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Gießen, Mittwoch, den 13. Januar
Postztg. Nr. 3239a. Telephon⸗Nr. 112.
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Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Gie en für das Rechnungsjahr 1895/96. ö VIII.
Marktwesen.
Die für 1895/96 vorgesehenen 36 Vieh- und Krämermärkte konnten wegen der in der Umgegend immer wieder da und dort aufgetretenen Maul- und Klauen seuche nur teilweise und unter allerhand den Besuch der Märkte erschwerenden Einschräukungen abgehalten werden; auf den Viehmärkten waren darum im ganzen auch nur aufgetrieben
12 807 Stück Rindvteh gegen 20 715 in 1894/95,
13 609„ Schweine„ 14 278 5„
Im März 1896 hat die Stadtverordneten⸗Versamm⸗ lung sich mit einer, inzwischen in Kraft getretenen, neuen Wochenmarktordnung beschäftigt; unter Erhöhung der seitherigen Zahl der Wochenmarkttage von zwei auf drei ist darin das ständige(auch außerhalb der Wochen— marktzeiten erfolgende) Feilbieten von Gegenständen des Wochenmarktverkehrs ebenso im Interesse der Reinhaltung und Erhaltung der Waren wie mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit der Käufer und Verkäufer in gedeckte Räume, insbesondere in die Marktlauben verwiesen, und der„Marktplatz“ durch anderweite Unterbringung der Verkäufer von Butter, Käse und Eiern entlastet worden, während im ganzen durch Einführung eines örtlichen und zeitlichen Marktzwanges für solche Gegenstände des Wochen⸗ marktverkehrs, welche an Markttagen ohne feste Bestellung von außerhalb hier eingeführt werden, die normale Preis⸗ 1 7785 auf den Wochenmärkten thunlichst gefördert werden wollte.
Die Lastwage am Güngerichschen Hause in der Frankfurterstraße wurde mit Rücksicht auf das dabei in Betracht kommende öffentliche Interesse an der Vornahme der Verwiegungen durch einen beamteten und verpflichteten Wieger in die gemeinsame Rechnung des Eigentümers und der Stadt übernommen und von der letzteren zum Wieger der seitherige Maschinenschlosser Haas dahier bestellt.
Schlachthaus.
Im Jahre 1895/96 wurden im städtischen Schlacht⸗
haus geschlachtet:
1369 Ochsen gegen 1256 in 1894/95
212 Faselochsen und Kühe„ 210,„ 838 Rinder und Stiere.„ 895,„ 5590 Saugkälber, Stoppel⸗ kälber, Hämmel und Schaffe„5276„ 8965 Schweine„ 8799„ 5 84 Pferde 85„
Der Großviehstall und die Freibank haben eine Ver⸗ größerung erfahren, über dem ersteren konnte noch eine Dienstwohnung für den Schlachthausarbeiter gewonnen werden.
Die auf 1. Januar 1895 ins Leben getretene Gießener Schlachtvieh-Versicherungs⸗Gesellschaft hat im Kalenderjahr 1895 nach Zahlung von 10 778,54„ an Entschädigung für beanstandetes Schlachtvieh mit einem Ueberschuß von 3685,19„ abgeschlossen.
Oktroiwesen.
Im Oktroipersonal sind mehrfache Aenderungen eingetreten: nach 41 jähriger Dienstzeit ist der Oktroi⸗ inspektor Jost unerwartet schnell verstorben. An seine Stelle wurde der Steueraufseher und Finanzaspirant Mäser in Friedberg berufen; schon zu Anfang des Berichtsjahres war der Oktroierheber Rühl am Seltersthor verstorben und der Oktroierheber Ockel am Neustädter Thor in den Ruhestand getreten; die Funktionen des Ersteren wurden provisorisch seiner Witwe und seiner Tochter, diejenigen des Letzteren dem seitherigen Buchdrucker Belz dahier uͤbertragen.
Feuerlöschwesen.
Bei Erlaß der Ortsfeuerlöschordnung in 1892 war die Stärke der Pflichtfeuerwehr auf 300 Mann festgesetzt worden; inzwischen hat die Gießener Freiwillige
Feuerwehr jedoch eine Stärke von 130 Mann erreicht, die Freiwillige Gailsche Feuerwehr ist in der Stärke von 100 Mann dem Feuerlösch- und Rettungsdienst eingereiht worden und arbeitet darin harmonisch mit der anderen freiwilligen Feuerwehr zusammen, und der Druck des er⸗ weiterten Wasserwerkes ist so verstärkt worden, daß meist nur noch direkt aus den Hydranten, ohne Inanspruchnahme der Spritzen gelöscht wird.
