Nr. 162
Gießen, Mittwoch
„den 14. Juli
1897.
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9 Fwait Postztg. Nr. 3319. g 8 Ausgabe Gießen. ste 5 i 2* —Aͤledaktion: N Erscheint täglich mit Ausnahme der Ta Zonn⸗ Feier. b 5 6 ge nach Sonn⸗ und Feiertagen. f Expedition: bib sad Kreuzplatz Nr. 4. 2 Preis der Anzelgen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 24 Kreuzplatz Nr. 4. rend————— u n 5 33. 105* 1 7 8 Auswahl! b P. zellock dem geselligen Vergnügen gewidmet. Nachmittags!» Gießen, 13. Juli. Bei dem am 11. d. den Metzger unbedingt notwendig, daß er in der l. lokales und rovinzielles. war auf der Terrasse des Hauses Konzert und Mts. in Wiesbaden abgehaltenen Gautag des allerfrühesten Morgenstunde schon an Ort und der, Gießen, 13. Juli. Einweihung des abends großer Ball in Steins Saalbau, bet dem Rhein⸗Main⸗Gaues deutscher Uhrmacher war der Stelle sein muß, wenn er nicht von dem Ver⸗
zuen Hauses des Kaufmänn. Vereins. zchlußbericht.) Eine beifällig aufgenommene de hielt der Fabrikant Emil Schmall, einer ger 18 Herren, welche vor nunmehr 24 Jahren n Kaufmännischen Verein begründeten. Er Alderte, wie im September 1873 aus dem mmals nicht mehr lebensfähigen Vergnügungs⸗ Aub„Olymp“ der Kaufm. Verein erwuchs. icwere Zeiten wären wiederholt zu überwinden wesen. In dem eigenen neuen Heim soll fortan Ii Ernst des Lebens in Beruf und Arbeit ver—
tadt. ffektion.
at: tönt werden in edler Geselligkeit, und wer will wahl in; dem Verein verargen, wenn er neben seinem game ten Wahlspruch: Durch Wissen nur zu W seren, soll ja der Hauptzweck sein! n uch die anderen Worte gelten läßt: Drum lage. legen in traulichem Kreise wir edler Freund⸗ beitztleder haft Sinn— Und geben in sinniger Weise lisch Leder, m Glück und der Freude uns hin!— ein⸗ „Leinen 1e. denk dessen: Tages Arbeit— Abends Gäste zung. Saure Wochen— Frohe Feste. Und zu 8 nem solchen frohen Feste haben wir uns heute eint. Seine Rede ließ Herr Schmall mit
nem Hoch auf den Verein, dessen Vorsitzenden
en ud die Handelskammer ausklingen. Lehrer allen— I nauß toastete auf die Gäste und besonders u 5 Mark an uf den Vorsitzenden des kaufmännischen Fach⸗ u, Saiten. hbulwesens für den Unterverband Hessen und 5 Preislage. sasfau. Der Stadtverordnete Scheel als Mit⸗ rmonikas led der Baukommission brachte sein Hoch den bon 0 fig. a,“ sehrern der Fachschule, womit die Reden erschöpft ente aller Artie daren. Zahlreiche Glückwunsch⸗Telegramme und Baugsguele.! schreiben waren eingegangen, u. a. von den Pianos 9 handelskammern zu Offenbach, Bingen, Hanau, a e gassel, den⸗Kaufmännischen Vereinen zu Mar⸗ 1e rds.“ urg, Wetzlar, ebenso vom Handelsverein Wetz⸗ harmonuns er, und von demselben für Darmstadt und mielen. löl]? zessungen. Der Provinzial⸗Direktor und unser Justumente; dberbürgermeister hatten ebenfalls Glückwunsch⸗ f Lager Ihreiben gesendet. Um 5 Uhr war die Tafel atis und franlz endet.— In dem festlich erleuchteten Vereins⸗ 1 nuse fand am Abend ein Kommers statt, bei NI ech em die oberen drei Lehrsäle von Teilnehmern 9 zallständig gefüllt waren. Der erste Vorsitzende geltersweg 88, röffnete den Kommers mit einer Ansprache,
dorin er hervorhob, daß/ aller hiesigen elbständigen Kaufleute dem Verein an⸗ hören, von den hier konditionierenden faufleuten seien aber nur, Mitglieder. Aller⸗ ngs sei der Verein kein studentischer Kneip⸗ rein, es sei auch in ihm das Nachäffen alles iüͤdentischen Wesens verpönt, man könne aber uch ohne dem die Geselligkeit pflegen und bei koher Laune sich amüsieren.— Musik, Gesang ind Reden verkürzten die Zeit, sodaß der Morgen con graute, als die letzten Gäste die gastliche Stätte verließen.— Die Besichtigung des neuen dauses und der darin ausgestellten Arbeiten der sachschüler hatten am Sonntag Vormittag auch
Auf Kinder Wagel
Ligen die
es außerordentlich vergnügt zuging.
