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Nr. 13
Gießen, Sonnabend, den 16. Jannar
1897.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Hessische
Ausgabe Gießen.
andeszeitung.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
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Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
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Das Vorkommen von Viehseuchen im Großherzogtum Hessen (während des Monats Dezember 1896).
Milzband wurde festgestellt in Muschenheim, Kreis Gießen, am 15. bei einem krepierten Rinde, in Dorf⸗Gill, in demselben Kreise, am 19. bei einem krepierten Schaf, ferner in Beienheim und Ober⸗Wöllstadt, Kreis Friedberg, am 1. und 17. Dezember je bei einem krepierten Rinde.
Rauschbrand wurde festgestellt in Glauberg, Kreis Büdingen, am 5., in Metzlos⸗Gehag, Kreis Lauterbach, am 13. in Eschenrod, Kreis Schotten, am 14. je bei einem krepierten Rinde.
Die Maul⸗ und Klauenseuche ist erloschen in Schaafheim, Babenhausen, Harpertshausen und Schlier⸗ bach, Kreis Dieburg, in Beerfelden, Kreis Erbach, in Ginsheim, Kreis Gros⸗Gerau, in Hirschhorn, Kreis Heppen⸗ heim, in Klein⸗Auheim, Rumpenheim, Froschhausen, Groß⸗ Steinheim und Sprendlingen, Kreis Offenbach, in Rödgen, Dorf-Gill, Holzheim und Wieseck, Kreis Gießen, in Alsfeld, Ober⸗Gleen und Liederbach, Kreis Alsfeld, in Fauerbach, Pohl⸗Göns, Klein⸗Karben, Kirch⸗Göns, Ostheim, Ober⸗Eschbach, Gambach, Steinfurth, Fauerbach v. d. H., Ober⸗Erlenbach, Griedel, Nieder-Esch⸗ bach, Nieder⸗Mörlen, Nieder⸗Weisel, Rockenberg, Oppers⸗ hofen, Rendel, Nieder-Rosbach, Dorn-Assenheim und Nieder⸗Erlenbach, Kreis Friedberg, in Schlitz, Kr. Lauter⸗ bach, Laienhof bei Finthen, Kreis Mainz, in Alzey, in Nieder⸗Ingelheim, Büdesheim, Gau⸗Algesheim und Buben⸗ heim, Kreis Bingen, in Wahlheim, Undenheim, Boden⸗ heim, Dienheim und Ober⸗Saulheim, Kreis Oppenheim, und in Weinsheim, Kreis Worms.
Die Seuche herrscht fort in Arheilgen, Pfung⸗ stadt, Eberstadt, Griesheim, Darmstadt und Nieder⸗Ram⸗ stadt, Kreis Darmstadt, in Bensheim und Lorsch, Kreis Bensheim, in Dieburg, Hergershausen, Münster, Groß⸗ Zimmer, Ober⸗Roden, Altheim und Urberach, Kreis Dieburg, in Biebesheim, Kreis Groß⸗Gerau, in Heppen⸗ heim, Klein⸗Krotzenburg, Dudenhofen, Seligenstadt, Weis⸗ kirchen, Langen, Egelsbach, Klein⸗Welzheim und Main⸗ flingen. Kreis Offenbach, in Steinheim, Kreis Gießen, in Heidelbach, Kirtorf, Reibertenrod, Angenrod und Leusel, Kreis Alsfeld, in Nidda, Kreis Büdingen, in Wohnbach, Vilbel, Groß⸗Karben, Kloppenheim, Dortelweil, Helden⸗ bergen, Nieder⸗Wöllstadt, Dorheim, Melbach, Södel, Wick⸗ stadt, Kaichen und Massenheim, Kreis Friedberg, in Essen⸗ heim, Marienborn und Zornheim, Kreis Mainz, in Ober⸗Ingelheim, Kreis Bingen, in Guntersblum und Hahnheim, Kreis Oppenheim, in Heßloch, Worms und Pfeddersheim, Kreis Worms.
