Ausgabe 
30.12.1896
 
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Mächte der Finsternis.

Gießen, Mittwoch, den 30. Dezember

1896.

ische Landeszei

Poftztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Ausgabe

Gießen.

fung

Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.

Nedaktion: Kreuzplatz Nr. 4.

*

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen.

Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

5 2

Expedition: Kreuzplatz Nr. 4.

5 okales und Provinzielles.

Gießen, 29. Dez. Verzeichnis der zum steis Gießen gehörigen Gemarkungen id Gemeinden und Angabe der Ein⸗ zohnerzahl nach der Zählung vom 2. Dezember

g 0 * 1 ö

369 646 1083 262 1191 539

74 574 322 385 370

1034 490 62⁴ 234 682

10 41¹ 497

1410 796

Lollar

Londorf

Lumda(Groß- und Klein⸗Lumda)

Mainzlar Mühlsachsen

(Polizei-Komm.)

Mülnster

Muschenheim Hof⸗Güll

Nieder-Bessingen

Nonnenroth

Obbornhofen

Ober⸗Bessingen

Ober⸗Hörgern

Odenhausen Appenborn

Oppenrod

Queckborn

Rabertshausen(J.) Rabertshausen(II) Ringelshausen

Reinbardshain

Reiskirchen

Rodheim a. d. Horloff Graß

Rödgen

Rötbges

Rilddingshausen

Ruttershausen mit Kirchberg

Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wir⸗ berg

Stangenrod

Staufenberg Friedelhausen

Steinbach

Steinheim

Stockhausen

Trais⸗Horloff

Trais an der Lumda

Trohe

Utphe Feldheim(Feld

gemarkung)

Villingen

Watzenborn m. Stein⸗ berg

Weickartshain

Weitershain

Wieseck

Winnerod

378 451

10 5 62

28

3³8

364

557

387

321

290

10

311

596

143 22 16

287

75

304

22

648

260

70⁵

426

enhausen ern klar Hurlhardsfelden lumbach

chiffenberg mit Herruwald sbelnrod

449 308 619 31 979 490 133 339 1086 166 488

804 1585 356 924

2499 30

77 580 In 40 von diesen 93 Zählbezirken wurde gen die fünf Jahre vorher beranstaltete Volks⸗ Hung eine Abnahme der Einwohner fest⸗ ellt.

Gießen, 29. Dezember. Dem Vernehmen

h beabsichtigt einer unserer Wirte im Junern

Stadt einen großen Saal für gesellige nstaltungen zu erbauen.

l 255

Gießen, 28. Dez. Heute brach in der Nähe der Frankfurterstraße die Drahtseil bahn zusammen, ohne dabei irgend welchen Schaden zu verursachen.

* Gießen, 28. Dez.(Besitzwechsel.) Das Haus Ostanlage Nr. 15, bisher dem Weiß⸗ bindermeister Louks Helmold gehörig, ging für den Preis von 35000 l an Jean Reiß aus Lich über.

* Gießen, 28. Dez. Eine humorvolle Weihnachtsbescheerung hatte in diesem Jahr der Vorsitzende einer hiesigen Kegelgenossenschaft ver anstaltet. Er hatte gewünscht, daß die zur Ver⸗ losung kommenden Dedikationen gut, und soweit sie zerbrechlich, in Stroh verpackt, vorher in seiner, des Vorsitzenden, Wohnung abgeliefert werden sollen. Pfiffig lächelten die Kegelbrüder zu diesem Wunsche ihres Präsidenten. Am Morgen des Tages, an dem die Bescheerung vor sich gehen sollte, hielt vor dem Hause des Obersten der Kegelbrüder ein Rollwagen, beladen mit über einem Dutzend gewaltiger Kisten. Der Em⸗ pfäuger war nicht zu Hause, und der Führer des Frachtvehikels lud gemütlich seine großen, aber inhaltlich leichten Frachtstücke ab, er hatte gerade die letzte der Riesenkisten abgesetzt, da er⸗ schien der Kegelpräsident auf der Bildfläche und erfuhr, daß die aufgethürmten Kisten die Ge⸗ schenke zur Weihnachtsbescheerung von seinen lieben Kegelbrüdern enthielten. Der Präsident verweigerte die Abnahme der Sendung. Der Rollkutscher fuhr aber gemütlich von dannen, den wütenden Präsidenten mit den großen Weihnachtskisten zurück lassend. An der Ost⸗ anlage angekommen, verspürte der Fuhrmann ein menschlich Rühren, oder hatte er von seinen Auftraggebern andere Instruktion erhalten, genug, er kehrte um, fuhr wieder vor der Wohnung des inzwischen ruhiger gewordenen Präsidenten vor, lud die Kisten auf und schaffte diese in das Lokal, wo die Kegelbrüder am Abend das Weih⸗ nachtsfest begehen wollten. Bei der Auspackung der Kisten gab es manch heitere Szene und der Präsident soll Thränen dabei gelacht haben. Kinder, sagte er, so'n Spaß hab ich lange nicht erlebt, aber Weihnachten nächstes Jahr schickt mir die Geschenke nicht wieder ins Haus.

