Ausgabe 
13.3.1897
 
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ne Myrten⸗ ind weiße igen⸗Braut⸗ ze, gestickt autschleier, Hut⸗ und uzblumen off, Wachs und orzellan. uud Glas⸗ in verschiedenen Farben. Binderei von artboukettö, zen, Kreuzen d. Kronen.

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Gießen, Sonnabend, den 13. Mürz

1897.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

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T Posigtg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

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Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 11. März. Versammlung.) Der Oberbürgermeister Gnauth eröffnet um Uhr die Sitzung und verliest ein Schreiben der Witwe des ehemaligen Stadtverordneten Heß, worin dieselbe ihren Dank ausspricht für die Teil⸗ nahme, welche ihr anläßlich des Ablebens ihres Ehe mannes von Mitgliedern der städtischen Verwaltung bezeugt sei, worin sie dankt für die zahlreichen Blumenspenden, die zur Ehrung des Verewigten übersandt worden sind. Die Gesuche des Jakob Gorr VII zu Heuchelheim, des Chr. Haubach 1 hierselbst und des Brauereibesitzers Gg. Bichler hierselbst um Erlaubnis zur Errichtung von Back⸗ steinmacherhäuschen im Neustädterfeld finden ausnahms⸗ welse auf zwei Jahre widerruflich Genehmigung. Ein Gesuch der Brauerei Ihring zu Lich um die Genehmigung einer Trinkhalle auf ihrem Grundstück derLiebigshöhe wird ebenfalls ausnahmsweise genehmigt unter der Be⸗ dingung, daß das aus Holz zu errichtende Bauwerk min⸗ destens 5 Meter von dem vorhandenen Saalbau entfernt sen muß. Ein Baugesuch des H. Baduin bezweckte ursprünglich die Erbauung eines zweistöckigen Steinfach⸗ werkgebäudes(Stallgebäude) auf dessen Grundstück Leih⸗ gesternerweg. Da aber ein zweistöckiges Fachwerkgebäude nach den baugesetzlichen Bestimmungen unzulässig ist, so erklärt sich der Gesuchsteller damit einverstanden, statt des oberen Vollstockes einen Kniestock zu errichten. Die Bau⸗ deputation schlägt vor, unter dieser Bedingung ausnahms⸗ weise zu genehmigen, wenn das Fachwerk mit Steinen ausgemauert und das Holzwerk dabei nach außen sichtbar blelbt. Die Versammlung giebt hierzu ihre Einwilligung. Die Firma Heyligenstädt und Cie. will an der ver⸗ läͤngerten Liebigstraße ein größeres Gebäude, zum Bau größerer Werkzeugmaschinen geeignet, im Charakter und in Anlehnung der schon vorhandenen Fabrikanlage errichten. Well außerhalb des Ortsbebauungsplanes wird die Ge⸗ nehmigung ausnahmsweise erteilt. Ein Baugesuch des Curt v. Münchow für die Wolkengasse wird beanstandet, weil der Regulierung der Wolkengasse nach Errichtung des Hauses Schwierigkeiten entstehen. Ebenso wird ein

(Stadtverordneten

Baugesuch des A. Euler für die Steinstraße beanstandet,

und zwar aufgrund des Art. 16 der Ortspolizeiordnung. Der Oberbürgermeister legte dar, daß Euler erst eine Zusammenlegung seines Geländes mit dahinter liegendem städtischen Gelände herbeiführen möge, ehe das ihm ge⸗ hörige Gelände bebauungsfähig sei. Aufgrund des

