Ausgabe 
6.10.1897
 
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t. 234

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Gießen, Mittwoch, den 6. Oktober

1897.

Postztg. Nr. 3819. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

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Gießen.

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Redaktion:

* Kreuzplatz Nr. 4. 2

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nl, Hessische Steuerreform. 355 Sagen Darmstadt, 5. Oktober. 8 des 0 Die kommissarischen Berathungen der hessi 1 hier chen Steuerreformfrage gelangten am 0 5 eng Samstag zum Abschluß. Die Kommisston er⸗ elbst der 00 klärte sich mit der Tendenz der Steuerreform zung aufgesh) Umgestaltung der Grund⸗ und Gewerbesteuer, 100 höhere Heranziehung des fundierten Einkommens, Ju G95 fel es durch eine Vorausbesteuerung oder durch Tinzessn Heu Zuschläge zur Einkommensteuer, Berücksichtigung

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70. Die gestrige Aufführung des SchwankesZwei un 5 1 5 7 Blumenthal und 1 0 95 15 0 gut besetztem Hause statt. Was wieder nähe die Leistungen der Darsteller anbetrifft, so be⸗ alen, Hue, gehen wir uns auf die Besprechung über die ahllde kite Aufführung, die eine mustergiltige war, 500 Das Publikum kargte denn auch nicht mit 3 Vefalssbezengungen. Morgen, Mittwoch malie ˖ Abend kommk ein stets gern gesehenes klassisches ffn Jrch Stück, das LustspielMinn von Barn⸗ ben grub helm von Lessing zur Aufführung, auf welches n 1 hiermit ene besonders aufmerksam gemacht sei. 1., Gießen, 5. Okt.(Feuerwehr.) Gestern Abend Hauptübung

1.

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der Leistungsfähigkeit und insbesondere Ge⸗ liattung des Schuldenabzug einverstanden und erklärte einstimmig, daß das Ziel der Reform auf dem Wege der Beibehaltung der Grund- und Gewerbesteuer als Realsteuern nicht zu erreichen al. Mit derselben Einstimmigkeit verwarf die

Kommission die in Erwägung gezogene Umwand bung der Grund⸗ und Gewerbesteuern in Er⸗

gänzungssteuern aus fundiertem Einkommen vom Charakter der Kapitalrentensteuer und erklärte eschlossen die Vermögenssteuer als den been Ersatz der bestehenden Ertragssteuern. Uutgegen irrthümlichen Meldungen der Presse muß hierbei betont werden, daß diese Vermögens⸗ sieuer nicht als eine solche nach preußischem Muster, die bekanntlich Vermögen jeder Art mit einem einheitlichen Steuersatz belegt, gedacht ist, daß im Gegenteil dieser Beschluß lediglich eine Anerkennung des Vermögenssteuerprinzips be deutet und im Uebrigen die Frage, ob die ver⸗ schiedenen Vermögensgattungen Grundbesttz, Hewerbe, Kapitalvermögen einheitlich oder er zu belasten seien, offen läßt. Dem⸗ eutsprechend wurde der Antrag des Provinzial⸗ Mrektors Freiherrn von Gagern, getrennte Wertkataster für die verschiedenen Vermögens⸗ e aufzustellen, angenommen, da dieser trag beide Möglichkeiten Belastung mit Enheitlichem und verschiedenem Steuerfuße gestattet. Einstimmig bejahte ferner die Kom⸗ mission die Frage, ob eine Entlastung der durch die Ertragssteuern und die Vermögenssteuer auf⸗ zubringenden Summe erwünscht sei, wobei ins⸗ lesondere Weinsteuer und Staatslotterie Mökutiert wurden. Während die Weinsteuer, die aufs Energischste von den rhein⸗hessischen Mügliedern der Kommission bekämpft wurde,