* Gießen, 13. Juli. Wie wir schon mit
geteilt, hatte als einziger Verein des Nordbezirks des Gaues 9 des d. R.⸗B. die„Wanderer“,
G. R.⸗G. zu der von der Gauleitung veran stalteten Vereins Dauerfahrt nach Coblenz ge meldet. Wir freuen
ein äußerst günstiges ist.
zu bringen.
der Lahnbrücke. Mit dem Glockenschlage 1 Uh
15 Minuten ertönte das Kommando zur Abfahr
und die„Wanderer“
schauermenge. Die ersten 30 Kilometer
nuten zurückgelegt, obwohl das Nehmen der vo und hinter Braunfels vorhandenen Berge seh
zeitraubend war, weil hier die Maschine gedrückt 3 Uhr 30 Minuten langte man in Weilburg an, bis wohin der Weg 43 Kilo⸗ Im Hotel„Traube“ daselbst, wo man sehr gut und prompt bedient wurde, nahm man das vorher bestellte Frühstück zu sich.
werden mußte.
meter beträgt.
Von hier aus gings weiter nach Limburg. De Weg dahin, vom Start 66,6 Kilometer weit, wa um 5 Uhr 15 Minuten zurückgelegt. Weite ging die Fahrt. Montabaur im Westerwald(87,
Kilometer von Gießen), war gegen ½8 Uhr er⸗ reicht. Nach 30 Minuten Rast gings nach dem 1½ Kilometer hinter Coblenz gelegenen Ziel, Hotel„Schützenhof“, wo man 9 Uhr 40 Mi⸗ Die ganze zurückgelegte Strecke beträgt 112 Kilometer, die dazu verwandte Zeit
nuten anlangte.
inkl. des Aufenthaltes unterwegs 8 ½ Stunder
von denen auf die Fahrzeit allein 6¼ Stunden Eine Leistung, die alle Anerkennung verdient und die allein der zu würdigen wissen wird, welcher das ungünstige, fortwährend auf und absteigende Terrain, besonders im Wester⸗
entfallen.
wald kennt. Infolge von Defekten an ihre
Maschinen mußten 5 Fahrer unterwegs die Tour 11 der abgefahrenen„Wanderer“ er⸗ reichten geschlossen in bester Verfassung das Ziel, der das Glück hat,
aufgeben.
darunter als Senior einer, schon Großvater zu sein. Als Anerkennung fü diese Leistung wurde den Gießenern der zuerkannt.
