Ausgabe 
1.7.1897
 
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und sich mit sehr geschickten Kunstreiterinnen verheirateten. Der Zirkus florierte, wurde jedoch durch einen Brand zerstört. Durch öffentliche Substriptionen wurde dann Francont wieder aufgeholfen. Deren Sohn beziehungs⸗ weise Neffe, Adolphe Franconi, wurde Nachfolger im Geschäfte und sicherte den Ruhm der Familie bis 1835, in welchem Jahre der nun verstorbene Franconi die Herrschaft antrat. Er machte sich alsbald zum Besitzer zweier Zirkusse. Bis zum Jahre 1870 war Viktor Franconi mit der Dressur der Pferde der kaiserlichen Stallungen betraut. Seit vielen Jahren bereits ließ Franconl seinen Sohn Charles in den beiden Zirkussen als leitenden Direktor schalten und walten; er selbst aber, der alte Franconi, erschien trotzdem, jahraus, jahrein, zu jeder Vorstellung. Man sah ihn jeden Abend beim Ma⸗ negeeingange stehen, stramm, mit aufgewichstem Schnurr⸗ bart, in tadelloser Redingote, die Bewegungen der vor⸗ geführten Pferde verfolgend, abwechselnd mit entzückten oder aber mit unzufriedenen Mienen. Nicht allein als Reitmeister hat sich der verstorbene Zirkusdirektor Fran⸗ cont hervorgethan, sondern auch als Fachschriftsteller; er verfaßte zwei weitverbreitete Werke:le Cavalier und IEcuyer, das eine die Reitkunst, das andere die Kunst⸗ reiterei behandelnd. Franconi hatte noch in hohem Alter eine Menge Schüller, teils professionelle Schulreiter, teils Herren aus der höchsten Gesellschaft. Als er in den allerletzten Monaten nicht mehr mit zu Pferde steigen konnte, begleitete er die Kavalkade in einem Wagen und korrigierte so von seinem Sitze aus die verschiedenen Manöver. Es kostete ihm einen schweren Entschluß, sich aufs Krankenlager zu begeben. Er fühlte, daß er den geliebten Zirkus nicht wiedersehen werde, obwohl die Aerzte die besten Hoffnungen hegten. Durch die Art des Leidens, von welchem er durch operativen Eingriff befreit werden sollte, war Francont am Sprechen verhindert. Der greise Zirkusmensch fühlte sich unsäglich elend in dem weichen Pfühl seines lururlösen Schlafzimmers. Er hätte wohl am liebsten in seinen Stallungen gelegen und wäre dort gestorben, umgeben von seinen schönen Pferden. Sterben! Das war nun sein einziger Wunsch. Auf den vor ihn hingelegten Zettel schrleb er stets nur das eine Wort: mourir. Zuletzt brachte er es nur auf die ersten beiden Buchstaben, dann entsank ihm der Bleistift und er war tot.

Aufgepaßt, Radfahrer! Von folgendem neuen Schwindel, der in Berlin aufgetaucht ist, aber möglicherweise anderwärts Nachahmung finden und man⸗ chem Radler Schaden bringen könnte, erzählt ein Blatt aus der Reichshauptstadt: Dieser Tage kehrte ein Rad⸗ fahrer in dem Gartenlokal von H. an der Ecke der Brunnen⸗ und Invalidenstraße ein und lehnte das Rad an einen Nachbartisch. Nach kurzer Zeit erschien noch ein Radler in dem Lokal, grüßte den Sportskollegen mit dem üblichenAll Heil, stellte sich alsReferendar Martin aus Charlottenburg vor und nahm an demselben Tisch Platz. Das Rad hatte er an die Außenseite des Stakets gestellt. Als beide Radler in bestem Gespräch über Wettfahrten und Sportsangelegenheiten waren, bestieg plötzlich ein fremder Mensch die draußenstehende Maschine und sauste dem Rosenthaler Thore zu. Mit dem Rufe: Mein Rad ist gestohlen, ach, einen Moment Ihre Maschine, ich bin gleich zurück bestieg derReferendar aus Char⸗ lottenburg das Rad des neugewonnenen Sportsfreundes, sauste demDiebe nach und soll noch wiederkommen. Da die beiden Fahrradschwindler sicherlich zusammen ar⸗ beiten, so mögen die Radler vor demReferendar Martin aus Charlottenburg, der vielleicht in anderen Gartenlokalen unter anderem Namen auftauchen wird, ge⸗ warnt sein.