* Friedberg, 28. Dez. Heute verunglückte infolge des Glatteises 1 der hiesigen Station der Heizer Schuch. Die Räder eines Wagens gingen über den Bedauernswerten hinweg, sodaß er tot auf der Stelle blieb.

* Darmstadt, 28. Dez. Die Frequenz der teschnischen Hochschule ist im laufenden Semester derart gestiegen(die Zahl der Studieren⸗ den beträgt fast 1200), daß die Regierung ge⸗ nötigt ist, an den Landtag mit neuen An⸗ forderungen heranzutreten.

* Darmstadt, 28. Dez. Gestern Nach⸗ mittag wurde der plötzlich verstorbene Be⸗

triebsinspektor Römer der Hessischen Ludwigs⸗ bahn, eine wohlbekannte und beliebte Persönlichkeit, unter zahlreicher Beteiligung von Verwandten, Bekannten und Freunden zu Grabe getragen. Er stand in den 60 er Jahren und war 40 Jahre lang im Dienste der Bahn. Am 1. April sollte er in den wohlverdienten Ruhestand treten.

* Darmstadt, 28. Dezember. Dem Kellner Friedrich Kühne hier, einem geborenen Schweizer, wurden aus seinem Logierzimmer verschiedene Kleidungsstücke und seine Legiti⸗ mationspapiere, sowie auf den Namen des Kellners Gottlieb Maas lautende Arbeitszeugnisse entwendet. Der That verdächtig erscheinen zwei Zimmer⸗-Schlafgenossen Dachdecker Heinrich Haagen und Maurer Johann Steiger, beide aus Bingen, die sich unter Zurücklassung eigener Kleidungsstücke am Morgen nach dem Diebstahle entfernt haben. Das hiesige Polizeiamt hat steckbriefliche Verfolgung eingeleitet.

* Klein⸗Welzheim bei Seligenstadt, 27. Dezember. Großes Aufsehen erregt in der ganzen Umgegend die auf Requisition der Darm⸗ städter Staatsanwaltschaft gestern früh durch die Seligenstädter Gendarmerie erfolgte Ver⸗ haftung des hiesigen Beigeordneten Peter Rückert und seine alsbaldige Eskortierung nach dem Untersuchungsgefängnis zu Darmstadt. Der Festnahme des hochgeachteten und wohlhabenden Mannes liegt folgender Thatbestand zu Grunde: Rückert hatte vor einigen Wochen drei 15 Bewohner wegen nächtlichen Straßenskandals sowohl bei dem Polizeidiener Enge, als auch bei den Seligenstädter Gendarmen Eidemüller und Sandmann denunziert. Bei der Schöffen⸗ gerichtsberhandlung in Seligenstadt am vor⸗ letzten Donnerstag stellte er indessen, entgegen den eidlichen Zeugenaussagen der drei Beamten, unter seinem Eide jede Beteiligung an der Denunziation beharrlich in Abrede. Schon da⸗ mals wurde von dem Vertreter der Staatsan⸗ waltschaft die sofortige Verhaftung Rückerts wegen dringenden Verdachts des wissentlichen Meineides dem Gerichte zur Erwägung em⸗ pfohlen. Man sinnt vergeblich nach den Motiven, die den makellosen, in den 60er Jahren stehenden Beigeordneten veranlaßt haben mögen, wegen einer solchen Lappalie sein Gewissen mit einem Falscheid zu belasten.