Die Seuche wurde festgestellt und war am Schlusse des Monats wieder erloschen in Wilms⸗ hausen, Rodau und Nordheim, Kreis Bensheim, in Nieder⸗ Klingen, Kreis Dieberg, in Airlenbach und Gumpersberg, Kreis Erbach, in Lörzenbach, Kreis Heppenheim, in Düdels⸗ heim, Bleichenbach und Höchst a. d. Nidder, Kreis Bü⸗ dingen, auf dem Viehhof in Maiuz und in Ibersheim, Kreis Worms.
Die Seuche wurde festgestellt und herrschte am Schlusse des Monats noch fort in Hahn,
Erzhausen, Roßdorf, Weitersstadt und Gräfenhausen, Kreis Darmstadt, in Hähnlein, Seeheim und Großhausen, Kreis Bensheim, in Georgenhausen und Richen, Kreis Dieburg, in Büttelborn, Leeheim, Wolfskehlen, Klein⸗Gerau, Klein⸗ Rohrheim, Geinsheim und Bischofsheim, Kr. Groß-Gerau, in Rimbach, Inhöhe, Albersbach, Wimpfeu und Neckar⸗ steinach, Kreis Heppenheim, in Heusenstamm, Dietesheim, Steinbach und Dietzenbach, Kreis Offenbach, in Ober- Hörgern, Neuhof bei Leihgestern, Bellersheim, Rodheim, in Gießen, Eberstadt, In heiden, Trais⸗Horloff, Ringelshausen, Hungen, Oppenrod und Bettenhausen, Kreis Gießen, in Strebendorf, Wallersdorf, Grebenau, Lehrbach, Hopfgarten und Eifa, Kreis Alsfeld, in Altenstadt, Mittel⸗Gründau, Ober⸗Widdersheim, Gettenau, Echzell und Engelthal, Kreis Büdingen, in Nieder-Florstadt, Harheim, Okarben, Burg⸗ Gräfenrode, Bruchenbrücken, Staden und Beienheim, Kreis Friedberg, in Stockhausen, Kreis Lauterbach, in Nieder⸗ Olm, Sörgenloch, Laubenheim, Klein-Winternheim und Bretzenheim, Kreis Mainz, in Framersheim, Odernheim und Wöllstein, Kreis Alzey, in Heidesheim, Kreis Bingen, in Selzen, Ludwigshöhe, Spiesheim und Dalheim, Kreis Offenheim, in Kriegsheim, Leiselheim, Rhein⸗Dürkheim, Gimbsheim, Grundheim, Heppenheim a. d. W., Nieder⸗ Flörsheim, Alsheim, Mettenheim und Eich, Kreis Worms.
Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Eifa, Ober⸗Sorg und Kirtorf, Kreis Alsfeld, in Bingenheim, Kreis Büdingen, und in Angersbach, Kreis Lauterbach.(Darmst. Ztg.)
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 15. Januar. In dem Etat der preußischen Staatsbahnen für 1897/98 erscheint zum ersten Male die Preußisch-Hessische Betriebs⸗ und Finanz⸗ gemeinschaft, die am 1. April in Wirkung tritt und zur Errichtung der neuen„Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisen— bahndirektion in Mainz“ geführt hat. Dieser Verwaltungsbehörde werden außer den Linien der hessischen Ludwigsbahn noch mehrere Strecken der benachbarten Bezirke St. Johann-Saar⸗ brücken, Köln und Frankfurt zugewiesen, so daß ihr Netz 813,4 Km. umfassen wird. Dagegen werden die ober hessischen Eisenbahnen der Direktion Frankfurt zugeteilt, deren Gebiet durch Zugang von 439 Km. und Abgang von 174 Km. von 1296 Km. auf 1561 Km. sich erweitert. Am 31. März 1897 wird die Betriebslänge der preußischen Staatsbahnen 27691 Km. betragen.
