Ausgabe 
6.3.1897
 
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Gießen, Somabend, den 6. Mürz

1897.

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

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Postztg. Nr. 3239 Telephou⸗Nr. 112.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

* Gießen, 5. März. Aus der Sitzung der b 85 Handelskammer am 2. März. er Staatssekretär des Reichspostamts bat an⸗ gefragt, ob eine Einschränkung des Postpäckerei⸗ dienstes im Interesse des Handel treibenden Publikums liege. Bei der diesjährigen zweiten Lesung des Etats der Reichs⸗Post⸗ und Tele⸗ graphen verwaltung ist von der Budgetkommisston die n folgender Resolution beantragt worden:

Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, veranlassen zu wollen, daß die Annahme und Bestellung gewöhnlicher Pakete von der Reichspost an Sonn⸗ und Feiertagen, mit Ausnahme der Weihnachtszeit vom 18. bis 30. Dezember, auf Eilsendungen beschränkt werde.

Die Kammer beschließt, zu antworten, daß auf eine einmalige Paketbestellung an Sonn⸗ und Feiertagen nicht verzichtet werden könne. Für die Zulassung des Rechtswegs in Zoll⸗ streitsa hen soll wiederholt dem nächsten Reichstag eine Petition unterbreitet werden. Es ist zu erwarten, daß sämtliche Handelskammern, welche leich uns jenen Antrag diesmal erfolglos ge⸗ felt haben, ihn vor der nächsten Etatberatung aufs neue einbringen werden. Die Handels⸗ kammer zu Frankfurt a. M. hat an den Reichstag eine Eingabe des Inhalts gerichtet:

Der hohe Reichstag wolle geneigtest einen

usatz zu der Vorlage betr. die Post⸗ und ampfschiffs⸗Verbindungen mit überseeischen Ländern beschließen, eventuell den dringenden Wunsch der Wahl Rotterdam? als Anlaufs⸗ hafen in einer an die Reichsregierung gerich- teten Resolution zum Ausdruck bringen.

Das Vorgehen der genannten Kammer soll durch gleichen Antrag unterstützt werden. Der Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hat in einer Vorstellung an den Reichs⸗ kanzler Beschwerde darüber geführt, daß die e der deutschen Geschäftsreisenden in Schweden und Norwegen nicht den Grundsätzen der Gegenseitigkeit entspreche, namentlich die dort zur Erhebung gelan ende Handelspatenttaxe un⸗ billig, mit den auf eistbegünstigung begründete iehungen unvereinbar sei. Die ammer findet das Vorgehen jener Korporation fen völlig gerechtfertigt und beschließt, diese Zu⸗ timmung großh. Ministerium auf ergangene Anfrage mitzuteilen. Die königl. Eisenbahn⸗ Direktion in Frankfurt a. M. teilt mit, daß sie dem Ersuchen der Kammer entsprechend, in nächster Zeit an der Ecke des neuen Zollschuppens auf dem hiesigen Bahnhofe einen Ladekrahnen von 2000 Kilogramm Tragfähigkeit aufstellen werde. Das Verzeichnis der Kammer über .....

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Hreis der Anzeigen t 10 Pfg. für die Sspaltige Petltzeile.

zweifelhafte Firmen im Ausland ist bezüglich Spanien erweitert worden.

* Gießen, 5. März. Einheitliche Rad⸗ fahrord nu ng. Mit dem Erlaß einer einheit⸗ lichen Verordnung für Radfahrer scheint es nun doch wenigstens in Preußen Ernst zu werden. Dem Oberpräsidium in Koblenz ist, wie von dort gemeldet wird, der Entwurf einer solchen Verordnung zur gutachtlichen Aeußerung zugegangen. Er beruht im Wesentlichen auf den Vorschlägen, die seitens des Sportaus⸗ schusses des Deutschen Radfahrerbundes gemacht wurden. Es wird vorgeschlagen, von einer Nummerierung der Räder, provinzweise getrennt, abzusehen, weil das praktisch undurchführbar sei. Dagegen wird empfohlen, jedem Fahrer eine Fahrkarte, etwa in Form und Gestalt wie die Mitgliedskarte des D. R.⸗B., auszustellen. Für Ausländer soll als Ausweis die Klub⸗ oder Verbandskarte genügen. Als wesentlich neuer Vorschlag wird angeführt, diejenigen Straßen und Wege, die für Radfahrer verboten sind, als solche deutlich zu bezeichnen. Da eine schnelle Erledigung seitens des Ministeriums gewünscht wird, so ist zu hoffen, daß der Ministerialerlaß bald erscheinen wird.

