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31.3.1896
 
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Gießen, Dienstag, den 31. März

1896.

Ausgabe

Gießen.

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fung.

Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die zspaltige Petitzeile.

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Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

Aus dem Verwaltungsbericht der Großh. Bürgermeisterei. * Gießen, den 30. März 1896.

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hel IX. surrer Dingelhe futter 80% Wasserwerk.

. Mit dem städtischen Wasserrohrnetz alete ahh, standen am 1. April 1895 überhaupt in Ver⸗ andes, die un bindung: 826 Hauswasseranschlüsse, 32 öffentliche Ae e, Bentilbrunnen(einschließlich 4 Schulbrunnen), 5 a 161 Straßenhydranten, 23 Gartenhydranten für unh bel. Abe städtische Anlagen leinschließlich 2 Stück im Real⸗ i bac schulhof und je eines für den Hof der Höheren ch ba Mädchenschule, sowie für die Anlagen vor dem Aniversitätsgebäude und der Johanneskirche), 1 Gießfaß⸗Füllstation am Ludwigsplatz, 5 öffent⸗ liche Pissoirs, wovon das in der Gabelung der Grünbergerstraße und Licherstraße seit Mitte November 1894 im Betrieb, 1 Teich in der Ost⸗ anlage, 1 Pumpstation für den Stadtringgraben in der Westanlage, 1 Prüfungsstation für Wasser messer. 5 Außerdem werden noch ungefähr 340 Wasser⸗ llosets und 230 Badewannen mit der städtischen Wasserleitung in Verbindung stehen. Der Wasserpreis betrug bis 1. Oktober 1894 30 für den Kubikmeter. Durch Stadt berordneten-Beschluß vom 18. Januar 1894 ab auf 25 c ermäßigt. Die Mindestbeträge des jährlichen Ver⸗ brauchs bleiben dagegen dieselben, wie seit 1. April 1891 festgesetzt, nämlich: für ein Gebäude, von 1 Familie bewohnt, 9 l.

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bruar 1895 wurde bei Genehmigung des Vor⸗ anschlags für 1895/96 der Wasserpreis für en enen weiterhin wie folgt ermäßigt:

hon 500 bis unter 1000 ebm.. 8 5 22 5

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St. 1.00100 Gänse per Pfug ud Rindfleich dh l, gesalz. 70 I, 70, Kartoffeln zn ler 50,0 M.,

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ö 20 für etwaigen noch größeren Verbrauch können hesondere Vergünstigungen eingeräumt werden.

Der Wassermesser, nach dessen Angabe die Berechnung des Wasserverbrauchs stattfindet, wird den Abnehmern seit 1. April 1391 vom Wasserwerk unentgeltlich geliehen. Für sogen. stontrole-Wassermesser ist jedoch nach wie vor Miete zu zahlen. Hauptwassermesser von 55 mm und mehr Durchflußweite sind von den Abnehmern auf eigene Kosten anzuschaffen und zu unterhalten. [Qualität des Wassers. Von Seiten des chemischen Untersuchungsamts für die Provinz Oberhessen wurde das Leitungswasser aus den Quellen von Großen⸗Buseck und vom Licherwald stammend auf Grund von 21 im hiesigen Labo⸗ tatorium in den Monaten Juli, August, Sep⸗ ember, Oktober und November 1894 in wöchent⸗ lichen Zwischenräumen ausgeführten Analysen, als einvortrefflich brauchbares Trink⸗ basser bezeichnet, das auch für technische Zwecke durchaus geeignet sei.

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Das Queckborner Wasser wurde im Januar 1895 von genannter Amtsstelle untersucht(vergl. Analyse am Schluß der noch folgenden Bau beschreibung), wonach dasselbe alsvon aus gezeichneter Beschaffenheit erklärt wird.

