Ausgabe 
12.11.1897
 
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Istattgefundene Medea⸗Aufführung durch dieselben

auf dem Index.

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Vernehmen nach auf minsterielle Weisung,

fisse ministerielbll empfohlen werden.

Eltern!) In einem Hause in der Schützen⸗ straße spielten gestern Vormittag in Abwesen⸗

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Gießen, Freitag, den 12. November

1897.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

ssche Landeszeitung

Postztg. Nr. 3319. Telephon ⸗Nr. 112.

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Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 11. November. Theaterverein. Die gestrige Vorstellung war die zweite im achten Vereinsjahr. Gespielt wurde, Medea, Trauerspiel in vier Aufzügen von Grillparzer. Die Titelrolle spielte Frau Anna Führing aus Berlin. Die übrigen Rollen waren von

Mitgliedern der Direktion Kruse⸗ Helm besetzt. Da die am Dienstag Abend in Marburg

Darsteller in unserer gestrigen Nummer schon ausführlich besprochen wurde, können wir von einer Rezenston der hiesigen Vorstellung absehen. Was von unserem Kollegen über die Marburger Aufführung gesagt wurde, trifft auch für die hiesigen Darbietungen zu. Frau Führing wurde nach jedem Aktschluß drei⸗ bis viermal hervor⸗ gerufen. Sie sowohl wie der Theaterverein können mit dem gestrigen Abend zufrieden sein. Das Theater war nahezu ausverkauft.

* Gießen, 11. Nov. Pro fessor Oncken DasMainzer Journal schreibt:Eine antikatholische Tendenz macht sich auch in den Geschichtsbüchern des Gießener Geschichtsprofessors Oncken bemerkbar. Trotz⸗ dem sollen seine Bücher neuerdings wieder, dem

den Schülern und Schülerinnen höherer Lehr⸗ anstalten empfohlen worden sein. Es wurde denselben nahegelegt, ihren Eltern die Anf chaffung der Onckenschen 9 16 717 als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke anzustanen. Hier sei indessen entschieden vor solchen Büchern ge⸗ warnt. So das katholische Journal. Unseres Erachtens kann einem Geschichtsprofessor nichts schlimmeres passteren, als wenn seine Erzeug⸗ 11. Nov.

Gießen,(Vorsicht

heit der Eltern einige Kinder mit Streich- hölzern und zündeten hierbei ein Bett an. Zum Glück war alsbald genügend Hilfe zur Stelle, sodaß ein größeres Brandunglück berhütet werden konnte. Das Bett und einige Kleidungsstücke verbrannten.

* Gießen, 11. Nov.(Schadenfeuer.) In verflossener Nacht entstand in einem Laden in der Neuen Bäue auf bis jetzt noch unauf⸗ geklärte Weise Feuer. Es verbrannten eine Menge Warenvorräte auch wurde das Gebäude beschädigt.

* Gießen, 11. Nov. Der Pferdefleisch⸗ konsum nimmt zu! In Offenbach schlachtete ein einziger Metzger in voriger Woche 1 Pferde. Durchschnittlich dürften in Offenbach wöchentlich etwa 20 Pferde geschlachtet werden. Auch in Gießen soll der Konsum des Pferde⸗ fleisches ein ziemlich bedeutender sein.

* Gießen, 11. Nov. Herr Karl Storck aus

ihr P

bezeichnet wurde, teilt uns heute zu dem fragl. Vorfall berichtigend folgendes mit:

Es ist unwahr, daß ich rücksichtslos schnell gefahren sei und daß das betreffende Kind nicht hätte ausweichen können. Thatsache ist, daß das Kind rücklings vor das Pferd gelaufen ist und infolge dessen umgestoßen wurde. Dem besten Lenker eines Fuhrwerkes ist es nicht möglich, das Pferd auf dieser kurzen Strecke zum Stehen zu bringen.