S. Gießen, 15. Januar. Ein Mittel zur Verhütung der Maul⸗ und Klauen⸗ seuche, das wir jedoch nicht empfehlen können, brachte vor einigen Tagen ein Pächter auf einem benachbarten Dorf in Anwendung. Nachdem in Eberstadt die Maul- und Klauen⸗
Der Vogel im Käfig. Von Maurus 30 kai.(Autorssiert.) (Deutsch von Sändor Saͤrosi.)
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
„Ich treffe Sie selbstredend morgen?“
„Das ist durchaus nicht so selbstverständlich, wie Sie glauben. Wir werden ja übrigens sehen.“
„Kommen Sie sicher, Irma, denn sonst wäre ich gezwungen, im Kastel vorzusprechen!“
f 72 Kastel! Sie sind wohl nicht bei Trost; wie?“
„Dort müßte ich Sie per„Servus Irma“ apestrophieren?“
„Sie wärens wahrhaftig im Stande...“ Die Gräfin kehrte ihm lachend den Rücken, dann wurde sie plötzlich sehr ernst, als sie aus dem Walde herausschreitend, mit langen aristokratischen Schritten der ihrer harrenden Equipage sich näherte.
Tags darauf lauerte ihr Csäkö wiederum lauf.
„Was giebt es Neues?“ frug Irma, ihm die Hand reichend.(Diesmal trug sie bereits schwarze Handschuhe.)
„Eine ganze Menge, was mir bis nun unbe— kannt gewesen und sich auf Sie bezieht.“
„Zum Beispiel?“
„Man erzählte sich, daß Sie nicht die Witwe, sondern auch jetzt noch die Gattin des verewigten Grafen seien. Ihr junger Körper soll neben Ihrem Gatten in der Familiengruft gebettet worden sein, auf dem wappengeschmückten Grabsteine aber sollen zwei blaublütige Gnomen Wache halten, auf daß Sie nicht zu neuem Leben erwachen.“
„Reden Sie nicht solch buntes Zeug zusammen“ — ermahnte ihn die Gräfin ernst.“
„Ich will schweigen und mich beruhigen, wenn Sie mir die Ueberzeugung beibringen können, daß Sie kein auf Gastrollen befindlicher Geist, sondern ein lebendes Geschöpf Gottes sind.“
„Wie könnte ich Ihrem abenteuerlichen Wunsche entsprechen?“
lebender. Lachen Sie wieder einmal auf, laut und herzlich wie einstmals, dann werde ich Ihnen Glauben schenken.“
„Wie vermag man ohne Ursache zu lachen.“
„Zur Zeit, als Sie noch lebten, da haben Sie nicht nach Gründen geforscht, sondern über jede Albernheit gelacht, gelacht bis Ihnen die Thränen über die Wangen rannen.“
Die Lippen Irmas umspielte ein trauriges, bitteres Lächeln.
„Sie fangen anzmir lästig zu werden, ich dürfte morgen kaum mehr hier erscheinen. Wozu quälen Sie mich mit Ihren Sophismen? Was wünschen Sie eigentlich? Wollen Sie mich überzeugen, daß ich unglücklich sei? Ich fühle mich ganz behaglich in meiner momentanen Situation!“
„Kennen Sie das Märchen vom gefangenen Vogel? Der war einmal in die Stadt geraten und hatte durch ein offenes Fenster einen goldenen Käfig erblickt. Im goldenen Käfig saß ein anderes ein— sames Vögelchen.„Wie gehts, frug der Eindring— ling.“„Ich fühle mich ganz gut in meiner jetzigen Lage“, entgegnete der Gefangene.„Ich bin keinerlei Gefahren ausgesetzt, nicht den Unbilden der Witter— ung preisgegeben und besitze Nahrung in Hülle und Fülle.“ Csäko schwieg. Irma hingegen zuckte die Achseln.
