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Franz Maris alschuldirettor vun en in det psychl⸗
burg, Verantw. J E. Ottmann, bob
Blatt fallen hören.
Gießen, Sonnabend, den 31. Oktober
1896.
ssche Landeszeitung.
Poslztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112.
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.
Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.
Lokales und Provinzielles.
* Gießen, 30. Oktober.(Stadtverordneten⸗ Sitzung.) Die gestrige Stadtverordneten⸗Sitzung, in welcher 24 Mitglieder anwesend waren, eröffnete Herr Oberbürgermeister Gnauth gegen /¼4 Uhr. Zunächst wurde dem Gesuch des Herrn Friedr. Habenicht um Er⸗ haubnis zur Wasserabführung aus seinem Fabrikgebäude an der Wiesenstraße stattgegeben mit der Unterstellung, daß die Abwässer vorher neutralisiert werden müssen.— Heanstandet wurde das Gesuch des Herrn W. Steinbach zur Aufstellung einer Bretterhalle in seiner Sandgrube am Nahrungsberg, da die Errichtung einer solchen nach dem Ortsstatut nicht zulässig sei und der eine Dispen⸗ gatlon begründende Bedürfaisfall nicht vorliege.— Zu Punkt 3 wurde bekannt gegeben, daß der Ernteertrag in den Gemarkungen Gießen und Schiffenberg durch die Feldgeschworenen aufgenommen sei, was eine Gebühren⸗ kechnung von 66&“ veranlaßt habe; auch hierzu wurde bie Zustimmung erteilt.— Die Ausführung der Kul⸗ lurarbeiten im Gießener Stadtwald wird nach dem Vorschlage der Oberförsterei, dleselben Lohnsätze für
die Arbeiter(Maximalsätze) wie im Vorjahre in Anwen⸗ dung zu bringeu, genehmigt, ebenso, daß die Verwertung bon im Ganzen 720 Festmeter Eichenstammholzes im Wege schriftlicher Submisston zu verwerten sei.— Dem Gesuch des Schützenvereins Gießen um pachtweise leberlassung eines städtischen Triebviertels zum Zwecke der Benutzung bei etwaigen Festlichkeiten, wird unter Ansatz eines jährlichen Pachtpreises von 12. siattgegeben; der Preis der übrigen vom Schützenverein gepachteten Triebviertel wird auf 10 bezw. 12 erhöht. — Dem Gesuch des Gießener Eisvereins um Ueberlassung
zer Wiesen hinter den Eichen für den Winter 1896/97 entsprechen, wurde unter Beibehaltung der seitherigen
Bedingung beschlossen, nach welchen 2000 Tageskarten für Schüler unentgeltlich abzugeben sind.— Die Zinsen der
Uson⸗Stiftung, welche am 11. November in Höhe von 800& fällig sind, sollen in der üblichen Weise Ver⸗ . finden. In dem Knaben⸗ und Mädchen⸗ hort werden ca. 50—60 Kinder während der freien geit(bis die Eltern von der Arbeit zurück⸗ gekehrt find) mit der Erledigung ihrer Schulaufgaben beschäftigt, wobei jedem eine warme Speise, in der Reg el n Schoppen Milch nebst Brödchen, verabreicht wird. Die Eltern zahlen für diese Vergünstigung pro Woche 20 Pfg., um, wie der Herr Oberbürgermeister richtig ausführte, ihnen das Schamgefühl zu ersparen, das sie bei bollständiger Schenkung der fraglichen Unterstützung zur Benutzung dieser Einrichtung abhalten würde. Das Defizit wird aus der Wil son⸗Stiftung gedeckt.— Den Schulkindern, die nach Ansicht der Lehrer und Lehrerinnen mit ungenügendem Frühstück, sei es nach Menge und Beschaffenheit, zur Schule kommen, soll auch im kommenden Winter wieder warmes Früh⸗ stück, wie Milch und Brödchen, verabreicht werden. So⸗ weit die Mittel aus der Wilson⸗Stiftung hierzu nicht ausreschen, wird der Dispositionsfonds der Armen⸗Ver⸗ waltung herangezogen.— Die Ueberdachung des Lichtganges am Turmhaus am Brand und Vertiefung des Pumpenschachtes daselbst wird mit einen Kostenpunkt von 172,18 genehmigt. — Zu Punkt 11 der Tagesordnung, Ausbau der Liebigstraße, wurde bemerkt, daß nunmehr das letzte Hindernis zur Verwirklichung“ dieses Projektes durch den Erwerb der Katzensteinschen Besitzung beseitigt ist. Der von der Baudeputation festgestellte Voranschlag in Höhe von 22000/ wurde genehmigt, auch der Vorschlag des Stadtv. Dr. Schäfer, an beiden Seiten der Straße