Entwurfs für Abänderung der Ortspolizeiordnung vom

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10. Mai 1890 werden dem P. Sensfelder hier für Her⸗

stellung einer Futtermauer zur Einfriedigung seines Eigen⸗ tums an der Bismarckstraße nach der Stephanstraße zu 65 Vergütung aus der Stadtkasse bewilligt. Ein Gesuch des Emil Noll um Verpachtung eines 150 Qm. großen Lagerplatzes am Lutherberge wird gegen eine Pachtsummme von 7,50 4 pro Jahr genehmigt. An

den Bauunternehmer Winn wird dasjenige der städtischen

Hospitalverwaltung gehörige Gelände, welches derselbe zur Durchführung der Hofmannstraße bis zur Hollergasse be⸗ nötigt, zum Preise von 1,12 4 pro Quadratmeter über⸗ lussen, gleichzeitig wird dem Beschluß der Armendeputation zugestimmt, daß weiteres der Hospitalverwaltung gehöriges Gelände für den gleichen Preis der Stadt überlassen werden soll zur Anlage der, mit der Frankfurterstraße parallel anzulegenden neuen Straße, welche ihren Anfang von der Hofmannstraße nehmen wird. Ein Wirtschafts⸗ gesuch des Joseph Stein für Asterweg 6 les handelt sich um den Uebergang einer bestehenden Wirtschaft) wird ge⸗ gehmigt. Bei einem Gesuch um die Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb des Heinrich Nau für das Haus Stein⸗

sich hier um die früher Kratzenbergersche Wirtschaft; diese sei nicht rentabel gewesen, und um dies dennoch zu er⸗ reichen, habe man in derselben der Unzucht Vorschub geleistet. Es haben in vorgerückter Stunde meist Stu⸗ denten dort verkehrt und es sei durch Klage im Verwal⸗ tungswege den Vorgängern die Ausübung des Wirts⸗ gewerbes streitig gemacht und entzogen, zwar sei das Urteil noch nicht rechtskräftig, aber es scheine doch so, als ob sich die Verurteilten dabei beruhigen wollten. Jedenfalls habe man allen Anlaß, die Bedürfnisfrage unter diesen Umständen zu verneinen. Demgemäß be⸗ schließt die Versammlung. Ein Gesuch des Heinrich Winn für das Haus Ecke Bleich- und Stephanstraße und ein solches der Oranienbrauerei Dillenburg für das Haus Goethestraße 54 wegen Erteilung der Wirtschaftskonzession werden abgelehnt, weil bei der schwachen Bebauung der Gegend kein Bedürfnis dafür vorhanden ist. Ein weiteres Gesuch des Chr. Kruse für Lonys Bierkeller wird genehmigt. Ebenso findet ein weiteres Gesuch des H. Elges für Seltersweg 68 die Genehmigung, falls und solange Gesuchsteller in dem Hause eine Logier⸗ wirtschaft unterhält. Wegen Herstellung erhöhter Bürgersteige an der Häuserseite der Südanlage war der Versammlung bereits früher ein Projekt zur Genehmigung vorgelegt, welches gleichzeitig die Anlage eines Reitweges vorgesehen hatte. Der Reitweg fand damals nicht die Zustimmung des Kollegiums, und so liegt heute ein um⸗ geändertes Projekt zur Beschlußfassung vor. Danach ist als Breite eines befestigten erhöhten Trottoirs 3,60 Meter in Aussicht genommen, während die Fahrbahn auf 7 Meter inkl. der Gossen erweitert werden soll. Stadtv. Ada mi meint, es entspreche dem Charakter der Südanlage als Promenade besser, wenn man die ganze bestehende Breite des vorhandenen Trottoirs beibehalten würde. Der Oberbürgermeister erklärt, daß doch wohl eine Verbreite⸗ rung der Fahrbahn für die Südanlage nötig sei, daß aber schon aus Schönheitsregeln der Vorschlag des Stadt⸗ bauamts, die Straße so anzulegen, maßgebend gewesen sei. Stadtv. Heichelheim weist darauf hin, daß der Südanlage die Vorgärten fehlen, und er meine, es könne gar nicht schön aussehen, wenn man hier das Trottoir verschmälere. Der Oberbürgermeister weist darauf hin, daß ein Bürgersteig von 3,60 Meter sehr breit sei und daß er für das gute Aussehen nach Fertigstellung die Garantie übernehme. Stadto. Löber hält die Verbreite⸗ rung der Fahrbahn in der Südanlage für sehr nötig im Interesse des Fuhrwerkverkehrs. Er finde daher, daß das Projekt des Stadtbauamts nicht nur überaus praktisch, sondern auch schön und gefällig sei. Die Abstimmung ergiebt die Annahme des Projekts, wie vorgeschlagen, mit großer Mehrheit. Auf Wunsch der Versammlung hat das Stadtbauamt ein Projekt für Herstellung erhöhter Trottoirs in der Weidengasse vorgelegt. Es ist, um wenigstens bis zum Polizeiamt diese Einrichtung treffen zu können, als geeignetste Idee in Vorschlag gebracht, dessen Eingangsthor nach der Neuenbäue zu hinzurücken und bis hierher von jenem Straßenzuge aus einen be⸗ festigten Bürgersteig anzulegen. Die Baudeputation ist aber der Meinung, es rentiere die Sache nicht, und zwar, weil binnen kürzerer Zeit doch die Verlegung des Polizei⸗ amts aus der Weidengasse sich für nötig erweisen wird. Der Oberbürgermeister teilt bei dieser Gelegenheit mit, daß das Ministerium jetzt seine Bereit⸗ willigkeit erklärt habe, mit der Stadt wegen uebernahme der Verwaltungs⸗ oder Wohlfahrtspolizei zu verhandeln, und da, wenn diese Verhandlungen wie zu hoffen zu einem günstigen Ende führen, die Verlegung der Poli⸗ zei in die Nähe der Bürgermeisterei dringend sei, so em⸗ pfehle es sich, die Weldengasse vorerst so zu belassen, wie