Das bereits im vorigen Jahr zu Lasten des diesjährigen Kredits erbaute Warenlager für das Hauswasserleitungswesen wurde mit der am 1. April 1894 begonnenen Aufnahme dieses neuen Geschäftszweiges vervollständigt. Dasselbe enthält eine Auswahl der bewährtesten Konstruktionen aller Bestandteile für Hauswasser leitungen, als Badewannen, Badeöfen, Klosets, Waschbecken u. s. w., teilweise mit Anschluß an unsere Wasserleitung, sodaß einige Gegenstände in Thätigkeit gezeigt werden können.(Von diesem Warenlager sind begreiflicherweise die hiesigen Geschäftsleute recht wenig erbaut. D. R.) Es möge gleich hier bemerkt werden, daß sich dieser Geschäftszweig sehr gut entwickelt hat, nicht allein haben wir schon im ersten Jahr seiner Ausübung eine größere Zahl, teils stattlicher, Hauswasser einrichtungen auszuführen gehabt, sondern wir wurden auch in zahlreichen Fällen mit der In⸗ standsetzung alter mangelhafter Einrichtungen betraut. Den Anforderungen des neuen Arbeits gebietes Rechnung tragend, wurde ein besonderer Installationsmeister, Herr W. Weydemeyer, an gestellt, unter welchem mehrere Installateure arbeiten. Wie auf dem Gebiet des Gaseiurich tungswesens, machen wir es uns auch im Wasser einrichtungswesen zum Grundsatz, nur bewährte Modelle und Konstruktionen anzuwenden, auf dauerhafte, vor Beschädigung möglichst geschützte und zugleich gefällige Ausführungen bedacht zu sein, und nur das beste Material zu ver venden.

Wenn sich derartige Anh igen bei der ersten Ausführung auch etwas teuerer berechnen, so bieten sie doch eine Gewähr, daß dadurch unau genehme Störungen im Gebrauch der Haus⸗ wasserleitungen, sowie häufige und kostspielige Nacharbeiten nach Möglichkeit vermieden werden.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, 30. März. Palmsonntag, der letzte Fastensonntag vor Ostern, liegt hinter uns, und wehmutsvoll, mit ernsten Gedanken, sind wir in die stille Woche, die Charwoche, ein getreten. Diese Woche gilt dem Gedenken des Kreuzigungstodes Christi, jener schmerzlichen Leidenszeit des Erlösers, die selbst verhärtete Gemüter mit heiligen Schauern erfüllt. Immer von neuem durchleben wir in der Charwoche char bedeutet im Althochdeutscheu Trauer mitfühlend die weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich vor nahezu neunzehn Jahrhunderten auf dem Richtplatze Jerusalems, auf Golgatha, der Schädelstätte, abgespielt haben. Ein leuchtender Schimmer der unversiegbaren Liebe, die da am Kreuze für uns verblutet ist, fällt in die nüch terne Alltäglichkeit unsres Erdenwallens hinein und weckt reinere, bessere Empfindungen, neue Vorsätze und Ideale in uns. Ach! es wird nicht alles in Erfüllung gehn, was wir in diesen Tagen der innern Einkehr uns reuevoll vornehmen;

wie ein schöner Blütentraum dahinwelken unter dem frostigen Hauche der rauhen Wirklichkeit. Aber gut und nützlich ist es doch, zuweilen auf Stunden und Tage des häßlichen Haders zu vergessen, der die Geister in dieser Zeit der sozialen Kämpfe und Gegensätze so schwer bedrückt. Gut und nützlich ist es, auf Stunden und Tage der Selbstsucht sich zu ent äußern, die den Menschen vom Menschen trennt, nachzueifern in Worten und Werken dem hohen Vorbild des hehren Dulders, der uns die all⸗ versöhnende Kraft hingebender, dienender, brüder licher Nächstenliebe so wunderbar schlicht durch seinen Wandel, sein Leben und Sterben offenbart hat. Noch giebt es ja, trotz Haß und Zwietracht, die laut und höhnisch auf den Gassen gepredigt werden, Herzen genug, welche Trost und Er bauung in den goldnen Lehren, den ewigen Wahr heiten des Evangeliums finden, welche sich reich und glücklich fühlen in dem Bewußtsein ihres festen, unerschütterlichen Gottvertrauens, ihrer zuversichtlichen Hoffnung auf die überwindende Macht der göttlichen Liebe. Nur völlig verrohte Gesinnung wird an diesem erhebenden Bewußtsein zu rühren oder wohl gar darüber zu spötteln wagen. Aber Spott und Hohn verlieren ihren Stachel in der Charwoche, die den Zorn selbst der Streit barsten dämpft, indem sie ihnen das herrliche Heilandswort:Vergebt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun! mahnend und eindringlich ins Gedächtnis zurückruft. Vergeben und wo⸗ möglich vergessen, was uns vom Nächsten Böses zugefügt wurde, geduldig das Kreuz der Leiden und Prüfungen auf uns nehmen, die uns das Schicksal zuerteilte und noch in Zukunft bescheeren wird: das sei die Aufgabe, die uns in diesen Tagen der innern Einkehr, der Andacht und Sammlung lösenswert dünkt. Und wenn auch so mancher treffliche Vorsatz, den wir fassen, allgemach wieder einschläft, so manches Ideal, dem wir nachstreben, mutlos als uner reichbar wieder aufgegeben wird gleich viel! Je mehr, je häufiger man sich daran gewöhnt, das Gute und Große zu wollen, je mehr und je häufiger wird man das Gute und Große thun; der willige Geist wird schließlich den Sieg über das schwache Fleisch davontragen. Möchte das jeder beherzigen, der wehmutsvoll mit ernsten Gedanken in die stille Woche eingetreten ist!

