Gießen, Donnerstag, den 9. September
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Postztg. Nr. 3319. Telephou⸗Nr. 112.
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Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.
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ne: Lofales und Provinzielles.
and Man e Gießen, 8. September. Für Sonn⸗
* ö sags jäger wichtig ist eine Bestimmung, nach
der, ach g pelcher die Treiber, welche bei Treibjagden
„ Obeppinag ay herwandt werden, in der Invaliditäts- und
i 8. due da ÜUltersversicherung versichert werden
*. M, a müssen. Im Unterlassungsfalle tritt eine Strafe
n stutt bis zu 300, Mark ein. Selbstverständlich
— lt diese Bestimmung auch für die geübteren
n Jäger.
ee Gießen, 8. Sept. Die Mehrzahl der
1h dan hessischen Kreisämter wird demnächst eine Poltzei⸗ i berordnung treffen, wonach den Wirten die Ver⸗
— wendung von Schulkindern zum Kegelaufsetzen
bei Strafe verboten wird. Es laufen nämlich — hel den Schulbehörden seitens der Lehrer zahl—
eiche Klagen ein, wonach Kinder, die nicht selten bts in die Nacht hinein zum Kegelaussetzen ver⸗ wendet wurden, am folgenden Tage für den nterricht untauglich waren, und daß sie auch
15 flttlichen Gefahren ausgesetzt waren. dn„ Gießen, 8. September.(Jubiläums⸗ 91 feier.) Der Direktor des Gießener Braun⸗ 16, steinbergwerkes, Herr Pascoe, feiert am U hächsten Samstag das Jubiläum seiner 40⸗
ͤhrigen Thätigkeit in genanntem Betriebe. Der Besitzer des Bergwerkes, Herr C. W. B. Fer⸗ e fu vereue] N nie, hat für diesen Tag eine großartige Feier en r penteng geplant, zu welcher bereits die Vorbereitungen
getroffen sind. Die sog. Bergwerkskirmes, re un de Dm 1 welche alljährlich von den Arbeitern des Berg⸗ * Ge 10 6 werkes veranstaltet wird, soll mit dieser Feier ene Weine 169 berbunden werden, sodaß die Veranstaltung das
10 Gepräge eines Volksfestes erhält. Auf der 4. n der Nähe des Bergwerkes, rechts an der gebung.
160 Straße nach 1 gelegenen Wiese ist Fe
gegenwärtig mit der Herrichtung eines Fest⸗
%% Matzes beschäftigt. Sämtliche im Bergwerke be⸗ schäftigten Arbeiter, 600 an der Zahl, denen an⸗
5 fl 0 läßlich der Feier gleichfarbige Bergmannsmützen
8 dediziert worden sind, bringen am Freitag Abend
30 dem in der Frankfurterstraße wohnenden Jubilar
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5. 70 Pfg. K
eipliuen,
einen Fackelzug. Am Hauptfesttage(Sams⸗ dag) wird den Arbeitern auf dem Festplatze ein Jestessen verabreicht. Abwechselnd mit einer großen Musikkapelle wird die unter Leitung des
Herrn Muhl⸗Großen⸗Linden geschulte Gesangs⸗
5 abteilung der Arbeiter für Unterhaltung sorgen. — ae Auch zwei Tanzböden sind vorhanden. Daß demgemäß die Angehörigen und Bräute der Ar⸗ 1 Hehner⸗ beiter eingeladen sind, ist selbstverständlich.
Außerdem haben sämtliche Witwen verstorbener 7 Bergwerksarbeiter, sowie die in dem Betriebe
üpalid gewordenen Arbeiter Einladungen er— sache Zimmet,“ halten.
(Strafkammer.)
