Gießen, Freitag, den 30. Oktober
1896.
r ede* N 9 bende . N mm. auen man n 49 na ö degey dit 1 Vale Posiztg. Nr. 3230 0 gen ü Telephon⸗Rr. 112. Polizia Nr 2 11e r ihn N Telephon⸗Nr. 112. e 1 e in 0 3 7 2 5 ae f. 1. 5 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: de dlz N 1 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 20 Kreuzplatz Nr. 4. N f 1 4 5 f 2 Fi f 3 büwerfsan 1 Lokales und Provinzielles. fund 1 sich in Begleiiung der Mutter be⸗ In fast gleichem Tempo ist die Zahl der Kur⸗ die den Beamten in den letzten drei Jahren aus⸗ agen win 85 f 1 ief in einem unbewachten Augenblick unter] gäste vorangeschritten, im Jahr 1896 betrug sie bezahlt wurde. ten, much Gießen, 29. Oktober. Die Zweite 115 Fuhrwerk. Nach Angabe der Augenzeugen 15250. Der Bau des sechsten Badehauses mit* Mainz, 27. Okt. In den ersten Tagen % hessische Kammer dürfte vorausfihtlich Ende rifft den Fuhrmann keine Schuld. 60 Zellen ist bekanntlich bereits in Angriff ge- des Jahres 1894 brannte bekanntlich das November oder in der ersten Hälfte des Dezember Gießen, 29. Okt.(Diebstahl.) In nommen; ein Bassin soll angelegt werden, um]„Stammhaus der Mutter Gutenbergs“, das 9 Ache zu einigen 71 8 5 einberufen werdeu, um sich des Nan zn konstituieren, die verschiedenen Ausschüsse zu onstkren nl pählen und sich dann bis anfangs Februar zu atsgeer d berktagen. Da sich das Stimmverhältnis in der 1 dünne fammer nach den letzten Wahlen zu Ungunsten , der Nationalliberalen verschoben hat, darf man . Cine g mit Interesse der Wahl des Bureaus, sowie der lach den zen berschiedenen Ausschüsse entgegensehen, da sich chen, 15 bereits hierbei zeigen wird, ob die bisher allein
en. dean hleerschende Partei gewillt ist, auch den Minori⸗ ude 6 llätsparteien die ihnen gebührende Vertretung zuzugestehen, oder ob die Opposition sich solche auch gegen die Nationalliberalen zu erringen bermag. Ganz besonders darf man auf die Präsidentenwahl gespannt sein.
* Gießen, 29. Oktober. Zahlung von
he Beblls 9 Krankenkassenbeiträgen ausstädtischen
5. Der Abheah
en Stel,%% Mitteln während der Arbeitslosigkeit. hatte, sch ue Einen bemerkenswerten Beschluß hat die soziale
ommisston der Stadt Krefeld gefaßt. Diese
oktober, wird bis auf weiteres den dort arbeitslos
werdenden Arbeitern die Rechte des Kranken⸗ hersicherungsgesetzes dadurch erhalten, daß sie ihnen aus einem zur Verfügung stehenden Fonds
noch bestaphh
—..—
— 5 U die vollen; statutarischen Krankenkassenbeiträge b zum Zwecke der freiwilligen Weiterversicherung e 05 1 1 0 0 0 sind die Anträge binnen einer Woche nach Eintritt der rrbeitslosigkeit bei dem Rendanten der betreffen⸗
den Krankenkasse einzureichen. * Gießen, 29. Oktober. Die Schlier⸗ seer haben nunmehr ihre Gastspiele beendet. Mit dem oberbayerischen Volksstück„Der Herr! ottschnitzer von Ammergau“ hat die Künstlertruppe gestern Abend noch einen der⸗ artig stürmischen Beifall errungen, wie er während ihres Hierseins nicht reichlicher hätte gespendet werden können. Man merkte so recht, daß in Gießen die Schlierseer liebe Gäste ge⸗ worden sind, die das Publikum höchst ungern scheiden sieht. Wir rufen ihnen daher ein herz⸗ liches„Auf Wiedersehen!“ nach. Gießen, 29. Okt.(Stadttheater.) Wie wir bereits gestern an dieser Stelle er⸗
20 Pfg. wähnten, soll am Freitag, den 30. Oktober, der „ an neue Bossu⸗Delavigne'sche Schwank„Die l Dragoner“ zur erstmaligen Aufführung ge⸗ 50„ langen.„Die Dragoner“ wurde auf vielen f Bühnen, und zwar stets mit großem Erfolge, 92„ gegeben und von der Kritik auf das günstigste
24„ rezensiert. f 10 Pig. an Gießen, 29. Oktober.(Vieh markt.) (a0) Auf dem gestrigen Viehmarkt wurden 546 Stück Rindvieh und 881 Schweine angetrieben. Der
Handel war lebhaft.