Mit Rücksicht auf diese Veränderung der einschlägigen Verhältnisse hat man— zunächst versuchsweise— die Stärke der Pflichtfeuwehr auf 120 Mann verringert.
Polizei.
In der Uebertragung der Lokalpolizei an einen besonderen Staatsbeamten haben sich noch immer keine grundsätzlichen Aenderungen ergeben, dagegen ist an Stelle des im Berichtsjahr pensionierten Großh. Polizeirates Fresenius der Großh. Regierungs-Assessor, nunmehrige Polizeiamtmann v. Bechtold getreten.
Neben der bereits erwähnten Wochenmarktordnung war die Stadtverordneten-Versammlung noch befaßt worden mit der gutächtlichen Aeußerung über Polizeiverordnungen betr. die Entnahme von Kies aus dem Bette der Lahn, betr. das Auf⸗ und Abladen, sowie den Transport von Metallgegenständen und betr. das Schrittfahren über den Kirchenplatz während des Gottesdienstes in der Stadtkirche; von Erlaß der letzteren Verordnung hat Großh. Polizeiamt jedoch— den Bedenken der Stadtverordneten⸗-Versammlung Rechnung tragend— vorerst noch insolange abgesehen, als die hiesigen Kutscher und die Leiter der Omnibusfuhr⸗ werke der an dieselben gerichteten Aufforderung, an der Stadtkirche während des Gottesdienstes möglichst ge⸗ räuschlos vorüberzufahren, ohne Zwang entsprechen.
Zwei weitere Verordnungen auf dem Geviete der Bau⸗ polizei waren diesseits angeregt worden: die eine betrifft die unterschiedliche Festsetzung der größten zulässigen Ge⸗ bäudehöhe an Straßen von einer geringeren als der nor⸗ malen Breite je nachdem es sich um solche der inneren oder der äußeren Stadt handelt, während die andere die Ausführung des letzten Absatzes des Art. 30 der all⸗ gemeinen Vauordnung(Beseitigung von Freitreppen und dergl.) zum Gegenstande hat.
An Baugesuchen wurden im Laufe des Berichts- jahres erledigt:
32 Gesuche für den Neubau von Wohnhäusern,
12„ desgleichen von Nebengebäuden und
115„ Bauveränderungen gegen 28, 29 und 27 im Vorjahre; die in letzterem erstmals festgestellte Verlangsamung der Bauthätigkeit hat sonach angehalten, gleichzeitig hat sich aber diese selbst erfreulicherweise mehr der Erbauung von Einfamilien⸗ häusern und von kleineren Wohnungen zugewendet.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 11. Januar. Wir hören aus zuverlässiger Quelle, daß zur Errichtung des Volksbades, vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung, der Schellenbergsche Garten am Seltersweg in Aussicht genommen ist. Der dafür eventuell zu zahlende Preis be— trägt 26 000 4— Unserer Meinung nach kann man für den gedachten Zweck eigentlich kein günstiger gelegenes Gelände finden, zwischen der Bahnhofstraße und dem Seltersweg, den beiden Hauptverkehrsadern der Stadt gelegen, ist von allen Seiten bequem zu erreichen und eignet sich entschieden seiner ganzen Lage nach besser für den gedachten Zweck, als etwa Geläude in der Bismarckstraße, auf welches der Ausschuß eben⸗ falls sein Augenmerk gerichtet haben soll.
* Gießen, 11. Januar. Dem Vernehmen nach befindet sich die seit über 50 Jahren be⸗ stehende Lügentischgesellschaft in der Auflösung.
Sollte das keine Lüge sein?
—————— Mächte der Finsternis. Roman von Helmuth Wolfhardt.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Bernhard wollte zwar in das Haus seines toten Vaters zurückkehren, aber Rodewald gab es nicht zu. Er bestand auf seinem Berlangen, daß der junge Mann ihn sogleich nach Sandhofen begleite und sich dort zunächst von den Strapazen der letzten Stunden erhole, mit so eigentümlichem Nachdruck, daß Bernhard es schon nach den ersten Versuchen aufgab, ihm zu widersprechen. Auch trieb ihn sein Herz ja mächtig genug dem geliebten Mädchen ent— gegen und die freudige Gewißheit, sie noch heute in zu schließen, brachte die strafende Stimme seines Gewissens, welche ihm neuen Mangel an Pietät gegen den toten Vater vorwerfen wollte,
bald zum Schweigen.
