Fummerzienrat“.
passendste“
*
die Herren felllenswert.
Garantie
itt
zen geeignet,
rr
Poftztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112.
Gießen, Freitag, den 27. November
Ausgabe
Gießen.
Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112.
Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4.
8
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.
5
Expedition: 21
Kreuzplatz Nr. 4.
ales und Provinzielles.
„Gießen, 26. Nobember. Anläßlich der Aburtstagsfeier des großherzoglichen ares hat es Ordens⸗ und sonstige zeichnungen in Hülle und Fülle gegeben. hiesigen Provinzialdirektoer Freiherrn Gagern wurde der Charakter als„Ge⸗ Jeurat“ verliehen. Professor Dr. Siebeck ist heimer Hofrat“ geworden, Fabrikant Koch Apotheker Dr. Vogt in bach ist der Charakter als„Medizinalrat“ an, der Rechner Dör ing bei der hiesigen irkasse ist von nun ab„Rendant“, Rechts⸗ galt Hirschhorn ist zum„Justizrat“ er⸗ t u. s. w. u. s. w. Ordens auszeich⸗ 1 115 erhielten u. A.: Postdirektror Ritfert Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens lipps des Großmütigen. Denselben Orden elten Pfarrer Schlosser, Professor Nau— un und Gymnasiallehrer Stamm. Das gemeine Ehrenzeichen für treu ge⸗ tete Dienste ist u. A. folgenden Herren lehen worden: dem Lokomotivführer Heinrich gag zu Gießen, dem Bahnwärter Georg ben dem Bahnwärter Johannes ler, dem Bahnwärter Heinrich Zimmer, Bahnwärter Heinrich Weber, dem Bahn⸗ ter Georg Honig, sämtlich bedienstet bei Sberhessschen Eisenbahnen.— Wer sich für weiteren verliehenen Auszeichnungen interessiert, 1 in unserer Expedition, Kreuzplatz 4, das nue Verzeichnis aller Beglückten einsehen. Gießen, 26. Nov. Anläßlich des am Januar wiederkehrenden 100jährigen Geburts⸗ des Theologen Professor Credner, er an unserer Universität lange Jahre wirkte i dahier verstarb, wird die theol. Fakultät Hause Frankfurterstraße 13, in dem der Ge⸗ e wohnte eine Gedenktafel anbringen en. Die Universttät wird das Andenken Adners am 10. Januar durch einen Festakt her Aula feiern. Gießen, 26. Nov.(Stadttheater.) önthan und Koppel⸗Ellfelds reizendes Asspiel„Komtesse Guckerl“, welches auch bei seiner ersten Aufführung, wie überall, in großen Erfolg errang, wird am Freitag derholt. Gießen, 26. November. Der städtische heltsnachweis, welcher seit nunmehr 4 Wochen geht, kann, wie wir hören, sehr hübsche Resul⸗ a aufweisen. Er ist nun einen Schritt weiter angen und tauscht von heute an unerledigte ebote und Nachfragen mit den Arbeitsämtern VPorms und Wiesbaden aus. 0 Gießen, 26. November. Als Beisitzer Ge werbegerichts sind im Monat De⸗ . 7 thätig für die Arbeitgeber Schreinermeister eirl Schäfer, Wallthorstraße 59, für die (beitnehmer Schlosser, herstraße 21.
— m— zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Schluß.) i Schon stand ich geduckt, sprungbereit, wie der Opfer erspähende Tiger im nahen Dickicht, um horzubrechen, ihren blendend weißen Hals zu um⸗ len und ihr zuzuschreien: Erkennst Du mich, Elende? Sieh' her, was aus mir gemacht hast!“. Da aber tratest Du in's Zimmer, liebevoll, i, weiblich, wie ich Dich mir gedacht. Du atest sie„Mutter“—„liebe Mutter.“ Und in setztest Du Dich zum Klavier, um zu spielen. Ich stand, im Bann Deiner Erscheinung, ge⸗ cen, entmutigt und um diese eine That— ent⸗ tigt. Mein Verbrechen an Deiner Mutter blieb Bornke, denn nichts hätte ich thun können, was wehe gethan. Du spieltest, und über mich nes wie ein stiller Gottesfriede, über mich hin es mit dem flüsternden Nachtwind, mit den menden Sternen wie ein Traum von nicht be— setem Glück. 1 5 Da sank ich hin in die Kniee, da hob ich meine i Augen zu Gott und betete:
„
1 ö ö N
Gustav Krüger,
„Vater— vergieb!“ 5
iich kam dann noch öfter, heimlich, Abends, um di nahe zu sein, um Dich zu sehen und zu hören. einmal, Nachts, erstieg ich an einem Epheuge⸗ one mit Lebensgefahr das Dach Eures Hauses, durch dasselbe einzusteigen. Nur einmal wollte Dich küssen— im Schlaf. Ich that e ich kostete Himmels Seligkeit in diesem Kuß von den * Lippen meines Kindes, aber nur um so tiefer hte ich die Qualen der Verdammnis, welche meine Out zerwühlten.
