Ausgabe 
6.8.1897
 
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die Nase hinauf und drang an der Nasenwurzel dicht am Auge wieder heraus, worauf der Feder⸗ halter im Runde abbrach. In furchtbaren Schmerzen wand sich das Kind und ein Arzt mußte schleunigst geholt werden. Der Feder⸗ halter hatte sich aber derart in das Gesicht hineingebohrt, daß es längere Zeit bedurfte, ehe derselbe herausgezogen werden konnte. Der Zu stand des Kindes ist sehr bedenklich.

Vermischtes.

Eine gefährliche Enthusiastin. Berliner Blätter berichten: Mit erstaunlicher Ausdauer führt die Schneiderin Olga Schönau, die sich auchSchriftstellerin nennt, einen erbitterten Kampf gegen den Pastor Wagner von der Gnadenkirche. Sie scheint durch eine glühende Phantasie irre geleitet zu werden und dem Pastor Wag⸗ ner eine diesem höchst unbequeme Zuneigung entgegenge⸗ bracht zu haben, an deren Stelle ernstlicher Spaß getreten ist, nachdem ihr höchst unpassendes Verhalten in der Kirche und die vielen Belästigungen, womit sie den Prediger be⸗ dachte, diesem Veranlassung gegeben hatten, die Hilfe der Staatsanwaltschaft in Anspruch zu nehmen. Sie ist vor einiger Zeit wegen schwerer Beleidigungen des Pastor Wagner zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Damals wurde gerichtlich festgestellt, daß die Angeklagte bei den Predigten des Pastors Wagner ein die übrigen Kirchgänger vielfach störendes Benehmen zur Schau ge⸗ tragen, ihm bei der Empfangnahme des heiligen Abend⸗ mahls die Hände in Anstoß erregender Weise geküßt und über die angeblichen Beziehungen des Geistlichen zu ihr, die niemals bestanden haben, grob beleidigende Behaup⸗ tungen aufgestellt hatte. Heute stand die gefährliche Dame, die übrigens auch schon vor längerer Zeit wegen eines gegen einen Stettiner Verlagsbuchhändler verübten Erpressungsversuches eine harte Gefängnisstrafe erlitten hat, wieder wegen Beleidigung desselben Geistlichen vor

leidigung war so ungeheuerlich, daß der Gerichtshof, der während der Verhandlung die Oeffentlichkeit ausschloß, die Unverbesserliche zu Jahren Gefängnis verurteilte und ihre sofortige Verhaftung anordnete.

Anton v. Werner und die Kellner. Der Gastronom widmet dem Direktor der Berliner Kunstakademie einen ganzen Leitartikel mit der Ueberschrift Ein Schlag ins Gesicht. Die Beschwerde desGast⸗ ronomen gilt einem Satz der bekannten Wernerschen Rede, in der er das Bild eines modernen Pariser Malers in seiner geringschätzigen Art bespricht und sagt:Christus auf seinem Gang nach Golgatha, begleitet von modernen Pariser Kellnern, Freudenmädchen und anderem Ge sindel. Dazu bemerktDer Gastronom:Wenn auch hier speziell von Pariser Kellnern gesprochen wird, so fühlen wir uns vollständig solidarisch und begreifen nicht, was den Professor dazu veranlaßt hat, uns in die Kate⸗ gorie desGesindels zu klassifizieren? Gerade von einem gebildeten Menschen verlangt man, daß er vorsich tiger mit seinen Worten ist und am allerwenigsten Jemanden nahe tritt, der ihm keine Veranlassung dazu gegeben hat.

Die hygieinische Thätigkeit der in⸗ dischen Geier. Unter den Eingeborenen von Indien besteht bekanntlich ebenso wie in Persien die Sitte, die Leichen der Verstorbenen nicht zu begraben, sondern sie an bestimmte Plätze zu bringen, wo sie von den Geiern bestattet werden. In Indien sind diese Orte die soge⸗ nannienTürme des Schweigens, die von jenen wider⸗ lichen Vögeln wohl gekannt und in Scharen besucht wer den. Man befürchtete, daß während der diesjährigen Pest in Indien die Geier mit ihren erhöhten Pflichten nicht fertig werden würden. Man hat aber das Können dieser Tiere glücklicherweise unterschätzt. Auch sind diese merk⸗ würdigen Begräbnisstätten so geräumig eingerichtet, daß sie die vermehrte Zahl der Toten wohl zu beherbergen vermochten. Ein Geschäftsträger einer persischen Ver⸗ einigung hat über diese Verhältnisse während der Pest

Gebiete von Bombay derTurm des Schweigens Kap⸗ pis Khaoo Raum für 237 Tote hat, in dem Turme Banajee ist Platz für ebensoviele, und zwei weitere Türme fassen 262 bezw. 141 Leichen. Während der ersten 14 Tage des Januar wurden 150 Tote zu diesen Türmen gebracht, und nach den Aus sagen der Wärter, die das anmutige Geschäft haben, die Toten an diesen Plätzen niederzulegen, vollzog sich die Bestattung derselben durch die Geier in durchaus normaler Weise. Uebrigens hatten diese Vögel es verstanden, für ihre vermehrte Arbeit sich Hilfskräfte zu besorgen, und hatten sich an einigen Stellen ganz überraschend vermehrt. Nach einer sehr genauen Zählung saßen auf den Mauern eines dieser Türme nicht weniger als 195 solcher Vögel, ohne die zu rechnen, welche sich in unmittelbarer Nähe des Gebäudes aufhielten. An einer Stelle, wo man bisher mit dem Besuche von 250 Geiern rechnete, hat sich deren Zahl rasch auf 400 ver⸗ mehrt. Man kann also diesen sauberen Vögeln nicht nach⸗ sagen, daß sie ihre Pflicht vernachlässigt oder sich der ihnen zugemuteten Aufgabe nicht gewachsen gezeigt hätten.