sehr geteilte Aufnahme fand, wird die Staats⸗

lolterse mit allen gegen 7 Stimmen als sehr be⸗ uchtenswertens Ersatzmittel empfohlen. Eine Verschärfung der Progression der Einkommen⸗ steuer wird dagegen nicht als thunlich erachtet, da nach dem hessischen Steuersysteme jederzeit durch Erhöhung des Einkommensteuerausschlags⸗ Poefficienten eine höhere Belastung der Einkom⸗ Mensteuerpflichtigen erzielt werden könne und es sich nicht empfehle, an dem mit unendlichen Schwierigkeiten 1895 zur Verabschiedung gelangten Gesetze wieder zu rütteln. In der Frage der Gemeindesteuerreform wurde vielfach die Ansicht vertreten, daß es angebracht erscheine,

auf diesem Gebiete erst dann reformatorisch vor⸗

55 wenn die Ergebnisse der Staatssteuer⸗ keform zu übersehen wären. Aus diesem Grunde sah die Kommisston von Beantwortung der hier seltens der Regierung gestellten speziellen Fragen ab und begnügte sich, einstimmig die Ansicht aus⸗ zusprechen, daß im Anschluß an die Staatssteuer⸗ keform die Gemeindesteuerreform vorzunehmen uud hierbei ein angemessener Anschluß an die eng der Staatssteuern ins Auge zu sassen sel. Allgemein verworfen wurde dagegen Nie Nachahmung des Beispiels des preußischen Staates, der Staats⸗ und Gemeindebesteuerung auf völlig verschiedenen Grundlagen sich voll ziehen läßt.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 5. Okt.(Stabt⸗Theater.)

and die letzte diesjährige 0. 6 jäh 9

5 amten Gießener Feuerwehr statt. Aach den Exerzitien auf Oswalds Garten ere folgte ein Brandangriff. Als Brandobjekt halle man denWiener Hof am Neuenweg Außzersehen. Nach Beendigung der Uebung er⸗

folgte

f der Rückmarsch unter dem üblichen deen 1 e sich die igen Kor u einem 2 i Sten G 3 m Abendschoppen in Gießen, 5. Okt. Heute wurde gegen den Schneidermeister Wilhelm Kasi von hier vor der Strafkammer bei Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelt. Es handelt sich um ein Vergehen aus§ 185 des Strafgesetz buches. Karnbach wurde zu einer Gefängnis strafe von einem Jahr verurteilt.

* Gießen, 5. Oktober.(Steinkohlen⸗ bezugsgesellschaft Gießen.) Es ist jetzt etwas über ein Jahr, daß sich hier die genannte Gesellschaft gegründet hat, deren Mitglieder zu Anfang aus dem früher von Herrn Polizeirat Fresenius geleiteten Steinkohlenbezugsverein über⸗ getreten sind. Bei Gründung zählte die neue Gesellschaft, welche am Montag Abend auf Lonys Bierkeller hier ihre erste Generalversamm⸗ lung abhielt, etwa 150 Mitglieder. Die Zahl ist jetzt auf 380 angewachsen. Aus dem Ver⸗ waltungsbericht des Vorsitzenden geht ferner hervor, daß 14 Vorstandssitzungen gehalten wurden und daß im Geschäftsjahr(1. Jult 1896 bis 1. Juli 1897) 130 Waggons prima Steinkohlen mit 26 735 Zentnern, also einem Mehrgewicht von 735 Zentnern, das den Mit- gliedern zugute kommt, bezogen wurden. Die monatlich zur Erhebung kommenden Mitglieder⸗ beiträge werden zinstragend angelegt, die Zinsen der Ausgabe abgeschrieben und so läßt es sich erklären, daß die Kohlen einen recht niederen Preis hatten. Die im Sommer bezogenen Nuß⸗ kohlen kosteten 95, die Winterkohlen 1,03, die Anthracitkohle 1,46. Die Gesamtausgabe belief sich auf rund 26 229 4. Bei der Vor⸗ standswahl wurden die seitherigen Mitglieder wiedergewählt. Nur für ein ausgeschiedenes Mitglied fand Ersatzwahl statt. Zum Schluß wurden noch drei Revisoren ernannt, welche die Aufgabe haben, die nächstjährige Jahresrechnung zu prüfen. Das Geschäftsjahr wurde auf den 1. August verlegt.