* Romrod, 28. Dezember. Die Praxis für einen Arzt in Romrod erscheint nunmehr dauernd gesichert. Der hiesige Ortsvorstand hatte, unterstützt von sämtlichen Beamten, um Subventionierung der Arztstelle 0 und hat die Großh. Staatsregierung in dankenswerter Bethätigung ihrer Fürsorge dem entsprochen. Nunmehr dürften auch die Bestrebungen zur Wiedererlangung einer Apotheke(eine solche war früher hier) wieder in Fluß kommen.

Mainz, 28. Dez. In dem benachbarten

Hechtsheim fand gestern eine große Bau⸗ arbeiterversammlung statt, in der auch der von derFrankf. Ztg. bereits gemeldete Unfall, wobei ein Bauarbeiter seinen Tod fand, Anlaß zu einer heftigen Debatte gab, besonders weil die s. Zt. von den Bauarbeitern verlangten Schutzbestimmungen noch nicht in Kraft ge⸗ treten seien. Folgende Resolution wurde darauf einstimmig angenommen:Die heutige Ver⸗ sammlung spricht ihre größte Entrüstung aus, daß die Mainzer Stadtverordneten bis jetzt noch keine Schritte gethan haben, um die traurigen Zustände, die im Baugewerbe herrschen, zu be⸗ seitigen, und macht dieselben für alle Unfälle, die seit Einreichung unserer Schutzbestimmungen vorgefallen sind und weiter vorfallen, verant⸗

wortlich. Vermischtes.

Wunderliche Käuze. Wie eine Zuschrift im Dezemberheft derMetaphysischen Rundschau bekundet, hat sich neuerdings in Berlin einBund der Mystiker gebildet. Die originellen Brüder stellen als neueWelt⸗ anschauung etwa folgende Thesen auf: Gott hat Welt und Menschen in vollendeter Schönheit geschaffen, im Lauf der Jahrtausende ist diese Schönheit verloren ge⸗ gangen, es ist aber unsere Pflicht, sie wieder herzustellen. Der Umschwung zum Guten kommt nicht allmählig, sondern wird mit einem Male da sein, jeder denkende Mensch muß sich indessen würdig auf ihn vorbereiten. Diesewürdige Vorbereitung besteht nun nach Anga be des Vorsitzenden, eines Herrn Z. in der Bernauerstraße, vorerst im Lossagen von allem Luxus, wogegen sich ja nichts einwenden läßt. Nebenbei haben die Herrschaften aber auch noch allen Fleischspeisen und allen narkotischen Genüssen zu entsagen, das Bier zu vermeiden und nur vom einfachsten Gemüse zu leben. Die Kräuter dazu haben sie selbst zu suchen!!! Wer es will, kann auch noch das Gelübde der Keuschheit ablegen!!! Die guten Leute scheinen von der Sorte zu sein, welche öffent⸗ lich Wasser predigt und heimlich Wein triukt.

Heldenmut der Mutter. Eine heldenmütige That wird aus Neu⸗Caledonien berichtet: Der fran⸗ zösische Ansiedler Rouel bewohnte mit seiner Familie die kleine in der Nähe von Numea gelegene Insel Bailly und betrieb hier eine Farm. Vor einigen Wochen schiffte er sich mit zwei Gehülfen auf seinem Kutter ein, um auf Neu⸗Caledonien Einkäufe, namentlich an Lebensmitteln, zu machen. Auf der Rückfahrt war das Ziel bereits in

Sicht, als eine Sturzwelle das Fahrzeug zum Kentern brachte; alle drei Insassen fanden nach verzweifeltem Ringen vor den Augen der am Ufer harrenden Familie ihren Tod in den Wellen. Was das Unglück noch größer machte, war der Umstand, daß Frau und Kinder an Nahrungsmitteln fast nichts mehr besaßen. Nun galt es, nicht zu verzweifeln, sondern auf Rettung zu sinnen, Mit Hilfe der fünf noch im jugendlichen Alter stehenden Kinder errichtete die mutige Frau Signalstangen und zündete große Holzhaufen an, um bei Tag und Nacht etwa porüberfahrende Schiffe aufmerksam zu machen. Alles war umsonst, elf bange Tage verstrichen, und die Not. der darbenden Kinder stieg aufs höchste. Da kam ihr ein Gedanke; nach einigen weiteren Tagen vergeblichen

