Ausgabe 
8.7.1897
 
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d belebt. von Menschen. Sechs oder sieben Radfahrer

Poflztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Gießen, Donnerstag, den 8. Juli

1897.

Ausgabe

ssische Landeszeiln

Gießen.

0

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Medaktion:

7 Kreuzplatz Nr. 4. 2

Ein Sonntag Nachmittag in Gießen. 1

R. Es ist Sonntag Nachmittag. Der Himmel

ucht zwar nicht das allerfreundlichste Gesicht,

her nach Regen sieht es doch nicht aus. Es ist ihr warm.

Die Straßen, welche aus der Stadt führen, In der Grünbergerstraße wimmelt

Einer von ihnen

10 1 hen sich im Schweiße ihres Angesichts ab, 1

a die Anhöhe zu erreichen.

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8 Pfg.

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eln sogenannter Kopfnicker; er will sich mit ner Nickerei den Anschein geben, als sei er gie Renngröße. Die Leute lachen hinter ihm . Schade, daß er es nicht sieht. Zwei der adler bewegen den ganzen oberen Körper hin i her, als wenn sie mit aller Gewalt die uch nicht im Magen angelangten Kartoffelstücke hunterschütteln wollten. Die anderen fahren lala, nur einer fährt wirklich hübsch. Er it gerade und fährt in mäßigem Tempo.

Vor uns geht ein behäbiger Herr mit drei kratsfähigen Töchtern. ie scheinen dem seßener Straßen⸗Streich⸗Quartett Konkurrenz uchen zu wollen. Mit ihren Kleidern wirbeln . Staubwolken auf. Jeder ist be⸗ gebt, vor die Straßenwalzen zu kommen. genn sie so weiterstäuben, werden sie kaum dter die Haube kommen. Durch eine Dornen⸗ ate sind zwar vor langen Zeiten angeblich die geiersleute zu Dornröschen gedrungen, aber tens giebt's heutzutage keine Dornröschen mehr

I id zweitens sind die verliebten Herren viel be⸗

5.

hiele.

zemer geworden. Durch eine Wolke von Staub hen sie schon gar nicht, wenn sie nicht bestimmt fen, daß es sich sehr gut rentiert.

Da kommt auch gerade der Reklamewagen

Suppen⸗Maggi, nämlich ein Gießener Om⸗

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bus. Der Kutscher fährt den Kondukteur uzieren. Passagiere glänzen durch Abwesenheit. u kommen zwei Soldaten von der Kaserne it gelaufen. Jeder hält ein Paket in Händen. r Omnibus⸗Kondukteur sieht sie. Er schöpft soffnung. Wahrscheinlich wollen die zur Eisen⸗ ihn. Sie haben's anscheinend eilig, so kalkuliert jedenfalls fahren die mit unserem Maggi⸗ dagen. Er klingelt, der Kutscher hält an und die Soldaten laufen schmunzelnd vorbei. . du lieber Gott, es wär so schön ge⸗ en!

Auf dem Trieb machen einige Leute ihre ten Versuche in der Radfahrerei. Der Schweiß leint ihnen aus allen Knopflöchern zu fließen. ber sie sind frohen Mutes. Mit Bewunderung ben sie hinter jedem her, der schon radeln kann. ait steigen auf der linken Seite auf und fallen der rechten wieder herunter. Aber mit ahrer Todesverachtung werden die Versuche

aue 1 f fager Sie wollen's womöglich noch vor 100 IIa, Abendbrot lernen, damit sie nachher mög⸗ rel ins kuf ft schon auf belebter Straße ein paar Nicht⸗ fehlt rer über den Haufen rennen können. Hoffent⸗

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bleibt Alles heil!

Die Liebigshöhe zieht uns zwar gewaltig an, he wir halten Stand und gehen vorbei.

Ir haben nämlich Bekannten ein Rendezvous aul Ti das

Philosophenwald⸗Restaurant versprochen.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn⸗ und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

Der Philosophenwald ist sehr belebt. Eigent⸗ lich zu belebt. Ich bin kein Freund von fort⸗ währendem Grüßen. Ich betrachte mir lieber die schöne Natur, als all die beim Grüßen er⸗ scheinenden Kahlköpfe.