konkurrieren, unter ihnen einige, die mit meh
wie 50 Fahrern die Heimat verließen und weit
susten. Im Verein ferner stehende Kreise unserer Bürger⸗günstigere Wege zurückzulegen hatten, als die Schlachtviehhandel zeigen. Ist's doch in hiesiger fene ebf. shaft angezogen. Der Rest des Sonntags war„Wanderer“. Gegend, wo auf Lebendgewicht gekauft wird, für 9 rr———.— PPP... 7 7. ß„„ ͤ
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nne 8e 9 Da m i. Cbensogut hätte er, Gründlich beim Korrigieren] ebenmäßige Gestalt mit dem zierlichen Köpfchen so weg 2. f 8 Tüpfelchen auf de singen 1 Als ich noch im Flügelkleide in die emsig an der Wäsche hantieren sah. Wenn sie nur gaget Aster eg 5(Nachdruck verboten).] Mädchenschule ging!— Aber natürlich, junge nicht das dumme Lied dazu singen wollte. Es ließ 8 Bin i mal a lustger Sch weizerbub, Mädchen kennen keine Logik, kein klares Denken, auf große Oberflächlichkeit schließen, daß sie es that.
Hab immer frohen Mut; Wers mir net glauben will, Schweig nur gleich still. Dirididuida, duida, duida, dirida! Mit heller jubelnder Stimme gesungen, tönten
1 10, de Klänge des fröhlichen Liedes vom Garten her b b 5 b„. das ernsten Studien geweigte Gemach des Ober⸗ l. Ludwig 8 lhrers Dr. Gründlich, des Ordinarius der Unter⸗ 1 Kunda am Königl. Gymnasium zu B. Der Be⸗ der des Zimmers schien nicht sehr erbaut von dem 0 Lesang. Wie konnte man nur solchen Unsinn singen
ind ernsthafte Menschen dab urch stören. 1„Zieh“ mit der Sonne aus, komm' mit der 17entl. 12 15 Lacht nachhaus“— ein Ruck— die mathematischen 13 15 dae 921 urbeiten, die Gründlich eben korrigieren wollte, 10 un e% bogen über den ganzen Schreibtisch hinweg— bei
ate ale pfoee, ex Singerei arbeiten— unmöglich!
genbelel Die Zahlen mußten sich verwirren, es war zu 0 chwierig, den Zusammenhang im Kopf zu behalten, or Ahl an man so gestört wurde. Der Doktor sprang eitel af, um das Fenster zu schließen. Unten jodelte 1 6 lustig weiter. Da stand die junge Nachbarin
und nahm Wäsche ab. Wie konnte sie nur das died dabei singen! Erstens war sie doch kein Schweizerbub, sondern eine junge Dame, zweitens Lieb sie keine Kühe oder Ziegen aus, sondern nahm Düsche ab, drittens befand sie sich nicht in den Ae sondern in einem erbärmlichen, von hohen 6 770 umgebenen Stadtgarten. Das Lied wurde
so unter ganz falschen Voraussetzungen gesungen.
sie leben und singen in den Tag hinein, liche, leichtsinnige Wesen. Schade— sie schienen all so— alle, die er bereits kennen gelernt. waren das nicht, denn Gründlich herr“, tanzte ungern und kam inf mit jungen Mädchen in Berührung. 8 glaubte er aus den wenigen Exemplaren, die er bi jetzt kennen gelernt, auf die ganze Gattung schließe zu können. Lebewesen, berechtigung nicht abzusprechen war, teressiert. Aber das war anders geworden, Gerichtsrats im Nebenhause wohnten.