Roman von Helmuth Wolfhardt. 5(Fortsetzung.) Jas sagte Bernhard, unfähig, sich ganz zu errschen.Ohne daß Sie selber wohl nur das

kingste ahnten, waren Sie der Schutzgeist und

gate Stern meines Lebens. Wie ich nach dem übahnunglück von Ragosewo die Kraft gefunden mit totmüden Füßen eine ganze Nacht hin⸗

u marschieren, nur weil mich der Wunsch Ihnen so schnell als möglich Beistand zu fen, so fand ich auch die Kraft, meinen ligen Studienweg zurückzulegen, weil doch

Dingen unterhalte, die kaum ein wirkliches

ö g 13 um Verzeihung, daß ich Sie fortwährend

sse für Sie haben werden.

Warum vermuten Sie das? Und warum sind so fest davon überzeugt, daß ich Sie in acht 19 unserer Trennung ganz vergessen habe? Ich se, wir hätten uns damals das Versprechen ge⸗

ekt

8 Freunde zu bleiben? 0

Ein Versprechen, an das Sie sicherlich nicht n waren, Fräulein Elisabeth! Sie lebten im es Reichtums und gehörten einem Gesell⸗ se an, der auch noch heute kaum der st. Neue und glänzendere Bekanntschaften, inzwischen unzweifelhaft gemacht haben, ie meiner bedeutenden Persönlichkeit nur is derjenigen eines armen, unwissenden und Knaben gedenken lassen! Wäre es da nicht ärrisch gewesen, wenn ich auf ein Versprechen e, daß Sie vielleicht in kindischer Un⸗

des Lebens gegeben? 5 licher die liefe Bewegung seines Herzens uck seiner Worte offenbar wurde, desto en ihre Befangenheit und ihre Verwirrung lichen, sonnigen Heiterheit. 5 eigentlich nichts weniger als ein

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Kompliment, daß Sie mir da machen, sagte sie, und ich müßte Ihnen böse sein, wenn ich die Ge⸗ wißheit hätte, daß es Ihnen wirklich so ganz ernst damit ist. Aber, offen gestanden, ich glaube nicht recht daran, daß Sie eine so geringe Meinung von mir haben. Sie möchten mich nur herausfordern, Ihnen ausdrücklich zu versichern, daß sich in meinen freundschaftlichen und dankbaren Gesinnungen gegen Sie dadurch, daß wir inzwischen ein wenig älter geworden sind, auch nicht das Allergeringste ge ändert hat.*

Sie errötete ein wenig unter seinen Blicken, und niemals hatte Bernhard ein liebreizenderes Lächeln gesehen, als es ihr Antlitz in diesem Moment ver⸗ schämte. Sie waren stehen geblieben und der Chef⸗ Ingenieur vergaß in einem Augenblick, daß sie viel⸗ leicht von einer ganzen Anzahl neugieriger Augen beobachtet wurden. Er ergriff die Hand seiner Be⸗ gleiterin, und ohne daß Elisabeth ihn daran ge⸗ hindert hätte, führte er sie an seine Lippen.

Wie glücklich machen sie mich! flüsterte er mit warmer Innigkeit.Wie soll mir die Erinner⸗ ung an diesen Tag gesegnet sein!

Und da Sie mir nun hossentlich glauben werden, daß Ihre Mitteilungen mich wirklich und wahrhaftig interessieren, fuhr sie tapfer fort, zso dürfen Sie jetzt auch den Satz vollenden, den Sie vorhin aus einer so unbegründeten Befürchtung ab⸗ brachen. Ich bin nun einmal eben so neugierig wie alle anderen Evastöchter, und ich möchte gar zu gern wissen, wie ich es fertig gebracht habe, Ihr Schutzgeist zu werden.