* Gießen, 5. Oktober. Ergänzend, bezw. berichtigend wird uns zu unserem gestrigen Referat über die Wersammlung der stä dt i⸗ schen Arbeiter mitgeteilt, daß ein wöchent- licher Beitrag von 20 Pfg. festgesetzt wurde. Aus diesen Beiträgen soll ein Unterstützungs⸗ fonds für erkrankte Mitglieder angelegt werden, um nicht auf städtische Unterstützung angewiesen zu sein, welche nach erfolgter Genesung doch wieder mit Prozenten am Lohne abgezogen würde.

m. Lollar, 5. Okt.(Unfall.) Bet der am Sonntag stattgehabten Uebung der frei⸗ willigen Feuerwehr stürzte der Schreiner⸗ meister Arnold von einer Leiter und zog sich einige Verletzungen zu, die, obgleich der Ver⸗ letzte zur Zeit noch das Bett hüten muß, nicht gefährlicher Natur sein sollen. a

* Grünberg, 4. Okt. Die gestrige Auf⸗ führung des OratoriumDer Jüngling zu Nain ließ wieder einmal recht deutlich erkennen, daß der hiesige Kirchengesangverein unter der Leitung seines Dirigenten Herrn Lehrer Mohr, das richtige Ziel erstrebt und mit dem veranstalteten Kirchenkonzert eine gesangliche Musterleistung gegeben hat. Die Harmonium⸗ begleitung lag in Händen des Herrn Pfarrer Frank aus Merlau. Die einzelnen Partien, die gesungen worden, waren in ihrer Vortrags- weise ansprechend und von einer musikalischen Ungleichheit war fast gar nichts zu merken. Sopran sang: Frau Ghmnastallehrer Becker⸗ Laubach, Alt: Frl. Prinz⸗Vöhl, Tenor: Post⸗ meister Ubrich⸗Grünberg und Baß: Lehrer Roth-⸗Grünberg. Auch der übrigen Prog ramm⸗ nummern, welche erfolgreich zur Ausführung kamen, gedenken wir mit höchster Auszeichnung.

* Bad Nauheim, 5. Okt. In der letzten Woche sind täglich noch 450 Bäder, im ganzen eit dem 1. April l. J. 223 699 Bäder ver⸗ abfolgt worden, d. h. über 26. Tausend mehr als in der entsprechenden Periode des Vorjahres.

* Darmstadt, 4. Oktober. Der dies jährige Herbstpferdemarkt nahm heute Vormittag seinen Anfang und ist gut befahren. In den Vereinsstallungen sind 126 Pferde eingestellt, zur Prämiterung sind ca. 100 Pferde und Fohlen angefahren und auf dem Pferdemarktplatz sind noch ca. 100 Pferde zum Verkauf aufgestellt. Der Markt ist sonach im ganzen mit ca. 330 Tieren befahren. f dee 4. Okt. Am al benz 11

sammlung der nwaltskamm Fahr eklandesgerichtsbezirks hierselbst abgehalten. Dieselbe war bon, etwa 60 Anwälten

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Der Vorsitzende des Vorstandes, Rechts⸗ ace Metz I von Darmstadt, begrüßte die

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die spaltige Petttzeile.