olgedessen weni
daß junge Mädchen eigentlich wohl zum Heirate bestimmt seien. Er fand, daß Magda Gendner, de Gerichtsrats einziges Töchterlein, ein allerliebste Exemplar ihrer Gattung sei. h kle daß es nicht gut sei, wenn der Mensch allein se Er sagte sich, daß zum Heiraten zwei gehören un daß er, f Lage wäre, sich ein Weib zu nehmen, und wa derlei eruste Erwägungen mehr waren. Ja, wen der Doktor nur seinem Herzen, diesem seltsame Muskel, dessen ö letzten Zeit durch ein wurde, hätte folgen wollen, gezögert haben, die
winnen. Sie war i Das sagte er sich jetzt wieder,
. uns, heute berichten zu können, daß das erzielte Resultat dieser Fahrt i In der Nacht vom Samstag zum Sonntag gegen 1 Uhr versam⸗ melten sich die Teilnehmer der Partie, 16 an der Zahl, in der Wirtschaft Pulvermühle, um der Vorschrift gemäß die Startkarten in Ordnung Hierauf nahmen die Radfahrer paarweise mit 4 Meter Abstand Aufstellung auf
sausten den Weg nach Wetzlar zu in die zwar milde aber dunkle Nacht hinaus, begleitet von einem kräftigen„All Heil“ einer trotz der späten Stunde anwesenden Zu— des Weges, die mit Einsetzung der ganzen Kraft ge⸗ fahren wurden, etwa eine Stunde Wegs bis hinter Braunfels, wurden in 1 Stunde 27 Mi⸗
6. Preis Dieselben hatten mit 14 Vereinen zu
oberfläch⸗
Viele war kein„Damen⸗
Aber dennoch
Bis vor kurzem hatte ihn keiner dieser denen allerdings eine gewisse Daseins— besonders in— seit Seitdem beschäftigte sich Gründlich öfters mit dem Gedanken,
Er machte sich klar,
Oberlebrer Dr. Gründlich, wohl in der
Vorhandensein ihm mitunter in der heftiges Klopfen bemerkbar dann würde er nicht holde Nachbarin für sich zu ge⸗ ein gar zu anmutiges Geschöpf. als er die schlanke
Verein Gießen durch drei seiner Mitglieder vertreten. Die Verhandlungen, geleitet von Herrn Seib⸗Wiesbaden drehten sich um die Beschaffung einer Verbandszeitung, um die Bewilligung eines größeren Beitrages zur Unterstützung der deut⸗ schen Uhrmacherschule zu Glashütte in Sachsen, um die Herbeiführung einer schärferen Hand— habung der Ss 42 a und 56 der Gewerbeord⸗ uung, um die Wahl eines Gauausschusses, sowie um die eingehende Besprechung der Tagesord— nung für den diesjährigen deutschen Uhrmacher⸗ tag in Hamburg. Die Leitung des Gaues wurde, nachdem Gießen abgelehut, für 3 Jahre dem Verein Mainz übertragen.
* Gießen, 13. Juli. Nach hierher einge⸗ gangener Nachricht erhielt auf dem Kreisturn⸗ fest in Homburg beim Geräte-Wettturnen u. a. von der Gießener Turnerschaft Häuser (T.⸗V.) mit 62 Punkten den 3. Preis und Schäfer(M.⸗T.⸗V.) mit 56% Punkten den 21. Preis.
* Butzbach, 11. Juli. Schon seit einigen Jahren wandte man sich hier der Erörterung der Frage, betr. Errichtung einer städtischen elektrischen Beleuchtungs-Anlage zu. Vor einiger Zeit wurde nunmehr die Vergebung der Herstellungsarbeiten dieser Anlage auf dem Submissionswege aus geschrieben und liefen zahl⸗ reiche Offerten ein. In der am 30. Juni d. J. stattgehabten Stadtvorstandssitzung wurde be⸗ schlossen, nachdem mehrere Offerten als un⸗ geeignet von der Konkurrenz ausgeschlossen worden, daß der Rest der eingegangenen Offerten durch einen Techniker geprüft werden soll, um diese Prüfung der weiteren Entschließung zu⸗ grunde zu legen.— In diesem Jahre herrscht hier eine sehr rege Bauthätigkeit. Fast in allen Teilen der Stadt sind prächtige Neubauten entstanden. Außer dem Kasernenbau sind sechs neue Wohngebäude aufgeführt, verschiedene ältere Häuser gründlich renoviert und einige Gebäude mit Anbau versehen, sowie andere Gebäulichkeiten zu Wohngebäuden hergerichtet worden. Die hiesige Stadt beabsichtigt ein Vereinshaus, Herr Metzgermeister Wilhelm Rübsamen einen Tanz⸗ saal an der Gießener Chaussee in der Nähe des Bahnüberganges zu bauen, ferner Herr Maurer⸗ meister Ludwig Kreh aus der ehemaligen Turn⸗ halle ein Wohnhaus herzurichten.
