— — 2 2 S S 1 N 2 22
Negpel beran⸗ 90 Varken auf lung, in welcher
u Bekämpfung u bilden.
e.
zamm, 52 Jahre tod, Kreis Gießen. l. lberts, 37 Jahre usen, Kreis Weßlat, il.
irg, Werantw. Nchak⸗ mann, belde iu Gießen
adt, friseut Rühl, erstraße, und Hand, 180
Mk., Geheimkarten
Gorstand.
Vorstand 0. 2 5 irg
Ltr. 10 Nfg.
eitge
ff
Nr. 36
Gießen, Freitag, den 12. Februar
1897.
Hell
Poftztg. Nr. 3239 a. Telephou⸗Nr. 112.
Ausgabe Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: 22 Kreuzplatz Nr. 4. e
Hessischer Landtag.
* Darmstadt, 10. Febr.
Der 30. Landtag wurde heute Mittag 1½ Uhr durch den Großherzog eröffnet. Die Thronxrede besagt: Die Einberufung sei ungewöhnlich spät erfolgt, erscheine aber gleichwohl nach einer wichtigen Seite hin für ver⸗ früht. Der Wunsch der Regierung, beim Zusammentritt des Landtages das Staatsbudget für die am 1. April beginnende Finanzperiode vorzulegen, habe sich nicht ver⸗ wirklichen lassen. Die Ursache liege wesentlich darin, daß es zur Zeit an einer sicheren Grundlage für die Bemessung der zu erwartenden Einnahme fehle. In dieser Beziehung fällt das durch die Gestaltung des Reichshaushalts be⸗ dingte Verhältnis der Ueberweisung aus den Reichsein⸗ nahmen zu den Matrikularumlagen ins Gewicht; nicht minder aber die Frage des finanziellen Ergebnisses der Eisenbahn⸗ Verwaltung und der Finanzgemeinschaft mit Preußen, welche zum erstenmal festgestellt werden soll. In beiden Rich⸗ tungen wird vor April kaum auf einen Abschluß zu rechnen sein. Die Regierung ist daher genötigt, eine Verlängerung des gegenwärtigen Finanzgesetzes auf die Dauer von sechs Monaten anzusinnen. Die Notwendigkeit dieser Erstreckung sowie die Dringlichkeit mehrerer anderer Angelegenheiten machte die Einberufung jetzt nötig. Angekündigt werden Gesetzentwürfe über die Pensions⸗Verhältnisse und die Versorgung von Hinterbliebenen der im hessisch⸗ preußischen Gemeinschaftsdienste angestellten Staats⸗ eisenbahn⸗Beamten und über die Fürsorge für die Beamten infolge von Betriebsunfällen, ferner die Regelung der Gehälter für die am 1. April infolge des Gesetzes über die Kunststraßen in Dienst tretenden Kreisbau⸗ inspektoren, ferner eine Vorlage wegen Beschaffung weiterer Mittel zur Herstellung der bereits genehmigten Nebenbahnen, sowie eine Proposition betreffend die Bewilligung von Mitteln zur Vollendung von Vorarbeiten für die in Aussicht genommene Steuerreform. Be⸗ züglich der Steuerreformvorlage wird den Ständen eine Denkschrift zugehen, welche über die Ziele und die Richtung Aufschluß giebt. In dem Hauptvoranschlag für 1897/1900 sind möglichst reiche Mittel für die Land⸗ wirtschaft und die Gewerbe, sowie eine namhafte Summe für die Aufbesserung der Beamtengehälter ein⸗ gestellt. Ferne wird eine besondere Vorlage angekündigt, welcher das System des Vorrückens für die Beamten nach Dienstaltersstufen zugrunde liegt.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 11. Febr. Dem großh. Distrikts⸗ einnehmer Rendanten Philipp Reitzel zu Schotten ist aus Anlaß seines 50 jährigen Dienst⸗ jubiläums das Ritterkreuz 2. Klasse des Ver⸗ dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.