* Gießen, 8. Sept. Angenrod hatte sich
Hrch. Bernhardt VI von Fegen feiner neuesten Gründung gestern vor der Strafkammer zu verantworten. Bernhardt wollte in seiner Heimat das Wirtschaftsgewerbe betreiben. Der Kreisaussch
funzt gelegen 0
1
*
nachgesuchte Konzession versagt, die Beschwerde beim Provinzialausschuß erzielte keinen Erfolg und eine Eingabe an die Regierung nach Darm⸗ stadt führte zu demselben Resultat. Nun wandte sich Bernhardt an einen Winkelkonsulenten in
5 zu Alsfeld hatte die hierzu
Erscheint täglich mit Ausnahme der
Alsfeld. Dieser riet dem Bernhardt, er solle in Angenrod eine Bürgergesellschaft gründen und dieser das Lokal, in dem er die Wirtschaft betreiben wolle, vermieten. Einer geschlossenen Gesellschaft könne das Kreisamt nichts wollen. So geschah es. Bernhardt hatte bald 40 Personen als Mit⸗ glieder der Gesellschaft gekeilt. Ein Statut, von den Mitgliedern unterzeichnet, war in aller Form bald hergestellt. Der angebliche Zweck des Vereins war geselliger Verkehr seiner Mitglieder untereinander, Beschaffung angenehmer Lektüre und Besprechung landwirtschaftlicher Fragen. Bernhardt vermietete an die Gesellschaft für 150 /. Jahrespacht einen Wirtschaftsraum mit allem Inventar, außerdem wurde Bernhardts Sohn Gesellschaftsdiener. Der Vorsitzende be— stimmte drei Mitglieder des Vorstandes zum Einkauf der Getränke, wobei auch Bernhardt war, und die Angenröder wunderten sich nicht wenig, als eines schönen Tages an Bernhardts Haus ein Schild mit der Aufschrift:„Bürger⸗ verein“ prangte. Als nun die fidelen Zecher aus der Bürgergesellschaft bis in die Nacht hinein kneipten und eines Tags den ruhigen Bürgern die Fenster einwarfen, erhob die Gen⸗ darmerie Anzeige. Bernhardt erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch erhob. Das Schöffengericht Alsfeldt sprach Bernhardt frei, weil es der Ansicht war, daß es sich hier um ein Kasino, um eine geschlossene Gesellschaft handele, welche die Getränke gemeinsam ein⸗ kaufe, es also im vorliegenden Falle an den Merkmalen des selbständigen Betriebes eines stehenden Gewerbes fehle, zu dessen Beginn es einer besonderen polizeilichen Erlaubnis bedürfe. Die Strafkammer hob das freisprechende Urteil der Schöffen auf und verurteilte den Angeklagten zu 50 J. Geldstrafe event. 10 Tage Haft. * Friedberg, 7. Sept. Die großh. Obst⸗ bau⸗ und landwirtschaftliche Winterschule ver⸗ anstaltei vom 13. bis zum 18. September einen Obstverwertungs-Kursus für Frauen und Mädchen. An den Vormittagen werden Vorträge gehalten u. a. über organische und chemische Bestandteile der Früchte, Herstellung von Dörrprodukten aus den verschiedensten Obst⸗ sorten, Gelsebereitung, niedere Organismen, anti⸗ septische Mittel, Konservieren ganzer Früchte, Wein, Liqueur⸗ und Essigbereitung, Obsternte und Verpackung des Obstes. Nachmittags sind Uebungen: Herstellung kandierter Früchte, von Apfelschnitzen, Dörrprodukten, Mus, Honig, Ge⸗— lee, Pasten, Saft, Dörren und Konservieren der Gemüͤse, Obstverpackung usw.
* Bad Nauheim, 6. September. Herr Röpperath hat gelegentlich des Verkaufs seiner Liegenschaft, der Villa Britannia, das hochherzige
Tage nach Sonn- und Feiertagen.
I Expedition: 8. Kreuzplatz Nr. 4.
Geschenk von 1000 1 gespendet, und zwar 600% zum Baufonds der evang. Dankeskirche, 200 ¼ dem städtischen Kurhospital und 200 der Kinderheilanstalt Elisabethenhaus.(Wieviel Zehntausende hat denn der Herr bei dem Ver⸗ kauf verdient?)— Im nächsten Frühjahr wird der Neubau des städtischen Hospitals in Gebrauch genommen, das durch die großmütige Schenkung der Frau Konitzky von Amsterdam im Betrage von 50 000 4 ermöglicht wurde. Die weiteren Baukosten, insoweit sie nicht ander⸗ weiten liberalen Zuwendungen zu verdanken sind, hat die Stadt Bad Nauheim zugelegt. Die Zahl der aufgenommenen Patienten nimmt von Jahr zu Jahr zu, im Jahre 1894 waren es deren 225, im Jahre 1896 279, in diesem Jahre wird wohl die Zahl von 350 erreicht werden. Der Neubau bietet Raum für 80 Betten im Gebäude selbst. Behandelnder Arzt ist dermalen Dr. Langenbartels, der gleich den Pflegerinnen, Diakonnissinnen aus dem Elisabethenstift Darm⸗ stadt, in der humansten Weise seine Hilfe unent⸗ geltlich leistet. f
* Darmstadt, 7. September. Seitens des hessischen Landwirtschaftsrats wurde eine Ver⸗ kaufsmitteilungseinrichtung getroffen, nach welcher die von speziell dazu gewählten Vertrauensmännern in den verschiedenen Orten des Großherzogtums ermittelten Verkaufspreise von Getreide, Kartoffeln, Obst und Vieh ge⸗ sammelt und zusammengestellt werden: 1. wie sich die Preise z. Zt. auf den kleinen Landorten gegenüber denen an den größeren Absatzorten und Handelszentren verhalten, an welchen even⸗ tuell genossenschaftliche Unternehmungen ins Leben gerufen werden können? 2. welche Rolle der Zwischenhandel spielt als Abnehmer gegenüber dem direkten Konsumenten oder Großhändler? 3. welche Wege der Handel nimmt, welche Orte hiernach fuͤr die Errichtung genossenschaftlicher Unternehmungen besonders geeignet erscheinen? Ferner hat der Landwirtschaftsrat eine Preis⸗ notierungsstelle an der Frankfurter Börse und regelmäßige Bekanntmachung der hier ermittelten Preise in Aussicht genommen.