* Aus Oberhessen. Wie wohl allseitig bekannt sein dürfte, sammelt der deutsche Land— wirtschaftsrat Material, um in einer seiner nächsten Plenarsitzungen der Frage der Reform des Viehhandels näher zu treten. Zu diesem Zweck hat derselbe eine Reihe von Fragen an die Direktoren sämtlicher Schlacht- und Vieh⸗ höfe zur Beantwortung vorgelegt. Auch in hte⸗ siger Gegend herrschen auf diesem Gebiete reform⸗ bedürftige Uebelstände, die sich namentlich bei dem
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in Vermögensverfall gebracht.
käufer übervorteilt werden will, weil es zu keinen Seltenheiten gehört, wo man nicht durch vor⸗ herige Fütterung des Schlachtviehs, um ein höheres Gewicht zu erzielen, in seinem Erwerb geschmälert wird. Zu diesem kommt aber noch ein weiterer Uebelstand, dem man in den häufig⸗ sten Fällen zu wenig Aufmerksamkeit beimißt. Es bezieht sich dieses auf unsere Gemeinde⸗ viehwagen, die sich in vielen Ortschaften infolge der sehr selten vorgenommenen Revisionen von Seiten des gr. Aich⸗ amts als unbrauchbar erweisen und dem Viehhändler ein nicht geringer Prozentsatz in Bezug auf Feststellung des Gewichts verloren eht. Die Versuche, die in dieser Hinsicht von
nteressenten aus Grünberg mit verschiedenen Gemeindeviehwagen Rense worden sind, be⸗ stätigen das Vorhandensein dieses Uebelstandes mehr als zur Genüge. Vielleicht veranlassen diese Zeilen, daß in aller Kürze eine gründliche Revision unserer Gemeindeviehwagen von Seiten gr. Aichamts vorgenommen wird.
* Darmstadt, 12. Juli. Der den Ständen demnächst zugehende Entwurf des Beamten⸗ gesetzes enthält sieben Gehaltsklassen. Der Anfangsgehalt beträgt für alle Beamten aka⸗ demischer Bildung 2800 l, steigt alle drei Jahre um 400, södaß der Maximalgehalt sich auf 5600 l stellt. Die Dienstzeit wird von der definitiven Anstellung an gerechnet, vorgängige kommissarische Verwendung im Staatsdienst kommt nur bei der Pensionierung in Betracht.
* Darmstadt, 12. Juli. Oberlandesgerichts⸗ rat Holzapfel, ein bekannter hessischer Jurist, ist heute Nacht am Herzschlag gestorben.
* Darmstadt, 12. Juli. In der letzten Nacht wurden dem etwa 20 Jahre alten Sohn des Stationsbeamten Knös in Erzhausen ein Arm und ein Bein abgefahren, außerdem wurde er am Unterleib schwer verletzt. Der Verunglückte war gestern auf dem Sängerfest in Engelsbach und benutzte als Heimweg den Bahndamm. Hierbei wurde er um die Mitter⸗ nachtstunde von dem Güterzug Heidelberg⸗Frank⸗ furt überfahren. Der junge Mann ist nun im Landkrankenhaus in Darmstadt untergebracht. Die Amputation soll einen günstigen Verlauf nehmen.