Gießen, 26. November. Einer unserer Fabrikanten saß in der vergangenen Woche mit einem pensionierten Medizinalbeamten beim Schoppen. Im Laufe des Gesprächs be⸗ zeichnete der Arzt das Fabrikat seines Gesell⸗ schafters für den reinsten Schwindel. Jener, Landwehrofftzier, fühlte sich beleidigt, sandte als Sekundanten einen Justizbeamten mit einer Forderung zum Beleidiger. Letzterer hielt sich den Bauch vor Lachen und wies die Forderung mit den Worten ab:„Wozu haben wir denn ein Gericht?“
Bad Nauheim, 25. November. Bei der gestrigen Gemeinderats-Ersatzwahl haben von 576 Stimmberechtigten bloß 272 von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Gewählt wurde Zimmermeister Jean b. Baßhuisen mit 126 Stimmen, während Rentner Theobald 78, Hotelier Meisinger 60 Stimmen erhielten. Die übrigen Stimmen haben sich zersplittert. Darmstadt, 25. Nov. Hier fand kürzlich eine Besprechung von Interessenten aller Kreise unserer Stadt statt, um über die Frage der Er⸗ richtung eines städtischen Schwimm⸗, bezw. Volksbades zu verhandeln und insbe⸗ sondere über die dazu erforderlichen Mittel und deren eventuelle Aufbringung zu beraten. Danach soll nach dem von einem Sachverständigen abge— gebenen Bericht und Voranschlag die ganze Bade⸗ Anlage, wenn ste allen gehegten und den bereits von verschiedenen Seiten geltend gemachten Wünschen gerecht werden soll, 500 000& kosten: dazu kämen noch die Betriebs- und die Verwal⸗ tungskosten. Die Frage, ob die Stadt augen⸗ blicklich oder auch später in der Lage sei, für den Bau eines solchen Etablissements die nötigen Mittel aufzubringen, blieb vorerst unerörtert.— Wie steht es eigentlich mit dem für Gießen projektierten Schwimmbad?
* Darmstadt, 24. November. Die hier gegründete katholische Verbindung „Nassovia“ hat, wie nachträglich bekannt wird, die Genehmigung des Senats der Hoch⸗ schule nicht erhalten, was wir im Anschluß an unsere kürzliche Korrespondenz hiermit richtig stellen.
* Mainz, 24. Nov. Der 20jährige Sohn des hier wohnenden, am Residenztheater in Wiesbaden engagierten Schauspielers Gustav Schultze, langjährigen Komikers am hiesigen Stadttheater, hat sich heute Mittag vergiftet. Der junge Mann war als Kylograph in dem Atelier von Klemens Kissel Wee und be⸗ nutzte in der Mittagsstunde die bwesenheit seiner Arbeitskollegen, um Cyankali zu nehmen. In einem Brief an seine Eltern soll er erklärt haben, er nehme Abschied vom Leben,„weil er nicht gefunden, was er gesucht habe“. Eine weitere Ursache des Selbstmordes des etwas schwärmerisch angelegten jungen Mannes ist bis jetzt nicht bekannt geworden.
Mainz, 24. November. Eine von Seiten der Mainzer Handelskammer an die Kaiserl. Oberpostdirektion in Darmstadt gerichtete Vorstellung hinsichtlich des Fernsprechver⸗ kehrs zwischen Mainz⸗Kastel und den Städten München, Bamberg, Nürnberg, Würzburg, Stutt⸗ gart und Heilbronn hat die Oberpostdirektion dahin beantwortet, daß infolge der großen Be⸗ lastung der Fernsprechleitung zwischen Mainz und Frankfurt die Zulassung des Sprechverkehrs mit den genannten Städten erst dann in Er⸗ wägung gezogen werden könne, wenn die für das nächste Etatsjahr in Aussicht genommene Vermehrung der Leitungen zur Ausführung ge⸗ bracht sein werde.