Gießen, 29. Oktober.(Unglücksfall).
a Air Nachmittag wurde in der Wetzsteingasse
vergangener Nacht wurde in eine Wohnung am Nahrungsberg eingebrochen und aus dem Schlafzimmer eines Gehilfen mehrere Sachen
entwendet. Der Bestohlene, welcher in dem Zimmer schlief, hat den unbekannten Dieb nicht wahrgenommen. Als er morgens erwachte, merkle er nur den Verlust seiner Sachen. Gießen, 29. Oktober. Bei der gestrigen Ziehung der Friedberger Pferdemarkt⸗ Lotterie fiel ein Hauptgewinn in die Kollekte des Herrn Richard Buchacker hier und zwar auf das Loos Nr. 9952.
Wr. Londorf, 29. Okt. Gestern Abend hat hier der von den Sozialdemokraten als Kandidat aufgestellten Redakteur Scheidemann aus Gießen eine Versammlung abgehalten. Der Besuch derselben war ein sehr guter. Wir teilen nicht die Ansichten des sozialdemokratischen Kandidaten, geben aber gerne zu, daß sein Vor⸗ trag durchaus sachlich war und zweifellos einen nachhaltigen Eindruck auf die Versammlung machte. Die sozialdemokratischen Stimmen werden sich auch hier vermehren. Viele Wähler sagen: uns haben die Freisinnigen nicht geholfen, da haben wir es mit dem Herrn Köhler versucht. Da auch der nichts für uns gethan hat, wird diesmal der Sozialdemokrat gewählt. B. Steinbach(Kr. Gießen), 28. Okt. In unserem sonst so schön gelegenen Ort herrscht seit Menschengedenken ein übel empfundener Miß⸗ staud. Im unteren Teile des Dorfes rechts be⸗ findet sich ein großer Flutgraben, in dem sich Schlamm und dergl. meterhoch ansammelt. Das Mißlichste dabei ist nun, daß der Graben auf der einen Seite ganz offen, während die andere Seite nur mit einem mangelhaftem Spalier ver⸗ sehen ist. Nicht allein Vieh, wie Schweine und Schafe sind in diesem Morast in zahlreichen Fällen umgekommen, auch Kinder sind wieder⸗ holt hineingestürzt und haben in größter Lebens⸗ gefahr geschwebt. Neuerdings ist wieder ein Pferd auf dem oberen Teil des Grabens, welcher vor den Häusern mit leichten Holzbrücken ver⸗
die umliegenden Bewohner
Abhilfe dringend nötig. Bad Nauheim, 28. Okt.
tausend Bäder erreicht, 13½ Tausend überschritten.
dahier ein fünfjähriges Kind von einem fremden Fu 9 8 5 und verletzt.
tausend Bäder wurde im Jahre 1889 erzielt
sehen ist, eingebrochen und schwer verletzt worden, sodaß es auf längere Zeit unbrauchbar wurde. Der sanitäre Mißstand ist aber der, daß der Graben nur jedes Frühjahr gereinigt wird, wobei man den Schlamm, in. dem sich nicht selten die Kadaver krepierter Tiere vor⸗ finden, einfach auf die Dorfstraße wirft, sodaß den Modergeruch, dessen Gesundheitsschädlichkeit gewiß Niemand anzweifeln wird, einatmen müssen. Hier wäre
Am vorigen Donnerstag wurde das zweite Hundert⸗ das Vorjahr ist um Das erste Hundert⸗
die abfließende Nachtsoole zu sammeln und durch geeignete technische Vorkehrungen deren Natur⸗ wärme und Kohlensäuregehalt nach Thunlichkeit zu erhalten. Es läßt sich dann vorausstchtlich der Betrieb besonders bezüglich der Sprudelbäder noch ganz erheblich steigern.
