Ausgabe 
12.3.1897
 
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Nr. 60

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1 Lokales und Provinzielles.

und Kompagniechef Stumpff, vom hiesigen

bei dem Kriegsministerium kommandiert.

lein Thessa Klinkhammer, das Mitglied unserer Bühne, gastierte am Stadttheater in Hanau als Ibsensche Nora Erfolg.Fräulein Thessa Klinkhammer gab als Nora, so urteilt die Hanauer Kritik,

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Gießen, Freitag, den 12. Mürz

*

Pofiztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

essische

Ausgabe

Gießen.

Postztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

7

* Gießen, 11. März. Der Hauptmann

Infanterie⸗Regiment wurde zur Dienstleistung

* Gießen, 11. März.(Stadttheater.) Fräulein Thessa Klinkhammer gastiert hier am Freitag alsNora. Der Frank⸗ furterGeneral⸗Anzeiger schreibt; Fräu⸗

mit außerordentlichem

eine so vollendete, fein charakterisierte Leistung, wie sie besser wohl schwer geboten werden kann. Die machtvollen seelischen Vorgänge wurden in überzeugender Weise zum Ausdruck gebracht, die Innerlichkeit und lebenswarme Auffassung, vor allem die einfach natürliche, fast kindliche Ge⸗ staltung der Rolle im ersten Teil des Stücks, gaben uns einen hohen Beweis ihres künstle⸗

kischen Könnens. f

Grünberg, 11. März. Gestern Nach⸗ mittag fand hier durch den Vorstand des

ferdezuchtʒ⸗Vereins für das Groß⸗ erzogtum Hessen, bestehend aus den Herren General der Inf. z. D. v. Westerweller Exc., Landesstallmeister von Willich und Rittmeister Naegele aus Darmstadt, eine Besichtigung der Fohlen und Stuten der Pferdebesitzer des Bezirks Grünberg statt. Es war eine statt⸗ liche Anzahl Pferde vorgeführt worden; davon wurden 16 Stuten angekört und die Besitzer der vier schönsten Fohlen erhielten Prämien. Der erste Preis mit 50, wurde einem Rappen⸗ fohlen des Herrn Bräun ing zu Mücke zu⸗ erkannt. An die Besichtigung schloß sich um 5 Uhr unter dem Vorsitze des Herrn v. Wester⸗ weller Excellenz imEnglischen Hof hier eine Wanderversammlung des Vereins, wozu sich etwa 30 Teilnehmer eingefunden hatten. Herr Kreisveterinärarzt Neunhöffer sprach in sehr 1 5 Weise über die Pflege des Pferde⸗ ufes.

* Grünberg, 10. März. In der heutigen Schöffengerichtssitzung kam ein Fall wegen Felddiebstahls zur Verhandlung, der bis in das Jahr 1892 zurückgreift. Auf der Anklage⸗ bank befanden sich ein sehr wohlhabender Oekonom D. von hier nebst den Arbeitern D. und W., welche im Herbste genannten Jahres anläßlich der Kartoffelernte auf der Heimfahrt mehrere Säcke mit Kartoffeln, die sich auf einem Acker eines Queckborner Landwirts befanden, mitgehen hießen, und den Ertrag dieses un⸗ lauteren Erwerbs unter sich verteilten. Nach einem Zeitraum von vier Jahren kam nun dieser

Felddiebstahl ans Tageslicht und zwar durch

den Arbeiter D., der, weil ihm der Mitange klagte Oekonom die Wohnung kündigte, aus Rachsucht handelte. In dem heutigen Termin wurden sämtliche drei Angeklagte der That über⸗ führt und in entsprechende Strafe genommen. Der Arbeiter D., ein schon vielfach vorbestraftes Individuum, erhielt in Anbetracht dessen und weil noch andere Momente hierbei in Frage kamen, 1 Monat Gefängnis, der Oekonom D., welcher den Rechtsanwalt Grünewald zum Ver⸗ teidiger hatte, kam mit 2 Tagen und der Arbeiter W., ein bisher gänzlich unbescholtener Mensch, mit einem Tag Gefängnis weg. Außerdem wurden den Angeklagten noch die Kosten des Verfahrens auferlegt.

