Ausgabe 
6.8.1897
 
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Gießen, Freitag, den 6. August

1897.

9

Poftztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

che Landeszeitung,

Postztg. Nr. 3319. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion:* Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 5. August. Erledigt sind: zwei mit ev. Lehrern zu besetzende Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Groß-Gerau mit nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalten von 1000 1600&&; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Biebesheim, Kr. Groß⸗Gerau, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 10001400% Mit der Stelle ist die Hälfte des Organistendienstes verbunden; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bauschheim, Kr. Groß⸗ Gerau, mit einem jährl. Gehalt von 900 l Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule Hungen, Kreis Gießen, mit einem jährl. Gehalt von 900 A., gie mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lehr bach, Kr. Als⸗ eld, mit einem jährl. Gehalt von 900 4. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Viernheim, Kreis

Een mit einem jährl. Gehalt von 1000 Mark. Gießen, 5. August.(Eisenbahn

Hießen⸗ Bieber.) Von unterrichteter Seite kellt man uns mit, daß die allgemeine deutsche Kleinbahngesellschaft nunmehr ermächtigt t, das zum Bau der Bahnstrecken Gießen⸗ Heber erforderliche Gelände käuflich zu werben. Zu dem eventuell einzuleitenden Enteignungs verfahren, bei welchem haupt⸗ sächlich die Grundbesitzer von Heuchelheim,

ftinzenbach, Rodheim und Bieber inbe⸗

kracht kommen, ist die Frist zur Antragstellung auf 6 Monate festgesetzt worden.

* Gießen, 5. August. Die Eröffnung der Neubaustrecken Friedberg Beien⸗ heim Hungen und Beien heim Nidda findet am 1. Oktober d. Is. statt. Von den an denselben gelegenen Stationen Dorheim, Beien heim, Melbach, Wölfersheim Södel, Ber⸗ stadtWohnbach, Obbornhofen Bellersheim und Inheiden, sowie Weckesheim, Reichelsheim, GettenanBingenheim, Echzen, GrundSchwal⸗ heim, Häuserhof, Gets Nidda und Salzhausen sind die Haltepunkte Inheiden und Salzhausen gur für Abfertigung von Personen und Reise⸗ fur eingerichtet, dagegen die übrigen Stationen ür Abfertigung von Personen, Gepäck, Gütern, Leichen und lebenden Tieren. Ausgeschlossen ist ledoch die Abfertigung von a. Eil⸗ und Fracht⸗ 5 in GrundSchwalheim, b. Spreng loffen daselbst und in Häuserhof und von Fahrzeugen in Dorheim, Beienheim, Weckes⸗ helm, GrundSchwalheim und Häuserhof.

* Gießen, 5. Aug.(Betriebsstörungen auf der preußisch⸗oberhessischen Bahn.) Nach den letzten Vorfällen hätte man alle Ur⸗

Recht haben,

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Wreis der Auzelgen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile.

sache, eine Rubrik unter obiger Spitzmarke ein⸗ zurichten. Wie man uns von zuverlässiger Seite mitteilt, hatte wiederum der gestern Nachmittag hier eintreffende Personenzug von Fulda nahezu

eine halbe Stunde Verspätung. Als Ursache derselben wird angegeben, daß die Maschine des um 2 Uhr 18 Minuten hier abgehenden Schnellzuges unterwegs defekt wurde, wodurch die Weiterfahrt des ihr entgegen⸗ kommenden Zuges um die angegebene Zeit ge⸗ stört wurde. Daß die in dem betreffenden Zug befindlichen Passagiere event. den Anschluß an die Züge der anderen Strecken nicht erreichten, ist wohl selbstverständlich. Außerdem teilen uns Augenzeugen mit, daß am Dienstag Mittag ein mit zwei Pferden bespanntes Fuhrwerk sich auf dem Geleise am Uebergang der Liebig⸗Straße befand, als ein Zug heranbrauste. Die Barrière war nicht heruntergelassen. Nur der Aufmerksamkeit des Lokomotivführers, der den Zug wenige Schritte vor dem Fuhrwerk zum Stehen brachte, ist es zu danken, daß ein schweres Unglück verhütet wurde. Zu dem vorher angegebenen Fall sei noch nachgetragen, daß einer unserer Gewährsmänner, der am Bahnhof anwesend war, die Beobachtung machte, daß der Zugführer, welcher den mit Verspätung eintreffenden Per sonenzug von Fulda nach hier begleitete, wenige Minuten später wiederum mit demge⸗ mischten Zug nach Fulda fahren mußte. Be⸗ rechnet man, daß die Fahrzeit von Gießen nach Fulda volle 3 Stunden dauert, so kommt heraus, daß der betreffende Beamte nicht weniger als 6 Stunden ununterbrochen im Dienst ver bleiben mußte.