* Gießen, 5. März. Die großherzogliche Prüfungskommission für das höhere Lehrfach hat die mündliche Prüfung von 14 Kandidaten heute abgeschlossen. Die Prüfung wurde bestanden von 10, bedingt bestanden von 4 Kandidaten. Von den ersteren erhielten sechs Zeugnis ersten, 4 Zeugnis zweiten Grades.

* Gießen, 5. März.(Besitzwechsel.) Das Weitzenkornsche Haus, in der Schulstraße belegen, wurde gestern an einen Amerikaner Namens Abraham für 21000 verkauft.

* Gießen, 5. März. Die Brauer ei Ihring zu Lich, welcher die Liebigshöhe ge⸗ hört, scheint aus diesem idillisch gelegenen Etab lissement immer mehr einen Vergnügungsort ersten Ranges machen zu wollen. Sie hat gestern die Arbeiten zu einer ca. 400 Quadratmeter großen Gartenhalle vergeben, welche bis zum Beginn der eigentlichen Saison noch fertig ge stellt werden soll.

* Gießen, 5. März. Gegen Schnupfen und Katarrh. Es scheint wenig bekannt zu sein, daß die gewöhnliche Kochzwiebel sich als eines der besten Mittel gegen Schnupfen und Husten bewährt hat. Die Zwiebeln werden ge⸗ vierteilt, mit Kandiszucker oder noch besser mit ungehopfter Bierwürze gedämpft und es wird dann von dem Safte alle zwei Stunden ein kleiner Theelöffel voll genommen. Diesen ein⸗ gekochten Saft sollte man in gut verkorkten Glasern im Hause vorrätig haben. Man würde damit in den meisten Fällen bessere Resultate erzielen, als mit den vielen teueren Katarrh⸗ mitteln, Bonbons, Säftchen usw., besonders wenn

Expebition: Kreuzplatz Nr. 4.

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die Anwendung zeitig geschieht, ehe aus einem einfachen Husten ein hartnäckiger, chronischer Bronchial⸗ und Lungenkatarrh entsteht. Bei Katarrhen, die bei regnerischem Wetter mit West⸗ wind eintreten, oder abends schlimmer sind als am Tage und jedesmal im warmen Zimmer stärker auftreten als im Freien, ist dieses Mittel oder die Tinktur von Zwiebeln(Cepa) ein sicher helfendes Mittel.

* Grünberg, 4. März. Der hiestge Ge⸗ werbevere in, der sein gestecktes Ziel nach jeder Richtung hin voll und ganz erfüllt, macht sich durch die Veranstaltung von populär⸗ wissenschaftlichen Vorträgen in allen Kreisen unserer Einwohnerschaft sehr verdient. Für den kommenden Mittwoch ist im Lokale Zum wilden Man n wiederum ein derar⸗ tiger Vortragsabend anberaumt und als Thema: Die Elektrizität und deren Bedeutung in Bezug auf Kraft⸗ und Licht⸗Erzeug⸗ nis gewählt. Referent zu diesem Thema ist Herr Ingenieur Brockmann aus Offenbach. Da wir hierorts nur selten Gelegenheit haben, derartige lehrreiche Vorträge zu hören, so kann der Besuch dieses Vortragsabends nicht warm genug empfohlen werden.

* Darmstadt, 4. März. Das großherzog⸗ liche Ministerium hat die der Schweizerischen TransportversicherungsgesellschaftLa Neucha⸗ teloise in Neuchatel erteilte Erlaubnis zum Ge⸗ schäftsbetrieb im Großherzogtum Hessen wieder

zurückgenommen.. * Darmstadt, 4. März. Im Februar hiesigen Natural ver⸗

wurde die Hilfe der

pflegungsstation von 466 mittellosen Durch⸗ reisenden in Anspruch genommen, wodurch 443 . Verpflegungskosten entstanden. Im vorher⸗ gehenden Monat Januar wurden 565(oder mehr 99) Personen unterstützt, welche einen Kosten⸗ aufwand von 537(oder mehr 96) verur⸗ sachten.