„Das Märchen ist einfältig, wenn es keine Moral hat.“
„Warten Sie nur, es giebt noch eine Fort— setzung:„Die Thüre Deines Käfigs ist geöffnet“, rief der Eindringling.„Offen?“
„Und dann?“
Im nächsten Augenblick war der befreite Ge— fangene lustig zwitschernd, wie närrisch dem fernen Walde zugeflogen.
„Ihr Vogel scheint ein recht naiver Dummkopf gewesen zu sein.“—
„Sie irren, Irma, vielmehr war er ein durch— triebener Geselle gewesen. Aus Eitelkeit hatte er den mit seinem Geschicke wohlzufriedenen Vogel ge—
„Ein toter Mensch kann nicht lachen, nur ein
bis die Krankheit erloschen sei.
hause, betreten solle. jedoch der Verwalter, Kenntnis erhielt, den Verwalter mit sich in ein
Zimmer nahm und dort Desinfektionsmittel in Brand setzte.
öffnen zu wollen. Es verstrichen auch fünfzehn Minuten; es schien jedoch, als wenn dem Pächter die ganze Sache aus dem Kopf gekommen sei.
des Zimmers vorbeikam, hörte er einen Schlag, worauf er dieselbe öffnete und der Verwalter, welcher im bewußtlosen Zustande war, ihm ent⸗ gegenfiel. Es wurde sofort ein Arzt geholt und nachdem der Geräucherte wieder zu sich gekommen war, brachte man ihn nach Eberstadt in seine Wohnung, woselbst er das Bett hüten muß.— Eine merkwürdige Geschichte das. Der einge⸗ räucherte Berwalter scheint kein besonders energischer Mann zu sein, sonst hätte er sich wohl überhaupt nicht in die Räucherkammer sperren lassen.
* Gießen, 15. Jan. Die in Darmstadt erscheinenden„Neuen Hess. Volksblätter“ ent⸗ halten in ihrer Nummer 12 vom 15. Januar folgenden Artikel:
Gießen, 12. Januar. Bezüglich des auch in unser Blatt übergegangenen„Eingesandt“, welches der evan⸗ gelische Pfarrer Schlosser im„Gießener Anzeiger“ ver⸗ öffentlichte, erhalten wir vom kathol. Pfarramt zu Gießen folgende Erwiderung:
„Anfangs Dezember besuchte der kotholische Pfarrer von Gießen zum ersten Male einen schwer erkrankten Familienvater, dessen Frau und Sohn evangelisch waren.
Beim zweiten Besuch am 8. Dezember hat der Kranke die Sterbesakramente erbeten und an demselben Tage empfangen. Daß zum Sakramenten⸗ empfang die Bereitwilligkeit des Vaters, die Kinder katholisch erziehen zu lassen, notwendig ist, ist bekannt.
Am 9. Dezember gab seine Frau und, da die Schule die Erklärung des Vaters forderte, am 12. De⸗ zember der Vater die schriftliche Erklärung ab, daß der Sohn katholisch erzogen werden solle.
Nachdem die Mutter die Erklärung abgegeben hatte, ließ der evangelische Pfarrer den Knaben zu sich kommen.