Das geht immer zu:Guten Tag! Recht sehr!in Tag!Diener!Em⸗ pfääähle mich!Mahlzeit! Dabei machen sich die Herrschaften die freundlichsten Gesichter zu, sowie sie aber aneinander vorbei sind, dann geht's los:Der hätte auch lieber den alten Rock, den ich gemacht habe, erst bezahlen sollen, bevor er wo anders einen neuen machen ließ. Das Affengesicht braucht auch einen Schleier! Der hat Schulden wie'n Großmajor. Bei dem ist der Gerichtsvollzieher auch mehr zu sehen, als der Geldbriefträger.Die hat sich zum dritten Male verlobt.Der soll seine Frau prügeln.Die soll heimlich trinken.Die giebt den Dienstmädchen nichts zu essen; sie schließt das Brot in die Stube ein. Die braucht auch'ne seidne Bluse, früher hat sie Aufwartungen besorgt.Das Oos is'mal hochmütig geworden.Na, die und in Weiß, da hört doch der Bindfaden auf und so geht es weiter, bis ihnen der Schnabel weh thut, das dauert aber ziemlich lange.

(Schluß folgt.)

Lokales und Provinzielles.

R. Gießen, 7. Juli. Nach der neuesten Statistik sind im Großherzogtum Hessen 2660 Lehrer und Lehrerinnen angestellt, 1700 davon definitiv. Aus den statistischen Mit⸗ teilungen der Kreisschulkommission unseres Kreises ist hervorzuheben, daß die Schüler⸗ ahl in den Landgemeinden auf einen geringen brgzentsatz gesunken ist. Die Zahl der Volks⸗ schullehrer beträgt 183, sodaß auf einen Lehrer im Durchschnitt 6264 Schulkinder kommen. Diese Zusammenstellung beweist wiederum bis zur Evidenz, daß das Volksschulwesen sehr reformbedürftig ist.

* Gießen, 7. Juli.(Neuheit.) Brief⸗

Verschluß-Marken mit Städteansichten sind das Neueste auf dem Gebiete des Sammel⸗ wesens, das mit Briefmarken und in letzter Zeit besonders mit Ansichts⸗Post⸗Karten so eifrig be⸗ trieben wird. Wie von vielen anderen Städten des In⸗ und Auslandes, so sind dieser Tage auch von Gießen solche Marken erschienen, und zwar in fünf verschiedenen Ansichten: Pano⸗ rama(von der katholischen Kirche aus), Markt⸗ platz, Universität, Johanneskirche und neue Kaserne. Die Marken sind gesetzlich geschützt, haben die Größe der Kolumbus⸗Marken und eignen sich neben der Bestimmung als Brief⸗ verschluß auch zum Aufkleben auf Gratulations⸗ und Postkarten, Briefköpfe usw.; sie sind in ver⸗ schiedenen Farben zu dem billigen Preise: 10 Stück. 15 Pfg. in den hiesigen Schreibwaren⸗ handlungen zu haben.

* Gießen, 7. Juli. Die Stiftungsfeier unserer Landes⸗U niversität wird heute gleichzeitig in zwei Mainzer Blättern der sozialdemokratischenVolksztg., Redakteur Dr. David, früher Gymnasiallehrer in unserer Stadt, und dem CentrumsblattJournal je ein

Kapitel gewidmet. DieVolksztg. beschäftigt sich mit

Expedition

EI Kreuzplatz Nr. 4.

der Festrede des Herrn stud. Alex. Fischer und das Journal mit der Rede des Herrn Rektors Dr. Stade über das Thema: Die Entstehung des Volkes Israel. Unter der UeberschriftDas höchste Gut glossiert die Mainzer Volksztg. die Festrede Fischers. Was die