* Gießen, 11. Nov.(Schlachthaus⸗Fre⸗ quenz.) Das hiesige Schlachthaus hat seit seiner Inbetriebsetzung, die vor nunmehr 10 Jahren erfolgte, noch an keinem Tage eine solche Fre⸗ quenz aufzuweisen gehabt, als an dem heutigen. Von heute morgen 7 bis nachmittags 3 Uhr wurden nicht weniger als 102 Schweine ge⸗ schlachtet. Die prompte Erledigung der Ver⸗ waltungs⸗, Fleischbeschau⸗ und sonstigen Geschäfte verdient umsomehr Anerkennung, als bei der⸗ selben nur drei Beamte in Thätigkeit sind

* Aus Hessen, 10. Nov. DieStarkenb. Prov.⸗Ztg. bringt folgende treffliche Illustration unserer Eisenbahnzustände aus dem Rodgau: Obgleich bei der Station Hainhausen der Rod⸗ gaubahn mit sämtlichen Personenzügen Passa⸗ giere verkehren der tägliche Personenverkehr wird auf 150 geschätzt so befindet sich da⸗ selbst nur eine Haltestelle. Die gewöhnlichen Billets werden in den Zügen selbst von den Schaffnern, die Wochen⸗ und Monatskarten da⸗ gegen auf der Bürgermeisterei ausgegeben. Als Wartelokal dient eine einfache Bretterhütte, im VolksmundSchießbude genannt. Eine wesentliche Besserung dieses mangelhaften Zu⸗ standes dürfte in Bälde dadurch herbeigeführt werden, daß in nächster Nähe der Bahn ein geräumiges Gasthaus erbaut wird, in dem die assagiere Billets haben und einen bequemeren Aufenthaltsort finden können.

n. Schotten, 11. Nov.(Großfeuer.) In dem eine Viertelstunde von hier entfernt liegenden Dorf Michelbach ist gestern ein großer Brand ausgebrochen, der bis zur Stunde noch nicht gelöscht werden konnte. Nahezu die Hälfte des nicht sehr großen Dorfes liegt in Asche. Auch das Schulhaus ist ein Raub der Flammen geworden. Begünstigt wurde das Feuer durch den sehr stark herrschenden Wind und Wasser⸗ mangel. Nähere Angaben fehlen noch.

Medaktion und Prpeditlon: Kreuzplatz Nr. 4.

lialen: Alten⸗Buseck, Daubringen, Fellingshausen, Flensungen, Garbenteich, Or Buseck r.⸗Linden, Grünberg, Hausen, Heuchelheim, Hochelheim, Kinzenbach, Kl⸗Linden, Krofdorf, Lang⸗ Göns, Launsbach, Lauter, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Queckborn, Rödgen, Rodheim, Stangen⸗ rod, Staufenberg, Steinbach, Steinberg, Ulrichstein, Watzenborn, Wetzlar, Wieseck, Wißmar.

läuft in das Ersuchen aus, dahin wirken zu wollen, daß sämtliche Lehrkräfte an der dortigen Schifferschule aus der Staatskasse vergütet werden, wie dies auch bei den badischen Schiffer⸗ schulen zu Mannheim, Eberbach und Haßmers⸗ heim der Fall sei. Eingegangen sind ferner bei der zweiten Kammer 1. ein Gesuch der akademisch gebildeten Lehrer um Gleichstel⸗ lung mit den Richtern unterster Instanz in Rang und Gehalt; 2. eine Vorstellung von auf Widerruf angestellten Beamten, die definitive Anstellung derselben betreffend; 3. eine Vor⸗ stellung der Kanzlisten bei den Kollegial⸗ gerichten, deren Dienst⸗ und Gehaltsverhältnisse betreffend.

* Darmstadt, 10. Nov. Ein ganz raffi⸗ nierter Betrüger ist der in Kopenhagen e⸗ borene angebliche Maschinentechniker Georg Adhe⸗ mar Svedenborg. Nachdem er in Marburg wegen Bettelns eine Woche Haft verbüßt hatte, begab er sich nach Gießen und Darmstadt. Unter dem Vorgeben, er sei Maschinentechniker, habe in Graz das Diplomexamen bestanden, sei zur Zeit ohne Mittel, er wolle nach München oder Berlin usw., hat er sich besonders bei Studenten Reisegeld zu erschwindeln verstanden. Das Schöffengericht verurteilte gestern den frechen Schwindler zu einer Gesamtgefängnisstrafe von neun Wochen.

* Offenbach, 10. Nov. Verschiedenes fal⸗ sches Geld wurde in den letzten Tagen hier wieder im Umlauf gefunden und beschlagnahmt. Es ist dies ein falscher Thaler, ein Einmarkstück und ein 20 Pfennigstück. Bei den beiden erst⸗ enaunten Geldstücken war die Prägung ziem⸗ ich gut, bei dem letzteren dagegen recht schlecht.

