Ausgabe 
6.2.1897
 
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Gießen, Sonnabend, den 6. Febrnar

1897.

Poftztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

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Ausgabe

Gießen.

eitung.

Postztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.

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Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Auzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile.

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ebition: Kreuzplatz Nr. 4.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 5. Februar. Die großherzogliche Handelskammer Gießen fragt in diesem Jahre vor Abfassung des Jahresberichtes bei den Inhabern der eingetragenen Firmen an, wie sich deren Geschäfte im verflossenen Jahre und im Vergleich zum Vorfahre gestaltet haben. Ferner wird Wert darauf gelegt, über die Ur⸗ sachen einer Besserung oder über den Rückgang bestimmtes zu erfahren. Der Frage⸗ bogen enthält Bemerkungen über Wünsche der Interessenten betreff. Handelsgesetzgebung, Maß⸗ und Gewichtswesen, Geld⸗Kreditwesen, Patent-, Marken⸗ und Musterschutz, Gewerbegesetzgebung, Krankenkassenwesen, Invaliditäts⸗ und Alters⸗ Versicherung. Auch werden Auskunft und Wünsche betreffs der Eisenbahn, Post, Tele⸗ graphie und Fernsprecheinrichtung, der Handels⸗ berträge, Zolltarife und Zolleinrichtungen erbeten.

* Gießen, 5. Februar. Der Direktor des Gymnastums zu Laubach, früher Direktor der Realschule in Friedberg, Dr. Georg Wind⸗ haus, ist gestern im Alter von 51 Jahren ge⸗ storben. Er war ein ausgezeichneter Pädagoge, auch schriftstellerisch thätig. In weiten Kreisen st er bekannt durch seinen in mehreren Auflagen erschienen Führer durch den Odenwald und die Bergstraße.

Gießen, 5. Februar. Sämtliche deutsche Tierschutzvereine wenden sich gegenwärtig mit aller Energie gegen eine in neuerer Zeit auftauchende Art von Vogelmassenmord, dem am besten dadurch abgeholfen werden kann, daß das Pubkikum die Vereine in ihrem Be⸗ streben nachdrücklich unterstützt. In Böhmen preist eine Geschäftsfirma Gratulationskarten und Kunstblätter mit Vögeln in natürlich auf⸗ gelegten Federn an; auf Briefbogen und Karten findet man die natürlichen Federn von Finken, Schwalben und anderen nützlichen Vögeln.(9 Landschaftsgemälde von 10 Meter Höhe und 6 Meter Breite zeigen dem Beschauer auf Bäumen und Sträuchern Hunderte unserer lieben kleinen Meistersänger im natürlichen Federkleide. Ferner werden als Geschenke für Damen Kassetten, Schreibmappen, sowie Kunstblätter empfohlen, die mit Schwalben, Möven, Rotkehlchen, Staren, Grasmücken u. dgl. geschmückt sind. Angesichts einer solchen Modenarrheit in einer Zeit, wo so lebhaft über die starke Abnahme der Singvögel geklagt wird, ist die Frage berechtigt:Was nützen alle Bestimmungen über den Schutz der Vögel, wenn derartige, lediglich dem gemeinsten Geschäftsegoismus entspringende Auswüchse des Luxus vom Publikum noch unterstützt werden. Nimmt es denn wunder, wenn in absehbarer Zeit der letzte gefiederte Sänger aus unseren heimischen Fluren verschwunden sein wird? Die deutsche Presse wird es sich zweifelsohne

zur Aufgabe machen, die Tierschutzvereine in ihrem Kampfe gegen diesen neuesten schändlichen Unfug auf dem Vogelmord-Gebiete kräftig zu unterstützen.

* Gießen, 5. Febr. Auf den Oberhess. Hauptbahnen waren im Monat Dezember im Personen- wie im Güterverkehr Mehr⸗ einnahmen zu verzeichnen und beziffern sich die⸗ selben auf 15,10 pCt. und ca. 37,62 pCt. Im Güterverkehr weisen Zuckerrüben mit 5077 Tonnen, Holz mit 2378 Tonnen und Steine mit 1121 Tonnen die bedeutendste Steigerung auf.

* Gießen, 5. Februar. Der Vorstand des hessischen FechtvereinsWaisenschutz hat gestern Abend beschlossen, am Samstag über acht Tage einen humoristischen Herren⸗ abend zu arrangieren, zu welchem auch Gäste eingeführt werden können.