* Bad Nauheim, 28. Okt. Ein reicher Deutsch⸗Russe, Rentner Heinrich Kron, der hier mit einer Villa angesessen und dermalen in Nizza wohnhaft ist, hat anläßlich der neulichen Pariser Feste der Stadt Nizza den Betrag von 125000& für eine Kinderschule geschenkt.
* Hirschhorn, 26. Oktober. Rheinhessische Weinhändler und Weinproduzenten ließen in den letzten Tagen hier und in der Umgegend Natur⸗ wein zu 180 bis 200 und gut verzuckerten Wein zu 220 bis 250. pro Stück= 1200 Liter anbieten. Demnach scheinen auch wir in hiesiger Gegend sehr billigen Wein zu bekommen, was für die Bierbrauer nicht besonders erfreulich sein dürfte.
* Mainz, 27. Oktober. In der gestrigen Sitzung der städtischen Wasserversorgungskom⸗ mission erstatteten die von der Stadt berufenen Sachverständigen, Herren Baurat Thiem Leipzig, Professor Dr. Gaffky-Gießen und Privat⸗ dozent Dr. Kruse⸗Bonn, Bericht über die bis⸗ herigen Wasserbohrversuche in der Jungen⸗ felder Aue. Dieselben sind namentlich in quan⸗ titativer Hinsicht recht zufriedenstellend aus⸗ gefallen, und wenn die jetzt vorzunehmenden Qualitätsproben gleichgünstige Resultate ergeben, so dürften die Zweifel an der Verwendbarkeit der dortigen unterirdischen Grundwasserströme gehoben sein.
* Mainz, 27. Okt. Die von hier aus gehende Bestrebung, in ganz Rheinhessen die Sonntags ruhe einheitlich zu gestalteg, so daß beispielsweise die Geschäftslokale des Sonntags Nachmittags von 2 Uhr ab geschlossen bleiben, findet in den anderen Kreisen unserer Provinz
unter dem Namen„Kasino zum Guten⸗ berg“ weithin bekannte Gebäude in der Schusterstraße vollständig nieder. Die Kastno⸗ gesellschaft erwarb darauf das auf der Großen Bleiche gelegene Wolf-Metternich'sche Gebäude und auf diesem ausgedehnten Terrain wurde ein neues„Kasino zum Gutenberg“ erbaut. Vor Kurzem wurde der Prachtbau, der eine herrliche Zierde unserer Vaterstadt ist, fertiggestellt, und heute Nachmittag fand in Gegenwart einer An⸗ zahl geladener Gäste eine Besichtigung des Ge⸗ bäudes in allen seinen Räumen statt. Sämt⸗ liche Säle sind ebenso praktisch wie elegant ein⸗ 0 1 und bilden eine Sehenswürdigkeit unserer adt.
* Alzey, 27. Oktober. Von dem Neubau des Kreisamtsgebäudes ist gestern ein jugend⸗ licher Maurer abgestürzt und fand sofort den Tod.— In einer sehr zahlreich besuchten Ver⸗ sammlung beschloß der hiesige Gewerbeverein nach Referaten der Herren Rechtsanwalt Calman und Beigeordneten Wolf dahier gegen die Vor⸗ schläge der Städte Mainz und Worms wegen Abänderung der Sonntagsruhe Prolest zu erheben, es dagegen bei der Einführung in den Städten Alzey, Bingen und Oppenheim zu belassen. In letzterer Stadt schließen die Laden⸗ geschäfte um 4 Uhr Mittags, während in Mainz und Worms um 1 bezw. 2 Uhr Mittags ge⸗ schlossen werden muß.
* Bingen, 28. Oktober. Die Köln⸗Düssel⸗ dorfer Dampfschifffahrts⸗Gesellschaft hat ihre Rheinflotte wieder um einen neuen stattlichen Dampfer vermehrt. Das Schiff, das gestern reichgeflaggt auf seiner ersten Bergreise die hie⸗ sige Stadt passterte, führt den Namen, Deutsch⸗ land“ und ist nur aus deutschem Matertal er⸗ baut. Es ist das größte Fahrzeug dieser Gesellschaft und dient zur Personen- und Güter⸗ beförderung.— Infolge des überreichen Herbst⸗ ertrages ist der Preis der Fässer abermals
keine Anhänger. So war in Alzey eine Ver⸗ sammlung Gewerbetreibender, die eine Resolution faßte, wonach eine energische Agitation in allen Orten der Kreise Alzey, Bingen und Oppenheim in Scene gesetzt werden soll, damit die Geschäfts⸗ zeit des Sonntags bis um 4 Uhr Nachmittags ausgedehnt bleibe.