* Mainz, 10. Nov. Die gestrigen Unter⸗ handlungen der Delegierten der Stadt Mainz und der Gemeinde Kastel wegen der Einge⸗ meindung nahm drei Stunden in Anspruch, ohne daß ein endgiltiges Resultat erzielt wurde. Die Vertreter von Kastel sind nicht geneigt, in der Oktroifrage nachzugeben, sie wollen sich unter keinen Umständen dazu verstehen, das Oktroi auch in Kastel einzuführen, worin man ihnen nur Recht geben kann.

* Mainz, 10. Nov. In dem benachbarten Weisenau war bei Gelegenheit der Kaisermanöver bayerische Kavallerie einquartiert. Zwei Reitern wurde in einem Hause eine größere Summe entwendet und der Mann, der die

* Darmstadt, 10. Nov. Der Bericht des ersten Ausschusses der zweiten Kammer über die Vorlage großherzoglicher Ministerien des Innern und der Finanzen, Dienstgebäude des

4 Darmstadt betreffend, den der Abg. Möllinger

erstattete, gipfelt in dem Vorschlage, zur Ver⸗ wendung von 8040. für Beschaffung von Diensträumen und des erforderlichen Mobiliars für den großherzoglichen f

im Hause Heinrichstraße Nr. 55 dahier die ver⸗

Rodheim, welcher in der gestrigen uns aus Krof⸗ dorf zugegangenen Notiz, einen Unglücksfall betr. durch einen Druckfehlerimit dem NamenStorch ̃ ͤ in:»

fa sungs mäßig Zustimmung zu erteilen. Eine

104 der zweiten Kammer eingegangene Vor⸗

stellung des Ortsvorstandes von Neckar⸗Steinach

das Verwaltungsgerichtshofes zu

Verwaltungsgerichtshof

Stallwache hatte, als Dieb bezeichnet. Die Untersuchung hatte damals keinen Erfolg. Gestern hat nun der Eigentümer des Hauses eine gründliche Reinigung des Stalles vorge⸗ nommen und in einer Ecke den fehlenden Betrag vorgefunden.

* Mainz, 10. Nov. Bei dem WirtZur Stadt Mailand erschien anfangs September der Handelsmann Isaak Fuld aus Roßdorf bei Darmstadt. F. teilte dem Wirte mit, er könne jede Woche 700. verdienen, wenn er gegen

nachgemacht sein. Der Wirt ging anscheinend auf das Anerbieten ein, setzte jedoch die Polizei davon in Kenntnis. Am 7. September kam nun Fuld zu dem Wirte und bestellte ihn zu einer Znsammenkunft in einer Weinwirtschaft, wo er gegen 300. die versprochenen 1000&& erhalten könne. Beide trafen sich denn auch und Fuld übergab dem Wirte ein mit fünf Siegeln ver⸗ sehenesWertpaket. Zugleich aber drang die Polizei in das Zimmer und verhaftete Fuld. Beim Oeffnen des Pakets fand sich nur Zei⸗ tungspapier vor. Die Strafkammer des Land⸗ gerichts verurteilte den 47 jährigen vorbestraften Schwindler zu Jahren Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe.

Vermischtes.