* Gießen, 3. Aug. DerDeutschen Post⸗ zeitung, Organ des Verbandes deutscher Post⸗ und Telegraphenassistenten, werden unterm 15. Juli Maßregelungen von Verbands⸗ mitgliedern in Darmstadt gemeldet: Hier⸗ nach soll Herr Postrat Mannich denjenigen Mit⸗ gliedern, welche bei der Ober-Postdirektion beschäftigt waren, eröffnet haben, daß sie sämtlich binnen kurzem versetzt würden, denn Leute, welche dem Verbande angehören, seien nicht würdig, in diesen Vertrauensstellungen belassen zu werden. Besonders gravierend erscheint die Versetzung des Postassistenten Haag. Nach der Schilderung derPostzeitung erklärte dem in der Registratur der Ober⸗Postdirektion beschäftigt gewesenen Herrn Haag, der sich geweigert hatte, aus dem Verbande auszutreten, Herr Mannich: Dann verlassen Sie sofort die Registratur, Sie sind nicht würdig, hier weiter beschäftigt zu werden, melden Sie sich in der Kanzlei, wo Sie vorläufig weiter beschäftigt werden. Andern Tags wurde Herr Haag von Darmstadt versetzt. DiePostzeitung hat sich bis jetzt, wie das Mainz. Journ. berichtet, als gut unterrichtet erwiesen. Sollte sie auch im vorliegenden Falle so wäre es die höchste Zeit, daß

N Expedition:

Kreuzplatz Nr. 4.

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der Reichstag sich nicht mehr mit offizieren Ab leugnungen von Maßregelungen zufrieden gäbe. Soeben hat man in Baden herausgerechnet, daß das Großherzogtum durch Preisgabe seiner Post verwaltung in den ersten 25 Jahren an 22½ Millionen Mark Einbuße erlitten hat. Auch Hessen wird den mit liebenswürdigster Bereit⸗ willigkeit erfolgten Anschluß an die Reichspost (oder wenn man will preußische Post) mit einer ähnlichen Summe zu bezahlen haben. Nicht genug damit, muß es auch noch im eigenen Land seine Unterthanen von höheren preußischen Be amten maßregeln lassen. Wir wissen nicht, ob sich unter den maßgebenden Beamten der Ober⸗ Postdirektion(Ober-Postdirektor, Räte, Inspek⸗ toren) auch nur ein Hesse befindet. Es wäre vielleicht auch gar nicht unangebracht, wenn in der zweiten hessischen Kammer einmal das Ver hältnis der Reichspost zu Hessen zur Sprache käme. Am Ende müßte dann die großherzogliche Regierung eingestehen, daß sie bei Besetzung der höheren Stellen bei der Ober-Postdirektion noch sehr wenig zu sagen hat.

* Gießen, 5. Aug.(Richtigstellung.) Nicht der GesangvereinViktoria-Garbenteich, sondern der GesangvereinLiederblüte Burkhardsfelden hat, wie uns der Präsident des letzteren mitteilt, gelegentlich des Sängerfestes zu Rödgen den ersten Preis erhalten. Sehr wichtig! Leider ist nicht gesagt, in was dieser erste Preis bestanden hat.