Kollegen und betonte dabei, daß die im ver⸗ flossenen Berichtsjahre gegen Anwälte einge⸗ laufenen Beschwerden sich größtenteils als frivol erwiesen hätten. Rechtsanwalt Schödler von Darmstadt erstattete den Jahresbericht, welchem wir entnehmen, daß die Zahl der hessischen An⸗ wälte auf 127 gestiegen ist, eine Ziffer, die seit 1879 noch nicht erreicht wurde. Die vorgelegte Rechnung und der Voranschlag wurden genehmigt und beschlossen, an die Hilfskasse in Leipzig einen Betrag von 1000% abzuführen. Die aus⸗ scheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Gutfleisch von Gießen, Dr. Struve und Dr. Zuckmayer von Mainz wurden wiedergewählt, und Metz J zum Vorsitzenden, Dr. Rainach zum Stellvertreter des Vorsitzenden, Schödler zum Schriftführer und Dr. Gutfleisch zum stellver⸗ tretenden Schriftführer einstimmig ernannt.

* Mainz, 4. Okt. Das Schwurgericht verurteilte am Samstag den Posthilfsboten Heinrich Eller, 34 Jahre alt aus Metten⸗ heim, der in 16 Fällen die Unterschriften auf den Postquitungsscheinen gefälscht und die Beträge im Werte von 300 A. unter- schlagen hat, zu 11 Monaten Gefängnis. Die Geschworenen hatten die Frage auf die Beamteneigenschaft des Verurteilten, der ein Tagegeld von 2 Mark bezog, verneint.

* Mainz, 4. Oktober.(Kleine Nach⸗ richten.) Wie aus Berlin berichtet wird, hat Staatsminister von Thielen einer Deputation von Buchdruckereibesitzern die Zusicherung gegeben, daß die Eisenbahndrucksachen⸗Verwal⸗ tung in Mainz verbleibe. Vorgestern Abend kam es in der Nollgasse zwischen einer Militärpatrouille und einigen Schiffern zu einem ernsten Kampf. Die Schiffer hatten die Soldaten beleidigt und griffen sie schließlich an, worauf die Soldaten mit den Kolben drein⸗ schlugen. Drei Schiffer wurden nicht unerheblich verletzt. Ein Teil der hiesigen Truppen hielt vorige Woche oberhalb des Friedhofs eine Felddienstübung ab. Dabei überstiegen Truppenabteilungen die Umzäunungen des Fried⸗ hofs und benutzten diesen zu ihren militärischen Uebungen, indem sie hinter den Grabsteinen Deckung suchten und von da aus denFeind beschossen. Hiergegen wurde Beschwerde beim Gouvernement erhoben.

* Mainz, 4. Oktober.(Sparkasse.) Am 1. Oktober 1897 hat der Rechner der Mainzer Sparkasse, Herr Karl Mach, sein 30. Dienst⸗ jahr zurückgelegt. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß während dieser Dienstzeit 86 000 neue Einlagebücher ausgegeben worden. 594816 Einlagen geschahen im Gesamtbetrag von 93 514 547,52 4. 344397 Rückzah⸗ lungen wurden geleistet mit 74 768 342,11 A. 81 811 Einleger haben Zinsen erhoben in Höhe von 2677 110,29 4, daß alle Einnahmen 283 741 543,73, demnach der Gesamtumsatz über 500 Millionen betragen haben. Im Jahr 1867 war der Reservefonds nicht ganz 200 000 Mark, währenddem derselbe zu Anfang dieses Jahres schon die Summe von 2497 720,22. erreicht hat.

* Mainz, 5. Oktober.(mainzer Brems⸗ schlittschuh.) Das Patentamt erhielt von Herrn Jean Schlecht, Tapezierermeister, ein Modell eines von ihm erfundenen Schlitt schuhs mit Bremsvorrichtung. Letztere besteht in mehreren Stacheln am hinteren Teile des Schlittschuhs, die beim Heben der Fußspitze in das Eis gehen und den Schlittschuhläufer zum sofortigen Stillstehen bringen sollen. Das Modell wurde unter dem Namen Mainzer Bremsschlittschuh patentiert.