* Grebenhain, 5. März. Gestern wurde die s. Z. in vielen Zeitungen besprochene wild⸗ reiche Sberwaldjagd im Vogelsberg auf 12 Jahre wieder verpachtet. Höchstbietender mit 2100.. für den Oberwald und 180 ¼ für Hartmanns⸗ hain als Schutzjagd blieb ein in Eugland an⸗ sässiger Herr Dillmuth, der in Grebenhain eine Villa besitzt und sich die Sommermonate daselbst aufhält. Als Mitpächter wurden noch zwei weitere Herren ins Jagdprotokoll eingetragen. Die Genehmigung großh. Ministeriums bleibt vorbehalten.

* Elpenrod, 4. März. Ein hiesiger Landwirt, der auf dem Eisensteinbergwerk bei Nieder-Ohmen beschäftigt ist, erlitt einen schweren Unfall. Er war mit der Entladung eines Rollwagens beschäftigt und vernahm den durch das nasse Wetter geräuschlos nahenden

anderen Rollwagen nicht; er geriet zwischen beide

Für Ditta's Brautkleid

Novelle von E. Reinhold. (Schluß.)

Aber der Baron zeigte sich als vollkommener Kavalier. Es war ihm sichtlich unangenehm, daß er vor der Zeit hinausmußte, aber er erklärte sich sofort bereit und bat um die Rechnung. Dabei stellte sich heraus, daß er zu den bereits gezahlten fünfhundert Mark noch sechzig zuzahlen mußte. Wieder legte er einen Fünfhundertmarkschein hin und bemerkte dazu:

Ich wünsche, daß Sie das Mietsgeld für die letzte Juliwoche, das Sie mir herauszugeben ver⸗ pflichtet sind, wie Sie einsehen werden, der alten Dienerin zukommen lassen. Wenn Ihnen das Wechseln des Scheines Schwierigkeiten machen sollte, so lassen Sie doch das Geld imSchwarzen Schwan, wohin ich wieder gehe, abholen.

Aber Marianne machte das Wechseln keine Schwierigkeiten, sie war ja von ihrem Manne auf sechs Monate reichlich versehen worden.

Der Baron stand dabei und sah zu, wie sie die blanken Goldstücke auf den Tisch zählte.

Nettes, kleines Frauchen, sagte er mit seiner herablassenden Gönnermiene,wie sie sich freut, daß der Haustyrann wiederkommt.

Dabei legte er vertraulich den Arm um ihre Schulter und kniff sie wohlwollend in die Wange. Empört trat Marianne zurück und rief flammenden Antlitzes:Unverschämter!

Aber der Baron drehte sich lachend um, strich die aufgezählten Goldfüchse ein und ging hinaus. Marianne aber sank weinend in einen Stuhl: Das war aber ein würdiger Abschluß ihres Staats⸗ streiches gewesen.

Als der Baron fort war, ging Marianne, von innerer Unruhe getrieben, rastlos durch sämtliche Zimmer. Ihr Mann hatte ihr nie ein böses Wort

gesagt, sie glaubte auch jetzt nicht, daß er irgendwie hart gegen sie sein würde, aber sie hatte doch eine schreckliche Angst. Trotzdem wollte sie ihm gleich Alles beichten. Mit welchem Zuge er nur kommen würde? Jedenfalls erst in der Nacht mit dem Eilzuge.

Allein Moritz kam schon Abends um acht mit dem Personenzuge. Marianne stand gerade im Wohnzimmer, als ihr Mann zur Thüre hereintrat, unerwartet, denn sie hatte ihn nicht kommen hören. Ihre erste Empfindung war ein heftiges Erschrecken, aber das dauerte nur einen einzigen kurzen Augen- blick, dann brach die Freude heraus, daß sie den

Langentbehrten wieder hatte, und sie stürzte ihm entgegen. Aber ein Blick in sein Gesicht und der Jubelruf blieb ihr in der Kehle stecken. War der zornige Grimmbart dort ihr alter guter Mor?