Ballon und Fahrrad. Wie dasKl. J. erfährt, ist zwischen dem Berliner Verein zur Förderung der Luftschifffahrt und der Berliner Sportpark-Gesellschaft ein Vertrag geschlossen worden, wonach dieselben gemein⸗ sam an der Weiterentwicklung der wissenschaftlichen und sportlichen Ballonfahrten arbeiten werden. Diesem Zwecke sollen zunächst zwei Ballons von je 1200 Cbm. Größe dienen, deren Führung sachkundige Mitglieder des Vereins übernehmen werden. Seitens des Oberstlieutenants Hesse, der in Gemeinschaft mit Premierlieutenant Schulz den ehrenamtlichen Vorstand der Gesellschaft bildet, ist ferner eine systematische Ausbildung von Radfahrern im Ver⸗ folgen von Ballons geplant. Zunächst sollen Einzelver⸗ folgungen stattfinden, bei denen jeder Fahrer nach eigenem Ermessen zu handeln hat. Aus geeigneten Ele⸗ menten soll demnächst ein Detachementsführer kriegsmäßige Aufgaben zu stellen, z. B. Verfolgung eines aus einer geschlossenen Festung aufgestiegenen Ballons. Verfolgungs⸗ befehl des betreffenden Führers, der der Flugrichtung des

Ballons zunächst liegt, an sein Radfahrerdetachement. Gewährung eines Vorsprungs für das Detachement von etwa 15 Kilometer, wie ein solches der Wirklichkeit ent⸗ spricht. Etwa eine Stunde vor Auffahrt des Ballons soll durch Auslassung von Piloten die voraussichtliche Fahrtrichtung des Ballons festgestellt und das Detache⸗ ment unter Gewährung des Vorsprunges an denjenigen Punkt dirigiert werden, an dem es sich in der Wirklich⸗ keit bei Erblicken des Ballons befinden würde.

Neuefte Telegramme.

Hd. Berlin, 30. Juni. Heute sindet im Herrenhause die Verhandlung über die Kommissionsanträge zur Vereinsgesetz⸗Novelle statt. Es ist anzunehmen, daß die Regierung in der heutigen Sitzung die Erklärung abgiebt, sie werde, wenn sie auch eine Regelung auf dem Boden des gemeinen Rechtes vorgezogen hätte, doch den Vorschlägen der Kommission über das Vereinsgesetz zustimmen. N

Hd. Berlin, 30. Juni. Die Schlußrech nung der vorjährigen Berliner Gewerbe⸗ ausstellung ist gelegt, von dem geschäfts⸗ führenden Ausschuß genehmigt und der Arbeitsausschuß beauftragt worden, die auf dem Garantiefondscheinen ausgezeichneten

Beträge einzuziehen, etwaige Ueber⸗ schüsse zu teilen und erforderliche Nachschüsse nachzufordern.

Hd. Bern, 30. Juni. Vom Pilatus stürzte das Fräulein Gronauer aus Luzern ab und blieb sofort tot.

Hd. Budapest, 30. Juni. Aus dem Al⸗ foeld⸗Gebiet laufen beunruhigende Nachrichten über den Ernte-Arbeiter⸗Streik ein. Die von der Regierung eingesetzten Hilfsarbeiter wurden von den Streikenden mit dem Tode be⸗ droht, weshalb die ersteren die Arbeit verweigern. In Kistelek herrscht große Erregung. Aus

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diesem Grunde wurden dorthin starke Gendar⸗ merie⸗Abteilungen und Militär gesandt.

Hd. Essegg, 30. Juni. Der Pro

zeß gegen die bäuerlichen Sozia⸗ listen endete mit der Verurteilung von 64 Angeklagten, die 4 Rädelsführer er⸗ hielten 36, die übrigen Angeklagten 12 Monate strengen Arrest. » Hd. Paris, 30. Juni. Zwischen Charteres und Maintenon verursachte ein Wirbelsturm große Verheerungen. Die Zuckerfabrik in Voveo wurde zerstört. In Sazeray sind 20 Häuser vernichtet worden. Die Ernte der ganzen Gegend ist verloren.

Hd. Toulon, 30. Juni. Der griechische Drei⸗ masterDespinio wurde hart vor Toulon an die Küste geschleudert. Zur Rettung wurden sofort Hilfsbote ausgesandt.

Hd. Mons, 30. Juni. Die Zahl der aus⸗ ständigen Bergleute ist heute auf 12 500 gestiegen. Die Streikenden haben erklärt, sie werden sich ruhig ver halten, bis man eine Entscheidung getroffen haben wird. Sollte das Gruben⸗Reglement, gegen welches sie sich er⸗ hoben, beibehalten werden, so würden sie sich durch gewaltsame Mittel Recht verschaffen.

Hd. Sosia, 30. Juni. Die Schluß ver⸗ handlung gegen den wegen Mordes ange⸗ klagten Rittmeister Boitschew und Kom⸗ plizen findet am 15. Juli in Philippopel statt. Der Vater der ermordeten Simon ver⸗ langt 60 000 Franks Schadenersatz.

Hd. Athen, 30. Juni. Die grie⸗ chische Regierung beabsichtigt für einige Zeit die Beamtengehälter und Pensionen auf die Hälfte zu reduzieren.

Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Redal⸗ teur: Wilhelm Sell in Gießen; Druck der E. Ottmannschen Buchdruckerei, Gießen, Schloßgasse 13.

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Gießen. Grand Oswalds Gatten.

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Große Gala-

Eröffnungs- Vorstellung.

Morgen Donnerstag: Gr. Elite- Vorstellung.

J. Pfeffer.

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