* Gießen, 5. Februar. Die Steig ung der Holzpreise, die sich in der gegenwärtigen Holzverkaufs⸗Saison in überraschender Weise bemerkbar macht, ist auf das Baugeschäft nicht ohne Einfluß geblieben. Vor kurzer Zeit wurde hierselbst eine Vereinigung der Zimmer⸗ meister für Gießen und Umgegend ins Leben gerufen, und zwar lediglich, zu dem Zwecke, der hohen Holzpreise gegenüber Stellung zu nehmen. Die Vereinigung bezweckt nämlich die Erhöhung und Festsetzung der Preise für Zimmerarbeiten. So wurde in der am 24. v. M. einberufenen Versammlung der Beschluß gefaßt, für die Stadt Gießen ferner⸗ hin die Zimmerarbetten nicht unter folgenden Preisen festzusetzen und zwar pro Kubikmeter Tannenholz 34, Eichenholz 80 4, Verzim⸗ mern von Holz der lfd. Meter nicht unter 22 Pfg. Lieferung von Schutzdecken(Balken mit⸗ gemessen) pro Quadratmeter zu 90 Pfg. Für die Umgegend wurden die Preise für Tannenholz auf 31 XA, für Eichenholz auf 68 l festgesetzt, während das Verzimmern des lfd. Meter Holzes nicht unter 20 ausgeführt werden soll. Um den Zwischenhandel nicht nur einzuschränken, sondern gänzlich zu befeitigen, wurde bestimmt, daß jedes Mit⸗ glied der Vereinigung fernerhin seinen Bedarf aus dieser und nicht durch Vermittelung deckt. Für Zuwiderhandlungen wurden Kon⸗ ventionalstrafen festgesetzt. Die Architekten werden nun notwendig dazu gezwungen, die Kostenanschläge den Zimmerarbeiten entsprechend, in die Höhe zu schrauben.

* Gießen, 5. Februar. Keine Lust Soldat zu werden! Herr Staatsanwalt Koch erläßt in derD. Ztg. eine Ladung an 43 militärdienstpflichtige Leute, die sich am 23. April 1897 vor der hiestgen Straf⸗ kammer stellen sollen. Ob sie kommen?*

* Aus Oberhessen, 4. Februar. Die Schlittenfahrt ist nur von kurzer Dauer

Ihre erste Liebe. Novelle von E. von Bischdorf. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Sein Köpfchen ist so vollgepfropft mit Märchen und fabelhaften Heldengeschichten, daß es ihm nur gut ist, wenn er einmal einen klaren Begriff von der Wirklichkeit bekommt und fich mit den Dingen beschäftigen lernt, die ihn umgeben, sagte er dann ruhig.

Regine war betroffen. Es lag ein versteckter Vorwurf für sie in diesen Worten. Sie hatte sich noch nie klar gemacht, daß sie Felix doch eigentlich verantwortlich sei für die Erziehung seiner Kinder. Hätte sie seinen Verkehr mit diesen aufmerksamer beobachtet, würde er ihr zu denken gegeben haben. Wie so manche Eheleute, die die Fehler des anderen Teiles schweigend dulden, nachdem sie lange ver⸗ geblich dagegen gekämpft, suchte er nun seine Kinder vor denselben doppelt ängstlich zu bewahren. Wie unermüdlich hielt er sie zu Fleiß und Ordnung an! Selbst die dreijährige Karin mußte ein Spielzeug erst bei Seite tragen, ehe sie zum neuen griff. Für Regine gab es nichts Langweiligeres, als das Ordnen und Aufkramen; in ihren Bücher⸗ und Kleiderschränken, an die Christinchens Hand nicht tasten durfte, herrschte der größte Wirrwarr.

Es war etwa ein Jahr vergangen nach der Ueberschwemmung der Felder, als sie eines Nach⸗ mittags eifrig malend im Freien saß. Sie hatte dort ein Motiv gefunden, das sie anzog in seiner Einfachheit.