* Sprendlingen(Kr. Offenbach), 10. März. Gestern Morgen kamen gegen 9 Uhr zwei ärm⸗ lich gekleidete Knaben im Alter von 1011 Jahren hier in eine Wirtschaft und verlangten für fünf Pfennig Wurst und ein Glas Bier. Die armen Jungen waren ganz blau gefroren und ihre Kleider waren von Kohlenstaub äußerst schmutzig. Auf eingehendes Befragen erfuhr man, daß dieselben am Montag Morgen ihre Wohnungen in Offeubach verließen, und zwar mit der Absicht, nach Homburg zu gehen, um dort die Tante des einen Jungen zu besuchen, sich aber während des Tages in der Nähe von Offenbach herumtrieben, die Nacht in einem Kohlenwagen am Bahnhof nächtigten und gestern Morgen beim Grauen des Tages den Marsch nach hier antraten und auch ausführten. Auf Anordnung der großh. Bürgermeisterei wurden dieselben alsbald unter Begleitung nach Offen⸗ bach zurückgebracht. Eine hiesige arme Witwe mit sechs, allerdings zum Teil erwachsenen Kindern, mußte am vergangenen Sonntag einer Irrenanstalt übergeben werden. Vor etwa 13 Jahren befand sich dieselbe schon einmal in der Anstalt.

* Aus Oberhessen, 8. März. Als im v. J. mit größtmöglichster Beschleunigung seitens der hessischen Landstände der Staatsvertrag zwischen Hessen und Preußen über die gemein⸗ schaftliche Verwaltung des beiderseitigen Eisen⸗ bahnbesitzes unter Dach und Fach gebracht worden war, hätten die bei dieser Umgestaltung doch auch ein wenig interessierten Beamten es nicht für möglich gehalten, 3 Wochen vor dem Inkrafttreten des Vertrags noch so schlecht über ihre zukünftige Verhältnisse unterrichtet zu sein, wie dies heute thatsächlich der Fall ist. Letz⸗ terer Umstand, so unangenehm er auch empfunden wird und zu so starkem Mißtrauen derselbe auch schon Veranlassung gegeben hat, hat aber doch nicht soviel allgemeinen Unwillen und Verbitte⸗ rung hervorgerufen, wie dies die in den letzten Wochen vorgenommene eingehende Prüfung des Staatsvertrags und namentlich des neuen Pen⸗ stonsgesetzentwurfs bewirkt hat.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.

04 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

2 Seligenstadt, 10. März. Mit Gewalt Soldat werden wollten mehrere auswärtige Gestellungspflichtige bei dem am Freitag hier begonnenen und vorgestern beendeten Re⸗ krutierungsgeschäfte, trotz ihrer Untauglich⸗ keit. Die Kommission hatte ihre liebe Not, die jungen Leute von ihrer Untauglichkeit zu über⸗ zeugen. Auch bei dem Musterungsgeschäft in Langen wurden ähnliche Erfahrungen gemacht. (Sollte man das für möglich halten? D. Red.)

* Aus der Wetterau, 10. März. Eine in wetterauischen Kreisen bekannte Persönlichkeit, der ehemalige Hofrat des Grafen Leiningen zu Ilbenstadt, Kaiser, wurde kürzlich unter dem Verdachte, zum Nachteile des Grafen sich des Betruges schuldig gemacht zu haben, auf Antrag des Amtsgerichts Friedberg in Hanau verhaftet.

* Mainz, 8. März. In einer öffentlichen Tüncher⸗ und Malerversammlung er⸗ stattete heute die Lohnkommission Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern. Die geforderten Zuschläge für Ueberstunden mit 10 Hund für Nacht⸗ und Sonntagsarbeit mit 20 A, sowie die 10stündige Arbeitszeit seien zu⸗ gestanden, die Abschaffung der Akkordarbeit da⸗ gegen abgelehnt und statt der geforderten allge⸗ meinen Lohnerhöhung um 10 pro Stunde für alle Gehilfen seien 3% für bessere Arbeiter angeboten worden; die Lohnkommission habe in⸗ folgedessen die Verhandlungen mit den Meistern abgebrochen. Die Versammlung billigte das Verhalten der Lohnkommission und beauftragte ste, das Gewerbegericht als Einigungsamt an zurufen.

Schwurgericht. W. Gießen, 10. März 1897. Das Urteil in der Anklage gegen Joh annes Ritzel wegen Meineids lautet auf fünf Jahre Zucht⸗ haus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und dauernder Unfähigkeit, vor Gericht Zeugnis abzulegen.