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile

N Expedition: 2 Kreuzplatz Nr. 4.

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Schmall regt dennoch wenigstens eine Verbesserung der Rinnsteine in der Weidengasse an. Bei der Vergebung von Bordsteinen in Basalt, Lawa ist die Firma Michels in Andernach für die ganze Lieferung die Mindestfor dernde geblieben. Die Baudeputation schlägt vor, dieser die Lieferung für die Damm⸗, Ebel- und Liebigstraße und für die Südanlage zu übertragen, dagegen der hiesigen

Firma Kraft u. Co. die Lieferung für die Moltke⸗ und Göthestraße zu übertragen, trotzdem diese Firma

eine Kleinigkeit teuerer ist. Bestimmend für diesen Be⸗ schluß war, daß man dieser Industrie in unserer Gegend, welche unter schwierigen Verhältnissen sich entwickelt hat, diese Lieferung habe zuwenden wollen, schon aus lokal⸗ patriotischem Interesse und dann, weil der Preisunter⸗ schied kein großer sei. Die Versammlung stimmt dem zu. Es folgt eine geheime Sitzung.

* Gießen, 12. März.(Stadttheater.) Die gestrige Aufführung derGrille gestaltete sich zu einer stürmischen Ovation für die Bene⸗ fiziantin Fräulein Klara Leno, welche die Rolle derFanchon Vioieuz mit schönstem Gelingen zur Darstellung brachte. Fräulein Leno beweist mit jeder neuen Rolle, daß sie das Zeug in sich hat, eine tüchtige Künstlerin zu werden; sie spielt mit Feuer und geht, das merkt man ihrer Darstellungsweise an, ganz in ihrer Rolle auf. Zahlreiche Hervorrufe, prächtige Blumen- und Kranzspenden lohnten die verehrte Benefiziantin für ihre schönen Leistungen. Auch den Mitwirkenden sei mit höchster Auerkennung gedacht. Es war wieder eine schöne, abgerundete Borstellung, wie wir sie von der Direktion Kruse⸗Helm nicht anders gewohnt sind.

* Gießen, 12. März. In der Provinz Oberhessen wurde folgenden Dienstboten für langjährige Dienste in derselben Familie dasGoldene Kreuz verliehen: 1. Marie Eimer aus Friedberg, 25 Dienstjahre im großh. Lehrerseminar in Friedberg. 2. Katharina Maria Heß aus Bleichenbach, 28 Dienstjahre bei der Familie H. Kraft in Bonhausen. 3. Elisabeth Kircher aus Rinderbügen, 28 Dienstjahre bei Herrn H. Gerth y in Diebach g. Haag. 4. Mar⸗ garethe Scharmann aus Willofs, 25 Dienst⸗ jahre bei Herrn W. Frank in Schlitz. 5. Katha⸗ rina Weil aus Butzbach, 25 Dienstjahre bei Herrn B. Seulburger J in Butzbach. 6. Magda⸗ lena Zahn aus Seligenstadt, 25 Dienstjahre bei der Familie Gutfleisch in Gießen.