* Mainz, 28. Oktober. Bisher erhielten eine größere Anzahl Beamte der Hessischen Ludwigs⸗Eisenbahn aus den Reinüber⸗ schüssen der Bahn besondere 1 0 als Tan⸗ tiémen ausbezahlt. Da nun bei der Verstaat⸗ lichung der Bahn diese Bezüge fortfallen, die Beamken aber in ihrem Einkommen nicht gekürzt werden sollen, werden diese Tantiemen den Beamten in der Form einer persönlichen Zulage bewilligt werden. Diese persönliche [Zulage soll aus der Durchschnittssumme bestehen,
bedeutend gestiegen. Ein Stückfaß kostet jetzt rund 100 KA.
Vermischtes.
— Eine Teufelsaustreibung in der Pfalz. Aus der Rheinpfalz wird der„Kleinen Presse“ vom 22. Oktober geschrieben: Von einer Teufels⸗Austreibung wird aus Thalfröschen bei Pirmasens gemeldet: Dort be⸗ findet sich eine geistesgestörte Frau, welche nach der Ent⸗ deckung eines gewissen Val. Stumpf vom Teufel besessen sein soll. Um nun diesen Bösen auszutreiben, machte er sich gemeinsam mit seinen Freunden und einer Anzahl von Pirmasens hinzugezogenen Bekannten ans Werk. Die Beschwörung begann unter Singen und Beten, während der V. Stumpf beständig aufs Bett schlug und dem Teufel die Worte zurief:„Mache Dich hinaus, Satanas, fahre zur Hölle, fahre in die tiefste der Tiefen.“ Trotz mehrmaliger Wiederholung der Prozedur soll der Teufel noch keine Anstalten getroffen haben, zu verschwinden.
hrwerk überfa Das ————— Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben , von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Ich that es unverzüglich, denn ich mußte ge⸗ wärtig sein, daß er mir auf diesem Wege folgte. Jedenfalls durfte ich es nicht wagen, hier wieder aufzusteigen. 5 Ich hoffte, einen entfernteren Ausgang zu finden,
hu wie es ja gestern Nacht an anderer Stelle auch 5 geschehen war. f Dann wollte ich nach meinem Pferd eilen und den de Ort sogleich 1 0 5 0 4 is jetzt hatte der Unmensch nur Umrisse einer zteligs 00 Gestalt gesehen.
1 Mehr durfte er auch nicht erkennen, wenn ich
auf der Milton⸗Park. Station mit Erfolg wirken und vor seiner Mordwaffe sicher sein wollte. QO3ch betrat hier den sich öffnenden Gang. 0 Da ich früher, wie schon erwähnt, selbst auf den Goldfeldern gearbeitet hatte, war mir diese AUlnmgebung nicht fremd. 4 Mein Erstes war wieder, Zu entledigen. 5 Alͤlcs ich mich dann zehn Schritt weit in die Sscollen hineingetastet hatte, machte ich Licht.
g Nun ging ich rasch vorwärts und während des 00% Hinschreitens ließ ich nach einander die vorhin ge⸗ sammelten weißen Steine fallen..
So konnte ich mich ganz sicher an den Einfahr⸗ ht zurückfinden, wenn ich keinen anderen Aus⸗ and.
mich meiner Stiefel
Ab und zu blieb ich stehen, um zu lauschen. Ich hörte nichts. Es war kaum anzunehmen,
konnte er hier nicht eindringen.
den zweiten Einfahr⸗Schacht kannte.
Dann hatte ich wenig zu hoffen. 1
Ich schweige von der Länge und den Mühselig keiten des Weges.
Auch er fand sein Ende. 5 g
Eine kurze Strecke ging es hier steil bergauf dann sah ich über mir den Nachthimmel, von Busch werk umgrenzt.
Um mich gegen ich eine List. als er mir vom Kopf geschossen worden,
bald hierin, bald dorthin wendend. Alles blieb still.
einen raschen Umblick zu nehmen. 5 Meine Lage konnte nicht günstiger sein.
zunächst der sanft aufsteigenden Thalwand, welch mit Strauchwerk dicht bewachsen war.