Rodewald ging mit seltsamer Hast voraus, als sie in ihren nassen Kleidern die Zimmer des Herren⸗ hauses von Sandhofen betraten. Bernhard sah, daß seine Hand zitterte, als er sie auf den Griff der Thüre legte, welche in das von ihm mit be— sonderer Vorliebe benutzte Wohngemach führte.
Elisabeth saß am Tische und hatte die Stirn in die Hand gestützt, als wäre sie eingeschlummert.
Bei dem Geräusche der näher kommenden Schritte
ober fuhr sie hastig empor, und bei dem Anblick
ihres Adoptivvaters glitt ein schwacher Freuden⸗ schimmer über ihr totenbleiches, verweiutes Gesicht. Sie ging ihm einige Schritte entgegen, um ihn zu umarmen; Rodewald wehrte jedoch sanft ihre Lieb— kosung ab und sagte, indem er zur Seite trat, um dem auf der Schwelle stehenden Bernhard Raum zu gewähren:
„Da bringe ich Dir Deinen Verlobten, Liesbeth! Ich konnte mir die Freude nicht versagen, nach all' der harten Arbeit dieser Tage inmitten meiner teuren Kinder zu vergessen, was hinter uns liegt an Leid und Stürmen und Herzenskämpfen!“
Wohl wußte die Ueberraschte für die Dauer weniger Augenblicke nicht, wie sie diese Worte zu deuten und den seltsamen Wechsel seiner Gesinnung zu erklären habe; aber sie war auch nicht geneigt, sich lange in nüßigem Grübeln darüber das Köpfchen zu zerbrechen. Sie sah ja den Geliebten leibhaftig vor sich, sie sah, daß er in Rodewalds Gesellschaft gekommen war und daß dieser keinen Versuch machte, sich drohend wie der Geist einer unerbittlichen Ver— geltung zwischen sie zu stellen. Das war genug, um sie aus dem tiefsten Abgrund verzweifelter Hoff— nungslosigkeit zum Himmel des höchsten Glückes zu erbeben. In laut aufjubelnder Seligkeit seinen Namen rufend, warf sie sich an die Brust des ge— liebten Mannes, und ihre weichen Arme umschlangen
* Gießen, 11. Januar. Der Kaufmän⸗ nische Verein und der Ortsgewerbe— Verein, auf dessen Veranlassung die Experi⸗ mental-Vorträge des Physikers Ambach gehalten werden, haben beschlossen, das Entré zu dieser Veranstaltung für Nicht-Mitglieder, welche den Vorträgen beiwohnen wollen, in Anbetracht der bedeutenden Kosten um eine Kleinigkeit zu erhöhen. Der Vortragende bringt zur Vorführung seiner Ex⸗ perimente einen ganzen Eisenbahnwagen voll Instrumente mit.
Gießen, 12. Jan. Vom Detailisten⸗ Verein können wir mitteilen, daß entweder Ende dieses oder anfangs kommenden Monats der Accessist Clarina im Hotel Einhorn einen Vortrag über das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb zu halten über⸗ nommen hat. Zu diesem Vortrag haben auch Nichtmitglieder des Vereins Zutritt.
* Gießen, 12. Jan. Der Verwaltungs⸗ bericht der Bürgermeisterei pro 1895/96 erwähnt auch der in der Landmannstraße erbauten Arbeiterwohnhäuser, deren Errichtung nur ermöglicht wurde durch Hergabe billigen Baugeländes seitens der Stadt. Wir haben s. Zt. Veranlassung genommen, die äußere Fassade dieser villenartig gestalteten Häuser zu besprechen, doch ist zu bemerken, daß mit diesen Bauten das Ideal von Arbeiterwohn— gebäuden noch lange nicht erreicht ist, indem für den wirklichen Arbeiter die Verzinsung eines solchen Hauses unerschwinglich ist. Außerdem haben wir erfahren— und das ist das Tadelns⸗ werte dieser Gebäude—, daß, obzwar dieselben je zum Bewohnen von nur einer Familie be⸗ stimmt sind, doch darin Aftervermietungen vor— genommen werden. Ein Fall, der ganz besonders
raß ist, weil er den reinen Hauswucher dar⸗
telt, sei hier angeführt. Der eigentliche Mieter des Hauses bezahlt ohne Wassergeld an Haus⸗ zins 19 l pro Monat und hat sich mit seiner Familie unter dem Dache eingepfercht, wäh⸗ rend er die unteren eigentlich zum Wohnen für ihn eingerichteten Räume des Hauses für 14 /. Monatsmiete vermietet hat. Unter solchen Umständen kann doch von Arbeiterwohn— häusern für eine Familie nicht gesprochen werden.