Da verließ ihn auch der letzte, mühsam be wahrte Rest seiner Selbstbeherrschung. Er um⸗ schloß die kleine, zierliche Hand mit noch festerem Druck als zuvor, und indem er sein Haupt nahe dem Ihrigen neigte, antwortete er:

Sie würden sich einer wirklichen Grausamkeit

schuldig machen, Elisabeth, wenn es Ihnen jetzt darum zu thun wäre, Ihren Scherz mit mir zu treiben. Gott ist mein Zeuge, daß ich in dem Augenblick, wo ich Sie wiedererkannte, nicht die vermessene Absicht hegte, Ihnen ein Geständnis zu machen, wie ich es nun nicht länger zurückzuhalten vermag. Sie sind der gute Genius und der leitende Stern meiner harten Lehrjahre gewesen, weil nun, weil ich Sie liebte, aus vollem, tiefsten Herzen liebte von der Stunde an, da Sie mir in Ihrem dünnen Kleidchen frierend, scheu und verschüchtert im Eisenbahnwagen gegenüber gesessen hatten. Wenn ich seit jener Stunde irgend etwas gethan oder errungen habe, auf das ich heute stolz sein dürfte, so ist es nur der Gedanke an Dich, Elisabeth, gewesen, der mich dazu geleitet, gestärkt und er⸗ mutigt hat. Meiner stillen Liebe zu Dir und der Hoffnung, Dich dereinst mein Eigen zu nennen, verdanke ich Alles, was ich bis zu diesem Tage ge⸗ worden bin. Willst Du, daß ich diese süße Hoff nung, die Hoffnung meines Lebens, nun für immer begrabe?

Eine so uuumwundene und so stürmische Er- klärung hatte sie wohl nicht erwartet; aber es war auch ebenso wenig ihr Wunsch gewesen, ein kokettes Spiel mit ibm zu treiben. Zum dritten Mal war es der Zufall, der sie mit ihm zusammenführte, und zum dritten Mal war es nur eine scheinbar flüchtige und oberflächliche Begegnung. Für Elisabeth aber hatten diese flüchtigen Begegnungen hingereicht, einen vollen Blick zu thun in die schlichte Wahr⸗ haftigkeit seines Charakters und in den Reichtum seines warmen, ehrlichen Herzens. Darum bedurfte sie keiner Bedenkzeit und sie hatte nicht den Wansch, sich hinter eine verlegen ausweichende Phrase zu flüchten. Freimütig sah sie zu ihm auf, und ihre Augen wie ihre Lippen antwortete ihm mit einem fröhlichen und gut genug verständlichen:

Nein!

Mein Lieb! jubelte Bernhard. angebetete Braut!

Und obwohl sie sich unter freiem Himmel be fanden, mußte Elisabeth es wohl geschehen lassen, daß er ihre schlanke Gestalt an sich zog, und daß er herzhaft ihr frisches, rotes Mündchen küßte. Als sie zdann mit äußerster Langsamkeit nach der Maschinenhalle zurückkehrten, dachte Bernhard natürlich nicht mehr daran, den weichen, lebens- warmen Arm freizugeben, welchen er auf dem seinigen fühlte, und es drang durchaus keine ernst⸗ hafte Besorgnis aus seinen Worten, als er sie fragte:

Und was wird Dein väterlicher Wohlthäter, wird Herr Rodewald sagen, wenn ein armer Teufel meines Schlages mit der ausgesprochenen Absicht vor ihn hintritt, ihm sein köstliches Kleinod zu ent führen?

Ich glaube nicht, daß wir eine schreckliche, dramatische Szene zu fürchten haben, Bernhard, erwiderte sie lächelnd.Niemand kann hochherziger und freier von kleinlichen Vorurteilen sein als er. Wohl bin ich in meinen Handlungen ganz von seinem Willen abhängig, denn er hat sich nicht da⸗ mit begnügt, mein Vormund zu sein, sondern bat mich in aller Form als seine Tochter adoptirt. Aber als mir ein junger Herr unserer Bekannt schaft vor einiger Zeit die Ehre erwies, sich um meine Hand zu bewerben, erklärte er mir ausdrück lich, daß er nicht gesonnen sei, bei der Wahl meines Gatten jemals einen Zwang auf mich zu üben, und daß er keinen anderen Anspruch an seinen künftigen Schwiegersohn erheben werde als denjenigen persönlicher Ehrenhaftigkeit und Tüchtig⸗ keit. Davon allerdings, fügte sie mit lustiger Schelmerei hinzu,wird er sich schwerlich etwas

Meine teure,

abdingen lassen.(Jortsetzung folgt.)