W. Gießen, 11. März.

Um 9 Uhr vormittags eröffnet Landgerichtsrat Dr. Linkenheld die Sitzung. Es wird verhandelt gegen den Weißbinder Heinrich Weimer IV von Dau⸗ bringen wegen versuchten Straßenraubes, räuberischer Erpressung, begangen gegen den ehe⸗ maligen Kaufmann Wenker, den jetzigen Buchhalter vom Heibertshäuserhof, auf der Straße zwischen Dau⸗ bringen und dem Heibertshäuserhof. Staatsanwalt Koch vertritt die Anklage. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Katz. Es sind 11 Zeugen zu vernehmen.

Der Angeklagte bestrettet entschleden die ihm zur Last gelegte That. Derselbe ist unbestraft und am 11. Oktober 1876 geboren und verheiratet.

Der Buchhalter Wenker, als Zeuge vernommen, erklärt, daß er ein vermögender Mann sei und von seinen Zinsen lebe. Er ist in der Nacht vom 10. zum 11.

mend, in Daubringen noch in zwei Wirtschaften geroesen und hat dort etwa 1, bis 1 1 40 bezahlt. Zu⸗ letzt war er in der Lepperschen Wirtschaft zu Daubringen, von wo er den Heimweg nach dem Heibertshäuserhof ein⸗ schlug. Als der Zeuge etwa 150 Schritte von der Staatsstraße in den Feldweg nach Heibertshausen abge⸗ bogen war, sei ein Mann auf ihn zugetreten, der ihm seinen Stock abgenommen habe und ihm damit zwei Schläge beibrachte und dann Geld verlangte. Der Zeuge griff in die Billettasche seines Ueberziehers und gab dem Angreifer kleine Münzen, die er gerade in dieser Tasche hatte. Der Angegriffene will dann gebeten haben, ihn nicht unglücklich zu machen. Der Gegner war ber mit dem Geldbetrag nicht zufrieden, worauf Wenker dem selben seine goldene Kette gegeben haben will. Der Angreifer habe ihm darauf in die Hosentasche gegriffen und ihm die Schlüssel abgenommen. Der Zeuge deponiert weiter, er habe den Angeklagten früher, wie derselbe noch als junger Bursche auf dem Hof gearbeitet habe, gekannt. Es sei in jener Nacht ziemlich hell gewesen, der Angreifer habe seinen hellen Hut tief in das Gesicht gezogen, sodaß er denselben nicht erkannte. Es kam ihm so vor, als ob der Mann, der ihm entgegentrat, angetrunken gewesen sei. Auf Befragen des Verteidigers kann der Zeuge nicht an⸗ geben, wo er an dem Abend zu Nacht gegessen und mit wem er in der Wirtschaft zusammen gewesen ist. Auf weiteres Befragen des Verteidigers erklärt der Zeuge, er habe zwei Tage nach dem Vorfall die Uhrkette von der er geglaubt, jener Mann habe sie noch im Bestg in seiner Ueberziehertasche wieder gefunden. Auch die Schlüssel habe er wieder bekommen, man habe dieselben in der Nähe des Thatortes wieder gefunden.

Die Belastungszeugen können nichts Wesentliches aus⸗ sagen. Ebenso können die von der Verteidigung ge⸗ ladenen beiden Zeugen Heinrich Fuchs und Heinrich Rudolf zur Sache nichts bekunden.

Die Geschworenen verneinten die an sie gerichtete Schuldfrage wegen räuberischer Erpressung, bejahten aber die Frage, daß der Angeklagte schuldig der Körperver⸗ letzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges und billigten dem Angeklagten mildernde Umstände zu. Staatsanwalt Koch beantragte darauf auf 3 Monate Gefängnis zu er⸗ kennen. Das Urteil erging dahin, daß der Angeklagte mit 2 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft zu bestrafen sei. Der gegen ihn erlassene Haftbefehl, er saß seit dem 15. Januar in Untersuchungshaft, ist aufgehoben.

Vermischtes.

Totschlag im Koupee. Während eines Wortwechsels zwischen zwei Fahrgästen in dem Sonntag Abend 7,40 von Fürth abfahrenden Zug der Ludwigs⸗ eisenbahn gab der eine dem anderen eine Ohrfeige. Da zog der Geschlagene einen Revolver und schoß den An⸗ greifer nieder. Der Getötete heißt Schönamsgruber aus Nürnberg. Der einzige Zeuge, ein 13jähriges Mädchen, war derart aufgeregt, daß sie den Thäter auf einer Zwischenstation aussteigen ließ, und so ist er entkommen. Nach dem Nürnberger Polizeibericht ist Sch. ein lediger Bureaugehilfe. Der Thäter, ein lediger Elektrotechniker, hat sich nach demFränk. Kur. bei der Polizei in Nürnberg gestellt, wo er behauptete, der Revolver sei durch Unvorsichtigkeit entladen worden.

