Ausgabe 
13.6.1897
 
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Nr. 136

Gießen, Sonntag, den 13. Juni

1897.

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Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.

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Gießen.

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Posiztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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1** Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 12. Juni. In der am Montag beginnenden 2. Tagung des Schwurgerichts kommen folgende Fälle zur Verhandlung: Mon ag, 14. Juni: Wilh. Gustav Mende von Freiburg a. d. Unstrut: Verbrechen im Amt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmer⸗ mann; die Verteidigung führt Justizrat Baist. Dienstag, 15. Juni: Wilh. Reichart von Selters: Anstiftung zum Meineid. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch; die Verteidigung führt Rechtsanwalt Windecker. Mittwoch, 16. Juni: Friedrich Pauli von Uitiingen: Verbrechen wider die Sitt⸗ schkeit. Die Anklage vertritt Erster Staats⸗ anwalt Dr. Güngerich; die Verteidigung führt Hechtsanwalt Grünewald. Donnerstag, 17. Juni: Th. Schönherr von Gießen: Meineid. Die Anklage vertritt Erster Staats⸗ anwalt Dr. Güngerich; die Verteidigung führt Hechtsanwalt Dr. Fuhr. Freitag, 18. Juni, Joh. Weppler von Schlitz: Ver ssuch der äuberischen Erpressung. Die Anklage vertritt Staatsauwalt Koch; die Verteidigung führt Rechsanwalt Metz. Samstag 19. Juni: August Koch von Fulda: Totschlagsver⸗ uch. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch; die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Jung. Die Verhandlungen beginnen jedes Mal vor mittags 9 Uhr.

* Gießen, 12. Juni. Unsere Stadtver⸗ ordneten genehmigten in geheimer Sitzung im Erinzip die Anlage einer neuen Straße vom Neuen Weg über den für das evangelische Schwesternhaus angekauftenWiener Hof, über ie Grundstücke von Friedel und Asprion, Klebe und Bach nach der Blockstraße. Der Plan der Straßenanlage lag in der letzten Sitzung der Stadtverordneten zwar offen, war aber für unseren Berichterstatter durch Packpapier verdeckt. Die Straße soll nicht nur sehr breit werden, sondern sich wegen ihrer Lage besonders zu besseren Wohnungen eignen. Außerdem sei die bauliche Ausnutzung des Wienerhofgeländes eine ganz vorzügliche, sodaß z. B. das sehr geräumige Gelände, welches für das Schwesternhaus reser⸗ bert ist, sich nur auf rund 30 000 Kl stellen wird. Jedenfalls ist es mit Freuden zu be⸗ grüßen, daß damit endlich in diesem Winkel der Altstadt zeitgemäße bauliche Verhältnisse geschaffen werden und daß dabei das Schwesternhaus im Mittelpunkt der Stadt, von allen Seiten bequem erreichbar, Unterkunft sindet, denn damit ist der fentlichen Meinung, welche gegen die Errichtung deses Gebäudes im Osten der Stadt s. Zt. sich heäußert, Rechnung getragen.

Gießen, 12. Juni. DerFrkf. Ztg. wird geschrieben: Seit einigen Jahren werden in der vor der juristischen Fakultät der Landes⸗ universttät abzulegenden ersten Prüfung der jungen Juristen bedeutend höhere Anforderungen estellt, wie man sagt, auf Weisung des Mini⸗

drang zum juristischen Studium elwas zu ver mindern. Dagegen läßt sich an sich nichts einwenden. Aber die in Gießen beim ersten Konkurs gestellten Anforderungen sind verhältnis⸗ mäßig höher, als jene der zweiten Staats⸗ prüfung. So kommt es, daß in Gießen während des Examens eine größere Anzahl von Prüf lingen zurückzutreten pflegt, was bei der zweiten Prüfung, die vor Praktikern in Darmstadt statt⸗ findet, höchst selten der Fall ist. Will sich die Regierung nicht dazu entschließen, ein Vorexamen auf der Landesuniversität einzuführen, in dem nach Absolvierung von drei oder vier Semestern der ganze rechtshistorische Ballast endgiltig er⸗ ledigt wird? Nur so kann unseres Erachtens eine Besserung in der Einteilung des Rechts⸗ studiums herbeigeführt werden. Bei der Prüfung für das Richter⸗ und höhere Verwal⸗ tungsfach andererseits wird bei der stetig zu nehmenden Menge des zu verarbeitenden Rechts stoffs eine Forderung unabweisbar: die Teilung des Examens in ein solches für die Justiz und ein solches für die Verwaltung.