Ist unserOnkel noch hier als Schutz patron? begann Moritz ohne irgendwelche Be⸗ grüßung. Wäre Marianne unbeteiligte Zuschauerin bei dieser Szene gewesen, sie hätte lachen müssen, so drollig kam die grollende Frage aus dem sonst nur zu heiteren Scherzworten sich öffnenden Munde. So aber war ihr die Sache gar nicht zum Lachen. Sie schüttelte den Kopf.

Schade, ich bätte ihn Unser Hauswirt hat mir eine en derung von ihm entworfen in dem Briefe, den er mir zu schreiben für nötig fand. Der boshafte Patron ließ dabei einen ganz niederträchtigen Ver⸗ dacht gegen Dich durchblicken, na, beruhige Dich nur, das glaube ich nicht aber, daß Du Dich so einem Gerede überhaupt aussetzen konntest, daß Du etwas gethan, wovon Du von vornherein an⸗ nehmen mußtest, daß es mir widerwärtig sein würde, und das des schnöden Geldgewinnes halber, das, Marianne, hat mir weh gethan.

gern kennen gelernt. so anziehende Schil⸗

Es klang nicht Zorn aus seinen Worten, sondern

wirkliches Wortgefühl, und das erschütterte Marianne bis in die Tiefen ihrer Seele. Schluchzend stürzte sie ihrem Manne an den Hals.

Verzeih mir, Moritz, ach, ich wußte ja nicht, was ich that, erst später merkte ich's, und da wußte ich auch, daß Du sehr böse sein würdest, aber da war's nicht mehr zu ändern. Auch glaube mir, ich habe meine Strafe bekommen.

Und sie berichtete ihre Leiden von der ersten Begegnung bis zur letzten Unverschämtheit des Barons und schloß:

Moritz, ich that's, weiß Gott, nicht aus Hab⸗ sucht, ich hab mir nur die Sache nicht recht über⸗ legt. Ich will auch von dem ganzen Gelde nichts haben, nichts von dem Sündengelde kommt zu dem Brautkleidfond. Nimm Du's, gieb's den Armen, oder mach sonst damit, was Du willst.

Und Marianne holte die beiden Geldscheine, die von dem Baron stammten, und reichte sie ihrem Manne.

So seid Ihr Frauen, brummte der, halb⸗ versöhnt durch seines Weibes Reue und Besserungs gelübde,das eine Mal rafft Ihr Alles zusammen, was Ihr nur kriegen könnt, das andere Mal werft Ihr es mit vollen Händen hinaus.

Dabei nahm er die beiden Scheine und hielt sie, seiner kaufmännischen Gewohnheit folgend, prüfend gegend das Licht. Da stutzte er plötzlich, sah genauer auf die beiden Papiere und sah dann seine Frau mit eigentümlichem Lächeln an:

Vierhundertundvierzig Mark hast Du in gutem Golde auf diese Scheine herausgegeben? fragte er.

Gewiß, antwortete Marianne mit ahnungs⸗ voller Aengstlichkeit.

Die beiden Scheine sind falsch, und zwar ist die Fälschung so plump, daß nur eine sehr un⸗ erfahrene Person sie merken konnte.

Die beiden Gatten sahen einander an, er sie

Rollwagen und brach das eine Bein über dem Knie entzwei.

Mainz, 4. März. Einem Wirt waren vor einiger Zeit 20 Pfund Rindfleisch gestohlen worden und der Dieb wurde vom Schöffengericht verurteilt. In dem Gerichtsreferate über diese Verhandlung schrieb derMainzer Anzeiger, dem Wirte sei Pfer defleisch gestohlen worden. Der Wirt klagte gegen den Verleger des Mainzer Anzeigers wegen Beleidigung. Das Schöffengericht erkannte auf Freisprechung, worauf der Wirt Berufung einlegte. In der gestrigen Strafkammerverhandlung erblickte das Gericht in dem WortePferdefleisch für den Wirt eine Beleidigung und verurteilte den Ver; leger des genannten Blattes zu 10 A Geld⸗ buße. Das 5 ½ Jahre alte Söhnchen einer in der Neustadt wohnenden Familie stürzte gestern Nachmittag zum Küchenfenster des ersten Stocks hinaus auf die Straße und erlitt sehr schwere Verletzungen am Kopf, sodaß der Tod alsbald eintrat. Sonntag, den 7. März findet dahier die konstituierende Generalversammlung des Verbands süddeutscher Eisenhändler und verwandter Branchen statt.