Gießen, 11. Februar. Der gestern Abend im Einhorn⸗Hotel vom Detaillisten⸗ Verein veranstaltete Vortrag war nicht nur von Mitgliedern des Vereins, sondern auch von Gästen sehr gut besucht. Gerichtsaccessist Clarengar lieferte an Hand der einzelnen men des Gesetzes gegen den unlauteren
ettbewerb ein sehr lichtvolles Kommenta
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile.
für die Praxis, damit gleichzeitig eine Kritik
verbindend die im Großen und Ganzen sehr günstig für das vom Gesetz gewollte sich aus— sprach. Justizrat Reatz führte mit kurzen Worten aus, daß dieses Gesetz gegen den un⸗ lauteren Wettbewerb, wie so viele andere Ge⸗ setze der letzten Zeit, nur zum Schutze der Dummen und Thörigten gemacht sei. Er ver— spreche sich keinen praktischen Nutzen durch das—⸗ selbe für den Handelsstand, das Gegenteil werde in Zukunft der Fall sein; und in 8—10 Jahren werde man von demselben nicht mehr reden. Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch teilt in ge⸗ wisser Beziehung die Meinung seines Kollegen Reatz, er glaube, daß in vielen Fällen diejenigen Kaufleute den unlautersten Wettbewerb damit betreiben, indem sie ihre Konkurrenten auf Grund dieses Gesetzes zur Anzeige bringen. Es sei aber doch auch anzuerkennen, daß der Kern des Gesetzes ein guter sei. Dasselbe habe auf dem Gebiete der Reklame schon sehr wohlthätig gewirkt, wie jeder sich aus dem Inseratenteile der Zeitungen überzeugen könne. Gewiß habe das Gesetz große Mängel und als einen solchen müsse das Fehlen eines besonderen prozessualen Verfahrens empfunden werden. Die anzu⸗ strengenden Prozesse auf Grund dieses Gesetzes dauern, bis sie zu Ende kommen, viel zu lange und sind auch bedeutend zu kostspielig, als daß von dem Klagerecht ein allzu großer Gebrauch gemacht werde. Seiner Meinung nach genüge aber vorläufig schon das Bestehen dieses Ge⸗ setzes; die Furcht, daß ihn Strafe treffen könne, veranlasse gewiß sich eines anständigen geschäft⸗ lichen Gebahrens zu befleißigen.— Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen schloß der Vorsitzende Balser die Versammlung, mit deren Erfolg der Detaillistenverein wohl zufrieden sein kann.
Gießen, 10. Februar. Wie wir unseren Lesern früher schon berichteten ist in unserer Stadt ein neues sportliches Unternehmen im Entstehen begriffen, welches derselben nicht nur zur Zierde gereichen, sondern nach seiner Fertigstellung einen hervorragenden Anziehungs⸗ punkt für Einheimische und Fremde bilden wird. Während die Arbeiten zu diesem Werk an der Hard der winterlichen Witterung wegen nur langsam fortschreiten, entfalteten die Begründer Besaud eine um so regere Thätigkeit, um den Bestand dieser Anlage gegen alle Eventualitäten zu sichern. Auf Anregung des 1. Vorsitzenden „Der Wanderer“ Gießener Radfahrergesellschaft, ist jüngst ein größerer Kreis von Interessenten zu— sammen getreten, um das zunächst von drei Mitgliedern dieser Vereinigung gemeinsam mit dem Brauereibesitzer Bichler ins Leben gerufene Werk zu fördern. Nach eingehenden Verhand— lungen wurde am Montag Abend in einer zahl— reich besuchten Versammlung im Hotel„Zum Rappen“ hierselbst der einstimmige Beschluß ge—
faßt, die von der früher gewählten Kommission ausgearbeiteten Statuten, sowie den Vertrags- entwurf mit den Wanderern G. R.⸗G. mit einigen wenigen redaktionellen Aenderungen zu akzeptieren und es erfolgte hierauf sofort die Konstituierung des Kuratoriums der Rennbahn Gießen 1897, zu dessen 1. Vor⸗ sttenden einstimmig Rechtsauwalt Dr. Jung gewählt wurde. Der Zweck des Kuratoriums der Rennbahn Gießen 1897 ist die Hebung des Radfahrsports durch gemeinschaftlich mit den Wanderern G. R.⸗G. in Anlehnung an den Deutschen Radfahrer-Bund zu veran⸗ staltende Rennfestlichkeiten, sowie die Benutzung der gleichzeitig anzulegenden Lawn-Tennis⸗ Spielplätze usw. zu fördern. Das Gedeihen des Unternehmens von hohem Werte ist ferner, daß dem Kuratorium sich auch Angehörige der besten Kreise der Gesellschaft angeschlossen haben und teilweise in den Vorstand desselben eingetreten sind. Das Kuratorium der Rennbahn Gießen 1897 besteht aus ordentlichen und außerordent⸗ lichen Mitgliedern. Die Zahl der ersteren soll eine beschränkte bleiben. Die unterstützenden Mitglieder verpflichten sich lediglich nur zu einem mäßigen Jahresbeitrag, gegen welchen freier Zu— tritt bei Rennen usw. gewährt werden soll und steht zu erwarten, daß bei dem Interesse für alles was Sport heißt in unserer Stadt die Beteiligung eine allgemeine sein wird. Es besteht die Absicht, die Rennbahn usw. eventuell auch anderen Gesellschaften, Vereinen und Einzel- fahrern hier und auswärts auf Wunsch zeitweilig zu überlassen. Wir werden später Veranlassung finden, uns über die Anlage und deren Einrich⸗ tung noch ausführlich zu äußern.