Gießen, 30. März. Der langjährige Stationsvorsteher der Main-Weser-Bahn hier, Herr Heidt, wurde mit Wirkung vom 1. April d. Is. ab nach Bad Ems versetzt. Herr Heidt, der über 40 Jahre im Dienste der Main-Weser⸗ Bahn steht, hat alle Eigenschaften eines tüchtigen Bahnbeamten in dieser Zeit bewährt: streng gegen sich und gerecht gegen seine Untergebenen, zuvor kommend gegen das Publikum.

* Gießen, 30. März.(Neue Anschlüsse am Fernsprecher. Nachdem im laufenden Vierteljahr bereits drei Anschlüsse bewerkstelligt sind, haben sich weiter am Telephon anschließen lassen: Rechtsauwalt Dr. Fuhr 108, Villa Gail, Rodheim 70, Friedrich Seibel 107, Wallenfels und Sauer 106, Lohnkutscher Junker 109.

Versammlung des Veteranenvereins wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Louis Petri UI, 1. Vorsitzender, Wacht⸗ meister Kasper, 2. Vorsitzender; Hauptlehrer Ludwig Traber, Schriftführer. Als Bei⸗ sitzer gehören dem Vorstand an: Gümblein, Heß, Weeg, Bruchhäuser und Pfitzner.

Gießen, 29. März. In der gestern statt⸗ gehabten General-Versammlung der Gießener Omnibus⸗Gesellschaft waren die Mitglieder ziemlich zahlreich erschienen. Der vom Vorstand und Verwaltungsrat einstimmig gefaßte Beschluß die Linie B.(GrünbergerstraßeBahnhöfe) ein⸗ zustellen, fand nicht die Zustimmung der Mehr⸗ heit der Versammlung. Ebenso wurde ein Ver⸗ mittlungsantrag vom Vorstand, außer der Linie A. einspännigen Wagen ohne Schaffner von der Grünbergerstraße bis zum Markt zum Anschluß an die Linie A. kursieren zu lassen, abgelehnt. Die weiteren Anträge A. Katz, das Unternehmen zu liquidieren, und Ed. Krumm, bei der Stadtverwaltung anzufragen, welche Subvention sie eventl. für das Unternehmen geben werde und sich dann schlüssig zu machen, fanden ebenfalls nicht die nötige Mehrheit. Dahingegen wurde ein Antrag des Fabrikanten Louis Lotz mit 24 gegen 21 Stimmen angenommen, dahin gehend, beide Linien, so wie sie jetzt gefahren werden, be⸗ stehen zu lassen und bei der Stadt um eine jähr⸗ liche Unterstützung des Unternehmens einzu⸗ kommen. Die Mitglieder des Vorstands und Verwaltungsrats hatten einstimmig erklärt, eine Wiederwahl ablehnen zu müssen, wenn ihre An⸗ träge fallen würden, da man beim Fortbestehen des seitherigen Betriebes die Verantwortung nicht weiter übernehmen könne. Stadtverordneter Loeber beantragte die Wahl des Vorstandes zu vertagen. Es wurde beschlossen, am Sams⸗ tag den 18. April eine weitere General-Ver⸗ sammlung einzuberufen, welche sich mit der Wahl des Vorstandes ꝛc. zu beschäftigen hat,