Oben begann der Wald.
Es war dieselbe Thalseite, auf welcher mein Hütte gelegen war.
dann im weiten Bogen auf jene zuzusteuern. Es war kaum anzunehmen, daß der Bewohne
daß mein Verfolger eine Laterne bei sich hatte, und ohne eine solche
Etwas Anderes war es, wenn er die Mine und
Ueberraschung zu sichern, ersann Ich pflanzte meinen Hut, den ich, natürlich
wieder aufgerafft hatte, auf einen, Stock und hob diesen falschen Kopf über den Grabenrand, ihn
Nun erst erhob ich die Augen zur Erdhöhe, um
Ich befand mich hier am Ausgang der Schlucht,
Ich schlüpfte hinaus und den Berg hinan, um
der toten Schlucht diesen oberen Ausweg nicht kannte. Er traute mir wohl kein solches Wagnis zu und suchte mich noch unten zwischen den Büschen und in den Gruben, oder er hatte im fern sich be⸗ wegenden Schatten überhaupt nur ein Tier gesehen.
Der Schuß kam aus ziemlicher Entfernung.
Ohne weiteren Zwischenfall erreichte ich die Hütte, nachdem ich zuvor die Stelle ausfindig ge— „macht hatte, wo mein Pferd ruhig graste.
Ich holte Sway und Sattelzeug herunter, ver⸗
barg die Leiter, um mir dieses Versteck offen zu „halten, und stahl mich leise hinweg. 8 Nach einer weiteren Viertelstunde ritt ich aus dem Wald, um zunächst eine südliche Richtung zu verfolgen. Am anderen Tag Mittags langte ich von der der toten Schlucht entgegengesetzten Seite auf der Milton⸗Park⸗Station an. Es war das ein prächtiger Landsitz, eine schloßartige zweistöckige Villa aus weißem Sandstein inmitten eines großen, tief schattigen Gartens, den sie überragte.
Wein und Passionsblumen rankten sich an der mit Glas gedeckten Veranda empor.
Düstere Cypressen und Maulbeerbäume hoben sich scharf von den im Sonnenlicht förmlich strah— lenden weißen Sandsteinmauern ab.
Ein reicher Figuren⸗Schmuck krönte das Ge⸗ simse, ein in Australien ganz ungewohnter Anblick. e Noch mehr verwunderte ich mich, als ich auch im Garten Bildwerke und eine erloschene Wasser— kunst sah.
Der Wald ringsum war ein sogenanntes Park— r land. Die Wirtschafts-Gebäude lagen etwa eine
E
Viertelstunde weit von der Station entfernt und waren vom Herrschaftshaus aus nicht sichtbar.
Mit militärischem Scharfblick erfaßte ich sofort alle Vorteile und Schwierigkeiten, welche mir aus dem Terrain erwachsen konnten.
Ich mußte suchen, einen Dienst im oder beim Hause zu finden, in welcher Eigenschaft, das war mir gleich. Da hinten bei den Wirtschafts⸗Ge⸗ bäuden hätte es nichts zu spionieren gegeben.
Ich richtete nun mein Augenmerk in erster Linie auf das Herrenhaus.
Die Bewohner waren zwei Damen, eine ältere und eine jüngere, Mutter und Tochter.
Da wäre wohl vor allen Dingen ein gefälliges Aeußere am Platz gewesen, um die Sympathie der einen oder der Anderen zu gewinnen.
Auf diese Empfehlung mußte ich jetzt leider ver⸗ zichten. Meine schmucke Uniform hing zu Haus am Nagel, und die wäre hier auch die schlechteste Empfehlung gewesen. Ich hatte allerdings noch ein sauberes Hemd in meinem Sway verpackt, sowie Seife, Kamm und Bürste.
Ein nahes Wasserloch konnte mir als Wasch— becken, Spiegel und zum Reinigen meiner Stiefel dienen.
Ohne Säumen machte ich Kehrt, um mich, so gut es eben ging, äußerlich in eine bessere Ver— fassung zu bringen! Das war schnell gemacht.
Ein hohler Baumstamm diente mir als Zelt. Frischer und hoffnungsreicher ritt ich nun nochmals dem Haus zu.
(Fortsetzung folgt.)
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