e Baumallee anzupflanzen, ins Auge gefaßt.— Die
Herstellung eines Pflasterstreifens auf dem Trottoir von der Nordaulage bis zur Wetzsteingasse wurde genehmigt. . Das Projekt einer Baumpflanzung an dem Weg über die Gänsäcker und Burgwiesen nach dem Philosophenwald wurde dem Vorschlage der Baudeputation gemäß bean⸗ standet, da sich der Ausführung dieser Anpflanzung ver⸗ schiedene Schwierigkeiten in den Weg stellten.— Sodann wurde die im Entwurf vorliegende Geschäftsordnung des Arbeitsnachweises für die Stadt Gießen gut⸗ geheißen. Aus derselben ist der Hauptsache nach zu ent⸗ nehmen, daß Personen, die mit ihrer Familie in Gießen ansässig sind, bei Angeboten von Arbeitsstellungen bevor⸗ zugt werden können, daß ferner Beschwerdebücher im Bureau ausgelegt werden, daß die Veröffentlichung des Arbeitsnachweises in den hiesigen Zeitungen zu erfolgen hat und daß das hiesige Arbeitsnachweisbureau mit den⸗ jenigen in den Nachbarstädten in ein Kartellverhältnis
tritt. Auch ist der Bureaubeamte zur Auskunfterteilung in Alters- und Invaliditätsversicherungsangelegenheiten verpflichtet. Herr Oberbürgermeister Gnauth sprach den Wunsch aus, daß das Arbeitsnachweisbureau zahlreiche Benutzung finden möge.— Schließlich wurde noch die Verlegung des Oberlachgrabens im Wiesengrund unterhalb des Philosophenwaldes, ferner die Fortsetzung der Gas⸗ leitung am Schiffenbergerweg, zwecks Anschlusses der Heinzerlingschen Wirtschaft und die Fortsetzung der Wasser⸗ leitung im Krofdorferweg bis zum Stielschen Haus ge⸗ nehmigt.
Gießen, 30. Oktober.(Stadttheater). Auf die heutige Aufführung des lustigen Schwanks „Die Dragoner“ machen wir nochmals be— sonders aufmerksam.
* Gießen, 30. Oktober. Aus Großen⸗ Linden wird uns e daß gestern Abend die Nationalliberalen eine Wählerver⸗ sammlung ohne Zuhörer abhielten. Der Redner hat auf seinen Vortrag verzichten und sich nur auf ein Privat⸗Gespräch mit den 45 55 Anwesenden beschräuken müssen.— Auch aus Lollar wird uns mitgeteilt, daß eine am Dienstag Rane e Versammlung der National⸗ liberalen, welche erst bis drei Stunden vorher durch die Schelle angekündigt wurde, sehr schwach besucht war.
* Gießen, 30. Oktober. Man schreibt uns: Von einer Unverfrorenheit, die einer besseren Sache würdig wäre, zrust der gestern in einer Villa der Ostanlage verübte Einbruch. Wäh⸗ rend man sich bei der Abendmahlzeit um 8 Uhr befand, meldete plötzlich das Kammerfräulein, daß soebeu ein Herr, der nicht in das Haus ge⸗ höre, aus dem zweiten Stock kommend in einem Zimmer des ersten Stockes verschwunden sei. Sofortige nähere Nachforschungen ergaben, daß in jenem Zimmer das Fenster ausnahmsweise diesen Abend noch aufstand. Der Erzgauner, der allem Anschein nach mit den Verhältnissen sehr gut vertraut sein muß, ist also durch das offenstehende Fenster eingedrungen, hat sich darauf im oberen Stock zu schaffen gemacht und daselbst eine große Vorliebe für schöne Ueber⸗ zieher, Havelocks und Damenmäntel entwickelt, indem er von diesen Gegenständen eine ganz er⸗ kleckliche Anzahl hat mitgehen heißen. Die Un⸗ verfrorenheit besteht nun darin, daß sich der oder die Einbrecher weder an die unvorschriftsmäßig
frühe Stunde(½8 Uhr,) noch an die Schutzleute kehrten.