Philosophen aller Länder und Zeiten vergeblich zu lösen

versucht hätten, nämlich die Frage:Was ist das höchste Gut, das habe Herr Fischer so nebenbei ganz spielend gelöst. Die Rede Fischers, an deren Schluß er feststellt, was das höchste Gut sei, nämlich die Treue gegen das Reich, das Vaterland und dem Herrscher, wird dann abgedruckt und daran folgende Bemerkung geknüpft: ... Ein Telegramm aber wurde vergessen: Dasjenige an König Stumm. Wie konnte man diese könig⸗ liche Hoheit übergehen!? Das ist uns ganz unbegreiflich! Nach der lebhaften Fürsorge, die gerade der Beherrscher von Saarabien neuerdings den Universitäten zugewendet hat, hätte er in erster Linie mit einem Huldigungstele⸗ gramm bedacht werden müssen. Wie würde sich sein Scharfmacherherz gefreut haben, nach all den Schmähungen seitens unbotmäßiger Professoren der Berliner, Leipziger und anderer allzuweit fortgeschrittener, großstädtischer Uni⸗ versttäten die Beifallskundgebung und das Treugelöbnis der Universität Gießen zu erhalten! Wir halten es für eine Forderung der Gerechtigkeit, daß die vereinigte Pro⸗ fessoren⸗ und Studentenschaft unserer Landesuniversität das Versäumte schleunigst nachholt. Die wahre Wissenschaft erkennt nur eine Majestät an, das ist die Ma jestät der Wahrheit. Ihr zu dienen ist zugleich ihr höch⸗ stes Gut. Schielt sie nach anderen Majestäten, läßt sie sich zur Fürstendienerei mißbrauchen, dann wird sie zur feilen Dirne. Der Geist des Byzantinismus auf unseren Universitäten ist eines der traurigsten Zeichen der Zeit! Herr Professor Stade ist beimJournal gänzlich in Mißkredit gekommen, weil er nicht die Bibelworte so hin⸗ nimmt, wie sie dastehen, sondern weil er sie nach aufge⸗ fundenenInschriften modifiziert. DaßMoses nichts gewesen sei, als der Bote des Sinaigottes, wie Herr Stade behauptet, geht dem streng bibelgläubigen Journal durchaus wider den Strich. Das Blatt schreibt:Alle diese nagelneuen Entdeckungen des der⸗ zeitigen Rektors der Gießener Universität haben die katho⸗ lischen Studenten ebenso wie die protestantischen anhören müssen. Sie sind nur zu geeignet, ihr Vertrauen auf die Bibel, diese göttliche Quelle unseres Glaubens, zu er⸗ schüttern. Freilich hätte sich den Studenten wohl der Gedanke aufdrängen müssen: Wer bürgt dafür, daß die Inschriften, welche Herr Stade heranzleht, reinere histo⸗ rische Wahrheiten bieten wie die Bibel; die Bibel mit ihrem Inhalt steht uns als Wort Gottes fest, während dieInschriften nur die subjektiven Ansichten und Auf⸗ fassungen heidnischer Könige und Völker ausdrücken. Herr Dr. Stade möge uns also nicht übel nehmen, wenn wir dem Worte Gottes Glauben schenken, ihm und seinenIn⸗ schriften aber nicht. Ja, soweit wir Luther kennen, sind wir sogar der Meinung, derGottesmann würde nicht einmal Herrn Dr. Stade als Schüler anerkennen, sondern unter dieSchwarmgeister rechnen Wir be⸗ dauern, daß der Staat mit seinem Gelde, d. h. mit dem Gelde der gläubigen Protestanten und Katholiken, solche Leute besoldet. Jedes Restlein von Christentum, welches dieselben derkritischen Prüfung unterziehen und ihren Hörern, besonders den künftigen Geistlichen der evange⸗ lischen Landeskirche hinweg disputieren, betrachten wir als einen unersetzlichen Verlust für das wahre Wohl des Volkes und als Gewinn für die kommenden Geister des Umsturzes. Das feste Bollwerk des Staates ist unzweifelhaft das Christentum, wie es in der heiligen Schrift des alten Testamentes wie des neuen Testamentes bezeugt wird.. Caeterum censeo: es ist schade für das schöne Geld aus dem Säckel der Steuerzahler, welches für die heutige theologische Fakultät in Gießen verwandt wird! Wird nun Herr Fischer seine Ansichten über dashöchste Gut ändern? Und wird Herr Stade in Zukunft keiner Inschrift mehr

trauen, oder gar auf sein Gehalt verzichten. Qui vivra

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* Gießen, 7. Juli.(Eine Warnung für Eltern.) Nur der Vorsicht eines Feld⸗ webels ist es zu danken, daß zwei Kinder mit ihrem Leben davonkamen. Dieselben waren damit beschäftigt, in der Nähe des Schießstandes Erdbeeren zu suchen, und um zu diesen zu ge⸗ langen, drangen sie durch das den Schießstand absperrende Gitter und zwar gerade in dem Augenblick, als eine Kompagnie sich im Scharf⸗ schießen übte. Ein Feldwebel bemerkte die nur einen Schritt von der Schußlinie entfernt stehen⸗ den Kinder. Dieselben wurden sofort entfernt und ihnen dadurch das Leben gerettet.

* Gießen, 7. Juli. Einer unserer Geschäfts⸗ leute sandte heute Vormittag sein Dienstmädchen zur Stadt⸗Post mit 4 Mark 20⸗Pfennigstücken in Nickel, um Postwertzeichen einzukaufen. Der Beamte weigerte sich, die Nickels an⸗ zunehmen. Aber die Post sollte dieselben nun doch erhalten. Dienstherr und Dienstmädchen machten sich gemeinsam auf den Weg zur Post und kaufte jeder an einem der getrennt liegenden Schalter jür je eine Mark Marken, dann wechselte man den Standort und derselbe Handel begann aufs neue. In Zahlung wurden jedesmal fünf Doppel⸗Nickel gegeben. So hatte der Geschäfts⸗ mann seinen Willen, die Post wurde aber vier⸗ mal behelligt und erhielt die Nickelmünzen doch. Wer lacht da!

