Ausgabe 
27.8.1896
 
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Gießen, Donnerstag, den 27. August

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Ausgabe

Gießen.

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Redaktion:

Kreuzplatz Nr. 4. 8

Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile.

edition: Kreuzplatz Nr. 4.

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Lokales und Provinzielles.

Gießen, 26. August. Der Lehrer an dem Realgymnastum und der Realschule zu Gießen, Professor Dr. Otto Bindewald, ist auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner lang⸗ jährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. November d. J. an, in den Ruhestand versetzt worden. Der Großherzog hat dem verdienten Lehrer das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienst⸗ ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Lehrer am Gymnasium zu Büdingen Dr. August Baur ist zum Lehrer am Gymnasium zu Gießen, der Lehrer an der Realschule zu Bingen August Braun zum Lehrer an der Realschule zu Heppenheim a. d. B. und der Lehrer an der Realschule zu Heppenheim a. d. B. 1 0 Fleischhauer zum Lehrer an der Realschule zu Bingen, sämtlich mit Wirkung vom 1. September l. Is. an, ernannt. Gießen, 26. August. Die Vorstände des Kaufmännischen Vereins und des Ortsgewerbe bereins werden demnächst beraten, welche Redner in der kommenden Saison vor den Mitgliedern beider Vereine Vorträge halten sollen. In Aus⸗ sicht sind genommen die bekannten Herren Am⸗ berg, Lützen und Dr. Pohlmeyer mit je einem Vortrag, wozu noch ein Vortrag von Brüneck über den Orient resp. über Konstanti⸗ nopel in Aussicht genommen ist. Diese Vorträge werden ohne Zweifel ein dankbares Auditorium nden. Wer sorgt nun für anregende und be⸗ lehrende Vorträge für unseren Handwerker- stand? Früher sorgte nach dieser Richtung der Hauptlehrer der Handwerkerschule, Herr Hug, und waren dessen belehrende Vorträge stets gut besucht. Es bedarf wohl nur der Anregung, um den Nachfolger dieses nach jener Richtung hin wohlverdienten Herrn zu veranlassen, sich in gleicher Weise verdient zu machen. Gießen, 26. Aug. Wie bereits bekannt, . unsere städtischen Behörden beschlossen, die im nächsten Monat in Frankfurt a. M. ver⸗ sammelten deutschen Naturforscher und Aerzte zu einem Besuch nach 170 einzuladen. Die Aktien⸗Brauerei hat sich bereit erklärt, ihre ge⸗ räumige Faßhalle durch reiche Dekorationen zu einem Festraum umzuwandeln. Es handelt sich nämlich darum, unseren Gästen seitens der Stadt einen Frühschoppen zu geben. Es ist die Halle der Aktien⸗Brauerei um deswillen zu diesem Frühschoppen gewählt worden, weil unsere Gäste bon dieser Höhe aus den besten Ausblick über die Stadt genießen können. 5 Gießen, 26. August. Heute Vormittag stürzte von dem Weberschen Hause in den Neuen Bäuen der über Dach aufgeführte, vom En der Zeit stark mitgenommene Teil eines Kamins ein. Die herabstürzende Masse fiel, Dachteile mit sich reißend, mit donnerndem Getöse

in den. Hof, ohne glücklicherweise Jemand zu beschädigen.