Verlockend. Schlächtermeister:Fünfundsiebzig Pfennig werd' ich für das Papier zahlen! Dichter: Geben Sie eine Mark! Es ist nämlich ein Schau⸗ spiel, und da haben Sie gleichzeitig das Auffüh⸗ rungsrecht!

Neueste Telegramme.

Hd. Posen, 5. August. Gegen den Probst Hech mann und den Hauptlehrer Stoll in Mieltschin, die beide bei einem Waldfest beim Kaiserhoch sitzen blieben, ist Anklage wegen Majestätsbeleidigung erhoben worden. Dem Probst Hechmann ist die Befugnis zum Religions⸗ unterricht entzogen worden.

Hd. Vardoe, 5. August. Der vom Kapitän Lehmann im weißen Meere be⸗ merkte Gegenstand ist aufgefunden und hierher gebracht worden. Er entpuppte

Hd. Warschau, 5. August. In Kremtschug ereig⸗

nete sich ein entsetzliches Unglück. Die städtische Frauen⸗ badeanstalt auf dem Dnjepar, in welcher über 900 Frauen badeten, hat sich gelockert und ist fortgeschwommen. Trotz zur Rettung abgesandter Bote fanden ca. 200 der Frauen ihren Tod in den Wellen.

Hd. Madrid, 5. Aug.Heraldo⸗ bringt die Meldung aus Washington, Amerika hätte Spanien eine Frist von 1 Monaten gegeben, um die Ruhe auf Kuba wiederherzustellen. Wenn

Amerika für Kuba Partei ergreifen.

Wilhelm Konrad Hill⸗ gärtner, 5 Monate alt, Sohn vom Tage⸗ löhner Wilhelm Hillgärtner dahier, Linden⸗ gasse 14.

Am 3. August. Emil Ferdinand Werner, 6 Monate alt, Sohn vom Korbmacher Peter Werner von Wieseck. Gestorben in der neuen Klinik.

Am 4. August. Ein Kind ohne Vorname, Heßler, 5 Tage alt, Tochter vom Metzgermeister Christian Heßler dahier. Gestorben in der neuen Klinik.

4. August. alt,

Am Heinrich Birk,

von Gießen. Gestorben in

10 Monate der neuen

Klinik.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redal⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmanyschen

d f Friede bis dahin hergestellt sei, werbe

Sterbefälle. Am 2. August.

der Ferienstraframmer des Landgerichts I. Die Be- einen Bericht erstattet, woraus wir entnehmen, daß im

·ů²* 2 2 Bekanntmachung. Submissionen.

5 Seien ene. Oppeurod. Freitag, den 6. d. M., mittags 1 Uhr, sollen auf der Bülrgermeisterei

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zu gelangen. Nach 8 3 der Stiftungsurkunde können zur Bewerbung um die Gaben nur zugelassen werden:

a Personen, welche während des Feld zuges 1870%1 im Militärverhältuis geslanden haben,

b. Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese sub. a. und b. bezeichneten Bewerber einer derartigen Unterstistzung bedürftig und würdig find und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rllckwärtse gerechnet mindestens zwei Jabre in Gießen un unterbrochen gewohnt haben. Die Be werber werden hierdurch auf efordert, sich bis zum 30. September l. Js. bei Großh. Bülrgermeisterei Gießen schristlich oder zu Protokoll anmelden und ihre Qualifikation zum Bezuge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen.

Gießen, den 2. August 1897. Großh. Bllrgermeisterei Gießen. J. V.: Wolff.

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Nachdem die Stadtverordneten-Versammlung die Anlage einer Verbindungsstraße von Neuenweg nach der Goethestraße, die Auf

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nahme der Plockstraße in den Bebauungsplan und die Feststellung teilweise neuer Bauflucht linien und Längenprofile für den Neuenweg vom Thor bis zur Weidengasse und für die Neuen⸗Bäue bis zum sog. Trillergäßchen be⸗ schlossen hat, bringen wir dies mit dem An- fügen zur öffentlichen Kenntnis, daß der frag liche Ortsbauplan und der Nivellementsplan von heute ab bis einschl. 28. d. Mts auf dem Stadtbauamt offen liegen und daß Einwen⸗ dungen gegen dieselben bei Meidung des Ausschlusses binnen derselben Frist bei uns anzubringen sind. Gießen, den 2. August 1897. Großh. Bülrgermeisterei Gießen. Gnauth.

Bekanntmachung.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kennt- nis, daß von heute ab bis auf Weiteres das Befahren der hiefigen Märkte mit Rindvieh und Schweinen, auch aus den preußischen Gemeinden, ohne die seither vorgeschriebenen Zeugnisse und sonstigen Einschränkungen ge schehen darf.

Gießen, den 3. August 1897.

Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth.

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