* Gietzen, 5. August. Ueber Tuberkelba⸗ zillen in der Butter macht Dr. Obermüller, Assistent am hygieinischen Institut der Universität Berlin, im neuesten Hefte derHygieinischen Rundschau eine kurze vorläufige Mitteilung: Ausgehend von den im kaiserlichen Gesund⸗ heitsamt ausgeführten Versuchen, welche die Thatsache er⸗ geben hatten, daß beim Zentrifugieren der Milch die Mehrzahl der in ihr enthaltenen Bakterien mechanisch in die Rahmschicht hineingerissen wird, hatte Dr. Obermüller schon früher nachgewiesen, daß die zentrifugierte Milch im Stande sei, Tiere, denen eine homogene Mischung von Schleudersatz und Sahne derselben in Mengen von 1 bis cem injiziert wurde, tuberkulös zu machen und so⸗ mit für das Vorkommen von Tuberkelbazillen in der Marktmilch, welche eine Mischung der Milch von vielen Tieren darstellt, den bis dahin fehlenden Beweis erbracht. Neuerdings ging nun Dr. Obermüller daran, die aus dieser Marktmilch hergestellte Butter ebenfalls auf das Vorkommen von virulenten Tuberkelbazillen zu untersuchen, da zu vermuten war, daß bei gleicher Behandlung der Versuchstiere mit Butter dieselben in noch höherem Maße mit Tuberkulose behaftet werden würden. Diese Ver⸗ mutung hat sich bestätigt. Alle 14 Butterproben, welche derselben Quelle wie die Marktmilch entnommen waren, zeigten die mit lebendigen Tuberkelbazillen behaftet und die mit den Proben behandelten Meerschweinchen wiesen ohne Ausnahme die Zeichen von Tuberkulose auf. Dr. Obermüller hält nun dieses Ergebnis der Verwendung der Butter zu Infektionszwecken für den sichersten Beweis für das Vorkommen virulenter Tuberkelbazillen in der Markt⸗ milch.Wenn nun auch, wie er zum Schlusse seiner Mitteilung sagt,der Genuß von Butter in größeren Mengen nur für den erwachseneren Teil der Bevölkerung in Betracht kommt, so ist dieser doch keineswegs von der

1

8 Eine reiche Partie.

Erzählung von Felix von Stenglin.

(Fortsetzung.)

Zweiundfünfzig, Herr Direktor!

is ist unglaublich! Und er ergriff ihre Rechte und drückte sie treuherzig.

Aber ich habe nicht schlafen können, fuhr er fort

Ol

Daß meine Gelder auch immer noch nicht an⸗ gekommen find, liebe Frau Möhrchen! Aber ich habe gestern noch mal geschrieben, nun können sie ja nicht mehr lange auf sich warten lassen

Aber ich bitte Sie Herr Direktor, wegen dem bischen Miete! Ach nein, ich bin Gott sei Dank ne Frau, die edle Gefinnung und kavaliermäßiges Betragen zu würdigen weiß. Mag sein, daß ich's dadurch zu nichts Rechten gebracht habe im Leben, aber das kann ich wohl sagen sie faltete die Hände und blickte mit gerührtem Blick nach oben ich habe Liebe gesäet und Liebe geerntet! Und daß ich's nur gleich sage, ich hab' wieder'nen Brief.

Ein Geschäft? fragte Warnshagen schnell.

Nun ja, wohl auch'ne Geschäft, wie man 8 nehmen will. Aber für mich kommt in erster Reihe das Wohlthun. Schon als mein Mann noch lebte, habe ich so manche Partie zusammengebracht und es war immer mein höchstes, wenn ich sagen konnte: Du hast wieder mal Liebe gesäet...

2 Mit seitwärts geneigtem Kopf blickte Warus hagen gerührt seine Wirtin an. 5 Seien Sie überzeugt, sprach er dann mit einer gewissen Feierlichkeit,daß das Bewußtsein, eine gute That gethan zu haben, auch mir wert⸗

voll ist Und nach einer Weile fuhr er fort:Allerdings nötigen mich meine ausgedehnten geschäftlichen Beziehungen, auch den Nützlichkeits⸗ maßstab anzulegen, denn meine Auftraggeber in Amerika wie auch meine hiesige Klientel würden mir das Gegenteil sehr verdenken. Woher kommt Ihr Brief, werte Frau?

Aus Berlin. i

Ah von hier! Bitte, nehmen Sie Platz, werte Frau, nein, hier auf dem Sofa, wenn ich bitten darf. So, da säßen wir wieder einmal bei sammen. Und seh'n Sie, wie die Sonne von draußen hereinscheint! Ach, das menschliche Leben, liebe Frau Möhrchen! Man muß nur ein inniges Gemüt haben, und es bietet uns gar viel des Schönen!