Ein alter, verwitterter Weidenbaum mit mäch⸗ tigem Stamm und fast kahler Krone streckte im Vordergrunde seine spärlichen Aeste aus, an die das schmale, graugrüne Laub sich schmiegte. Dahinter breitete sich die Ebene im gelblichen Schimmer der Stoppelfelder, durch welche der Fluß sich wand;

fern am Horizonte erschien eine ruhende Wind⸗ mühle. Das alles zählte von vergangener Pracht und Fülle, atmete eine wehmütige Abendruhe nach des Tages reichem Leben; und als habe die Natur beschlossen, ihr zu Hülfe zu kommen und dem Ganzen die rechte Stimmung zu verleihen so ballten sich jetzt langsam dunkle Wolken zusammen in der Ferne, nahmen der Sonne ihren Schein und gaben dem Bilde etwas unsagbar Schwermütiges.

Regine war ganz hingenommen von ihrer Arbeit. Aber die Kinder unterbrachen sie zuweilen. Das Mädchen, welches sie sonst beaufsichtigte, half heute beim Waschen, so hatten sie strengen Befehl er⸗ halten, der Mutter nicht aus den Augen zu gehen. Karin baute ihrer Pube ein Gärtchen und war seelenvergnügt dabei. Aber ihre tausend Fragen konnte das stumme Ding nicht beantworten, da mußte Regine herhalten:

Mutterchen, was schmeckt schöner, Chokoladeneis oder Königsberger Klops?

Sage mir doch, Mutti, hübscher oder Onkel Rechow?

Hilf mir, Mutterchen, Puppe Lises Kleid zumachen!

Hans Max blieb stumm und haltlos. Eine Kornähre zwischen den Zähnen zermalmend beobach⸗ tete er andächtig seiner Mutter Thun, sah auf dem weißen Papier die Umrisse entstehen und dann den ersten, zarten Farbenhauch:

Mutter, fragte er plötzlich in seiner lang⸗ samen, bedächtigen Weise, fühlst Du Dich glücklich bei dieser Beschäftigung?

Ueberrascht blickte Regine auf, sah in ihre eigenen braunen Augen, die so altklug aus dem Kindergesichte schauten, und fühlte sich seltsam be⸗ rührt. Dann aber lachte sie hell auf.

Närrchen, Du, rief sie amüsiert und strich

findest Du Papa

ihm die Locken aus der Stirne. Er aber fühlte

gewesen; bereits gehen wieder die Räderfuhr⸗ werke. Uebrigens war es auch meist keine Lust, bei den meterhohen Schneewällen Schlitten zu fahren, wie ein Reisender von Gießen zu erfahren Gelegenheit hatte. Derselbe fuhr mit einem Schlitten von Ruppertenrod über Groß⸗ Felda nach Stumpertenrod. Unterwegs fanden Reisender und Fuhrmann solch unüberwindliche Hemmnisse durch die Schneewehungen, daß beide den Schlitten mehrmals streckenweise tragen mußten. Eine solche Extrafahrt entbehrt bei allem Ernst der Situation der Komik gewiß nicht.(D. Z.)

Grünberg, 4. Februar. Auf der Als⸗ felder Straße in der Nähe der oberen Ziegel⸗ hütte war Schreiber dieses gestern Augenzeuge, wie ein älterer Mann aus einem benachbarten Dorfe von einem vorübereilenden Schlitten, dessen Fuhrmann wohl der Meinung war, das Ausweichen sei nur Sache der Passanten, erfaßt und auf die Seite geschleudert wurde. Glück⸗ licherweise kam der Betreffende mit dem bloßen Schrecken davon. Schlimmer ging es einem be⸗ jahrten Mann in dem nahen Dorfe Münster. Ein dortiger Landwirt fuhr kürzlich mit dem Schlitten durch das Dorf. Im Begriffe, einem vorübergehenden Knaben auszuweichen, überfuhr er den infolge eines früheren Falles an Krücken gehenden alten Mann, den er nicht bemerkt hatte und der infolge seines Gebrechens nicht schuell genug ausweichen konnte. Der Be⸗ dauernswerte trug einen abermaligen Beinbruch davon.(D. Ztg.)

* Neu⸗Ulrichstein, 4. Februar. Die Ar⸗ beiter-Kolonie hatte im Jauuar einen Be⸗ stand von 97 stellen⸗, bezw. arbeitslosen männlichen Personen, darunter 25 aus dem Großherzogtum, 9 aus dem Regierungsbezirk Cassel, 12 aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden, 10 aus den Rhein⸗ landen, 7 aus Bayern, je 6 aus Sachsen und Baden usw. Arbeiter waren es 53. An 2388 Tagen wurde gearbeitet, Verpflegung durch die Kolonie trat an 2948 Tagen ein. 18 Mann wurden entlassen, davon 8 auf eigenen Wunsch, je 2 wegen Arbeitsscheu, bezw. schlechten Be⸗ tragens, je 1 in Arbeit durch die Kolonie; durch eigenes Bemühen; in die Familie zurück; auf Requisition der Behörde; wegen Krankheit; 1 ist entlaufen. Die Kolonie hat seit ihrem Bestehen 3205 Mann aufgenommen.