* Mainz, 11. Juli. Gestern Abend ging vor der Strafkammer der Wechselfälschungs⸗ prozeß gegen den Frucht- und Mehlhändler Isaak Strauß nach zweitägiger Verhandlung zu Ende. Unter Anklage standen 71 Fälschungen mit einem Betrage von 27865 4. Der Staats⸗ anwalt plaidierte gegen die Zubilligung mildern⸗ der Umstände, denn den vornehmsten kaufmänni⸗ schen Grundsatz, Treue und Glauben, habe der Angeklagte nicht gekannt und nur mit Lug und Trug gearbeitet, ihm fehle das Gewissen. Durch seinen Schwindel habe er mehrere kleine Leute Die beiden Ver⸗
Und Oberflächlichkeit war ihm, dem Dr. Gründlich, in tiefster Seele verhaßt. Schon von der Schule her. Die noch so geniale Lösung einer mathe— matischen Aufgabe von seiten eines Schüiers konnte ihn nicht befriedigen, wenn ein Flüchtigkeitsfehler sich in derselben befand. Dagegen konnte eine saubere Arbeit, die von Fleiß und Gründlichkeit sprach, wenn auch nur wenig Genie sich darin zeigte, ihn sehr günstig für den betreffenden Schüler stimmen. Nun, und was ihm bei einem der Schüler schon wichtig, wie müßte das erst bei der Wahl einer Gattin in Betracht kommen! Es stimmte sonst alles so hübsch. Der Gerichtsrat war ein wohl⸗ situierter Beamter in geordneten Verhältnissen, hatte nur drei Kinder, eine Zahl, die der Oberlehrer ge— neigt war, als normal anzunehmen— ja, es stimmte alles. Man schien ihn drüben im Nachbar- haus auch nicht mit ungünstigen Augen anzusehen. Magda war immer lieb und freundlich zu ihm. Gewiß, er würde sich keinen Korb holen. Aber ihr Charakter! Diese stete Munterkeit, die konnte nichts Gutes zu bedeuten haben. Eine derartige Munter— keit konnte nur in oberflächlicher Veranlagung ihren Grund haben. Magda hatte doch, da die Mutter tot, den Haushalt zu leiten, den Vater, die Brüder zu versorgen— wenn sie es erust mit ihren Pflichten nahm, dürfte sie entschieden nicht so viel singen und lachen, als sie es that. Er halte sie noch nie anders gesehen, als vergnügt. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Wer ihm nur gesagt
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hätte, was eigentlich in dem Mädchen steckte! Er konnte sich doch nicht eher entscheiden, trotzdem er Magda liebte. Eben sah sie bei ihrer Arbeit zu ihm auf, er grüßte höflich, sie dankte ihm mit einem allerliebsten Neigen des hübschen Köpfchens, dann verschwand sie im Haus. Der Herzmuskel Gründ⸗ lichs begann sich wieder zu regen. Das mußte anders werden. Sollte er es wagen, ohne tiefern Einblick in Magdas Charakter frischweg um sie zu werben? Nein, niemals! Aber was sonst? Die zu korrigierenden Arbeiten ruhten, Gründlich dachte nach. Plötzlich stieß er einen frohen Ruf aus. Er hatte es! Es gab einen Weg— die Graphologie mußte ihm helfen. Gründlich war sehr für Grapho— logie. Das war so recht eine Wissenschaft nach seinem Sinn. Er hatte sich selbst schon vielfach damit beschäftigt und auch vor längerer Zeit bereits eine Probe seiner eigenen Handschrift an einen der ersten Schriftdeuter geschickt. Das Resultat war überraschend gewesen, der ganze Mustermensch, der er zu sein glaubte, war bis auf den kleinsten Zug aus den steifen Linien seiner Schrift herausgedeutet worden. Das hatte ihm damals große Freude ge⸗ macht. Jetzt nun sollte ihm die Graphologie in der wichtigen Frage dienen; dazu mußte er vor allen Dingen ein Autogramm von Magda besitzen. Aber wie sollte er dazu gelangen? Ein Schreib⸗ album besaß er nicht, er konnte sich auch unmöglich eines zutragen und Magda zuerst bitten, sich in dasselbe einzutragen. Sie würde ihn schön aus⸗ lachen. Die Zeiten, da ernsthafte Männer sich von ihren Freunden und Freundinnen gastreiche Verse ins Stammbuch schreiben ließen, sind ja längst vorbei. ortsetzung folgt.)