* Gießen, 12. Jan. Ueber die Nützlich⸗ keit des Turnens hielt Herr Dr. Spohr in Frankfurt a. M. in der dortigen„Turnge⸗ meinde“ einen Vortrag, der sicherlich auch unsere Leser interessieren dürfte. Gießen gilt allgemein als eine Stadt, in der man die edle Turnerei nicht nur zu schätzen weiß, sondern in der gesundheitliches Turnen auch fleißig geübt wird. Die„Frkf. Ztg.“ berichtet über den Vortrag:
„Als die Menschen, so begann der Redner in launiger Weise seinen Vortrag, noch auf den Bäumen tummelten, war es unnötig, ihnen einen Vortrag über die Mützlich⸗ keit der Leibesübungen zu halten; der Vortragende wäre sicherlich mit faulen Aepfeln und anderen faulen Früchten beworfen worden, Anders, d. h. einseitiger wurde das, als die Menschen, durch die Verhältnisse gezwungen, von den Bäumen herabstiegen und sich erst zu Jagd-, dann zu Hirten⸗ und ackerbautreibenden Völkern entwickelten, wobei sie aber immer noch in reiner, frischer Luft lebten. Mit der Gründung der Burgen und Städte und der sich daran anknüpfenden Enstehung des Handwerks, des Wehrstandes, des Gelehrtenstandes, in neuester Zeit des Standes der Fabrikarbeiter wurden die Leibesbewegungen immer ein⸗
e seitiger, es traten immer mehr Umstände ein, welche di Menschen zwangen, sich den körperlichen Uebungen mehr und mehr zu entziehen. Im Altertum waren es namentlich die Griechen, die in ihren Gymnasien, die etwas ganz anderes waren, wie unsere heutigen Gymnasien, die Leibes⸗ übungen eifrig pflegten. Die alten Germanen hatten ihre Schwertertänze, auch das Schwimmen gehörte dazu. Zur Zeit des Rittertums galten die Uebungen der Wehrhaftig⸗ keit. Heute finden wir die gesündesten Leute unter den Bauern und Soldaten. Der“ Handwerker, der Fabrit⸗
arbeiter, der Bureauarbeiter, sie Alle haben die Leibes⸗ übungen sehr nötig, am meisten der Gelehrtenstand. Der Redner teilt die Leibesübungen nach ihrem Werte in drei Gruppen: Reiten, Radfahren und das studentische Fechten
sind ziemlich einseitige Uebungen, die beiden ersten haben den Vorzug, daß sie fast stets in frischer Luft vorgenommen werden. Weit besser sind Bergsteigen, Schlittschuhlaufen, Floretfechten. Die besten Leibesübungen sind Rudern, Schwimmen und Laufspiele. Beim Schwimmen ist zu beobachten, daß ein enormer Wärmeverlust stattfiudet, blutarme Leute sollen deshalb höchstens 5—10 Minuten im Wasser bleiben. Im Uebrigen ist es, wie auch das Rudern ein Sport, der eifrig zu empfehlen ist, auch des⸗ halb, weil beide stets im Freien geübt werden. Bei den Laufspielen entwickelt sich leider viel Staub. Hierbei be⸗ sprach der Redner den wundesten Punkt der Tur⸗ nerei, das Turnen in den nie staubfreien Turnhallen, und empfahl, daß jeder Turner nach den Uebungen ein Douchebad nehme und einen Spaziergang in frischer Luft machen soll. Die Fenster der einen Seite der Turnhalle sollten während der Uebungen stets offen sein. Die Furcht vor Erkältung, die auch bei den Turnern herrscht, ist eine zu weitgehende, da die Leute meistens in Thätigkeit bleiben. Ein gewisses Gefühl von starkem Frösteln zeigt die Erkältung an und der Turner kann dem sofort abhelfen. Auch die Douche schadet dem erwärmten Körper nicht. Redner sprach dann von seinem naturärztlichen Standpunkt aus noch gegen die Wolle⸗ kleidung und den Alkoholgenuß, die er beide gänzlich ver⸗ warf, und schilderte weiter die Vorteile der Leibesübungen und die Nachteile ihrer Unterlassung, warnte aber ent⸗ schieden vor dem Zuviel. Man soll 2 bis 3 Stunden vor oder nach dem Essen turnen. Zur Stärkung der Rückenmarknerven soll nicht mit schweren, sondern mit leichten Hanteln geübt werden. Niemals aber soll man mit überarbeitetem Kopf in die Turnhalle gehen. Wer am Tage große geistige Anstrengung hat, macht abends am Besten einen Spaziergang. Herr Dr. Spohr brach bei dieser Gelegenheit auch eine Lanze für die Hinaus⸗ schiebung des Alters, das zum Schulbesuch verpflichtet; das zehnte Jahr sei früh genug. Man könne nicht sagen, daß die Kinder, die erst in diesem Lebensalter anfangen zu lernen, geistig zurückbleiben. Die Vernachlässigung der Leibesübungen ist, so schloß der Redner, die Hauptursache vieler heutigen Krankheiten. Nicht von den Heilsäften, sondern von den Heilkräften, die in unserer Natur liegen, haben wir die Erhaltung und die Wiederherstellung unserer Gesundheit zu erwarten. Und dazu kann das Turnen, als am vorzüglichsten geeignet, in erster Linie beitragen.“