* Darmstadt, 7. Sept. Peter Ludwig Grenz aus Schönnen im Odenwald, der Sohn eines Sägewerksbesitzers daselbst, wurde wegen Verdachts der Fälschung einer größeren An⸗ zahl Wechsel verhaftet.
* Mainz, 7. Sept. Bei einem hiesigen Bankier wurde gestern ein bedeutender Dieb⸗ stahl von Brillanten und sonstigen Wert⸗ gegenständen verübt; u. a. wurden ein Paar Ohrringe im Werte von 1200. entwendet.
* Worms, 7. Sept. Gestern Nachmittag trafen etwa 50 Teilnehmer des in Dürkheim a. d. H. tagenden Anthropologen⸗Kon⸗ gresses auf Einladung des hiesigen Altertum⸗ Vereins in unserer Stadt ein, um die Aus⸗ grabungen des römischen Gräberfeldes auf den Freiherr von Heylschen Besitzungen am sogen.
Bollwerk zu besichtigen. Eine Anzahl Gräber waren aus diesem Grunde freigelegt worden und boten dieselben ein Bild von der Bestattungsweise aus alter Zeit. Es wurde eine Anzahl Gläser, Krüge, Urnen usw. beim Oeffnen der Särge ge⸗ funden. Nach Beendigung der Ausgrabungen besuchten die Teilnehmer das Paulus⸗Museum.
Vermischtes.
— Eine Heiratsvermittlung. Folgender Brief einer Heiratsvermittlerin in Braunschweig, gerichtet an einen Einwohner eines benachbarten Ortes, wurde dem „Wolfenbüttler Kreisbl.“ zum Abdruck übergeben:„Ich habe eine Heiratzpartie vor Sie, Die Dame ist Sovort an Platze. Ist 1ste Statzgon von B. sie hat Sovort 2000 Thaler bei der Hochtzeit. 2000 Thaler nach her, und 4000 Thaler ist Sie Erbin von Vaters Bruder, welcher aber schon Todt ist, nur die Frau Lebdt noch. Die hat den Geniß brauch davon. Zuhören wenn sie diese Partie annehmen wollen, den Arbeite ich mit einen der ist 1ster an der Bank in O. Denn können sie Sovort 100 Thaler von den in Voraus Kriegen. kommen Sie Morgen in Tage bei mir, den ist alles Geregelt den haben Sie Ein seer gutes Mädtchen und gleich 2000 Thaler alles Andere komt von Haus Kartofeln Eier Butter alles Andere. So wie Sie kommen ist Geld da. Mit den Heirathen ist ja
kein Pferdekauf. Sie haben den erste mal Geld. Ich meine es nur gegen sie gut. Es Grüßt...“ Eine liebliche Auffassung hat die Dame von der Ehe. Sie
riecht etwas nach dem„Kuhhandel.“ — Sie erinnerte ihn zu sehr an Muttern. Neulich war ein schwerer Junge glücklich in ein Ber⸗ liner Haus gelangt, allein seine Stiefel knarrten bedenk⸗ lich, als er mit aller Vorsicht die Treppe hinaufstleg. Plötzlich hörte er zu seinem Schrecken eine weibliche Stimme, die ihn— wie es schien, aus einem Schlaf⸗ zimmer— mit folgenden freundlichen Worten apostro⸗ phierte:„Wie kannst Du oller Ochse in dem Wetter mit Deine schmierigen Stiebeln de Treppe ruff kommen. Uff de Stelle jehste runter und ziehst se aus, sonst jtebt et wat aus de Armenkasse.“ Beschämt schlich der Einbrecher die Treppe hinunter und zum Hause hinaus. Mit Thränen in den Augen sagte er zu seinem Kameraden, der unten Schmiere stand:„Der Frau kann ick nischt Beeset dhun. Sie erinnert mir zu sehr an Muttern!“ — Ueber die Blinden, Taubstummen und Geisteskranken in Preußen bringt die„Stat. Corresp.