Gießen, 30. März. Am vergangenen Sonutag schloß die hiesige Gewerbeschule ihr Wintersemester durch einen vormittags im Schul⸗ hause stattgefundenen Schulaktus, dem eine an⸗ sehnliche Anzahl von Eltern beiwohnte. Die ausgestellten Arbeiten legen Zeugnis dafür ab, daß die Zöglinge der Schule Tüchtiges gelernt. Nachmittags versammelten sich die Schüler, deren Eltern und Lehrer im Café Ebel. Hauptlehrer Traber eröffnete die Feier mit einer Ansprache, die er mit einem Hoch auf den Landesherrn schloß. Hierauf folgten abwechselnd Musikvor⸗ träge, Gesang, die Deklamation des Gedichtes Die Glocke, sowie Vorträge über gewerbliche Erziehung und über die geschichtliche Entwickelung der Baudenkmäler. Wir wünschen dieser Lehr⸗ Anstalt ein ferneres Blühen und Gedeihen und wollen nicht unterlassen, die betreffenden Kreise, die jetzt vor der Frage stehen, was soll mein Sohn werden, gerade auf unsere Gewerbeschule ganz besonders aufmerksam zu machen, um dadurch vielleicht das Einschlagen eines falschen Weges zu verhindern.

* Gießen, 29. März. Nachdem sich die Verhandlungen hiesiger Metzger wegen

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Die ewige Lampe.

Novelette von E. Eschricht. 8(Fortsetzung.)

17 hiel ö Agrafina lehnte ganz bleich gegen die Wand labiersplcl. ihr stand das Herz still aber es war nicht lichen nung sreude sie weinte, sie weinte heiße Thräuen des

609 itleids; es dauerte sie der Pope und auch wirklich uus schöne junge Mädchen, ob es gleich Schuld par an ihrem großen Unglück! Ach nach Nowgorod s Kloster des Heiligen Geistes fortgewischt zen der Tafel der Lebendigen und Fröhlichen zurlos verschwunden! soviel Jugend, Schönheit

let Musllehres

8 ereien ud Liebe! Wie gewaltsam sie wohl das zarte ain iu he käubchen mit sich geschleppt hatten! Es ging wie , 57, i Schauder das alte Sprichwort durch ihre

Flieder, das die Schrecken der Gewaltthätigkeit dem 16 olke abgepreßt. Kto protiw Boga iwelikago e wgoroda? Wer kann gegen Gott und Groß Jowgorod? Sie kannte auch das strenge alte goster und die unerbittlichen Ordensregeln!

Der alte Mann vor ihr, nachdem er seines Antes gewaltet und seinen traurigen Bericht gemacht tte, sank förmlich unter ihren Augen zusammen.

Und sei barmherzig, Mütterchen, mit dem Vä⸗ 1 5 Rurik Maximowitsch, hilf ihm sein Kreuz agen!

Er neigte sich, verbeugte sich ganz tief und ging, Sie stand immer noch angelehnt; ihre Hände kalteten und ihr Blut rann langsam und stockend. War es nun wirklich zu Ende? Würde er

ihr zurückkehren und mit ihm wiederum Ord⸗

dung. Friede und Freude in das unglückliche Haus?

alt, das Leben vor ihr so unabsehbar lang sollte es so hoffnungslos auch weiter noch sich hin dehnen?

Zur Mittagstafel erschien Rurik wie immer; er hatte sein gewöhnliches undurchdringliches, höfliches Gesicht und begrüßte sie freundlich. Sie sprachen vom Wetter, von der Jagd und von den Krim kriegen. Bald verstummte das Geplauder und sie schwiegen ganz. Er schälte sich Obst und sie sah nun, wie er mit seinen Gedanken fort von hier war. Zuweilen fuhr ein Leuchten über sein Gesicht; seinen Lippen, ein wenig geöffnet, schien ein Name zu entschweben; seine Augen waren fast geschlossen; wie ein trunkener Taumel lag es auf seinen Zügen. Sie ballte die Hände und hätte sich auf ihn stürzen mögen heute haßte sie ihn!