* Steinbach, 12. Jan. Laut Gesellschafts⸗ vertrag vom 23. November 1896 har sich mit Wirkung vom 1. Januar 1897 ab unter der Firma„Spar- und Darlehenskasse Attiengesell— schaft zu Steinbach“ mit dem Sitze in Steinbach eine Aktieugesellschaft gebildet, deren Eumragung in unser Handelsregister erfolgt ist. Gegenstand des Unternehmens ist die Uebernahme und Fortführung des seit 1. März 1865 in Stein⸗ bach unter der Firma Spar- und Vorschuß⸗ verein zu Steinbach, e. G., bestehenden Ge⸗ schäftes, Verabreichung von Darlehen und Ge— währung von Hypotheken, Erwerb von Kauf— schillingen, Empfaug von Darlehen(Forderung von Kredit und Erwerb.) Das Grundtapual beträgt 20000. und ist in 20 auf den Namen
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seinen Nacken so fest, daß er ihr dennoch entrissen werden könne, und als wolle sie ihn jetzt nimmer— mehr freigeben, wer auch immer solches Opfer von ihr fordern möge.———
Für die Bewohner von Rothhaide ging die fürchterliche Gefahr der Ueberschwemmung, die sich in drohender Gestalt gezeigt hatte, noch einmal glücklich vorüber. Am folgenden Mittag erst erfuhr man, auf welche Ursache das plötzliche auffallende Sinken des Flusses zurückzuführen sei. Weiter stromabwärts und nahe der Mündung, wo das im weithin ausgedehnten flachen Moor- und Haide— land nicht sonderlich viel Schaden anrichten konnte, war in der That ein Dammbruch erfolgt und hatte der Flut damit einen natürlichen Abfluß verschafft, welcher die oberhalb liegenden Ortschaften und Ländereien vor einer Wiederholung des einstigen Schicksals rettete.
Die Einwohnerschaft von Rothhaide und seiner nächsten Umgebung hielt sich nichtsdestoweniger über— zeugt, daß sie nur dem entschlossenen und that— kräftigen Eingreifen des jungen Ingenieurs die günstige Wendung zu verdanken habe, denn ohne seine ebenso energischen als zweckmäßigen Anord— nungen würde es ihrer Meinung nach nicht möglich gewesen sein, den schon zur Hälfte fortgerissenen Damm noch so lange zu behaupten.
Als man mit nicht geringer Ueberraschung er—
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fuhr, daß der wackere Helfer des ehemaligen Pack— meisters Milow Sohn gewesen sei, suchte man sich ihm zunächst durch eine allgemeine Beteiligung an dem Leichenbegängnis seines Vaters dankbar zu er— weisen. Seit langer Zeit hatte man in Rodewald kein so zahlreiches Trauergefolge gesehen, als es dem entlassenen Eisenbahnbeamten auf seinem letzten Wege nach dem kleinen Friedhofe das ehrende Geleite gab.
Der Nächste bei dem blumengeschmückten Sarge war natürlich Bernhard, der seine schwarzgekleidete junge Braut am Arme führte. Unmittelbar hinter ihnen aber schritt, das weiße, ehrwürdige Haupt tief geneigt, Herthas Vater, der Besitzer von Sand⸗ hofen. Er hatte in erusten Kämpfen sich selbst überwunden, und sein heißes Verlangen nach Rache war gestillt. Als des Packmeisters letztes, enges Haus hinabgesenkt wurde in die Gruft, war er der Erste, der nach dem Sohne des Verstorbenen hart au das offene Grab herantrat.
Dreimal warf er eine Hand voll Erde hinunter auf den Sarg, und ohne daß einer der Neben— stehenden es vernommen hätte, murmelten dabei
seine zuckenden Lippen:
„So vergebe Dir Gott, wie ich Dir vergebe!“ Das Geheimnis von den Ursachen der Zugent— gleisung bei Ragosewo aber wurde zugleich mit dem
Packmeister Stephan Milow für immer begraben.


