine Frage, ob er ein Gegen⸗ gift anwende, falls er gebissen würde, antwortete er, die Schlangenzähmer hätten ein Mittel, welches den Biß jeder Schlange, außer dem der Sand-Schlange, unschädlich mache. Ich hatte noch nie dieses kleine, kaum fünf Zoll lange Reptil gesehen. Der Hindu griff in seinen Korb, holte ein kleines Kästchen hervor und entnahm demselben zwei dieser kleinsten aller indischen Vipern. Kaum vier Zoll lang, bewegten sie sich sehr träge, und nur die ge⸗ spaltene Zunge fuhr rastlos hervor, während sich der platt gedrückte Kopf, wie er allen Giftschlangen eigen ist, lang⸗ sam nach rechts und links bewegte. Diese giftige kleine Schlange hält sich meistens auf sandigen Plätzen auf und lebt von kleinen Insekten. Da alle Hindus barfuß gehen, werden sie oft von dieser Schlange gebissen. Der Tod tritt in der Regel sofort ein, nur nach einem Biß in der

Brust erst nach und nach; der Gebissene fühlt sich in lez⸗

terem Falle müde und schläft ein, um nie wieder zu er wachen. Ende machen wollen, suchen sich eine solche Schlange, die bei ihrer Trägheit leicht zu fangen ist. Die Selbstmoͤrderin legt sich die Schlange auf die Brust und schläft nach dem Biße ein, ohne, wie man allgemein vermutet, Schmerzen zu fühlen, denn die Gesichtszüge zeigen nach dem Ver⸗ scheiden ein ruhiges, zufriedenes Aussehen, wie das eines glücklich Träumenden. Das Gegengift Nai ha- Thitha(die Galle der Cobra) bewahrt, wenn es so⸗ fort auf die Wunde kommt, vor dem Tode; der Gebissene wird nur einige Tage krank bleiben und oft Ohnmachts⸗ anfälle haben. Auch muß der Kran'e täglich bis zur Ge⸗ nesung etwas von dieser Galle in Milch einnehmen. Schlangenzähmer gewöhnen sich an das Gift, indem sie beständig davon einnehmen; darum thut ihnen der Biß einer giftigen Schlange keinen Schaden. Man gewinnt das Gift, indem man den Hinterkopf der Schlange preßt, das Gift sammelt sich an der Spitze des Giftzahnes und wird mit einem Strohhalm aufgefangen. Der Tropfen wird dann auf ein Sarasarillablättchen geträufelt und mit diesem hinuntergeschluckt. 5

Gottesdienst mit Tabakrauch. Selsame Lockmittel wenden in London, die kleineren Kirchengemein⸗ schaften(Baptisten, Methodisten, Wesleyaner usw.) an, um die Kirchen zu füllen. So wurden in den Straßen um die Christ⸗Hall⸗Kirche in Hamburg⸗Street die Augen

0 der Vorübergehenden auf große Anschlagstafeln hinge

zogen, die von mehreren Männern umhergetragen wurden.

I

Inu 80 in . M. her de

elles chu ließ ihr n ört, it i bchor nachm r Soltoh, dem

I. andere Te eee 5 ie zasglssen 9 15 die auf G

Jomhte, f Teil 1

115 1 J 0 N ee ihnen wur

guche; Schiff

L chale.

N inte. Um s augen ebe einer 5 2 Gauß ihttt Pfeife , bar, legte ssch berz 1 Da aber das 4 Ewietigkkiten hatte, n an Altathlabe, der 8 zu laschen aufg fiat Bewegung scht. 46 bah alle bei der u. Es folgte dann 5 ener, der feine 5 dtlicte rchigt il abtoten und wel Achennt erschöpft zu f i eue not aler Be Wen hatten, wurde bg de Neigung bckti Aachen geboten, auh belget bekeligt 1 un Göottezdienst, a fals der englis ane auc die Vettret ngen tel.

- Echnell laufen

IA

Städtise

it ee

Gießen, Garte

Augebot det Ar L oghiabe, I epengl Krunlepfscgerg, Tapez ur felbanbigen Führung

Namentlich Frauen, welche ihrem Leben en

dauschloser, Schneider Itubiener, 4 Lauffraue Enlafferer, 4 Dienfm an, und 1 Scheibge

achfrage der Drechsler 1 Speng Veuschlosser, 1 Schmi Talursche, 9 Diensem cal. Arbeiten berfle 4 ge 2 Kind 1516 Jahren, 5 J

. huubatbeit. 3

Langs dogs 5 0 Groß

Ehsllenst

Aaspeite Sto

r nehst 0 J rd de ö 0 0 Zimmer ehr ina doo ling hal

ter

Iluadere