Januar, schon in betrunkenen Zustand von Gießen kom⸗

Heimat.

Novelle von H. Rene. (Nachdruck verboten.)

Wilde Rosen! die wuchsen ja auch einst an der

alten Mauer, die den väterlichen Garten von dem

Nachbargrundstück trennten.

Der einsame Spaziergänger zog mit seinem Stockgriff einen vollen Zweig zu sich herab.

Richtig, das waren ja dieselben roten Blüten, die stets unter den plumpen Knabenhänden zu ent⸗ blättern pflegten, und hier auch ein Dorn! Ob er wohl noch ebenso stach? Richtig, ein kleiner Bluts⸗ tropfen. Wie merkwürdig! Welch seltsamer Fund!

Pah, was war denn Seltsames dabei! Solch wildes Heckenzeug wuchs ja hier an jedem Straßen⸗ rain, und nur bei seinen langen Weltenfahrten, auf dem steinigen Boden Kaliforniens und später in⸗ mitten der exotischen Pflanzenpracht Konstantionopels war es ihm aus dem Gesicht gekommen. Was ging ihn überhaupt die Vergangenheit noch an! Zwanzig Jahre find doch Zeit genug, um mit allem fertig zu werden! Die deutsche Luft war Schuld daran; sie lag voll ungesunder Sentimentalität. Weg damit!

Der große, breitschultrige Mann, dessen dunkles Bart⸗ und Haupthaar leise zu ergrauen begann, hieb mit dem Stock vor sich hin, als sei damit alles abgethan, und schlug den Weg nach beleberen Stadtteilen ein.

Da lagen sie, in rotgrauen Dunst gehüllt, vor ihm, die endlosen, menschenwimmelnden Straßen. Die Pferdebahn klingelte, hoch beladene Omnibusse schwankten einher und Alles stieß, drängte, hastete an einander vorüber. Obgleich augenscheinlich ein Fremder hatte er für das bunte Straßengewirr kaum einen neugierigen Blick, Paris, Newyork, London; im Grunde sah doch eine Riesenstadt der anderen gleich.

Er winkte einem Tramway-Wagen. Als er nun eingekeilt zwischen Arbeitern, Kommis, Ladenmädchen stand, mußte er unwillkürlich lächeln. Was würde doch seine türkische Dienerschaft bei dem Anblick ihres gestrengen Effendi sagen!

Es dunkelte bereits, als er nach langer Kreuz und Querfahrt sein Hotel erreichte. Unmutig schüttelte er den Kopf, als er den bequemen Fahr⸗ stuhl betrat, der ihn mehrere Stockwerke hinauf, nach der eleganten Zimmerflucht brachte, die er Ge⸗ schäfte halber, seit fast einer Woche bewohnte.

Als ob man hundert Jahre alt wäre, oder gelähmte Glieder hätte, murmelte er, und dann gedachte er regenfeuchter, ausgetretener Steinstufen vor einer Hausthür, einer knarrenden, schmalen Holztreppe, die hinaufführte zu dem freundlichen Giebelstübchen, das er, ein trotziger Knabe, in un⸗ gebändigter Wildheit heimlich des Nachts verlassen, auf Nimmerwiederkehr.

Undeutlich, wie im Nebel, tauchten die Ver⸗ hältnisse, die ihn damals aus Elternhaus und Vaterland vertrieben, vor ihm auf. So etwas ver wischt die Zeit. Aber, doß Vater und Mutter einsam, kinderlos dahingegangen waren, ohne daß er in ihren brechenden Augen Verzeihung gelesen hatte, das war eine Wunde, die die Reue ätzend offen hielt. Wieder diese Erinnerung! Seitdem er deutschen Boden betreten ließ sie ihn nicht los.

Wie heiß es hier drinnen war, zum Ersticken! Er lüftete die Halsbinde, ohne doch freier atmen zu können. Stürmisch öffnete er die breiten Fenster⸗ flügel und trat auf den Balkon. Auch hier dieselbe dumpfe, atemraubende Schwüle, dazu der Staub und Straßenlärm.