* Gießen, 11. Febr. Im Großherzogtum Hessen waren im abgelaufenen Jahre von 209 Brauereien 173 im Betrieb; davon haben 167 untergärendes und 6 obergärendes Bier gebraut; im ganzen wurden in sämtlichen Brauereien 1166273 Hektoliter Bier gegen 1045 155 Hektoliter im Vorjahre gebraut. Die Brausteuer belief sich auf 1142 014 Al. Bon 1057 884 A. im Vorjahre. Unter den Brauereien sind 19, welche unter 60* Brau⸗ steuer bezahlen, 100 zahlen zwischen 60 und 3000 4, 28 zwischen 3000 und 9000 4, 22 zwischen 9000 und 60 000, 4 über 60 000 K., darunter die höchstbesteuerte mit 102 500 Al, welche sich in Mainz befindet. a
W. Großen⸗Liuden, 11. Febr. Vor drei Jahren wurde die in hiesiger Gemeinde neu er— richtete vierte Lehrerstelle durch Herrn Lehrer Bach, als Vikar, besetzt. Er hat sich während dieser kurzen Zeit die Achtung und Liebe, durch seine Lehrkraft sowohl, als auch durch sein freundliches Entgegenkommen gegen Jedermann dermaßen erworben, daß der hiesige Ortsvorstand einstimmig beschlossen hat, bei großherzoglicher
—
Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
L Schhiegermütterchen kam und hatte viel Freude an ihrem Felix, an der schönen Schwiegertochter, sie konnte sich nicht satt sehen an den prächtig blühenden Enkelkindern. Aber schon das Mittag⸗ essen brachte die erste Enttäuschung. Eine Pute erschien als Braten, aber was für ein jämmerliches Ding! Haut und Knochen und Sehnen. Die schönen Puten waren ein besonderer Stolz von Hellings— thal gewesen. Regine fing den kritischen Blick auf mit dem Frau von Helling das elende Geflügel maß, und entschuldigte sich hastig:„Die nachlässige Magd hatte im Frühlinge die kleinen Puten nicht gehütet, sondern sie im Regen herumlaufen lassen, da waren die meisten gestorben und der Rest ver⸗ kümmert.“ Die Magd hatte wohl gewußt, daß weder von Seiten der gnädigen Frau noch der Mamsell eine Besichtigung des Geflügelstalles zu befürchten stand, da war sie auch eben ihren eigenen Vergnügungen nachgegangen, gerade wie diese beiden.
Als Frau von Helling später einen stillen Musterungsgang antrat, schloß sich Regine ihr lieber gar nicht an. Sie fürchtete die Vorwürfe, die immer noch früh genug kommen würden.
Aber Schwiegermütterchen sagte garnichts, als sie von ihrer Wanderung zurück kam; sie sah nur so niedergeschlagen aus, daß ihr Anblick Reginen weher that als alle Worte. Gern wäre Frau von Helling der Schwiegertochter mit ihrer bewährten Erfahrung zu Hülfe gekommen; aber diese schwieg und sie war viel zu feinfühlig, um ungebeten ihren Rat aufzudrängen.
Kurz vor der Abfahrt stand sie mit ihrem Sohne allein vor der Hausthüre. Felix räusperte sich.
„Liebe Mutter“, begann er dann zögernd, „könntest Du nicht versuchen, eine tüchtige Wirt⸗— schafterin für uns ausfindig zu machen? Du hast ja selbst gesehen, wie schlecht die arme Regine da— mit angekommen ist.“
Sie nickte nur zustim nend, zdannsschwiegen beide wieder. Vom Garten her ließen sich die hellen Kinderstimmen vernehmen. Frau von Helling legte leise ihre Hand auf des Sohnes Arm:
„Wie viel Ursache zum Dank Du doch hast, mein Felix“, sagte sie sanft und innig,„solch prächtige Kinder— eine so liebe Frau—“ und doch standen dabei Thränen in ihren Augen.