* Tarmstadt, 4. Februar. Die Aus⸗ zahlung der von den beiden Kammern zur A b⸗ findung der Mitglieder der verflossenen Spezialdirektion der Hessischen Ludwigs⸗ bahn bewilligten 820,000 4 ist an die 5 Direktoren durch Anweisungen auf die Darmstädter Bank erfolgt. Spezialdirektor Ge⸗ heimrat Dr. Reinhard erhielt die höchste Abfin⸗ dungssumme, wogegen die in den Staatsdienst übergetretenen Baurat Heyl und Kommerzienrat

sich gekränkt, wie alle Kinder, welche nicht be⸗ greifen, durch was sie die Erwachsenen zum Lachen gereizt haben und trollte sich schmollend. Regine sah ihm nach. Wie schwer war es doch zu er⸗ gründen, was in solchem kleinen Kopfe vorging!

Dann gab sie sich wieder ihrer Arbeit hin und ihre Gedanken nahmen eine andere Richtung. Seltsam, welche kleine Rolle die Landschaftsmalerei in der Geschichte der Kunst spielte! Ruysdael Poussin, Claude Lorrain, das waren die einzigen Landschafter vergangener Jahrhunderte, die sie kannte, und wie wenig schienen ihr Ruysdaels zierlich ansgeführte Wald- und Wasserbilder die Natur so wiederzugeben, wie sie selbst sie sah! In dieser Beziehung war doch die Kunst der Jetztzeit ihres Erachtens nach auf einem bis dahin noch unerreicht hohen Standpunkte angelangt, sowohl was die technische Vollkommenheit, als was die intime Beobachtung der Natur betraf. Ob Lossen wohl auch diese Ansicht teilte? Da war sie wieder bei Lossen angekommen, sie führte im Geiste lange Unterhaltungen mit ihm und beachtete es nicht, daß das Gezwitscher der Kinderstimmchen hinter ihr verstummt war, und daß keine lästigen Fragen sie mehr störten.

Inzwischen war Felix zu Rechows hinüber ge⸗ ritten. Es war ihm ein rechter Genuß, an Frau Lottchens zierlich hergerichtetem Kaffeetische zu sitzen und sich ihre selbst gebackenen Kuchen wohl schmecken zu lassen. Derweilen erzählte sie ihm, was in der Nachbarschaft geschah, in ihrem harmlos fröhlichen Geplauder, und er hörte gerne von den Menschen, mit denen er aufgewachsen war, die sich ihm jetzt doch mehr und mehr entfremdeten. Frau Lottchen sah die Welt und ihre Nebeumenschen in rosigem Lichte an, interessierte sich eifrig für anderer An⸗ gelegenheiten, und wenn sie in ihrem Drange zu helfen einmal zu weit ging und eine Zurückweisung

Maschmann einen geringeren Anteil erhielten als ihre früheren Direktionskollegen. Ein feines Geschäft!

* Lampertheim, 4. Februar. Der Direktor der nahen Zellstofffabrik Waldhof, Herr Kom⸗ merzienrat Haas, wurde dieser Tage von einem eigenartigen Unfall betroffen. Er hing, als er abends heimkehrte, seinen Ueberrock an einen Kleiderhalter auf und glitt dabei auf dem Parkett aus. Dabei fing sich ein am kleinen Finger getragener Ring an einem Haken und durch die Wucht des Falles wurde der kleine Finger förmlich abgerissen.

Mainz, 4. Februar. Auf der staatlichen Nebenbahn Bodenheim-Gauodernheim⸗ Alzey hat in vergangener Nacht wieder ein Dammrutsch stattgefunden. Die defekte Stelle befindet sich zwischen Gaubischofsheim und Harx⸗ heim und hat eine Länge von 30 bis 35 Meter. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen ver⸗ 1 1 der direkte Güterverkehr über Alzey ge⸗ eitet.

