Ausgabe 
30.9.1896
 
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halb müßten ihm mildernde Umstände bewilligt werden. Nach erfolgter Rechtsbelehrung zogen sich die Geschworenen zu einer etwa halbstündigen Beratung zurück, worauf der Obmann, Domänenrat Brumhard-Gedern, den Wahr⸗ spruch dahin verkündet, daß sämtliche drei Schuldfragen bejaht, dem Angeklagten auch bei Frage 1 und 3 mildernde Umstände bewilligt seien. Staatsanwalt Zimmermann beantragte hierauf wegen Brandstiftung 1 Jahr, wegen Sachbeschädigung 4 Monate und wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt 1 Monat, oder in eine Gesamtstrafe von 1 Jahr 3 Monate Gefängnis für den Augeklagten, demselben auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre abzuerkennen. Demgemäß erkennt auch der Gerichtshof.

Gießen, 29. September.

Der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Möbius eröffnete heute Vormittag um 9 Uhr die Sitzung. Nach Bildung der Geschworenenbank, wobei in Rücksicht auf die auf 2 Tage berechnete Sitzung ein Ergänzungs⸗Geschworener mit ausgelost wird, wird in die Verhandlung gegen den Land⸗ wirt August Hofmann von Wünschenmoos wegen be⸗ trügerischen Bankerotts eingetreten. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Verteidigung Justizrat Rechts⸗ anwalt Reatz. Es sind 28 Zeugen zu vernehmen. Der

Thatbestand der Anklage ist der folgende: Der Angeklagte übernahm vor mehreren Jahren das väterliche schulden⸗ freie Gut in Wünschenmoos bei Herbstein. Der Vater blieb im Auszug bei dem Sohne wohnen. Durch Un⸗ glück unter dem Vieh, durch verhälnißmäßig hohe Aus⸗ zugsbedingungen ꝛc. geriet der Angeklagte immer mehr in Geldverlegenheit, so daß derselbe anscheinend unter Vornahme von Scheinverkäufen verschleierte Darlehnsge⸗ schäfte machte, die eine Höhe von mehreren Tausend. erreichte. Das 24 Morgen große Gut wurde bald mit Hypotheken überlastet, worauf dann die Pfändung des Viehes folgte, sodaß der Gerichtsvollzieher täglicher Gast in des Angeklagten Hofraithe wurde. Um diesem qual⸗ vollen Dasein ein Ende zu machen, ging derselbe an das Amtsgericht Herbstein, um seinen Konkurs anzumelden. doch verlangte man außer einem Vermögensverzeichniß einen Kostenvorschuß von 100/ Diesen Vorschuß zu leisten war Hofmann gar nicht mehr in der Lage und so unterblieb der Konkurs. Da ein gerichtliches Verteilungs⸗ verfahren vereitelt war, so ging der überschuldete Hofmann da⸗ ran, seine fahrende Habe unter seine Gläubiger zu verteilen. Er verkaufte alles, was zu Geld zu machen war, und be⸗ friedigte damit ausschließlich christliche Gläubiger, indem er, wie die Anklage behauptet, damit beabsichtigte, seine jüdischen Gläubiger zu benachteiligen. Er gab auch Mo⸗ bilien an Zahlungs statt. Mitte Januar 1896 meldeten mehrere Gläubiger den Konkurs an und zwar Feist Som⸗ mer und Markus Baer, welche von dem Treiben ihres Schuldners Kenntnis erhalten hatten. Bei Aufnahme des Inventars durch den Konkursverwalter ermahnte ihn