Mein Gott, wie sie ihn von unten herauf an⸗ sah! Sollte er zu weit gegangen sein? Sollte sie sich am Ende gar einbilden?.

Und nun zum Geschäft, wenn es Ihnen recht ist, sprach er trockener. 3

Hier, Herr Direktor, lesen Sie.

Herr von Warnshagen las halblaut vor sich hin. 2 Sehr geehrte Frau! In höflicher Erwiderung Ihres geehrten

Schreibens von heute teile ich Ihnen zunächst mit, daß die junge Jüdin mit den fünf Millionen Mark läugst vergeben ist. Die besten Sachen verliert man eben stets, wenn es zu lange verzögert wird Doch habe ich noch einige christliche große Sachen, die uns schnell viel Geld einbringen könnten

Frau Möhrchen wehrte mit der Hand ab.

Danach frag' ich ja garnicht! sagte sie, mit elegischem Ausdruck zu Boden blickend, und doch

meinte Warnshagen, als er zu ihr hinüber sah, in

Gefahr ausgeschlossen, durch den Genuß einer mit äußerst virulenten Tuberkelbazillen infizierten Butter resp. Milch tuberkulös zu erkranken.

* Aus dem Großherzogtum Hessen. Das neue Staatsbudget enthält bei der Verzinsung und Tilgung der Staatsschuld einen Mehrbedarf von rund 6374000, sodaß diese Abteilung mit einem Zuschußbedürfnis von rund 7934 000 4. abschließt. Der Zugang ist durch die Verstaatlichung der Ludwigsbahn, den Bau der Nebenbahnen, die Einstellung eines Anlehens für den Bau einer Rheinbrücke(Worms) usw. bewirkt worden. Die eigentliche Staatsschuld beträgt derzeit 214 000 000, worunter die oberhessische Eisenbahnschuld mit 31 500 000, die Mainzer Brückenschuld mit 3 500 000 4, die Nebenbahnanleihe mit 13 000 000 4 und die Schuld wegen Erwerb der Ludwigbahn mit 166 000 000 Al. Diese Schuldkapitalien erhöhen sich bis zum Schlusse der Finanzperiode aufgrund früher erfolgter Bewilligungen wegen den Neben⸗ bahnen auf 29 000 000, für die Ludwigs⸗ bahnschuld(falls der Wormser Brückenbau zur Vollendung gelangt) auf ca. über 190 000 000 Mark. Eine weitere Erhöhung bringt die Auf⸗ nahme mehrerer Anleihen zu produktiven Zwecken, wodurch sich der Gesamtbetrag der eigentlichen Staatsschuld bis Ende der neuen Finanzperiode auf rund 268 000 000& stellt. Der Stand der Aktiven der Hauptstaatskasse beträgt z. Zt. rund 9 925 000, der Stand der Aktiven der Schuldenverwaltung 2 497000 4, zusammen 12 422 000; verglichen mit obigem Stand der Passiven von 214000 000&& ergiebt sich ein Netto-Passivbestand von 201 578 000 4, an dem der Wert der mittelst Tilgungsrenten allmählich eingehenden Staats-Aktivkapitalien wegen ab⸗ gelöster nicht-fiskalischer Grundrenten mit rund 923 000, abzusetzen ist.

* Mainz, 4. Aug. Es ist beabsichtigt, bei den Kindern der Volksschulen auch die Jugendspiele einzuführen. Um nun diese Spiele aus eigener Anschauung kennen zu lernen, fand am Montag Nachmittag auf dem freien Platze vor dem kurfürstlichen Schlosse durch Frl. Kratt, Lehrerin an der höheren Mädchenschule,

eine Vorführung der Jugendspiele statt, wie sie seither bereits in der Mädchenschule geübt wurden, welcher Vorführung die Herren Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Beigeordneter Baurat Kuhn, Kreis- schulinspektor Brillmayer, der Vorsteher der höheren Lehranstalten und Mitglieder des Schul⸗ vorstandes, ferner die Oberlehrer der hiesigen Volksschulen und sonstige Interessenten bei⸗ wohnten. In einem Hause der Dominikaner⸗ straße war vorgestern ein Kind von drei Jahren an die Schulutensilien seiner älteren Geschwister geraten, hatte denselben einen Federhalter ent⸗ nommen und sprang damit im Zimmer umher. Plötzlich fiel es zur Erde; der Federhalter mit der Stahlfeder drang dem Kinde zwischen der Oberlippe und dem Zahnfleisch hinein, stieß sich

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ihren Mundwinkeln einen eigenartig lüsternen Zug zu entdecken, den sie nicht verbergen konnte.