Hierzu sei bemerkt: 1) daß die evangelische Mutter in die katholische Erziehung ihres Sohnes sofort ein⸗ willigte, sogar sagte, daß sie es selbst wolle und daß das schon früher ihr Wille gewesen sei; 2) daß der
um auch die Sehnsucht nach der Freiheit bekämpfen zu können.“
„Und die Moral?“ „Ihr Käfig ist geöffnet, Irma, ich zentführe Sie mit mir in den Wald, von dem Sie während Ihrer Gefangenschaft so geträumt haben.“ „Ist das ein Gefängnis?“ „Jawohl, das ist es. Wir suchen uns dann draußen einen stattlichen Baum aus, wo wir uns unser Nestchen bauen wollen. Er wird nicht ver— goldet sein, der Käfig, aber auch nicht vergittert. Wir werden zwar nicht in Saus und Braus das Leben genießen können, doch auch nicht entbehren müssen. Allabendlich will ich Ihnen dann meine schönsten Lieder vorpfeifen.“ Irma lachte, diesmal aber aus ganzem Herzen, durchaus nicht geisterhaft. „Ich gebe Ihnen nicht die Genugthuung, Sie ernst zu nehmen. Ein reicher Mann macht einen solchen Antrag nur derjenigen, von der er voraus— gesetzt, daß sie ihn liebt.“ „Eine Frau ist zu Allem fähig, und es kann sehr leicht der Fall vorliegen, daß auch Sie mich wieder lieben. Eben darüber möchte ich ins Reine kommen. Selbst aber wenn Sie meinen Antrag refusieren bleibt die Möglichkeit durchaus nicht aus- geschlossen, daß Sie mich trotzdem lieben.“ „Lassen wir das jetzt! Wir müssen uns jetzt verabschieden.“„Kommen Sie morgen?“ „Nein.“ „Habe ich Sie verletzt?“ „Aber nein! Ich will durch mein Fernbleiben lediglich Ihr Gefühl der Verlassenheit erhöhen.“ „Und Sie hoffen durch die Beobachtung einer solchen Taktik zu agacieren?“ „Ich hoffe es.“ „Sie spielen zwar mit keinen bescheidenen, aber wenigstens mit offenen Karten. Uebrigens habe ich meine Entscheidung bereits jetzt getroffen; ich nehme weder Sie noch Ihren Antrag ernst.“
spielt, allein seine Eitelkeit war nicht kräftig genug,
seuche ausgebrochen war, verbot er sämtlichen in Eberstadt wohnhaften und bei ihm beschäf⸗ tigten Feldarbeitern das Betreten seines Hofes,
Au cinem 5 Verwalter teilte er mit, daß er nichl 5 Ge⸗ Verkehr hatte, auch nicht durch dritte Personen; daß der
a etz Dann ließ er den Verwalter allein in dem Zimmer und verschloß die Thüre mit dem Bemerken, nach 15 Minuten dieselbe wieder
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Expedition: 24
Kreuzplatz Nr. 4.
katholische Pfarrer die betreffende Familie
Familie irgend welchen schriftlichen oder mündlichen
markung Eberstadt, solange die Seuche dort Dieses Verbot übertrat wovon der Pächter
Kaplan den(am 28. Dezember verstorbenen) Vater nie kennen gelernt hat, die Mutter heute noch nicht und den Sohn zum ersten Male am 10. Dezember im Religionsunterrichte sah, nachdem die Mutter am 9. Dezember die entscheidende Erklärung abgegeben hatte.
Alles was in der Mitteilung des evangelischen Pfarrers Schlosser gesagt ist von„Versuchen seit längerer Zeit“, von Proselitenmacherei gegenüber der Frau“, von„Treiben im Sterbehause“, von„unab⸗
erst bei seinem Besuche(Anfangs Dezember) kennen lernte, vor⸗ her nie das Haus betreten, mit keinem Gliede der
kennt
lässigem Zusetzen“, von„furchtbarer Aufregung des sterbenden Mannes gegen Frau und Sohn“, von„einer in die Enge getriebenen Mutter“ ist unwahr.
Als er nach ungefähr 20 Minuten an der Thüre
Nicht nach längerem„Drängen und Zusetzen“, sondern sofort und in aller Ruhe und Bereitwilligkeit haben Vater und Mutter die katholische Erziehung des Sohnes verlangt. Aufregung und Entrüstung bei den Eltern entstand erst, als Herr Pfarrer Schlosser, nach⸗ dem die Erklärung der Mutter abgegeben und seine Macht, wie er selbst sagt, zu Ende war, den Knaben kommen ließ und nach Aussage des Knaben drohte, die Sache an die Oeffentlichkeit zu bringen.