* Gießen, 7. Juli.(Rindviehmarkt.) Der gestrige Kuh markt hatte einen Auftrieb von 450500 Stück, darunter etwa 100 Kälber und wenige Rinder. Der Auftrieb war in Rücksicht auf die Saison sehr klein zu nennen, woran wohl der heute in Hanau stattfindende Markt die Schuld trägt. Dieser zieht natürlich unter den heutigen Verhältnissen Käufer und Verkäufer mehr an, weil beide Teile dort kou⸗ lanter behandelt werden, als auf unseren hessi⸗ schen Märkten. Der gestrige Markt entwickelte sich trotz des kleinen Auftriebes nur sehr langsam, es fehlten die Käufer vom Main und Rhein, welche große Partien kaufen. Diese Leute bleiben dem Gießener Markt immer mehr fern, weil sie hier nicht mehr die Ware finden, die sie ge⸗ brauchen können. Trotz der ungünstigen Ver⸗ hältnisse wurde für die Ware ein guter Preis erzielt. Es wurden für beste am Markt befind⸗ liche Milchkühe 4 500&& bezahlt, 2. Qualität wurde mit 300350& bezahlt. Die Preise für Rinder und Kälber blieben dieselben wie am letzten Markt. Auffallend ist, daß im all⸗ gemeinen die Preise für Fettvieh nicht anziehen, obgleich das Zuchtvieh in den letzten Wochen 0 allen, auch auswärtigen Märkten teuer ge⸗ handelt wurde.

W. Reiskirchen, 6. Juli. Für den Bienen⸗ züchterverein für Gießen und Umgegend ist für Sonntag, den 18. Juli, nachmittags ½3 Uhr, bei Gastwirt Guntrum dahier eine Ver⸗ sammlung anberaumt. Vor derselben werden die Bienenstände der dortigen Mitglieder besichtigt und praktische Weisungen erieilt. Die Abfahrt von Gießen erfolgt um 12 Uhr mittags.

G. Grünberg, 6. Juli. Auf dem Jahr⸗ marktsplatz dahier findet Samstag, den 10. Juli, vormittags 10 Uhr, die Besichtigung der

dem Vogelsberg. (Dialelt.) Von August Muhl. (Nachdruck verboten.)

Was dem Volksdialekt der Vogelsberger Hangt, so ist dieser fast, mehr oder minder, so Aschieden als die Zahl der Orte. Mit ganz eigen Ausnahmen sind alle Wörter dem Volks⸗ dekte ausgesetzt. Zu diesen Ausnohmen zählen hende Substantive: Wasser, Bach, Himmel, Bier, (d, Kaffee, Rock, Acker, Katze(hier bleibt nur ie weg), Tochter(hier nur statt T: D), König. Unter den Adjektivis folgende: heiter, prächtig,

o m * all K. 1 alle mee der, hell, dunkel, während unter den Verbis nur

u einziges bekannt ist:ackern. Bei einigen

geg,laut. elt gela 5 park 90. heren wird zwar die Stammsilbe richtig ge⸗

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, chen, allein im Indicativ das n weggelassen;

1 statt singen singe usw. Von den Pronomen allen übrigen Wortarten ist uns keins bekanut, 1 gut deutsch ausgesprochen wird. Von den ren wird freilichich fast in den meisten Orten eig gesprochen, dann aber viel eich, auch aich, er wird fast nur he und statt wir mir belrochen. 110 folgenden Wörtern wollen wir die hier sschenden Dialekte zu veranschauli hen suchen: u Subst. Mensch, an einzelnen Orten: Monsch, Junkerland sogar Mansch, also sehr breit