* Gießen, 12. März. Deutsche Schwimm⸗ hallen. Es bestehen in Deutschland gegen⸗ wärtig 75 Badeanstalten, die gedeckte Schwimm⸗ hallen haben. Drei, nämlich in Köln, Frankfurt a. M. und Hannover, haben je drei Schwimm⸗ hallen, zehn, in Crefeld, Düsseldorf, Elberfeld, Zittau, Barmen, Bremen, Magdeburg, Stutt⸗ gart, Wiesbaden und Chemnitz, je zwei, die übrigen je eine Schwimmhalle. Von den Bade⸗ anstalten sind 27 staatlich und städtisch, 26 sind im Besitz von Aktiengesellschaften und Vereinen und 22 haben Privatverwaltung. In Berlin befinden sich 9 Badeanstalten mit gedeckten Schwimmhallen, in Dortmund 2, in Hamburg 4, in Dresden 7, in Leipzig 5. Aus der uns vor⸗ liegenden Zusammenstellung sehen wir, daß auch

sraße 74 bemerkt der Beigeordnete Wolff: Es handle

ste sei. Die Versammlung ist einverstanden. Stadtv.

mehrere kleine Orte mit nur einigen Tausend

Heimat.

Novelle von H. René. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Man pflegt nicht sehr wählerisch zu sein in Kalifornien, zumal, wenn man ein solch armer, gluͤckverlassener Bursche ist, dem Niemand mehr twas borgen will. Eine warme Fürsprache hatte er freilich in der Tochter des Alten, dem dunkel⸗ zugigenStern vom Sakramento gefunden. Made. noiselle Cecile Cailleron begann mit ihm zu lokettieren, und er, obgleich er für das kleine, leicht⸗

fertige Ding mit den hochrotgeschminkten Wangen

ind heiserer Stimme auch nicht das Geringste fühlte, ging darauf ein, aus Langerweile. Man leckte ihn mit seiner Eroberung, neidete ihm auch

vohl den Goldfisch, der wirkliche Brillanten und sohe Stöckelschuhe trug, und ehe er sich's versah

bar er mit Vater und Tochter unterwegs nach kuropa. Cecile vertrug das kalifornische Klima licht und Papa Cailleron wollte dem Schwieger⸗ hn seinen Elfenbeinhandel in Konstantinopel über⸗ seben, um dann in der Welt weiter herumzu⸗ aunern; Cecile sollte doch nun einmal das Leben iner Fürstin führen.

In Marseille wurden sie getraut. Er gedachte iner Mutter und ließ die kleine, fieberheiße Hand, se der Priester eben in die seine gelegt, unwill⸗ Dann kam der tolle Winter in saris, Cecile's Tod, seine Metamorphose zum Nillionär, und weiter? Ja weiter kam dann wohl üchts mehr!

Länger als ein Jahrzehnt hatte er dieser Dinge plötzlich ihr schwerfälliges Stoßen und Rumpeln

nicht mehr gedacht. Warum erschien ihm jetzt plötzlich die Vergangenheit in solch einem grellen Lichte? War er trotz aller Irrfahrten doch ein Deutscher geblieben, ein schwerfälliger Deutscher? Qualvolle Aussicht, diese endlosen Stunden auf heißem Lager ruhelos sich hin- und herzuwerfen. Und dann die ungebetenen Gedanken, diese wilde Jagd!