* Worms, 24. Nov. Der Präsident der hiesigen Handelskammer, Fabrik⸗ besitzer W. D. Valckenberg, hat dieses Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. An seiner Stelle wurde der langjährige Vizeprästdent Mühlenbesitzer Baruch und an dessen Stelle Fabrikant Koelsch gewählt.
Vermischtes.
— Auf der Jagd erschossen. Ein schwerer Unglücksfall hat sich bei einer Treibjagd ereignet, die bei Erstein abgehalten wurde. Ein Jagdhüter näherte sich mit seinem Hunde einem an der Jagd teilnehmendeu und in dichtem Unterholz auf dem Anstand liegenden Premier⸗ lieutenant der Garnison Straßburg, welcher den Hund für ein Kaninchen haltend, sich bückte, um besser sehen zu können. Dabei entlud sich das Gewehr, und der Jagd- hüter wurde durch einen Schuß in die Brust schwer ver⸗ letzt. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod des Getroffenen konstatieren.
— Ein moderner Diogenes. In dem städtischen Krankenhause Dubois zu Paris starb dieser Tage einsam und verlassen ein bedeutender Gelehrter und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der Botaniker Trécul im Alter von 78 Jahren. Trécul war in allen Stücken ein Sonderling, der für die praktischen Seiten des Lebens eine bis aufs äußerste getriebene Verachtung zeigte. Nach Beendigung der medtzinischen Studien hatte Trécul sich mit allem Eifer auf die Botanik geworfen und darin bald so hervorragendes geleistet, daß ihm im Jahre 1848 eine bedeutende wissenschaftliche Mission vom Unterrichtsministerium übertragen wurde. Er hatte die sueculenten Wurzeln zu studieren, die die Hauptnahrung der wilden Stämme Nordamerikas bildeten. Er durch⸗ kreuzte die Vereinigten Staaten und folgte ganz allein einem Stamme Eingeborener in die Prärien, wo er eine bedeutende Sammlung von Pflanzen und Tieren anlegte, die jedoch auf dem Transport bei den Azoreninseln ver⸗ loren ging. Trécul verbrachte einen überaus harten Winter in den Prärien und setzte dann seine Studien in Mexiko fort, von wo aus er eine reiche Sammlung für das naturhistorische Museum sandte. 1850 kehrte er nach Frankreich zurück und legte über die von ihm gemachten Auslagen genaue Rechnung ab. Er hatte nur einen kleinen Teil der ihm bewilligten Summe verbraucht und gab das übrige bei Heller und Pfennig zurück. Im Jahre 1866 wurde er zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften ernannt. Seit länger als vierzig Jahren wohnte er in einer Studentenherberge, nahe dem Jardin
des Plantes, arbeitete unverdrossen, hatte keinen Verkehr mit anderen Menschen, es sei denn jeden Montag im Institut de France, wo er als Mitglied der Anstalt den Sitzungen der Akademie der Wissenschaften regelmäßig beiwohnte, und den Händlern, bei denen er jeden Tag die Einkäufe für seine Mahlzeiten besorgte. Er war sein eigener Koch und Kammerdiener und lebte in solcher Ab⸗ geschiedenheit seit beinahe einem halben Jahrhundert. Eines Tages hatte der Gelehrte eben seine Frühstücks⸗ Kotolette eingekauft, als man ihm sagte, es warte jemand auf ihn im Bureau seines Gasthauses. Mürrisch be⸗ quemte er sich dazu, den Fremden aufzusuchen. Es war Herr v. Freycinet, sein Kollege in der Akademie der Wissenschaften und damals Minister, der ihm das Kreuz der Ehrenlegion überreichen wollte; aber Trécul lehnte dankend ab. Seit fünf Jahren war er in den Beinen gelähmt, und nun hatten die Mitglieder des Instituts die größte Mühe, so für seinen Unterhalt und für seine Pflege zu sorgen, daß er von ihrer Teilnahme nichts merkte. Zuletzt ließ er sich von seinen Wirtsleuteu bestimmen, ein Bett im Krankenhause Dubois anzunehmen.