* Mainz, 4. März. Der Soldat des 27. Feld⸗Artillerie⸗Regiments, der, wie wir berich⸗ teten, am Fastnachtsmontag durch das Scheu⸗ werden seines Pferdes herabfiel und eine große Strecke mitgeschleift wurde, befindet sich, nach demM. A., außer Lebensgefahr.

Vermischtes.

Pellkartoffeln und Hering richt. Ist die Weigerung eines Bayern, kartoffeln und Hering zum Abendbrot zu essen, ein Grund zu sofortiger Entlassung? Diese schwierige Frage hatte das Berliner Gewerbegericht kürzlich zu entscheiden, vor dem der Schuhmachergeselle Alois Obermaier den Schuh⸗ machermeister Weinhold auf Zahlung eines vierzehntägigen Lohnes von 18 Kl. verklagt hatte. Der Kläger war nach der Darstellung derB. B.⸗Ztg. erst vor kurzem aus seiner bayerischen Heimat nach Berlin gekommen und hatte das Glück, sofort bei dem Beklagten Arbeit zu finden. Er hätte weder über die ihm zugewiesene Be⸗ schäftigung noch über die ihm gewordene Behandlung Klage führen können nur Eines war es, was er, wie er angab, nichtverknusen konnte, nämlich, daß die Meisterin mit unwandelbarer Treue gegen den Haus⸗ gebrauch täglich Pellkartoffeln und Hering auf den Tisch brachte. Anfänglich gelang es dem Gesellen wohl, all⸗ abendlich seinenSeefisch hinunter zu würgen, bald aber saß er von einem unheimlichen Grauen geschüttelt vor dem bläulich glänzenden Leckerbissen und war nicht um alles in der Welt mehr zu bewegen, nur noch einen Happen zu genießen. Meister Weinhold sah erst ein paar Tage mit immer steigendem Grolle auf denFein⸗ schmecker, der so entschieden die im Hause eingeführte Lieblingsspeise verschmähte, am vierten Abend erfaßte ihn aber die Wut, er packte den Gesellen am Kragen und warf ihn hinaus. Aus dieser Veranlassung wurde der Geselle klagbar und erklärte vor Gericht, daß er als

vor Ge⸗ täglich Pell⸗

mit dem alten lustig⸗neckenden Ausdruck, sie ihn mit einem Gemisch von Verlegenheit und Scham.

Moritz

Ja, nickte dieser fast triumphierend,Du bist gründlich hineingefallen, aber mir ahnt noch eine weitere Ueberraschung. Komm nur mit.

Sie gingen zusammen nach dem Arbeitszimmer zu dem Geldschrank.

Soll mich doch wundern, wenn unser Herr Onkel in den vier Monaten nicht auch hier seine Kunst probiert hätte, sagte Moritz und begann an dem Schrank zu schließen. Nach einigem Probieren konnte er ihn öffnen. Er sperrte die Thür weit und sagte kein Wort; aber er ließ Marianne einen Blick hineintbun.

Mit einem entsetzten Aufschrei fuhr diese zurück und sank in einen Stuhl: der Schrank war leer. Dann fing sie an, bitterlich zu weinen. Da beugte ihr Mann sich über sie.

Marianne, weinst Du um die gestohlenen paar Tausend Mark? Wir haben uns noch gar nicht recht guten Abend gesagt, sollen wir uns durch den Lumpen die Freude des Wiedersehens verderben lassen? Oder kannst Du den gestohlenen Mammon nicht verschmerzen? Sei gut, über kurz oder lang hast Du Alles bei Deinem Talent,Geld zu machen, wieder eingebracht, und für Ditta's Braut⸗ kleid wird ein neuer Fonds angelegt.

Da sah Marianne unter Thränen lächelnd zu

ihm auf:

Davon bin ich gründlich kuriert, sagte sie den Kopf schüttelnd.

Aber wer wird denn nun für Ditta's Braut⸗ kleid sorgen?

Wir Beide zusammen, Moritz, aber erst, wenn Ditta Braut ist. Bis dahin hat's noch Zeit.