Gießen, 29. Oktober. Ein kleines Stimmungsbild zur gegenwärtigen Wahlbewegung, das einer humoristischen Färbung nichk entbehrte, bot sich am Mittwoch Abend den Gästen in einer hiesigen Wirtschaft. Saß da ein biederer Bürgersmann von einem benachbarten Städtchen und unterhielt sich mit den Stammgästen über alles Mögliche. Als ihm ein Wahl⸗Flugblatt zum Studium vor⸗ gelegt wurde, schob er dasselbe mit den Worten „Gitt maich naut oh!“ beiseite und bemerkte dahinterher:
„Aich lease keh Flukblärrer, aich gih bach enn keh ee wann's Zeit iß, da weeß aich wäih e aalt Hinkel, wu aich mei Aik(Ei) hi zelege hu!“
Mit dem Ei war selbstverständlich der Stimmzettel gemeint. Es ist gar erfreulich, wenn einer weiß, was er zu thun hat, aber vom Lesen der Flugblätter und vom Besuche von Ver⸗ sammlungen ist noch keiner dümmer geworden.
* Großen⸗Buseck, 30. Oktober. Bei der vorgestrigen Ziehung der Pferdemarkt⸗ Lotterie zu Friedberg fiel ein Haupt⸗ gewinn, ein Fohlen, in die Kollekte des hiesigen Polizeidieners Schwalb, und zwar auf Los Nr. 11404. Der glückliche Gewinner war sehr überrascht, umsomehr, als derselbe nicht zu den Bemittelten zählt. Es ist dieses schon seit Jahresfrist das dritte Fohlen außer noch zehn wertvollen Gewinnen, welche in obige Kollekte gefallen sind.
* Laubach, 27. Oktober. Herr Kammerrat Weber hier, der 33 Jahre lang das Amt des Sekretärs des Oberhesstschen Landwirtschaftlichen Provinzialvereins versah, infolge seines leidenden Zustandes aber genötigt war, dasselbe im vorigen Jahre niederzulegen, wurde in der gestern in Gießen abgehaltenen Hauptversammlung zu m Ehrenmitglied des Landwirtschaftlichen Vereins der Provinz Oberhessen ernannt.
* Butzbach, 29. Okt. Ein hiesiges Ehe⸗ paar, das sich im Felde beschäftigte, ließ am Montag seine kleinen Kinder ohne Aufsicht in der Wohnung zurück, Während ihrer Ab⸗ wesenheit brach in der Wohnung Feuer aus, das ein Bett mit Inhalt zerstörte. Vermutlich haben die Kinder das Bett angesteckt. Nachbars⸗ leuten gelang es durch energisches Eingreifen, das Feuer zu löschen. Die Kinder sind mit dem Schrecken davongekommen.
* Nidda, 30. Oktober. Die Reichstags⸗ wahl rückt immer näher; bei uns ist es jedoch ziemlich still. Während anderwärts verschiedene Kandidaten einander in die Fußstapfen getreten, hat hier erst ein Kandidat, der der freisinnigen Partei, Herr Professor Dr. Stengel aus Greifswald, vor einer schwach besuchten Ver⸗ sammlung sein Programm entwickelt. Als Kandidat der nattonalliberalen Partei wird 118 schor andrerseits erwähnt) in einem Flug⸗
latt der frühere Gutspächter, Herr Meinert
zu Conradsdorf, jetzt zu Hammerhof bei Ham? burg, bezeichnet und empfohlen.
Nidda, 29. Oktober. Vorgestern zog ein Gewitter südöstlich unserer Stadt vorüber. In Büdingen that sich dasselbe durch einige heftige Donnerschläge mit Regen und Hagel kund.— Am Sonntag Abend wurde ein Bahn⸗ bediensteter von einem hiesigen Burschen, mit dem er im Streit lebte, mit einem Stoßdegen übel zugerichtet. Ein Hieb ging über das untere Gesicht und hätte um ein Kleines die Halsader getroffen. Außerdem wurde der Be⸗ treffende an der Hand erheblich verletzt.— Nächsten Freitag wird die feierliche Ueber⸗ gabe unseres neuen Wasserwerks stattfinden. Sowohl am Reservoir wie in der Stadt sind verschiedene Festlichkeiten geplant. Auf dem Marktplatze und an dem Bahnhofe werden Springbrunnen improvisiert. Abends wird eine allgemeine Festvereinigung in einem hiesigen Hotel stattfinden.— Gestern Abend veranstaltete der Vogelsberger Höhenklub, Sektion Nidda, im Gasthaus„Zur Traube“ seinen ersten Familienabend, der zahlreich besucht war. Instrumentale und vokale Vorträge ein⸗ zelner, sowie Chorlieder des hiestgen„Gemischten Chors“ trugen zur Unterhaltung aufs beste bei. Der Vorsitzende, Herr Rendant Hunsinger, sprach allen Mitwirkenden den Dank der Versammlung aus.