derselbe zur Wahrheit und machte den Angeklagten auf die schweren Folgen des Verschweigens von Vermögens⸗ stücken aufmerksam. Trotz dieser Warnung soll der Au⸗ geklagte verschiedene Gegenstände außer Hause geschafft haben 3 B. 4 Sack Frucht, 1 Faß Petroleum, Kar⸗ toffeln). Der Anklagebeschluß gegen Hoffmann klagt diesen an, daß er Ende Dezember 1894 und im Januar 1895 als Schuldner, welcher seine Zahlungen eingestellt hatte, bezw. über dessen Vermögen das Kon⸗ kur verfabren eröffnet war, in der Absicht, seine Gläubiger zu benachteiligen, Vermögensstücke verheimlicht und bei Seite geschafft habe, und dieselbe Handlung in der Erkenntnis seiner Zahlungsunfähigkeit einigen seiner Gläubiger in der Absicht, sie vor den übrigen zu be⸗ günstigen, eine Befriedigung gewährt habe, welche sie nicht in der Art zu beanspruchen hatten. Der Angeklagte erklärt, daß er außer den 24 Morgen eigenen Ackers noch 5 Morgen Pachtland bewirtschaftet und 8 Stück Vieh gehalten hat. Er beschuldigt den Feist Sommer, mit dem er seine Viehhändel besorgte und welcher eine Hypo⸗ thek in Höhe von 3400& auf das Gut in Niedermoos hat, des Betruges, dieser sei an seinem Unglück schuld. Bei Bestellung der Hypothek für Sommer habe dieser ihm 900/ bar gegeben, er sei ja Geld für Vieh an denselben schuldig gewesen, aber die Hypothek sei doch zu hoch bestellt. Der Vorsitzende bemerkt, daß Sommer selbst eine Forde⸗ rung von 4270, zur Konkursmasse angemeldet habe. Der Angeklagte erzählt weiter, daß, nachdem man er⸗ fahren, daß er in Herbstein bei Gericht gewesen sei, seine Gläubiger auf ihn eingestürmt wären. Sie hätten sich, was er nicht gutwillig gegeben, genommen, und da habe er gute Miene zum bösen Spiel gemacht.(Die Verhand⸗ lung dauert bei Schluß der Redaktion fort.)

Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Versammlung,

Donnerstag, den 1. Oktober 1896, nachm. Uhr pünktlich.

1. Voranschlag des städt. Gas⸗ und Wasserwerks für 1895/96: hier: das Rechnungsergebnis.

2. Voranschlag des städt. Gas⸗ und Wasserwerks für 1896/97; hier:

a) Erweiterung des Gas⸗ und Wasserrohrnetzes längs der Oberhessischen Eisenbahnen(auf dem Riegelpfad);

b) Erweiterung des Gas- und Wasserrohrnetzes auf dem Brandplatze.

c) Wasserrohrnetz in der Frankfurterstraße; hier: Einschaltung zweier Absperrschieber.

3. Ausbau der Stephanstraße; hier: Ferkigstellung

der Gas⸗ und Wasserlettung.

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4. Gesuch der Brauerei Asprion und Friedel um pachtweise Ueberlassung von Wiesen hinter den Eichen.

5. Gesuch des Gerbermeisters W. Plank um Angabe der Baufluchtlinie für den Tiefenweg.

6. Baugesuch des Kaufmäunischen Vereins für die Nordanlage; hier: Gesuch um Erlaß des Straßenkosten⸗ beitrags.

Neueste Telegramme.

Hd. Berlin, 29. Sept. Der Stet⸗ tiner Staatsanwalt teilt mit, daß die Nachricht von der Begnadigung des Schutzmanns Lorenz insofern unrichtig ist, als nur die Strafvollstreckung bis zur allerhöchsten Entscheidung ausgesetzt worden ist.

Hd. Berlin, 29. Sept. DieVoss. Ztg. meldet aus Athen: In Herakleion herrscht seit Sonntag große Aufregung, die Muselmanen weigern sich, in ihre Dörfer zurückzukehren, ob⸗ schon 11 Dörfer in der Umgegend vollkommen unbeschädigt sind. Sie glauben, der Sultan werde ihre Rechte nach dem Aufhören der armenischen Unruhen aufheben. Berowitsch Pascha zeigt sich schwach. Trotz des Artikels 12 der neuen Ver⸗ fassung kamen letzthin beträchtliche Scharen Bengats an.