Gießen, 26. August. rief Feueralarm unsere Wehren nach der Bahnhofstraße 32. Die am Ende des nur ganzbreiten Hofes belegene Glaserwerkstätte des Grundstücksbesitzers Wolf stand mit ihrem reichen Holzvorrat in hellen Flammen. Das Gebäude, welches von allen Seiten von angrenzenden Bau⸗ lichkeiten begrenzt wird, ist ein alter Fachwerk⸗ bau. Mit drei Schläuchen wurde die Brand stätte mit Wasser förmlich überschüttet, so daß es gelang das Feuer nach angestrengter Thätig⸗ keit auf seinen Herd zu beschränken. Das Ge⸗ bäude ist im Innern vollständig vernichtet. Was das Feuer verschonte, ist durch das Wasser voll⸗ ständig durchweicht, so daß die Brandruine wohl niedergelegt werden muß. In einem an⸗ grenzenden Lagerhäuschen des Kaufmann Orbig ist durch Wasser an Waren ein Schaden von 4050 Mark entstanden. Doch ist derselbe ebenso wie der Schaden des Glasermeisters Wolf versichert. Die Aufräumungsarbeiten dauerten bis gegen Morgen. Der Befund an der Brand⸗ stätte heute Vormittag ergiebt mit Sicherheit, daß es zu ebener Erde in der Werkstätte zuerst gebrannt hat. Wie das Feuer entstanden, ist noch nicht aufgeklärt. Ein Glück jedoch ist es, daß der Brand nicht Nachts zum Ausbruch ge⸗ kommen, da sonst wohl die umliegenden Häuser mit niedergebrannt wären. Dem Polizeibericht entnehmen wir noch folgendes: Das Feuer ist aller Wahrscheinlichkeit nach im Aufbewahrungs⸗ raume für Holzspähne entstanden, wofür der Lehrling des Herrn Wolf die Tags über in der Werkstätte entstandenen Hobelspähne nach Ein⸗ tritt der Feierabendstunde um 7 Uhr verbracht und die Werkstätte verschlossen haben soll.

* Gießen, 26. August.(Besitzwechsel.) Das Besitztum der Witwe Jäger, Leihgesterner⸗ weg 16, zwischen der Aktien⸗Brauerei und der Schönen Aussicht gelegen, ging an den Besitzer der letzteren, den Restaurateur Kuhnd, für den Preis von 16500% über. Der Käufer wird das Besitztum teilweise zur Vergrößerung seines Restaurationsgartens anwenden.

* Gießen, 26. August. Um die Radfahr⸗ unfälle zu verringern, verweist der Ber⸗ liner Velozipedklub von 1869/81 auf ein einfaches Mittel, das Rad anzuhalten bei jedem Tempo ohne Benutzung einer Hemmvorrichtung, die so wie so, namentlich wenn sie durch Chausseestaub verklebt ist, sehr leicht versagt. Man braucht nur das rechte Knie stark durchzudrücken und das Bein steif zu halten. Allerdings darf hier⸗ bei nichts hinter dem Sattel hängen, damit man, ohne Schaden zu nehmen, bequem nach hinten abgleiten kann. Ist das wirklich so einfach?

* Gießen, 26. August. Der Saaten- stand im Großherzogtum Hessen war

Gestern 8/ Uhr

nach den bei der großherzoglichen oberen land⸗ wirtschaftlichen Behörde zusammengestellten Nach⸗ richten um die Mitte des Monats August folgen⸗ der(Note 1- sehr guter, 2- guter, 3 mittlerer, 4 geringer, 5- sehr geringer Stand): Provinz Starkenburg: Winterweizen 2, Winterspelz 2, Winterroggen 1,5, Sommerroggen 3, Sommergerste 2,5, Hafer 2,8, Kartoffeln 1,8, Klee, auch Luzerne 2,5, Wiesen 2,1, Weinberge 16; Provinz Oberhessen: Winterweizen 2,3, Sommerweizen 2, Winterroggen 2,7, Sommer- gerste 2,5, Hafer 2,7, Kartoffeln 2,1, Klee, auch Luzerne 3,1, Wiesen 3,1; Provinz Rheinhessen: Winterweizen 2,2, Winterroggen 1,7, Sommer⸗ erste 2,2, Hafer 1,9, Kartoffel 1,9, Klee, auch zuzerne 2,5, Wiesen 2,4, Weinberge 1,6; im Großherzogtum: Winterweizen: 2,2, Sommer⸗ weizen 2, Winterspelz 2, Winterroggen 1,9, Sommerroggen 3, a be 2,4, Hafer 2,5, Kartoffeln 1,9, Klee, auch Luzerne 2,7, Wiesen 2,5, Weinberge 1,6. Die häufigen Niederschläge der letzten Wochen haben die Erntearbeiten sehr gestört; vereinzelt ist auch Auswuchs bei Roggen und Gerste vorgekommen.