* Gießen, 12. Juni. Im Vorstand des Detaillisten⸗Vereins ist schon mehrfach die Frage angeregt, ob es sich nicht ermöglichen lasse, das Mitbringen von Hunden in die Verkaufs⸗ läden(ähnlich wie in den Wirtschaften) poli⸗ zeilich zu untersagen. Man war bei Besprechung über diesen Punkt allgemein der Ansicht, daß ja die Zulassung der Hunde, welche sich in Beglei⸗ tung der Kundschaft befinden, besonders in den Läden, in denen Lebensmittel feil gehalten werden recht mißständig sei, konnte sich aber zur Befür⸗ wortung eines polizeilichen Verbotes nach dieser Richtung nicht entschließen. Man war vielmehr der Ansicht, daß es genüge, um dem Uebel abzuhelfen, in den Läden am Eingang von außen sichtbar Plakate anzubringen, durch die die Kundschaft gebeten wird, Hunde draußen zu lassen. Es sei anzu⸗ nehmen, daß man bei dieser Einrichtung auf die Einsicht des kaufenden Publikums rechnen könne. Wir sind auch der Ansicht, daß Hunde nicht in Läden gehören. Die Wareu, werden nicht nur beschnüffelt, sondern auch vielfach direkt ver unreinigt.

* Gießen, 12. Juni. Der Verband Gießen des hess. FechtvereinsWaisen⸗ schutz hat bei der am Sonntag über acht Tage im Restaurationssaal der Liedertafel stattfinden⸗ den 5. Landesversammlung den Antrag gestellt, dieselbe wolle beschließen, daß der Verband Gießen in der Oberfechterei durch ein auf drei Jahre zu wählendes Mitglied vertreten sei. Die Oberfechterei ladet zu dieser Versammlung in dem Verbands⸗OrganWaisenschutz mit dem Bemerken ein, daß die Beratungen vormittags um 10 Uhr beginnen. Abends findet großes Gesangs⸗ und Instrumental-Konzert, sowie Reunion statt.

* Gießen, 12. Juni. großherzoglichen Handelskammer zufolge königl. Direktion mit Bereitwilligkeit den

Dem Antrage der hat die Zug 39

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzelle.

Expedition:

81 Kreuzplatz Nr. 4.

von Zug 45 ab Gießen bezw. 55 ab Frank⸗ furt a. M., später gelegt und erhält derselbe folgenden Fahrplan: Hungen ab 2 Uhr 50 Min. nachmittags, Villingen ab 3 Uhr 9 Min., Wetter⸗ feld ab 3 Uhr 24 Min., Laubach an 3 Uhr 32 Min. nachmittags.

* Gießen, 12. Juni. Gestern wurde ein Musketier des Infanterie-Regiments Nr. 81 aus Frankfurt a. M. in das hiesige Lazarett ver⸗ bracht. Bei der Rückfahrt aus dem Urlaub war derselbe in der Nähe von Burbach(bei Betzdorf) durch das Aufgehen der Wagenthür aus dem Eisenbahnwagen gestürzt und hatte sich hierbei mehrere Bein- und Kopfwunden, sowie einen Rippeubruch zugezogen.

* Gießen, 12. Juni.(Kleine Lokal⸗ nachrichten.) Vermißt wird seit gestern Vormittag ein 92 jähriger Herr von hier, der an Schwermut leidet. Aus einem hinter⸗ lassenen Briefe geht hervor, daß er beabsichtigt, sich ein Leid anzuthun. Das Dienstmädchen einer hiesigen Herrschaft entfernte sich gestern plötzlich ohne alle Ursache aus dem Hause. Später fand sich ein Brief von demselben vor, worin es schrieb, man möge es in der Lahn suchen. Seit einiger Zeit wurden in ver⸗ schiedenen Hauskellern Diebstähle an Eß⸗ waren u. s. w. verübt. Die Diebin wurde gestern in der Person eines Schulmädchens ermittelt. Die gestohlenen Gegenstände fanden sich in der elterlichen Wohnung zum Teil vor. In verflossener Nacht fand zwischen jungen Leuten im Burggraben eine Rauferei statt, wobei die Polizei einschreiten mußte.