Felix zog ihre Hand an die Lippen; so warm hatte er sie noch nie geküßt. Selbst aus dem Munde der eigenen Mutter hätte ihn ein Tadel der geliebten Frau geschmerzt.
*
Im Winter zog ein ungebetener neumodischer Gast in Hellingsthal ein, die Influenza. Regine und die Kinder wurden davon ergriffen und konnten die Folgen nicht recht überwinden. Darum sprach der Arzt von Luftveränderung, als der Sommer kam, von einem Nordseebade. Lottchen Rechow schrieb begeisterte Briefe aus Sylt, wo sie mit den Knaben weilte, und Felix beschloß, Regine und die Kinder dorthin zu bringen, damit sie an den Ver⸗ wandten gleich passenden Anschluß fänden. Er selbst konnte sich vorläufig nicht für längere Zeit von seinem Gute entfernen. Später nach der Erute hatte er einem Freunde einen Besuch in Heidelberg versprochen, welches ihm infolge alter Erinnerungen lieb war; hatte er doch dort als lebensfroher Saxoborusse einige Semester Jura studiert.
Die Koffer wurden gepackt und Regine sah der Befreiung aus dem ewigen Einerlei des Landlebens freudig entgegen. Wie viel Genuß bot schon die Reise! Der Nachmittag, den man in Blankensee bei
Hamburg zubrachte, versetzte sie in Entzüken. Der Anblick der eleganten Villen und Gärten, der breiten Elbe, welche mit ihrem Wechsel von Ebbe und Flut die Nähe des Meeres schon so ver⸗— heißungsvoll andeutete; später das Herumfahren im Hamburger Hafen und Besichtigen der fremd— ländischen Schiffe, die von Italien, Amerika, aus den deutschen Kolonien kamen, das war alles ein so fremdes, anregendes Getriebe, und die junge Frau fühlte sich dadurch wie von neuem Leben er— füllt. Auf ihre dringende Bitte wollte man auch die Reise nach Sylt ganz zu Schiffe machen, ob⸗ gleich Felix das fröstelnde Grauen, das ihn bei dem Gedanken an eine fünfzehn- bis sechzehnstündige Wasserfaͤhrt beschlich, nicht unterdrücken konnte.
Welches Hochgefühl erfüllte Regine, als sie nun am nächsten Morgen die Ufer der Elbe immer weiter zurücktreten sah, bis sie den Blicken endlich ganz eutschwanden, und das weite, herrliche Meer mit seinen graugrünen Wogen sie auf seinen Rücken nahm und dahin trug. Mit vollen Zügen schlürfte sie die salzige erquickende Luft ein und spähte den weißen Möven nach, die das Schiff begleiteten. Was kümmerte es sie, daß die Brise immer heftiger wehte! Den Hut hatte sie längst abgenommen, um ihre Stirne in dem frischen Winde zu baden, und nun beobachtete sie mit Begeisterung das stetige An⸗ wachsen der Wellen. Wie sie ihr Spiel trieben mit dem großen, kräftigen Dampfer, wie sie ihn auf und ab schaukelten, je nachdem ihnen die Laune stand.
Eine wundersame Empfindung kam über Regine. Es war ihr, als sei sie ganz allein auf dem Schiffe, als wäre sie mit dem Schiffe eins geworden, und si? freute sich des Kampfes, den es zu bestehen hatte mit den Wogen, um sich die Bahn zu er⸗ obern, als sei sie selbst die Ringende und ihre Energie allein trage sie vorwärts.
Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
5 E
Regierung für die definitive Anstellung des Herrn Bach einzukommen, was nun durch das am Samstag, den 6. d. M. angekommene Dekret zur Freude der gesamten hiesigen Ein⸗ wohnerschaft auch bestätigt wurde. Hoffentlich wird sein segensreiches Wirken an hiesiger Schule von recht langer Dauer sein.
* Friedberg, 10. Febr. Dieser Tage war ein von der Regierung ernannter Kunstrat Here um an der evangelischen Stadtkirche, welche ekanntlich restauriert wird, eine be Untersuchung vorzunehmen. Nach der„Neuen Friedb. Zeitung“ kamen die Sachverständ igen zu dem Ergebnis, daß das Chor der Kirche abgetragen werden muß, ebenso die beiden führenden Säulen an demselben und das an das Chor anstoßende Mauerwerk. Die Kosten dürften auf nahezu 500000 Mark anzu⸗ schlagen sein.