* Offenbach, 28. Oktober. Der Kreis⸗ ausschuß entschied heute Vormittag über die gegen die Bürgermeisterwahl in Oberts⸗ hausen erhobene Reklamation des Christ. Klohocker und Pieroth III in Obertshausen. Bei der am 4. Juli d. J. vorgenommenen Wahl erhielt der Ortsgerichtsvorsteher Becker 121 Stimmen, der Beigeordnete Hindelang 111 Stimmen, sodaß also der erstere mit 10 Stimmen Majorität gewählt war. In der Reklamation war u. a. auch ein Stimmenkauf behauptet worden, die Staatsanwaltschaft hat aber wegen ungenügenden Beweises eine Verfolgung in dieser Richtung i ge Der Kreisausschuß ver⸗ warf heute die Reklamation. Seit 1892 ist in Obertshausen bereits mehrere Male ein Bürger⸗ meister gewählt worden, die Gewählten erhielten aber nicht die behördliche Bestätigung.
* Seligenstadt, 28. Oktober. Die jüngste Generalversammlung des hiestgen Ortsgewerbe⸗ vereins hat sich in den Hauptpunkten gegen den preußischen Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks und die Regelung des Lehrlingswesens erklärt. Insbesondere kann sich der Verein mit der beab⸗ sichtigten Einführung der Zwangsinnungen nicht befreunden. Der glückliche Finder einer wert⸗ vollen Goldmünze aus der Zeit des Kaisers Sigismund ist nicht„Peter Kemmerer“, sondern Landwirt Martin Kemmerer. Interessierte Numismatiker wollen sich an diesen wenden.
* Vom hinteren Odenwald, 27. Oktober. Die Kartoffelernte ist immer noch nicht voll⸗ ständig beendigt. Da in einzelnen Lagen sehr
Zwischen Liebe und Pflicht Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
5 Wer hätte es diesem lichtstrahlenden Bau ange⸗ seben, daß er ein so düsteres Geheimnis barg, wie ich es nach allem Vorhergegangenen hier vermuten
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durfte.
Ich band mein Pferd an dem kleinen Gitterthor fest, welches auf dieser Seite in die den ganzen Garten umgebende hohe Stachelhecke eingeführt war, und begab mich nach dem Haus hinan. 5 Nun erst sah ich, daß der Garten zwar schön, aber gänzlich verwildert war. f Auch der Springbrunnen sandte kein Wasser empor. Dabei war es so still, daß man hätte ein Durch eine tief schattige 8 schritt ich in banger Erwartung in.
Ich fürchtete sehr, daß ich vor der Schwelle dieses Hauses werde umkehren müssen.
N Die Allee mündete auf einen mit Blumen und
tropischen Blattpflanzen geschmückteu Vorplatz.
Ehe ich diesen betrat, warf ich noch einen Blick nach dem Haus. a Die Gelegenheit schien mir günstig. g Auf der Veranda saß eine ältere Dame in spitzenbesetzter hocheleganter Robe. Sie las in einem Buch— wie ich später ersah, neueste Pariser Roman. 5 i konnte nur die Herrin des Hauses sein. Innern erklang Musik, Klavierspiel.
Das war die Tochter.
Hier gab es nun kein Besinnen mehr.
Ich schritt rasch auf die große Freitreppe zu, die zur erhöhten Veranda heraufführte. 5
Eine berauschende Duftwelle schlug mir ent⸗ gegen. Bei meiner Annäherung blickte die Dame erstaunt auf. l
Ich sah nun, daß sie einmal von einer außer⸗ ordentlichen Schönheit gewesen.
Sie war es noch. a
Mit kavaliermäßigem Gruß erstieg ich die letzten Stufen. Sie schien verweint. 7 5
Sie wußte augenscheinlich nicht, wie sie mich nehmen sollte, ob als Gentleman oder als Busch⸗ mann.