* Gießen, 12. Juni. Der Maurer Schwalb von Rödgen, der mit seinen Arbeitsgenossen am Neubau des Maurermeisters Steinbach in der Bergstraße ein Gerüst aufschlug, stürzte bei dieser Arbeit zwei Stockwerke hoch herab und zog sich dabei anscheinend innere Verletzungen zu. Er wurde in die Klinik verbracht.

* Gießen, 12. Juni. Gleich uns bezweifeln noch mehr Zeitungen die Richtigkeit des angeb⸗ lichen Erlasses, demzufolge für Radfahrer auch die Fußwege der Chausseen in Hessen freigegeben wären. Verschiedentlich wird aber die Richtigkeit der Meldung immer vorausgesetzt direkt Front gegen derartige, den Radfahrern eingeräumte Rechte gemacht. So schreibt die demokratischeMünchener Freie Presse:Es ist sonderbar! Entweder chikaniert man die Radfahrer bis aufs Blut, macht ihnen allerlei unsinnige oder zwecklose Auflagen oder aber man

esteht ihnen wieder Rechte zu, die zu weit gehen. In letzterer Beziehung wird aus Hessen berichtet, daß dort neuerdings verschiedene Kreisämter ihr Aufsichtspersonal angewiesen haben, fürderhin Radfahrer, welche die Fußwege der Chausseen zum Fahren benutzen, nicht mehr zur An⸗ zeige zu bringen. Alle Fußwege der Chausseen sollen für die Folge den Radfahrern gesetzlich freigestellt werden, doch müssen diesedie nötige Rücksicht auf die Fußgänger beo⸗ bachten. Diese Bestimmung ist direkt un⸗

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geheuerlich. Wir sind durchaus radfahrer freundlich und sind für absolute Freigabe aller Fahrwege für dieselben, müssen aber

ebenso energisch die absolute Freihaltung aller Fußwege nur für Fußgänger fordern. Man ist sonst trotz allernötigen

Rücksicht auf die Fußgänger weder seines, noch vor allem des Lebens seiner Kinder nicht sicher. Wir nehmen an, daß es sich bei den mehrfach erwähnten Bestimmungen wohl nur darum han delt, einen Radfahrer dann nicht zur Anzeige zu bringen, wenn er auf menschenleerer Chaussee auf dem Bankett fährt. Eine offizielle Bekannt⸗ machung wird hoffentlich bald allen Zweifeln ein Ende machen.

Gießen, 12. Juni. Im Großherzogtum Hessen bebauen insgesamt 2068 Tabaks⸗ pflanzer 67 497,09 Ar mit Tabak. Davon kommen 8 Pflanzer mit insgesamt Ar auf Oberhessen. Der gesamte übrige Tabakbau kommt auf die Provinz Starkenburg. In Rhein⸗ hessen wird gar kein Tabak gebaut.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 12. Juni. Dem Vernehmen desBerliner Tagebl. zufolge beginnen die Großmächte aufgrund einer bezüglichen Ver⸗ ständigung einzelne Schiffe aus den kre⸗ tensischen und griechischen Gewässern zurückzuziehen. Die internationale Flotte wird allmählich zurückgezogen und nur noch die Landtruppen verbleiben bis auf weiteres in ihrer bisherigen Stärke.

Hd. Berlin, 12. Juni. Bei der gestern Abend vollzogenen Wahl eines Predigers der Sophien⸗ Gemeinde wurde Pastor Iskraut zum zweiten Male von der vereinigten Körperschaft gewählt. Bekanntlich war Iskraut nach der am 11. September v. J. statt gefundenen Wahl vom Konsistorium nicht bestätigt worden.

