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ist eine zu„happige“ Ausgabe, man müsse doch wenigstens ein Fünfzigpfennigstück sparen können. Dann wendet er sich wieder an den Beamten:„Aber Kinder, die noch auf dem Arm getragen werden, sind doch frei?“„Die sind natürlich frei.“— Und der Vater hebt schnell entschlossen den Zwölfjährigen auf den Arm und giebt seiner„Alten“ einen Wink, die mit dem Zehnjährigen ebenso verfährt. Und die Familie zieht unter dem Gelächter der Umstehenden fröhlich in die Ausstellung ein und bezahlt jetzt nur eine Mark alles in allem. Auch der Schalterbeamte schmunzelt und zuckt die Achseln:„Dagegen läßt sich nichts ein⸗ wenden.“
— Selbstmord eines 3½ jährigen Kindes. Von einem 3½ jährigen„Selbstmörder“ berichteten Stettiner Zeitungen. Dort löste der 3½ Jahre alte Sohn des Tischlers Stanull in Abwesenheit der Eltern eine Gardinenschuur und hängte sich damit am Fenster⸗ kreuz auf. Als die Eltern zurückkehrten, war das Kind bereits tot. Das Kind hatte vorher geäußert, es müsse „ein Spaß sein, wenn sich Jemand aufhänge“, und es beging die That, selbstverständlich ohne Bewußtsein von dem, was es that.
— Das erste Haus von Minneapolis. In der dieswöchentlichen„Nation“ lesen wir: In dem un⸗ geheuren westlichen Territorium zwischen Chicago und San Francisco ist Minneapolis die größte Stadt; mehr als 200 000 Menschen haben sich in einem, Zeit⸗ raum von weniger als einem halben Jahrhundert au— gesiedelt. Durch die Straßen dieses aufblühenden Ge—⸗ meinwesens bewegte sich an einem der letzten Tage des Monats Mai eine Prozession, wie sie die Welt in dieser Eigenart vordem wohl noch nie gesehen hat. Ein altes Blockhaus wird durch die Straßen gefahren, an dem Gefährt sind zwei Riesenstricke befestigt— jeder 500. Fuß lang— und die Stricke werden gezogen von festlich geschmückten Schulkindern, 1000 an der Zahl. Von Zeit zu Zeit treten andere Tausend an die Stelle und die Fahrt geht weiter, inmitten einer begeisterten Menge. Der Zielpunkt ist ein schöner Park in der Nähe der durch Longfellows Poesie weltberühmt gewordenen Minnehaha⸗ Fälle. Dort entwickelt sich ein großes Volksfest mit feierlichen Ansprachen, und der Mittelpunkt dieser Feier⸗ lichkeit ist ein nerviger Greis mit einem langen Knecht Ruprecht⸗Bart, Colonel Stevens, und seine betagte Gattin. Diese beiden haben die erste Niederlassung in dem heute so stolzen Minneapolis vor 47 Jahren gegründet: Stevens hat mit eigenen Händen das erste Haus in Minneapolis gebaut, und dieses Haus ist es, welches im Triumph durch die prachtvoll geschmückten Straßen von Schul⸗ kindern gezogen wurde, um zum ewigen Angedenken un⸗ weit der Minnehaha-Fälle aufbewahrt zu werden, als Erinnerung an die unbezwingliche Energie amerikanischer
Pioniere der Kultur. Der alte Stevens hat die ganze Entwickelung der Stadt Minneapolis an Ort und Stelle mitgemacht; er war lange Eigentümer einer Farm, auf der heute die Geschäftsstadt von Minneapolis errichtet ist. Es gab eine Zeit, wo er auf diesem Terrain Grundstücke für 150 Dollars verkaufte, die heute mehr als 150 000 Dollars wert sind; ist doch heute der Wert der Immo⸗ bilien und zwar von der Steuerbehörde in Minnea⸗ polis auf annähernd 500 Millionen Mark geschätzt. Die staunenswerte Entwicklung des amerikanischen Westens wird in dieser Schulfeier in höchst charakteristischer Weise verherrlicht.