Vermischtes.

Lieber tot als nicht auf dem Masken⸗ ball. Weil es nicht zum Maskenball gehen konnte, hat sich in der Reichshauptstadt ein fünf zehnjähriges Mädchen in der Hochheimerstraße 27 durch einen Sturz aus dem Fenster getötet. Die Unglüaliche hatte vor einem Jahre durch einen Unfall in einer Fabrik eine Verkrüppelung erlitten, die sie hinderte, an Ver⸗ gnügungen teilzunehmen. Ihr achtzehnjähriger Bruder ging am Samstag Abend zum Maskenball. Eben hatte er das Zimmer verlassen, als sich die fünfzehnjährige Schwester plötzlich auf einen am Fenster stehenden Stuhl schwang und ihren kleineren Geschwistern die Worte zurufend:Adieu, Kinder, Ihr seht mich nicht mehr wieder! auf den Hof hinabstürzte. Als der junge Mann wenige Sekunden später auf den Hof hinaustrat, fand er seine Schwester mit zertrümmertem Schädel tot vor.

Der Weg, es Allen recht zu machen. Der Charakterkomiker Ewald Grobecker, der vor einigen Tagen kurz nach seinem goldenen Bühnenjubiläum in Wiesbaden gestorben ist, war Ende der vierziger Jahre am Königstädtischen Theater in Berlin thätig. Eines Abends wurde dort, lautMagdeb. Ztg., die Posse Gebrüder Fidibus gegeben und erregte großes Miß⸗ fallen. Grobecker stand gerade mit seinem Kollegen Hänsel auf der Bühne, als ein großes Lärmen, Pfeifen und Schreien losbrach. Ein Teil schrieAufhören!, ein andererWeiterspielen! Da wandte sich Grobecker zu Hänsel und sprach laut:Um beiden Teilen des geehrt en Publikums zu genügen, kannst Du weiterspielen und ich werde aufhören. Diese Bemerkung schlug so glücklich ein, daß das Stück wenigstens zu Ende geführt werden konnte.

Vielversprechend. Auf einer Eisbahn in Kottbus wurde ein Portemonnaie gefunden, welches von dem Finder, um den Inhalt festzustellen, vor Zeugen geöffnet wurde. Neben einem geringen Geldbetrag fand

sich darin ein zusammengefaltetes Papier, das sich bei

erfuhr, behielt sie ihren Aerger weislich für sich und machte keine üble Nachrede. Dabei stopfte sie ihrem Richard und ihren zwei Knaben höchst eigenhändig die Socken. Das verstand eben niemand so gut wie sie, und der dicke Gatte schmunzelte behaglich, wenn er auf die kleinen Finger sah, die emsig für ihn schafften.

Als Felix heimgritt, dachte er, was für ein treues, sorgliches Hausmütterchen sie sei. Ein solches hätte er in seinem Hause wohl auch gut brauchen können aber da schral er zusammen, als habe er sich auf einem schweren Unrecht er⸗ tappt. Er seufzte. Seine schöne, kluge Regine paßte wohl eben nicht zur Landfrau! Dann fielen ihm seine herzigen Kinder ein und er spornte sein Pferd.

Als er zuhause nach seiner Frau fragte, wies man ihm den Weg zu dem alten Weidenbaume. Er faud sie dort mit glühenden Wangen und leuch⸗ tenden Augen, ihr Werk war fast vollendet. Pflicht⸗ schuldigst, wenn auch nicht ganz verständnisvoll, bewunderte er die Skizze und blickte sich dann suchend um:

Wo sind die Kinder?Ich denke, Du wolltest mit ihnen spielen?

Regine erwachte jäh aus ihren Träumen zur Wirklichteit. Die Kinder! Sie hatte sie ganz ver⸗ gessen; jetzt erst kam es ihr wieder zum Bewußt⸗ sein, daß sie ja die Kleinen beaufsichtigen wollt. Bestürzt rief sie ihre Namen:Hans Max! Karin! aber keine Antwort erfolgte.

Felix rief lauter vergebens. Eilig ihre Malge räte hinwerfend, lief Regine zu dem nahen Weiden⸗ gebüsch, in der Hoffnung, die kleinen Bösewichte hätten ihnen einen Streich gespielt und hielten sich dort versteckt; aber auch hier zwischen den wirren Zweigen fand sie keine Spur.

(Fortsetzung folgt.)