L. Gießen, 26. August. Eine verblüffende Kunde kommt aus Amerika. Dort, im Lande der Freiheit und praktischen Vernunft, fängt man, so heißt es, schon an, die Herren Universitätsproffessoren durch Automaten zu ersetzen. An einigen Universitäten der transatlantischen Republik hat sich nämlich unter den Studenten seit einiger Zeit der Brauch eingebürgert, bei akademischen Vorträgen einen Phonographen aufzustellen, welcher die Worte des Vortragenden getreu in sich auf⸗ nimmt, so daß Bruder Studio später auf seinerBude nur die Kurbel in Bewegung zu setzen braucht, um sich den Inhalt des Vortrages beliebig oft vorpaucken zu lassen. Diese geniale Neuerung auf dem Gebiete des wissenschaftlichen Geschäftsbetriebes ist sicher von unabseh⸗ baren Folgen Der Phonograph wird den akademischen Lehrer zur Rolle eines der überflüssigsten Wesen in Gottes Schöpfung herabdrücken. Hat ein Professor einmal im Leben seinen Vortrag in den phonographischen Apparat hineingesprochen, so ist er selber von Stund ab entbehr⸗ lich; der Apparat kann hinfort das Lehramt genau so vortrefflich verwalten, wie er. Ueberdies hat der Phono⸗ graph vor dem Professor den schätzbaren Vorzug voraus, daß er sich nach Bedarf vervielfältigen läßt. Die Weis⸗ heit eines einzigen Gelehrten kann unter diesen Umständen in allen Hörsälen des Landes zu gleicher Zeit vorgetragen werden. Mehr als das: die Universitäten dürften schließ⸗ lich ziemlich überflüssig werden. Wenigstens können Eltern. die um das Wohl und Wehe ihrer Söhne besorgt sind, diese künftig zu Hause behalten: statt die durch das Universitätsstudium bisher bedingten theuren Kollegien⸗ gelder und Monatswechsel zu entrichten, lassen sie einfach die phonographisch fixierten Vorträge der ersten akade⸗ mischen Lehrer des Landes kommen, und zwingen nun ihre Söhne, unter elterlicher Aufsicht die Kollegien zu hören. Die schöne Sitte desSchwänzens hört damit auf, und, was die Hauptsache ist, derselbe Phonograph reicht zur Ausbildung mehrerer Kinder völlig aus. Man wächst innerhalb einer Familie ebenso bequem in die Wissenschaft hinein, wie man in jungen Jahren in die

Schuhe und Kleider der älteren Brüder hineinwuchs! Ein liebliches Zukunftsbild, nicht wahr? Schade, daß es augenscheinlich nur der Sommertraum eines stoffarmen

Zeitungsschreibers ist.

* Darmstadt, 25. August. Herr Oberbau⸗ rat Wetz, bisher hessischer Regierungskommissar bei der Hessischen Ludwi a der an den Vorberathungen zur Verstaat ichung derselben einen wesentlichen Anteil nahm, ist als vor⸗ tragender Rat nach Berlin berufen worden.

* Darmstadt, 25. Aug. Der Sohn eines hiesigen Restaurateurs unterschlug als Reisen⸗ der einer Ludwigshafener Firma mehrere tausend Mark und ging nach London flüchtig. Da er auch dort Raub und Diebstahl verübte, war ihm die englische Polizei hart auf den Fersen. Auf die Nachricht der Londoner Behörde, daß sich der noch junge Mann wieder nach Deutschland gewandt habe, gelang es, ihn hier hinter Schloß und Riegel zu bringen.

* Aus Rheinhessen, 25. August. In Framersheim hat ein ungeübter Fuhrmann ein schreckliches Unglück angerichtet. Der 16jäh⸗ rige Rosselenker fuhr in einem Haufen Kinder hinein, wodurch einen kleinem Mädchen der Kopf zerquetscht wurde und das Kind alsbald starb. Ein anderes Kind erlitt innere Ver⸗ letzungen und Schenkelbruch, ein drittes eine schwere Verletzung des einen Fußes.

Mainz, 25. Aug. Für die Direktor⸗ stelle der städtischen Gemäldegallerie an Stelle des zurückgetretenen Stadtverordneten Herrn Fischer hat sich nunmehr eine Reihe nam⸗ hafter Künstler gemeldet. Nach einer gestern abgehaltenen Sitzung der Museumsdeputation soll indessen diese Stelle für die Folge nur als ein Nebenamt verwaltet werden, und wird voraussichtlich Herr Lindenschmit, der Kon⸗ servator des römisch-germanischen Museums, damit betraut werden.