Eine neue Leiche im Koffer. Ein neuer Fall von einer„Leiche im Koffer“ liegt den französischen Gerichten vor. Er erinnert— so schreibt man der „Köln. Ztg.“— einigermaßen an die Legende vom Burgfräulein, das, um den Geliebten zu necken, sich in einer schweren Truhe versteckte; der Deckel schlug ins Schloß und ließ sich nicht wieder in die Höhe heben; das Jammergeschrei der Eingeschlossenen blieb ungehört, sie erstickte und ward erst nach Jahren als Skelett entdeckt. Aehnlich erging es dem Gemüsehändler Badoit zu Lyon. Er pflegte der Elise Piot, der Geliebten des Spezerei⸗ händlers M., den Hof zu machen. Eines Tages, da er gerade dieser Nebenbeschäftigung oblag, klang der Tritt des Spezereihändlers auf der Treppe; in ihrer Verlegen⸗ heit ließ ihn Elise in einen großen Koffer steigen; er verließ ihn nur als Leiche: Elise und M. begaben sich nämlich in ein Tingeltangel. Erst am folgenden Morgen, da der Spezereihändler an seine Arbeit ging, öffnete Elise den Deckel des Koffers und fand dann ihren Galan tot vor. Erschreckt lief sie zu dessen Frau; die Polizei mischte sich ein, die Sachverständigen wurden hinzugezogen, und schließlich lautete die Anklage auf Mord. Elise verwickelte sich nämlich in Widersprüche, erklärte erst, den Koffer nicht verriegelt zu haben, sodaß der Gemüsehändler, nachdem sie mit dem Spezereihändler ausgegangen, nur den Deckel zu heben brauchte. Später aber gab sie zu, den Bolzen vorgeschoben zu haben, sodaß der arme Badoit eingeschlossen blieb. Außerdem zeigte der Hals der Leiche eine Reihe von Flecken, die auf Erdrosselung deuteten. Eigentüm⸗ licherweise aber wollte lange Zeit hindurch kein Gericht
die Zuständigkeit für die Aburteilung des Falles über⸗ nehmen; Elise Piot wurde von Pontius zu Pilatus geschickt und hätte theoretisch also ihr Leben in der Vor⸗ untersuchungshaft beschließen können, wenn schließlich nicht das Kassationsgericht sich ihrer erbarmt und sie vor die Geschworenen verwiesen hätte.
— Entdeckungsreise nach dem Südpol. Der Belgier Andrien de Gerlache, welcher im Monat Juni nächsten Jahres eine Entdeckungsreise nach dem Südpol antritt, ist am 21. Kopenhagen eingetroffen und begab sich sofort nach dem Seekartenarchiv, um dem Leiter der Ingolf⸗Expeditlon, Marine⸗Kommandeur Wandel, einen Besuch abzustatten. Herr de Gerlache, ist Lieute⸗ nant in der belgischen Marine oder richtiger in der Küstenschutztruppe, denn eine eigentliche Marine besitzt Belgien bekanntlich nicht. Er hat von seiner frühesten
Bei dieser Gelegenheit sah sie mich, in dem Moment, wo ich ihr Zimmer durchschritt, um zu dem Deinen zu gelangen. Ich sah sie erbleichend zurückfinken, ich sah sie ihr Haupt unter den Decken verbergen. Sie wähnte mich ja tot, und da stand ich vor ihr wie ein bleicher, rächender Schatten, wie ein Gebilde ihres eigenen Schuldgefühls. Auch gestern Nacht sah sie mich durch's Fenster, nachdem ich den Zettel in Deinem Zimmer niedergelegt hatte, und da sank sie ohnmächtig nieder.“
„Vater— das warst Du?“ stammelte Eugenie. „O ewig waltende Gerechtigkeit!“
„Was meinst Du, meine Tochter?“
„So wußtest Du es nicht, so hast Du nicht bemerkt, daß ihr Geist gestört ist. Es bedurfte nur einer solchen Erschütterung, um den Wahnsinn zum Ausbruch zu bringen.“
„Und das ist nun geschehen?“ f
„Geschehen!“ sprach sie in ernster, tiefer Be⸗ wegung.„Gott hat gerichtet.“
Er senkte finster das Haupt. stand.—. 8
„Und nun, Vater?“ fragte Eugenie schüchtern und doch voll Zärtlichkeit.„Ich muß jetzt zurück zu ihr, ich muß ihr zur Seite sein in ihrem schweren Jammer. Du wirst— hier bleiben 75
Er schüttelte den Kopf.