und hart, wie überhaupt hier der Volksdialekt breiter und härter ist als sonst im Vogelsberg; an den meisten Orten richtig: Mensch; Leute: meistens Leut', vereinzelt jedoch: Leit, auch Liet(im Plural bleibt meistens der Endlaut weg); Frau, nirgends richtig gesprochen, bald: Fra, Frou, Frä; Sohn: meistens Sooh, Suh; Tante: fast immer Waas, d. h. Base; Kind, an einzlnen Orten richtig, an anderen: Kend, Käng, King; Schwester; öfter richtig, einzelne dagegen: Schwaaster; Bruder: öfter richtig, einzeln: Brorer, Broder, Brurrer und Brudder; Vater: nirgends richtig, meistens: Votter, sogar Vorrer(Vorrer ist ein Dialekt, welcher schon am oberen Lauf der Schwalm beginnt); Mutter: meistens: Motter; Nachbar: Nochber, Noachber; Stadt: fast nur Stoadt; Garten: nirgends richtig: Goarte; Wiese: Wies, au b Wiss; Haus: Haus, sogar Hus (Lauterbacher Dialekt); Kirche: meistens Kirch, ver⸗ einzelt: Kärch, Kerch; Turm: Thorm, Dorm; Ofen: meistens: Owe, vereinzelt: Uwe; Bank: meistens: Baank, vereinzelt: Boonk; Fenster: meistens richtig, vereinzelt: Fienster, Fiester, sogar Fanster(Junkerl.); Käse: meistens: Kös; Butter: manchmal Buder, Buter, öfter: Botter; Schäfer: Schäffer, Scheefer; Stube: meistens Stubb, vereinzelt: Stowwe; Kammer, Koamer: Kommer: Pferd: meistenteils Gaul, im Junkerland auch: Pahr: Buch: meistens richtig, nur an einzelnen Orten: Bouch; Baum: meistens Baam, auch: Büam und Boum(Lauter⸗

bachisch); Kreuzer: meistens richtig, im Junkerland; Kreizer, im Lauterbachischen: Kritzer; Freude: bald Frad, Fräd, Freide; Lehrer: meistens Lährer, und ebenso: Fehler: Fähler; Wein: Weih: Wieh; Win; schön: meistens schöh, vereinzelt: schieh; garstig: meistens goarschtig; hübsch: vereinzelt richtig, dann aber hübsch; lieb: öfter richtig, vereinzelt: leib, auch leb; lustig: öfter richtig, vereinzelt: lostig! traurig: meistens richtig, vereinzelt: trourig: munter: meistens: monter; gut: meistens richtig, vereinzelt: got, auch gout; süß: meistens: süss, vereinzelt sois; bitter: vereinzelt: better; scharf: fast immer schoarf; beten: vereinzelt bate: singen: meistens richtig, nur n bleibt weg, vereinzelt: senge; lachen: meistens die Stamm⸗ silbe richtig, vereinzelt: loache; weinen: meistens schreie, auch gärrn; rufen:= roufe, ruffe, auch kreische; springen: meistens richtig, d. h. ohne n, vereinzelt auch sprenge, tanzen: meistens daanze; läuten= läute, auch leite; mähen, zuweilen mähe, auch mehe, vereinzelt; möwe(doch letzteres in Dörfern mehr der Wetterau nahe gelegen); graben: meistens grawe: ringen: meistens ringe, auch zu weilen range.

Von den übrigen Wortarten führen wir noch an: nichts- naut, nischt(Lauterb.); ja: joa, vereinzelt auch jo; nein: meistens noa, auch vereinzelt nein; heute: haut, heit, hiet, (Lauterb.); und: meistens ond; daß= doaß: ich: oft richtig, dann auch: aich, ech, eich; Du: oft

nur

richtig, dann auch Dou(Du, welches in der Höf⸗ lichkeitssprache in Sie umgewandelt, wird hier fast immer durch Ihr ersetzt). Es galt früher für ein großes Vergehen, eins der Eltern mit Du anzu⸗ reden und nicht mit Ihr und heute noch ist es in den Bauernfamilien(bei der geringeren Klasse weniger) gang und gäbe, die Eltern mit Ihr anzureden.

Als vollständige Spracheigenheit, Idiotismen, mögen noch folgende Worte stehen:

statt Schatten: Schauwe, statt Nachmittag: Onnen, statt gestern: negt, auch närt, statt gähnen: giwe, statt knapp: sparlich, speng, statt Mutter: Meut, statt Vater: Knenn.

Die beiden letzten Ausdrücke wurden jedoch nur in früherer Zeit, vor noch etwa 5060 Jahren, gebraucht, jetzt nicht mehr.

Die Frage: soll dem Volksdialekt absolut ent⸗ gegengewirkt werden, und wie? wollen wir hier offen lassen, da hierüber im Allgemeinen die An⸗ sichten auseinander gehen; nur so viel steht indessen fest, daß derselbe den ersten Unterricht im Deutschen außerordentlich erschwert, dem Historiker dagegen

manchen Anknüpfungspunkt bietet, in den Städten und Städtchen aber schon um ein Bedeutendes außer Cours gesetzt worden ist.