Hd. Düsseldorf, 12. Juni. In dem Barrison⸗Prozeß wurde Redakteur

Otto vomArtist zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Hd. Eger, 12. Juni. Das Verbot des

Städtetags hat unter der hiesigen Bevöl⸗ kerung große Erregung hervorgerufen. Morgen Abend werden hier zahlreiche Reichsräte und Landtagsabgeordnete der deutschen Partei mit dem Bürgermeister die Form und den Zeitpunkt eines neuerlich nach Eger einzube⸗ rufenden Volkstages beraten. Als vorläufiger Termin ist der 20. d. M. ausersehen.

Hd. Paris, 12. Juni. Der durch die Ueber⸗ schwemmung in Voiwn verursachte Schaden be⸗ läuft sich für die Industrie⸗Werke allein auf 3 Millionen Franks. Der Schaden an öffentlichen Gebäuden und Brücken beläuft sich auf 2 Millionen.

Vermischtes. Das Kindermädchen auf dem Fahr⸗ rad. Ein Charlottenburger Kaufmann hat, so er⸗

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sertums. Anscheinend bezweckt man, den An⸗

Ein weiteres Bild aus dem Vogelsberg.

Von August Muh l. Der Herchenhainer Johannimarkt wie er ehemals war. (Nachdruck verboten) (Schluß.)

Damals aber wurden solche Wanderungen von licht selten 56 Wegstunden zum Herchenhainer Johannimarkt nicht gescheut, und wenn auch nicht immer Geschäfte halber, so doch meistens des Ver⸗ mügens und der guten Freunde und Bekannten, ind bei dem jüngeren Geschlechte vorzüglich der morschaften wegen, namentlich am dritten Markt uge unternommen. War doch dieser Johannimarkt en Lichtpunkt, nach welchem lange vorher schon, ob er hier um diese Zeit zuweilen launischen Witte⸗ ung, mit banger Sehnsucht geblickt wurde. Wurden

ese vielen Wegstunden zum Teil durch den schönen Pberwald deshalb nicht gescheut, da ja die Beglei⸗ ung so unterhaltend, und das Tanzen, wenn auch

zur wenige Stunden genossen, gerade auf dem herchenhainer Warkte so reizend und wonnig war.

Da jetzt der Vogelsberg schon zum großen Teil

i besseren Verkehr hineingezogen ist, so können die Hbewohner desselben ihre Kleiderstoffe und sonstiges

kötige, ohne auf den Johannimarkt zu gehen, uufen, ja es wird ihnen leider, leider jetzt mehr Is früher, durch die vielen Hausierer geradezu ins seaus gebracht, wo sie allerdings, gereizt und ge nackt, vieles als Schund kaufen, und obendrein

teuer, während sie sonst weniger und billiger,

Hungen⸗Laubach behufs Aufnahme des Anschlusses

selbst die Plaisierkosten hinzugerechnet, auf dem Johanni⸗ markt gekauft hätten.

Das Fettvieh können die Vogelsberger jetzt selbst nach Frankfurt und Gießen bringen, und da auch die Handelsleute außer den Vogelsberger Markt⸗ tagen per Bahn nahe herangelangen, können die Landwirte zu Haus fchon viel Vieh verkaufen. Seitdem aber die Gießener Märkte so bedeutenden Aufschwung genommen, ist auch der Stern des Johannimarktes jetzt schon seit einer Reihe von Jahren im Erbleichen.

Fragen wir nun nach der Ursache der stehung der früheren Massenströmung gerade nach Herchenhain an solchen Marktagen, da ja auch andere bedeutende Märkte im Vogelsberg, wie: Gedern, Obersemen, Ulrichstein ꝛc. vorhanden, die aber früher solche Massen nicht herangezogen 7 Die Antwort würde, ohne alles weitere Nachdenken ge⸗ geben, also lauten: Nun, weil gerade Herchenhain zur Sommerszeit ein besonders lieblicher Punkt des Vogelsbergs ist, und dieser Punkt, sogar der Markt⸗ platz selbst, eine herrliche Perspektive zeigt: nach W. die Wetterau, darin ganz deutlich Friedberg, die Ruine von Münzenberg, und eine Masse von Dörfern, sodann im Hintergrunde den Taunus; nach S. und SW. den Spessart, den Odenwald; nach Osten die Rhön. Gerade hier auf den duf⸗ tigen Höhen fühlt sich der Mensch wohl, wenn in den Thälern die Sonne brennt. Ganz im Freien, erhaben über allen Bewohnern Hessens, trinkt, ißt, tanzt es sich ja an den Johannimarkttagen so gut

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und schön. Wohl wahr.