Erdbeben im Vogtland vulkanischer Ausbruch des Vesuv. Während man aus Falken⸗ stein im sächs. Vogtland neuerlich von zwei heftigen Erd⸗ stößen berichtet, die in der Morgenfrühe des letzten Sonn⸗ tags erfolgten, wird aus Portict bei Neapel von einer Erscheinung berichtet, die vielleicht in einem gewissen Zu⸗ sammenhang mit jenen mitteldeutschen Erderschütterungen steht. Seit einigen Tagen ist nämlich der Vesuv in leb⸗ hafter Thätigkeit. Aus dem im Jahre 1895 entstandenen Krater am Atrio del Cavallo fließen große Massen glühender Schlacken nach der Südwestseite ab. Die in zwei große Ströme geteilte Lava gleitet nach der Vetrana und nach der nördlichen Zone des Piano delle Ginestre ab. Der letztere Lavastrom ist wiederum in zwei Teile verzweigt. Auch der Hauptkrater zeigt sich nördlich thätig. Aschenregen, Lapilli und Basaltbrocken werden in häufigen Stößen ausgeworfen. Zu den Erdbeben im Vogtland ist noch zu bemerken, daß jene Gegend zu den erdbeben⸗ reichsten in Deutschland zählt und seit etwa 120 Jahren in jedem Jahrzehnt ein oder mehrere Mal von Erder⸗ schütterungen betroffen wird. Die Ursache der Häufigkeit dieser Erscheinung, gerade in der Gegend zwischen Hof in Bayern und dem sächsischen Erzgebirge glauben die Geo⸗ logen aus den bisherigen Beobachtungen über den Verlauf der Erdstöße erkannt zu haben. Achtet man nämlich auf die geologische Beschaffenheit der betroffenen vogtländischen Landstriche und auf die Richtung, welche die Bodenbe⸗ wegung zu nehmen schien, so ergiebt sich, daß die Erd⸗ beben mit dem Gesteinsaufbau des Vogtlandes in engem Zusammenhang stehen. Dem(nach Prof. Credners Schrumpfungstheorie) noch in langsamer Hebung be⸗ griffenen Erzgebirge parallel laufen kleinere Gesteinsfallen. In ihnen findet fortwährend noch ein seitliches Schieben und Drängen statt. Wo die Spannung in den starren Massen zu groß wird, bersten sie und an schon vorhan⸗ denen Bruchstellen verschieben sie sich um ein Geringes. Wir vernehmen diesen Vorgang als Erdbeben mit kanonen⸗ schußartigem Getöse. Am häufigsten muß dies auf kleinerem Raume vorkommen, wo ein Landstrich besonders reich an Gesteinsfalten und Verwerfungen ist. Nun stellt das Vogtland in der That ein wahres Netzwerk von Ge⸗ steinsfalten dar, und es läßt sich der Verlauf der in den letzten zwanzig Jahren im Vogtlande beobachteten Erd⸗ beben mit dem Verlaufe dieser Gesteinsfalten leicht in ursächlichen Zusammenhang bringen. Nach dieser Theorie brauchte also ein direkter Zusammenhang der Erdbeben mit dem vulkanischen Ausbruch im Süden nicht zu exi⸗ stieren.) Der obenerwähnte Prof. Credner hat eine Reihe von Erdbeben des vogtländischen und des weiteren sächstschen Gebietes bearbeitet, die sich seit 1875 bis zum Jahre

Zahlung von 300 4 1000& falsche Papier⸗ scheine übernähme, die außerordentlich gut

Die schlechte Handschrift.

Humoreske von Karl Kern. (Nachdruck verboten). Fortsetzung.)

Im höchsten 9 05 erstaunt ob solchen Be⸗ nehmens, das er durchaus nicht gewöhnt war, 85 der Herr Vorstand die Stirn und sagte reng:

Na, Herr Leisetritt hat mir doch aber vorge⸗ redet, daß es sich um seinen Sohn handelt!

Der junge Mann entgegnete spötüsch!:!

Er hat meine Mutter geheiratet. Sonst sind wir weiter nicht verwandt miteinander.

Es wurde dem Andern nicht ganz leicht, den Würde ihm nötig scheinenden Ernst zu bewahr en.

Kommen wir zur Sache! fuhr er fort.Ihr Vater denn als solchen muß ich Herrn Leisetritt doch gewissermaßen betrachten, wenn Sie sich auch dagegen sträuben hat mir gesagt, daß Sie bei uns schreiben. e 1

Ich soll. muß doch u ö.

20 55 5 5 Sie denn eine Schriftprobe bei sich?

Der Jüngling i brachte außer einer Zigarrendüte, eil berschiedenen Zetteln und einem Stück 0

inen zusammengefalteten Oktavbriefbogen 0

Fbervor, den er Herrn Lehmann hinreichte. Nga

stwas dabei zu erwähnen, hielt er nicht für nötig.

kramte in seiner Brusttasch e und einem Bleistift, Bind faden

der das Blatt etwas

Der Herr Vorstand, 2 und unschlüssig war, ob

ögernd genommen hatte, ö 8 hdem Bengel nicht vielleicht eine scharfe Ver⸗

mahnung zu Teil werden lassen solle, las die in ziemlich ungelenken Zügen hineingeschmierten Worte:

Berlin, Datum des Poststempels.