Worms, 25. August. Eine Trauung mit Hindernissen fand vor einigen Tagen hier statt. Als das Brautpaar sich auf dem Bürgermeisteramt einfand, stellte es sich heraus, daß sämtliche zur Vornahme des Trauungsaktes berechtigten Personen beurlaubt waren. Man telegraphierte nun an eine Anzahl Bürgermeister der benachbarten Landgemeinden, überallher kam aber eine abschlägliche Antwort, bis endlich der Bürgermeister von Neuhausen zusagte. Er wurde nun per Chaise herbeigeholt und erleichterte dem auf die Trauung sehnsüchtig wartenden Paar und der ganzen Hochzeitsgesellschaft durch sein Erscheinen nicht wenig die beschwerten Herzeu.

Vermischtes.

Ein toter Passagier wurde in Mainz aus dem von Bielefeld eintreffenden Zuge ausgesetzt. Der im dortigen Gefängnis inhaftierte ca. 50 Jahre alte L. Ringes aus Bünde, verheiratet und kinderlos, sollte den Rest

Marja, das Heldenmädchen

von Transvaal.

Zeitroman von Pieter Vryburg (Nachdruck verboten.)

2 SCaortsetzung.) 1 Noch sah er nur schattenhafte Umrisse durch die Nacht heraufdämmern, aber das Licht, welches zu ihm herüberstrahlte, versicherte ihn, daß da Menschen waren und wachten. Nach der Begeg⸗ nung mit Marja und ihrem menschenfreundlichen Walten durfte er auf eine gute Aufnahme rechnen. Nach kurzem Verweilen setzte er seine Wande⸗ rung fort.. Mehr und mehr lösten sich die Nebelschleier von den zerstreut liegenden Gebäuden. 5 Je mehr das aber geschah, um so weniger

1% schnell schritt der Deutsche seinem Ziele zu. Er bemerkte zu seiner nicht geringen Verwunde⸗ rung, daß alle Nebengebäude der Farm in Schutt

und Trümmer lagen oder mit Einsturz drohten.

Nur das Wohnhaus war noch ganz erhalten, aber

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auch das ließ auf einige Entfernung hin erkennen,

daß es dem gleichen Verfall, wie die anderen Ge⸗

bäude entgegenging und daß wohl seit Jahren keine

Hand sich gerührt hatte, um diesen Verfall aufzu⸗ alten.

Aufhorchend stand er still. 5 1 92 bent Laut 5 Schafen oder Rindern dernehmbar. Kein Hund schlug an. Nichts regte

Alles war tot und still. Das Grabes⸗ schweigen der Wüste war auch über das verfallene

Gehöft ausgebreitet. 15

7 0 Wanderer stutzte und stand still, um zu

lberlegen. 8 Wenn Marja hier gewesen wäre, dann würde sie doch die Heerde zurückgelassen haben. Von der aber war im weiten Umkreis keine Spur zu ent⸗ Marja hatte ganz das Aussehen eines

wohlhabenden Boerenmädchens gehabt, und was er

hier sah, war ein sicherer Beweis für die gänzliche Verarmung des Besitzers der Farm.

Er dachte daran, was sie ihm von dem die Wüste durchstreifenden Raubgesindel gesagt hatte.

Sollte er hier unwissentlich auf einen Schlupf⸗ winkel derselben gestoßen sein?

Vorsicht!

Er wollte nicht, kaum vom Tode errettet, blind⸗ lings in sein Verderben rennen. 8 8

Rings um die stille Farm herum lief eine nur noch zum Teil erhaltene Dornenhecke und diese war auf der Außenseite mit einem tiefen und breiten Graben umzogen.

Nach einem kurzen Umblick ging der Deutsche mit lautlosen Schleichtritten der Hecke zu.

Am Rande des Grabens blieb er noch einmal aufhorchend stehen, und nun glaubte er ein dumpfes Stimmengewirr zu vernehmen. f

Es machte ganz den Eindruck, als wenn in dem stillen Hause eine größere Anzahl von Männern versammelt wäre. 5

Auch das Scharren und Stampfen der Pferde klang jetzt gedämpft von dort herüber.

Das war doch seltsam, und mehr und mehr befestigte sich in ihm der Gedanke, daß hier eine geheime Zusammenkunft von Leuten stattfand, welche das Licht des Tages zu scheuen hatten.