Neues vom Planeten Mars. Der Astro⸗ nom Lowell hat auf einer 2200 Meter hoch auf dem Mount Arequipa in Arizona gelegenen Sternwarte sehr zahlreiche Marsbeobachtungen gemacht und über deren Ergebnisse der Pariser Astronomischen Gesellschaft ein⸗ gehenden Bericht erstattet. Lowell hatte mit gutem Be⸗ dacht diesen hochgelegenen Punkt zu seinen Untersuchungen gewählt, da die sonst große Schwierigkeiten bietende Trübung der irdischen Atmosphäre in solcher Höhe geringer ist. Zunächst wandte er sich dem Studium der bekaunten Schneemassen, die an den Polen des Mars aufgehäuft sind, zu und beobachtete die Abnahme derselben im Mars⸗ Sommer, d. h. ihr Abschmelzen. Die weißen Polargebiete schienen deutlich von langen und breiten Spalten durchsetzt. An den Rändern waren diese Regionen von einer tief azurblauen Borte umsäumt, welche durchaus auf eine Flüssigkeitsfläche schließen ließ. Andere, dunkle Flecken, die man bisher für Meere gehalten hat, haben nach Lo— wells Beobachtungen eine mehr grüne als blaue Farbe, und noch merkwürdiger ist die Wahrnehmung, daß die Färbung dieser Flecken mit der Jahres eit wechselt; danach hält Lowell dieselben nicht für Me sondern vielmehr für Vegetationsflächen. Die vielberühmten Kanäle schienen dem Beobachter von einer gleichmäßig grünen Farbe, und er hält dieselben danach gleichfalls für Vegetationsstreifen. Uebrigens entdeckte Lowell deren noch eine ganze Anzahl neue. Ihre Gradlienigkeit, ihre sich mit geometrischer Genauigkeit kreuzenden Systeme und die runden Flecken an den Schnitt⸗ punkten, welche Lowell als„Oasen“ bezeichnet, verraten die Richtung gebende Absicht vernunftbegabter Wesen, die zwar von den Erdenmenschen sicher verschieden, aber auch ebenso sicher von höherem Intellekt sein müssen als unsere Tierwelt.
— Einzige Besorgnis. Bauer auf der Eisen⸗ bahn:„Jesses, Jesses, wenn's nur heut kein' Zusammen⸗ stoß giebt!“— Kondukteur:„Warum haben Sie denn solche Angst?“— Bauer:„Ja, wissen S', i hab a Körbl voll Eier bei mir!“
Briefkasten.
Mehrere Aengstliche. Unsere Notiz betreffs des letzten Kirchhainer Viehmarkts war, soweit sie sich auf Gießen bezog, thatsächlich falsch. Sie irren aber gründlich, wenn Sie annehmen, es läge da von irgend einer Seite eine Absicht vor. Der Kirchhainer Korrespondent hat sich falsch ausgedrückt; er wollte sagen, daß der Gießener Markt für die preußische Zufuhr nur unter gewissen lästigen Beschränkungen eöffnet ist. Uebrigens hat der Erfolg ja bewiesen, daß Gießen den Löwenanteil erhalten und Kirchhain sich mit wenig Zufuhr hat begnügen müssen. Sie sehen also, daß Ihre Befürch⸗ tungen grundlos gewesen sind. Die Presse als Ganzes ist wohl eine Großmacht; eine einzelne Zeitung indesseu
— und mag sie noch so verbreitet sein hat, wenigstens auf dem Gebiet Handels, nicht den Einfluß, den Sie der„Hess. Landesztg.“ zugetraut haben. Erustlich ver⸗ wahren müssen wir uns gegen die Annahme, daß wir Schatten und Licht absichtlich ungerecht verteilen könnten. Ueberlegen Sie sich doch selbst, wie weit wir mit einer solchen Praxis, die moralisch im höchsten Grade verwerflich wäre, kommen würden.
Neueste Telegramme.
Hd. Berlin, 26. Juni. Der Unter⸗ nehmer Leotardi, der auf der Ge⸗ werbe⸗Ausstellung einen Kinderbrut⸗ apparat nach französischem Muster vorführen wollte und die Genehmigung des Treptower Amtsvorstehers hierzu nicht erhielt, beabsichtigt, beim Land⸗ rath und eventuell beim Regierungs⸗ präsidenten Beschwerde hiergegen zu er⸗ heben. Der französische Botschafter soll ihm seine Unterstützung zugesichert haben.
Hd. Paris, 26. Juni. Die Pariser Blätter bringen die Meldung, daß Cornelius Herz thatsächlich nach Amerika abgereist sei und knüpfen daran die verschiedensten Kommentare.
Hd. Paris, 26. Juni. Arton verteidigte sich in der gestrigen Verhandlung mit dem Be⸗ merken, er leugne jede Unterschlagung zum Nach- teil der Dynamit-Gesellschaft und protestierte besonders heftig gegen die Bezeichnungen, unter denen sein Namen in der Auklageschrift als„ver— dächtiger Finanz-Agent“, Börsen-Agent u. s. w. figuriert.