* Aus Rheinhessen, 1. Okt. Der land⸗ wirtschaftliche Provinzialverein Rhein- hessen wird auf der demnächst stattfindenden internationalen Obstausstelung in Ham⸗ burg stark vertreten sein. Angemeldet sind die Bezirke Alzey, Worms und Mainz, der Obst⸗ und Gartenbauverein für den Kreis Oppenheim, die Ortsgruppen Drais, Finthen, Mommenheim, Weinolsheim, Guntersblum, Dexheim, Lauben heim und Nackenheim.

* Wetzlar, 5. Okt.(Bestrafter Fahr⸗ raddieb.) Der Tagelöhner Heinrich O. von hier, ein schon mehrfach vorbestrafter Bursche, hatte am 30. August ein Fahrrad gestohlen, welches ein Kaufmann in der Henoppschen Wirt⸗ schaft zu Garbenheim beigestellt hatte. Der Dieb wurde bald darauf in Bissenberg festge⸗ nommen. Heute wird der Sportliebhaber von der Strafkammer zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt.

biti 8 50 6 4. Schwurgericht.

Verhandlung gegen den Müllerssohn Heinrich Dörr von Dammesmühle wegen Mord versuch.

W. Gießen, 4. Okt.

(Schluß.) Die Geschworenen suchen sich mit Zuhilfenahme des ca. 3 Meter langen Strlckes an Hand der Situattons⸗ zeichnung zu informieren, ob das andere Ende der Schlinge am Gebälk festgebunden gewesen sein kann, als die Bondio mit der Schlinge um den Hals abstürzte. Es wird kon⸗ statiert, daß das wohl sehr leicht möglich sein kann, denn die Höhe des ersten Absturzes von der Leiter auf den Boden beträgt nur 1,90 Meter. Die Zeugin Bondlo giebt an, sie habe nie die Absicht gehabt, sich das Leben zu nehmen, denn Heinrich habe ja gesagt, er werde sie heiraten. Sie bestreitet aber besonders, daß sie in der Nacht vom 23. bis 24. Jult selber einen Selbstmordver⸗ such gemacht. Sie bestreitet besonders die Annahme, als habe sie von dem Vater des Angeklagten Geld haben wollen.

Der Angeklagte bleibt dabei, die ganze Erzählung sei ein Märchen.

Staatsanwalt Koch beantragt, die Zeugin dem Angeklagten gegenüberzustellen und diesem ins Gesicht ihre Anklage zu wlederholen. Die Geschworenen sollen sehen, was für ein Gesicht der Angeklagte machen wird. Dleser bleibt, trotzdem die Zeugin ihre Anschuldigung ihm ins Gesicht sagt dabei, es sei Alles nicht wah r.

Staatsanwalt Koch richtet an die Bondio die Frage, warum und ob sie nicht geschrieeen habe.

Die Zeugin antwortet, sie habe nicht schreien können, wohl habe sie aber gejammert und gewimmert.