Wie der Kopf ihm wie im Fieber brannte! Unruhig ging er auf den warmen Steinplatten, hin und her; die Sonne mochte wohl den Nachmittag hier gelegen und eine Nachwirkung ihrer Glut zu rückgelassen haben.

Nun stand über densüßen Wassern groß und silbern der Mond am tiefblauen Himmel, den Magnolien und dem Rosenlorbeer entstieg be rauschender Duft, aber seine Gärten waren einsam und die Gesichter seiner türkischen Diener so dunkel und ernsthaft wie die Cypressen, um deren Stamm sich träumerisch die wilde Mandelblüte schlang. Dorthin sehnte er sich nicht, nein dorthin nicht.

Sein Auge verlor sich in die Weite, als suche er hinter den hohen Türmen und Riesenbauten etwas Bestimmtes, dem er nur nachzugehen brauche. Unwillkürlich hob sich die breite Brust.

Welche Wonne diese laue, sternenklare Sommer- nacht in einem richtigen, altmodischen deutschen Garten unter blühenden Linden und leise duftenden Centifolien zu verbringen! Gab es überhaupt noch solche Gärten auf der Welt? Ueberll gasflimmernde Restaurants, verkümmerte Bäume, fade Teppich gärtnerei!

Wieder Abendwolken.

folgte sein Blick den schnell segelnden Vielleicht trafen sie auf ihrem Zuge jenen Garten tief in den Bergen.

Unmutig fuhr er auf. Träumereien im Mond schein, die paßten wohl schlecht zu ihm und dem wilden Leben, das hinter ihm lag.

Im Zimmer respektvolles Klopfen. Der Ober⸗ kellner brachte Briese, Depeschen für den Groß kaufmann Robert Heider aus Konstantinopel zur Zeit Hotel Kaiserhof.

Hastig öffnete er sie, und ein Schimmer von Befriedigung erhellte sein finsteres Gesicht. Die Krisis war abgewandt, seine Firma stand sester denn je, ja dem Diamanten- und Elfenbeinhandel schienen sogar neue Bahnen geöffnet. Er konnte,

reicher, mächtiger denn je zurückkehren, abreisen sofort. g 5 Aber in seinem einsamen Gartenschloß am

Bosporus erwartete ihn Niemand, als die träge

Dienerschaar, und er hatte, in seine Geschäfte ver⸗

tieft, so gut wie garnichts von der deutschen Reichs- hauptstadt geseben.

Er lachte kurz auf. Je früher den deutschen Staub von den Füßen geschüttelt, je besser.

Vielleicht ließen sich aber, durch Zerstreuung die ungebetenen Gäste, diese fatalen Gedanken, ver⸗ scheuchen.

Also Bierbummel, wie der deutsche Dazu gehörte Stim⸗ und er kannte hier

einen Student zu sagen pflegt. mung, fröhliche Genossen, Niemand.

Dann Zirkus, Schauspiel, Oper! Um keinen Preis. Alle diese Genüsse hatte er damals in Paris, in der ersten Zeit seiner kurzen, unbe⸗ friedigten Ehe bis auf die Hefe ausgekostet. Papa Cailleron und Cecile hatten sich mit wahrem Heiß hunger in das lang entbehrte, heimische Vergnügen gestürzt. Aus dem Zirkus ging es in eine Feerie, aus der Feerie in ein Ballhaus, gleichviel welchen Ranges, von dort in die ersten Restaurants, wo die Kellner, in anbetracht des reichlichen Trink⸗ geldes ein spöttisches Lächeln unterdrückten über die vulgären Gäste, bis endlich der Tag oder vielmehr die Nacht in irgend einem Café beschlossen wurde. So ging es wochen⸗, monatelang bis die kleine, zarte Frau, die beständig hustete und fleberte, zu⸗ sammenbrach und selbst heimverlangte in das myrtenumblüte Landhaus am Meer, das ihr der Vater zur Ausstattung geschenkt. Auf hoher See war sie dann gestorben, und der alte Pirat, dessen einziger Lebensinhalt eben diese Tochter gewesen, folgte ihr bald, Robert Heider, dem pfeuniglosen Abenteurer, alle seine erbeuteten Reichtümer zurück⸗ lassend.

Dort oben im Goldland waren sie Nachbarn gewesen, er und der alte, pergamentfarbene Franzose, dessen Matrosenschenke nur ein Deckmantel war für den gesetzlichen Wucher, den er trieb.

(Fortsetzung folgt).