Aber was nutzte das Sinnen und Grübeln? Gewißheit wollte er haben, und die konnte er sich nur durch den Augenschein verschaffen.

Er stieg in den verfallenen wasserlosen Graben hinab und umschlich mit noch größerer Vorsicht als bisher das stille Gehöft.

Plötzlich blieb er stehen. i 1

Durch eine Lücke in der Hecke blickte er in einen offenen jenseits des Hauses stehenden Schuppen, von dem das Dach halb abgedeckt war, und da sah

er eine Anzahl gesattelter Pferde an den Krippen

stehen und fressen. Das erklärte es, warum die Tiere sich so ruhig verhielten.

Nun war er seiner Sache fast sicher.

Sofort schoß es ihm blitzschnell durch den Kopf, sich eines dieser Pferde zu bemächtigen und auf und davon zu reiten.

Zuvor mußte er sich aber vergewissern, daß keiner der Leute draußen war und daß es wirklich Räuber waren. Es konnte ebensogut auch eine Karawane von Goldgräbern sein, die hier abgesessen hatten, um zu übernachten. Das waren im allge meinen gutmütige Leute, die sich seiner gewiß an⸗ nehmen würden. Warum sollte er sich ohne Not an fremden Eigentum vergreifen? Und vielleicht fand er gar einen Landsmann unter ihnen!

Nachdem der Späher eine Stelle gefunden hatte, wo Gebüsch ihn verdeckte, kroch er durch die Hecke hindurch und nach dem Hause heran.

Je näher er demselben kam, um so lauter wurde das Stimmengewirr.

Die Baufälligkeit des Hauses machte es zweifel⸗ los, daß er einen Spalt oder Riß in der Wand finden würde, durch den er etwas sehen oder hören konnte.

In dieser nicht getäuscht.

Bald hatte er einen günstigen Platz gefunden, von wo aus er das Innere des erhellten Raumes überschauen konnte.

Es mochten etwa zwanzig Männer beisammen sein, und ihr Aeußeres kennzeichnete sie ohne Weiteres als Goldgräber.

Er hatte diese Leute bei seinem Aufenthalt in Johannesburg kennen gelernt, dem Hauptort des Minendistrikts von Uitwatersland.

Was ihm sogleich auffiel, war, daß alle An⸗ wesenden Engländer waren, Uitländer, wie die

Voraussetzung fand er sich

Boeren sie nennen, und sie unterhielten sich auch ausschließlich in dieser Sprache.

Nun erlauschte er, was gesprochen wurde, und da schämte er sich fast seines gehegten Verdachtes, denn sie sprachen nur von ihren Funden und Aus⸗ sichten, von dem Wert der verschiedenen Goldfelder, deren jedes einen oder mehrere Vertreter hierher ent⸗ sandt zu haben schien. Dabei verzehrten die Männer friedlich ihr frugales Nachtmahl, tranken und rauchten.

Nur einer saß da, stumm und in sich gekehrt, eine große, sehnige Gestalt mit dem Körperbau eines geschmeidigen Athleten.

Der Lauscher glaubte in ihm den Mann wieder zu erkennen, welcher vorhin mit so elastischen, schnellen Schritten die Wüste durchwandert hatte, und der mithin die Veranlassung geworden war, daß auch er, der Deutsche, seine Schritte hierher gelenkt hatte.

Na, schwarzer Tom, redete den jetzt einer an, kein Becher, keine Pfeife, keinen fetten Happen? Man sollte meinen, die Wanderung nach der Wit⸗ burg Farm, um zu sehen, ob allesdicht ist, hätte Dir Hunger gemacht. Oder hast Du vielleicht die schöne Marja im Schlummer belauscht? Nun, wenn wir erst die Farmen haben, dann werden wir uns auch die schönen Boerenmädchen zu Weibern nehmen, auch Marja, die Schönste der Schönen. Jetzt freilich rümpfen sie noch die Nase und blicken mit Geringschätzung auf den Uitländer, den ihre Eltern sie hassen gelernt haben; aber Mut, mein Junge! Bald sind wir die Herren des Landes, und dann wollen wir den stolzen Bauerntrotz schon brechen! Hast keinen Taback? Hier, nimm von dem meinen?

(Fortsetzung folgt.)