Katholisches Pfarramt Gießen. Bayer.“
* Grünberg, 12. Januar. Im Jahre 1896 wurden in der Pfarrei Grünberg, die außer unserer Stadt die beiden Filialen Stangenrod und Lehnheim umfaßt, 63 Kinder, 28 Knaben und 35 Mädchen, geboren, davon in Grünberg 46 Kinder; getraut wurden 24 Paare, davon 16 aus Grünberg; gestorben sind 47 Personen.— Nach dem jetzt veröffentlichen Marktprotokoll wurden auf dem Grünberger Wochenmarkte im Laufe des verflossenen Jahres verkauft: 3016 Zentner Weizen, 782 Zentner Korn, 424 Zentner Gerste, 1970 Zentner Hafer, 74 Zentner Erbsen, 74 Zentner Samen, 11 Zentner Linsen, 10 Zentner Wicken und 4579 Zentner Kartoffeln, zusammen 10 940 Zentner Früchte, für welche im ganzen 55 290. gelöst wurden. Gegen das Vorjahr 1895 wurden rund 5000 Zentner weniger zu Markt gebracht und rund 21000 4 weniger eingenommen. Wenn auch die Grünberger Fruchtmärkte immer noch die bedeutendsten der Provinz, wenn nicht des ganzen Landes, sind, so ist doch von Jahr zu Jahr eine Abnahme des Marktverkehrs zu verzeichnen. Es hat dies wohl hauptsächlich seinen Grund darin, daß die Getreidehändler jetzt selbst in die entlegensten Ortschaften kommen, um die Fruchtvorräte auf⸗ zukaufen und viele Landwirte diese Art des Verkaufs der Ersparnis an Zeit und Mühe wegen vorziehen.(D. Z.) 3
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nicht ernst. Wenn Sie sich die Sache überlegt haben, verständigen Sie mich gütigst.“
„Wie könnte ich Sie verständigen?“ „Vertauschen Sie Ihr Trauerkleid mit einer lichten Toilette. Ich pflege an Nachmittagen auf der Terrasse des Badehauses beim Teleskop zu sitzen. Ich rekognosziere das Terrain der ganzen Gegend einschließlich des Ladamy'schen Kastells. „Dummheit.“
Einige Tage waren verstrichen, lauter schöne, sonnenhelle Junitage, die sengenden Gluten des gött— lichen Sonnenlichtes strahlten mit intensiver Heftig⸗ keit hernieder. Gräfin Irma die, infolge der Hitze nicht schlafen konnte, strich tagsüber gähnend im Garten herum, sich hie und da mit wohligem Be— hagen auf den Schaukelstuhl niederlassend. Abends stand sie auf der Terrasse und blickte wie ein ge— fangener Vogel sehusüchtig auf die entfernte finstere Waldwand hin, über welcher das blutrote Firma⸗ ment glänzte.
Am vierten Tage hatte sich in der Villa etwas Außerordentliches zugetragen. Zum größten Er— staunen der Bediensteten trat die junge Witwe ganz weiß gekleidet, einen roten Sonnenschirm in der Hand haltend, aus ihrem Zimmer heraus. Sie schnitt im Garten einige Rosen ab, befestigte diese auf der Taille und blickte lächelnd gegen Westen auf den Badeort hin.
Als der alte Graf, der in der Kastanienallee promenierte, Irma auf der Terrasse erblickt hatte, glaubte er seinen Augen nicht trauen zu dürfen. Er rief seine Frau herbei.
„Was für ein Kleid trägt denn Irma?“ Die alte Frau entgegnete nichts, sondern blickte gespannt auf die Terrasse hinaus.
Ein fremder Herr hatte die Schwelle der Villa überschritten, Gräfin Irma eilte ihm entgegen und schüttelte dem Gaste kräftig die Hände. Dann schlang sie ihre Hand sachte um seinen Arm und führte ihn langsam in die Kastanienallee. Als sie
„Und ich wieder nehme diese Ihre Erklärung
bei den Alten angelangt waren, stellte sie diesen den Fremden vor:„Herr Csato“, mein zukünftiger Gatte.
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