Unterzeichneter bewirbt sich hierdurch um den bei Ihnen vakanten Schreiberposten. Hochachtend

Otto Gericke.

Herrn Lehmanns Blick verweilte eine halbe Minute lang auf dem frischen, keineswegs unin⸗ telligenten Gesicht des sonderbaren Bewerbers, der seinen Blick mit kindlicher Unschuldsmiene aushielt.

Dann nahm der Büreauvorsteher wieder das

t: 0 scheinen unsere Ansprüche für recht be⸗

iden zu halten, wenn Sie meinen, daß wir 155 Menschen mit solcher Handschrift anstellen können Sie haben schon früher bei

Rechtsanwälten gearbeitet?

Ja, bei vieren.

So, und was hat man da zu Ihrer age Eine meinte, meine Hand wäre gut zum Asphalt stampfen, aber nicht zum Schreiben.

Und trotzdem muten Sie uns zu

Ich soll doch nun mal. Meine

will's durchaus haben.

Schrift

8

Mutter

Na, es thut mir sehr leid; aber Ihre Mutter

tann doch für uns nicht maßgebend sein.

Da kann ich also wieder gehen?

Der anmaßliche Ton empörte Herrn Lehmann im Junern, doch aus Rücksicht auf den bescheidenen Herrn Leisetritt, suchte er seine Mißstimmung gegen diese junge Großstadtpflanze hier zu beherrschen.

Während er noch überlegte, was er dem Burschen antworten sollte, öffnete sich die Thür zum Nebenzimmer, die schon vorher nicht ganz ge schlossen war, vollends, und der Rechtsanwall steckte den Kopf herein. Er warf einen scharf prüfenden Blick auf Otto Gericke und wandte sich dann zu seinem Büreauvorsteher:

Du Lehmann, komm doch mal bitte einen Augenblick rein!.... Der junge Mann mag einstweilen warten.

Das ist ja ein äußerst origineller Bengel, bemerkte Dr. Großmund, nachdem die Thür sich hinter Lehmann geschlossen hatte.Daß er nicht der Sohn unseres guten Leisetritt sein will, kann ich ihm garnicht verdenken.

Wieso? warf Lehmann ein.Wäre das denn eine Schande? Leisetritt ist unser gewissenhaftester Arbeiter und schreibt wie gestochen.

Ja, ja doch, mag ja sein. Aber schöne Hand⸗ schrift heutzutage na, das weißt Du ja. Er lächelte eigentümlich, und auch Lehmann lächelte; beide tauschten einen verständnisvollen Blick wie zwei Auguren.

1884 ereigneten. Am 17. Juli 1876 fand eine Erd⸗

erschütterung in Chemnitz statt, am 5. Oktober 1877 eine

Es war zwischen ihnen nicht nötig, zu er⸗ wähnen, was beispiels weise dem alten Leisetritt seine Schreibkunst eingebracht hatte. Großmund sowohl wie sein Büreauvorsteher wußten nur zu gut, daß gerade seine schöne Handschrift es war, die ihn auf den untergeordneten Posten festgehalten hatte. Denn so sauber und gefällige Schriftstücke wie er, fertigte kein zweiter im Büreau, deshalb hatten seine Vor⸗ gesetzten es, unter Benutzung seiner Bescheidenheit, gewissenhaft vermieden, ihm eine bessere Stellung zu geben.

Nach einer kleinen Pause sagte Lehmann:

Ich glaube zu erraten, was Du sinnst. Du wälzest den Gedanken, an dem Jungen gutzumachen, was wir am Alten gesündigt haben?

Ganz recht, den wälze ich. Und ich bin über⸗ zeugt, daß es auch mein Schaden nicht ist, wenn ichs versuche. Aus dem Jungen läßt sich was machen; er steckt nur in einem falschen Milieu. Lehmann zuckte die Achseln.Versuchs! Ich will keinen Rat gegeben haben.

Großmund sann noch eine Weile nach und sagte dann, nachdem er einen unschlüssigen Blick nach der auf dem Schreibtisch seiner harrenden Arbeit geworfen hatte:

Ich will den Bengel mal ein bischen sondieren. Schick ihn mir, bitte!

(fFortsetzung folat.)

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