Sie stieß plötzlich ihren Stuhl zurück und eut ferute sich rasch.

Aber am Abend, da er sich zu ihr an den Theetisch setzte, hinter das blinkende Samowar, da war etwas geschehen. Seine großen Augen starrten leer umher, ein kalter Schweiß perlte an seinen blassen Schläfen, und er sprach mit heißerem rauhem Ton. Plötzlich sprang er auf und lief hin und her; seine Brust arbeitete und er griff mehrmals in die Luft wie ein Geistesverwirrter.

Bist Du krank, Rurik Maximowitsch, soll ich zum Arzt schicken?

Er blieb stehen und lachte bitter.

Ja, ja ich bin krank Du wußtest es wohl, daß ich es bin, und Du hast gewußt, daß es mich

vom Herrenhaus kommen; die Hirten aber auf dem Felde, die haben heute Nacht das Geisterschiff mit den heiligen Frauen gesehen und den Schrei der Taube vernommen! Der Pope ist fort und sein Haus verschlossen und Du weißt alles!

Ja, sagte sie mit einem so kalten spöttischen Tou, daß sie nicht begriff, wo sie ihn hernahm, aber sie konnte nicht anders,ja, ich weis etwas; Saschinka kehrt nun niemals wieder; die heiligen Frauen haben fie abgeholt und aufgehoben.

Ein lchreckliches Zerren ging durch sein Gesicht.

Hast Du mir das gethan?

Nein; ich war das Leid nun schon gewöhnt der Pope hat den Metropoliten von St. Peters

burg angerufen; sie war sein einziges Kind und seine

Lebensfreude; aber er hat es dennoch gethan, denn Pflicht und Ehre waren lebendig in ihm! Gott wird barmherzig sein, und nehme ihre ver lorene Seele an

So so also lebendig begraben ist sie nun und auf ewig verloren!

Und so lang er war, warf er sich auf die Erde, schluchzte und raufte sein Haar.

Wie leideuschaftlich ee war, wie rücksichtslos und ohne Herrschaft über sich und das vor ihren Augen!

Und sie hörte die Stimme des alten Mannes:

Hilf ihm sein Kreuz tragen, Mütterchen! Es ist Zeit, sagte sie,daß Du Dich schämst! JEr sprang auf und lachte ihr wild ins Gesicht; plötzlich war er ganz ruhig.

manches Gelöbnis, das wir uns ablegen, wird Gießen, 30. März. In der General- Erlangung der Mitgliedschaft bei der Gießener ͤ Mein Gott, sie war noch jung, erst zwanzig Jahre] treffen mußte ich sah heute früh den PopenEs ist Zeit, daß ich mich schäme laß es

Dir nicht leid werden, Du Unbarmherzige!

Er verließ bald danach das Herreuhaus und sie sah ihn nicht wieder, Niem and sah ihn wieder. Sie schwieg und wartete in trotziger, falscher Ruhe.

Erst sechs Wochen später fanden sie eine Leiche in den Wellen der Lowat, ganz entstellt und ver wittert, fast unkenntlich.

Es hieß, er sei ein Selbstmörder. Agrafina widersprach nicht, Niemand widersprach, und der neue Pope, ein strenger Manu, ordnete an, daß der Leichnam an der Kirchhofsmauer beigesetzt wurde. Die Popin, eine fette, brutale Frau, erschien mit ihren sieben Kindern und holte sich Milchreis, Kuchen und Konfekt aus dem Sterbehause.

Was kann ich thun, fragte Agrafina den neuen Popen,um die verlorene Seele des Rurik Maxi- mowitsch zu retten?

Zünde eine Lampe an über seinem Grabe, aber habe Acht, daß sie niemals erlischt; damit auch in dunkelster Nacht das Licht leuchtet und die Heiligen die Stelle finden mögen, da seine arme Seele umirrt; sie werden Mitleid haben und mit ihren Fürbitten an die Barmherzigkeit des zürnenden Gottes rühren. Sie baute eine offene Schutzkapelle über seinem Grabe und das Lämpchen brannte Tag und Nacht. Jeden Tag füllte sie selbst das Oel auf und betete für ihn; aber ihr Herz lag ihr in der Brust wie

ein Stein. (Schluß folgt.)