„Habe ich die Ehre, Mistreß Milton gaun ich.
„Das ist mein Name“, nehmer Zurückhaltung. 5 30 0 den meinen und verbeugte mich.
Sie maß mich wieder mit einem forschenden Blick ihrer schönen großen Augen.
„Was führt Sie zu mir, Mister 5
Sie schien den deutschen Namen nicht aus⸗ sprechen zu können.. 0
„Der Wunsch, Ihnen zu dienen, Madame! entgegnete ich prompt.
„In welcher Weise?“
„Das mögen Sie selbst bestimmen.“
„Seltsam“, sagte Sie halb für sich, und laut fragte sie mit einem mißtrauischem Blick.„Werden Sie geschickt?“ f
Ich beteuerte das Gegenteil,
—“ be⸗
entgegnete sie mit vor⸗
ich käme aus
eigenem Antriebe.
Bei mir dachte ich, sie sei schwer zu täuschen. Meine Versicherungen klangeu wohl etwas matt, denn die Lüge war meiner Zunge noch fremd.
Ihre Zweifel schienen nicht gestillt.
Der Gedanke, daß ich geschickt werde, erweckte bei ihr offenbar Mißbehagen.
„Wenn Sie Arbeit suchen, dann müssen Sie sich bei meinem Aufseher melden“, sagte sie kühl. „Meines Wissens sind aber alle Stellen besetzt.“
„Nur eine nicht!“ entgegnete ich kalt.
„Das wäre?“ staunte sie.
„Die Stelle eines Gärtners.“ streifte den verwilderten Garten.
„Sind Sie denn Gärtner?“ fragte die Dame.
„Arbeiter, wenn Sie befehlen, und wenn Sie wollen— Kavalier. Im letzten Krieg war ich Soldat. Ich erhielt das eiserne Kreuz. Vordem war ich— doch darum handelt es sich hier ja nicht; zuletzt war ich Goldgräber. Ich kann fechten, reiten und zeichnen, spiele Klavier, schreibe eine gute Hand, bin fix im Rechnen und spreche drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch. Ich möchte Ihnen zum Beispiel gleich jetzt als Vorleser dienen, um diese himmlischen Augensterne nicht durch zu vieles Lesen getrübt sehen.“
Sie lächelte wohlgefällig.
„Ich bin Pariserin.“
„Wem sagen Sie das, Madame! Ich hatte es längst erkannt—“ mein Blick streifte ihre Robe —„noch ehe Sie mich so auszeichneten, das Wort an mich zu richten. In Paris ritt ich mit als Sieger ein. Hier stehe ich— überwunden.“
Ich verneigte mich tief.
Mein Blick
„Sie find ein vollendeter Kavalier“, sagte sie
warm und reichte mir ihre Hand hin, die ich ehr⸗ erbietig an meine Lippen zog.
In meinem Herzen bildete sich ein kräftiges, deutsches„Hurrah“, das ich aber nicht laut werden ließ.
Eine innere Stimme sagte es mir, hier hatte ich gesiegt.
„Es thut mir aufrichtig leid, einen Gentleman mit so ausgezeichneten Eigenschaften in solcher Lage zu sehen“, fuhr sie teilnehmend fort,„und kann ich Ihnen auch nicht Ihre gesellschaftliche Stellung wiedergeben, so kann ich Ihrem Gesuche doch ent⸗ sprechen. Ich werde Sie zum Aufseher über Park und Garten machen, natürlich mit Leuten zur Ver⸗ fügung, die Ihre Befehle ausführen. Ist Ihnen das recht?“
„Sie machen mich mehr als reich, Madame, Sie machen mich glücklich!“ beteuerte ich.
„Mama!“ tönte hier eine Stimme von der offenen breiten Glasthür her, welche zur Halle führte.
Jetzt erst nahm ich wahr, daß das Klavierspiel im Haus verstummt war.
Ich blickte nach dem Saal und blieb starr vor Ueberraschung. 5
Die junge Dame in dem einfachen, schwarzen Kleid, die dort stand, war— meine schöne Unbe⸗ kannte! An der Art, wie sie mich ansah, erkannte ich, daß sie durch mein Buschmannskleid nicht ge⸗ täuscht war.
Sicher wollte sie der Mutter meinen wahren Charakter enthüllen.
Ich war verloren!
(Fortsetzung folgt.)