„Nein“, sagte er dumpf. und ein letztes Wiedersehen.“
„Vater!“ rief sie schmerzlich.
Er winkte abwehrend mit der Hand.
„Es genügt mir, daß Du mich so genannt hast, daß ich zu Dir so habe sprechen können, wie ich es gethan. Ich lebte hier in verhältnismäßiger Sicherheit, denn, Dank einer angewandten List, habe ich die dumme Gespensterfurcht der Umwohner
Eine Pause ent⸗
„Dies war ein erstes
zu einem Schutzmittel für mich gemacht. Hast Du von dem Goldgräber der toten Schlucht erzählen hören?“
„Ich habe ihn sogar gesehen.“
„Nun, der bin ich— ich war's“, fügte er auf eine erstaunte Geberde ihrerseits hinzu.„Der Geist wird entschwinden, aber die Mähr wird weiter leben und das Geheimnis der toten Schlucht für immer unenthüllt bleiben.“
„Und wohin gehst Du, Vater?“
„Fort“, sagte er mit erstickter Stimme,„weit fort. Auch Du, meine Tochter, wirst hier nicht länger bleiben, nun die rächende Nemesis auch Eures Hauses Schwelle überschritten hat. Mit Dir darf ich, will ich in die Welt nicht mehr zurückkehren, ich könnte doch entdeckt werden, wie es mir hier schon ergangen und ewige Schande wäre Dein Loos. Nein, meine Tochter, bleibe rein im Reinen, dann wirst Du auch noch einmal glücklich werden. Und nun leb' wohl! Wir müssen scheiden.“
„Müssen!?“ rief sie weinend.
Noch einmal ruhten Vater und Tochter in einer langen innigen Umarmung.
„Komme nicht mehr hierher“, sagte er, sie sanft von sich thuend.„Du würdest mich nicht mehr finden. Geh' zur Mutter, und wenn sie einmal einen lichten Augenblick hat, dann sage ihr, daß ich ihr vergeben habe. Geh'! Gott schütze Dich mein Kind!“
Eugenie fand keine Worte mehr.
Weinend und von seinem Arm gestützt, schritt sie hinweg von der verlassenen Hütte, wie von dem Grabe eines geliebten Toten.
Er hob sie auf ihr Pferd.
„Leb' wohl!— Leb' ewig wohl!“ klang es leise hinüber und herüber, und dann stürmte sie fort,
Lange noch stand er da und sah ihr nach. Erst als der letzte dumpfe Hufschlag in der Ferne verhallt war, verließ ihn seine Kraft und seine Selbstbeherrschung. Er lehnte den Kopf gegen den Thürpfosten und schluchzte laut. Mir selbst traten die Thränen in die Augen.
Ich bestand einen schweren, inneren Kampf, aber die Pflicht siegte und meine traurige Pflicht war es, den Buschräuber Morgan zu verhaften.
Er trat in die Hütte zurück.
Ich wollte ihn in seinem ersten, heftigen Schmerz nicht stören; er war mir doch verfallen.
Plötzlich erdröhnte von drinnen ein Schuß.
Ich eilte hinzu und fand einen Toten.
Die Kugel war ihm mitten durch's Herz gedrungen.
So endete Morgan, der Buschräuber.
Ich ritt heim und erstattete dem Sergeanten einen ausführlichen Bericht, denn vor allen Dingen mußte der Verdacht von Eugenie Milton genommen werden, als hätte sie an dessen Verbrechen irgend— welchen Anteil.
Sie verließ schon am nächsten Morgen mit ihrer Mutter die Milton-Park⸗Station für immer. Wohin Sie sich gewendet, habe ich erst nach Jahren erfahren.
Ihre Mutter starb im Irrenhaus und sie selbst deckt längst das feuchte Kirchhofsgras.
Heute, nach zwanzig Jahren durfte ich wohl die Geschichte erzählen, welche damals nicht in die Oeffentlichkeit gedrungen ist.
Die Namen der handelnden Personen sind nicht die richtigen, aber die Vorgänge sind, wie ich sie hier aus der Erinnerung niedergeschrieben, buch— stäblich wahr.
hinaus in die Nacht, verwaist, verlassen und elend. 5