Hd. Paris, 26. Juni. Die gestrige Kammersitzung verlief äußerst stürmisch.
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Die Verhandlung betreffend die sozialen und collectivistischen Theorien mußte der Präsident vertagen, und zwar u
5 Uhr, weil der Tumult die Fortsetzun der Debatte unmöglich machte. 0
Hd. Rom, 26. Juni. Wie weise verlautet, ist der bekangte sitionelle Deputirte Cavalotti zum Ju⸗ stizminister ausersehen. Derselbe wird in den nächsten Tagen vom Könige in Audienz empfangen werden.
Hd. Petersburg, 26. Juni. Eine 15 köpfige Räuberbande überfiel den unweit Petersburg gelegenen Bahnhof Wolossow, auf dem gerade ein Zug hielt. Bei dem entsponnenen Kampf wurden vier Räuber tödtlich verwundet. Die übrigen entkamen.
Hd. London, 26. Juni. Der Gesundheits. zustand des Afrikaforschers Stanley, welcher 0 seit einiger Zeit wegen einer Magenkrankheit das Zimmer hüten muß, hat sich seit gestern gebessert,
d. Athen, 26. Juni. Der neuerlichen Einberufung der kretensischen National⸗Versamm-⸗ lung schreibt man hier die Absicht zu, den von ö Abdulla Pascha geplanten Maßregeln einen ge⸗ setzlichen Anschein zu geben. Mau glaubt indes nicht, daß sich bei den unterbrochenen Verbin⸗ dungen und der herrschenden Lebensgefahr die zur Eröffnung der National-Versammlung nötige Anzahl Mitglieder() in Kanea einfindet.
Sterbefälle. Am 23. Juni. Christian Klees, 54 Jahre alt, Steinbrecher von Wengenroth, Oberwester⸗
waldkreis. Gestorben in der alten Klinik. Die 5 Leiche wird in die Heimat verbracht. fung. 1 Am 24. Juni. Katharine Althaus, geb. a, al. Er f Bohl, 55 Jahre alt, Witwe von Korbflechter uke J Heinrich Althaus von Wadenrod. Gestorben in 155 Cs lag al der neuen Klinik. ehe doc habe er
Am 26. Juni. Johannes Klein, 54 Jahre an ain Nürchgang e alt, Metzgermeister und Wirt dahier, Brand⸗ alt. As er. gasse 2. Die Beerdigung findet Sonntag, den fe eil wibliches 9 28. ds. Mts., nachmittags 4 Uhr, vom Sterbe⸗ dat dne Magichuß auf hause aus statt. u dar Ter auf f
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Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Ne e de Grete berfo
dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in dwalf hötte er das
Gießen. rc bel Seite und
1 Oetz in das Ob.
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im 55. Lebensjahre, nach kurzem, schweren Leiden sanft entschlafen ist.
Giessen, Lich, Steinbach, London, den 26. Juni 1896.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Johannes Klein Witwe und Kinder.
Die Beerdigung findet Sonntag, den 28. Juni, um 4 Uhr Nachmittags, vom Trauerhause, Brandgasse 2, statt.
Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass heute Morgen 6 Uhr mein innigstgeliebter unvergesslicher treuer, guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel, Herr
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Bekanntmachung.
Die Lieferung von:
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für die städtischen Anstalten fürs Etatsjahr 1896—97 soll unter den auf unserem 115 — Zimmer Nr. 15— offen liegenden Be dingungen vergeben werden.
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Gießen, den 22. Juni 1896
Großh. Bürgermeisterei Gießen Gnautbh.
Bekanntmachung.
„Die Lieserung des Brotes für das Hospital und die Stadtarmen für die Zeit vom 1. Juli 1896 bis 31. März 1897 soll anderweit vergeben werden und sino Offerten bis zum Montag, den 29. Juni een e 6 Uhr, beim Armen⸗ chen, woselbst au ie Bedi 5 Eunsch den 191 00 uch die Bedingungen Gießen, den 25. Juni 1896 Die Armen Deputation der Stadt Gießen
statt.
Bürger⸗
Ad. Bieler.
1 f Gegen die geplante Verlegung des
und den
Beschluß der Stadtverordneten
findet eine allgemeine
abends 8! Uhr,
im Saale des Cafe Leib
Alle Bürger und Steuerzahler sind eingeladen. Die im Januar von der Bürgerversammlung
gewählte Kommission. Ph. Euler IV.
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Samstag, den 27. Juni,
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