“ auf Grund der letzten Volkszählung von 1895 folgende Angaben: Blinde waren vorhanden 21442 gegen 22677 im Jahre 1880, Taubstumme 28 721 gegen 27 794, Geisteskranke 82 850 gegen 66345 im Jahre 880 und 55063 im Jahre 1871. Auf 100000 Per⸗ nen kommen 67(1880 83, 1871 93) Blinde, 90 (102 und 99) Taubstumme und 260(243 und 223) Geisteskranke. Die Verhältnis⸗Ziffer der Blinden hat hiernach seit 1871 beträchtlich abgenommen, und zwar ist diese Abnahme beim weiblichen Geschlechte erheblicher als beim männlichen, vielleicht eine Folge der Abnahme der Beschäftigung mit Handarbeiten. Von 100000 männ⸗ lichen Personen waren blind im Jahre 1871 91, 1895 72, von 100 000 weiblichen 1871 95, 1895 nur 63. Auch bei den Taubstummen ist die Verhältniszahl etwas zurückgegangen, und zwar bei Männern und Frauen ziem⸗ lich gleichmäßig. Eine starke Zunahme weisen dagegen die Geisteskranken auf. Es ist geradezu erschreckend, daß seit 24 Jahren in Preußen die Zahl der Geisteskranken ————'᷑̃———
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Eine reiche Partie. Erzählung von Felix von Stenglin. (Nachdruck verboten). (Fortsetzung.) Etwa eine halbe Stunde später waren beide, auf dem Sofa neben einander sitzend, eingeschlafen. Hellmuth erwachte und küßte Röschen wach. Röschen? Liebes Röschen?“ sprach er an ihrem Ohr.. „Was 2“ sagte sie, erwachend und sich in die Hoͤhe richtend. Wieder brachte er den Mund an ihr Ohr und lüsterte:„Darf ich Dir nicht sagen, was in dem Brief stand?“ „Nein, nein!“ erwiderte sie lachend.. „Bitte, bitte, liebes Röschen! Das Geheimnis brennt mir auf der Zunge.“ „Laß es brennen!“ Sie erhob sich lachend und machte sich los. Er wollte sie halten und eilte hinter ihr her. Und immer, wenn er sie gefangen hatte, küßte er sie erst und fragte dann an ihrem Ohr:
„Sage, Kindchen, Du warst immer überzeugt davon, daß ich Dich aus Liebe heiratete, nicht wahr?“
„Welche Frage, Hellmuth?“ Weshalb solltest Du mich denn sonst geheiratet haben?“
„Nun,— wegen des Reichtums Deines Vaters 1 i
„Auf den Gedanken bin ich noch garnicht gekommen.“
„Er liegt doch aber so nahe. Und sieh', 5 Hellmuth preßte Röschens Hand besonders fest in die seine—„wenn Du nun wüßtest, daß Dein Vater sogar Schulden für mich bezahlt hat—“
„Ach— wirklich!“
„Freilich! Dann
Gedanke kommen—— N. „Nein, Liebster, der Gedanke könnte mir nie
kommen. Ich weiß ja doch, wie wir uns kennen lernten. Und daß ich Dir damals auf dem Kirchhof gleich gefiel, hast Du mir doch so oft gesagt.. Wie kommst Du nur auf solche Fragen?“
Hellmuth blieb stehen und nahm Röschens beide Hände in die seinen.„Ich danke Dir, mein
könnte Dir doch wohl der
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„Ja“ darf ich?“ Immer aber antwortete sie „nein“. Schweratmend blieb sie endlich an der Thür stehen.„Du, wenn Du mich jetzt nicht zufrieden läßt, klingele ich.“ a „Ach nein!“ sagte er schnell.„Es ist so schön zu Zweien. Komm'] Ich will auch ganz ver- nünftig sein. Sieh wir wollen uns diese Kunst— werke betrachten.“ Und, seine Frau umfassend, trat er mit ihr vor die über dent Sofa hängenden Bilder.„Sieh' wie wunderbar!“ Und, Röschen umfaßt haltend, schritt er nun
liebes, liebes Frauchen! Ich sehe klar, wie thöricht ich war, Dir das von den Schulden zu verheim⸗ lichen. Daß sie bezahlt sind,— das stand nämlich in dem Brief! Und nun weißt Du's!“ 1 Röschen machte sich los.„So! Jetzt bin ich Dir böse! Weißt Du das?“ sprach sie ärgerlich. „Mich so zu überlisten! Nein, nein, das vergeb ich Dir so bald nicht!“ f 5 Hellmuth trat leise hinter sie. „Wann?“ fragte er scherzend?“ b „Oooh— das— das weiß ich noch garnicht!“ Und damit ließ sie sich in die Sofaecke fallen und