Er fuhr in der Verlesung des Briefes fort.

15. wenn reisebereite, gute Kavaliere vor⸗ handen sind. Eine Adresse, die mir Frau Rätin Frosch gab, habe ich gestern benutzt und an Graf Holzheim in Königsberg geschrieben. Ob er mir aber antworten wird, da er mich garnicht kennt? Wenn Ihr Zimmerherr sich da doch mal ins Mittel legen wollte. Der Graf ist schwer zugänglich, da müssen eben Kavaliere vorgehen. Wenn der Herr Direktor mir Vertrauen schenken und mehr mit mir arbeiten wollte, es sollte sein Schade nicht sein. In Frankfurt a/ M. habe ich zwei Damen, wo jede viele Millionen Mitgift hat und nach dem Tode der Eltern ein fürchterliches Geld. Dann suche ich für eine hiesige Dame mit einer Million einen Grafen, der aber sehr groß sein muß. Und für eine junge Dame mit auch vorläufig einer Million Mitgift einen zweiten Grafen, der aber sofort re sen müßte. Bei Frankfurt bleiben für uns Prozent übrig, bei den anderen Sachen nur zwei Prozent. Aber reelle, sichere Sachen sind es, wobei viel ver dient werden kann. Wenn Sie, gnädige Frau, also Kavaliere haben, die bald reisen können, so bitte ich um die Bilder und nähere Angaben. Je eher, je besser! Mit Hochachtung ergebenst Fr. Mühlberg.

Nun, was meinen der Herr Direktor? Warnshagen faltete den Brief langsam zusammen und reichte ihn mit höflicher Verbeugung seinem Gegenüber zurück.

Eine Frage, werte Frau. Haben Sie mit diesem Herrn Mühlberg wirklich schon Geschäfte gemacht?

Ach Gott, Herr Direktor, Frau Möhrchen blickte verschämt zu Boden,wie mans nehmen

will, einige Male habe ich allerdings mitgeholfen, Paare, die von Gott wie für einander geschaffen waren, zusammen zu bringen...

Und wieviel Millionen Mitgift hatten die Betreffenden? O nein, Herr Direktor, in diesen Fällen

handelte es sich nur um geringe Summen, und wenn ich etwas davon angenommen habe, von der Provision meine ich, so glaube ich mir keine Vor⸗ würfe machen zu dürfen, man braucht so mancherlei als alleinstehende Witwe und hat ja auch Auslagen in der Sache. Na und Herr Mühlberg war immer so freundlich und drängte mies geradezu auf

Das meine ich ja auch nicht, werte Frau. Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert, und mit dem empfangenen Gelde können sie ja auch wieder Gutes thun Herr von Warnshagen fing einen dankbar bewegten Blick der Witwe auf, der etwa zu besagen schien: Sie verstehen mich und mein edles Gemüt! Dann sprach er weiter:Aber worauf es für mich bei meinen ausgedehnten Be⸗ ziehungen, ich kann wohl sagen bei meinem Welt⸗ geschäft, hauptsächlich ankommt, das sind große Sachen. Ich muß da die inneren Herzenswünsche oft zurückdrängen. Und sehen Sie, dieser Mühl⸗ berg, obwohl er ohne Zweifel ein sehr gemütvoller Ehrenmann ist, scheint mir doch eine sehr rege Phantasie zu haben, er wirft mit den Millionen nur so um sich.

O, Sie wollen doch damit nicht sagen, daß der Herr unreell ist? Ach, das mag ich von ihm nie und nimmer glauben!

Das will ich auch durchaus nicht sagen, werte

Frau, wahrscheinlich wird er von bösen Menschen irre geführt.(Fortsetzung folgt.)