Die Mitmagd der Angeklagten auf der Dammesmühle, die 19jährige Elisabet he Frick von Ruhlkirchen, z. Zt. noch bei des Angeklagten Vater in Dienst, bestätigt, daß sie mit der Bondio im unverschlossenen Zimmer zusammen in einem Bett geschlafen habe. Der Angeklagte habe ihr nie unsittliche Anträge gestellt, ob derselbe mit der Bondlo intim verkehrt habe, wisse sie nicht. Die Zeugin kommt dann auf ihr Erwachen in der betreffenden Nacht und bekundet, daß die Mitmagd auf ihre Frage, wo sie ge⸗ wesen, ihr geantwortet, sie sei unten gewesen und habe ein Bedürfnis verrichtet. Am Morgen sei dieselbe nicht aufgestanden, habe sie vielmehr gebeten, Elise Dörr, die Schwester des Angeklagten, zu rufen. Diese habe ihr, der Zeugin, später gesagt, daß die Bondio ihr mitgeteilt, der Angeklagte habe sie durch die Scheuer auf den Boden geschleift. Die Zeugin bekundet auf Befragen, daß ihre Mitmagd am Abend des 23. Juli beim Auskleiden die Strümpfe anbehalten habe. Die Zeugin sagt ferner, die Bondio habe einmal im Sommer davon gesprochen, sich zu ertränken. Auf Vorhalt, daß sie davon früher vor dem Untersuchungsrichter kein Wort gesagt, erklärt die Zeugin, sich inzwischen darauf besonnen zu haben. Die Zeugin hat weder gehört, daß der Angeklagte in der Nacht im Zimmer gewesen, noch hat sie bemerkt, daß die Bondio in der Nacht das gemeinsame Bett verlassen habe. Die Zeugin hat am Morgen nach der That am Halse der Bondio einen roten Streifen bemerkt und von dieser die Aeußerung gehört:Noch 2 Minuten dann hätte mich in der Nacht der Heinrich tot gemacht. Sie habe dem dies damals gesagt und dieser habe sich sehr verwundert. Am 24. Juli habe sich der Angeklagte bis nachmittags 4 Uhr entfernt, sodaß man geglaubt, er habe sich ein Leid angethan. Die Zeugin deponiert weiter, daß ihr die Schwester am Abend des fraglichen Tages gesagt, der Heinrich habe ihr(der Bondio) drei Schläge auf den Kopf gegeben, so habe ihr wenigstens die Bondio gesagt. Vom Hängen sei damals noch keine Rede gewesen, dies soll nach dem Erzählen der Elise Dörr von der Bondio erst später behauptet sein.

Der Zeuge Joh. Roth, z. Zt. als Dienstknecht auf der Dammesmühle, habe am Abend des 23. Juli ge⸗ sehen, wie die Bondio nach der Scheuer zuging. Da habe sie ihn am Fenster bemerkt und sei ins Haus ge⸗ gangen, ohne die Hausthür hinter sich zu verriegeln. An nächsten Morgen habe die Elise Dörr ihm vomSchleifen durch die Scheuer erzählt und daß die Bondio Hammer⸗ schläge erhalten. Erst mittags habe er durch die Elise Dörr vom Hängen gehört. Der Strick sei der Teil einer Pferdeleine. Zeuge war dabei als man den hängen⸗ den Strick losmachte. Derselbe war zweimal um einen festen Querbalken geschlungen, eine eigentliche Schlinge war am Strick nicht vorhanden, wohl aber ein Knoten. Der Zeuge, die beiden Söhne und der alte Dörr haben den Strick abgenommen und zur Bondio hinaufgeschickt, um zu fragen, was es mit dem Strick bedeute. Als die Elise, die mit dem Strick nach oben gegangen, zurück gekommen, habe sie erzählt, die Bondio sage, Heinrich habe sie mit dem Strick hängen wollen. Richtig sei, daß der Ange⸗ klagte am Morgen des 24. Juli bis zum Kaffee ver⸗ schwunden war und gesucht worden sei. Um Pfingsten herum hat der Zeuge nach seiner Bekundung die Bondio unter verdächtigen Umständen gegen Abend in der Scheuer angetroffen. Er hat sie mit Gewalt aus der Scheuer entfernt. Es hätte den Eindruck gemacht, als wenn sich das Mädchen habe ein Leid anthun wollen. Elise Dörr, die Schwester des Angeklagten, sowie dessen Bruder verweigern das Zeugnis. Johannes Dörr, der andere 30 Jahre alte Bruder des Angeklagten erklärt Zeugnis ablegen zu wollen. Derselbe bekundet, er habe in der betreffenden Nacht die Kammerthür der Bondio in einem Zwischenraum von 1 Stunde 2 mal öffnen gehört. Am Morgen sei seine Schwester Elise zu ihm gekommen und habe ihm mitgetheilt, die Magd behaupte, der Bruder habe in der Nacht sie in die Scheuer geschleift und mehrere

Schläge mit einem Hammer versetzt. Der Zeuge hat dann