Hd. Berlin, 29. September. Gouverneur von Wißmann ist Sonntag wieder abgereist, um noch einen kurzen Urlaub im Harz und am Rhein zu verbringen. Er kehrt am 10. Oktober, dem wahrscheinlichen Termin des Zusammen⸗ tritts des Kolonialrats, nach Berlin zurück.

Hd. Berlin, 29. Sept. In leitenden Kreisen beschäftigt man sich derKreuzztg. zu⸗ folge mit einer Abänderung der gesetzlichen Be⸗ stimmungen über die Errichtung von Fideikommissen. Die Minimalgrenze für die Errichtung soll herabgesetzt und nur der Kreis der Fideikommiß⸗Besitzer erweitert werden.

Hd. Gotha, 29. Sept. Der 11. Land⸗ tagswahlkreis wurde gleichfalls von den Sozialdemokraten erobert, welche nun⸗ mehr acht Mandate haben.

Hd. Königsberg, 29. Sept. Wie die Königsb. Hartungsche Ztg. meldet, verlaugte die Landwirtsschafts⸗Kammer vom Vorstandsamt der Kaufmannschaft, daß bei amtlichen Notierungen der Getreidebörse die gehandelten Mengen ge⸗ nauere Qualitätsbeschreibungen erhalten. Das Vorsteheramt antwortete ablehnend.

Den Empfang sämtlicher

Saison-Neuleiten

Hd. Wien, 29. September. Die Arbei der Staatsbahn⸗Gesellschaft beschlossen in gestern Abend abgehaltenen Versammlung 9 früh in den Ausst and einzutreten; Direktion sehr nachgiebig gestimmt dürfte der Streik bald beigelegt werden.

Hd. Paris, 29. Sept. Die of Blätter erklären, die einzige praktische L der türkischen Frage liege in der Ko stituierung einer ottomanischen Föderatio der Herrschaft des Sultans und der G der Großmächte; sowohl Rußland wie Frankreich als Deutschland und Oesterreich könnten diese Lösung als Garantie des Friedens anerkennen.

Hd. Madrid 29. Sept. Die Regierung dementiert die Meldung des Imperial, welcher zufolge auf den Philippinen eine große Ver⸗ schwörung von 15000 Revolutionären entdeckt worden sein soll.

Privattelegramme derHessischen Landeszlg.

d. Hamburg, 29. Sept. 2 Uhr Nm. Sämtliche Getreideschiffe sind seit heute morgen polizeilich besetzt, um Ruhests⸗ rungen der streikenden Getreidehafen⸗ arbeiter zu verhindern. Nachts kreuzen Polizei ⸗Barkassen. Die Zugänge zum Hafen sind polizeilich besetzt.

Cteßen, den 29. September. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 1,15 1,20, Hühner⸗ eier per Stück 67, Enteneier, Gänseeier, Küse 57, Käsematte 3, Erbsen per Liter 16, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 60 70 Pfg., Hühner p. St. 85 1,00% Hahnen 5085, Enten 1,50 1,80, Gänse per Pfund 48. 58, Ochsenfleisch 70 74, Kuh- und Rindflelsch 64 bis 68, Schweinefl. 5666, Schweinefl., gesalz. 7072, Kalbfleisch 50, Hammelfleisch 60 70, Kartoffeln per 100 Kilo 5,00 6,00, Zwiebeln per Zentner 5,00 6,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg. Zwetschen 6,8,00 p. Ztr.

0 Sterbefälle.

Am 28. September. Alida Fritz, geborene

Preuschen, 37 Jahre alt, Ehefrau von Forst⸗

wart Sebastlan Fritz von Kirtorf, Kr. Alsfeld. Gestorben in der psychlatrischen Klinik.

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