—
Er aber setzte sich zu ihr und wußte so zu schmeicheln und zu bitten, daß sie schließlich erklärte, ihm diesmal noch verzeihen zu wollen. Und als sie entdeckt hatten, daß dies ihr erster Zwist ge⸗ wesen war, da waren sie sich natürlich auch darüber klar, daß sie ihn durch verdoppelte Zärtlichkeit wieder ausgleichen müßten.—
Vierzehn Tage noch freuten Hellmuth und Röschen sich der schönen Natur im Umherreisen und Umherstreifen. Darüber waren sie sich einig: etwas Schöneres konnte das Leben nicht bieten. Volles Vertrauen, volle Hingebung beseelte sie beide, und Hellmuth vergaß all' das Unerquickliche, das er in den letzten Monaten durchlebt hatte. gene wüste Spielnacht, seine darauf folgende Ver⸗ zweiflung, die Bekanntschaft mit Herrn von Warns⸗ hagen, das diesem abgegebene Versprechen,— es versank in seiner Erinnerung vor der wonnevollen Gegenwart.—
X
„Nein, Röschen, so steif darfst Du das nicht stellen. Ueberhaupt nehmen wir am besten das kleine runde Sofa von der Wand fort und stellen es hier schräg mitten in's Zimmer. Willst Du mal mit anfassen?.... So! Und dort an die Wand kommt das Tischchen mit dem Bilde... Der große Sessel hier
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„Aber Hellmuth! Ich staune nur immer. Das sieht ja so unordentlich aus!“ „Laß es nur erst fertig sein. Das Unge—
zwungene ist malerischer und auch gemütlicher.“ „Ja, was wird aber da der Tapezier sagen, der uns alles hingestellt hat?“ „Der mag sagen, was er will. Sei so gut und faß' mal den Tisch an. Der kommt in
mit ihr im Zimmer auf und ab.
zog ein Mäulchen.
die Mitte.“
„Meine Mutter schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Sie fand neulich alles so hübsch.“
Hellmuth blieb vor seiner jungen Frau stehen. „Röschen, ich habe nichts gegen deine Eltern,— wie werd' ich auch, sie haben Dich mir ja geschenkt aber wundern werden sie sich wohl noch manchmal über uns, und das können wir nicht ändern.“
Röschen seufzte leicht.„Du hast den Vater neulich verletzt,“ sagte sie dann.
„Glaubst Du? Mir schien es auch.“
„Du widersprachst ihm so oft. ersten Wiedersehen!“
„Ja, aber liebes Kind, er war auch so— ich weiß nicht— so von oben herab gegen mich—— Komm', nun halte mal die Leiter, ja? Ich will den Kronleuchter anhängen. Der Onkel Fritz hat sich nicht lumpen lassen. Trotzdem können wir ihn un⸗ möglich zu unseren Gesellschaften einladen—“
„Falle nur nicht!“
„Sei unbesorgt, lieber Schatz. Und was Deinen Vater betrifft,— ich kann mir schon denken, weshalb er so frostig zu mir war— das verwächst sich—“
„Weshalb meinst Du denn?“
„Ach, laß nur! Das heißt, sagen. Wegen der Schulden, mein Schatz. träglich ists ihm doch wohl etwas viel vorge— kommen. Na dafür hat er aber auch einen patenten Schwiegersohn——“
Hellmuth hatte den Kronleuchter befestigt und war wieder von der Leiter herabgestiegen. Er sah Röschen ins Gesicht und erschrak vor ihrem ernsten Ausdruck.
Und beim
ich kann's ja Nach⸗
(Fortsetzung folk.)