Das Beste wäre wohl eine Nachtfahrt in's Blaue hinein. Vielleicht trug der Wind frischen Heuduft von den Feldern in das enge Koupee, und man könnte beobachten, wie die Sternennacht lang⸗ sam dem Morgengrauen wich. Sehr lange hatte er keinen Sonnenaufgang mehr gesehen. Das letzte Mal wohl, als Goldgräber, am Sakramento! ge wesen. Aber was hatte die Sonne beleuchtet? Einen Haufen wüster, würfelnder Gesellen und mitten darunter seines Vaters Sohn, seines stolzen ehrenfesten Vaters Sohn!

Er biß die Zähne zusammen, um nicht aufzu⸗ stöhnen. Weg mit den Gedanken, für ihn gab es kein Erinnern, kein Heimweh mehr! Und im Grunde, was ging es ihn an, ob die Morgensonne über Kalifornien oder Schlesiens Bergen stand! Er klingelte, befahl Licht, die neuesten Tagesblätter. Doch bald war die Zeitung bei Seite geschoben, und er blätterte in dem kleinen Kursbuch. Immer wieder kehrte sein Blick zurück nach dem kleinen Ort, der inzwischen Bahnstation geworden war. Damals, als er auf und davongegangen, wand sich zur Winterszeit die Post noch mühsam durch ver⸗ schneite Hohlwege. Es war ihm, als höre er

auf dem Pflaster vor den Fenstern.

Er sprang auf, weit flog der Stuhl in's Zimmer und die Zeitung flatterte vom Tisch.

Ali soll kommen!

Der türkische Diener sei ja mit Erlaubnis des gnädigen Herrn in den Zirkus gegangen, er⸗ innerte der erstaunte Kellner.Richtig, er besann sich.Dann mag Ali mit dem Gepäck meine Rück⸗ kehr hier erwarten. Flink eine Droschke nach dem Schlesischen Bahnhof, in einer Stunde geht der Schnellzug!

Als Eos, die rosenfingerige, strahlend, eine sieg⸗ reiche Göttin, am dunklen Nachthimmel erschien, richtete der türkische Großhändler, den deutsches Heimweh, alberne Sentimentalität im Grunde gar nichts anging, sich au seiner finsteren Ecke auf. Bisher waren die Stationen fremd, fast ungehört an seinem Ohr verklungen, aber dort in der blauen Ferne jene mächtige, vom Morgennebel leicht um⸗ wogte Gebirgskette kannte er ganz genau. Gerade so, mit den trotzig in die Wolken ragenden Fels⸗ zacken und den dunkel bewaldeten Klüften hatte sie oft ihm vor der Seele gestanden.

Sein Herz pochte, das dumme Herz, welches der Kopf so wenig Macht besaß.

Die Sonne stieg höher, der Zug eilte weiter, die Berge kamen näher. Nun kannte er sie alle, die Namen, die der Schaffner rief. Das war sie, die große Stadt, aus der einstmals sein Weihnachts- spielieug gekommen, und die dann später der Schauplatz seiner wilden, schlechten Schülerstreiche geworden.

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Einwohnern Badeanstalten mit Schwimmbassins haben. Die größte Besuchsziffer im Jahre 1896 hat Stuttgart aufzuweisen, nämlich 493 609, dann kommen Berlin(Schillingsbrücke) mit 381928, Köln mit 365 039, Elberfeld mit 319 644, Düsseldorf mit 309 565, Bremen mit 267 460, Magdeburg mit 253 370, Crefeld mit 235 184, Berlin(Moabit) mit 229 410, Berlin (Admiralsgartenbad) mit 227854, Barmen mit 227534 Besuchern usw. Bei 5 Badeanstalten, Freiberg, Hamburg⸗Altona, Oberhausen, Dort⸗ mund⸗Nord und Wiesbaden, waren die Ausgaben für den Betrieb größer, als die Jahreseinnahmen, bei den anderen wurden, soweit darüber über⸗ haupt etwas mitgeteilt ist, größere oder kleine Ueberschüsse erzielt.

* Gießen, 12. März. Die leidigen Viehseuchen. Der für Mittwoch in Nidda angesetzt gewesene Rindvieh- und Schweine⸗ markt durfte zufolge des erst vom Ministerium telegraphisch eingetroffenen Verbotes wegen Seuchegefahr nicht stattfinden. Viele Händler und Züchter von auswärts, die zu spät davon erfuhren, machten einen Metzgersgang hierher. Da jetzt die meisten nächsten oberhessischen Vieh⸗ märkte bis auf Weiteres verboten sind, ist eine Stockung des ganzen Viehhandels in unserer Provinz wohl unausbleiblich.