Forscht man weiter nach den Ursachen der Ent stehung des Johannimarktes und berücksichtigt dabei einzelne Benennungen einiger nicht sehr weit von Herchenhain entfernte Oertlichkeiten, so dürfte man zu der Annahme der Sage gelangen, daß hier in vorchristlicher Zeit und den Anfängen des christ lichen Zeitalters große Wanderungen der Götzen⸗ verehrer in dieHaine und später große Wall fahrten von Christen nach demTaufstein, der Bonifacius-Kanzel, ganz in der Nähe von Herchenhain, und demMönchwalde, eine Stunde weiter ostwärts, unternommen wurden, zumal die Sage betont, daß Bonifacius an dem Taufsteine getauft, an der Bonifacius-Kanzel gepredigt und in dem Mönchwalde ein Mönchskloster gestanden haben soll. Der Ort Götzen, etwa 2 Stunden von Herchenhain gelegen, soll ein Hauptsammelort der Götzenverehrer gewesen sein, die dann in großen Schwärmen sich weiter in die Haine verbreitet: Hartmaunshain, Volkartshain, Grebenhain, Lanzen⸗ hain, Breungeshain. Was ist nun natürlicher, als daß die Anhäufung solcher Massenströmungen auch Gelegenheit zum Aufschlagen von Verkaufsbuden und Schenken bot, die dann immer zahlreicher wurden wie später die Massenfrommer Wall⸗ sahrer nach den Belehrungsorten wuchsen.

Eine der nächstliegenden Aufgaben des Vogels berger Höhen-Clubs wird nun auch die sein: das auf dem höchsten Punkte des Vogelsbergs(der Taufstein, 780m) behufs Vermessung errichtete Gerüst besteigbar herzustellen zumal ja vor etwa 60 Jahren sich auf dieser Stelle ein hölzerner Turm erhob, um von da eine über die herrlichen Buch⸗

wälder des Oberwaldes hinaus nach allen Rich tungen gestattete Aussicht zu ermöglichen.

Wenn auch in den Dörfern des oberen Vogels bergs vorerst noch keine Hotels mit schwarzbefrackten Kellnern anzutreffen sind, so kann doch der Tourist in jedem dieser Dörfer einen kräftigen und dazu billigeren Imbiß, als in anderen schon stärker be⸗ suchten Gebirgsgegenden, und auch ein sauberes Nachtlager, und in den Städtchen sogar ein ver⸗ wöhnter Gaumen eines Großstädters volle Befriedi⸗ gung finden.

Wird aber erst einmal der Strom der Touristen in unseren gesunden, luftigen Höhen, selbstver ständlich während der wärmeren Jahreszeit, ein be⸗ deutenderer, und werden die Hierhergewanderten von der gesunden Luft, würzigen kräftigen Milch und Butter, den schmackhaften Eiern wohlthuend er⸗ frischt und gestärkt, so werden auch die Vogels berger Dorfwirtshäuser sich aus ihrer Primivität zu mehr komfortablen Gasthäusern erheben, wozu jetzt der Vogelsberger Höhen-Club beizutragen be⸗ müht ist. Uebrigens dürfte gewiß den für ihre Gesundheit Stärkung und dabei zugleich herrliche Fernsicht aufsuchenden Reisenden schon das genügen, was selbst diese Vogelsberger Dorfwirtschaften jetzt schon bieten, und hierzu gehören auch die hier so vorzüglich gebacken werdenden, und gewiß auch ein Mal dem verwöhnten Großstädter wohlthuende Ab wechslung bietenden Kartoffelpfannkuchen, sowie gewiß auch unsere delikaten Forellen, mit denen die klaren Bäche des Vogelsberges unter dem Schutze des neuen Fischereigesetzes sich wie ehemals immer mehr wieder füllen werden.