* Darmstadt, 10. Febr. Es hat allgemein überrascht, daß der frühere zweite Präsident Wolfskehl bei der Bureauwahl der zweiten Ständekammer ausgefallen ist. In der nationalliberalen Fraktion hat es noch gestern vor Beginn der Sitzung darüber lebhafte Aus⸗ einandersetzungen gegeben, da der Führer der Nationalliberalen Herrn Wolfskehl zum Präsi⸗ denten gewählt wissen wollte. Dies durchzusetzen gelang nicht, die, Mehrheit war für Haas, und es ist kein Zweifel, daß man in der Nichtwahl Wolfkehls der Stimmung im Lande Rechnung tragen wollte. Die zweite Präsidentenstelle hatte man dem Ultramontanen von Köth aagetragen; als dieser ablehnte, einigte man sich auf den freisinnigen Abgeordneten Metz. Die Opposition ist mit diesem Resultat der Bureauwahl zu⸗ frieden.
* Ruppertenrod, 9. Februar. Bei der im Gange befindlichen Untersuchung wegen der Meineidssache des Kuhhirten Meckel von Ober⸗Ohmen, von der jüngst berichtet wurde, er⸗ eignete sich heute ein tragischer Zwischenfall. Der von benanntem, in Untersuchungshaft be⸗ findlichen Kuhhirten verklagte und freigesproche ne Schäfer Maus von Ruppertenrod war heute nach Nieder-Gemünden zur Vernehmung in der betreffenden Angelegenheit vor den großh. Unter- suchungsrichter geladen. Während der Ver⸗ nehmung stürzte Maus plötzlich zu Boden und war eine Leiche. Ein Schlagfluß hatte dem 69 jährigen Mann ein unerwartetes Ende bereitet.
* Mainz, 10. Febr. In dem Laden des Antiquars Bedo in der Rheinstraße wurde im September v. J. ein frecher Einbruch ver⸗ übt, und bei dieser Gelegenheit wurden wertvolle silberne Tafelaufsätze ufw. gestohlen. Lange nach dem Einbruch wurde ein gewisser Gg. Sommer aus Kostheim verhaftet, weil er sim Verdacht stand, sowohl diesen als auch noch
—— ¶[-'½e..
Da schlugen schöne, wohlbekannte Worte an ihr Ohr, die zu ihrer Stimmung paßten, wie keine anderen. Jemand deklamierte in ihrer Nähe Byron's herrlichen:„Address to the Ocecn“, diese unvergleichliche Hymue auf das Meer.
Auf Regine fiel es wie der Bann eines Zau⸗ bers; die Stimme erinnerte sie an etwas Schönes, längst Vergangenes! sie wußte selbst nicht genau warum dieselbe sie so wunderbar berührte. Aber erst, als die Verse beendet waren, wandte sie sich um und suchte den Sprecher.
Wie ein heißer Schreck durchzuckte es sie plötzlich, daß sie sich schnell zurück drehte und, wie schwindelnd, mit der Hand die Lehne einer Bank ergriff— nein, es war kein Traum. Jener schöne, große Mann mit der weißen Stirne und den dunkeln Augen war der Gegenstand ihrer ersten Liebe, war Lothar von Vossen.
Neben einem etwa siebenjährigen Kuaben stand er dort, in elegantes und doch zweckentsprechendes Zivil gekleidet mit der leichten weißen Leinenmütze auf dem dunkelen Haare, deren Schirm die Augen vor dem Blenden sqpützte, und schien nur zu dem Kinde jene Worte gesprochen zu haben. Denn es war merkwürdig leer geworden auf Deck; alle die zahlreichen Passagiere schienen allmählich ver⸗ schwunden zu sein. Regine rang nach Fassung.
Da stand er schon neben ihr und musterte sie mit einem seltsamen bewundernden Blicke:
„Ich weiß nicht, meine gnädigste Frau, ob ich noch die Ehre in Anspruch nehmen darf, von Ihnen gekannt zu sein“, sagte er sich tief ver— beugend, und doch sprach aus seiner Art und Weise eine gewisse, sichere Zuversicht, nicht vergessen zu sein. Das gab Regine die nötige Haltung.
ortsetzung folgt).
e Landeszeikung.