* Gießen, 12. März. In den Monaten Juli bis September 1896 sind im Großher⸗ zogtum 4558 Todesfälle zu verzeichnen gewesen gegen 5034 des ee Quartales; in der Berechnung auf 10000 Ein⸗ wohner betrug die Sterblichkeitsziffer 44, sie war im Vergleiche des 2. Quartals mit 48 nicht un⸗ erheblich gesunken. Von den einzelnen Monaten hatte der Juli 1631 Todesfälle gehabt, der August 1583, der September nur 1344 und es treffen auf dieselben nach ihrer Folge die üb⸗ rigens überhaupt recht mässigen Sterblichkeits⸗ raten von 15, 15, und 13, Auf die Pro⸗ vinz Starkenburg waren entfallen 2009 Sterbe⸗ fälle gegen 2178 im 2. Quartale oder 45 gegen 49%%, auf Oberhessen 1042 gegen 1251 oder 38 gegen 46%% und auf Rheinheyen 1507 gegen 1605 oder 46 gegen 49% 0; auch in den einzelnen Provinzen war durchweg der Monat September derjenige der niedrigsten Sterblichkeit und es betragen die Sterberaten der Quartals- monate nach ihrer Folge in Starkenburg 16, 16 und 13%%, in Oberhessen 13, 13 und 12%% und in Rheinhessen 17, 16 und 14% 00.

* Grünberg, 11. März. Vor einem zahl⸗ reichen Auditorium sprach gestern Abend im Gasthause zumWilden Mann Herr Ingenieur Brockmann aus Offenbach über: Fort- schritte der Elektrotechnik. Veranstaltet war dieser Vortragsabend durch den hiestgen Gewerbeverein, dessen Vorsitzender, Herr Dippel, die Versammlung eröffnete mit einem Ueberblick auf die Errungenschaften der be⸗ deutendsten Erfindungen, nämlich des Dampfes und der Elektrizität. Das Referat des Herrn B. war sehr aktuell gehalten und erntete allge⸗ meinen Beifall. Des Raummangels wegen

Er wandte dem Fenster den Rücken; er mochte sie nicht in der Morgensonne funkeln sehen, jene Türme.

Die Maschine keuchte, der Zug ging langsamer; man war mitten in den Bergen.

Der Diamanthändler Robert Heider, der noch vor einer Woche zwischen Myrthen und Rosenlorbeer am Bosporus einsam gewandelt, breitete seine Arme aus nach den finsteren Riesentannen, die dort am Abgrund wuchsen.

Das war sein schönes Heimatland, dem er ein treuer Bürger hätte werden sollen, das Land, das die Schulgefährten begeisterungsvoll mit ihrem Blut geschützt, dem sie dienten mit Einsatz aller ihrer Kräfte.

Und was hatte er geleistet? Er hatte sich von einer Grisette heiraten lassen, ihren schuftigen Vater beerbt.

Heiser lachte er auf, dann starrte er in die Landschaft, an welcher der Zug vorüberflog. Hier war er an des Vaters Hand, ein fröhliches Kind, gewandert, dort mit lustigen Kameraden zum Bota⸗ nisieren hinausgegangen. Und hier, hier durch diesen Wald war er, Wut und brennende Scham im Herzen, geflohen, als der empörte Vater ihn, den großen Menschen, mit der Reitpeitsche gezüchtet hatte, wie einen Hund. Die gütige Mute hatte sich vergebens dazwischen geworfen, den Gatten be⸗ schwichtigt, den Sohn unter Thränen beschworen. Der große, thörichte Knabe hatte damals gemeint, den Urheber dieses Schimpfes glühend zu hassen; der einsame, alternde Mann hätte gern die strafende Vaterhand nun an die Lippen gezogen.

(Fortsetzung folgt).